Ausgabe 
3.8.1904 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Im Osten imb Süden ist die Umschließung WaterbergS bnrtb unsere Truppen bereite eine sehr enge. In Otjahewita (Nordosten) ftebt Major v. Estorff nur noch 35 Km. Lust- hmc entfernt von Walerberg. Ombujo-Wakune, wo Major v. b. Hevde sich befindet, liegt etwa 28 Km. Luftlinie süd­östlich von Waterberg ab und bereit-8 einige Kilometer nörd­lich vom Onnirambofluß. Die Abteilung des Oberstleutnants Müller ist in Crindi-Ongoabere im Süden ebenfalls schon bis zu etwa 36 Km. Luftlinie an Waterberg anmarschiert. Mit dieser Abteilung ist, wie eS scheint, jetzt die bisher von Major v. Glasenapp geführte Abteilung verschmolzen, die be- reitL am 11. Juli in Otjurutjondou (einige Kilometer östlich oon G*nnbT*Cngoobcre) angelangt war.

(Ariü und Lund.

Gießen, den 3. August 1904.

Don der Eisenbahn. Der Eisenbahnminister hat vor einiger Zeit an die Eisenbahndirektionen eine Verfügung erlassen, worin die Eisenbahndirektionen ausgesordert werden, darüber zu berichten, aus welche Weise den Bedürfnissen des Verkehrs insbesondere auf Nebeneisenbahnen bester und mit möglichst geringen Kosten entsvrochen werden könne durch eventuelle Verwendung von Motorwagen oder leichteren lediglich dem Personenverkehr (mit beschränkter Klasten- zahl) bienenden Zug en. Die Eisenbahndirektionen sollen insbesondere prüfen, ob und auf welchen Strecken ihres Be- zrrkeS die Verrvcndung von Motonvagen oder die Einlegung besonderer Züge in Frage kommt, wobei nicht nur dem Schul- und Arbeiterverkehr zn gewisten Tagesstunden, sondern haupt­sächlich der Ausfüllung von Lücken im jetzigen Fahrplan Rechnung zu tragen ist. Ferner sollen die Verbesserung der Anschlüffe von und nach den durchgehenden oder benachbarten Hauptbahnen, sowie Verkehrserleichterungen zwischen den Heineren Gemeinden und den zugehörigen politischen oder wirtschaftlichen Hauptorten berücksichtigt werden. Die Eisen­bahndirektionen sind angewiesen, m ihren Berichten gleichzeitig über die voraussichtlich praktischste Gestaltung deS neuen Be- triebes hinsichtlich Art und Anzahl der Züge, ihrer Zusammen- seyung (Klaffen, Frauen-, Nichtraucherabteile), der Beförderung von Gepäck, der etwa notwendigen Mitführung von Anhänge- wagen u. s. w. sich zu äußern. Sache der Gemeinden wird es nun sein, bei dem Minister ihre Wünsche zum Ausdruck zu bringen.

* Zum Jugendfest. Es wirb uns mitgeteilt, baß nicht nur im Philosophenwalb eine von der frtiro. SanitätS- Kolcmne gestellte SanitätSwache in einem Zimmer ber Leib- schen Wirtschaft eingerichtet ist, sondern auch eine Sektion ber Kolonne den Zug begleiten wird. Den Eltern schwächlicher Kinder und solche im 1. und 2. Schuljahre wirb wiederholt empfohlen, sich in ber Nähe des ZugeS ober ber Spielpltze aus­zuhalten, um sich der Kinder bei etwaiger HilfSbebürftigkeit sofort annehmen zu kömren. Während des Festes wird der Ommbusbetried nach und von dem Bahnhof von nachmittags 1 Vs Uhr ab ganz eingestellt; wie uns wester mitgeteilt wird, sind auch verschiedene Milchverkaufsstellen sowie ein Casö mit Konditorei vorgesehen.

** Konkursaushebung. Dem Antrag des Konkurs­verwalters der Firma H. C. Werner, .über das Vermögen des Geschäftsführers Peter Kronenberg den Konkurs zu ver­hängen^, ist seitens deS Landgerichts nicht stattgegeben, er ist vielmehr abgewiesen worden. Die Kosten fallen dem An­tragsteller zur Last.

