Ausgabe 
3.11.1904 Erstes Blatt
 
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Refhmg ftfdHmtt. Frau Stössel wartete ihre völlige Wrederher- strNunä nicht ab und verlies; ba-3 Lazarett bereits irm 26. Juli iS. August^: urt die Leute zu beruhigen, besuchte sie sofort der Reihe und' sämtliche Forts imb Schanzen. Tie Soldaten ließen Fch bei ihrer ?luknnft auf die Kniee nieder, einzelne küßten den ecirm ihn's Kleides. Wie die Belagerung Port Arthurs enden wird, ist nicht vorauszusehen, der Name der Gattin des Generals Stösse! ivird iniftrrhlicb tu der Reihe brr Heldinnen fortleben, welcve die Geschichte kennt."

Die neue japanische Anleihe.

London, 2. Rov. Tas Reutersche Bzrreau erfährt aus Tokio: Auf die neue Schahbonds-Anleihe von acht Millionen Pfund vom 31. Oktober iiitb am ersten Tage sechs Millionen gezeichnet worden: da die Liften bis zum,7. No­vember auslieqen, werde die Anleihe ohne Zweifel mehrfach ge­zeichnet. Ter Vizepräsident der Bank von Japan.Takahaschi er- Närte einem Vertreter- des Reuterschen Bureaus, die Schatzbonds- Anleihe werde v o m B o l k e e n t h u s i a st i s ch a u f g e n o m in c n. Trotz des Krieges sei die Finanzlage Japans sehr oe friedigend. Ter Krieg übte bisher- keine nachteilige., ,ungen

auf die Produktivnskrrft des Landes aus. Tie A sfuhr und die Einfuhr wei'«' eine beträchtliche Zu na hme auf. Alle Japaner, vom Kaiser bis zur untersten klasse, »egten sich Einschränkungen auf. Tas Volk arbeite härter und produziere nicht nur mehr, sondern vermeide den Kauf von Luxus­artikeln, welche somit für die Ausfuhr verfügbar und, darunter namentlich Seide. Ter Ertrag der Ernte, lvelche in diesem Jahre besonders gut sei, werde auf 10 Millionen Pfund geschätzt. Im n ä ch st e n Finanzjahr dürften 7 70 Mi l l. zu Kriegszwecken gebraucht werden. Für die erhöhten Aus­gaben, die zur Entsendung der bedeutend vermehrten Streitkräfte nach der Mandschurei, sowie zum Bau von Kriegsschiffen erforderlich seien, werde Japan alle hierfür erforder­lichen Mittelim Lande auf bringen können. Es beftebe vorläufig nicht die Absicht, Heb an fremde Märkte zu wenden. Ein großer Teil des Erlöses aus der London-Newyorker Anleihe vom Mai 1904 liege noch in London.

Reservistentumnlte.

Petersburg, 2. Nov. TieRufs. Telegr.-Ag." meldet: Auf obrigkeitlichen Befehl waren an den Einbernsungspunkten die Branntweinhandlungeu geschlossen worden. Tie Reserristen erstanden jedoch für teures Geld heimlich Schnaps bet Jnd-n. In der Trunkenheit gaben die Einberufenen dann ihrer durch den teuren Preis des BrannUveins hervorgerufenen Wut durch Zertrümmerung jüdischer Läden Ausdruck. Tie Er­bitterung der Ehristen gegen die Juden wurde in diesen Orten auch dadurch hervor gerufen, daß die letzteren in großer Zahl desertierten, wodurch die christlichen Reservisten gezwungen wmchen, die im Heer entstehenden Lücken auszufüllen. Tie Mehr­zahl der T-eserteure sind Juden und die Wohltätigkeitsoesellschasten in Lemberg erwiesen ihre'-sorere nicht den Kernrussen.

Valitische Tagesschau.

Wahlbeemfluffungen im Saarrevier.

