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4.2.1904 Erstes Blatt
 
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Nr. 29

outzer DonnragS. Dem (Ätefoener Anzeiger werden tm Wecktet mit dem Krsflfchra Lanüwirl die Liehener §amilien> dlLtter mermal in der

Woche beigelegt AsraNsn-druck u. 13er- lau bei ® r Q h l 'tchen Ünwecl^Buch- u. Slem- brudrret (Presch (frrbee) ÄeMtneiiL fcpebtttoe und Drvserel:

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Vnzetger Gießen. FernWr'äilmtchlutzNr 6L

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

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(5Mte§ Blatt. 154. Jahrgang Donnerstag 4. Februar 1904

O d monal^l^7bPi^ viertel»

EMeMAmeWr

General-Anzeiger

Datitische Tagesschau.

Dir zweijährige Dienstzeit gesetzlich festgelegtl

Unser 1 - neu parlamentarischer Mitarbeiter schreibt tntterm 3. Februar:

Eine wichtige Ankündigung ist heutein der Badg^- kmnmission des Reichstags durch den preußffc^n Kriegs- Minister ^rrfolgt: die neue im nächsten Jahre zu er» wartende Militärvorlage wird die zwei!ahrtge Dienst­zeit gesetzlich festlegen. Dadurch ist allen Zweifeln und Befürchtungen ein Ende gemacht. 8hxrr H^E dre Mttr- tärverwalttmg wiederholt erklärt, imgiinjhge Erfahimngen

Pie KlLoyolsrage.

,^I'ch trinke gern, wo man mit Maße schenket Und des Nebermaßes nimmermehr gedenket. Da es den Mann an Leib, an Gut und an der Ehre kränket!"

So singt schon Walter von der Vogelweide der Minnesänger aus dem 12. Jahrhundert. Und das 19. Jahrhundert? Es sei nur emnnert an das erbitternde DramaVor Sonnenaufgang", ^welchem Ger­hard Hauptmann das fürchterliche Drinkerelend schil­dert und die verderblichen Trinksitten geißelt. Durch alle Jahrhunderte hindurch haben Männer, welche rhr Volk keb hatten und an dem kulturellen Fortschritt und bet ökonomi­schen ^ebunq des Volkes arbeiteten, den Kamps gegen die UnMäßigkeit einen Eichfehler der Deutschen, geführt.

Es ist nicht leicht, etwas gegen den Alkoholmrßbrauch .'1, fnnprr oder zu schreiben. Jedes Schwimmen gegen den Strom hält schwer, zumal gegen den Mkoholstrom. Man stM aus Mißverständnisse, Mißtrauen, Widerstand Um wiss"nde welcl>e die Schädigungen des Alkoholnnßbrauchs Dt kennen . Echailtige, welche die mancherlei durch den Alkohol aoschafsenen^Notstände nicht sehen oder nicht sehen wollen: Äigenblicksmenscheu, welche ihren Uebermut mr Alkohol anstoben lassen oder./re Sorgen rm Mas 8WSg s WÄSär gut Stück deutscher S?a;t und Gluudhelt deutschen Fle^, und Wohlstandes, deutschen Jugendlebens und Famüien glücks, deutscher Leistungsfährgtott aus allen Gebieten der

Herr Max Schippel, sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter, hat seiner Partei schon oft Beschwerden gemacht durch die regelwidri­gen Seitensprünge, die er sich in speziellen volkswirtschaft­lichen Fragen gestattet. Run hat er auch neulich wieder m einem sozialdemokratischen Berliner Wahlverein eine Rede gehalten, in der er sich anläßlich der versuchten Gründung eines mitteleuropäischen Zollvereins über Schutzzoll im allgemeinen und über Agrarzölle im besonderen aus­gelassen hat. Wir wollen die hauptsächlichsten Stellen aus dieser Rede nach dem Bericht desVorwärts" hier wieder­geben. Schippel sagte:

Als England in den vierziger Jahren des vorigen Jahr­hunderts den Freihandel einführte, glaubte es, die anderen Staaten würden ihm bald darin folgen. Das Gegentei ist aber eingetreten. Während der Freihandel für England damals eine wirtschaftliche Notwendigkeit war, hatten die anderen europäischen Staaten ein Interesse daran, die Ent­wickelung ih^r Industrie durch Schutzzölle zu begünstigen, was denn auch geschah, deute sind auch die Engländer zu der Einsicht gekommen, daß das liberale 3beal des inter­nationalen Freihandels nicht verwirllicht werden kann. Wir toerben die Durchführung des internationalen Freihandels nicht erleben; er ist vorläusig un-

hindern.

