ausgenommen, und uvnn man mit gutem Fuge darllver klagt, daß auch in siervifse Beanttenknche der unnütze und protzige Luius Eingang gefunden habe, so nrirb ein Grund dieser unerfreulichen Erscheinung mit in dem Luxris des StudententumS \u sucherr fein. *
Freisinn und Sozialdemokratie.
In Alzey hatten die Freisinnigen mit den Sozialdemokraten bei den Gemeindewahlen ein Bündnis geschlossen, da8 jedoch in die Brüche ging — offenbar weil die freisinnigen Wähler der Parole ihrer Führer nicht folgten! DaS liberale Bürgertum will eben von der Sozialdemokratie nichts wissen und läßt sich durch übernommene Führerbeschlüsse nicht ins Bockshorn jagen. In Alzey wütet jetzt der Vorstand der sozialdemokratischen Partei gegen den .Verrat" und „Schacher", dem seine beiden Kandidaten erlegen seien. Zugleich wird mit süßer Rache bei den nächsten Reichstagswahlen gedroht. Es soll dann vermutlich das Mandat dem Zentrum in die Hand gespielt werden. Nicht minder interessant ist, wie das Zentralorgan der Sozialdemokratie, der berümte „Vorwärts", sich über den „Fall" auSläßt. Den Alzeyer „Genossen" wird bescheinigt, daß sie sich mcht über besondere Klugheit ausgezeichnet hätten. Für- alle „Genossen" ergebe sich aus dem Fall die Lehre, daß der Gewinn einiger Mandate niemals höher angeschlagen werden dürfe, als eine prinzipielle Agitation. Rill einem förmlichen Wutausbruch aber wendet sich das Blatt gegen die „verräterischen" Freisinnigen: „Sie haben sich", so schreibt e§, „hier aufs neue nicht nur als politische Jammerlappen erwiesen, sonden als wortbrüchige Verräter, die die Moral der Krawattenmacherei m die Politik umsetzen."
Im Schimpfen und Verunglimpfen erreicht das sozialdemokratische Zentralorgan noch immer den höchsten Rekord. Für diejenigen Liberalen, die sich über ihr Verhältnis zur Sozialdemokratie noch nicht klar sind, ist aber die Schirnpf- leistung des Blattes immerhin recht lehrreich.
Kirche und Schule.
In einer Privataudienz, die der Papst dem Herausgeber der „Allgem. Ztg." bewilligte, sagte der Papst, der übrigens z. Z. leicht erkrankt ist, über den Krieg: „Ich bin überaus betrübt über daS schreckliche Schauspiel dieses Krieges. Dies ist ja fein Krieg, sondern ein Gemetzel. Man muß auf das Lebhafteste bedauern, daß alle zivilisierten Mächte dem grausamen Schauspiel gegenüber gleichgültig bleiben und daß es ihnen nicht gelingt, sich zu emer großen gemeinsamen Aktion zu vereinigen, welche die Beendigung des Krieges bezweckte." Der Papst schloß mit dem Wunsche, daß die Vorsehung so rasch wie möglich dem blutigen Streite em Ende mache. Wener sprach der Papst ein Verdammungsurteil über das Duell.
Mannheim, 2. Nov. Heute fand hier die 20. General-Versammlung des allgemeinen evan- gelisch-prote staut. Missionsvereins statt, zu welcher aus ganz Deutschland Vertreter cuuvcsend sind. Die Eröfsnungsversammtung tagte in der Konkoroienkirche. Begrüßungsansprachen hielten Prälat O.hler Karlsruhe namens oer badischen Oberkirchenbehörde und Professor Dr. Tröltzsch-Heidelberg im Namen der evangelisch-theologischen 5*niuuu Heidelberg. Stadtpsarror Schöpsfer - Mannheim überreichte eine Ehrengabe von über 4000 Mark. 2ln den Kaiser gelangte folgendes H u l d i g u ii g s t e l e g r a m m zur Absenvungi „Eurer Majestät huldigt in tiefster Ehrfurcht die 20. Generalversammlung ocs allgemeinen evangelisch-protestantischen Missionsvereins, treu dem Gelübde, mit i-vii heiligsten Gütern unseres evangelischen Glaubens den Völkern Asiens die Botschaft des Friedens zu bringen." Gleichzeitig wurden an bui Gvotzherzog von Vaoen uno au den Großherzog Wilhelm Ernst von wachsen als Protektor des Vereins Huldigungstelegramme gesandt.
