Ausgabe 
4.10.1904 Erstes Blatt
 
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und in größter Ci le narb ton bin sandte. Seine Eile icnr so xiruf;. dan der Sug stundenlang den Verkehr der Militärzüge dinderie nnd sogar einen schiveren Unfall verursachte. Er fuhr itämlui) in einen Sanitätszug, den er zertrümmerte, nnüxn 40 verwundete Soldaten getötet wurdcn.

Flüchtige Japaner.

Eydtkubnen Cftpr. , 3. Cft. lieber 700 Ja Paner, darunter 299 'rauen und 24 Kinder, die sich in Sibirien aus- nebelten buben und uv gen bcv 5h*iegc3 zlvrschen Rußland und ^apan dii-Ajemefen wurden, sind beute an der deulsa russischen Grenze crngekommen und in Wirdallen vom japanich^n Konsul in Bremen Noeßllr übernommen tvorden. Am 11. Sil. werben meiieic 115 and Siublunb ausgewicsene Jalmner erwartet. Tie Flüchtlinge treten am 20. Okt. von Bremen mit dein Dampfer Norddeutschen LloydWillehad" die Heimreise nach Japan an.

Z>er Aindesmißüandlungspro'.ctz gegen den Major von Sydow.

S. n. H. Hannover, 1. Okt.

.Bor dem Oberkriegsgericfyt der 20. Timfion steht heute der Major und Bataillous-Kommaubcur im Braun schw. Regt. Nr. 92 v. Sudow unter der Anklage, seine 12jährige T o ch t e r An n e -M a r i c in Gemeinschaft mit seiner Gattin fortgesetzt in grausamster W e i se r ö r pe r l i ch m i ß - handelt zu haben. Der Prozeß bildet das Nachspiel zu dem am 11. Juli d. I. vor der Strafkammer in Braun- schlveig verhandelten, von uns seinerzeit kurz erwähnten Prozeß gegen Frau v. Sydow, der mit der.Verurteilung der Angeschuldigten zu 4 Monaten Gefängnis endete.

Im Anschluß an die Verlesung der Auslage stellte der Ver- lreter den rtnrrag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit. Nach kurzer Beratung teilte der Vorsitzende mit, daß das Gericht den Eintrag aus A u s s ch l u ß d e r Oeffentlichkeit a b l e h n t, da eine Gefährdung militärischer Interessen nicht vorliege.

Angekl.: Tie Kleine hat uns sehr viel Sorgen gemacht. Namentlich ihr sctrrecklicher Hana zum Lügen hat uns viel Aerger und Verdruß bereitet und nur deshalb habe ich das Kind, aller­dings sehr streng, bestrafe. Es iure ein kvlossalver logen es Kind.

Bors.: Haben Sie zur Züchtigung eine Reitpeitsche benutzt? Angekl.: Dir besaßen nur eine Klopfpeitsche, die im Herren- zrmmer am Waffenständer hing. Ta ich das Kind ins Herren­zimmer geholt halle, so nahm ich diese Klopfpeitsä>e als nächst­liegendes Instrument. Bors.: Im zwecken Falle hat zunächst Ihre Frau das Kind geschlagen und Ihnen dann das Mabchen zum Zwecke der weiteren Züchtigung übergeben. Sie sollen es dann am Zopf hochgehoben und mit den Füßen getreten haben. Ten Lmlaß zu dieser Mißhandlung soll allein der Um­stand gegeben haben, daß das Kind etwas zu spat aus der Schalle gekommen war. Es sollen 15 heftige Hiebe mit der Peitsche auf die inneren Handflächen getvesen sein? Angell.: TaS ist nicht wahr. Ich habe nur drei bis vier Schlage gegeben.

