Ausgabe 
5.3.1904 Fünftes Blatt
 
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BKEZ

bei Worms gelegene Grundstück des Gastwirts Kräuter er­werben möchte, da durch die Anlage der neuen Rheinbrücke das Gasthaus von allem Verkehr abgeschnitten wurde.

Finanzminister Dr. Gnauth erklärte sich bereit, das Grundstück aus den Mitteln des Dispositionsfonds zu er­werben, aber nur unter der Voraussetzung, daß der Besitzer nicht den event. früheren Wert, sondern den nach der Sache jetzt angemessenen Preis verlange.

Abg. Molt Han spricht den Wunsch aus, daß bei der neuen elektrischen Bahnstrecke Mainz-Lchwrstein und Wies­baden das Brückengeld von 6 auf 5 P,g. herabgesetzt wer­den möchte.

Ministerialrat Becker erwidert, es sei Aussicht dafür vorhanden, die Regierung werde die Sachss in Erwägung ziehen.

Das Kapitel lvird darauf in Einnahme mit 284 792 Mk. und in Ausgabe mit 112 260 Mk. genehmigt, ebenso eine Rachtragsforoerung von 730 Mk. Weiter werden genehmigt die Kapitel: Meteorologische Beobachtungen 5600 Mk. (Abg. Köhler regt an, auch eine landwirtschaftliche Wetter­station, ähnlich der in Weilburg, zu errichten.), Internatio­nale Erdmessung 2800 Mk., Betriebstranlenkaste, Einnahme 1800 Mk., Ausgade 19 000 Mk., Privat- und außerhejsischss

dem OffizlerZkorpS kierauskommen. Tin Ventil muß immer da fein, ein Vorgesetzter kann es allen Oifizieren nickst recht machen. Die Offiziere mögen räfonnieren, aber sie gehorchen, und dieser Geist wird in der Armee nicht gefährdet. «Beifall.)

Bayerischer Bevollmächtigter General v. CndreS: Derfffbg. Müller - Meiningen glaubte mir mit kameradschaftlichen Mittei- lungen betreffend die köistgl. bayerischen Offizierlorps kommen zu müssen. Ich möchte ihm bemerken, Bayern ist nicht verpflichtet, die verschiedenen Uniformändernngen der preußischen Armee mitziimachen. Wenn es das bisher getan hat, so ist dies ein Beweis dafür, daß es sie für außerordentlich praktisch gehalten hat. Die neuen Uniformändernngen sind zum großen Teil nicht etwa der ruisischen Armee entnommen, sondern unserer kamerad­schaftlichen Armee, der bayerischen.

Es entstammt ihr z. B. die Farbe der Mäntel und auch der Umhang, der bei uns schon 1866 und 1870 mitgemacht hat, ferner entstammen ihr die parallelen Knöpfe am Rock. Wir hatten sie eingefiihrt, »veil es anders ungeheuer schwierig war, den Grad der Schiefheit festzustellen. (Stürmische Heiterkeit.) Auch die braunen Handschuhe hatten sichrtion bei unS vorzüglich bewährt, sie bildeten einen Ersatz für die früheren grauen, mit denen wir sch.echte Erfahrungen gemacht hatten. Wenn man uns endlich fragt, warum die bayerische Regierung keine Dbftruttion machte, so kann ich nur antworten : Sie hielt die Obstruktion für unvernünftig. (Schallende Heiterkeit.)

Auf eine Benierkung des Abg. Dr. Janncz (Eli.), der die Metzer Wasserfrage zur Sprache bringt, gibt

Geheimrat HnUey eine eingehende Schilderung der kruheren und jetzigen Wasserverhältnisse in Metz Es solle jetzt eine neue Wasserleitung eingerichtet werden, die tadelloses jirnuroaifcr liefere. Die Einzelausführungon des Redners bleiben im übrigen tm Zusammenhänge unverständlich.

Hierauf vertagt das Hails die weitere Beratung auf Sonnabend 1 Uhr.

Schluß 6; Uhr.

