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6.5.1904 Erstes Blatt
 
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Wunde: er vnrd Stadtverordneter; seine Aufstell- ung soll im 40. Kommunalwahldezink im Norden in der Mllerstraße erfolgen. Die Wahl ist sicher.

Der Bundesrat stimmte in seiner heutigen Sitz­ung den Beschlüssen des Reichstages zu dem Entwurf des Gesetzes betreffend die Abändeimng der Seemannsordnung uno des Handelsgesetzbuches und erteilte dem Ausschuß­antrag zur Vorlage vom 15. Dezember 1903 betreffend den Entwurf einer Prüfungsordnung für Apo- theker, dem Ausschußbericht über Vorlagen vom 4. März und 14. April 190-1 betreffend die Vereinfachung der Fleischb e sch au-Tagebuchführung in öffentlichen Schlachthöfen uni> dem Ausschußbericht über den Gesetzent­wurf betreffend die Ae-nderung der Civilprozeßord- nu.it g seine Zustimmung.

Me dieNat.-Ztg." hörte, ist an einen System- wechsel in Deutschsüdwestafrika unter Ernenn­ung eines Zivil-Gouverneurs nicht gedacht. Unzutreffend sei auch die Behauptung, daß die Entsendung Trothas erst nach der bekannten Konferenz im Schlosse vom Kaiser besohlen worden sei.

Mannschaften für die Schutztruppe in Südwestafrika werden durch Säulenanschlag ge­sucht. Sämtliche Mannschaften müssen ssth auf ein Jahr zum Dienst in Südwestafrika verpflichten.

Die Kommission des Reichstages für die Börsen- novelle beriet über den ß 2 der Vorlage und mehrere dazu gestellte Anträge. Die Vertreter der Parteien wieder­holten zum Teil ihre im Plenum gegebenen Erklärungen. Zur Abstimmung kam es nicht.

Der Kolonialrat wird wieder wie in den letzten Jahren im Juni einberufen werden, um die nächstjährigen <$tat§ für die Schutzgebiete zu beraten, über die jetzt Ueber- sichten von den Verwaltungen der Schutzgebiete eingesandt pierden.

Die dritte Lesung des Reichshaushaltsetats wird in nächster Woche auf die Tagesordnung der Plenar­sitzungen gesetzt werden.

Zum Vorsitzenden in der zu wählenden Kommission des Abgeordnetenhauses für die wasserwirtschaft­lichen Vorlagen wurde seitens der Konservativen der ALg. Graf v. Wartens leben präsentiert. Die übrigen Frak­tionen stimmten dem Vorschlag zu.

Das Wahlgeheimnis ist bei den letzten Reichs- tagswahlen trotz der Einführung der Wahlkuverts auf dem platten Lande vielfach dadurch illusorisch gemacht wor­den, daß die Kuverts in der Urne sorgfältig aufein­ander geschichtet wurden, sodaß bei der Auszählung an der Hand der Abstimmungslisten und einer besonders geführten Liste über die Reihenfolge der Abstimmung genau festgestellt werden konnte, wie jeder einzelne Wähler ge­stimmt hat. Die Wahlprüfungskommission des Reichs­tags, die bei der Prüfung der Wahl des Abg. Stockmann sitch zum ersten Male mit einem solchen Protestpunkte zu beschäftigen hatte, hat nun prinzipiell dahin entschieden, daß dieses Verfahren als eine Verletzun g des Wahl­geheimnisses sich darstellt, die die Wahlhandlung in dem betreffenden Wahlbezirk ungiltig mache.

