Bundesstaaten auch diesmal wieder die für die Leistungsfähigkeit l der Medrzadl die äußerste Grenze bildende Summe von rund ‘24 Mill. 2\'f. als m,gedeckte Mcrtrckularl'eiträge übernommen, fo daß auf den nleihe 3 11 f di 11 f> der Nest von 51 Mill. Mk. entfällt. Der Gesa mt a n l e i h e b e d a r f erreicht hierdurch die Höhe von 293 Millionen Mark. Ein erheblicher Teil dieser gewaltigen Summe, und flhxir ein Betrag von 3Sst Milt. M!., ist zur Deckung des außerordentlichen und fdiivcr 31t übersehenden Bedarfs bestimmt, der durch die beklagenswerten Verhältnisse im s ü d w e st a f r i k a n i s ch e n Schuh gebiet entstanden ist. Die bisher ctatSmatzig bercitgestelltcn Mittel zur Unterdruckmig des Eingeborenenaufstandes haben nach Entsendung weiterer Truppennacksckube sdion im laufenden Jahre bei weitem nickt auSgcreicht. ES ist Ihnen daher ein zweiter NacktragHetat zu dem Etat der Schutzgebiete und zu dem ReichShaushaltSetat für das Jahr 1904 vorgelegt worden, der uüt rund 764j Mill. Mk. abschließend, zunächst Deckung schaffen soll für die Kosten anläßlich der in der Zeit vom 25. März 1904 bis Ende Oktober d. I. entsandten Nachschübe einschließlich der nach der Lüderitzbucht geschickten. Wegen der iveitcren Truppennachschübc muß, weil die Kosten hierfür fick) noch in keiner Weise übersehen lassen, die Ausbringung weiterer Kredite Vorbehalten werden. (Hört! Hört! bei den Soz.) BiS jetzt beziffern sicki die anläßlick) deö Aufstandes er folgten Bewilligungen und gestellten Forderungen auf insgesamt 135 Millionen Mark.
WaS ich an den Einzelheiten des Etats des Jahres 1905 nicht unerwähnt lassen Möchte, daS will ich nun in tunlichster Kürze fassen. Zunächst die Ausgaben! Für die Verwaltung des Reicks Heers beträgt daS Mehr einschließlich der bairischen Quote bei den fortdauernden Ausgaben rund 16% Millionen Mk., wovon mehr als die Hälfte auf die Naturalverpflegung entfällt und zum ivcir überwiegenden Teile der neuerdings eingetretcuen Preissteigerung zuzuschreiben ist und 300 000 Mk. Kontingentsetats auS Anlaß der Hceresverstärkung und desgleiechn 1 600 000 Mk. auS Anlaß der dauernden Festlegung der zweijährigen Dienstzeit hinzugetreten. Für alle übrigen Ausgabezwecke deS weitschichtigen HeereSetats stellt sich somit die Rrebrsorderung nur auf 4 Mill. Mk. Ein Minderansatz von 3% Mill. Mk. bei den einmaligen Ausgaben erklärt sich durch die bereits erwähnte Ilebernahme von bisher aus den ordentlichen Mitteln bestrittenen HeereSauSgaben auf den außer ordentlichen Etat. Unter der so reduzierten Summender einmaligen Ausgaben sind für die Bedürfnisse infolge der Heeresversiär hing 10*4 Mill, und aus Anlaß der Festlegung der Dienstzeit etwa eine halbe Mill, enrbalten. Die gesamten Erfordernisse für diese zwei Zwecke sind in der Begründung zu den vorliegenden Gesetzentwürfen nachgewiesen und belaufen iid) einschließlich des daurischen Anteils für das Rechnungsjahr 1905 auf rund 16% Mill. Für die K a i s e r l i ch e Marine werden im ordentlichen Etat fortdauernd nicht ganz 6 Millionen und einmalig fast 13 Mill, mehr gefordert, während die den hergebrachten Grundsätzen ent sprechende Belastung des außerordentlichen Etats um 4 Mill, gestiegen ist. Die dem Marineetat hinzugefügte Vorbemerkung ergibt, daß die Gesamlausgabc, wenn and; nicht besonders für das Jahr 1905, aber dock) in Zusammenhang mit dem Ausgabcetat vom Vorjahre fidj in den Grenzen des Geltungsbereiches des Flöt renplanes halt. AuS dem Etat deS Reichsamt des Innern möchte ich anmerken, daß der Zusckmß auf Grund des Jnvalidenversiche- rungsgesetzes mit einem diesmaligen