Bert. Obersllt. v. Trotha stellt fest, daß der Angellagte daö Kind wiederholt zur Schule begleitet habe, weil es unterwegs von anderen Kindern belästigt wurde. Das zeige, daß der An­gellagte dem Kinde große Sorgfalt habe angedeihen lassen. Ferner stellt der mllitärische Verteidiger fest, daß der "Angellagte in seiner Kompagnie während seiner mehr als zehnjährigen Dienstzeit nie­mals Soldatenrnißhandlungen gehabt, bezw. zwei vorgelcmmeue sofort verfolgt frühe. Auch habe er sich bei sämtlichen Leuten wegen seiner Milde großer Beliebtl/eit erfreut. Unter diesen Umständen, so fährt der Verteidiger fort, muß ich die unzulässige Beeinflussung desAngeklagten durchden Braun­schweigischen Polizeipräsidenten Vors. (unter­brechend): Herr Oberstleutnant, ich muß eie doch darauf Hin­weisen, daß unter Umständen auf Grund Ihrer soeben ausge­sprochenen Behauptung ein Verfahren wegen wissentlich falscher Anschuldigung gegen eie ein geleitet werden könnte. Bert.: Ich wollte nur feftstellen, daß der Polizeipräsident Prötzel von Braun­schweig eines Tages den Angellagten und dessen Gattin zu sich b^'chiw und zu letzterer sagte: Gnädige Fran scheinen hysterisch oder auch hochgradig nervös zu sein, lassen Sie sich in eine Anstall bringen, sonst muß ich Sie verhaften lassen. Wenn das feine Beeinflussung oder gar Bedrohung--Vors. (unter­

brechend): Solche Schlußfolgerungen bitte ich zu unterlassen. Angell.: Die Sache hat sich aber ganz so zugetragen. Zch war zunächst allein bestelll worden, und indem der Polizei­präsident mir, der ich von der ganzen Sache nichts wußte, die Allen gegen meine Frau vorlegte, sagte er etwas von Hysterie oder großer Nervosität meiner Frau. Darauf erwiderte ich, daß die von einerFrau aus der Nachbarschaft^ unterzeichnete Anzeige gegen uns erloaen und daß die ganze Sache ungeheuer aufgebauschl sei. Er blieb jedoch dabei, ^daß etwas an der Sache sein müsse und sagte:Bringen Sie Ihre Frau in eine Anstalt, dann ist die Sache erledigt! Sonst geht der Klatsch immer weiter." Inzwischen war meine Frau er­schienen und in ihrer Gegenwart wiederholte der Präsident seinen VovsMrg, obwohl auch meine Frau die ihr zur Last gelegten Handlungen abstritt. Schließlich sagte der Polizeipräsident zu meiner Frau: Sollten Sie nicht den Aufenthalt in einer Anstalt vorziel^n, so sehe ich mich veranlaßt, Sie zu verhaften! Er hat also sie und zugleich auch mich bedroht.

Tie Köchin Anna Habekost war Zeugin, als der An­gellagte die erste ihm zur Last gelegte Mißhandlung an der Keinen Anne-Marie beging. Tas Kind habe nicht auf einem Sessel, sondern in kauernder Stellung auf dem Teppich gelegen, ohne sich gegen die auf sie niederhagelnden Schläge irgendwie zu wehren. Sie, die Zeugin, habe den Eindruck gehabt, als ob der Vater das Kind direll auf die Erde geworfen hatte. Tie Hiebe seien mittels einer ledernen Reitpeitsche erfolgt und hätten den Körper des Mädchens fast überall getroffen. Es hieß immer, sie lüge so schrecklich, ich selbst habe aber davon nie etwas be­merkt. Tas Kind sei fast täglich geschlagen worden und bann immer in die Küche gekommen, um sich dort in einem dunklen Dinkel auszuweinen. Auch ist es der Zeugin so vorgekommen, als ob das Kind sehr froh gewesen wäre, wenn die Eltern längere Zell abwesend waren. Angetl.: Jcherkläre dieseZeugin für unglaubwürdig.

