Ausgabe 
7.9.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. 210

Zweites Blatt

Mittwoch 7. September 1904

Gießener Anzeiger

Erscheint Ügllch mit Ausnahme des Sonntags.

Redaktion, Expedition m ©ruderet Schnlstr.7.

Tel. Nr. 6L TsLegr.-Adr. i Anzelg« Gteßsa,

RotattonSdrud und Verlag bet Brüh lachen UnwersitätLdruderei. R. Lange. Gieß«.

Die ^Sttzener Kcnniiienblatter- werden dem Anzeige viermal wöchentlich beigelegt Der Landwirt" erscheint monatlich etnmaL

154. Jahrgang

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Aer Kaiser in Kamöurg.

§ambur6. Sept.

Drr Kaiser urrd die Kaiserin trafen heute abend etn mb wurden iur Rathause vorn Bürgermeister Moencke- berg nnpfangeu. Während des Diners im Rathause war öer Rathausplatz glänzend itlnrnttriert und mit Buntfeuer beleuchtet. Bei dem Festmahl hielt Bürgermeister Dr. Moendeberg eine Rede, in der er u. a. folgendes aus- fphrü:

As Eure Majestät im Herbst 1888 zum erstenmale als Kaiser nach pamburg kamen, galt es 'der SchlußstLinlegnng der großartigen Freihafenbauten, die mit Hilfe des Deutschen Reiä)es er- riclzLe: wurden, um den Anschluß Hamburgs an das Deutsche Zoll- gebar und damit zu engerer wirtschaftlicher Verbindung Ham­burgs mit dem deutschen Binncnlande zu ermöglichen. Bei bem nächsten Besuch Eurer Majestät im Juli 189b hatten sich, .der Einladung Eurer Majestät folgend, sämtliche deutsche Fürsten und zahlreiche Vertreter aller europäischen Nationen hier in unserem Rathause versammelt, nm die auf Pen folgenden Tag anb-eraumte Evöfmung des in politischer, militärischer und in kommerzieller Beziehung so wichtiger Nordo fts e e kanals festlich zu be­gehen. Und Mieder einige Jahre später am 18. Oktober 1899 l>abkn Eure Majestät hier in unserem Rathause die denkwürdige Ansprache gehalten, .in der ans die Notwendigkeit einer starken Flotte hmgewiesen und in ernsten zu Herzen gehenden Worten das deutsche Volk ermahnt wurde, keine Opfer zu scl^uen, wenn es gälte ,die zur Aufrechterhaltung der Macht­stellung Deutschlands zur See wie zu Larrde erforderlichen Mittel anfzubringen. Zuletzt im vorigen Sommer haben Eure Majestät der Enthüllung unseres Kaiserdenkmals beizuwohnen ge­ruht. Mit bewegtem Herzen blicken wir zurück auf die lange Reihe glücklicher Friedensjahre, die Deutschland seiner: Kaisern verdankt. Wenn nun der heutige Besuch Eurer Majestät, ver­anlaßt durch die großen in unserer Nähe 'stattfindendeu Ma­növer, im Gegensatz zu dem vorjährigen vorwiegend mlli- tärsschLN Charakter hat, so wissen wir ja, daß, werdenF rieben will, jederzeit kriegsbereit sein muß und daß wir die Segnungen des Friedens nur dann genießen können, wenn Heerund Marine ft arkgenugsind, auch in ernsten Zeiten und unter schwierigsten Verhältnissen den europäischen Frieden zu gewährleisten. Daher haben wir das groß­artige militärische Schauspiel, 'das gestern auf Eurer Majestät Befehl in unserer Nachbarschaft ftattgefuuden hat, mit Freude und Stolz betrachtet, überzeugt, daß unser Heer uud unsere Flotte zu jeder Zeit allen .Anforderungen ge­wachsen fein werden, .die an dieselben gestellt werden mögen. So heißen wir denn in aufrichtiger Freude die hervorragenden Führer unseres Heeres in unseren Mauern willkommen, die heute in Begleitung Eurer Majestät in unserer Mitte erschienen sind. Mit ehrerbietigem Danke begrüßen wir die erlauchten deutschen Fürsten, die uns die Ehre erwiesen haben, der Einladung zu folgen. .Vor allem aber .sprechen wir Ihrer Majestät, Deutsch­laichs geliebten und verehrten Kaiserin, tief empfundenen Lank aus, daß .Ihre Majestät einen langjährigen Wunsch der Stadt Hamburg erfüllt und eine Einladung zum heutigen Fest anzunehnen geruht haben. So ersuche ich denn die geehrten Anwesenden, mit mir einzustimmen in den Ruf: Seine AMajestät, unser allergnädigster Kaiser Wilhelm und Ihre Majestät die Kchfevisl Augusta Viktoria leben hoch

