Ausgabe 
7.7.1904 Zweites Blatt
 
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□enuruÄfl vorhandener WaschLinrichtun^ner» dupch die Ar- bnter pflügt, nxu' mit ^uinyel an jtil motiviert zu tntxteii pffcyt

^<ix* bw Erw^r^Overhü ltnisse betrifft, so ist <ut*> dem Bezirk gießen zu berichten, baß besondere 2lr- Ivuercm la (funken ober Lrdcits^ llkur-ttngeu infolge schlech­ten GeschüfrSttantzÄ» nicht surugesunden haben. Än drei verjchre^men Piaperr gelang eS den Braucreiartn'item, durch fdmfthdK IhAcreinfmmnc11 mit den betreffenden Bcuuerei- deilyern, besserr tirbeitx-- und Lohn Ix'drngungen zu er- rr uben. Die ein^iereübten Lodmarife enthalten das Prinzip: Jede Exrralcistnn^ soll honoriert tvcrdeu.

Bon ijenHTbinben Berrredsanlagcn, die für ihre Beam­ten und ^irtk'aex Wohnungen gebaut haben, vcrdierren ba* (i-ifeniwrt ui Lollar sonne die Glasfabrik in Büdingeii Erwähnung. Infolge des neuen Gesekes, die WohnnngS- fürs arge für Minder bc nritteUE betreffend, ist tni Bez tri Hießen eure Reihe von B a u g e n o s s e n s ch a s t e n zu Lvin Ztveck gegründet tuoeben, minderbemittelten Personen billige Häuser zu verschalen, die den in sozialer Bezieh­ung' ;u stellenden Anforderungen entsprechen.

Tie Wobljahrt^einrichtuugeil in den gewerblichen Be­trieben werden eingehend desprocheu: einzelne Großbe- triebe sttchen geradezu mustcrgüng da, so einige Zigarren- tabnlen im Bezirk Hießen und einige Lederwerke im Bezirk Worms.

Im allgemeinen ist ein wesentlicher A u f s ch w u n g per gefamten Industrie der Provinz Cber- Hessen und eine ständige Erholung v o m wirt­schaftlichen Rückgänge der Vorjahre zu bemerlen. Lin stetes Fvrtschr eiten der Industrialisier­ung deS ^fficktSbezülls ist and) trotz vorüber­gehender Krisen ün großen und ganzen unver­kennbar. H. W.

politische Tagesschau.

Einst und Jetzt.

Der Karlsruher Oberbürgermeister Schnetzler scheint mit der heutigen Leuung unserer Lerchspolitik unzufrieden zu sein und er benutzte am letzten Sonntag bei der LnthüUuugsfercr des Karlsruher B i s - marckdenkmals tue Gelegenheit, um mit Sarkasmus die Staatstunst Bismarcks und diemoderne Salon­diplomatie" einander gegenüberzusteUeu. Er führte batet, wie JtarE'ruhcr Blätter berichten, unter dem wieder- holten tauten Beifall der Zuhörer ungefähr folgendes aus .

als schlauer Äuskundsch^.fver und gefügiger Bollftrecker jeder WunscheSregung ist er dem alten Heldeukcnjer zur Seite geftanden, sondern als der offene Ratgeber, der auch mit der unerwünschten, mit der bitteren Wahrheit nicht zuruckhieU, weim die .Treupflicht ihm gebot, sie zu sagen. Nichts Besseres also können wir dem deutschen Kaisertum wünschen, als daß thm auch in künftigen ernsten Zeiten jeweils eine so zuver­lässige, wenn auch rauhe und knorrige Stütze zur Hand jein" möge, als es Bismarck war. Ein Realist ist er ytoejen, aber gennß rächt uu Gegensatz zum Zdealen, son­dern nur im Gegensatz zu allem hohlen Glanz und Sck-ein, zum Pbrasentum und zur patbetifcben oder fentimcnialcii Kom ödien h af tigkeit. Tas möge uns sein Bildnis nom granitenen Sockel herunter lehren, daß wir unseren Sinn dem Kem der Dinge und nicht ihrer Schale zu- wendcn, daß wcr mehr nach dem guten Erfolg, als nach dem lauten Beifall streben, und daß eine einzige wackere Tat tausendmal wertvoller ist, als ein ganzes Acer voll schöner Worte. Nun kann ja freilich ein Staatsmann auch vermittels glatter Geschmeidigkeit durch zahlreiche Hindernisse heil und unversehrt hindurchsthlüpfen, aber große Ziele wird er damit allein niemals errcid)en; denn die erschließen sich, wie die ganze Geschichte der Menschheit lehrt, doch immer nur dem kühnen Wagemut, sie wollen erkämpft und nicht erschmeichelt fein und jedenfalls hätte unser Deutsches Reich in der milden Temperatur freundlichen Tiplomatenlächclns nicht zu- sammengeschniiedet werden können. Ewig bleibt es wahr, daß man erst selber warm sem muß, um erwärmen, daß man erst selber brernten muß, um zünden zu können. Wir aber, die nnr an Bismarcts Tetllmal vorubergehen, wcr sollmr beachten, daß, der da oben steht, nicht nur ein Weiser, sondern auch ein Held gewesen ist uni) daß er nur so Dem Baterlande wirken konnte, was et gewirkt hat . .