Kommandant. sGroße Heiterkeit.) Denn wenn eS der Komman­dant gewesen wäre, würde ich ein Telegramm auf meinem Tisch gefunden haben. Leutnant so und so, weil er den und den Anzug getragen hat, mit so und so viel Stubenarrest bestraft. (Große Heiterkeit.) Ich kann dem Herrn Müller auch mit solchen Tele­grammen aufwarten. (Heiterkeit.) Herr Müller sprach auch über Bayern, doch scheint er nicht so recht orientiert zu sein, wenn er bie Verordnungen nachsehen wollte, würde er finden, daß Bayern die Kummerfaltc schon lange hat. (Heiterkeit.) Es ist sehr schwierig für die Verwaltung, eine Uniform zu finden, die für alle Ver­hältnisse passend ist. Eine Uniformfarbe, die für Transvaal oder China passend ist, paßt nicht für uns. Im Sommer iieht eine Farbe ganz anders aus, als im Winter. Oesterreich wollte das Hechtgrau seiner Iägcrröcke auch bei der Infanterie einführen, es hat ca ausgegcbcn, weil das Hechtgrau im Sommer weit besser zu sehen war, als das Schwarz der Infanterie. Im Winter sah man das Grau fast gar nicht. Des­halb haben wir auch die grauen Mäntel und haben

graue Litewken für die Landwehr eingeführt, damit diese Herren, die vielleicht etwas dick geworden sind (Heiterkeit), es recht bequem haben. Herr Müller - Meiningen meinte nun, der Chef der ersten Abteilung des Warenhauses, der von einem unheilvollen Erfindnugsdrang beseelt sei, gehe bei mir aus und ein und dränge fortwährend auf Neuerungen. Ich kenne den Herrn überhaupt nicht, und wenn er zu mir mit irgend einer Erfindung käme, würde er sicher ebenso schnell heraus wie hcreinlominen. (Heiterkeit.) Richtig ist es, daß wir das Waren- hans beschäftigen, wenn wirProbenanfertigen lassen. Irgendwomufien wir doch arbeiten lassen und das Warenhaus arbeitet schnell und gut Unpraktische Sachen sind nicht eingesiihrt. Kein Otfizier wnrde 2. B. den neuen Umhang, der ihn gegen die Unbill der Witterung 'schützt, da er immer leicht mitgenommen werden kann, wieder aup geben wollen. Auch das goldene Koppel ist sehr praktiich. Ich trage meins schon feit fünf Jahren nnd werde es noch lange tragen; beim man bat jetzt eine Methode errunben, mit deren Hilfe man diese Sachen, wenn sie lange gebraucht find, wie neu wieder auffrischen kann. Eine tiefgehende Unzusriedenhett herrscht unter den Offizieren wegen der Neuerungen durchaus nicht. Wo aber auch über mich räionniert wird, da sage ich cmiarfi: Schimpft über mich, soviel Ihr tvollt, aber laßt es nur nicht aus

Staatseisenh ihnen, Einnahme 11 ICO S? : An'ga *c 5053 Mr., Münzwescn 700 Mk., Staatsrenten 267 v-.-j Mr., Sterbequar tale 3900 Mk., Allgemeiner Fonds für Vertretungs- und Aushilfskosten 60000 Mk., Porto und Telegraphen, resp. Fernsprechanlagen 98 200 Mk.

Ohne Debatte wird dann die 11. Hauptabteilung, Aus­leihungen und Staatsschuld, Einnahme 1232 442 Mk., Aus­gabe 12168979 Mk. genehmigt. Von der 12. Hauptabteil­ung wird Kap. 115, Pensionen, Einnahme 603 473 Mk., Aus­gabe 3 691375 Mk., mit dem Antrag des Ausschusses auf Mitzulassung der Turnlehrerinnen, sowie der an der Aus­bildung von Handarbeitslehrerinnen beteiligten Lehrer­innen der Alice-Jndustrieschulen bewilligt.

Abg. Weidner führt hier Beschwerde darüber, daß die Bestimmung, nach welcher die Handarbeitslehrerinnen an den Volksschulen auf dem Lande, die über 12 Stunden in der Woche beschäftigt sind, Pensionsberechtigung haben, die in weniger als 12 Stunden beschäftigten aber nicht Die Letzteren könnten doch nichts dafür, daß sie weniger beschäftigt würden.

Tie 13. Hauptabteilung, Verhältnis zum Reich, weist in Einnahme 11348 523 Mk., in Ausgabe 11948 327 Mk. aus. Tie Posten werden genehmigt, ebenso die 14. Haupt­abteilung, indisponible und reservierte Fonds, Ausgabe 282 768 Mk. Mk., und die RachtragssordcrunaZur Ab­führung an den Ausgleichsfonds" 159 000 Mk., letztere Summe unter dem Vorbehalt der Annahme über die Bild­ung eines Ausgleichssonds.