** Bauernregeln für den Monat August. Ter Monat August muß Hitze haben, sonst wird der Fichte Zahl und Güte begraben. Nordwind im August will san, daß gut Wetter halt nodi an. Jst"s hell am St. Lau- rcntüi5tag (10.), viel Früchte man sich versprechen mag. Gewitter an Bartholomä (24. , bringen bald Hagel und Schnee. Morgens lauter Finkenschlag, kündet Regen für den Tag. Ter Tau ist für den August so not, als jebennarm das täglich Brot. Wenn's im August stark taut, so bleibt das Wetter traut. Um die Zett von Augustin (28.), zieh'n die warmen Tage hin. Schlechten Dein gibt's Heuer, wenn St. Lorenz ist ohne Feuer. Was die Hundstage gießen, muß die Traube büßen. Je dicker ber Regen tm August, desto dünner wird der Must. Sonne, scheine im August, daß du uns den Wein möchst braten; Mond und Sterne, schaut drauf mit Lust, daß er möge wohl geraten. Blaset im August ber Nord, dauert gsttes Detter fort. Stellen sich im Anfang Gewitter ein,, wird es bis zu End' so fein. Hitze um St.Dv vtinikus C5.\ ein strenger Winter kommen muß. Um ext Laurentius <10. Sonnenschein, bedeutet gutes Jahr mit Wein. Wie d-as Detter an Eassian (.), hält es mehrere Tage an. Hat unsere Frau gut Detter, wenn fie zum Himmel fährt (15.), gewiß sie uns allen bann mei guten Wein beschert. Mariä Himmelfahrt Sonnen- schem, bringt uns stets guten Wein. Die Bartholomäus- tag sich halt, so ist ber ganze Herbst bestellt. - Höhen, raud) un ^ommer, ist ber Winter fern frommer. Freundlicher Barthel und Lorenz, machen ben Herbst zum Lenz. £oren$ muß heiß sein, soll guter Wein fein. A>m zuiguft viel Regen, ist dem Wein fein Segen. Mutter yiariä., die schmerzensreiche, im Sonnenschein gen Hirn- El steige, bann können bei trefflichem Dein die Men­schen sich trefflich erfreut. Geht bet Fisch nicht an die Angel, ist an Regen bald fern Mangel. Was im Herbst soll geraten, das muß im August Erraten. Sind St. 2oren^ unb Barthel schön, ist guter Herbst vorauszuseh'n. - Schon Wetter zu Matra Himmelfahrt, verkündet Wein von bester An. Bringt Rosamunde Sturmeswind so ist Svbille uns gelind. - Wenn großblumig wir viele Disteln erblicken, will Gott einen guten Herbst uns schicken

** Posaunenchor in Klein-Linden. Ter Bericht übet bas Bosaunenfest zu Klein-Linden erwähnt u a daß Pfarrer Weber getagt habe, Pfr. Münch von Nauheim' babf- bte Melodien zu ben alten Glaubensliedern, die der Dbenmälher Pfarrer Tr Haupt 1851 herauAab, somponiett. Tas^stech Irrtum des Berichterstatters Münch veröfsenklichte 1849 und 1852 eine Anzahl alter Glaubenslieder mit ihren ursprünglichen 7-hrl-nncken M-lodicn, naä wplchcn man nun in örTnntpn ltr-nen, m Bibel und Missionsstunden die Lieder des Haupt

' L rn$ fang. Beide Männer sind jo die Bahnbr -qunq nennen, die 1880 tm < -

r hessischen Landeskirch in jo mr gtlturr Wesse ihren AbscUuß fanb.

'() UN a , 2 Äug. Gestern gingen hier verschiedene recht sch - Gewitter nieder Tnbei ftrlug ber Bich in du- " : 'I für ?, r vrn hin nach Nidda führt, zersvlittertk zn> i

:~ r. ba- bi.- bew n Porzellan-.lsolatoreu tveithin flogen, sieb n der Trahtleitung weiter und schmolz in dem r ~ b*5 Fttnspreck^poarates einen starken Mejsuut-

«ü in klemm Kügelchen.

0 Friedberg, ,2. Äug. Ein Wohltätigkeit-fest null die Studenteusäxrst ber Otewerbe-Akademie nädyftvn Sonntag im pssenhisimer Wäldchen abhalten. Der Uebcrschuß des Festes soll für Wei Im a chtsgesclxm ke der Zöglinge brr Taubstummen- und Blinden -ErziehungSanstalt verwendet tverden.