Dresden, 5. Mai. Zur Reform des Submis- sionswesens sind folgende Bestimmungen von Inter­esse, die sdie Stadtverwaltung festgesetzt hat: 1) Die Ver­gebung von Arbeiten und Lieferungen an Generalunter­nehmer ist ausgeschlossen; 2) bei einem Ausstande ist die Lieferzeit entsprechend zu verlängern und die etwa erzielte Lohnerhöhung im Preisanschlag in Anrechnung zu bringen; 3) in der Regel sind bei der engeren Wahl nicht zu berück­sichtigenden Personen und Firmen, die für sich in Straf­anstalten arbeiten lassen, oder vorwiegend Ausländer be­schäftigen, auch sich bereits im Konkurs befunden und andere in ihrem Vermögen geschädigt haben; 4) der Zuschlag ist nicht mehr dem Mindestfordernden, sondern b?m Mittel­preis zu erteilen. Dieser ist aus der Summe aller in die engere Wahl gekommenen Angebote zu ermitteln, je­doch sind vorher diejenigen Gebote auszuscheiden, die dui Voranschlag um 10 Prozent überschreiten oder um 20 Proz zurückbleiben; 5) spätestens drei Monate nach Fertigstelb- ung der Arbeiten hat die Schlußberechnung zu erfolgen.

Kirche und Schule.

Frankfurt a. M., 5. Mai. Der altkatholische Bischof Dr. Weber aus Bonn, der hier kürzlich weilte, hielt in der im Evangelischen Vereinshaus Westend abgehaltenen Fest­versammlung einen Vortrag über die religiösen und kirchlichen Verhältnisse im Deutschen Reiche. Laut demGen.-Anz.^ begrüßte ihn im Namen des Evangelischen Bundes Pfarrer Dr. Dechent, der die vollste Sympathie für die Sache des Altkatholizismus ausdrückte._______________________

Ausland.

London, 5. Mai. (Oberhau s.) Mac Kenna fragt an, ob die Regierung angesichts der ungeheuren Einfuhr nicht entrippten Tabaks im März eine Kommission ernennen werde, die untersuchen soll, welche Fabrikanten nicht entrippten Tabak eingeführt haben und ob die Ein­fuhr durch Informationen über die Budgetvorschläge ver­anlaßt wurde. Die Anfrage Mackennas wird von den Mi­nisteriellen mit lauten Protcstrufen ausgenommen. Bal­four erwidert unter stürmischem Beifall der Regierung, er beabsichtige nicht, eine Kommission zu ernennen. Mackenna sei am Dienstag in die Debatte mit einem vor­bereitenden Angriff auf die Ehre eines Reqierungsmit- gliedes eingetreteu. (Beifall bei den Ministeriellen, Protest­rufe bei der Opposition.) Damit ist der Zwischenfall er­ledigt.

Paris, 5. Mai. Wie die über den heutigen Minister­cat ausgegebene Note besagt, erstattete derPräsidentder Republik Bericht über seine Reise nach 'Italien und den günstigen Eindruck, den sie bei ihm selbst hinterlassen habe, dank der Sympathie, die ihm das italienische Königs­paar, die italienische Regierung und das italienische Volk in gleicher Weise entgegenbrachte. Ministerpräsident Combes berichtete über den Verlaus der Gemeindewahlen und den Stand des Streiks der Offiziere der Handels­marine in Marseille. Die Regierung habe die nötigen Maßregeln getroffen, um den Postdienst bis Korsika, Al­gerien und Tunesien durch Marinefahrzeuge zu sichern.

Rom, 5. Mai. Der Bericht der zur Prüfung der Amtsführung des ehemaligen llnterrichtsministers Nasi eingesetzten Kommission stellt fest, daß Unregel­mäßigkeiten vorgekommen sind, für welche Nasi nicht nur die moralische, sondern auch strafrechtliche Ver­antwortung zufalle. Demgemäß schlägt der Bericht vor, die Angelegenheit der Justizbehörde zu überweisen, die allein zuständig sei, die Angelegenheit zu prüfen. Den Abendblättern zufolge bestätigt es sich, daß Nasi ge- ftüdj.tet ist.