Ta mit ist der 1. (Verwaltungs.-)Teil b e5, Ha ushaltsetats erledigt.

Vom 2. Teil (V e r in ö g e n s r e ch n u n g) wird Kap. 118, Reste aus früheren Jahren, Kap. 119, Kameral- und Forstdomänen, Residenzschlotz Tarmstadt 24000 Mk., Ti?nsl- usw. Gebäude für die Oberförsterei Grebenau 17 000 Mk, Forstwartwohnung Jägersburg 16 000 Mk., Versteigerungs- Halle beim Groß-Gerauer Falltorhaus 4200 Mk. und für Wiederherstellung des Schlosses Lichtenberg 44 850 Mk. be-

Kescher Landtag.

R. B. Darmstadt, 4. März.

Am Regierungstisch: Staatsminister Dr. Rothe, Fi­nanzminister Dr. Gnauth, Geh. Staatsrat Krug zur Nidda und mehrere Ministerialräte.

Die Sitzung wird um 9y4 Uhr eröffnet und die gestern unterbrochene Debatte über Kap. 103, Bauwesen, fort­gesetzt.

Staatsminister Dr. Rothe erklärt unter Hmwers auf die gestrige Debatte, die Regierung könne auf die so hoch bedeutsame Frage der Verunreinigung des Rheins und des Mains heute noch keine umfassende Antwort geben und behalte sich dieselbe für später vor. Bisher sei die Regierung hinsichtlich der Fäkalieneinführung in die Flüsse stets sehr vorsichjtig zu Werke gegangen. Sie habe die­selbe bis jetzt nur für die Stadt Mainz gestattet und dies auch erst nach jahrelangen gründlichen Erfahrungen resp. Urteilen der Sachverständigen, auch das Reichsgesundheits­amt habe sich dafür erklärt und die Genehmigung sei nur unter ganz bestimmten, weitgehenden Kautelen erteilt wor­den. Er gebe anheim, heute von einer weiteren Debatte darüber abzusehen und die Frage vielleicht durch eine Inter­pellation zur späteren Erörterung zu bringen. Dann werde die Regierung gern zu einer gründtichien Darlegung ihrer Stellung bereit sein.

Das Haus beschließt daraus die Vertagung der Debatte über die Flußverunreinigungen.

Abg. Noack stellt hieraus den Antrag und motiviert ihn kurz, daß die Großh. Negierung baldmöglichst einen Plan zu einer Neuordnung des gesamten hessischen Bau­wesens ausarbeiten wolle.

Abg. Reinhart spricht den Wunsch nach einer Neu­regelung der Kosten für die Baggerungsarbeiten re. aus.

Abg. Brauer beklagt die Verunreinigung der Ohm.

Ministerialrat Frhr. v. Biege leb en bemerkt dann zu der früheren Klage des Abg. Horn über die alte Fried­hofsmauer in Seligenstadt, die Mauer sei ein wertvolles Denkmal aus dem 11. Jahrhundert und deshalb ihre Er­haltung von hohem Jntere),e. Bezüglich der früheren Klage des Abg. Noack wegen dec unschönen Mauern am Auer- bacher Schloß, die alles Strauch- und Epheuschmuckes be­raubt wurden, bemerkt der Regierungsvertretcr, daß die teilweise Entfernung des Pflanzenschmucks durch notwen­dige Ausgrabungen bedingt wurden; es seien auch nur solche Bäume rc. entfernt worden, deren Entfernung im Interesse des Schutzes des Mauerwerks nicht zu umgehen war.

Abg. Noack bestreitet die Notwendigkeit dieser Ar­beiten. Das Schloß übe seine Wirkung als Ruine nur in dem Rahmen der dasselbe umgebenden grünen Natur. Man dürfe in der Denkmalspflege nicht zu weit gehen, sonst bringe man sie beim Publikum in Mißkredit.

Nach kurzer weirerer Debatte wird das Kapckcl mit 546 Mk. Einnahme und 536 400 Mk. Ausgabe genehmigt.