Schippel bespricht dann noch den neuen Zolltarif, bat er für ein wichtiges Instrument in der Hand Deutsch­lands hält, um gute Handelsverträge zu erlangen.

ImVorwärts" beschäftigt sich jetzt der Genosse Kautskh mit dieser Entgleisung und Ableugnung des agrarischen" Genossen Schippel. Er beginnt feine Aus-1 sührungen mit folgenden Sätzen:

Ich behaupte, daß Schippel in der Frage der Agrarzölle die Interessen der Grundrente verficht und daß er dies, da er es nicht offen tun kann, ohne sich vor der Partei zu kompromittieren, in versteckter Weise tut, indem er in Reden und Schriften die Anschauungen der Schutzzöllner so darstellt und die Tatsachen derart gruppiert, daß sie auf das lauteste für die Schutzzöllnerei und gegen uns sprechen. Diese Dar­stellung leitet er mit ein paar Dorten ein, die ihm als Hintertürchen dienen sollen, durch das er vermeint, jederzeit entschlüpfen zu können, wenn man ihn packen will."

Kautsky schließt mit folgendem deutlichen Winke an bie Parteileitung:

Wir muffen Klarheit schaffen über Schippel. Er ist Vertreter unserer Partei im Reichstage, und jede

Kopf- und Handarbeit, deutscher Zukunft im großen Wett­kampf der Völker liegt?

Wer diese Frage verneint, kennt bte Schattenfetten unseres Volkslebens nicht oder will sie nicht kennen.

Die Aerzte berichten uns von dem erschreckenden Zu­sammenhang zwischen unmäßigem Trinken und Erkrank­ungen aller Art, ob diese einzelne Körperteile oder den ganzen Organismus treffen, ob sie mehr die körperlichen oder die geistigen Funktionen stören, ob sie sofort sich ern- stellen oder allmählich sich entwickeln, ob sie zuerst, in leichterer Form auftreten oder im weiteren Fortschretten in Epilepsie, Irrsinn, hereditärer Belastung der nachwachsenden Kinder die letzten und schwersten Schädig­ungen bewirken. ~ , , , . P, w <

Die Juristen konstatieren die Tatsache, daß an auffallend hoher Prozentsatz der Vergehen und Verbrechen unter dem Einfluß des Allohols verübt wird, daß bie Arbeits­scheuen. die Messerhelden, die Unzuchtsverbrecher, bte Selbst­mörder u. a. zu einem sehr großen Teil aus den Rahen der Alloholiker kommen, daß übermäßiges Trinken die­jenigen in Stadt imb Land mehrt, welche der menschlichen Gesellschaft wenig nützen oder ihr zur Last fallen oder ihr gefährlich werden. c w

Jeder Volkskenner, der rn das Jugend-, Familien-, Erwerbs- und Erholungsleben hineinschaut, weiß, wie viel physische Zerrüttung und moralischer Zusammenbruch jugendlicher Existenzen, wie viel Verarmung und Lebens­verkürzung, wie viel Verlotterung und Verrohung,, nne viel Familien-Sorge und Leid durch maßloses Mid sinnloses Trinken veranlaßt wird! . _, . . .