Aus Staöt uni) £miü.
Gießen, 3. November 1904.
** Stadtverordnetenwahlen. Gestern abend tagte im „Löwen" die von der ersten öffentlichen Wählerversammlung eingesetzte Kommission zum zweitenmal. Tie Vertreter der verschiedensten namhaftesten wirtschaftlichen Vereinigungen waren wieder habet zugegen, die Vertreter der politischen Vereinigungen fehlten. Nach längeren recht sachlichen Erörterungen, wobei schließlich alle Emzelinteresjen hinter der Gesamtheit zurücktreten mußten, kam endlich eine Kandidatenliste zustande, die jedenfalls die Sympathie der Bürgerschaft erlangen wird. Die Diemen der oorgcschlageneu Kandidaten werden in aller Kürze veröffentlicht werden.
Die Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes u n b des Allgemeinen Deutschen Schul- vereins veranstalten, wie aus dem Anzeigenteil unserer heutigen Nummer zu ersehen ist, Freitag abend eine Ver-
bolfen. Es war in bin Augusttagen des Jahres 1896, als Plumern hat die ersten ^kizz^.i zum „Toren Löwen" entworfen hatte.
,in °,er „Zukunft" Maximilian Hardens „Sommertage m Friednchsruh" und — sie schlugen die ersten Akkorde für Die e-timinung üe<3 Dritten unb vierten Aktes an. Xie gut beobachteten «ter^ge Bismarcks, so erzählt Blumenthal, Die durch niünd- lid/e Steuerungen des Kanzler^ beglaubigt ivurocn, sind Dann in jem ^tua übergegangen, uno es fmoen sich ganze Puraltelstellen, ^oetyeye llebertragung gewisser Gesprächsfragmente lenes Artikels bilven. ^m übrigen zürnt Blumenthal Maximilian Harden nicht, uno er gesteht ihm zu, daß ec ihm selbst dann noch mterepant erichemt, wenn er „Riemen aus seiner eigenen Haut sa-newer. Was Harden aber von bevorstehenden OrdenSauszeich- nungen für den Dichter des „Toten Löwen" sage, wäre und bliebe Zuiunstsmustk. Testa mehr klagt Blumemhal über das Beniurverbot, bas zwar der Buchausgabe genützt — es liegt bereits m 5. Auflage bet F. Fontane u, Eo. -, Der Aufführung ober aeichoDet habe und das hoimungssrohe Wort, mit oem ihn Baron Berger in Hamburg begrüßt habe: „Also wirklich verboten'>> Wetter, was müssen Sie für Protektionen haben!" habe keine Berechtigung gehabt. Interessant ist noch zu hören, daß Blumenthal in der Tat einst mit dem Fürsten Herbert Bismarck Dieselbe Schulbank drückte, da sie beide gemeinsam das Abilucium machten, und daß der Lichter seinem ehemaligen Schulkameraden oen „Toten Löwen" zur Lektüre gesandt hatte, woraus Herbert Bismarck ihn zur intimen Besprechung des Werkes nach Fnedrichsruh einlud. Bismarcks .Krankheit und Tod hat cieien Besuch vereitelt, lieber seine Kritiker sagt Blumenthal schließlich noch, daß sie dem Dichter nie vergessen könnten, was it — wie der Hotelzettel nur der Reiset listigen Reisen ücr alle literarische Zett
. -n Bagage. Aber dec Bühnenschriftsteller soll tausend t. r woe Worte mit — hundert Aufführungen beantwort en, so ettoa tröstet sich Blumenthal.