Bei Kap. 104, Brücken und Ueberfahrten, regt nach einigen Wünschen des Abg. v. Brentano der Abg. Seelinger die Frage an, ob nicht der Staat sich bereit erklären wolle, den Betrieb der Fähre zwischen Lampertheim und Nordheim zu übernehmen, event. möge man darauf bedacht fein, den Staatszuschuß zu erhöhen.

Abg. Reinhart schließt sich diesem Wunsche an. Die Unzutraglichkeiten bei der Fähre seien offenkunoig, cs würde durch die Betriebsübernahme seitens des Staates auch eine größere Betriebssicherheit erreicht werden. Weiter wün,chl Redner, daß der Staat das früher an Station Rosengarten

Krof. v. Arygalskls Snbpolar. Spedition.

Gießen, 5. März 1904.

Eine große Gunst wurde der Gesellschaft für Erd- u n d V ö l k e r t u n d e dadurch zuteil, daß der ruhm­reiche S ü d p o l ar f o r s ch e r P r o f. v. Dry g a l s ki, der erst vor kurzem von seiner Expedition zurückkehrte, vor ihr am 1. März als einer der ersten aller wifienscyaftlichien Gesellschaften über seine Forscherreise berichtete. Dem Ge­lehrten ' wurde denn auch bei seinem Erscheinen lauter Beifall zuteil, der sich nach Beendigung seiner überaus klaren und interessanten Ausführungen noch steigerte. Ter Vortrag und die zahlreichen Lichtbilder haben einen tiefen, nachhaltigen Eindruck, bei allen Anwesenden hinterlassen. 28 Monate dauerte die Reise desGauß", eines nach dem Vorbilde derFram" für die Expedition erbauten vor­trefflichen Schif.es. 14 Monate war es von südlichem Po­lareis eingeschlossen, 14 Monate waren den Arbeiten auf Inseln und im Kapland gewidmet. Schon am Aequator .begannen die Arbeiten der Forscher, hier wurden schon Spuren des Einflusses festgestellt, den der Südpol durch Wärmedisferenzen und die Tierwelt des Meeres bis in diese Region hinein ausübt. Eine malerische Schilderung entwarf der Redner vom Südpolarmeer, das ihm nach Verlassen von Kapstadt bald entgegentrat. Stetige schwere Seen, Stürme und kalte Strömungen, die hier herrschen, sind die Veranlassung, daß seither wenig über dasselbe gearbeitet i|i. Tie Reisenden besuchten die dort lagern­den Inselgruppen, um die Tierwelt zu erforschen und erdmagnetische Arbeiten auszuführen. Tie Inseln die Erozetinsel und Kerguelen find vulkanischen Ursprungs, ohne Bäume, durch stete Niederschläge vecsumpst. Ihre Fauna besteht aus Pmguinen, Seeelephanten und Kanin- cken, die, einst dort ausgesetzt, jetzt die gesamte Vegetation zu vernichten drohen. Auf den Kerguelen wurde eine meteorologische Station errichtet, hier starb auch das Mit­glied der Expedition Tr. Enzenpergcr, der trotz aller Ungunst uno Mißgeschicke viel zu leisten vermochte und dem der Redner einen warmen Nachruf wiomete. Am 3. Febmar verließ derGauß" Heart-Eiland und gelangte nun ins Eisgeörel. Während englische, schottische und norwegische Forscher andere ^olargebiete besuchten, wandten jicl; die deutschen dec Region juofich der Ker­guelen zu, lueit ijie^iivLL illui völug, Unkenntnis herrschte. Frühere Exp.dckivnen ua.en n..r wenige Breitegrade vor­gedrungen, uno cs be^arwen über die Grenzen von Land nnd 9Jicer abweicyenoe Ansichten. Verhinderte ~anb wer­teres Vordringen, jo mupte sich wenigstens eine gute Atweitsgetegenyeit bieten. In der -tat jt. Trl-ga^kr schon auf der Breite des Polartreije» _ auf Land. Tre Schiffahrt in jenem Gebiete loar uuperjt schwierig. Vor der Küste bilden sich feste Schollen, von denen em £eu nach Norden treibt, sooaß ein Zugang von Listen nach Wessen unmughu}- ift. Es gelang aus vO Grad Ost einen Weg zwischen ^iüilentum^ie6Lii nach Süden zu suwen, wobei sestgestcllt wurde, dap das aus der Karte ver­zeichnete B.ulkesland niast e^i.iieri. Balo mehrten sich bic Eisberge, eine Tünung tarn auf, ine au, sre.es Meer nach Süden schließen lieg; statt 3960 Nieter Tte>e, lotete man bald 270 Meter, der Wind zeigte, den Eharakter eines Landwindes, und aui 21. Feoruar 1902 erreichte man Land. Neues, noch von keinem Mensuln gesehenes Land! War dem weiteren Vordringen nun em Ziel gesetzt, so war doch eine große geographische Frage getost. Ein Betreten des in Gis begrabenen, in stiller Größe liegenden Gebietes mit einer 50 Meter Hohen steilen Gisküste war unmöglich. Man versuchte nun, der Küste nach Lüesten zu folgen. Um Bewegungsfreiheit zu erhalten, bewegt«-