Eine neue Kaiserrete.

Der Kaiser erwiderte:

Mit erhebenden Worten haben Eure Magnifizenz meine Frau, die Bundesfürsten und mich willkommen geheißen im Namen der Stadt Hamburg und cS fehlen mir die Worte, um den Gefühlen Ausdruck zu geben, die mein Herz erfüllen und die auch das Herz Ihrer Majestät der Kaiserin durchziehen bei dem Anhöreu dieses.Ausdruckes von Patriotismus, von Hin­gebung und von .freundlicher Liebenswürdigkeit Von ganzem Herzen haben wir uns gefreut, daß die Manövertage Gelegenheit gegeben haben, Hamburg zu besuchen. Ich darf wohl sagen, es hat mir heute aus dem Verhalten der Bevölkerung entgegen» geklungen, als ob die Hamburger mich nicht mehr als einen fremden Souverän, sondern als einen alten Bekannten begrüßt haben. Sie haben der Reihe von Tagen gedacht, die ich bei Ihnen zugebracht habe, uud der Ereignisse, die sich daran geknüpft haben. Nun, der inhalts­schwerste, der 18. .Oktober 1899, hat Früchte gezeitigt, und der Appell an das deutsche Volk ist nicht ungehürt ge­blieben. Ter Erfolg.desselben ist in der deutschen Flotte zu erblicken, die nunmehr verankert vor der Elbmündung Hegt, um meine Inspizierung zu erwarten. Das deutsche Volk hat die Berechtigung, die Flotte und das Heer sick) zu halten, deren es bedarf zur Sicherung seiner Interessen, und niemand wird es daran hindern wol len, .d ie.se lbe auszubauen nach seinem Wunsch und Willen. Ter gestrige Tag hat wohl für manches Hamburger Kind zum erstenmal das Bild einer großen Parade gebracht, und ich bin fest überzeugt, daß mancher Hamburger, als er die glitzernden Reihen der herrlichen Truppen des 9. Armeekorps und des forschen Landungskorps

gesehen hat, zum erstenmale sich darüber klar geworden ist, was es heißt, Armee und Flotte. In diesen schimmernden Reihen stehen auch die Söhne der Hansastadte und die Regimenter, deren Fahnen dort vorbeiwehten und deren Nummern an uns vorbei- zogen, haben auch eine Geschichte und haben redlich sich geschlagen und Blut und Leben eingesetzt, um das deutsche Vaterland loieder zu einigen. Aber noch mehr, wir haben uns gefreut an dem Anblick der Jugend, die dort auf den Heeresdienst vorbereitet und gedrillt in stolzen Reihen vorüberschritt, und so manches allere Menschenherz hat mit Bewegung das Spalier betrachtet, das vom Paradeplatz bis in die Stadt hinein dastand, die Krieger- Vereine, eisgraue Leute neben jüngeren mit Kriegsmedaillen aus vergangenen Zeiten auf bet Brust uns den Huldigungsruf entgegen­bringend. Tas sind Kriegskameraden Kaiser Wilhelms des Großen und Kaiser Friedrichs. Tas sind die alten Hanseaten, die das Leben eingesetzt haben, um uns das Reich zu gewinnen. Denn dadurch, daß das von meinem Großvater vorbereitete Heer in den Stunden der Gefahr eine scharfe Waffe war, die er schwingen konnte, .dadurch kam das deutsche Volk wieder.zur Einheit, und feit das deutsche Volk geeint ist und das Vaterland in voller Rüstung dasteht, haben wir den Frieden. So möchte ich am heutigen Tage den speziell militärischen Charakter des Besuches dadurch besonders betonen, daß ich die Hansastädte in nähere Beziehung zu meiner Armee bringe. Wie Ihnen bekannt, hat jeder neue Kreuzer in meiner Marine den Namen einer Hanfestadt erhalten. Ich habe befohlen, unter dem gestrigen Datum, daß die drei Jnfanterieregimenter, die in den Garnisonen in den drei Hansa städten stehen, von nun an die Städtenamen tragen sollen: Regiment H am bürg , Regiment Brem en, Regiment Lübeck. Mögen Sre hieraus die Zuversicht schöpfen, daß meine vollste und innigste Dankbarkeit und mein wärmstes Interesse den Hansestädten und vor allem Hamburg gilt, daß ich der festen Ueberzeugung bin, daß uns Gott die Kraft geben wird mit Hilfe dieser tapferen Regimenter dem deutschen Volke den Frieden zu erhalten, daß das Blühen und Gedeihen Hamburgs unter dem Schutze dieses Friedens nicht aufhören möge und daß Hamburg sich entwickeln möge bis in die fernsten Zeiten: darauf leere ich mein Glas. Die Stadt Hamburg und die Hansestädte Hurra, Hurra, Hurra!"

