Ausgabe 
5.3.1904 Fünftes Blatt
 
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man sich zwischen ganz alten Eisbergen, zog sich dann aber nach Norden zurück, wo freies Meer vorhanden war. Hochldramatisch schilderte nun Trygalski, wie das Cis von Osten in rasender Fabrt auf das Schiff eingedrungen sei, wie Pressungen entstanden seien, wie wirkliche Berge ihm gegenüberstanden, wie der Schneesturm über sie dahin- suhr und optische Täuschungen verursachte, dann trat ein heftiges Scharren ein und das Schiff lag unbeweglich fest! TerGauß" lag in der Flachsee und somit war günstige Gelegenheit gegeben, eine Station zu gründen; wäre es in die Tiessee geraten, würde es in das offene Meer hinausgetrieben und gutes Festlegen untunlich ge­wesen sein. Eine Anzahl prachtvoller Lichtbilder, die nun vorgesührt wurden, schilderte anschaulich die Inselwelt der Kerguelen und des Heart-Eilands, des Eises in seinen vielen Spielarten, der Schollen, Pressungen, Schneewehen, Tafelberge und der Eisstruktur. Auch die Fauna wurde vorgesührt, besonders Robben und Pinguine, sowie der mächtige Albatros. Aus Schollen wurden wissenschaftliche Stationen begründet. Ter Redner entwarf eine lebhafte Schilderung der Schneestürme, die mit elementarer Gewalt daherbrausen, auf wenige Meter jede. Umsicht verhindern, die Stationen gefährden und die Reisenden zwingen, oft bis 48 Stunden in einem engen Zelt zu verweilen, aus dem man sich später herausgraben muß. Tas Schiff war oft durch diese 35 Tage dauernden Stürme in einen Schneeberg vergraben. Ein eisfreier Berg,Gaußberg" getauft, der sich an der Küste erhob, war das Ziel von Schlittenexpeditionen: dort wurden umfangreiche Beobacht­ungen angestellt auf dem Gebiete der Klimatologie, des Erdmagnetismus, der Geologie, der Fauna und Flora. Abermals belebten vorzügliche Bilder den Vortrag. Im südlichen Sommer endlich stieg die Temperatur zuweilen über den Gefrierpunkt. Man dachte an die Befreiung, aber sie mißglückte, bis am 28. Februar 1903 das Eis in der Richtung einer angelegten Schuttstraße, die einen offenen Kanal hervorgerufcn hatte, barst und das, Schiff frei wurde. Nach zwei Monaten des Kampfes mit dem Eise kam derGauß" in nördliche Eisdristen und erreichte am 16. März freies Meer. Ter Plan, von neuem vorzu­dringen und zu überwintern, mißlang; die Tiefsee ver­hinderte dauernden Aufenthalt, auch lag das Neueis bereits zu dicht. Am 9. April 1903 erfolgte dann nach einem furchtbaren Schneesturm die Rückkehr. So hat dieGauß"- Expedition unter Führung des Prof. v. Trygalski in der verfügbaren Zeit erreicht, was zu erreichen war. Sie hat auf 10 Längegrade neues antarktisches Gebiet, das Kaiser Wilhelm II.-Land, nachgewiesen und biologische geologische und physische wertvolle Beobachtungen gemacht, die ihrer wissenschaftlichen Ausbeutung harren. Turch ge­meinsames Arbeiten haben sich die verschiedensten Kräfte und neue Methoden der Wissenschaft erproben können; eine Kette von Erfahrungen ist gesammelt, die auch der alten Heimat der Forscher dienen wird. Mit diesem vater­ländischen Ausblick schloß der berühmte Gast seinen hoch­bedeutenden Vortrag. Ter letzte Vortrag dieses Win­ters wird Donnerstag, den 10. März, stattfinden. Herr Tr. S. Passarge aus Berlin wird über seine Reisen in Guayana berichten. K.

Ker Krieg zwischen Japan und Dußland.