Die Kammer nimmt ihre Arbeiten wieder auf. Der Präsident Biancheri erwähnt den Besuch des Präsi­denten Loubet bei dem italienischen Königspaar und fügt hinzu, Rom und Neapel hätten den Gruß Italiens an den Präsidenten entboten und zum Ausdruck gebracht, die Ge­fühle der Sympathie und der Freundschaft, die in d.r Seele des italienischen Volkes für die französische Nation leben. Er zweifle nicht, daß die Kammer Freude empfinde über dies glückliche Ereignis. (Beifalls Vtirabelli führt an, die republikanische Demokratie Neapels habe ihre Sympathie für Frankreich auch dann bezeugt, als andere versuchten, die italienisch-französischen Beziehungen zu trüben. (Unter­brechungen.) Der Präsident bittet Mirabelli, die feierliche nationale Kundgebung nicht zu einer Parteifrage hcrab- zudrücken. (Zustimmung.) Ministerpräsident Giolitti spricht sein Bedauern aus, daß Mirabelli den Anschein zu er­wecken suche, als ob das allgemeine Empfinden im Lande nur das eines verschwindend kleinen Teiles desselben sei. (Zustimmung.) Mirabelli erklärt, er wolle einen histori­schen und politischen Anspruch zur Geltung bringen. (Leb­hafte Unruhe.) Der Präsident ruft ihn wiederholt zur Ord­nung.

Wien, 5. Mai. Heute begann in Gegenwart von Ver­tretern der Regierung der Kongreß der Deutschen Gewerbevereine Oesterreichs. Die reichsdeutschen Gewerbevereine waren vertreten durch den Vorstand des Verbandes der deutschen Gewerbevereine, Regierungsrat Noak aus Darmstadt. Aus Deutschland sind ferner anwesend Ministerialrat Rauck-München und Gewerbe­inspektor Pöllath-München.

Aus Studt und KanS.

Gießen, 6. Mai 1904.

'* S. K. H. der Großherzog auf den Opel- Werken zu Rüsselsheim. Am vergangenen Montag stattete S. K. H. der Großherzog von Hessen mit Gefolge den Opel-Werken in Rüsselsheim a. M. einen Besuch ab. Die Herrschaften wurden mit zwei Opel-Automobilen am Großh. Schlosse zu Mainz abgeholt und trafen um 3 Uhr nachmittags in Rüsselsheim ein, wo sie in der Villa Sophicnheim (Opel) abstiegen. Dann wurde ein Rundgang durch die Fabrik unternommen, wobei der hohe Herr ein großes Interesse für den ganzen Betrieb an den Tag legte und sich anerkennend über die verschiedenen Einrichtungen aussprach. In der Auto­mobil-Abteilung der Fabrik gab S. K. H. einen Motorwagen zum eigenen Gebrauch in Auftrag. Die Heimkehr nach Darm­stadt erfolgte ebenfalls auf Opel-Motorwagen und verlief, ebenso wie die Herfahrt, zur größten Zufriedenheit der hohen Gäste. Der Motorwagen, welchen die Opel-Werke für den Landesfürsten zu liefern übernommen haben, soll ein Vier- cylinder-Wagen in gediegenster Ausstattung sein.

** Bei der gestrigen Pferdemusterung wurde ein einem hiesigen Besitzer gehöriges Pferd in der Senkenberg- straße von dem Nebenpferd derart geschlagen, daß eS zu­sammenbrach. Die Verletzung am Oberschenkel war so schwer, daß man anfangs daran dachte, das wertvolle Tier auf der Stelle abzustechen, um es vor längeren Leiden zu bewahren. Die Polizei veranlaßte schließlich die Ueberführung des Tieres nach dem Schlachthause, wo es dann getötet wurde.