Ein F^shabend rrn deutschen Schauspielhaus be­endete den Kaiserbesuch Gespielt wurde Blumenthals Vcrs- spielMann wir altern" und Courtelines Einakter ,Der Herr Kortnrnissar". Der Kaiser hatte die Stücke selbst ausge -wählt, doch wirkte das zweite Stück, das eine höchst peinliche Wahnsinnsszene mit Re­volverspielerei enthält, auf die Damenwelt weniger ange­nehm als das erste. Das an Monarchenbesuch im Theater nicht gewohnte Publikum der freien Reichsstadt wartete mit seinem Beifallsklatschen gar nicht erst, bis das Kaiser- paar das Signal dazu gab. Viel Aufmerksamkeit erregte die junge Großherzogin von Mecklenburg. Auch der Groß­herzog von Oldenburg, der Prinzregent von Braunschweig und zahlreiche andere Fürstlichkeiten, ferner die General­obersten Graf Schliessen und Hahnke, Reichskanzler Gras Bülow, dieser in Husaren unifor m, die Bürger­meister und Senatoren in ihren mittelalterlichen Trach­ten, Generaldirektor Ballin und die bekanntesten Persönlich­keiten der vornehmen Hamburger Gesellschaft waren zu­gegen. Die Umgebung der Imran-Alster, ganz besonders das Gebäude der Hanrvm^-Amerikalinie waren herrlich illu­miniert. Tausende durchfluteten die Straßen.

Die ,^ohenzollern" mit dem Kaiser an Bord uitb der KreuzerHamburg" nrachtrn um IP/2 Uhr los und dampf­ten elbeabwärts.

Die Hessische Sozialdemokratie und der Smsier- damer Kongreß.

E. B. Darmsta dt, 4. Sept.

Der internationale Sozialistenkongreß in Amsterdam hat in der gesäurten nicht sozialistische Presse eine mehr oder nrinder scharfe Beurteilung erfahren, und es ist auf die Unfruchtbarkeit derartiger Berans^Zungen hingewiesen worden, deren Kosten von den Arbeiter gro scheu be­stritten werden müssen. Die Gegensätze innerhalb der Partei sind auch in Amsterdarn wieder aufeinander geplatzt. Trotz aller schönen Redensarten von Einigkeit und Gleich­heit kehrte doch fast jedes Land in den wichtigsten Dingen feinen besonderen Standpunkt heraus, und bei der großen Frage über die zukünftige Parteitaktik den Regierungen und den bürgerlichen Parteien gegenüber kam es bekanntlich zu wütenden Kontroversen.