Zugang von 3% Millionen die noch immer fortschreitende Belastung des Reiches auf die Höbe von annähernd 50 Millionen Mk. gebracht hat. Eine verhältnismäßig sehr-bedeutende Steigerung haben im Etat der Reichsschuld die Zinsen erfahren (sehr richtig!), die bei einem bisherigen Jahresbetrag von 104 Millionen und ISO Millionen um 28% Mk. höher angesetzt, darunter 1% Mill. Mk. für die Diskontierung von Schatzanweisungen, die zur Verstärkung des Betriebsfonds der Reichskasse ausgegeben werden, wodurch für diese Zwecke im ganzen 3 Mill. Mk. zur Verfügung stehen. Daß dieser letztere Betrag zur Deckung des Bedarfes 1905 ausreichen werde, ist für mich nach den Erfahrungen der letzten Zeit und im Hinblick auf die Verhältnisse in Südwestafrika weit mehr eine Hoffnung als eine Gewißheit. (Hört! Hört! bei den Sozialdemokraten.) Der auf fast 113 Mill. Mark angeschwollene Zinsbetrag für das Reich sollte vor allem eine ernste Mahnung sein, mit der Kontrahierung von S ch u l - den nicht in der bisherigen Weise (Hört! Hört! bei den Soz.j nicht in der bisherigen Weise fortzufahren (sehr richtig! rechts) und vielmehr an die baldige Einrichtung einer planmäßigen Tilgung unserer Schulden zu denken. (Sehr richtig! rechts.) Denn nur zum geringsten Teile finden bekanntlich im Reiche die aus den Anleihen entnommenen Mittel zu direkt werbenden Anlagen Verwendung, aus denen dann unmittelbar die Zinsen herausgewirtschaftet werden können. Von der Anleihesumme des vorliegenden Etats in Höhe von 293 Millionen sind die rund 44 Mill. Mk. für die Po stund Telegraphenverwaltung und für die Reichsbahnen zu unmittelbar werbenden Zwecken bestimmt. Aus dem Postetat verdient es Erwähnung, daß auch in diesem Jahre der auch von dem Reichstag lebhaft gewünschten Vermehrung der etatsmäßigen Stellen erhebliche Mittel gewidmet werden sollen. Die Ausgaben des allgemeinen Pensionsfonds sind infolge der fortschreitenden Personalvermehrung, namentlich bei dem Heer und der Marine naturgemäß in andauerndem Steigen begriffen. Der Mehransatz stellt sich auf 2% Mill. Mart und erreicht damit die Höhe von mehr als 73 Mill. Mk. Auch die Veteranenbeihilfen sind in fortgesetzter Steigerung begriffen. Die Bedarfssumme, die 1904 erst um 2% Mill. Mk. erhöht worden war, hat für 1905 schon wieder um weitere 2% Mill. Mark höher, das ist auf 14 Mill. Mk. angesetzt werden müssen. Es dürste noch eine Reihe von Jahren dahingehen, bis hier die Höchstgrenze erreicht ist. Es ist in dem vorliegenden Etatsentwurf vorgeschlagen, diese Ausgabe für 1905 wiederum auf allgemeine Reichsfonds zu übernehmen. Aber ungeachtet der beträchtlichen Entlastung, die der Reichsinvalidenfonds dadurch erfährt, wird seine Lage von Jahr zu Jahr immer bedenklicher. (Sehr richtig! im Ztr.) Noch im vorigen Jahre glaubten wir, nach Entlastung des Fonds von den Veteranenbeihilfen mit einer Abminderung der Unterbilanz von 290 auf 170 Millionen Mark und mit einer Verlängerung der Lebensdauer des Fonds bis 1913 rechnen zu können. Inzwischen haben sich die Wirkungen der .Kriegsinvalidennovelle vom 31. Mai 1901 aber derart fühlbar gemacht, daß die Unterbilanz wiederum auf annähernd 280 Mill. Mk. gestiegen ist und wir mit der vollständigen Aufzehrung des Fonds im Jahre 1913 rechnen müssen (Hört, hört! im Zentr.) Tie Jahreslast wird nach den aufgestellten Berechnungen sich dann noch auf rund 35. Mill. Mk. Pensionen beziffern. (Hört, hört! im Zentr.) Tie neuen Militär-Pensions-Gesetz-Entwürfe, die doch auch auf den Jnvalidenfonds nicht obne Rückwirkung bleiben können, sind dabei noch gar nicht in Betracht gezogen. Welche .Kalamität es für unfern Reichshaushalt bedeuten mußte, wenn wir eine so erhebliche neue Jahreslast im Jahre 1910 ganz un vermittelt auf allgeineine Reichsfonds übernehmen müßten, bedarf wohl keiner näheren Darlegung. Leider gestattet die augenblicklicl)e Finanzlage es nicht, die im laufenden Jahre begonnene Entlastung des Jnvalidenfonds schon in den nächsten Jahren weiter aus- zu dehnen. Wir werden jedoch hiermit über das Jahr 1906 hinaus kaum zuwarten dürfen; denn wie die Dinge liegen, muß ich betonen: es ist hier in der Tat Gefahr im Verzug. (Sehr richtig! rechts.) Tann aber werden die beiden Jnvalidenfondsgesetze vom 22. Mai 1895 und 1. Juli 1897 einer erheblich durchgreifenderen Aenderuna bedürfen, als der Reichstag in seiner Resolution vom 20. April d. I. befürwortet hat. Mit Rücksicht hieraus erschien cs auch nicht geraten, der Ausführung jener Resolution des Reichstags schon jetzt näher zu treten. Inzwischen soll indessen versucht werden, wenigstens auf eine, tunlichst gleichmäßige Berücksichtigung der unterstützungsbedürftigen Veteranen in den verschiedenen Bundesstaaten hinzuwirken. Es entspricht das auch einem Verlangen, das wiederholt in diesem Hause an die verbündeten Regierungen gerichtet worden ist. Der Entwurf desfallsiger einheitlicher Grundsätze unterliegt augenblicklich der Beschlußfassung des BundeLrats.
Man entrüstet sich über die wiederholte Zuhilfenahme von Z u s ch u ß a n l e i h e n zur Balanzierung des Etats, und ich erkenne ohne weiteres an, daß ein solches Verfahren an sich nicht unbedenklich ist, und daß davon nur im äußersten Notfälle bei momentan raschvorübergehendem Defizit Gebrauch gemacht werden soll. Aber als weit bedenklicher erscheint mir die Tatsache, daß das Reich nun schon seit Jahren nicht mehr in der Lage ist, fernen Haushalt balanzieren zu können (Sehr richtig, rechts) ohne einen Fonds, den eine loeitauSschaueiide GesetzgebiNig früherer Jahre zur Sicherstellung der Versorgung unserer Invaliden unu der Hinterbliebenen aus dem Jahre 1870/71 so zu sagen, gestiftet hatte, für andere Reichszwecke ar.zutasten und vorzeitig aufzu- braucheii. Diese eine nakte Tatsache spricht für das dringende Er fordernis einer gründlichen Sanierung der 91 c t ct) 5 f 1 n a n- 3 c n eine beredtere Sprache, als ich es in Worten je vermochte. (Sehr richtig.) .
Wir würden un8 dem nicht unberechtigten Vorwurf anösetzen, von der Hand in den Mund zu leben, wenn Ivir in der Lage, in der wir unS gegenwärtig befinden, nicht unsere Blicke auck) etwas weiter über daS Jahr 1905 hinaus in die Zukunft richten wollen. (Sehr richtig!) Ich kann nicht verbergen, daß ,ich dabei eine reckt trübe Perspektive eröffnet (Hort, HortI), denn wenn auch erwartet werden darf, daß nach Niederwerfung des Aufstandes in Südwestafrika der Anleihebedarf eine wesentliche Minderung erfahren luirb, so bedeutet das dock) noch leine Verbesserung des ordentlichen Etats, der vielmehr durch die Verzilnung der fraglidien .Kolonialanleihen eine schwere dauernde Mehrbelastung erfährt. Ich stehe nicht an, hier offen zu erklären, daß es mit der Bewirtschaftung unseres Haushalls in der bisherigen Weise unmöglich weiter gebt (Hört! Hört! links, sehr richtig! rechts), und daß wir alles daran setzen müssen, um unseren Haushaltsetat wiederum auf eine solide Basis zu stellen, (—ehr richtig! rcckto.) Wir haben in dieser Beziehung durch das Gesetz vom 1-1. Mal d. I. bereits den ersten einleitenden Sckrilt getan, wir haben sozusagen das Fundament gelegt für eine künftige rationelle Haushaltsführung, wir haben die Trümmer lucggcräumt, die hindernd