TerAgence Havas" wird aus Shanghai gemeldet, die Japaner hätten in Tscbemulpo alle zur Ausschiff­ung von Truppen errichteten Anlagen abgebrochen und die Ausschiffungen dort eingestellt. Tie allgemeine An­nahme ginge dahin, daß nunmehr Ts chn a m p o mit seinem seit einigen Tagen eisfreien Hafen der H a u p t l a n d u n g s- platz geworden sei.

Tie Russisch-chinesische Bank von Niutschwang hat die Vorbereitungen, nach Mukden zu gehen, abge­schlossen. Frauen und Kinder bereiten sich auf das Ver­lassen des Ortes vor, in dec Annahme, daß die japanische Flotte, sobald der Fluß in ungefähr 14 Tagen eisfrei wird, zu erwarten ist. Angesichts der Unmöglichkeit, die Küste dort zu verteidigen, bis die Witterung den Bau von Gräben und Befestigungen gestattet, sind die Russen darauf vor­bereitet, sich aus die Haupteisenbahnlinie zurückzuzieben und sich darauf zu beschränken, im Innern des Landes einen Vorstoß der Japaner durch ein Gefecht aufzuhalten. Es verlautet, daß die Absicht vorliegt, die schwer zu ver­teidigende Ebene westlich von Teschikiau wenn möglich zu halten wegen der Eisenbahn, die Mukden mit Port Arthur verbindet, und zwar soll die Linie Haitscheng-Liaujang die äußerste Grenze des Zurückwcickens sein. Es scheint indessen, daß wegen der exponierten Lage der Eisenbahn an diesem Punkte und des fast sicheren Erscheinens der Japaner, ehe die Witterung das Anlegen von Verteidigungswerken ge­stattet, die Russen ganz darauf gefaßt sind, daß Port Arthur abgeschnitten und belagert wird.

Taily Chronicle" meldet aus Tokio, es verlaute, 1500 Russen hätten den Jumen-Fluß bei Horyong über­schritten und von den Amtsbureaus des Bezirks Besitz ergriffen. Sie verwendeten naturalisierte Ko­reaner als Spione.

Tas Reuter'che Bureau berichtigt eine Meldung aus Tokio dahin, daß nicht in Tokio, sondern in Söul in die Wohnung des Ministers des Aeußern und seines Sekretärs eine Bombe geschleudert wurde. Die Bombe hat ein unbekannter Koreaner geworfen. Tie Ver­letzten, ein Sekretär und zwei andere Beamte, erhielten keine schwere Verletzungen.

Kriegsberichterstattung in England.

Daß auch beim Kriege trotz des grimmigen Ernstes der Ereignisse zu Zeiten der Humor nicht fehlt, ist eine bekannte Tatsache, und an unfreiwilligem Humor hat sich die eng­lische Presse schon so manches gute Stückchen geleistet. Vor allen werden die Kriegsberichte derDaily Mail", so ange­nehme Frühstückslektüre sie für den englischen Spießbürger bilden mögen, offenbar nicht überall ernst genommen, wie folgende scherzhafte und dabei recht bissige Ankündigung einer, englischen Wochenschrift beweist:

Eine Million Russen getötet!

Ein Japaner verwundet! Offizielle Nachricht! Bericht eines Augenzeugen!

Um die enorme Nachfrage nach falschen und irreleiten­den Nachrichten vom Kriegsschauplätze zu befriedigen, haben wir unter enormen Kostenaufwand uns die ausschließlichen Dienste der führenden Leuchten der literarischen Welt ge­sichert, die als Spezial-Korrespondenten nicht nur auf dem Kriegsschauplätze, sondern an allen Orten dienen werden, wo möglicherweise Gerüchte auftauchen können. Unser Krieas- korrespondent Mr.Steve", England, kabelt uns, daß Die Beziehungen im fernen Osten gespannte sind, und diese er­schütternde Nachricht wird von Mr. Henry Britain in einem aus Fleet Street, London, datierten Telegramm bestätigt.