c>n der Schweiz, in Amerika, in Schweden und rn Belgien wird die ANoholftage unter den die edelsten Gaster bewegenden Zeit- und Boltöproblemeu mit hohem Ernst

erwogen und praktischen Lösungen zu geführt. Auch in Deutschland rückt sie dank vor allem der unermüdlichen Tätigkeit des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke immer mehr in den Vordergrund. Auch bei uns in Gießen soll es jetzt einen Schritt vor­wärts gehen! Zu diesem Zweck veranstaltet der hiesige Vezirksverein am Freitag abend eine öffentliche Versamm­lung, in welcher Mittel und Wege des Kampfes gegen den Alloholmißbrauch erläutert werden. Eine freie Diskussion, welche sich anschließt, gibt Freunden und Gegnern

heit, etwaigen Fragen, Bedenken, Zustimmungen oder Er­gänzungen Ausdruck zu geben. Ausdrücklich sei noch be­merkt, daß auch die Frauen als Besucherinnen willkommen sind.

Nicht dem Allohol gilt der Kampf! Nur dem un­mäßigen, schädlichen und iinsittlichen Alloholgenuß! .

In einer Zeit, in welcher an jeden Einzelnen, tote an die Gesamtheit unseres Volkes hohe, ja die höchsten Anfor- dorungen gestellt werden, in einer Zeit, in welcher von unten her der bestehenden Gesellschaft oft genug das Zeugnis moralischer Verdabtheit und die Prognose baldigen Zusam- menbrtichs gestellt wird, in welcher von allen Seiten her dem deutschen Volke- ernste Krisen drohen, verlangt die Frage wahrlich eine ernste Beantwortung:

Liegt nicht im Alloholmißbrauch eine große Gefahr für die physische, intellektuelle und sittliche Kraft des Einzelnen und für die ökonomische, soziale und nattonale Entwicklung Deutschlands? I- $.

Neuzeitliche Schlagworte. Erne reiche und bunte Nachilese zu den neuzeitlichen Schlagworten, die N. M. Meyer der Forschung erobert hat, gibt O. Ladendorf in der Zeitschrift für deutsche Wvrtforschunü. Den Haupte

Per Aufstand der Kereros.

Das in imferan heutigen Morgenblatt bereits ver­öffentlichte Telegramm gibt Kunde von blutigen Vorgängen. Die Aufständischen sind zwar ans den Hauptorten der Ko­lonie vertrieben, aber nicht weniger als 120 Tote werden gezählt. Man wird die näheren Nachrichten abzuwarten haben, die uns wohl die Nomen der Toten nennen werden. Das Dunkel über den Verbleib des Obersten Leutwein hat sich in der erfreulichsten Weise gelichtet. Der Gou­verneur ist, nachdem die Bondelzwarts durch einen Waffen­stillstand vorläufig zur Ruhe gebracht toaren, sofort in westlicher Richtung aufgebrochen und in diesen Tagen tn dem englischen Hafen Port Nolloth eingetroffen, wo em Wörmann-Dampfer bereit stand, um ihn in wenigen Tagen nach ^akopmund zu bringen. Er wird morgen (Freitag) dort erwartet. Die erste Verbindung mit Oberst Leutwein datiert vom 14. Januar. Er benachrichtigte damals mittels Hellographen die Station Windhoek, daß er so schnell wie möglich zurückeilen werde; man möge telegraphisch nt Berlin die Entsendung des Majors Estorfs erbitten. Dieser -Bitte des Gouverneurs ist, wie bekannt, vom Kaiser ent­sprochen worden. Durch die Wahl des Seeweges erspart Oberst Leutwein wohl mindestens zehn Tagemärsche. Aus diesen Nachrichten ist ersichtlich, daß er etwa am 12. Januar von dem Ernst der Lage im Norden unterrichtet war. Wir formen hoffen, daß das Erscheinen des alten, bewährten Gouverneurs und siegreichen Kommandeurs nur ßünsttge Nachrichten bald im Gefolge haben wird, zumal feine An­kunft in Swakopmund durch eine glückliche Fügung mit derjenigen des Ersatztruppentransports von etwa 230 Mcmn ungefähr zusammenfallen wird.