R B. Darmstadt »2. Aug. Der Auß'nthalt der Prin zessin Ludwig von Battenberg mit Familie in Jagd­schloß WolfSgatten dürfte zunächst nur ca. 8 Tage dauern, als­dann erfolgt die Ikbcrfifbehinq nach Sckstoß .Heiligenberg, wohin auch Prim und Prinzeffiu Andreas von Grieckxnland folgen werden. Der Großherzog beabsichtigt, sich später noch zum Besuch deS Prinzen und der Prinzessin Heinrich nach Kiel, resp. Hemmelmark zu begeben, möglicherweise wird der LandeSl»err auch nod) einige der letzten diesjährigen Wagneranfführungen in Baureutb besuchen. Die Eröffnung der nächsten Saison unseres H o f t h e a t e r s in dem provisorisch hergerichteten Hof- lHeater erfolgt voraussichtlich am 8. September.

Darmstad t, 2. Aug. Geh. Kirchen rat Dr. Köstlin hier, ber in Kürze nach Eanstatt übersiedelt, wurde gestern laut »D. Z." durch drei Dekane der Provinz Starken­burg eine künstlerisch außgeführte Adreffe überreicht, worin e5 u. a. heißt: ^Die evangelischen Gemeinden der Provinz Starkenburg haben die ehrerbietigst unterzeichneten Dekane beauftragt, Ihnen, hochverehrter Herr Geheimer Kirchenrat, vor Ihrem Scheiden aus dem Heffenlande ihre Liebe und Dankbarkeit durch die Ueberreichung dieser Adresse zum 2luS- dnick zu bringen. Cie haben nahezu 8 Jahre als Pro­fessor deS Predigersemina rS in Friedberg mit voller Hingebung an der Vorbereitung der hessischen Pfarr­amtskandidaten für das geistliche Amt mitgearbeitet. Zeitlich kurzer bemessen, aber nicht minder groß sind die Dienste, welche Sie unserer evangelischen Kirche alß Dberkonsiftorialrat und Superintendent der Superintendenttir Darmstadt leisteten. Wir gedenken ferner Ihrer langjährigen, hingebenden und aufopfernden Wirksamkeit als Professor der praktischen Theologie in Gieben, der großen Liebe, in welcher die ganze akademische theologische Jugend Ihnen anhing, und finden es nur begreiflich, daß Sie sich durch Ihre gesamte vielseitige Tätigkeit die Verehrung der Geistlichkeit unseres ganzen Vaterlandes in einzigartigem Maße erworben haben. Wir schließen mit dem herzlichen Danke für Ihre letzte, kostbare, Ihre Tätigkeit im Heffen­lande krönende Gabe, das neue Kirchenbuch, welches Sie noch m Ihrem wohlverdienten Ruhestande mit so vieler Hin­gebung auszuarbeiten die Güte hatten, und wünschen Ihnen für Ihren ferneren LebenSgang GotteS reichen Segen. In Liebe, Verehrung und Dankbarkeir verharren Tie Geistlichen der Provinz Starkenburg mit ihren Dekanen.

Frankfurt, 2. Aug. In der Sitzung ber Stadt­verordneten vom 12. Juli war über den Bericht des ge mischten Ausschusses über die Ausgestaltung der medizinischen Anstalten Frankfurts beraten worden. Für Erweiterungsbauten des städtischen Kranken­hauses und für Neubauten medizinischer Institute werden 5 352 000 Mk gefordert, von denen die Stadt 3752000 Mk ausbringen soll, wahrerrd der Rest von Stiftungen bc stritten wird. In der heutigen Stadtverordneten- sitzung protestierte Stadtv. Disbach äuf da? Entschie- beulte dagegen, daß man heute, weil man im Dezember 1902 2i/< Millionen bewilligt habe, genötigt fei, daS Doppelte zu genehmigen. Wenn aber U/< Millionen wie eS tat sächlich der Fall sei gefordert würden, so seien die Stadtverordneten in der Lage, ihre damaligen Beschlüsse umzustoßen oder zu modifizieren. Er stellt den Anttag, den Bericht an den gemischten Ausschuß zur Vorberatting der Ausgestaltung der medizinischen Anstalten mit ber Auf- sorderung zurüctzuverweisen, ihn einer erneuten Prüfung zu unterziehen, und dafür zu forgen, daß der städtische Zuschuß möglichst im Rahmen der Beschlüsse vom Jahr 1902 gehalten wird Dieser Anttag imb ein Zusatzanttag von Dr. S,uarck wurde angenommen. Ter Anttag Quarck lautet: Ter Ausschuß soll ziffernmäßige Angaben vor- legen: 1. lieber die Belegung ber Betten im städtischen Krankenhause in den letzten 5 Jahren; 2 über die Betten

rHospital 8 und deS Hl ili 1

über den Umbau des letzteren; 3 über daS Wachstum : Verhältnis zu ben bisherigen Betten im KrawkenhauS; 4. über die der Stadt aus dem Umbau des Krankenhauses erwachsenden Kosten. 5. über die wahr­scheinlichen Verwaltungskosten der Akademie.