sammliing, in der Landtags- und Reichsratsavgeordnerer Franz Schreiter aus Leitmeritz in Böhmen sprechen wird. Man berichtet uns über einen Vortrag desselben Herrn, den er am letzten Sonntag in Mainz gehalten hat, folgendes: .In den Mittelpunkt seiner Erörterungen stellte der Redner Daß wirtschaftliche und politische Verhältnis Oesterreichs zu Ungarn und legte dar, weshalb die deutschnationalen Parteien Den Ausgleich bekämpfen müßten. Dieser sei lediglich ein Ergebnis der Großmachtzwecke des Hauses Habsburg; die Kosten habe Oesterreich zu tragen, das seit 1867 schon 3 Milliarden Kronen mehr gezahlt habe als Ungarn. Die Zollgememschast mit Ungarn sei zudem ein Hindernis für die Zollunion mit dem Deutschen Reiche. Die Ausfuhr der österreichischen Industrie nach Ungarn sei zum Stillstand ge- lommen. Die ganze Sachlage spreche jetzt dafür, den wirtschaftlichen Bruch mit Ungarn herbeizuführen. Der Redner lam dann auf die tschechische Obstruktion im Wiener Reichsrat und die deutsche Obstruktion im Prager Landtag zu sprechen und legte die Grülide der Politik der Deutschen dar: eß handle sich am letzten Ende darum, daß die Tschechen die Lebens- kräftigkeit des Föderalismus beweisen wollten; damit müßten sie ad absurdum geführt werden. Die Prager Obstruktion iverde so lange dauern als die Wiener. Die Deutschen seien wachsam geworden und auf der Hut vor allen. ES sei gelungen, die deutschen Arbeitermassen in Böhnen wieder für den nationalen Gedanken zu begeistern, alle Mandate seien der Sozialdemokratie wieder abgenommen bis aus eins. In dieser Mitarbeit der Arbeiterschaft liege die Gewähr für den Sieg." Nach diesem Bericht verspricht der Vortrag interessante Aufklärungen über die gegenwärtige Lage 'n Oesterreich zu geben. Vielleicht findet sich der Redner i*< seinem hiesigen Vortrag bereit, auch über die neueste W-Ndung in Oesterreich, den vor einigen Tagen vollzogen--n Ministerwechsel innerhalb des Ministeriums v. Körber, sich zu äußern.
** Der „Lanz" und die Aepfe^ Als schmucker Vaterlandsverteidiger machte em junger Kaufmann beim Kaiser Wilhelm-Regiment seine Reserveübutt^; er hatte Urlaub und schlenderte abends spät durch die Straßen. Hierbei wurde er angenehm überrascht durch btn Zuruf einer jungen Dame, welche in einer Nebenstraße mit dem Dienstmädchen neben zwei voll gefüllten Körben mit Aepfeln stand; beide ruhten, weil ihnen die Last zu schwer wiirde. He! Lanz!, rief die gar nicht üble Maid, komm, her und hilf uns die Aepfel tragen! Was krieg ich, wenn ichs tu? meinte scherzend der Infanterist. 3 Aepfel und 10 Pfennig zu nem Trunk, erklärte lachend die Gießnerin. Bereitwillig übernahm der Lanz die Arbeit — beim Transport der Aepfel — zu helfen; er ging stolz, mit jeder Hand an einem Korb tragend, in der Mitte, während die Maid und deren Magd tragen halfen. Tas Fräulein bemerkte gar bald, daß in dem zweierlei Tuch nicht wie sie vermutet hatte, ein ungebildeter Bauern- knecht stecke, und gab sich auf dem Wege alle erdenkliche Blühe, zu erfahren, mit wem sie es zu tun habe. Aber geschickt wich der Soldat allen neugierigen Fragen aus. Am elterlichen Hause des jungen Mädchens angelangt, erhielt der Lanz den versprochenen Lohn und ging vergnügt lächelnd und pfeifend von bannen. Das Fräulein erhielt aber am anderen Tage eine bunte Karte mit dem Namen des jungen Mannes darunter. Für den Sonntag empfing der Kartenschreiber bereits eine freundliche Einladung zum Kaffee in der Familie, der er natürlich nachkam. Seit dieser Zeit sieht man den ehemaligen Lanz regelmäßig in dem Hause, vor dem er an jenem Abend die Aep.'elkörbe niedersetzte, verkehren, und die Dladjbarn sprechen schon allen Ernstes davon, daß es nächstens in dem Hause eine Verlobung geben würde. Dian zerbricht sich den Kopf, wieso der doch unbemittelte Kaufmann dazu gekommen fei, sich mit der einzigen Tochter des gut situierten Hausbesitzers zu verloben. Daß der Lanz durch den Aepfeltransport mit der jungen Tarne bcfannl geworden war, davon natürlich haben die Nachbarn feine Ahnung, und wenn sie es heute erfahren, so werden sie es einfach nicht glauben und bedenklich die Köpfe schütteln.