zu sein, incil eine Einigung zur.zeit nicht möglich ist. Durch die S^ninuilg zwischen der Koligoregierung und England kommt aber De»tschland in die Lirgc, einen Druck aus erstere in der ökivu-l^renzfrage iiiid^iiulnni und mit seiner Einwilligung betreffs Revision der uongoakte zu drohen. Bisher durfte die Monge reg iiTiing ein deutsch-englisches Ein- ivrliehnn'u ui dieser Angelegenheit für lveuig wahrschelld- lich halten, nxil die Beziehungen ztvifchen Berlin und London zu wünschen ließen. Das hat sich seit dem Besuche stkmig Eduards in Kiel geändert. Es wird nun abzuwartrn fein, ob die Koi^oregi<^rung die Verhandlungen mit dem Berliner Auswärtigen Amt wieder auf nimmt. Deutschland hat ein Interesse' daran, mit dieser t^n'nzregulierungs- fragc bald inS Reine zu kommen, und die gekcunzeichknete Enrwiclluug der Dinge uderhebt es der Novoeudigkeit, der Kongoregierung besondere M'onyfjionen zu machen

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Wetterzeicheu auf Samoa?

Unser Berliner Mitarbeiler schreibt mrterm 6. Juli: Tie schöne Südseekolome kommt nicht zur Ruhe. Jetzt signalisiert derTaih) Ehronicle" einen Aufstand Der Eingeborenen, augelUich infolge Weigerung der deutschen Beamten, dem Häuptling Mataasa könig­liche Ehrenbezeugungen zu gen>ähren. Die Be- gr.uiduug vcrdietit keinen E-täuben. Richt uiiwahrschein- lich dagegen ist, daß es unter den Samoanern gährt. Herrscht doch selbst unter den Deutschen aus der Insel keine Eiuigkeit. 2ic ui letzter Zeit aus der Kolonie eingetroffenen 'Nach­richten lassen dunen Zweifel darüber, daß der i^oubcnteur Dr. Sols unter den Ansiedlern Qk'gmr hat, die darauf aus find, die Un^ufriebetibeü mit der Verwaltung allerorten zu schüren, unb daß infolgedessen eine äußerst gespannte Stimmung auf Samoa p(abgegriffen hat Wenn derartiges unter beulfd)eii Landsleuten möglich ist, dann können Auf- standsgelüste unter den Eingebc'renen kaum überraschen Es bedarf gar nicht erst bet aufhetzenden Betätigung engli­scher Zeitungskorrefvondenten. Die MoloiiiülDenuaituiig Hal sich über die Verhältnisse auf Samoa bisher nicht geäußert, vielleicht veröffentlicht sie jetzt eine authentische Tat fiel l- ung. Än der Zeit wäre es.

Schippe! gegen die fozialdemokratifchc Partei.