un Wege lagen. Wir werden aber auf der nun einmal betretenen Bahn fortschreiten müssen, wenn wir zum Ziele gelangen wollen. (Sehr wahr!) Eins der vornehmsten Mittel, seine Finanzen zu besicrn, ist ganz zweifellos — das ist eine alte Erfahrung die Sparsamkeit in den Ausgaben. (Lebhafte Zustimmung.) Ick kann dem hohen Hause versichern, daß ich von dem ersten Tage an, an dem ich in dieses mein Amt eingetreten war, es für meine erste Pflicht crackter habe, hinzuwirken auf Sparsamkeit in allen Zweigen der Reichsverwaltung. Aber in den Haushalten der Staaten uild insbesondere im Haushalt des Reichs mit seinen großen verfassungsmäßigen und sonstigen gesetzlichen Aufgaben, da sind der Sparsamkell auch Grenzen gezogen, unter die nicht herunter gegangen werden kann, lvenn nicht das ganze Schaden leiden soll. Das gilt nicht zum mindesten von den sogenanntenMehrauSgaben des Reichs, d. b- von dem Aufwande für die Erhaltung und für die notwendige Fortentwicklung unserer Wehrkraft zu Wasser und zu Lande, und unbedachte Sparsamkeit an diesem Punkte könnte sich in der Stunde der Gefahr aufs aller- bitterste rächen. (Sehr richtig! rechts.) Bei unseren Kolonien mögen die Meinungen bariiber auseinandergehen, ob und wieweit ihre Erwerbung seinerzeit geboten war. (Sehr richtig! links.) Aber wir haben sie einmal erworben, und jetzt wird sich das Reick) der verfassungsmäßigen Verpflichtiing nicht entziehen können, in Ansehung jener Kolonien seine Kulturmisiion zu erfüllen. Was aber den übrigen Reichshaushalt betrifft, so habe ick die Empfindung, daß die Regierungen und daS Reichsschatzamt unter dem Druck der Finanzlage in ihrer Sparsamkeit vielfach schon weiter gehen, als es der Mehrheit des Reichstages lieb ist.
Ter Reichsschatzsekretär, dem die undankbare Aufgabe erwächst, dem Drange nach Mehrausgaben, der auch in diesem hohen Hause nicht 311 den Seltenheiten gehört (Sehr wahr!), kann hier aus eigenster Erfahrung sprechen. Ick) habe überhaupt auf Grund meiner langjährigen Erfahrungen den Eindruck gcloonncn, daß in der Veranlagung zur Sparsamkeit die Regierungen dem Parlament mindestens nicht nackstehen. (Heiterkeit.) Aus Sparsamkeit allein werden Ivir das angestrebte Ziel der Gesundung unseres Reichshaushaltes kaum zu erreidicn vermögen. Wir werden vielmehr auf die Dauer dazu einer Verbesserung der Neichseinnahmen nicht entraten können. In der Tat, wir haben auch von einer unserer Einnahmequellen in Bälde schon größere Mehreinnahmen zu erwarten, und zwar ans unseren Zöllen; aber ich möchte doch erneut davor warnen, sich in dieser Beziehung allzu großen Hoffnungen hiiizugebeii. (Sehr richtig!) Nächstens werden sich ja ohnehin die Schleier bereits lüften, und Sie werden selbst in der Lage sein, sich in der Richtung ein hinlänglich klares Bild zu verschaffen. Ich habe mich in dieser Richtung niemals sanguinischen Erwartungen hingegeben. Eine Fortführung der finanzpolitischen Ziele hatte sich daS neue Zolltarifwerk programmgemäß von Anfang an nicht zur Aufgabe gemacht. Der Reichstag hat dann diesen programmatischen Gedanken weiter ausgebaut, indem er einerseits bei den eigentlichen Finanzzöllen, die nach der Regierungsvorlage unverändert bleiben sollen, einige Verbesserungen vorgenommen hat und andererseits beschloß, einen von der Erhöhung der landwirtschaftlichen Zölle zu erwartenden, nicht nn- crljcblidjcn Mehrertrag zum größten Teile für einen neuen sozialpolitischen Zweck, nämlich für die Versorgung der Arbeiter- Witwen und -Waisen zu verwenden. Ich möchte nur hoffen und wünschen, daß der Fonds, der vorläufig hier zu diesem Zweck