6-. Hungen, 3. Mai. Der gemeinnützige Verein hier hielt heute unter dem Vorsitz des Rechtsanwalts Sandmann eine zahlreich besuchte Versammlung ab, um über die Besser­ung der Wohnungsverhältnisse hier zu beraten. Der zu der Versammlung erschienene LandeswohnungSinspektor Gretzschel aus Darmstadt erläuterte das Wohnungsfürsorge­gesetz, er machte ferner Mitteilungen über seine bei der vor­hergegangenen Untersuchung der Wohnungsverhältnisse ge­machten Feststellungen und bezeichnete alsdann die Wege, auf denen eine Besserung im Wohnungswesen zu erzielen sei. Im Anschluß hieran befürwortete Dekan Hainer warm die Gründung einer gemeinnützigen Baugenossenschaft und fand hierin noch von mehreren Seiten Unterstützung. Der an Stelle des er­krankten Bürgermeisters erschienene Beigeordnete Jokel ver­sicherte, daß die Gemeinde derartige Bestrebungen nach Mög­lichkeit unterstützen werde. Infolge dieses Ergebnisses der Versammlung soll die Gründung einer solchen Genossenschaft an Hand des von dem Zentralverein für Errichtung billiger Wohnungen zur Verfügung gestellten Materials nunmehr in die Hand genommen werden.

R. B. Darmstadt, 5. Mai. In der heute nachmittag abgehaltenen Stadtverordneten-Versammlung kamen nur Gegenstände lokaler Natur zur Beratung; die zum zweiten male auf die Tagesordnung gesetzte allgemeine Besprechung über den neuen Gemeindesteuerreform-Gesetzentwurf wurde abermals von der Tagesordnung abgesetzt. In der später abgehaltenen geheimen Sitzung wurde längere Zeit debattiert über den Antrag eines Syndikats für Koksverwcrtung, daß sich die Stadt mit ihrer Koksproduktion aus dem städtischen Gaswerk dem Syndikat anschließen möge. Die Versammlung beschloß jedoch, diesem nicht beizutreten, sondern ihre Koksprodukte in der bisherigen Weise zu vergeben. Weiter stimmte die Versammlung noch dem Antrag zu, aus Anlaß der im Juli bevorstehenden Kunstausstellung in der Künstler­kolonie 7600 Mk. zur Errichtung einer Brunnenanlage zu genehmigen, für welche nach den eigenhändigen Angaben des Großherzogs von Prof. Olbrich der genaue Entwurf aus­gearbeitet wurde.

Frankfurt, 4. Mai. Wie planmäßig die Mörder des Pianofortehändlers Lichtenstein zu Werke ge­gangen sind, beweist u. a. der Umstand, daß Groß mit einem anderen, der jedoch nicht Stafforst war, schon mitte Januar bei einer anderen hiesigen Firma der gleichen Branche vor­gesprochen hat, um angeblich einen zum Verkauf stehenden Flügel zu besichtigen. Dem Inhaber der Firma siel es da­mals sogleich auf, daß der Kauf des Flügels für Groß offen­bare Nebensache war, da dieser sich bei dem Firmeninhaber, der ihn oberflächlich kannte, eingehend über die Lokalitäten zu informieren suchte. Dem Umstand, daß der Firmeninhaber nicht allein war, dürfte es vielleicht mit zuzuschreiben sein, daß die Mörder, die darin die in dem Geschäft übliche Regel sehen mochten, ihre Pläne gegen einen anderen, nämlich den unglücklichen Lichtenstein, richteten, von dem sie bestimmt wußten, daß er um die Mittagszeit gewöhnlich allein war. Es scheint erwiesen zu sein, daß es sich bei dem aufgefundenen Zweikilo-Gewicht nicht um die Mordwaffe handelt. Als Hauptbelastungszeugen in der demnächst beginnenden Ver­handlung gegen Groß uud Stafforst werden eine Bäckersfrau,

die den ersteren am Mordtage in daß HauS an der Zeil hat gehen sehen, und ein Herr aus Karlsruhe, der am Tage vor dem Mord bei Lichtenstein war und Groß damals eben­dort gesehen hat, auftreten.