Es folgen dann einige sogenannte Telegramme, die nur lokales Interesse haben. Dann fährt der Artikel fort:

Eine Million Russen gefallen. Von unserm Kriegskorrespondenten in My-Lie (z. D.Meine Lüge"). Ich bin soeben hier von Port Arthur aus mit dem Spezial- Radium-Luftschisf angekommen. Die russischen Beamten haben mich schwer mißhandelt und mir gesagt, meine In­formationen seien ganz falsch gewesen. Jetzt liege ich im Hospital. (Bemerkung des Redakteurs: Ein Blia auf die Karte wird den Leser sofort überzeugen, daß es höchst un­wahrscheinlich ist, daß in Won-Lung eine Million Russen nicht getötet worden sind. Es ist klar, daß unser Korre­spondent unter Anwendung von Gewalt gezwungen worden ist, seine erste wahre Erklärung zu widerrufen.

Ein Japaner verletzt. Ein japanischer Ka­nonier (?) ist zufällig (?) von seinem Kameraden (?) auf den linken Fuß (?) getreten worden. (?) Man hofft auf seine baldige Wiederherstellung.

parlamentarisches.

Berlin, 4. März. Die 'Kommission desReichs- tages zur Beratung des -Gesetzentwurfs betr. Kauf­mannsgerichte nahm in zweiter Lesung den § 11 betr. Beisitzer und den § 12 betr. Teilnahme an den Wahlen in der Fassung der ersten Lesung an. Bei § 12 gab Ge­heimrat Schneider im Namen der Regierungen von Bayern, Württemberg und Baden, Geheimrat Fischer im Namen der sächsischen Negierung die ausdrückliche Erklärung ab, die genannten Regierungen würden im Bundesrate gegen das Gesetz stimmen, wenn da!s aktive Wahlrecht der Frauen ins Gesetz ausgenommen würde. Nachdem auch die übrigen Bestimmungen des Gesetzes in zweiter Lesung erledigt waren, faßte die Kommission einstimmig eine Reso­lution, in welcher die Beschleunigung und Ver­billigung des Zivil Prozeßverfahrens, ins­besondere für die zur Zuständigkeit der Amtsgerichte ge­hörigen Rechtsstreitigkeiten gefordert wird.

Die Budgetkommission des Reichstages setzte die Beratung des Marine-Etats fort und strich bei dem KapitelReise- und Marschkosten" von den mehr ver­langten 47 675 Mk. 2 5000 M k. und bei der Mehrforderung von 174 000 Mk. zur Beförderung von Briefen, Telegram­men, Post- und Frachtstücken 100000 Mk. Sodann wurde die Weiterberatung auf den 8. März vertagt.

Berlin, 4. März. Im preuß. Abgeordneten­hause stand heute die zweite Beratung des Eisenbahn- Etats auf der Tagesordnung. Titel 1 der Einnahmen aus dem Personen- und Gepäckverkehr wurde bewilligt und zwei dazu vorliegende Anträge der Budget-Kommission überwiesen. Bei Beratung des Titels 2, Einnahmen aus dem Güterverkehr, trat Vertagung ein. Tas Herren­haus hat heute das Wi ld scho n g e s etz in der Kom­missionsfassung angenommen und Petitionen erledigt. Der Präsident Fürst zu Inn- und Knvphausen teilte mit, daß vor dem 14. April das Haus nicht mehr zusammentreten werde.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 4. März 1904.

** Leipziger Quartett- und Konzertsänger werden unsere Stadt besuchen und am Dienstag, den 8. März abends unter der Leitung ihres Direktors Eyle im Neuen Saalbau einen humoristischen Abend veranstalten.