thesauriert werden soll, nicht ein ähnliches Schicksal d e r c i n ft erleiden möchte, wie der Reichst nvaliden- fonds. (Sehr richtig! und Heiterkeit.) Jedenfalls weiß ich aber das eine nicht, wo nun plötzlich; daS viele Geld Herkommen soll, das man vom neuen Zolltarif erwartet. Wie Manna fällt bekanntlich das Geld nicht vom Himmel. Vorläufig ist für uns nur das sicher, daß zu dem teils latenten, teils offen daliegenden Defizit, mit dem wir seit längerer Zeit zu Himpfcji haben, im nächsten Jahre noch beträchtliche Neuforderungen hinzutreten werden. Ich will dabei Fragen, die zur parlamentarischen Erörterung gegenwärtig noch nicht reif sind, wie beispielsweise die Vermehrung der Auslandsgeschäfte, ganz außer Betracht lassen; ich will auch noch nicht sprechen von der baldigen Verstärkung der Betriebsmittel der Reichseisenbahnen oder von der endlichen Inangriffnahme einer organischen Schulde n- t i l g u n g. Erinnern möchte ich nur schon hier an die bereits vorgeschlagene Erhöhung der M i l i t ä r p e n s i 0 n e n , die doch auch von dem Reichstage dringend gewünscht ist, )veld;e aber — wie ick; einschaltend bemerken möchte — in dem vorliegenden Etatsentwurfe noch gar nicht in Erscheinung getreten ist. Ich will weiter erinnern an den Bedarf aus Anlaß der ebenfalls Ihnen bereits vorgeschlagenen Erhöhung der Friedenspräsenzstärke und der Durchführung der zweijährigen Dienstzeit. Ich will des Weiteren erinnern an die wachsenden Reichszuschüsse zu den Invalidenrenten, an die wachsenden Veteranenbeihilfen und die sehr beträchtliche Steigerung der Zinsenlast, an die von Ihnen selbst dringend geforderten Erhöhungen der Wohnungsgeldzuschüsse, an die Notwendigkeit, den außerordentlichen Etat sobald als möglich von den weiteren Raten der sogenannten Waffenforderungen wieder zu entlasten, an das nicht minder dringende Erfordernis, an eine weitere Entlastung des NeichSiuvalidenfonds heranzugehen. Es sollte mich ja aufrichtig freuen, wenn wir bei demnächstiger Schätzung des der Reichskasse verbleibenden Mehrertrages der Zölle zu dem Ergebnis gelangen sollten, daß damit das vorhandene Defizit, und was außerdem noch hiiizutreten wird, auch nur annähernd gedeckt werden kann. Borer st aber fehlt mir dazu der Glaube, und ich bin nicht eher geneigt, anzunehmen, daß auch dann noch ein gewaltiger Fehlbetrag verbleiben wird (hört, hört! bei den Sozialdemokraten), von etwaigen Heber; schössen, deren wir zur gclcgcntlicfcn Verminderung unserer bc trächtlichen Reichsschuld dringend bedürfen, schon gar nicht zu reden. Wenn wir aber, wie ich mit Grund besorge, zu diesem Ergebnisse
gelangen sollten, banr möchte tck; glauben, Ware es auch unsere ernste, der Wohlfahrt deö Reiches geschuldete Pflicht, ohne Zögern diejenigen Maßnahmen zu treffen, die zur endlichen Sanierung unserer Finanzen unerläßlich sind (sehr richtig! rechts), und tch weiß mich im vollständigen Einklang mit der ®uffoffiing der Gesamtheit der verbündeten Regierungen, wenn ich schon heute aufs bestimmteste erkläre, daß wir nicht glauben wurden, eine wettere Vertagung der schon aus Rücksicht auf das Ansehen und die Wurde des Reiches dringend gebotenen, gründlichen Ordnung seines Haushalts verantworten zu können. Bei allen Maßnahmen aber, die in Frage kommen mögen, um zu einer nachhaltigen Beßerung unserer Finanzen 511 gelangen, wird unentwegt an Einem wstgehalten werden müssen, loirb Eins nicht außer acht, bleiben dürfen, das ist: schonende Rücksichtnahme auf die wirtschaftlich SchwachenI (Beifall rechts, im Zentrum und bei den Nationalliberalen. Zurufe von den Sozialdemokraten.)