Seitens der Hessischen Sozialdemokraten war derrote Ulrich" aus Offenbach zu dieser internationalen Versamm­lung delegiert worden uud er unternahm es gestern abend, in einer auch von Frauen zahlreich besuchten öffentlichen

Volksversammlung im städtischen Saalbau, Bericht darüber zu erstatten. Man sah es dem Redner an, daß chm diesem Aufgabe nicht leicht wurde. Was sollte er auch dem breiten, Auditorium von Genossen und Genossinnen erzählen von den drettägigen heißen Debatten, die sich über alle möglichen Gebiete der roten Internationale erstreckten und ihren Schwerpunkt in dem Konflikt zwischen der radikal-revolwi tionären und der revisionistischen Richtung hatten? Herr- Ulrich meinte mit etwas kleinlautem Stolz, der Kongreß habe bewiesen,daß das gesamte organisierte Proletcuüat der Welt auf dem gleichen Standpunkt steht und die inter­nationale Bereinigung durchaus keine Phrase ist" Die Gegnertun nur so", als ob sie dem ganzen Kongreß gar Feine weitere Bedeutung beimejsen; auch das erfimHlige Er­scheinen zweier Asiaten, eines Japaners und eines achtzig­jährigen Indiers, liefern den Beweis, wie ,chie internatio­nale Sozialdemokratie marschiert, daß sie alle Welt in ihre Kreise zieht." Dann schien dem Redner aber vor dieser Welt einig keit" selbst ein wenig bange zu werden, denn er bemerkte weiter: In Amsterdam hat sich, aber die Erkenntnis durchgerungen, und den Sieg davongetragen, daß bei der Verschiedenartig kett der Verhältnisse in den einzelnen Ländern nur grundlegende Prinzipien aufge-- stellt werden können. Also wirtlichnur" grundlegende Prinzipien? Nun, find denn nicht gerade in dem wich­tigsten dieser Prinzipien, das in der Dresdener Res0- lution (Bekämpfung des Revisionismus) niedergelegt ist, die schärfsten Gegensätz e zum Ausbruch gekommen? Gegen dieselbe Resolution, die Bebel mit außerordent­lichem Wortschwall verteidigte und als das Allheilmittel der roten Internationale hinstellte, protestierten die Ver> treter einer ganzen Reihe anderex Staaten. Jaurös, der unter häufigem Hohngelächter die politische' Ohnmacht der deutschen Sozialdemokratie kennzeichnete, bemerkte u.a: Die deutschen Genossen befinden sich in einem verhängnis­vollen Irrtum, wenn sie glauben, daß ihre Resolution! für alle Nattonen maßgebend sein könnte; sie ist vielleicht auch nur bedingt maßgebend für die Taktik i n D e u t s ch l a n d selbst!" Und der -Oesterreicher Adler und der Holländer Vandervelde brachten eine Gegen­resolution ein, die nur mit einer Stimme (Stimmengleich­heit) abgelehnt wurde.

Nicht minder charakteristisch für die Einigkett in den grundlegenden Prinzipien war die Verhandlung über die Frage der Gleichberechtigung aller Prole­tarier. Während'der Ausschuß des Kongresses in einen längeren Resolution jede Gesetzesmaßregel verurtettt wissen wollte, welche die Einwanderung fremder Arbeiter, die das Elend zur Auswanderung zwingt, verbietet oder verhindert und überhaupt das Prinzip der Gleichberechtigung an­erkennt, legten die Holländer, die Amerikaner und die eng­lischen Kolonisten eine Gegenresolution vor, in welcher aus­gesprochen wird, daß ihre Länder gezwungen seien, einen ttnterschied zwischen Arbeitern zivttisierter Länder und uw- zivilisierter Länder zu machen, zwischen ,Arbeitern, die mitten im Klassenkampfe stehen und solchen, die dazu nicht die geringste Vorbedingung haberü', d. h. also für die genannten Länder die Neger und die Kulis, für Deutschland die Italiener, die Polen rc. Auf Antrag der Engländer wurde schließlich die weitere Erörterung urrd Beschluß­fassung über diesesgrundlegende Prinzip" von der Tages­ordnung abgesetzt. Näan hat sich also auf dem Kongreß nicht über den in großen Lettern im Sitzungssaal prangen­den Mahnruf von Karl Marx:Proletarier aller Länder­vereinigt Euch!" verständigt!

