Ausgabe 
5.12.1904 Drittes Blatt
 
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IlmJansrßüMnieriwt wurde in Bnrchsteinmauern^rk cürLAk- führt, gu den Fundainente'n wurde ein Gemisch, tvaL fite Bezeichnung Beton nicht verdreh bewendet. Die Mcmrer, die das Brnchfteintnauerwerk irnsfiihrtcn, sind meist solche Leute, die kurz vorher im Frühjahr als Handlanger nachj Wesffalen zogen und im Herbst als Maurer zurückkehrten. Sie hatten Dort wohl Ziegelsteine vermauern sehen, aber keine Bruchsteine. Es ist dazu leider eine allbekannte Tat­sache, daß leichter 100 Ätaurer zu finden sind, die Ziegel- stecnmauerwcrk Herstellen können, als nur euren, der im scande ist, Bruchsteine richtig zu verarbeiten. Diesem Um­stande und dem, daß die beiden sogen. Meister auch keine großen Helden sind, ist es wohl zuzuschreiben, daß alle großen, zum richtigen Verband imbedingt erforderlichen Steine derart zerkleinert wurden, daß sie leichter von Harrd zu Hand auf die Berwendungsstelle gereicht und dort ,in einer jeder Regel zuwiderlaufenden Weise vermauert wurden. Hierzu kommt noch, daß diese Steine mit ihrer größten Ausdehnung zur Schau gesetzt, kein abwechselnder Verband geschaffen und die Zwrschcnräume zwischen den außen und innen ange^etzten Steinen einfach mit vielem Mörtel und kleineren Steinabfüllen willkürlich ausgefilllt wurden, anstatt ivic aus den beiden Gesichts flächen der Mauern möglichst wenig Mörtel zu verwenden, d. h. die Steine richtig und möglichst dicht an- und übereinander zusammenzuschließen. Die Folge davon ist nun, zumal noch ein äußerst schlechter Mörtel verwendet wurde, daß die einzelnen Steine sich durch die weitere Belastung verschöbet: und so das Ganze sich in allen möglichen Richtungen: ausbog. Dazu tarnen noch Konstruktionsfehler, sodaß sich oud) die mit regelrecht zugerichteten Steinen aufgesührten Ecken ausdogen, die Lüngsmaucrn sich dagegen in der Mitte nach innen neigten. Die Baupolizei, auf die Pfuscherei aufmerksam geworden, hat nunmehr die Arbeiten sistiert, das zuständige Gericht soll Sachverständige zugezogen haben und alles Mauerwerk wird wohl wieder abgetragen werden müssen.Die Mitglieder der Unsatlberuisgenoffenschaft müssen solchen Existenzen alsdann auch poch die Unfälle, die doch bet' solchem fahrlässigen Betrieb sehr leicht entstehen können, mit entschädigen helfen. Es wird dieser Fall wohl eine Mahnung tut alle Bauherren sein, ihre Arbeiten nur solchen Unternehmern zu übertragen, die auch für eine solide Aus­führung bürgen. Für die Einführung des Befähigungsnach­weises werden derartige Vorkommnisse jedoch die beste Propaganda machen.

♦♦ Die altgemeine Sterbekasse Gießen hielt am Sonntag nachmittag ihre 15. Hauptversammlung. Sie tritt mit 1359 Mitgliedern in das 16. Geschäftsjahr. Die Kaffe hatte im verflossenen Jahre einen Zuwachs von 174, einen Abgang von 14 Mitgliedern. Während des 15jährigen Bestehens hat die Kasse 148 Sterbesälle unter ihren Mit­gliedern gehabt, und es wurden hierfür an 15 Mitglieder je 75 Mk., <un 15 je 100 Mk., an 24 je 120, an 23 150, an 10 170, an 14 185, an 13 200, an 12 210, an 9 230 und an 13 je 250 Mk., in Summa 236.25 Mk., ausgezahlt. Die Sterbekasse ist in der Lage, vom 1. Januar 1905 ab boS Sterbegeld von 250 Aik. äus 270 Mk. zu erhöhen; ihr Reservefonds beträgt 6349 Mk. Das Eun trittsgeld beträgt für eine Person: im Alter von 16 bis