Kriegsminister von Einem: Gelegentlich der Beratung des vorjährigen Etats habe ich in der Budgetkommission bereits tm Februar eine Erklärung über die Forderungen abgegeben, we wir im Interesse der Armee erheben müßten. Im jetzigen Etat fmöen <ste diese Forderungen genau so, wie ich sie damals skizziert habe, nut mit dem Unterschiede, daß wir nickt einmal alles das fordern, was ich damals in Aussicht gestellt habe. Ich sehe hier davon ab, Den Beweis zu führen, daß' Deutschland eine starke, tvaffenfahige Heeresmacht haben muß, da wir alle darin einig sind, daß das Deutsche Reick seine Aufgaben in der Welt mit Sicherheit nur wird erfüllen und lösen können mit einem kriegsbereiten, starken Heere. Ick sehe auch davon ab, die Forderungen zu rechtfertigen im Hinblick auf die starken Kräfte der uns umgebenden und benachbarten Militärstaaten, denn diese Truppen sind so bedeutend, daß wir sie zahlenmäßig doch nicht erreichen können. Wenn dem aber so ist, so müssen wir mit zwingender Gewalt daran gehen, den inneren Wert der Armee und ihre Organisation zu bessern.
Diese beiden Forderungen sollen durch das Gesetz über das Ouinquennat wie über die zweijährige Dienstz ei t erfüllt werden Das Gesetz über das Quinquennat erstrebt nichts weiter, als die Schwächen und Lücken unserer Organisation zu beseitigen, es will die Organisation des Heeres verbessern und ausbauen und sie zu einer solchen gelt alten, daß die außerordentlich komplizierten und schwierigen Mobilmachungen einfacher werden, daß es vermieden toirD, daß die Truppenverbände der ersten Linie irgendwelche neue Formationen aufnehmen, so gering solche auch sein mögen. Es handelt sich also nur um eine organische Fortentwicklung und Beseitigung derjenigen Unzuträglichleiten, welckie aus der Organisation der früheren Jahre der Armee anhaften. Sie wissen, daß man sehr vorsichtig fein muß, jetzt schon Schlüsse aus den Ereignissen und Erscheinungen des russisch-japanischen Krieges zu ziehen; man Darf nur sagen, daß die Wirkungen noch nicht genau festgestellt sind, um zn einem richtigen, sicheren Urteil zu gelangen, aber eins fchetnt wir dock sicher zu sein, ivas audj im übrigen von der .Kriegsgeschichte bestätigt wird, daß diejenige Armee, welche mit fest gegliederten Formationen dasteht, Derjenigen, welche mit minder gesetzlichen Formationen ihr gegenüber steht, überlegen ist und zwar eine Ueber- legenheit zeigt, die sich sofort in gewonnenen Schlachten und Gefechten ausdrückt. Was das heißt, gleich zu Anfang Sieger zu fein, das brauche ich hier nicht weiter auseinanderzusetzen, das lehrt Die Kriegsgeschichte jedes Landes.
Wie ist nun Die Org a 111 f a 11 0 11 u 11 f c r es H ccrcS beschaffen? Im allgemeinen ist ja an Den von mit skizzierten Gesichtspunkten festgehalten, wir haben aber doch vor,. Verbände zu schaffen, die den Namen Division zwar führen, aber solche.gar nicht sind. Unsere Divisionen sollen für den Krieg strategische und taktische Gefechtseinteilungen fein, die imstande find, selbständig zu operieren und zu schlagen, sie müssen zu diesem Zweck aus allen Waffengattungen bestehen und müssen diese Waffen schon im Frieden besitzen. AuS diesem Grunde haben wir ja in unserer Organisation die ?lrtillerie den Divisionen zugewiesen, um diese in innigem Zusammenhang zu halten. Nun haben wir aber Divisionen, und zwar an den Grenzen stehend und auch im Innern des Landes, die weder in der Infanterie die nötige Stärke haben, erheblich biS zu einem Drittel hinter dieser Stärke Zurückbleiben, und denen es zum Teil oder auch ganz an Artillerie fehlt. Hier muß Llbhilfe geschaffen werden, und zwar durch die Formation neuer Verbände. Wir haben uns wohl überTcgt, ob es möglich fei, die Bataillone zu bilden unter Aufrechterhaltung der jetzigen Präsenzstärke, wir haben aber diese Frage verneinen müsien. Wir hatten doch gewissermaßen eine Forderung ausstehen von 7000 Mann (Heiterkeit), ich glaube, ich sage nicht zu viel (erneute Heiterkeit), denn die Regierung hat damals gesagt, sie würde sie fordern, wenn die Notwendigkeit sich ^eigt. und das .HaiiS — glaube ich — hatte gesagt, wir werden sie bewilligen, wenn Ihr uns die Notwendigkeit nachweist. Wir haben bisher davon abgesehen, die 7000 Mann zu fordern, da wir un Laufe der Zeit die Erfahrung gemacht haben, daß die nötigen Verbesserungen einseitig auf dem Wege der Etatserhöhung nicht betrieben werden könnten. Das ist der Grund gewesen. ?lber wir können jetzt unter feinen Umständen dazu übergehen, die Etats der Infanterie herabzusctzen, um neue Formationen, die an anderer Stelle notwendig sind, vorzunehmen, weil dadurch eine Schwächung unserer Formationen für den Krieg eintreten würde. Es handelt sich aber grade Darum, unsere Infanterie-Formationen zu konsoli- dieren und zu verbessern. Es gilt also durch das Quinquennat die Verbände zu konsolidieren und zu verbessern.