Im preuß. Abgeordnetenhaus wurde am Mitt­woch die Besprechung der Interpellation von Marx (Ztr.) über die Wahlbeeinflussungen im Caarrevier fortgesetzt.

Abg. Dr. Wie in er (frs. 23p.) legt den prinzipiellen Standpunkt seiner Partei gegen amtliche Wahlbeeinfluffungen dar und polemisiert gegen Eingriffe von Staatsbeamten in das Koalitionsrecht der Arbeiter in Staatsbetrieben. Taß der Minister von tadelnden Verfügungen sprach, die er erlaffen hätte, sei ein Beweis dafür, daß Tadelnswertes vorgekommen ift Auch anderwärts sei Beschwerde zu führen darüber, daß die Wahlfreiheit von Beamten gegenüber ihren Untergebenen nicht gewahrt worden sei. Hoffentlich werde Graf Bülow dafür sorgen, daß das Wahlrecht und die Wahlfreiheit, wie ^fie verfaffungsmäßig gewährleistet sind, nicht verkümmert werden. Den besten Boden für die Sozialdemokratie böten Ungerechtigkeiten. Der Grundsatz der VerfaffungGleiches «Recht für 2lKe* solle auch für das Verhältnis von Arbeitern und Beamten gelten.

Handelsminister Moller erwidert, er habe sich bereit erklärt, gegen die Uebergriffe von Beamten jederzeit emzu- schreiten. Er habe die Bergwerksdirektionen beauftragt, das Verhalten solcher Beamten auf das ernstlichste zu mißbilligen und im Wiederholungsfälle weitere Schritte zu ergreifen.

Abg. Fuchs (Ztr.) mochte vom Minister Aufklärung haben, ob er gegen die nationalliberale Wahlagitation der Beamten im Saarrevier Protest eingelegt hat. Es sei konstatiert, daß sich in Preußen ein Gericht gefunden hat, welches offen die Wahlbeeinflussung seitens der vorgesetzten Behörde als zulässig erklärt hat, daß sich ein Staatsanwalt gefunden hat, der sich zum Anwalt einer Partei erniedrigt hat. Es sei für die Beamten und Bergarbeiter unmöglich gewesen, frei nach ihrer Ueberzeugung zu stimmen. Der Hauptschuldige Hilger sei noch immer im Amt.

Abg. Dasbach (Ztr.) sucht nachzuweisen, daß nicht Parteiverhetzung, wie der Minister behaupte, sondern die tat­sächlichen Mißstäyde, die Unzufriedenheit im Saarreoier ver­schulden. Gegen die schamlosen Wahlbeeinflussungen hätte Front gemacht werden müffen. Unter den Bergleuten, die der Zentrumspartei angeboren, habe Erbitterung Platz ge­griffen, die durchaus nicht künstlich gemacht ist.

Oberberghauptmann v. Velsen bestreitet, daß die Berg­werksdirektionen sich Wahlbeeinfluffungen haben zu schulden kommen lassen. Gegen die Vorwürfe, welche gegen die Be­amten der Bergwerksdirektionen erhoben worden seien, lege er entschieden Protest ein.

Abg. Dr. Fri edberg (natt.): Der Wahrheitsbeweis pes Abg. Dasbach sei mißglückt, und das werde man zu­geben, ein unschuldsvoller Engel und ein leidenschaftsloser Mensch itt Dasbach nicht, das gehe aus seinen Aeußerungen in der Presse hervor, in der er gegen die Bergwerksdirektion in Saarbrücken häßlich polemisiert habe. Er habe dadurch zu einer starken konfeffionellen Verhetzung beigetragen. Hilger sei ein braver patriotischer Mann, der für seine Arbeiter sorgt. Kehren Sie (zum Zentrum) vor Ihrer eigenen Tür, werden Sie erst inbezug auf die Wahlbeeinflussungen sitt­licher, und dann erheben Sie Vorwürfe gegen uns.