Linie Bin < . nz . . »heim 19760 Mk., be­

willig!? . eglei...,n ein "Nacht, ag für Erweiterung dcs Bahnhofes Stockheim (GießenGelnhausen) 354000 Ntt., und für Vermehrung der Betriebsmittel 970000 Mk.

Für An- und Verkauf von Jiaatsdomänen werden 10000 Mk. Einnahme und 188 0 Mk. Ausgabe genehmigt, sowie ein Nachtrag, bctr. den Ankauf eines Teils des früheren Darmstädter Lofs neben dem Ständehaus, 1237 Quadratmeter für 110 000 Mk., angenommen.

Abg. Müller-Darmstadt bedauert, daß sich die Re- gierun'g den Ankauf des ganzen Baugeländes habe ent­gehen lassen; man hätte dorr große Staatsbauten, z. B. für die Lotterie usw., errichten können.

Finanzminister Dr. Gnauth entgegnet, das Finanz­ministerium habe cs nicht für angemessen erachtet, das Objekt im Werte von 4500 000 Mk. zu erwerben. Tie Stadt Tarmstadt habe es ja auch nicht gekauft.

Tic Etatsberatung wiro darauf um IV2 Uhr abgebrochen. Nächste Sitzung: Dienstag 10 Uhr.

Armee nnd Marine eine große Nolle spielen, namentlich der Chef der ersten Abteilung soll fortwährend auf Aendcrungen dringen. Ist dies wahr? Wir find keine Gegner der Armee, wir bekämpfen nur da§ Widerfinnige und Unrichtige. Wir kritisieren Nicht der Kritik wegen, sondern um Besserung zu schäften.

Kriegsminister v. Einem: Um eine Lcgendenbildung nicht auf- kommen w lassen, muß ich sagen, daß die Armee ld06 geschlagen ist, weil sic der neuen Kriegsweisc Napoleons nicht gewachsen war. Es ist auch richtig, daß der Aufschwung von 181-/13 das groß­artigste war, was die Welt gesehen hat. Weiteres habe ich auch vorhin nicht gesagt. Es ist kein Zweifel darüber, daß der Krieg-,- miniftcr für alles verantwortlich ist. Ich habe auch deshalb, bie Kabinettsordre über die Achselklappen unterschrieben, Re man letzt, mit Ausnahme von Oesterreich, überall hat. Die goldenen Schnüre sind ein Akr des Wohlwollens, das der Kaiser einzelnen 9teguncntern verliehen hat. Die Aenderungen in der Uniform find ^um großen Teil wescmliche Verbesserungen. Vor zwanzig Jahren durften wir nur mit langen Hosen reiten, da mußten die Offiziere damit lelchr über die Felder laufen. Ist es jetzt nicht ein großer Fortschritt, daß wir bic langen Stiefel eingeführt haben? Nun tmrb gejagt, icber Offizier müsse bei einer Meldung in langen Lachttefeln er­scheinen. Das ist eine Ente. (Heiterkeit.) Viel geredet wird über die grauen Mäntel. Früher hatten wir fünf verschiedene Mantel- farben in der Armee. Ist es nicht ein großer Fort,chritt, daß wir jetzt eine einheitliche Farbe in der ganzen Armee haben? Nun kann man fragen, weshalb sollen die Knöpfe schief fern, sie können ja ebenso aut grabe fein. Gewiß. (Heiterkeit.) Aber wenn der eine die Knöpfe grabe, der andere sie schief tragen wurde, so würde das doch sehr schlecht aussehen. Deshalb ist es doch wohl besser, daß eine Stelle, die zu sagen hat, eine einheitliche Rege­lung vorschreibt. Nun sprichst der Vorredner über den Luxus in der Armee, auch bei den Manövcrn. Nun, ich glaube, wenn Herr Tr Müller auf vier Wochen verreist, dann nimmt er sicher weit mehr mit, als ein Leutnant ins Manöver mitnefirnen darf. (Groge Heiterkeit.) Ich werde ihm die Vorschriften und mich das Maß des Koffers schicken, ich glaube, das, was

Herr 'Muller * mitnimmt, kriegt er nicht da tzmem.