Wetzlar, 5. Mai. Unter sehr großer Beteiligung der Mitglieder wurde, wie wir demWetzl. Anz." entnehmen, gestern abend die allerseits mit Spannung erwartete Gene­ralversammlung des hiesigen Vorschuß- und Kredit­vereins abgehalten. Von dem früheren Vorstande, dessen Mitglieder sämtlich abgedankt haben, war niemand am Vor­standstische erschienen. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats er­öffnete daher die Generalversammlung durch die Mitteilung, daß der Aufsichtsrat nach der Demission des früheren Vor­standes in Gemäßheit des § 38 der Vercinssatzungcn einen provisorischen Vorstand bestellt habe. Zunächst wurde die Neuwahl des Vorstandes durch die Generalversammlung vor­genommen. Die Geschäftsführung hat der Kommission zu derart schweren Bedenken Anlaß gegeben, daß es von mancher Seite für den Verein geradezu als ein Glück angesehen wurde, daß der Fall Hermann Jakob Gelegenheit geboten hat, diesem Wirken Einhalt zu tun. Diese Stellung wird am besten durch die Tatsache beleuchtet, daß zu der Zeit, als Hermann Jakob die Flucht ergriff, der Stand zweier Kontis die Gesamthöhe von 240 000 Mk. überschritten hatte. Der frühere Vorstand wie der Aufsichtsrat des Vereins werden sowohl für die Ausfälle im Konkurs Jakob, wie für die un­genügend gedeckten auderweitigen Kreditgewährungen schuldig und haftbar erklärt. Die Umwandlung des Vereins in eine Genossenschaft mit beschränkter Haftung wurde fast einstimmig mit 186 gegen 4 Stimmen beschlossen.

Vermischtes.

' Kiel, 5. Mai. Der Inspektor der städtischen Gas- und Wasserwerke, Eduard Zandor, ist gestern wieder verhaftet worden, nachdem er sich seit März gegen eine Kaution von lO OOO Mk. auf freiem Fuß befunden hatte. Zandor hat sich bei der Begebung städtischer Submissionen Unregelmäßigkeiten zu schulden kommen lassen.

Essen a. d. Ruhr, 5. Mai. Der Polizeisergeant R u o n aus Königsstehle, der in einer Strafsache eidlich bestritt, einen Bergmann mit dem Säbel geschlagen zu haben, wurde im Gerichtssaale unter dem Verdachte des Meineides verhaftet.

* Kosten (Provinz Vosen), 5. Mai. Hier erfolgte während eines im Kellerraum eines Droguenhändlers ausgebrochencn Feuers eine Explosion, bei der 16 Feuerwehrleute mehr oder weniger schwer verletzt wurden.

* München, 5. Mai. In dem Dorfe Tennz in der Ober­pfalz sind 2 0 Häuser niedergebrannt. Die Bewohner sind obdachlos und in großer Not. Der Prinzregent bewilligte vorläufig 500 Mk.

* Paris, 5. Mai. Eine hiesige Agentur veröffentlicht ein angebliches Dementi der Gräfin Lonyay, betreffend den seinerzeit gemeldeten Juwelendiebstahl durch einen früheren Sekretär. Die Gräfin befindet sich gegenwärtig in Parma.

* Florenz, 5. Mai. In Castrocaro wurde um Mister« nacht gegen das HauS eines Großindustriellen ein Dynamitattentat verübt. Durch die Explosion einer Bombe wurden sämtliche Fensterscheiben des Gebäudes zer­trümmert. Menschen sind nicht zu Schaden gekommen. Man vermutet, daß der Attentäter in einem entlassenen Ar­beiter zu suchen ist.