** Millionen deutschen Geldes fließen jährlich in die Taschen holländischer Losschwindler. Die „Deutsche Wochenztg. in den Niederlanden" veröffentlicht die Zuschrift eines jungen Deutschen, der in ein solches Los- fchwindelgeschäft in der Absicht eingetreten war, um den Betrieb kennen zu lernen und seinen von der Spielwut besessenen Landsleuten die Augen zu öffnen. Er nennt den Betrieb dieser Leute eine „ratenweise Betrügerei". In Holland würden die Behörden diesen Schwindlern schnell ihr aubereß Handwerk legen, wenn diese nicht ausschließlich nach dem Auslande, d. h. in erster Linie nach Deutschland arbeiten würden. Einige dieser „Schwindelbuden" find freilich doch in Amsterdam polizeilich geschlossen und ihre Inhaber wegen Betriigs unter Anklage gestellt worden, aber die anderen „Bankiers" setzen ihr Treiben munter fort. Einer dieser Spekulanten — auf die Dummheit seiner Ntitmenschen — hat für seine Zwecke eine eigene Zeitung und ein eigenes Auskunftsbureau. Mehr kann man doch nicht verlangen. Er soll ini Jahr eine halbe Million Mark verdienen, sein „Direktor", ein früherer Schreiber, hat ein Jahreseinkommen von 17 000 Mk., fein „Bureau- Ehes", em ehemaliger dänischer Arbeiter, ein solches von 10 000 Mark. Nach diesen Ausführungen, für deren Richtigkeit der Gewährsmann der sehr angesehenen Wochenzeitung jede Verantwortung übernimmt, müssen jährlich Millionen deutschen Geldes in die Taschen dieser geivissenlosen Schwindler ließen. Wir halten es für die Aufgabe der Presse, vor diesen Losschwindlern zu warnen.
r. Krofdorf, 3. Nov. Dor Vorstand des Handwerker- Vereins für die hiesige vereinigte Bürgermeisterei Apbach- Launsbach hatte am 16. Oktober mit den ^Vertretern der Abteilung Wetzlar zur Gründung einer Fortbilduilgs- 'chule für juiige Handwerker getagt Eine weitere nach Torlar einberusene reich besuchte Versammlung brachte einstimmig den Wunsch zum Ausdruck, daß für die 12 Gerne rn den eine HandweU'er-FortbildungSschule begründet werden möge. Tas Zustandekommen Der Schule gilt nun umsomehr gesichert, da auch bk Koni gl. Regierung dieser Angelegenheit ein lebhaftes Interesse entgegenbringt. Es 'teht zu erwarten, daß die Schule mit dem 1. April 1005 ins Leben tritt, jedoch hat man sich über den Ort noch nicht genügend geeinigt; sowohl Krofdorf als Atzbach mürben in Vvt-schlag gebracht.