TerPorivärtsE veröffentlicht in partei-ossiAwsem Sperr* druck unter der Uederschrist ,Sd)ippel als Panerführer^ eine längere Abkanzlung dieses sozialdemokratischen Agrariers, der mit seinen jc§t in der r(£.t)cmmßct 93olf5* stimmeE erscheinenden Artikeln den Beweis liefert, daß er sich au den von der Parteileitung ergangenen Wunsch, die Streiterei innerhalb der Partei ruhen zu laßen, mcht ge­bunden hält. Der ,'13onvärt3* schreibt:

,Wn haben gestern au« dem neuesten Schippel-Artikel einige charallerislifche Stellen wiedergegeben. Trotzdem man auch aus diesem siebenten Artikel noch mcht erfährt, welche ^n"dfäyltche Haltung Schippet zur Zeit zu den Fragen der deutichen Agrar- polink entnimmt, enthält der Artikel doch noch reidHtd) charakte­ristische Auslassungen, die, m der Fonn gegen Kausty gerichtet, doch die Partei auf« b i tte r ft c verhöhne n '

Ter,VorwärtsE beschäftigt sich dann mit der Stellung­nahme SchippclS zu feiner eigenen Paiteitatigkeit und schließt diese Ausführung mit den Worten:

.Wer soll Vertrauen bähen zu einem Manne, der für alles, wa« er seit 20 Jahren im Xienüe der Partei getan hat, nur noch zynischen Spott übrig hat k Man wird angesichts solcher Aus- lafiungen zu der Ai,nähme geb rängt, baß sich Lchippel der Trag- roeue feiner Worte nicht ganz bewußt tft*

Ter letzte Satz scheint eine Mahnung an Schippet sein zu sollen, endlich pater peccavi zu sagen. Der Ton der Artikel SchippclS läßt aber dieser Hoffnung wenig Raum. Er vergleicht z. B. KautSky mit einem »friedliebenden bürgerlichen Schreinerlern unb Kcffelflickerchen* unb läßt sich über bic soztalbemokratische Zollpolitik solgcnbermaßen auS: »Man vermag bcm beutschen Arbeiter )icr keine schlimniere Beleiblgung anzutun, als wenn man biejeS erbarmenSwürbig hilflose Hm unb Her, baS ben Spott jebeS einigermaßen sachknndigeu Gegners gerabezu herauS- orbert, auch noch »proletarische HaiibelSpolitik^ nennt. Das sieht nicht danach aus, als ob Sd)ippel sich vor den Herren Bebel-Mautsky wieder beugen ivcrde.

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Türkische Palaslgeschichten.

Ein Konstantin opler Äoirejpoiiücnt der ,Reuen Zürch. Zig.1

Ktmgopolüik.

Bon befonberer Seite wird uns geschrieben:

Die Freundschaft zwischen Honig Leopold von Belgien unb ben Engländern geht in die Brüche. Es hol ersteren schon arg verdrossen, daß durch das eng- lljche Parlament die öffentliche Aufmerkfamkeit immer und immer wieder auf dieunhaltbaren" Zu stände im Äongo- ftaat gelenkt wurde. Die Versuche des belgischen Ministers des Auswärtigen, einer Wiederholung dieser Anklagen auf diplomatischem Wege vorzubengen, hatten keinen Erfolg. England ist im Kongo gebiet handelspolitisch interessiert, da übt es keinerlei Rücksicht und ist vor allem nicht geneigt, dort ein belgisches Äeschäftsmonopvl zu dulden. Jetzt sucht nun die Longoregierung, d. h. Lönig Leopold, den Spieß umzudrehen. Sie bedroht die im kongostaat tätigen eng­lischen Missionare mit Auswerfung, indem sie ti fclben beschuldigt, weniger mit der Bekehrung der Eingeborenen als mit Handelsinteressen sich befaßt unb babei feine Gelegenheit versäumt zu haben, die Autorität der fongostcuitlichen Beamten zu unter graben, woourch zahl­reiche Streitigkeiten und sogar A u f st a n d e verursacht loor- ben seren England roiib sich Ausweisungen {einer Missio­nare natürlich nicht gefallen lassen, unö so kann es am Ende kommen, daß die Londoner Regierung mit den anderen interessierten Mächten sich in Verbindung setzt zwecks Re­vis i on d er Ko n goa f t e, die die Kongoregierung durch­aus vennreden wissen möchte. Zu diesen Mächten gehört auch Deutschland, das im übrigen mit der Kongore­gierung noch eine besondere Angelegenheit zu regeln hat: die Kivu-Greuzfrage. Sie ist für die Entwicklung der Handelsverhäitnisje Teutsch-Ostaftitas von jo erheblicher Bedeutung, daß die teolonialabteilung des Auswärtigen Amte- vor einiger Zeit dem icaifcr eine Denkschrift über­reichte, in der die Berechtigung der Deutschen Ansprüche aus ern Grusse bargetan wirb. König Leopold weilte 'iL-.im Januar D. I. als <-eburtstagsgast des Kaisers in BerU.:. Bei oiejer <'>legenheit hat über die erwähnte r, ir n'e eine Ruchprachc ßattgefunben, von deren Er- ybr.-j n ui bisher authentisches nicht horte. Koloniale ' >?!iw2ilig nicht ohne Sorge, daß Deutschland r- : ,.r- uur einen Teil des dichtbevölkerten unb von Jic - braun, igten Seengebtetes sich begeben tverde.