Abg. Marr (Ztr.) polemisiert gegen den Vorredner. Er spricht weiter seine Freude darüber aus, daß der Minister gegen das Ueberwachungssystem die schärfsten Verfügungen erlassen hat.

Ein Schlußantrag v. Zedlitz wird gegen die Stimmen des Zentrums und eines Teiles der Linken angenommen.

Znm deutsch oflerreichischen Handelsvertrag.

N. Fr. rßr." meldet aus Wien: In der am Mittwoch nachmittag im Ministerium des Aeußern stattgebobten ersten rrragkkomeren'. begrüßte Graf G v l u cho w s k i den fetanfr-tun: Grafen Posadowslt) und dankte ihm dafür, daß durck, persänli^^2 Eingreifen das Zustandekommen des Handels- ju fördern. Er sprach ferner den Wunsch aus: Gras

Pofadows-kv mSge zur günstigen Stunde nach 'Wien gekommen sein und es möge gelingen, die wirtschaftlichen Beziehungen der so innig verbündeten Reiche auf sichere und dauernde Grundlage zu stellen. Graf Posadowsky dankte in herzlichen Worten für die Begrüßung und äußerte: Er sei mit größter Bereitwilligkeit nach Wien gekommen, um das .Handelsvertrags- Werk zu fördern und sodann zu bekunden, welch hohen Wert auch das Deutsche Reich auf dauernde kommerzielle Beziehungen mit der Nachbarmonarchie lege. Es wurde hierauf in die Erörterung der grundlegenden Fragen des Handelsvertrags endgegangen, die iy2 Stunden währte.

Heute beginnen die programmgemäß vorgesehenen Verhand­lungen der kommissarischen Vertreter, welche bis Sonntag oder Montag dauern dürften. Tcnm folgt eine zweite Konferenz der Minister, welche wahrscheinlich in Budapest stattfinden wird.

Als Vertrauensmann des Staatssekretärs Olafen Posadowskp betätigt sich der Direktor der handelspolitischen Abteilung des Auswärtigen Amtes, Geh. Rat v. Körner. Er hat auch "bei den Verhandlungen mit den anderen Veetragsstaaten ein? hervor­ragende Rolle gespielt und ist deshalb mit in erster Reihe be­rufen, die Sache der Regierung im Reichstage, zumal in der Kommission, zu führen. Herr v. Körner ist seinerzeit ans dem sächsischen Staatsdienst in die ReicbSverwaltung übergetreten, und zwar zunächst ins Reichsschatzamt, bei dem.auch der preuß. Landrat Graf Posadowskp zum Ressortchef im Reichsdienst ausrückte. Wie Graf Posadowskp als Schatzsekretär durch umfassende und ein­dringende Kenntnis auf dem Gebiete der Wirtschaftspolitik sich auszeichnete, so hat auch Hem: v. Körner durch seine Tätigkeit im Reichsschatzamt eine derartige Vertrautheit mit wirtschaftlichen Fragen sich angeeignet, daß auf ibn die Wahl zum Direktor der wichtigen handelspolitischen Abteilung des Auswärtigen Amtes fiel, als Geheimrat Reichart aus dieser Stellung schied. Herr v. Körner ist bisher im Plenum des Reichstags verhältnismäßig selten hervoraetreten, zum letzten Male aus Anlaß der Brüsseler Zuckerkonvention, an deren Abschluß cr als Vertreter Deutschlands teilnaknn. Besondere rhetorische Begabung ist ihm, nicht eigen, er spricht kühl und temperamentlos und wirkt lediglich durch das, was er sagt. Sein politischer Standpunkt ist dadurch gekennzeichnet, daß er sich wiederholt den Tadel der Agrarier zugezogen hat. Andererseits können daraus Industrie und .Handel die Ge­wißheit entnehmen, daß von einer Preisgabe ihrer Interessen keine Rede sein kann bei Handelsverträgen, an deren Abschluß Herr v. Körner hervorragend beteiligt war. Eine allgemeine Direktive ist den Unterhändlern zwar durch den Reichskanzler vorgcschriebcn, aber bei den Spezial Positionen, deren Gestaltung für die beteiligten Kreise besonders wichtig ist, bleibt es der Sachkenntnis und Gewandtheit der Unterhändler überlassen, die deutschen Interessen wahrzunehmen. Bei Graf Posadowsky und Herrn v. Körner sind sie in besten Händen.