w. Nidda, 1. Nov. Gegenwärtig wird an der Straße nach Balzhausen in der Nähe des Bahnüberganges auf einer
das ganze Tat oeyerrfcyenvcn Anyoye em paus inr Schweizer st il gebaut, welches eine Zierde der Gegend zu werden verspricht. Es gehört dem Obersten Weimer von hier, früher beim Kaiser-Wilhelm-Negiment in Gießen. — Das am Sonntag hier gefeierte Erntedankfest wurde außerordentlich von der Gemeinde besucht; man hat bei uns alle Ursache, für die in jeder Beziehung gute Ernte dankbar zu sein. — Seit Sonntag hat der Gastwirt „zur Krone" elektrische Beleuchtung in seinen Räumlichkeiten. Er erzeugt die Elektrizität durch einen Motor, den er zugleich zu seinem Metzgerbetrieb verwendet. Dem Vernehmen nach wird er, soweit dies möglich ist, an Privatleute Elektrizität abgeben.
§ Hainbach, 2. Nov. Einer geringfügigen Ursache ist hier ein blühendes Menschenleben, ein 18 jähriges Mädchen zum Opfer gefallen. Tas Mädchen hatte bei. der Dreschmaschine geholfen. Hierbei zog es sich durch ein Gersten- gewan eine kaum bemerkenswerte Wunde zu. Aber die Wunde verschlimmerte sich, es trat Blutvergiftung ein, und das Mädchen ist jetzt infolge hiervon verstorben.
tc. Main z, 2. Nov. In Anwesenheit des Großherzogs findet nächsten Freitag abend die Einweihung des neuen Offizierskasinos des 117. Infanterieregiments statt. Der Großherzog trifft um 5.20 Uhr hier ein.
tc. Höchst a. M, 2. 9loo. Auf der Strecke Oberlieder» bach—Unterliederbach der Höchst—Königsteiner Bahn wurde eine Telegraphen st ange auf d i e Schienen gelegt. Der Zugführer bemerkte die Stange und brachte den Zug rechtzeitig zum Stehen. Auf die Ermittelung des Täters wurde von der Eisenbahndirektion eine Belohnung von 50 Mark gesetzt. Als der Tat dringend verdächtig wurden drei Burschen in Nieder-Hosheim verhaftet.
(f.) Braunfels, 1. Nov. Im Laufe dieser Woche wird Braunfels, das als Luftkurort mit jedem^ neuen Jahre mehr geschätzt wird, dank einer rührigen, mit den Bedürfnissen der Neuzeit vorwärtsschreitenden Gemeinde-Vertretung zum ersten Mal in seinen Straßen Acetylen- Licht brennen. Ein nach den neuesten Erfahrungen erbautes städtisches Acetylen-Werk versorgt die städtischen Straßen und Gebäude mit diesem Hellen Licht; auch viele Private haben sich an die Zentrale angeschlossen. Seit Jahren schon bringt auch eine vorzügliche Quellwasserleitung der Einwohnerschaft gesmides Wasser, fast in jedem Hause befindet sich zur Annehmlichkeit der Bewohner eine Zapsstolle. In nächster Zeit wird noch voraussichtlich die Kanalisation der ganzen Stjadt zur Ausführung kommen und hieran anschließend eine vollständige Neup s lästerun g der Straßen, sodaß Braunfels auch im Innern ein schmuckes Städtchen sein wird. Tie seit sieben Jahren ins Leben gerufene Biltenkolonie vergrößert sich mit jedem Jahre und bietet einen ruhigen gesunden Aufenthalt in dem von der Natnr so verschwenderisch bedachten Dergstädtchen. Ter rührige Vev- schünerungsverein hat im verflossenen Jahre durch Anbringung neuer Schilder und Bänke die zahlreichen Spazierwege vervollkommnet und wird noch in diesem Herbste über 500 Atleebäume pflanzen, die auf den Wegen zum nahen Walde Schatten spenden sollen. Der kleine Wildpark hat wieder eine größere Anzahl Schaufler, welche unter der Obhut ihres treuen Pflegers so zahm geworden sind, daß sie mitten unter den Gästen herumgehen und, zur großen Freude der Kinder aus deren Hand fressen. — Möge des Städtchen auf dem „Braunen Felsen" auch für die Zukunft sich immer weiter zu einem blühenden meiuwesen entwickeln.