25 Jahren 1 M.7 25 btA 30 Jal)ren 1.50 Mk., 30 bis 35 Jahren 3.50 ML, 35 bis 40 Jahren 4 M., 40 bis 45 Jahren' 7 Mk. Bei der Ausnahme ist außerdem noch ein Sterbefall­beitrag von 25 Pfg. M bezahlen. Mr jeden Sterbefall ist ein Beitrag von 25 Pfg. zu entrichten, der durch den Kassenboten gegen ^Ohrittung erhoben wird. Ein von Gießen wegziehendeö Mitglied kann auch ferner bei der Kasse ver- blerbeu, wenn der Wegzug desselben dem Vorstande mit* geteilt wird. Zur Auskunft in allen Fragen sind die Herren Schuhmacherrneister H. Seidetvand, Teuselslustgärtchen 20, Tachdeckerrneistcr Emil Noll in Löbershof 8 und Bureau­vorsteher Bruchhäuser, Wolfstraße 8, gerne bereit. Bei der Vorstandswahl wurden die ausscheiderrden Mitglieder: 2. Vorsitzender Emil Noll, Schriftführer K. Bonarius, Bei­sitzer Aug. Bock, folüie die ^luffichtöratsmitglieder E. Fourier, Hermann Müller, Louis Schnecko, G. Holtberg wieder-, Johs. Diehl neugewählt.

** Gewerbliche Kinderarbeit. Von den rund 45000 Volksfchulkindern der Provinz Oberhessen werden alles in allem nicht rnehr als etwas über 300 Kinder zu gewerb­lichen Arbeiten außerhalb der Schulzeit verwendet. Mit ganz wenig Ausnahmen sind die Beschäftigungsarten leichte und bestehen in den allermeisten Fällen in Herumtragen vou Zeitungen und Waren. Eine eigentliche gewerbliche Tätigkeit kann man diese Beschäftistung überhaupt nicht nennen. Nahe­zu die Hälfte der 300 Kinder befinden sich in zwei Städten der Provinz. Aus dem flachen Land beträgt die Anzahl der gewerblich tätigen . Kinder nur ein kleiner Bruchteil eines Prozentes. Etwa 75 Schulkinder werden z. Z. in der Stadt Gießen im Sinne des Kinderschulgesetzes beschäftigt und zwar fast alle mit Austragcn von Zeitungen, Packeten usw. oder mit sonstigen Botengängen.

** Abendstern, 4. Dez. Die Eisenbahnstrecke WetzlarLollar hat im laufenden Jahre bedeutende Be­triebsveränderungen erfahren. Während anfänglich nur die im Mittelpunkt gelegene Station Kinzenbach dem Güter­verkehr geöffnet war, haben mit dem 1. November Wißmar und am 1. Dezember Dorlar gleichfalls einen solchen er- halten.

Aniversitüts-Mchrichten.

Prag, 3. Dez. Die Einweihung des neuen Vcreinshauses der deutschen L e s e - u n d R e d e h a l l c fand l)eute statt. An der Feierlichkeit beteiligten sich studentische Deputationen aus Berlin, Braunschweig, Göttingen, Halle, Heidelberg, Jena, Leip­zig, Marburg, Straßburg, Stuttgart und Tübingen, im ganzen 40 Studenten aus dem Reiche. Die Wagen wurden mit Pereat- rufen und Pfeifen empfangen. Die Polizei schritt energisch ein und verhinderte Ausschreitlmgen. Die Demonstrationen wieder­holten sich auf dem Roßmartt und bei dem neuen Vereinshaus. Tie schwarz-rot-goldene Pereinssahne der Lesehalle mußte vom Bereinshaus entfernt werden, worauf die Menge unter Ab- fingung tscheclfisä-er Nationallieder abzog.

Im Alter von 62 Jahren ist am 2. Dezember der o. Pro­fessor und Direktor des pathologischen Instituts an der Bonner Universität, Geh. Medizinalrat Tr. Karl Koester gestorben. Koester war von 18721874 ordentlicher Professor in Gießen.

Kcrichtssaal.