Der als ermordet gemeldete Weiße Tausendfreund wohnte in Otjizewa, der ermordete Pilet ca vier Stunden östllch von Windhoek bei Farm Hoffnung, der Siedelungs- gesellschast gehörig. Die beiden Familien abzu­schlachten, war kein Kunststück; da diese ohne Zweifel ebenso durch den Aufstand der Hereros überrascht wurden, wie die Regierung und jeder Bewohner der Kolonie über­haupt; die Ansiedler Enabarth, Stüber und Koc- zar ski sind ehemalige Schutztrnppler und handelten nun mit den Eingeborenen im Felde, waren also auch je einer gegen Hundert. Der gefallene Leutnant D R. Boy , en ist der Sohn des Kaufmanns D. Boysen, der sich yrryxt 0 Urlaub in Deutschland befindet Zulott und Rudo-f betrieben das Maurerhandwerk in Windhuk und Ger­win s k i war Schreiber beim Gouvernement. Fackertwar bei der Eisenbahn. P a s ch und Weiß waren aktive Mlli- tärpersouen, gleich den Vorhergenannten zum Feldzug ein­berufene Reserve- und Landwerhrleute, die mit Ausnahme Boysens 189394 gegen Witboi, 1896 den Aufstand der Hereros (Nicodenrus-Leute und Ovambandseres) mitgemchbt haben und im Kampfe für Haus und Herd geblieben sind. Pilet, F-armer in Frauenstein, ist Magdeburger Kmd und feit etwa sechs Jahren Farmer, Dausendftermd Umt Zwil- polizift, der seine Familie erst im Juli v. I. nachkommen ließ; letztere sttandete bereits mit dem Dampfer ,^iuln Bohlen" an der Liberia-Küste im Juni v. I., also Unglück über Unglück. _____

mit der zweijährigen Dienstzeit lägen nicht vor. Aber man ersah aus der immer wiederkehrenden lebhaften Befür­wortung in der konservativen Presse, diealtbewährte drei­jährige "Dienstzeit wieder einzuführen, daß eine nicht zu unterschätzende Gruppe in konservativen und dem Heere nahestehenden Kreisen ihre Sache keineswegs für verloren hielt. Kriegsminifter v. Einem bezeichnete es sogar als selbstverständlich", daß die Regierung die gesetzliche zwei­jährige Dienstzeit bringen werde. Ohne Gegenleistung freilich nicht; dieser Adler wird nicht geschenkt. Worin dre Gegenleistung bestehen soll, das ließ sich der Minister nicht entreißen und nicht entlocken. Tas Zentrum llopfte auf den Busch. Tie Abgg. Gröber und Müller-Fulda hätten vor Bewilligung der Aufbesserung für Oberstleut­nantsgehälter, die sonst das Zentrum auf ein Jahr zurückstellen will, gern gewußt, was die neue Militärvor­lage enthalten wird. Herr v. Einem ging auf diese- begierige Frage nicht ein. Ter Entwurf ist ja, wie der preußische Kriegsminister im Reichstag bei der Etatsdebatte ausführte, bereits ausgearbeitet. Aber die Militärver­waltung deckt nicht vorzeittg die Karten auf. Daß mit bei neuen Vorlage eine erhebliche Erhöhung der Frie­dens Präsenz verknüpft ist, das Vorauszusehen bedarf keiner Prophetengabe. Mit der wiederholten Forderung der seinerzeit vom Zenttum abgelehnten 7 000 Mann wird es nicht getan fein. Gäbe die Heeresverwaltung schon jetzt weitere Aufschlüsse über die kommenden Pläne, dann würde sie sich nicht nur das Leben sauer machen durch eine ge­steigert krittsche Haltung be§ Reichstags gegenüber den schwebenden milttärischen Forderungen, fie wurde auch durch die vorzeittge Bekanntgabe die Aussichten der Vorlage ge­fährden denn solche mit Mehraufwendungen und vielleicht mit Steuern verbundene Gesetzentwürfe gewinnen erfahrungsgemäß nicht bei längerer Bekanntschaft. Uebrigens ging aus Aeußerungen des Abg. Dr. Muller-Sagan iFrs. Bollsp.) hervor, daß die ftüheren streng vertraulichen Mitteilungen der Militärverwaltung zur nächsten Milttar- vorlage in der Hauptsache wohl nur einer vergleichenden Uebersicht über die Schlagferttgkeit unserer Armee und der­jenigen anderer Armeen gegolten haben. Mtt Deftiedigung dürfte ausgenommen werden, was Herr v. Einem über die ernsten Bestrebungen s.ijgft, be:-* Luxus im Offi- , merkorps zu {teuer n. Bemerkenswerterweise sprach ein Mitglied der konservattven Partei, der Abg. v. S t a u d y, den Wunsch nach Vnsch^cänkung des Luxus aus. Dagegen seien die llniformänderungen eine Frage von mehr untergeordneter Bedeutung.