i ' txr offenbar nicht )0, die Verhandlungen über or: i jevung scheinen vielmehr ins Stocken geraten

sendet jcmem Blatte nachstehende Mitteilungen über ben Prozeß gegen ben Schwiegersohn beS Sultans, ftcmalcbbm Pascha, Sohn bcs verstorbenen Ghasi Osman Pascha, bcs Siegers von Plewna:

Ter Kiosk am Bosporns, m dem Remalcbbin Pafcha, der Galle der Prinzessin N a i m e, Tochter des Sultans, ivohnte, ließ an das Landhaus der Tochter des 1877 entthronten und seit­her in enger Halt gehaltenen Sultans Acurad, die auf kaiserlichen Befehl au einen Palastsekretär verheiratet worben war. Diese sehr d)Öuc Prinzessin ist uuverst u n z u s r i e b e n bauiber, da v sie ich mH e i n e m M a n n e niebercn Jianges oern, ählen mußte, und war darum den geheimen B e w e rdungen ihre« Nachbar sKemalebbin nicht unzugänglich. ES kam zu einem Briefwechsel, und Briefe wurden aufgefangen durch die Spione, von Denen jedes Mitglied der faiferlid)en Familie streng beobachtet wird. Ter Sultan hätte gegen seinen Schwiegersohn, der übrigens kein sd)led)tcr Gatte gewesen sein soll unb bcm feine firau, bic Tochter des Sultans, sehr zugetan war, feine Strenge angewendet, wenn nicht aud) Briese abgefangen worden wären, die iiad)iuieien, daß Kemalebbm nut dem voraussichllichen Thron­folger Reschad Efsendi in Verbindung fiaub. Nun weiß man, wie sehr ber Sultan allen SDhtgliebein iciner Familie, selbst seinen Briidern unb vor allem seinem fütifngcn yiadj^olgev mißtraut! Für bie Erpresser im kaiserlichen Palast, bie jebe Gelegenheit ergreifen, um bic mißtrauische sJlatur des Sultans zu ihrem Vorteile auSzubcuten, handelte es sich jetzt darum, fteiiia- leddm um allen Preis ins Verderben zu stürzen. Tas Miuel rvurde bald gesunden. Tie jd)on seil längerer Zeil leidende Frau des Paschas, die Prfnzcfsm 'Jlaime, wurde von einem türkischen Arzt vakki behandelt, der ihr Mittel gab, welche in der heutigen Atcdlzm fehr viel angewandt werden, Arsenik, Eocaüi usw. Alan verschalte iid) eine der Phiolen, welche bic Prinzessin brauchte, und übergab sie zwei türkiichen Acrztcn zur Uiuerjnchung. Emer von diesen, Rifat, em sehr ehrenwerter Alaun, erklärte, daß die Tosis gewisser Alittel ihm cm wenig zu stall uodäinc. Ter andere, Refik, sprach ben Verdacht aus, mau habe bie Prinzessin vergiften wollen. Tie Berichte, welche bie beiden Aerzte dem Sultan ab­gaben, verschafften ihnen Generalsrang, und Refik erhielt dazu nod) dreihundert Pfund. Tie beiden Ehemiker des Snlians, Tr. Zaiiui und der Brigadegcneral Bukowski Pascha, erhielten den Aunrag, die fraglichen Alnrcl zu untersuchen. Zhre Berid)lc bestätigten den Verdacht Tr. RcftkC. Beide wurden durch Rangerhohnngcn, Lrden und Geldgeschenke belohnt. Hierauf stellte eine für bcii Fall be­tontere eingesetzte Kommission gegen Memaledom Pascha und seinen Mitschuldigen, den Arzt, der behen Frau behandelte, den Antrag, strafrechtlich vorzugehen. Ter Sultan löste bic Ehe Mcmaleddins aus unb verurteilte bicsen zu funfzehnZahrenGciäng* n i« und den Arzt zu fünf Jahren Gefängnis und zur Verbannung.