Deutsches Reich.

Berlin, 2. Rvv. Heute empfing der Kaiser im König!. Schlosse zu Berlin den Grafen Eberhard Solms und den Präsidenten des Kammergerichts Dr. v. Schmid.

Heute abend fand eine Fe st Vorstellung im Opern­hause statt. Anwesend waren das Kaiserpaar, der Kronprinz, mehrere Minister, sowie die zu der heutigen Enthüllungsfeier geladenen Forstbeamten. Zur Aufführung gelangte der .Freischütz".

DieKöln. Zig." hört über die Lippesche Frage: Tie Anträge der streitenden Parteien gingen an die zu­ständigen Ausschüsse des BundeSrates. Von diesen sind sie noch nicht an daS Plenum des Bundesrates zurück­gelangt. Daneben laufen die persönlichen Bemühungen des Reichskanzlers, darauf hinzielend, eine Einigung der Parteien zur Vereinfachung der spateren Verhandlungen herbeizuführen. Es darf in der nächsten Zeit eine Ent­scheidung darüber erhofft werden, ob die vom Reichskanzler angestrebte Einigung der Parteien erreicht wird. Uebcr die Punkte der Emigungsverhandlungen ist nichts bekannt. Die­selben werdon aber jedenfalls nicht ein materielles, sondern ein formelles Recht zum Gegenstand haben. Von anderer Seite wird uns folgendes gemeldet: Zwischen den streitenden Parteien ist eine Verständigung über die Festsetzung deS Gerichtes, das die endgiltige Entscheidung fällen soll, erfolgt, nachdem gestern der schaumburg-lippesche Minister Freiherr von Feilitzsch zu seinem Vorschläge die Zustimmung des Fürsten Georg erlangt hat. Die Regentschaft des Graf-Regenten wird als zu Recht bestehend an­erkannt und die Thronfolge frage soll von 2 Senaten des Reichsgerichtes ohne jedwede Mitwirkung einer fürstlichen Persönlichkeit entschieden werden.

Die Generaldiskussion über den Gesetzentwurf be­treffend die Erschwerung deS Vertragsbruchs der land­wirtschaftlichen Arbeiter in der Komissiou des preuß. Abgeordnetenhauses ergab die Geneigtheit der Mehrheit der Kommission, den Entwurf anzunehmen, wenngleich im Einzelnen noch Bedenken vorliegen.

lieber ein Lotterieeinvernehmen verhandelt Preußen, wie bekannt, nicht nur mit Hessen und Braun­schweig, sondern auch mit sämtlichen deutschen Lotterie- ftaaten; die Verhandlungen nehmen einen glatten Verlauf, wenn schon sich zur Zeit noch in keiner Weise absehen läßt, welche Bundesstaaten ihre Lotterien eingehen lassen beziehungs­weise einer Lotteriegemeinschaft beitreten werden.

Dresd en, 2. Nov. Die neue Festsetzung der Zivi l - liste des Königs, die dem nach dem Tode eines Königs einzuberufenden Landtage verfassungsmäßig vorzulegen ist, sollte ursprünglich in der Weise erfolgen, daß die für König Georg vor zwei Jahren bewilligte Zivilliste gefordert und zu ihr die bisherige kronprinzliche Apanage geschlagen werden sollte. Die Doppelforderung gedachte man mit der starken Familie des Königs zu begründen. Sie scheiterte aber bereits in ihrem Vorstadium an dem entschiedenen Ein­sprüche eines maßgebenden, der Regierung sehr nahestehenden Mitgliedes der zweiten sächsischen Kammer, jn dem betont wurde, daß in Anbetracht der Finanzlage und der Stimmung im Lande an eine Bewilligung dieser Forderung durch die Zweite Kammer nicht zu denken sei. Der Einspruch ist also, so schreibt dieDr. Ztg." nur auf die Einsicht zurückzuführen, daß es völlig unmöglich fein würde, eine derartige Forderung durchzudrucken, ohne auf den energischsten Widerspruch im Lande zu stoßen.

