Ausgabe 
6.1.1904 Erstes Blatt
 
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im

Dörfchen, etwas abseits der Bahnlinie, war unter Gesang und Tanz und fröhlichem Juchhei der erste Tag des höchsten örtlichen Festes, der Kirchweih, glücklich vorübergerauscht. Am Morgen des zweiten Tages aber zogen die Musikanten zum AufspielenE in dem Dorf umher und heimsten, wie üblich, die riesengroßen Stücke Kirmeskuchen ein, die in einer Kiepe nachzutragen sich ein Mann aus einem benachbarten Orte erboten hatte. Immer schwerer wurde die Kiepe, immer verschmitzter aber das Gesicht des biederen Kiepenträgers, und als man, mit dem Ausspielen fertig, sich ins Wirtshaus begab, um den Kuchen brüderlich zu teilen, fehlte der gefällige Nachbar mit seiner gespickten Kiepe. En hatte sich mit den Worten:Der soll mirsch moal für mei Keng do!" aus dem Staube gemacht und eilte mit Riesen­schritten der Heimat zu! Hier fröhliches Entgegenjauchzen der Kinderschar, dort lange Musikantengesichter.

Mainz, 5. Jan. Der Lustmörder Weygand, der wegen Verdachts, den Mord an der Telephonistin Josephine Haas aus Bamberg begangen zu haben, vor einiger Zeit aus der Irrenanstalt Klingenmünster in Aschaffenburg einge­liefert wurde, ist nach dem M. Tgbl. gestern wieder dorthin abgeliefert worden. Er konnte sein Alibi nachweisen. Wey­gand ist bekanntlich s. Z. in Mainz verhaftet worden.

Kassel, ß. Jan. Auf dem Bahnhof Elchenberg fuhr eine Rangiermaschine einem Personenzug in die Flanke, wahrscheinlich, weil die Signale mißverstanden waren. Personen wurden nicht verletzt. Die Lokomotive und mehrere Wagen wurden stark beschädigt.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. 300 000 Katholiken zählt nach einer Mitteilung der Hess. Schlilblätter die Diözese M a i n z, welche das gesamte Großherzogtum Hoffen umfaßt, in 19 Dekanaten und 174 Pfarreien. Die Zahl der Priester beträgt 307. Nach der statistischen Aufnahme am Ende des verflossenen Jahres betrug die Bevölkerungsziffer der Stadt Mainz 89 048 Seelen. Das HotelDeutsches Haus" in Jugenheim ging auf dem Subhastationswege zu 39 000 Mk. in den Besitz des früheren Eigentümers Herrn. Albin Diedel, zurzeit in Bad Nauheim, dasHotel Bauer" in Auerbach zu 103 000 Mark an einen Herrn aus Darmstadt källflich über.

2. Anz." folgendes Geschichtchen. In einem kleinen

A»is Htadl rind Land.

Gießen, 6. Januar 1904.

** Die Reise des Großherzogs. Ariswärtige Blätter bringen über allerlei Reisepläire Sr. Kgl. Hoh. dc§ Grohherzogs die mannigfachsten Nachrichten, die inSaesammt , nach den ,N. H. Vbl." falsch sind. Weder nach Rußland,

hvkitifiere nicht und dulde auch nicht, daß die Soldaten an politischen Kundgebungen teilnähmen.

Die der Negierung nahestehenden Blätter fuhren die Militär-Unruhen in Bilek auf den Einfluß einer auswärtigen Macht zurück. Ein Blatt bezeichnet geradezu Rußland als jene Macht.

Washington, 5. Jan. Der gemeinsame Ausschuß />es Repräsentantenhauses für Heeres' und Marineangele- saenheiten unterbreitete dem Hause einen Bericht, in dem 'bas Repräsentantenhaus dringend ersucht wird, ohne Vcr- tzug die Mittel zur Befestigung der Buchten von jFubiq und Manila zu bewilligen.

Kerichlssliat.