Wie die vorstehenden, so ließen sich noch zahlreiche andere Beispiele gegen die Behauptung des Ulrich an führen, daß das gesamte Proletariat der Welt auf dem gleichen Standpunkt steht. Der Redner vermied es auch mit peinlicher Gewissenhafttgkett, uns irgend einen Ein­blick in die intimeren Vorgänge in den verschiedenen Aus­schüssen zu gewähren. Er gab nach heftigen Ausfällen gegen die Ausbeutung der Menschhett durch das inter­nationale Kapital nur einen allgemeinen Ueberlttick über die gefaßten Beschlüsse des Kongrc,ses, die nach der Versicher­ung des Redners in den Ausschüssen eurer gründlichen Vorberatung unterzogen wurden. So ein internationaler Sozialistenkongreß sei überhaupt eine ganz andere Sache, als ein Gelehrte:!- oder ein Friedenskongreß, bei denen man einfach französisch sprech>e, was die meisten ja doch nicht verstünden. In Anrsterdam hätten sich alle Redner gefallen lassen müssen, daß chre Reden ;wch in zwei andere

Kleims Aeuilletou.

Aus Berlin wird dem Neuen Wiener Journal mitgeteilt, daß die über den schwankenden Gesundheitszustand Gerhart Hauptmanns zirkulierenden Gerüchte auf Wahr­heit beruhen, und ein schon länger andauerndes Brust leiden den,Dickster zningt seinen Auseuthatt in feinem Heim bei Agneten- dorf im Richengebttge auf 'die roarme Jahreszeit einznschränken und den übrigen Teil des Jahres in Otten mit milderem Klima zu verbringen. Gleichzettig meldet das Blatt, daß Hauptmann sich mit seiner Freundin der früheren Berliner Schanfpielerin Frl Marschall verehelicht habe.

War Wagner jüdischer Abkunft? Eine englische Zeitschrift wirft die Frage auf, ob per Verfasser desJirdentum in der Musik" jüdischer Abkunft gew-efen fein könnte, und es findet viele Frage in dem neu erschienenen Bnck>e von James G. Huneker Over-Tones "bejahend beantwortet .Irr den: Kapitel des genannten Buches, welches Papstsal betitelt ist heißt es, ein berühmter Wagner-Tirigent, der kürzlich in Newyork gewesen fei, habe dort feinen Fremrden erzählt, er habe in der Villa Wah-nfricd die handsck-riflliche Selbstbiographie Wagners gesehen, welche erst nach Ablauf einer gcivilffeu Frist veröffentlicht werden dürfe, urrd darin gebe Wagrrer zu, der Sohn eines Ludwig unjer zu fein, welcher Maler, Tichter ,Dramatiker, Komponist, Schauspieler und Regisseur kurzum ein allseitig begabter Mann war uni> dieser Ludwig (Hetzer war jüdischer Abkünft. Tann roird auch Nietzsche angefüprt, der ctiua im Jahre 1887/88 ge schrieben haben soll, Wagners Vater sei ein Sclmuspieler Namens

g . Jen. Außerdem wird der Wagnerbiograph Henry

.. d als Zeuge dafür angeführt, daß in der Villa Wahn frier» wohl ein Poctllit von Wagrrers Mutter unb von Ludwig Getzer zu sehen fei, aber feine» von dem Leipziger Polizeiaktuar Wagner, der als Vater des großen Musiker gilt

AnS dem Frankfurter Kun ft leben. In aller Stille beging am 2. September der Vertreter des pores rwbles- Faches, Mathieu Pfeil, das Jubiläum feiner fünfund- zwanzigjährigen Bühnentätigkeit. Pfeil steht im 42. Lebensjahre, er ist ein Kölner Kind und genießt als Künstler die größte WettsckMung wegen der Vornehmheit und der intelli­genten Reife feiner Kunst Leider verläßt Pfeil Frank­furt, wett er mit der ihn: hier gebotenen Beschäftigung nicht zufrieden ist; er geht nach Stuttgart, wo er als Heldenvater und zugleick) als Regisseur tätig fein wird. Frankfurt verliert den sympathifcherr Künstler, dessen Wirken am Schauspielhaus und am Losfingtheater in Berlin in guter Erinnerung ist, nur ungern. Kapellmeister Tr. Kunwald, die interessanteste Persönlicl-- keit der Frankfurter Diusikwelt, ist um feine E tlassung ein- gefommeu. .Tr. Lßnnwald bat sich um die Oper große Verdienste erworben und es wäre sehr bedauerlich, wenn er den Taktstock niederlegte.