Tie folgende Zeugin Ehefrau Jörns- Braunschweig war ebenfalls früher Köchin im von Sybowschen Hause. Sie war zugegen, als der Angeklagte das Kind an dem Zopfe erfaßte und darum mißhandelte. Sie erinnert sich genau, daß der An­geklagte Das Kind nicht nur an dem Zopfe gezogen, sondern gam, in Die Höhe gehoben habe. Tann habe er es ins Gesicht Sachlagen, auf den Boden geworfen unö die Peitsche geholt, um das Mädchen damit mehrmals in heftiger Weise zu schlagen. Vors.: Tas Kind schwebte also sörmlicy in der Lust? Zeugin: Ja.

Polizetwochtmeister B e n i g a m - Braunschweig hat die Zeugen und Zeuginnen in dieser Affäre nach dem Einlauf der anonymen Anzeige vernommen. Er hat dabei nicht den Eindruck gewonnen, daß es sich dabei um ein Komplott früherer Dienstboten des von Sybowschen Hauses handle. Alle Aussagen hätten den Eindruck auf ihn gemacht, daß die kleine Anne-Marie fast täglich rn r ohester Weise mißhandelt ^vorden sei. Die Frage des Ver­teidigers, ob Die Jjeugen die Sach.- jo oargcftdlt hätten, als ob das Ehepaar von Sydow etwa das Kind zu Tod. bringen wollte, verneint der Zeuge.

Das frühere Tienstniädci-en I o r n s des Angeklagten bc- konnte. Am schrecklichsten sei ihr das Treten mit den Füßen eri'd n:n, mobi l das Kind jedesmal laut geschrien habe.

Angeklagten, M o h w i n k e 1. Angell.: Es ist in der Verhänt halbnackt in Keller gesperrt worden sei. Zeuge .'!<i t Es hatte warme, wollen

Fräulein Hiltrop. Tiefe, eine sehr hübsche, junge Tarne, beliuiM: Sie habe der verurteilten Frau des Angeklagten in den letzten Woepen vor deren gerichtlickien Verhandlung bei» gestanden und habe diese sowie ihren Onkel über die erhobenen Bese! .iDigungen eingehend befragt. Ilm aber nickst einseitig in­formiert zu werden, uud um einen Eindruck von dem Kinde selbst zu empfangen, das sie feit acht Jahren nickst urehr gesehen habe, sei sie nael Wernigerode gefahren und habe eine Unterredung mit der Anne-Marie gehabt. Das Mädchen habe sich ganz unbefangen gegeben und ihr erstes' Wort sei gewesen: Else, wann komme ieb wieder zu meinem Muttchen? Dieser Aus­spruch habe sie nach allem, was sie vorher über die ganze Affäre gehört habe, frappiert und sie habe darauf, um das Kind auf die Probe zu stellen, gefragt: Aber die Tienstmüdck)ien sprechen doch so slllellt über Muttchen. Ja, habe das St'mb erwidert, Mulle! ii ist so gräßlich peinlich und wird so leicht böse, wenn ihr die Biädchen irgend etwa-» nicht recht machen. Da sind nun die Mädchen auch böse auf sie. Aber, so habe sie weiter gefragt sie sagen: Muttchen hätte Dich mit dem Gesicht auf den Tisch gestoßen! Auch daö ist richtig, habe Anne-Marie erwidert,, aber ich hatte mich auch zu well über den Tisch gebeugt. Auf den weiteren Vorhalt, daß der Vater sie getreten haben solle, habe die Kleine erwidert: Ja, er kann mich mal mit dem Fuße ae- sckmbvst haben, getreten hat er mich nicht. Jedenfalls, so bekundet die Zeugin weiter, hängt da» Kind mit ausfälliger kolossaler ZärtlicUcit au seiner Mutter, inti> als sie die Mutter letzthin einmal im Gerichtsgebäude in Braunschweig sah, stürzte sie auf diese zu, umhalste sie und rief: Gott sei Dank, daß ich mein Muttchen wieder habe! Daß es Prügel bekommen habe, habe das Kind nicht in Abrede gestellt, jedoch bemerft, daß es doch auch sehr ungezogen gewesen sei. Vors.: Wie denken Sie über die Befrrndlung des schvächlichen Kindes mittels einer Reitpeitsche? Zeugin: Ich habe davon nichts gesehen. Wohl aber will ich zugeveu, daß die Tante mit ihrer wahnsinnigen Heftig­keit viel dazu beigctragcn hat, daß der Onkel zum Prügeln der Anne-Marie veranlaßt wurde.