(2) Friedberg, 5. Jan. Ter heutige Schöffen- gericbtsverhaudlungstag bot sehr Interessantes. Anläßlich der Kirchweihe gerieten in der Wirtschaft Hen- ritzi zu Ockstadt -werKerbeburschen" in Streit. Einige andere Burschen rissen die Raufbolde auseinander, wobei es natürlich nicht wenigKeile" absetzte. Der Nachtwächter mußte sogar noch seinen Schutz einem jungen Mann aus

Wußtand und Japan.

DerNat.-Ztg." zufolge hat der Konflikt zwischen Ruß- jTanb und Japan nach den aus Petersburg und London vor­liegenden Meldungen seinen akuten Charakter verloren, sodaß die Gefahr eines Krieges nunmehr als aus­geschlossen gelten darf. Selbst wenn Japan, um einer ?aufständischen Deweanng der Eingeborenen auf Korea vor- szubeugen, einige Küstenforts dieses Landes besetzen sollte, würde Rußland dies nicht als einen Kriegsfach bedachten.

Tie Veröffentlichung jeder Nachrichten über die Be- ,1veo,ungen der Truppen und Kriegsschiffe ist in Japan jedoch ^amtlich verboten. In Tokio verlautet ferner aus Wtadi- 'ipoftof, daß sich dort ein russisches Geschwader ak­tionsfertig mache. Eine andere Nachricht besagt, ein russischer Kreuzer sei mit einer kleinen Landungstruppe von Port Arthur abgegangen. Ter Bestimmungsort sei 'nicht bekannt, wahrscheinlich aber Tschemulpo.

Tie russische Antwort auf die letzte Mitteilung Japans soll in Tokio noch nicht eingegangen sein. Tas Bureau Reuter erhielt aber von einem Privatkorrespon­denten aus Petersburg eine Depesche, die besagt, aus 'amtlicher Quelle verlaute, daß die Antwort, über die bem Statthalter Alexejew Instruktionen zugingen, in stußerst versöhnlichem Geiste gehalten sei. Einige japanische Vorschläge seien angenommen, während andere Zum Gegenstände ausgedehnter Bemerkungen gemacht und ähnen Gegenvorschläge gegenübergestcM seien. In rnssi- ischen amtlichen Kreisen gebe man der Hoffnung Ausdruck, Daß die Japan gemachten Konzessionen, welche in Peters­burgs als sehr wesentlich betrachtet werden, sich als an­nehmbar erweisen werden. Man hoffe, daß morgen, am Donnerstag, dem russischen Weihnachtstage, Kaiser Nikolaus in der Lage sein werde, den Frieden zu verkünden. Der Korrespondent fügt hinzu, in Bankiers- ikreisen erkläre man die Erregung an der Börse als die >Folge der Regulierungen zum Jahresende. Tie Lage in pstäsien habe auf die Haltung der Börse keinen Einfluß gehabt.

Tas Reutersche Bureau erfährt aber auch,, auf der .japanischen Gesandtschaft in London sei nicht richtig, zu ibehaupten, daß die Verhandlungen in letzter Zeit einen -günstigeren Verlauf genommen hätten. Diese stän- loen immer noch auf demselben Fuße. Auch der Peters­burger Korrespondent derKöln. Ztg." teilt mit, daß im Gegensatz zu den optimistischen Meldungen in amtlichen Kreisen "wieder eine nervöse Stimmung Platz gegriffen habe. Tie aus Japan eintreffenden Meldungen von der Besetzung von Masampho und anderer Plätze seien ge­eignet, den korrekten Gang der Verhandlungen ungünstig W beeinflussen.

Tie Annahme, daß der Krieg bevorstehe, wird auch /it Paris nach Meldungei: aus Tokio bestätigt. Tie hier­nach bevorstehende Aktion werde wahrscheinlich in einer Besetzung der koreanischen Häfen bestehen, die Japan durch- führen werde. Dor Frühjahr würde indeflen der eigentliche Kampf nicht zu erwarte:: sein. Einer Londoner Depesche Infolge behauptet hinwiederum derDaily Expreß", König Dduard habe im Interesse der Wahrung des Friedens ^zwischen Japan und Rußland durch den Prinzen Louis von Battenberg direkt an den Zaren appelliert, tinib in Paris wird es, wie dieVoss. Ztg." von dort erfährt, als ein günstiges Zeichen für den Frieden gedeutet, daß «sowohl der Minister des Aeußeren, Telcasss, wie auch der neue russische Botschafter Nelidvw eine mehrtägige Erholungsreise nach Cüdfrankreich angetreten haben.