Ob diese Geschichten wahr sind, roifien wir natürlich nicht. Aber sie sind möglich und könnten sich in der Tat ge­nau so zugetragen haben, wie der Korrespondent deS großen schweizerischen Blattes sie erzählt.

und Kund.

Gießen, den 7. Juli 1904.

Personalien derOber-PostdirektionDarm- st a d t. Seine Majestät der Kaiser und König haben dem Oberbriefträger Schäfer in Beerfelden beim Scheiden auö dem Dienste daü Preußische Allgemeine Ehrenzeichen ver­liehen. Versetzt sind: der Obcr-Postassislent 9lörr von Ataiuz nach Eassel, die Postafsistenlen Beutel von Duisburg nad) Mainz, Born von Auerbach nach Straßburg (Elsaß) und Linker von Mülhausen (Elsaß) nach WormS, ber Post- assistent Göllner von Worms nach Ortenberg unter Er­nennung zum Postverwalter, die Postvenvalter Lutz von Ortenberg nach Wörrstadt und R i n g e n io a l b von Wörrstadt nach Bischofsheim. Etatsmäßig an gestellt sind als Postafststenten: die Postanwärter Rössing in Oppenheim, Schlamp und Seidel in Mainz. Bestanden haben die Postajsistentenprüsung: die Postgehilfen Lcoss in Darm­stadt und Werner in Jürth; bie Telcgraphenfekrctärprüsung: ber Ober-Tclcgraphenassistent Böttcher m Alainz und der Postafsistent Seibel in Offenbach. Verliehen ist der Titel »Ober-Postassistenf: den Postassistenten St ne 11 und Vogel in Dartnstabt, Gielcs in Alzey, Hotz in Friedberg ilnd Kling in Bad-Nauheim. Angenommen sind als Postanwäller: der Trompeter (Sergeant) Schulze in Offen- bad), als Postgehilfin: Elisabeth Fleckenstein in Darm­stadt, als Telegraphengehilsin: Alaria Frank in WormS, als Postagent: der Schneidermeister Brandt in Heßloch. Freiwillig auöge schieden sind: die Postagenten Eng ert in Bischofsheim und Issel in Heßloch. Gestorben ist der Postmeistet a. D. Hassel Hofs in Darmstadt.

K Sklein-Linden, 6. Juli. Ein alter Brauch wirb nunmehr aitS unserem Dorfe verfchwinben: burch polizeiliche Verfügutig ist eS m Zukunst verboten, baS sogen. »Ehe­st a n b S l i c b^ am HochzeitSfeste bcm jungen Paare zu singen. Leiber war biefe alte VoltSsitte in ben letzten Jahren aus- gcartet unb gab nicht selten Veranlassung zu Unzuträglich- feiten. In saft allen Orten OberheffenS besteht diese Volks- sitte noch.

X Lützellinden, 6. Juli. Das Verbanbsfest be5 KricgerverbanbeS »Hüttenbcrg^ sindet am 17. Juli hier statt. Zahlreiche Vereine aus der hessischen und preußischen Um­gebung haben ihr Erscheinen zngesagt, so auch der Garde­verein Gießen.