Die Lehrerin T o m m e s von der höheren Mädchenschule in Braunschweig bekundete, daß Anne-Marie eine sehr mäßige Schülerin gemeiert sei. Sie habe ihr deshalb öfter schlechte Noten mit nach Hause gegeben, bis eines TageS das Fräulein des Kindes zu ihr gekommen sei, und sie gebeten habe, davon doch M stand zu nehmen, ivcü das Stinb auf diese Noten hm sehr schlecht behandelt werde. Ven.: Surd Sie einmal im Hause des Majors gewesen, weil daS Kind seine Bück-er versteckt hatte? Zeugin: Ja. Vors.: Auch hierbei soll der Vater mit der Reitpeitsche gedroht friben. Angell.: DaS Kind fragte mich: Papa, jetzt bekomme ich wohl Prügel, daraus sagte ich: Aber natürlich. Unb da holte das Kind d i e P e i t s ch e s e l b e r.

Ter tüichste Zeuge, Bandagist Hoffmeister, hat dem Deinen Mädchen den Gerade Halter angefertiat, bei dessen wiederholtem Anlegen aber keinerlei Spuren von MM^mdlungen an dem Kinde bemerkt. R.-A. Andree,mackst gellend, daß dieser Gerndeyalter sest wie ein Panzer gewesen sei, so daß das Kind ellvaige Prügel kaum gefühlt habe. (Heiterkeit im Zuhörerraum.)

Es folgen bann

Die Gutachten der Sachverständigen.

Ter Kreisarll der Grafschaft Wernigerode Tr. meb. Friebel- Wcrnigerodc schildert btc kleine Anne-Marie als ecin frohes, lebhaftes Kind, das aus ihn nicht den Einbrnck gwnacht habe, als ob cS schweren Mißl)andlungcn ausgesetzt ge.vescn sei. Er sei der Meinung, baß da§ Kind an moralischem Schwachsinn leibe, daß dieser Zustand aber dem Laien, also auch den Eltern nicht erkennbar gewesen sei.

Ter zweite Sackwcrständige, Physikus Tr. Mikller-Braun- schwcig, führte u. a. aus: Tas Kind fei so zart, daß^es ganz besonders liebevoller Pflege bedürfe. Aus der einen Selle sei ja denn auch alles getan worden, und zwar soweit ixe medi­zinische Seile in Frage kam. Auf der andern Seite sei jedoch um so mehr gefehlt ivoiben. In moralischer Hinsicht nämlich sei daS Kind so Itcfrinbclt worben, wie er es roeber nls Arzt noch als Vater billigen könne. Vor allem sei die Peitsche absolut kein Erziehungsmittel. Ein Vater, der eine Anne-dNarie von Sydow sckstägt, macht sich meine- Erachtens der Mißl-andlung schuldig.

Krw'gsgerichlsrot Schön b om beantragt gegen den Ange­llagten ivegen des ersten Falles 1 Monat Gefängnis, wegen des zioeiten Falles, der cm scluversten liege, weil das Hochhaben am Zopf und das Treten mit den schweren Stiefeln gaXz unent- Idmlobär sei, 4 Monate, wegen des dritten Falles, wo bas Kind die 15 schweren Schläge auf die Hanb erhielt, 3 Woa-en, unb wegen des vierten Falles, wo die Reitpeitsche in Annvenbung kam, 4 Wollen Gefängnis, bezw. eine Gesamtstrafe von 5 Monaten Gefängnis. Ferner beantragte er die. Tienst- enttassung des Angellagterr.