Llcrnriicyres.
* Grobe Fahrlässigkeit eines Arztes. Unter dieser Spitzmarke war seinerzeit aus Budapest berichtet worden, daß der Professor Julius Dollinger den Tod einer Frau verj'chulldet habe, indem er bei der Operation der Syrau Lideczy eine Pincetteinder ett Körper z u r ü ck l i e ß, die bei der Obduktion in den Eingeweiden gefunden wurde. Die vom Gericht dieserhalb unternommenen Vorerhebungen sind beendet Tie Staatsanwaltschaft hat den Beschluß gefällt, daß sie die Anklage gegen den Professor Julius Dollinger nicht übernehme. Dieser Beschluß ist eingehend motiviert; es wird namentlich darauf hingewiesen, daß bei der Natur solcher Operationen ein derartiges Versehen selbst bei Beobachtung der penibelsten Vorsichtsmaßregeln nicht ausgeschlossen sei. Dieser Beschluß der Staatsanwaltschaft iimröe den Parteien zugestellt. Wie verlautet, wird der privatklägerische Anwalt die Vertretung der Anklage selbst übernehmen.
* Der Mann mit der größten Familie ber Welt. Der Mann, der die größte Familie der Welt hat, ist der Nlormonenpräsident Joseph Smith in Sait Lake City, Smith hat 6 Frauen, 45 Kinder und 150 Enkel- kin der. Uebertroffen in der Zahl der Kinder hat ihn nur fein Vorgänger, der Präsident Brigham Poung, der 56 Kinder hinterließ. Die Frauen und unverheirateten Kinder von Smith leben in fünf Häusern in Satt Lake City, die verheirateten Kinder und Enkel verteilen sich über die ganze Stadt. Smith erhält alle Bewohner der fünf Häuser; feine verheirateten Kinder und Enkel müssen jedoch für sich selbst sorgen. Dieser Vater von 45 Kindern ist sehr reich; die Kosten des Unterhalts für die fünf Haushaltungen werden auf 400 000 Mk. geschätzt. Er bezieht ein außerordentlich großes Einkommen als Direktor von zivanzig verschiedenen Körperschaften, Banken und Fabriken. Vor mehreren Ntonaten hatte sich Smith in Washington wegen seiner „Vielweiberei" zu verantworten. Smith kehrte zwar triumphierend nach Satt Lake City zurück, er hat aber in den letzten Monaten viele Mormonenfamilien aus Utah in Mexiko angesiedelt, das schließlich das neue Hauptquartier der Nlorniolienkirche werden soll, da sie hier sicher vor den Gesetzen der bereinigten Staaten ist.
• Die Seeschlacht bei Hüll.) Die „Jugend" wid» met der Heldentat Roschdjestwenskys folgende Verse:
Wer dampft so spät durch den Aermelkanal? S' ist Rofchdjestwensky, der Admiral.
Er hält die Abschiedsbowle im Arm; Der Nebel steigt, der Kopf ivird ivarnr.
„O, Väterchen Admiral, seht dort: Torpedoboote auf Steuerbord!"
„Beim heiligen Wiitki, wahrhaftig ja, Die japancsischen Teufel sind da 1
Schießt auf die Kerle, und rennt bann, rennt! Sie sprengen uns sonst in die Luft am Eiid." Ratsck)! ^Ratsch! Bum! Bilm! Ganz phänomenal, Schießt Noscbdjestweliskv, der Adlmral.