Ein römisches Blatt bringt unter Vorbehalt die Meld- 1mg, daß Deutschland die Initiative zu einer Ver­tritt elung zwischen Rußland und Japan ergriffen habe.

Tie Meldung, daß zum Militärrcitinstitut in Hannover kommandierte japanische Offiziere Befehl erhielten, nach Japan zurückzukehren, ist völlig unbegründet. Zu dem genannten Institut sind zur Zeit japanische Ofsiziere über­haupt nicht kommandiert. Auch ist es unbegründet, daß die in Berlin studierenden japanischen Offiziere ihre Stu­dien abgebrochen haben, um sich in die Heimat zu be­heben; dieselben setzen ihre Studien ununterbrochen fort.

TerFrkf. Ztg«." wird aus Konstantinopel gemeldet: Der Sultan verfolgt mit größtem Interesse den Verlauf der russisch-japanischen Krisis. Einem Ausbruch von Feind­seligkeiten in Ostasien sehen die türkischen Regierungs­kreise mit großer Beklemmung entgegen, denn sie be­fürchten, daß, wenn Jtußland sich auf Ostasien konzen­trieren muß, Kräfte frei werden würden, die bisher ge­bunden waren.

Tie letzten Meldungen lauten: An der Köhlenbörse zu Cardifs herrschte am 5. d. M. außerordentliche Nachfrage nach Kohlen schiffen für Ostasien. Sechs große Schisse sind bereits von einer Firma für Japan gechartert worden, vier andere wurden gestern gechartert. Jetzt ver­langt die Admiralität Kohlenschiffe zur Fahrt nach Hong­kong und anderen Kohlendepots im Osten. Man versichert, daß die Admiralität den Agenten für 5000 Tonnen Schiffe, die zur Fahrt nach Hongkong fertig sind, 20 Schillina pro Tonne bezahlt habe, während man am Samstag 16i/ö Sch zahlte. Die Admiralität hat weiterhin zwei Köhlenschiffe zu je 5000 Tonnen für 20 Schilling pro Tonne zu Ver­ladungen int Januar gechartert. Ter Frachtsatz für Ver­schiffungen nach Japan hat sich gegen die Vorwoche um 71/j» Schilling erhöht.

Ter Kapitän des amerikanischen KriegsschiffesVicke- burg" telegraphierte am 5. Januar au5 Tschemulpo: Ich hatte eine Besprechung mit dem amerikanischen Gesandten und wir sind einstimmig zu der Ansicht gelangt, daß die Lage in Soeul sehr ernst ist. Es besteht dort die Gefahr einer Revolte der koreanischen Soldaten. Ich habe 40 Mann Marineinfanterie dorthin abgesandt. Ter Rest der Marineinfanterie ist maricbb-'reit.

noch weniger aber nach Egypten gedenkt unser Landesherr sich zu begeben. Möglicherweise besucht Se. Königl. Hoheit einmal auf wenige Tage seine Schwester, die Prinzeffin Viktoria von Battenberg, in London. Im übrigen gedenkt der hohe Herr Darmstadt vorläufig nicht zu verlaßen.

* Personalien. S. K. H. der Großherzoq haben den Oberlehrer an dem Realgymnasium und der Oberrealschule zu Mainz Dr. Joseph Krauß auf sein Nachsuchen aus dem Staatsdienste entlasten. Ernannt wurde der Kanzleigehilfe am Landgericht der Provinz Oberhesten Franz Tippel zum Kanzlisten bei diesem Gericht. Der Steueraufseher Wilhelm Wagner in Gießen wurde zum Pfandmeister für den Bei­treibungsbezirk Alsfeld ernannt; der Pfandmeister Friedrich Schäfer zu Lindenfels in gleicher Diensteigenschaft in den Beitreibungsbezirk Friedberg versetzt.