ReckstSamoalt Tr. Anbrce - Braunschweig bittet, pur auf eine Geldstrafe zu erkennen.

Ter ,welle Verteidiger, Obcrstleutnartt v. Trotha, führt aus: Möge Ihr Freisprull, den ich beantrage, bem Angellagten leichter über alle die Qualen hftuveghelsen, denen er in den letzten Wochen ausgesetzt war.

Es folgt dann das letzte Wort bes Angeklagten: Ich bin unschuldig unb bitte um Freisprechung.

Tie Gesamtstrafe des Gcricksts lautet auf

4 Monate Gefängnis und T i cn ften 11 a f f u ng.

eÄi\5 §taDt uni) Kaud.

Gießen, den 4. Oktober 1904.

Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Bei der heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klasse wurden folgende Gewinne gezogen: 10 000 Mt. auf Nr. 12756 36338, Ge­winne von 5000 Mk. auf Nr. 76000, Gewinne von 2000 Mk. auf Nr. 4693 18736 22842 34852 40769 50047 67244 67833 72148 78377 87571 88081 93733, Gewinike von 1000 Mk. auf Nr. 520 1404 3257 4890 5623 5798 12426 13875 14509 17123 17953 18003 19785 20377 22115

23230 23939 24476 28036 31209 32826 34997 36344 38091 40632 41136 43208 44784 45421 46286 52447

56140 57338 58843 63078 64027 64306 65235 66900

67671 68006 68016 68118 69503 71160 71315 71345

75415 77807 78106 83143 83424 90478 99162. (Ohne Gewähr.)

* ' Zur Regierungsvorlage betr. Bad-^tan­heim wird auf einen Artikel der ,W. Ztg.", welcher die verlangten 6 496 000 Mk. als Stcuerkapital bezeichnete und für die Steuerzahler Aufklärung über die Verzinsung 'dieses Kapitals wünschte, in der ^Darmst. 5tg." offiziös folgendes erklärt:

Die der Zweiten Kammer bei Lanbstänbe im Juni b. I. an­gegangene Regierungsvorlage betr. Vab-Nanheim (Dnucksache Nr. 422) hat bereits in ausführlicher Weise ziffernmäßig bargielegt, baß die zur Umgestaltung des Bades für bie nächsten 89 ?Jahre geiorbertc, bmcl) Kapitalanfnahme zu bellende Summe von ins­gesamt 6 496 000 Mk. neben der alljährlichen Ab­lieferung eines reinen Ueberschusses von 10#D 000 M ark aus bem Beirieb bes Babes an die Staatskasse schien bei Fortbauer des seitherigen Besuches aus ben laufenden U c b e r [ d) ü j i e ii des Bades z u verzinsen und ,all- ni ä h l i cl) zu tilgen sein werde, während alle seitherigen A nswenbnnge n für bas genannte Bab a n s f ch 11 e ßll i ch aus ben E r t r a g n i f f e » desselben bestritten niorben sind."

* * Blume «pflege durch Schulkinder. Wie pll- jährlich, sollte auch in diesem Jahre eine öffentliche Aus- slelluni; dec Lstumen jlcittfinben, die von Kindern der beiden oberen Stadtu äbchenschultlassen gepflegt iverden. Allein inan sah davon ab wegen der bannt verbundenen Unkosten -und