Carlo von Erlanger f. Aus Salzburg kommt die Nachricht von einem tödlichen Unfall, den der Afrika- reisende Frhr. Carlo von Erlanger gestern crlUten hat. E. wollte in Begleitung eines Bekamtteu mit dem Automobil eine Vergnügungstour unternehmen, stieß in der Stadt mit einem elektrischen Straßenbahmv'ageu zusammen und wurde au# (einem Fahrzeug geschleudert, schoere Beinbrüche und innere Verletz­ungen waren die Folgen. Tie Ellen: des Verunglückten, die in Nieder-Jngelhein: nxoljnen, erhielten istegraphisclie Nach- rickft von dem Unfall und reiften sofort nach Salzburg. Azi: Mon^ lag traf die Nachricht ein, daß^der Verunglückte in der stacht seinen Verletzungen erlegen ist. Sein Begleiter und Neffe, Baron von Heimerling, tarn mit kleinen Verletzungen ba*m. Carlo von Erlanger ist nur 32 Jahre alt geworben. Er ist durch die Sck)il- derungen seiner langjährigen erfolgreicljen Afrikaforschnnger: in

weiten Kreisen bekannt geworden Zahlreichen geographischen Ge­sellschaften gehörte er als Ehrenmitglied an.

Christiania, 6. Sept. Wie dasDtorgenbladett' ans Hammerfest meldet, berichtet der Fill-rer des SchüfenVtteola", daß er am 17. August auf 78,38 Grad iwrdlicher Brette unb ö2 Osttcmgo das Entsatzschiff der Zieglersche n Expedition von Frithiof getroffen habe. .Frtthjof hal>e bisher ver­gebens nach r5ranz-Josesslaud zu kommen versucht und sei ost­wärts gesteuert.

. , ~ u n d, 5. Sept. Ter 20. Jahreskongreß der A st r 0 n 0 m i» scheu Gesellschaft tvuvdc beute int llniversitätsgebäude er* öffnet. Etwa 60 ausländttsche Gelehrte tvaren erschieneit. Ter Prokanzler der Universität, Bisckws Billing, hieß im Auftrage der Jregieruug die Teilnehmer in deutlscst'r Spracisc willkommen, ^er Rektor der Universität, Professor Ribbing, begrüßte die Tett- nehnter im "Namen ter Untversttät. Bürgermeister Brink im Namen der Stadt. Prof. v. Seellngcr-Münck>en dankte int Namen der Teilnehmer.

Bern, 5. Sept. In ergangener Nacht starb hier der Bildhauer Antottiv Chiattone, der Schöpfer des im Zah-re 1892 auf Korfu errichteten Denkmals für den M von tUon- prützen Rudolf von Oesterreüb unb des im Jahre 1902 in Terrttet errichteten Tenknull» der Kaiserin Elisabeth von Oester­reich.^

St. Gallen, 6. Sept. Ge^enüter ausloartigen Blatter- ntclbungen, mich nxlcbcu ter Schöpfer des Noten Kreuzes Henri Dunant int Kranlenhaufe zu Heiden Not leite, da ter ihm seinerzett zuerkannte Nobelprett bereits verbraucht sei, oon maßgebender Sette mitgeteilt, teß die Bel'.anpt'.uigen falsch seien. Tunant, ter körperlich und geistig svihtz sei, beziehe, eine regel­mäßige, von ter Kaisenn'WlNoe von Rußland ausgesetzte Pension und habe ten Nobelpreis überhaupt noch nicht angegnffaL