München, 2. Nov. Im Befinden des Prinz- rege nten ist eine wesentliche Besserung eingetreten; doch empfindet der Patient längeres Stehen beschwerlich. Er muß sich noch einige Zeit Schonung auferlegen. Der Prinz­regent ist heute abend von seinem Jagdausflug nach Hintersee hierher zurückgekehrt.

Schwerin, 2. Nov. Die heutige Versammlung der Konservativen im 2. mecklenburgischen Wahlkreise stellte ein­stimmig den Generalsekretär des deutschen Landwirtschaftsrats/ Privatdozent Dr. Da de -Berlin, als Kandldaten auf.

Kolonialpost.

lieber die deutsche Straf - Expediti on gegen die Eingeborenen von Neu-Pommern (Bismarck-Archipel), die eine Anzahl deutscher Missionare und Schwestern ermordet hatten, wird demMorning Leader" aus Sidney gefabelt: DaS deutsche Regierungs-FahrzeugSeestern* ist aus Neu-Pommern hier eingetrofien. Der Kapitän berichtet, daß die deutsche Straf-Expedition über siebzig an der Niedermetzelung der Missionare beteiligte Eingeborene erschossen und gegen zwölf Eingeborene gefangen genommen hat. Die Gefangenen wurden zum Tode verurteilt. DerSeestern" ließ eine bewaffnete Abteilung zurück, um die Bainmg-Berge abzustreifen und weitere Züchtigungen der Eingeborenen vorzunehmen. Unter den Getöteten befindet ich To Mana, der Anstifter der Itiedermetzelung der Missionare. ___________________________________________

Ausland.

Wien, 2. Nov. Kaiser Franz Joseph empfing heute nachmittag wiederum Staatssekretär Grafen v. Posadowsky in einer besonderen längeren Audienz, lieber seine Mission äußerte sich Graf Posadowsky im Gespräch mit einem Re­dakteur derZeit" folgendermaßen:Ich bin nach Wien gekommen, um mit möglichster Beschleunigung die Handels- vertrags-Verhandlungen zu betreiben. Wenn über­haupt, muß der Vertrag im Laufe dieses Monats zu Stande kommen. Wir müffen dies im Interesse des deutschen Handels und der deutschen Industrie wünschen, denn diese beiden Faktoren müssen über die künftige Gestaltung der handelspolitischen Verhältnisse möglichst bald orientiert werden, da sie für ihre Kalkulationen eine möglichst stabile Basis brauchen.

Belgrad, 2. Nov. Der vom mazedonischen Komitee zum Tode verurteilte Agitator der serbischen Propaganda in Mazedonien, Paligorits, wurde in Misch ermordet.

Tanger, 1. Nov. Die hier herrschenden Unruhen sind durch den Gouverneur Geddari veranlaßt worden, bei den Stamm Sahel vom rechten Ufer des Wadel Kus hinderte, nach dem Markt in Larasch zu kommen. Die Meldung vor der Beschießung des deutschen DampfersNord« fee" bestätigt sich, doch wurde niemand getroffen. Vize- fonful Meier hatte von dem Gouverneur Wachen für die gefährdeteNordsee" verlangt, erhielt diese aber erst nach fünf Stunden, nachdem das Schiff bereits beschossen war. Hätten die Sahelleute einen energischen Angriff unternommen, fo wäre dieNordsee" verloren gewesen. Der Gouverneur ist derselbe, der der Aufforderung des Vizekonsuls Meier, Gewehre zum Schutze des deutschen Konsulats zu liefern, nicht nachkam. Gegenwärtig herrscht in Larasch Ruhe, doch besteht bei der Unfähigkeit Geddaris keine Sicherheit für deren Dauer.