beschloß, eine solche nur alle zwei Jahre stattftnden zu lassen. Um den guten Zweck der Blumenpflege aber doch zu fördern, soll in den Zwischenjahren eine mehr interne Aus­stellung veranstaltet werden, wobei allerdings nur wenige Preise zur Verteilung gelangen können. Trotzdem in diesem Jahre die abnorme Witterung nicht gerade günstig auf die Pflege der dusligen Kinder der Natur cingewirkt und obgleich sich der Termin der Veranstaltung wegen geivisser Umstände etwas hinausgeschoben hatte, war man doch am Samstag erstaunt über die außerordentlich günstigen 9iesultate. Man sah durchweg gut gepflegte Exemplare, und nicht einmal 20 Prozent der Blumen waren eingegangen, während es in Frankfurt bei ähnlicher Gelegenheit deren 3040 Prozent waren. Es ist schon soviel über Blumenpflege geschrieben worden, daß es eigentlich überflüssig wäre, nochmals hinzu­weisen auf dieses wichtige Erziehungsmittel, das in den Kindern die Liebe zur Natur erweckt und fördert, das auch in der kleinsten Hütte Sonnenschein verbreiten Hilst, wenn nicht immer wieder edle Menschenfreunde gebctett werden sollten, mit niatccieller Beihilfe das schöne Unternehmen nach Ntöglichkeit unterstützen zu helfen.

* * Reiche Zufuhr. Am heutigen Markttage hielten auf dem Brandplatz ca. 180 Fuhrwerke mit Aepfeln und Zwetschen. Am vorigen Samstag waren ca. 200 Wagen mit Obst angesahren.

* * Eine 1 i/z Pfund s ch w e r e B i r n e trifft man nicht häufig an. Der Weißbintzer Heinr. Münch II. in Hausen ließ uns heute eine solche, ctiie hübsche Glockenbirne, die auf seinem Baume gereift ist, zur Ansicht vorlegen. Er versichert, 1 Pfund schwere Birnen hätte er viele geerntet.

8. Watzenborn-Steinberg, 3. Okt. Am Sonntag abend gab der Rezitator Friedrich Hamp aus Wiesbaden in der hiesigen Kirche eine Darstellung über das r£eben, Wirken und Kämpfen Dr. Martin Luthers" nach dem be­kannten Herwigschen Lutherfestspiele, die er mit 30 großen, sehr deutlichen Lichtbildern illustrierte. Eine zahlreiche Ver­sammlung, wohl über 400 Personen hatte sich ein­gefunden.

? Groß en-Lin den, 3. Okt. Eine ordentliche Kirchen­visitation wurde durch Dekan Strack heute hier und gestern in dem Filialdors Klein-Linden abgehalten.

Bad-Nauheim, 3. Okt. Ein seltenes Jubiläum kann unsere Stadt am 5. d. M. begehen. An diesem Tage werden es fünfzig Jahre, daß durch Dekret Sr. Kgl. Hoheit des Kurfürsten Friedrich Wilhelm II. von Heffen-Kassel dem Dorfe Nauheim die BezeichnungStadt Nau­heim" verliehen wurde.

+ Nauheim, 3. Okt. Dieser Tage soll in Fried­berg eine Versammlung der Vertreter der Städte Bad- Nauheim und Friedberg unter dem Vorsitze des Kreisrats Fey stattsinden, um über die Verhinderung der Ver­seuchung der Ufa zu beraten. Wie verlautet, wird Oberbaurat Schmick über ein gemeinsames Kanalsa- tionsp rojekt beider Städte sprechen. Baurat Eser von hier wird wohl an der Versammlung teilnehmen. Die Verhältnisse sind zur Zeit dermaßen, daß unsere Kurgäste mit Recht heftige Klagen geführt haben. Noch lauter wird in Friedberg geklagt, wo freilich alle Schmutzwasser in den Fluß geleitet werden, so daß dec Gestank und die Verschlechterung der Gesundheitsverhältniffe nachgerade eine schwere Kalamität bedeuten.