* * Der Ludwig- und Alicestiftung des Groß­herzogtums Hessen (Verein zur Unterstützung von Lehrer- Hinterbliebenen) wurde durch Staatsminister Rothe eine Spende Seiner Majestät des Kaisers von Rußland im Betrage von 200 Mk. zugewiesen.

* Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Am heutigen zweiten Ziehungstage der 3. Klaste fiel die Prämie von 75 000 Mk. auf Nr. 31619, die zuletzt mit 1000 Mk. gezogen wurde (nach Friedberg), ferner fiel ein Gewinn von 25 000 Mk. auf Nr. 2912 (nach Groß-Umstadt), ein Gewinn von 10 000 Mk. auf Nr. 9305, ein Gewinn von 3000 Mk. auf Nr. 80783, drei Gewinne von je 1000 Mk. auf Nr. 49187 74338 91450, Gewinne von je 400 Mk. auf Nr. 42223 86622 93322, Gewinne von je 200 Mk. auf Nr. 14818 19578 75426. (Ohne Gewähr.)

(?) St einb ach, 4. Jan. Ter hiesige Krieger- v er ein feierte am Neujahrsabend den Geburtstag Sr. Königl. Hoheit unseres Grohherzogs. Llbends gegen 7 Uhr bewegten sich die Spielleute des Vereins mit klingendem Spiel durch unsere Ortsstraßen. Gegen 8 Uhr war der Verein so zahlreich erschienen, daß arte Plätze im Lokal besetzt waren. Es sprach der Vorsitzende und noch ver­schiedene andere Ansprachen wurden gehalten, u. a. von Pfarrer Haake. > ,

l Lich, 5. Jan. Gestern fand imHolländischen Hof" unter dem Vorsitz des Oberamtsrichters Giller eine zahl­reiche Versammlung statt. Es hatten sich Vertreter aus allen Kreisen der Bevölkerung der Stadt Lich, sowie der Ortschaften, die zur Standesherrschaft des Fürstl. Hauscs Solms-Höhensolms-Lich gehören, hier zusammengefunden. Es wurde beschlossen, dem 1881 entschlafenen Fürsten Ludwig zu Solms, der in vielen Beziehungen sich um die engere .Heimat, wie um das deutsche Vaterland ver­dient gemacht hat und dessen lOOjähriger Geburtstag am 24. Januar 1905 ist, ein einfaches, würdiges Denkmal zu setzen. Es wurde dann noch ein engerer, sowie ein weiterer Ausschuß gebildet, und Drauercibesitzer H. Jhringjr. zum Schatzmeister ernannt.

§ Butzbach, 5. Jan. Die Domanialjaaden der hiesigen Gemarkung (Walddistrikt Bodenhard) und der fis­kalischen Waldgemarkung bei Bodenrod werden am 12. l. M. int Gasthaus zum Löwen hier wieder auf 12 Jahre ver­pachtet.

§ Becheln, 5. Jan. Das seltene Fest der diaman­tenen Hochzeit beging unser Mitbürger Gg. PH Ansel nebst Gattin: er ist 84, sie 83 Jahre alt

L. Friedberg, 5. Jan. Das Anwesen mit der Wirt­schaftZum Hanauer Hof" ging um den Preis von 48 000 Mark in den Besitz des Wirtes A. Küffner über. Für das Jahr 1904 beträgt der Staatszuschuß für die hiesige Augustinerschule (Gymnasium) 52 469 Mark. Diese Summe ist die zweitgrößte von allen Zuschüssen zu den Lehranstalten des Landes.