* St. Louis, 5. Mai. Die Weltausstellung ist mit knapper Not einem Generalstreik entgangen. Die Leiter der AusstellungTiroler Alpen" verweigerten die Entlassung dreier deutschen Vetriebsingenieure, mußten jedoch darin einwilligen, weil die Unionsarbeiter die schriftliche Zusage des Ausstellungspräsi- denten Franeis besitzen, wonach keine der Union nicht angehörigen Leute im Maschinenbetriebe verwendet werden dürfen. Die Union* arbeitec erzwingen vielfach übertriebene Lohnsätze. Sie handeln dabei durchaus solidarisch und ihre ultimo ratio ist stets die Drohung mit dem Generalstreik.

* Neber das Fe st bank et t zu Ehren b Kaisers, das der Großherzog von Sachsen-Weimar auf der Wartburg seinem Gaste gab, wird berichtet: Zu dem Festbankett auf der Wartburg hatte Hofküchenmeister König einen originellen Speisezettel entworfen und aus­geführt, der die Elisabethkemenate zeigt. Der Wortlaut ii'i folgender: Auff den Mitt-Wochen nach Sta. WalpurgiS (daz ist der 4te Tag des Wunne-Monds in dissen Jar (da mann schreybet das 5. im XX. Saeculum verweylete wiederuwb allhier auff onsers gned. Herrn Schloß zu Wartt-Burgk zu Gast vnd preyßlicher begrüssung nach solcher erquicklicher be- reisung vieller frembder Länder vnd des grossen Meeres Seyne H. Majestaet Wilhelm III. R. Gott beschirm Ibn fürder in gnaden. Waz mann zu dessen festlichen Mal speysteie besihe weiter das Blatt. 1. Ein Süppleyn sunderlich bereist von dem besten Fleisch mit Cassava-Stärcke kombt aus West- Jndien. 2. Etliche klcyne See-Butten /auch Plätte-Eisen mit Nahmen/ auff dem Rost gebrühten vnd offt mit heissen Schmaltz betriefelt) mit Petersilg vnd Salbey gcwurtzct. 3. Der Rücken von eim Reh-Wildprätt von vnsers Lande- Fürsten in Seynen Wäldern erleget /also gebrahten/ daß die Hälfte seynes SaffteS in sich berget/ dazu eine gu'e Pommerantzen-Sose vnd zugemues von Eardonen vnd Olivet. 4. Ein Köstlin von ein Schnepff in EereS-Sültz / so rnii grosser fünft nachgebildt / daß man daraus erkennet den rühm» lichen Baumeyster der Wartt-Burgk. (Gemeint ist Prof. Rietgcn. der Wiederhersteller der Burg.) 5. Sechs junge Peil' Haanen / selbige in Speck eingehüllet vnd am Spieß über glühende Kohlen geprägelt / hiezu ein ausschößling von frischem Sallat auff treffliche artt fürgericht. 6. Ein gemues von kleynen Phaselen-Bohnen / gestovct mit Wasser / Butter / Gc« wurtz vnd Jsop. 7. Ein holländisch Opvlieger von Lymonien in ein Silber / vnd mit güldnen Röslein umbzieret. Item kleyne Käß-Turten vnd hernach köstliche Erdbeer-Früchtleyn zu besundern behagen vnd alsdann zum beschluß vielleriev Confeckt auch Marcipan / abgeformbt nach eim seltzamlen Schnitzwerck eines Meysters / weyland zu Ost-Heim v. d. < Röhn. Ende des MahleS. *

* Das Organ des früheren elsässischen Reichstagsabg. H a i < hält, da dem jungen Goethe in Straßburg ein Deukma gesetzt wurde, seinem Publikum vor Augen, daß Go e t n em eifriges Mitglied der Freimaurerloge und ein Verächter t«-* Christentums war . . ., ein traurig es Jrrli ch t al. Mensch und als Christ: und wehe dem Vaterlande W unserer Sitte und dem kommenden Geschlecht, wenn die Jug^wi. von heute nach dem neuaufgestellten Ltandbilde ihr Gewißen modeln und ihr Leben einrichten würde!"

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