b. Groß-Gerau, 6. Juli. Die heutige 60. Jahres­versammlung dcSHess. Hauptvereins desGustav- Adols-Verein S ivurde m der Frühe um 7 Uhr durch weithin in das Ried hinelnjchallenden Glockenklang und durch Choralblasen vom Kirchturm um 8 Uhr sümmungSvoll em- geläutet. Vom 'Marktplatz aus bewegte sich der Zug, in dem sich der Stadt-, Schill- und Kirchenvorstand, Klrchengemeinde- Vertretung, das Kuratorium der höheren Bürgerschule, sämt­liche Vereine und Schulen beteiligten, durch die überaus reich und festlich geschmückten Straßen der Stabt. In ber Stabtkirche begann um 9 l/3 Uhr der FestgotteSbienft, ui benr Pros. DrewS-Gießen über 1. Kor. 15, 58 prebigte. Zur Verherrlichung beß GotteSbienstes sang der evangelische Klrchcnchor. 9tach einer Begrüßungsansprache beS Vorsitzenden deS Vorstandes Pros. Trümpert-Darmstadt, erstattete er den Jahresbericht, miß dem heroorging, daß der hessische Hauptverein un vergangenen Jahre zwei Kirchen, die zu Fürth im Odenwald unb zu Gonsenheim bei Mainz, habe einweihen bürfen. Von ben 45 beutschen Hauptvereinen sieht der hessische an 13. Stelle. Die deutschen Hauptvereme haben in 1901/02 1 520 000 Ack. aufgebracht und unterstützen, nach Ausscheldung von 19 Gemeinden, 2114 eoang. Gemeinden durch Verzmfung und Tilgung von Kirch- unö Pfarrhaus- baufchulden, Befoldüng von Pfarrern unb Lehrern, Errichtung von Schulen, Krankenhäusern unb, was jetzt auch nötig sei, 'Ankauf von Fricbhofsgelände. 943 Zivelg- unb 632 Frauen» vereine stehen ben Hauptveremcn zur Seite. Grüße wurden überbracht von Grotzh. Oberkonsistorlum durch Obertonsistorial- rat Rebel-Darmstadt, ferner hatten Vertreter zur Begrüßung gesandt die Hauptvcrcine Wiesbaden, Staffel, Frankfurt, die Pfalz und der hessische evangelische Bimd.

a. Marburg, 6. Juli. Daß Programm für dre 70. Mitgliederversammlung des Vereins für Hessische Ge­schichte und Landeskunde, mit der zugleich die Feier des 400. Geburtstags Philipps des Großmütige n verbunden wird, ist nun fc|lgc|teUt worden. Mittwoch, den 27. Juli, folgt dec Verein einer Einladung des Hessischen Bezirksverbanbes zur Teilnahme an der Enthüllung des Denk­mals Philipps des Großmütigen. Das Progranim der Ent- hüllungsfeier lautet: Kirchliche Feier m der Klosterkirche um 2 Uhr nachmittags; sodann Zug nach dem Denkmalsplatz. Enthüllung deS Denkmals, Festrede des Superintendenten Wissernann; gefelüge Vereinigung auf dem Festplatz unb in ben Gartenanlagen. Es ist dafür gesorgt, daß bic Teilnehmer unter Führung von Sachverständigen bas kmistgeschichttich bebculcnbc Bauwerk bes allen EifteccienselllosterS Haina kennen lernen. Die Rückfahrt von Hama nach Frankenberg erfolgt 8 Uhr abends durch bie bereit stehenden Wagen zu dem Extrazuge nach Alarburg.

Ems, 6. Juli. Ter König von Sachsen hatte zur gestrigen 'Dliitagotafel den Regierungspräsidenten Hengstenberg von Wieöbaöen, den Bischof Willy unb ben Domöekan Hilpisch, sowie den Lanbra: Duberstabt aus Diez zur Tafel zugezogen. Aus bet Reise nach Gastein wird Generalarzt Dr. Selle den König begleiten. Der Kräftezustanb des Kömgs hat sich bedeutend gehoben.

Zlniv.lstlats-Aachllchten.

S t q t i ft i i der deutichen Universitäten. An ben 21 dcutsüren Universitäten sind im laufenden Sommerhalbjahr iufanimcii 39Ö81 Studierende immatrikuliert, gegen 3. b81 im vorigen Winter und 37 813 im Sommer vorigen Zahrev, gegen­über bcm letzteren also eine Zunahme um mehr als 10«U, eine nod) stärkere Steigerung, alv wir im Laufe der letzten Zabre regelmäßig Don Jahr zu Jahr festzuslcllen hotten. Vor zehn Zähren, un Sommer 1894, zählte bic dcutfare Stubeiuenfd>aft 28105 Mitglieder, seitdem l)<ibcn wir eine ununtcrbrodx*nr Steigerung bis zu der jetzigen Höhe. Im einzelnen treffen falgciUe