Aus dem nordöstlichen Vogelsberg lesen wir

dessen Nachhauseweg angedeihen lassen. Schlußeffekt der Rauferei ist heute, daß der wegen Körperverle tzun g angeklagte Reinhard Dönges aus Ockstadt zu 15 Mark Geldstrafe oder 3 Tage Haft verurteilt wird. Zirka 15 Zeugen waren geladen. Am Kirchweih-Montag wurde in Heldenbergen der heute auch wegen Körper­verletzung angeklagte Georg Rottweiler von dem da­mals angetrunkenen und heute als Kläger auftretenden Müller angerempelt und bedroht. R. wehrte M. mit} einem schleunigst ergriffenen Holzknüvpel ab, wobei er ihm eine leichte Verletzung am Kopfe beibrachte. Die Vernehmung der Zeugen ergab, daß R in Notwehr ge­handelt und er wurde demzufolge von der Anklage frei­gesprochen. Ter Taglöhner Heinrich. Euler aus Orlers- hausen sich am 12. Juli v. I. der Beleidigung der hiesigen Schutzleute Frank und Bender schuldig gemacht, als diese ihn aufforderten, seinen Wagen zu verlassen und in Ordnung zu bringen. Er schimpfte die Beamten Lumpen", Staatskrüppel" usw. E, der auch gerne dem Alkohol huldigt, hat sich heute vor seiner Vernehmung wieder betrunken und lärmte und tobte im Gerichtssaal, sodaß der Vorsitzende kaum ungestört die Anklageschrift verlesen konnte. Mit den Worten:Ich weiß, daß ich e Schuft bin!" ,Liewe Herrn, ich bin e Schienocs!"Ich gewwe Ihne Beifall!" unterbricht er fortwährend die Ver­lesung der Anklage zur nicht geringen Heiterkeit der Zuschauermenge. Auch als er 3 Wochen (Äfängnis und die Kosten des Verfahrens zudiktiert erhält, gibt er dem Gerichte in beifälligen Worten die Anerkennung der Strafe zum Ausdruck. E. wird sofort verhaftet, um vorläufig für 3 Tage sein ungebührliches Verhalten vor Gericht zu büßen und auf einige Zeit dem Genuß des Alkohols entrückt zu sein.