Mainz, 4. März. Laut einer Veröffentlichung im Mainzer Tageblatt hat das Gouvernement eine Verfügung erlassen, in der unter dem Hinweis, daß vielfach in letzter Zeit bei Schlägereien zwischen Zivil- und Militär- Personen, die von Zivilisten ohne Grund herbeigeführt wurden, sich die Soldaten schlapp und energielos benommen hätten, darauf aufmerksam gemacht wird, daß die Soldaten jedem Konflikt wenn irgend möglich aus dem Wege gehen sollen, um das gute Einvernehmen mit der Zivilbevölkerung von Mainz aufrecht zu erhalten, daß aber andererseits verlangt wird, wenn es nötig ist, von der Waffe so energisch Gebrauch zu machen, daß sich in Zukunft derartige Nowdy-Elemente, um die es sich allein handelt, hüten, einen Soldaten wieder anzugreifen. Ein Maler aus Flomborn wurde in Osthofen verhaftet. Er hatte in Augsburg 100000 Mark gestohlen, von denen nur noch 7000 Mark bei ihm gefunden wurden.

Frankfurt, 4. März. Die Polizei setzt ihre Nach­forschungen nach dem Raubmörder fort, trotzdem Bruno Groß noch in Haft ist. Noch immer wird auch die Altstadt streng bewacht, da man die Täter oder Mittäter in verdächtigen Kreisen dec Altstadt vermutet. Es sind auch Einzelheiten bekannt geworden, die diese Vermutung be­stärken, doch müssen sie mit Rücksicht aus die polizeiliche Tätigkeit geheim gehalten werden. Ter des Mordes I verdächtige Bruno Groß hat täglich Vernehmungen zu bestehen. Es wäre, wie der Gen.-Anz. meint, sehr vor­teilhaft, wenn mehr Leute, bei denen Groß in den Jahren seines Hierseins gewohnt hat, sich der Behörde zur Ver­fügung gestellt hätten. Tie Furcht, selbst wegen der seiner­zeit versäumten polizeilichen Wohnungsmeldung des Groß in Strase zu kommen, mag allerdings manche Vermieter abgehalten haben ganz unnötig, da das Unterlassen derartiger Anmeldungen lediglich eine Uebertretung ist, die in drei Monaten verjährt und außerdem die Behörde aus einer so unbedeutenden Sache angesichts der Wichtigkeit des Mordsalles sicherlich kein Kapital geschlagen haben würde. Was den Aufenthalt des festgenommenen Groß in der Hast betrifft, so ist zu bemerken, daß er ein zwar ver­schlossenes, aber durchaus ruhiges und sicheres Benehmen zur Schau trägt. Kürz nach seiner Festnahme haben an oen maßgebenden Stellen eingehende EtNvägungen statt- gesunden, ob man den Verdächtigen im Gerichtsgefängnis aus dem Klapperfeld, in welchem im allgemeinen alle die­jenigen Personen interniert zu werden pflegen, gegen welche der Untersuchungsrichter Haftbefehl erlassen hat, unterge­bracht werden soll, oder aber in dem als sicherer geltenden Polizeigesängnis zu verbleiben hat. Man entschied sich für das Gefängnis auf dem Klapperfeld, wo Groß in eine in der Nähe der Militärwache befindliche, absolut sichere Zelle verbracht wurde. Eine besondere Gefängniswache beschäf­tigt sich nicht mit dem Eingelieserten, doch sind 'diesem zwei handfeste und als sonst zuverlässig geltende Mitge­fangene zugesellt. In dem Keller eines Hauses in Bornheim wurde gestern durch Zufall eine grausige Entdeckung gemacht, die auf ein Verbrechen hinzudeuten scheint. Man sand dort in der Erde vergraben bie Leiche eines Kindes zwischen ein und zwei Jähren, die noch nicht sehr lange an jener Stelle zu liegen schien. Nähere Um­stände sind noch nicht bekannt.

* Berlin, 4. März. Aufsehen erregt die Flucht des 57 Jahre alten Kaufmannes Hermann DanielowSki, der seit 18 Jahren ein Stettiner Weinhaus vertritt und 40 000 Mark unterschlagen hat. Er hinterließ einen Brief, in dem er mitteilt, daß er sich wegen falscher Spekulationen das Leben nehmen würde. Seine Schwester wurde am 23. v. Mts. mit einem Schuß in den Kopf in die Uni­versitäts-Klinik eingeliefert und starb dort. Jetzt taucht die Vermutung auf, daß sie sich nicht selbst erschossen habe.