(Heiterkeit) Nun will Herr Müller in der Friedrichstraße Mode- leutnants gesehen haben. Es ist aber ein großes Glück für diese Leutnants'aeweien, daß Herr Müller sie gesehen hat und nicht ihr

Willigt.

Beim Titel Staatsdomäncn werden 25 500 Mk. für Erwerbung einer Klenganstalt und 12 500 Mk. für eine Jorstwartwohnung in Osfenbacfi verlangt. Ueber die Er­werbung der Klenganstalt entspinnt sich eine lange Debatte, an der sich die Abgg. Tr. Buss, Ulrich, Molthän, Breim er u. a. beteiligen. Tie beiden Forderungen werden schließlich genehmigt.

Bei Kap. 121, Saline und Badeanstalt Bad-Nau­heim, werden 35000 Mk. für einen neuen Musikpavillon, 10000 Mk. für neue Projcltierungskosten und 20 000 Mk. für eine Süßwasserbeschafsung beim Schwalheimer Brunnen gefordert. Ersrerc Forderung wird dem Ausschußantrag ent­sprechend abgelehnt, die beiden anderen angenommen.

Bei Kap. 122, Staatseisenbahnen, werden für ein Verbindungsgeleife bei Isenburg als Restsorderung 9200 Mark, für Aenderung der Dahnsteiganlage Bingen 100000 Mark, für Erweiterung des Bahnhofs Hungen 100000 Mk. (Abg. Köhler bringt hier einen Antrag m betreff einer veränderten Geleiselegung ein, zieht ihn aber wieder zu­rück, nachdem ihm bedeutet worden, daß es dafür zu spät sei), Verlegung der Haltestelle Ranstadt 100 000 Mk., Bahn- hofserwciterung Ingelheim 100 000 Mk., Erweiterung der Magenreparaturwerkstätte Tarmstadt 2JO000 Mk., Stcaßen- überbau über die Nahe bei Bingen 55 000 Mk., Bahnhofs­erweiterung Maldhof 40 000 Mk., Erbauung einer Haupt- werkstätle, dritte Rate 900000 Mk. Abg. Weidner wünscht, daß man der Gemeinde Tauernheim seitens der Regierung mehr Entgegcntommen zeigen möge.

Bei Titel Umgestaltung der B a h n h 0 s s a n l a g e n zu Tarmstadt, deren Kosten aus 10000000 Mk. veran­schlagt sind, fragt Abg. Müller wegen der Verzögerung der Ausarbeitung des Projekts an. Finanzminister Dr. Gnauth erwidert, die Bearbeitung sei ersa)wert worden durch das Ableben des ersten Bearbeiters und auch dessen Nachfolgers. Er habe heute die Mitteilung erhalten, daß die Eisenbahndirettion Mainz noch in diesem Monat in nähere Verhandlung mit der Stadtverwaltung Tarmstadt zu treten beabsichtige. Tie im Etat als zweite Baurate ge- I orderte Summe von einer Million Mark wird darauf iin Einverständnis und entsprechend dem Ausschußaiitrag wiederum, wie im vorigen Jahre, bis zur Vorlage des Bahnhoss-BauprojeiLs vom Etat abgesetzt.

Zur Erweiterung dcs Bahnhofs Mainz werden darauf als zweite Baurate 900 OOu Mk., zur Herstellung und Verbesserung von reimen- uno Signalftcliweiken usw. 569 600 Mk., zur Hers.ellung von schwerem Oberbau auf den hessischen Streuen dcs Eiseubahndirektwusbezirt.es Mainz 1200 000 Mk., zur Ausrüstung der int hesjtschen Staatsgebiet bclcgencn Schncllzugsjrrecken mir sprechern 107100 Ml., für Strecreuvtockierungen auf der