Mainz, 5. Jan. Vor der Strafkammer hattem sich heute 2 4 Metzger aus Worms wegen Nahr­ungsmittelfälschung zu verantworten. Angcklagt sind, wie wir demM. TM." entnehmen, die Megger aus Worms 1. Ludwig Bäcker, 2. Friedrich Goldschmidt, 3. Karl Hanry, 4. Philipp Metz, 5. Adam Kncll, 6. Heinrich Heyl, 7. August Johann Frank, 8. Wilhelm Gras, 9. Jakob Lortz, 10. Karl Uhrig, 11. Georg Schild kn echt, 12. Heinrich Roland, 13. Michael Schlenk, 14. Johann Kohr, 15. Christoph Helwig, 16. Eugen Rieth, 17. Gregor Siedlein, 18. Konrad Schildknecht, 19. Daniel Glück, 20. Johann Glück, 21. Jakob Dietrich, 22. Ferdinand Burger, 23. Georg Schlemmer, 24. Heinrich Mayes. Als Sachverständige sind geladen: Kreis Veterinärarzt Tr. Trops in Worms, Chemiker Dr. Peters in Worms, Prof. Tr. Mayrhofer, Direktor des chemischen Untersuchungsamtes in Mainz, Veterinärarzt Tr. Knell in Mainz, Metzaermeister Johann Falk in Mainz und Metzger- meister Karl Schlitz in Mainz. Beschuldigt sind die An­geklagten, den von ihnen angefertigten und verkauften Würsten abgebrühte Fasel köpfe und Fasel­haut beigemengt zu haben. Die Angeklagten geben dies auch zu, sind jedoch nicht der Ansicht, sich hierdurch strafbar gemacht zu haben, da dieses Verfahren allgemein üblich sei. Die Haut wurde abgebrüht und zu einer gallert­artigen Masse gekocht inib dem Wurstfüllsel beigemengt. Wie sich aus der Vernehmung ergibt, geschah dies bei den einzelnen An geschuldigten in verschiedenem Maße. Während einer z. B. behauptete, in 100 Pfund Wurstfleisch nur ein Pfund Faselhaut gemischt zu haben, gab ein anderer un­umwunden zu, daß er im Verhältnis von 1 zu 20 ge­mischt habe. Plakate, in denen diese Beimischung kennt­lich gemacht worden wäre, hatten die Angeklagten in ihren Geschäftslokalen nicht aufgehängt. Nachdem die Geschichte ruchbar geworden war, hat bei fast allen Angeklagten der Konsum bedeutend nachgelassen. Als Sachverständiger er­klärte Dr. Mayrhofer, daß in den Gegenden, wo es üblich sei, gegen die Verwendung der gesunden Haut als Binde­mittel zu bestimmten Wurstsorten nichts einzuwenden. sei. In der hiesigen Gegend sei es aber nicht üblich. Das bedenklichste sei jedoch ^daß die .Haut nicht unter der Fleischbeschau steht und somit bei ihrer Ver­wendung ganz unkontrollierbare Dinge in die Wurst kommen könnten. Verschärft werden diese Bedenken noch durch den Umstand, daß teilweise die Häute erst auf Um­wegen über das Felllager in die Wurstküche gekommen sind. Eine Fälschung liege wohl nicht vor, wenn die Haut von vollständig gesunden Tieren verwendet werde, wohl aber ein Minderwert. Seiner Ansicht nach sei das Publikum über'die Einzelheiten dieses Umstandes kaum unterrichtet. Tie Rinderhäute kommen zur Lederbereitung und sind nicht als Nahrungsmittel anzusehen. Tie Faselhaut nehme viel Wasser auf, und man habe seiner Ansicht nach bie Haut verwendet, um recht viel Wasser in die Wurst zu bringen, ohne daß man es sehe. Ein Angeklagter bemerkte dazu, daß in Blutwurst überhaupt kein Wasser komme, und gerade hierzu sei die Haut viel verwendet worden. Tas (Bericht erkannte nach mehrstündiger Verhandlung auf Frei­sprechung, es betonte, daß die Verwendung der Fasel haut zu Genußzweckenunzulässig sei, nahm aber den guten Glauben der Angeklagten an.

Magdeburg, 4. Jan. Das Schwurgericht bat den Kesselschmied Leo Kaczmarek von der Anklage der Körper­verletzung mit tödlichem Ausgange freige­sprochen. Kaczmarek hatte bei einem Wirtsbausstreit Der sehentlich einem Bahnarbeiter mit einem Schirm durch ein Auge in das Hirn gestoßen, sodaß dieser am nächsten Tage starb.

Ucrinilchles.

Berlin, 5. Jan. Wegen Veruntreuung einer großen Summe wird der flüchtig gewordene Direktor der internationalen Schlafwagen-Gesellschaft, Viacocky, verfolgt.

Hamburg, 5. Jan. Ein Kaufmann verwundete auS Eifersucht seine Frau durch eine Revolverkugel in den Hals und tötete sich durch einen Schuß in die Schläfe.

Hamburg, 5. Jan. Der 29jährige Eisenbahn» Praktikant Friedrich Haltke aus Kattowitz verletzte heute die ledige Emma Harms en aus Hamburg durch zwei Revolverschüsse lebensgefährlich und erschoß sich dann selbst.

"London, 5. Jan. Nach einem Telegramm ans Penzance (Cornwall) fand in demNational Explosiv Works" von Hayle eine Explosion statt. Die ganze Gegend ist voll schwarzen Rauches, der von explodiertem Dynamit oder Cordite herrührt. Fast alle Fensterscheiben in einer Entfernung von drei Meilen von Hayle sind einge­drückt. Auch in Penzance, da§ acht Meilen von Haple ent­fernt liegt, wurden viele Fenster zertrümmert. Vier Personen sind um gekommen. Mehrere sind verletzt. Die Explosion ereignete sich in der Nitroglyzerinabteilung.

Paris, 5. Jan. Die wegen der Ermordung eines Irrsinnigen in der Irrenanstalt zu Tours ein-