denkbar. Gegenwärtig könnten die mitteleuropäischen Länder die Jndustriezölle wohl entbehren. Grundlegend in der Wirtschaftspolitik dieser Länder, besonders auch in Deutschland, sind die Agrarzölle. Man sagt nun: die Agra» zölle bereichern die wenigen landwirtsck>aftlichen Großpro­duzenten; diese haben einen maßgebenden Einfluß auf die Regierung, und sie benutzen ihn, um sich den Vortell aus der Einfühmrng und Erhöhung der Aararzölle yiyrtoenbeiL Ja, wenn die Sache so einfach wäre, dann könnte man sich doch gar nicht erklären, daß die agrarische Bewegung so stark werden konnte, wie sie zurzett ist. Die Liberalen stehen der agrarischen Bewegung ebenso verständnislos gegenüber, wie der sozialdemokratischen Bewegung. Sett oen siebziger Jahren haben wir mit vollständig veränderten! Wirtschaftsverhältnissen zu rechnen. Die großen norb- amerikaniscben Steppenländer wurden der Laudwrrtschaft erschlossen, ihre Besiedelung wurde durch unentgeltliche He» gabe von Land an die Farmer, durch Subventionierung der Eisenbahnen staatlich begünstigt. Um der amerikanischen! landwirtschaftlichen Konkurrenz zu begegnen, hat England, wo die Landwirtschaft in der Hairptsache durch Pächter be­trieben wird, die Pacht herabgesetzt, andererseits ist man zur Viehzuckft übergegangen. Die englische Landwirtschaft ist in rapidem Verfall begriffen, was für England, das sich ja wesentlich auf seine Industrie stützt, nicht schlimm ift Sollen wir aber auch in anderen europäischen Lan­dern die Landwirtschaft verfallen lassen wegeü eines vorübergehenden Zustandes? Vorübe» gehend ist die amerikanische Konkurrenz, denn auch in Ame­rika steigt der Wert des Landes, bie Produktion wird da­durch teurer, es werden sich nach und nach dieselben Ve» hältnisse heranbilden, wie wir sie bei uns haben, und so muß die amerikanische Konkurrenz in absehbarer Zeit auf­hören. WM man den mitteleuropäischen Landwirt toi» kurrenzfähig machen, so müßten entweder seine Grund- schulden staatlicherseits getilg t werden, um ihn in dieselbe Lage zu setzen, wie den amerikanischen Farmer, dem das Land geschenkt wurde, oder man muß andere Mittel anwenden, um die Landwirtschiaft vor dem Verfall zu bewahren. Die bürgerliche Gesellschaft hat nun das Mittel gewählt, durch Zölle wenigstens die Preise der land- nnrtschaftlichen Prodillte in den Kontinentalländern zu e» halten. Es ist nicht wahr, daß die Preise infolge der Zölle gestiegen sind. Die Agrarzölle sind Zölle, welche mtt Mühe und Not die alten Preise der landwirt­schaftlichen Erzeugnisse gehalten und die Landwirt­schaft vor dem völligen Zusammenbruch be­wahr t haben. Niemand ist durch die Agrarzölle bereichert worden. Sie haben den Zusammenbruch der Landwirtschaft aufgehalten, können ihn aber nicht ver-