Berlin, 4. Dez. Wegen versuchter Erpressung gegen die NeichStagsabgg. Kaplan Dasbach-Trier und Justürat Dr. Porsch vom Zentrum hatte sich gestern der frühere Rechts­anwalt und jetzige Bankier Joses Keller Hoss zu Eharlottenburg vor der Strafkammer deS Landgerichts I au verantworten. Der Gerichtshof hielt dafür, daß zwei recht häßliche, dreiste und raffi­nierte Erpressungsversuche vorliegen und verurteilte den Angeklagten zu s e ch s M o n a t e n Gefängnis und rechnete zwei Monate auf die Untersuchungshaft an. Ein Haftentlassungsantrag wurde abgelehnt.

Spielplarö der vereinigten Frankfurter Stadttheater.

Opernhaus.

Dienstag den 6. Dezember"):Die Hugenotten/ Mittwoch den 7. Dezember, abends halb 8 Uhr:Die Geisha." Donnerstag den 8. Dezember:Rigoletto." Freitag den 9. Dezember geschlossen. Samstag den 10. Dezember:Das Schwalbennest." Sonntag den 11. Dezember, nachmittags halb 4 Uhr:Hänsel und Gretel." Abends 7 Uhr: Neu cinftiibiert:Lohengrin." Montag den 12. Dezember:Maurer und Schlosser."

Schauspielhaus.

Dienstag den 6. Dezember *):Der zündende Funke/ Hierauf:Der Vetter." Mittwoch den 7. Dezember:Maskerade." Donnerstag den 8. Dezember, abends halb 7 Uhr:Faust." Erster Teil. Freitag den 9. Dezember:Die Siebzehnjährigen." Samstag de»l 10. Dezember:Der Pfarrer von Kwchfeld." Sonntag den 11. Dezember, nachmittags halb 4 Uhr:Im bunten Rock." Abends 7 Uhr:Uriel Acosta." Montag den 12. Dezember:Nora."

*) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

Victoria. C6/w

Von allen deutschen Versicherungsgesellsäxlsten hat die Victoria den gewaltigsten Aufschwung genommen, sie ist seit Jahren schon die größte Versicherungsgesellschaft des europäisch Kontinents. Von der Prämien-Einnahme aller deutschen Gesellschaften zusammen, gleichviel welcher Branche, die dem kaiserlichen Aufsichtsamte un­terstehen, entfällt der 10. Teil auf die Victoria allein. Das Vermögen der Gesellschaft betrug 1890: 50 Millionen Mark, 1900: 271 und 1903 424 Millionen Mark. Es wuchs im Jahre 1903 um 55,8 Millionen Mark, 'also wöchentlich um mehr als 1 Million. Die Prämien- und Zinseneinnahme betrug 1890: 12, 1900 71 und 1903 95 Millionen Mark. Die nächstgrößte Ge­sellschaft batte nur eine Einnahme von 42 Millionen Mark. Tie Ueberschüsse betrugen 1890: 2, 1895: 6, 1900: 14, 1902: 18 und 1903: 20 Millionen Mark. Tie nächstgrüßte Gesellschaft hatte noch nicht 10 Millionen Mark Ueberschuß. Vom Jahres­gewinn wurden den Versicherten als Dividende überwiesen 1902; 17 und 1903: 19 Millionen Mark. Die für die Versicherte« angesammelten Gewinnanteile betrugen Anfang 1904: 78 Mill. Mark. Der LcbenSversicherungsbestand stieg im Jahre 1903 um 98 Millionen auf 1 Milliarde und 93 Millionen Mark. Tie Victoria hat zuerst und allein von ällen Gesellschaften unseres Kontinents den Lebensversicherungsbestand von einer Milliarde Mark überschritten. Sie hat gegen drei Millionen Versicherter.

Tie Gesellschast betreibt die Transport-, Lebens-, Volks-, Unfall-, Haftpflicht-, die lebenslängliche Eisenbahn- und Dampf- fchisfunglück-Verficyerung und seit dem Frühjahr dieses Jahres durch die Victoria, Feuer-Versicherungs-Aktien-Gesellschaft, auch die Feuer- und Einbruchdiebstahl-Versicherung.

Tie epochemachenden Neuerungen und die beispiellosen Effolge in den verschiedenen Versicherungszlveigen sind den weüesten Kreifcn bekannt. Tie Victoria gehört zu den großen geschäft- 11(1)111 Unternehmungen Deutschlands, auf die stolz zu sein der Deutsche allen Anlaß hat.

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