§ Friedberg, 3. Okt. Die Obstausstellung ivurbc gestern geschlossen. Der Oberhessische Obstbauverein und die Aussteller sinD von dem Ergebnis der Ausstellung außerordenllii»-> zusciedeu. Tic Aussteller haben gute schufte gemacyc, zahlreiche Käufe wurden abgeschlossen und troii des diesjährigen Obsisegens annehmbare Preise er­zielt. Aus allen größeren Städten, z. B. Köln, Barmen, Düsseldorf usw. waren Käufer erschienen. Ter Besuch der Ausstellung war am gestrigen Sonntag sehr groß. All­gemein fiel das scyöne Obst aus dem Kreise Gießen auf, der besonders viele uud peachwolle Goldparmänen und anderes edle Taselobst ausgestellt hatte. Der Bereinsbezirk Fried­berg vorn Oberhesjischeu Lbstlmuverein hielt gestern ge­legentlich der Ausstellung im Saalbau eine Versammlung ab. Kreisamtmann Werner sprach über die Wichtigkeit der Obstausstellungen für den Züchter und den Konsumenten. Professor Rcichelt hielt einen lehrreichen Vortrag über die Pilzschäden an den -Obstbäumen". Von besonderem Inter­esse war die Vorführung der Baumrichitmaschine von dem Erfinder Förster Stendal-Langd, der die Handhabung der Maschine klar machte. Das hier ausgestellte uud prämiierte Obst wird heute verpackt und größtenteils nach Düsseldorf zur Ausstellung (816. Okt.) gesandt. Hessen wird an dieser internationalen Obstausstcllung großen Anteil nehmen. Ter Raum, den Hessen dort entnehmen, wird, betrügt ca. 700 Qm. Mit dem offiziellen Schluß der Ausstellung erfolgte die .Verteilung von 6 0 Ti- plomen als Prämien für Lösungen der gestellten von einer oder mehrerer Preisaufgaben. Gestellt waren im ganzen 97 Preisaufgaben, die sich auf neun Grnppen ver­teilten. In Nachstehendem bringen wir nur diejenigen Namen der Aussteller, welche für die Losung von min­destens drei Preisausschreiben Tiplome erhielten oder für besonders hervorragende Einzei­le i st u n g e n. Es erhielten Tiplome: Riedel, Gräft. Gärtner, Assenhcim, G c 0 r g B u r k, Laubach, W. S chjm e c I, Bettenhausen, Stadt Fried berg, Stadt Gießen, G. Müller, g-ahrifanty Gießen, Karl Maul, Asseu- heim, Ludwig Tamer, Ziöthgcs, Gemeinde Lich, Großh. Förster Stendal (für Baumrichtmaschinch Kauf­mann Baumeister, Friedberg, und Fabrikant Binde­wald, Friedberg.

1. Ulfa, 3. Okt. Vor einiger Zeit verletzte sich der 17- jährige Sohn des hiesigen Landwirts PH. Düll dadurch an ber Handfläche, daß sich feine erst kurz vorher in Friedberg gekaufte Vogelflinte entlud. Wohl nahm der Verletzte sofort ärztliche Hilfe in Anspruch und die Wunde schien auch ganz normal zu heilen. Nach Verlauf -von etwa einer Woche ruiitbc der junge Mann aber plötzlich so schwer krank, baß er sofort in die Klinik nach Gießen gebracht werden mußte, iuo er leider am folgenden Tage bereits an Blutver­giftung starb. Heute wurde die Leiche des so rasch aus dem Leben Geschiedenen unter zahlreicher Beteiligung der Gemeindemitglieder und namentlich seiner Altersgenossen hier zu Grabe getragen.

1. Bad-Salzhausen, 3. Okt. Die Badejaison hat für dieses Jahr ihr Ende erreicht. Mit Befriedigung blicken wir auf den Verlaus der Saison zurück. Die Zahl der Heilung juchenden, sowie bie Zahl der abgegebenen Bäder i|t