* Berlin, eine Witwen st ad t. Die Witwen sind in Berlin so zahlreich, daß man mit ihnen eine ansehnliche Provinzialhauptstädt bevölkern könnte. Die Fortschreibung der Bevölkerung Berlins nach Familienstand-Klassen hat ergeben, daß am 1. Januar 1900, 1901, 1902, 1903 hier 92 802, 95 459, 97 368, 99 058 Witwen vorhanden gewesen sein müssen, und inzwischen dürfte die 100 000 überschritten worden sein. Der Zuwachs setzt sich zusammen aus dem bedeutenden Ueberschuß der Verwitwungen Berliner Ehe­frauen über die Wiederverheiratungen hiesiger Witwen und dem nicht unbeträchtlichen Ueberschuß des Zuzuges verwit­weter Frauen nach Berlin über den Wegzug solcher nach außerhalb. Von Anfang 1900 bis Anfang 1903 stieg in Berlin die Zahl der Witwen um 6256. Die dazwischen liegenden drei Jahre hatten 17 635 Verwitwungen gebracht, aber nur 3098 Wiederverheiratungen, es blieb also ein Ueberschuß von 14 537. In den drei Jahren waren als zugezogen gemeldet worden 16017 Witwen, die sich durch Wegzüge (nebst Zuschlag für Unvollständigkeit dec Meld­ungen) um 13 831 verminderten, sodaß hier ein Ueberschuß von 2186 blieb. Der Gesamtüberschuß wäre 16 723 ge­wesen, er wurde aber durch den Tod von 10 467 Witwen auf 6256 verringert. In den drei Jahren wuchs in Berlin nach dem Ergebnis der Fortschreibung die Zahl der Witwer von nur 17 649 auf nur 19140, es sind also reichlich fünf­mal so viel Witwen wie Witwer vorhanden. Das Mißver­hältnis erklärt sich daraus, daß bei den Witwern die Wieder- verheiratung sehr viel häufiger ist als bei den Witwen, während zugleich die Zuzüge von außerhalb bei den Witwern weniger zahlreich sind und im übrigen durch die Wegzüge voll ausgewogen werden. Auch wissen die Witwen sich in Berlin derart nützlich zu machen, daß sie dem zweifel- naften Glück der Wiederverheiratung das beschauliche und nicht selten vergnügliche Leben als Witwe vorziehen. Ver­gnüglich deshalb, weil die Berliner Witwenbälle davon zeugen. Diese Bälle genießen einen gewissen Ruf; sie sind nicht von Pappe, wie der Berliner sagt, und die Witwen sollen sichgottvoll" dabei amüsieren. Also!

* Newpork, 4. März. In Lima richtete ein Erd­beben heute morgen beträchtlichen Schaden an. Seit 30 Jahren fand kein so heftiges Erdbeben statt.

*Björnson in Tirol. Aus Schwaz im tiroli­schen Jnntal schreibt uns ein Korrespondent: Der gefeierte norwegische Dichter Björnstjerne Björnson nimmt seit langem alljährlich für einige Zeit Aufenthalt in unserer altertümlichen, vom Stammschloß der Frundsberger hoch­überragten Bergknappenstadt. Heuer nun ist der Dichter, von dessen Werken so manches zum Teile wenigstens in unserem Touristen- und Sommerfrischstädtchen ent­standen ist, schon hier eingetroffen und in feiner Wohnung vom Bürgermeister der Stadt mit einer Ansprache, von ber Stabtkapelle mit einem musikalischen Stäubchen begrüßt worben.

Eisenbahn Zeitung.

Im Verkehr Berlin mit Sübdeutschland wirb derv-Zug 5 zwischen Berlin und Fr an kfurt a. M. beschleunigt. Er trifft 47 Minuten früher als bisher in Berlin ein und zwar 10.52 abends. Auch die Personenzugverbindung aus dieser Strecke wird verbessert. Der morgens vom An­halter Bahnhof in Berlin abgehende Personenzug wird im Sommer erst um 9 Uhr 35 Min. später abfahren, aber seine bisherige Ankunftszeit in Eisenach 2C. beibehalten. Wie im Vorjahr wird wieder die Zahl der Schnellzüge zwischen Berlin und Frankfurt a. M. vermehrt.