Newyork, 2. Nov. Große Sensation erregt die In» diskretion eines höheren Marine-Beamten, daß sämtliche vier Schlachtschiffe der Illinois-Klasse Konstruktions­fehler hätten. Die Batterie im Hinterturm sei ungenügend geschützt. Die ganze JllinoiS-Klaffe sei auf den Aussterbe- Etat gesetzt.

Ans §tfldt und Lüstd.

Gießen, den 3. November 1904.

Empfänge. S. K. H. der Großherzog empfingen am 2. November u. a. den Provinzialdirektor Dr. Breidert und den Professor Dr. Kossel von Gießen, und bet> Oberamtsrichter Steinberger von Hungen.

^Personalien. S. K. H. der Großherzog haben bei Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen, Hermann Sandmann, zum Oberlandesgerichtsrat bei dem Oberlandesgericht mit Wirkung vom 7. November b. I., beti Amtsgerichtsrat bei bem Amtsgericht Gießen, Karl Wiener, zum Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Ober­hessen und den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Bübingen. Dr. Julius Lehr, zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen ernannt.

'* Französische V ortr ä ge. Lektor Goetschy fünbigt uns für bieses Semester einen neuen Zyklus von Vorträgen an. Dieselben werben voraussichtlich Mittwochs ftattfinben, und ganz aktuelle Themata zum Gegenstand haben. Lektor Goetschy möchte nämlich über fünf der bedeutendsten französischen Dramatiker der Gegenwart sprechen und zwar über Br ieux, P. Hervieu, Mirbeau, Donnay und Maeterlinck. Näheres wird bald bekannt gegeben werden.

'* Verwundete russische Offiziere auf ber Durchreise. Gestern nachmittag mit bem Schnellzug 555 Uhr burchfuhren mittels eines Sanitätswagens aus Berlin eine größere Anzahl verwunbeter, russischer Offiziere, aus dem russisch-japanischen Kriege kommend, die hiesige Station, um sich nach Cannes (Frankreich) zur Erholung zu begeben.

** Der'erste theologische Ferienkurs zu Frank­furt a. M. in den Tagen vom 24/ bis 26. Oktober hat einen recht erfreulichen Verlauf genommen. 65 Pfarrer und Neligionskehrer nahmen daran Teil, 23 aus Hessen, 8 aus Nassau, 16 aus bem Bezirk Kassel, 18 aus Frankfurt a. M. Die Stimmung war vortrefflich, bie Vorträge höchst anregend, die DiSkchsion sehr lebhaft. Allgemein wurde der Wunsch ausgesprochen, baß dem ersten Kursus im nächsten Jahre ein zweiter folgen möge, der wahrscheinlich in Marburg abge­halten werden wirb.

* * Der nationalliberale unb freisinnige Verein halten erst am Dienstag kommender Woche ihre Generalversammlung ab.

* * Radfahrer und Automobil. Gestern abend colli- bierte am Kirchenplatz, Ecke Marktplatz, ein Radfahrer mit einem Automobil. Der Radfahrer blieb unverletzt, aber das Fahr­rad wurde stark beschädigt. Der Autofahrer soll unterlassen haben, Signal zu geben und dadurch den Zusammenstoß herbeigeführt haben.

* * Streitigkeiten. Gestern abend gegen 8 Uhr ge­rieten in einem Hause der Dammstraße mehrere Personen in Wortwechsel, in dessen Verlaus es einige Schläge absetzte. Drei Personen au5 einem anderen Stadtviertel, welche em Haus auf Aufforderung des Hausbesitzers nicht verließen^ werden demnächst wegen Hausfriedensbruchs sich zu üc> antworten haben.

8. Wetzlar, 2. Nov. Die Handelskammer füi den Kreis Wetzlar hat iu der am 31. Oktober statt-