Was nun die Kavallerie-Vorlage betrifft, so enb hält sie m. E. ja eigentlich nichts wesentlich Neues für das hohe Haus, denn daß ein Kavalleriemangel besteht und daß es notwendig ist, diesen Mangel zu heben, das hat das hohe Haus ja schon anerkannt durch Die Schaffung der Eskadrons der i3ager 8U Pferde. Ich habe in der „Freis. Ztg." gelesen, daß die Erfahrungen des russisch-japanischen Krieges mehr Darauf Hinweisen, Die Kavallerie zu vermindern als sie zu vermehren; nur Der Ilm« stand. Daß es eine stattliche Waffe sei, hätte dazu geführt. Die Regierung zu bestimmen, Ihnen eine Kavallerieverinehrung vorzu- schlagen. Ich muß diesen Gedanken weit von mir weisen. Ich bin mir vollkommen bewußt, daß wir nur DaS -^osentliche fordern Dürfen, daß unsere Finanzlage jetzt es DriugenD gebietet, uns vor Fehlgriffen in Acht zu nehmen. Die Militärverwaltung hat aber Durchaus Die Pflicht, Das Wesentliche zu forDcrn uno zu vertreten. Ich bin nun Der Meinung, Daß allerdings in einem künftigen Kriege Der Kavallerie wichtige und bedeutende .lufgaben zufallen werden, und Daß wir nicht zu Diesem Zwecke, für ue Ausbildung, heute die notwendige Kavallerie besitzen. Ich weise nochmals Darauf, hin, Daß wir Divisionen haben, die keine Kavallerie besitzen, Daß der Mangel sich sehr fühlbar gemacht hat, und besonders hervorgetreten ist, nachdem ivir in Sachsen ein zweites und in Bahern ein drittes "Armeekorps formiert haben. Ich halte es nicht für angängig, diesem Mangel fortgesetzt abzuhelfen durch Mkomman- dierungen von Brigaden unD Regimentern, die viel kosten und schwere Schäd-n haben. Ich mochte mich enthalten, hier des Näheren darauf einzugehen und meine Gedanken darzulegen über Die NotwenDigkeit und weitgehende Stellung der Kavallerie im Frieden unb die Bedeutung dieser Formation im Kriege; ich werde ja noch Gelegenheit haben, im Laufe der Diskussion darauf zurückzukommen. Die Notwendigkeit der Vermehrung der Kavallerie hängt andererseits so eng zusammen mit der Stellung dieser Formation im Kriege, daß ich garnicht in der Lage bin, hierauf im Speziellen in Der Öffentlichkeit einzugehen. Ich werde aber in der Kommission in Der weitgehendsten Weise ohne irgendwelche Zweideutigkeit die Daten vorlegen, und ich hoffe, daß die Kommission daraus ersehen wird, daß wir in einer geradezu unzulässigen Weise unsere gute Kavallerie zersplittern. Noch ein Wort über Die Jäger zu PferDe. Wenn wir genügend sonstige Kavallerie besäßen und and) sonst luxuriös leben könnten, und nicht sparsam zu sein brauchten, so wäre es gewiß sehr hübsch und schön, wenn wir von vornherein jedem Jnfanterieführer eine Anzahl ausgezeichnet ausgebildeter Kavalleristen zur Verfügung stellen könnten.