Kerichtssaal.

Posen, 4. März. Die Strafkammer verurteilte den früheren Verleger derPraca", Martin Biedermann, und den früheren Redakteur des Blattes, Dr. v. R a k o w s k i, zu 6, bezw. 9 Monaten Gefängnis. Die Verurteilung geschah wegen Verbrechens und Vergehens gegen die §§ 332, 333 und 347 des Strafgesetzbuches, Beamten be st echung und Fluchtbegünstiaung.

Paris, 4 März. Prozeß D r e n f n s. Die Sitzung wird um die Mittagsstunde wieder eröffnet. Baudoin fährt in seiner Rede mit der Geschichte des Prozesses fort und geißelt die Machen­schaften, die angeblich zu dem Zwecke ins Werk gesetzt wurden, um die Ehre der Armee zu retten. Er unterzieht die im Prozesse von Rennes gegen Dreysus erhobenen Belastungen einer Prüfung und weist die Hinfälligkeit aller aus dem berüchtigten Bordereau gegen diesen heroorgegangenen Anschuldigungen zurück. Die Verhandlung wurde sodann vertagt.

Auszug sus den Atsu-kggmtsregisterv der Steht Gießen.

Aufgebote.

März. 1 Ludwig Adolf Hahn, Grabsteinhändler in Gladen­bach, mit Dina Marie Langsdorf dahier. 1. Dr. phil. Christoph Knipper, Handelskammer-Svndikus dahier, mit Johanna Walbaum in Göttingen. 3. Joseph Michael Merz, Lehrer in Glauchau, mit Mathilde Kathinka Elisabeth Tribns dahier.

Eheschließungen.

Februar. 27. Georg Zörb, Kaufmann dahier, mit Emine Weber Hierselbst. März. 1. Karl An ton Schmitz, Kaufmann in Frankfnrt a. M., mit Hedwig Charlotte Schmalenbach dahier.

Geborene.

Februar. 21. Dem Dienstmann Karl Reuter IT. ein Sohn, Wilhelm. 24. Dem Taglöhner Johannes Hofmann III. eine Tochter, Elisabeth Margarethe. 24. Dem Bäckermeister Ernst Muth em Sohn, Adolf Hermann Robert. 25. Dem Kellner Alexander Her­mann Herr eine Tochter, Margarethe Luise. 25. Dem Eisendreher Karl Enz eiu Sohn. 25. Dem Mehgermeister Heinrich Decker em Sohn. 25. Dem Fabrikanten Gustav Hornberger eine Tochter, Gerta Bertha Johanna. 26. Dem Hilfskesselwärter Heinrich Fried­rich Uhl ein Sohn, Wilhelm Fritz. 26. Dem Kutscher Heinrich Leipold eine Tochter, Marie. 26. Dem Küfer Norbert Körber em Sohn. 27. Dem Schlößer Albert Franz Otto ein Sohn. 27. ^em Schuhmacher Wilhelm Strack ein Sohii, Karl Otto Bernhard. 28. Dem Hilfsheizer Adolf Stumpf eine Tochter. 28. Dem Schlosser Heinrich Pfeuster ein Sohn, Karl. 28. Dem Bahnarbeiter Georg Horst ein Sohn. 29. Dem Bahnarbeiter Konrad Margou eine Tochter, Lina Elisabeth. 29. Dem Bureaugehilfen Georg schatch eine Tochter, Elsa Bertha. März. 2. Dem Telegraphenleltungs- Aufseher Friedrich Rudolf eine Tochter.

Gestorbene. .

Februar. 27. Luise Bretthauer, 73 Jahre alt, Prwatm da« hier. 28. Wilhelm Fritz Uhl, 2 Tage alt, Sohn des Hilfskesselwarters Heinrich Friedrich Uhl dahier.