Frankfurt, 2. Aug. Bei den hiesigen Labenbesitzern werden gegenwärtig Unterschriften für ben Achtuhrladen- chluß gesammelt. Hoffentlich, so schreibt die ^Kl. Pr.^, ge­lingt eS, die Zustimmung von zwei Dritteln aller Ladenin- haber zu erlangen, damit ebenso wie in Berlin imb Hannover ber frühere Geschäftsschluß zur Einfühnmg kommt. DaS LanbgerichtSurteil, baS ben Labenbesitzern baS Recht zuspricht, ihre Angestellten jeben Sonntag zu beschäftigen, wirb zwar burch Berufung angefochten, immerhin befassen sich bie be­teiligten Kreise bereits mit bem Ortsstatut über bie Sonn­tagsruhe, das geändert werden muß, wenn das Oberlandes­gericht daS Urteil bestätigt. Der Magistrat soll in der heu­tigen Stadtverordneten-Versammlung wegen der Sache inter­veniert werden. Die vereinigten hiesigen kaufmännischen Vereine haben sofort Schritte eingeleitet, um in der Oeffent- lichkeit die Angelegenheit zu klären und nunmehr die völlige Sonntagsruhe für alle Branchen und ohne Ausnahme her­beizuführen.

Dcrmi|d)tc>«

* Aachen, 2. Aug. In bet hiesigen städtischen A rmenkasse wurde ein Defizit von 85000 Mark aufgedeckt, daS der Rendant durch falsche Buchungen bisher verschleiert hat.

Essen a. d. Ruhr, 2. Aug. In der Gemeinde Harpen ist eine Ruhrepidemie auSgebrochen. Bisher sind behörd­lich 70 Erkrankungen gemeldet worden.

*TaS Korsett iu der Mädchenschule. Der Schul­arzt Tr. Flachs zu Dresden hat über das Korsett in ber Mädchenschule Erhebungen cmgestellt. Rach seinen Feststellungen trugen in den untersuchten höheren Klassen der TreSdener ^olks- und ber einfachen Bürgerschulen 8, 14 und 23 üotA hundert ber Kinder Korsette, in drei oberen Klassen der höheren Töchterschule jedoch 70, 69 und 60 vom Hundert. Ter genannte Schularzt beansprucht für bie Schule daS Recht, zum mindesten wahrend der Turnstunde das Korsett zu verbieten. Im übrigen erwartet er eine Besserung .von dem guten Beispiel der Lehre­rinnen und ausreichender Belelwung ber Kinber und Eltern über 'törperpile ie und Hvgiene. ,Tie beste Hilfe ist im Hause zu suchen; rrtr gegen daS iforsett der Särulmädchcn kämpsl, muß bn den Müttern anfangen.

«Herichtssaal.

(tb.) Gießen, 2. Aug. Anfangs April erhielt der Schreiner­meister Beil l>icr eine mit dem Namen eines Einwohners von Ml ei n Linden unterzeiämele Postkarte, worin dieser ihm für sein angeblich in der neuen Klinik gestorbenes Dienstmädchen einen Sarg binnen einiger Stunden zu liefern bestellte. B. machte sich trotz der knappen Lieferfrist mit seinen Gesellen ans 2Bcrf und zur bestimmten Zeit hielt d?r Wagen mit dem fertigen Sarge in der Klinikstraße In der neuen foivoiyi wie in ber alten Klinik erfuhr man jedoch, baß dort niemand gestorben war, und eS stellte sich heraus, daß B. mit der Bestellung mystifiziert wor^ den war. Am selben Tape begegnete B. einem Kollegen, dem er von dem Vorfall Mitteilung machte, worauf dieser unter Vorzeigung einer Postkarte erzählte, daß er ebenfalls darauf bereingefallen wäre, wenn er nicht, ehe er zur Lieferung schritt, bei dem angeblichen Besteller sich erst erkundigt und erfahren hätte, daß dort niemanb in ber Familie gestorben sei. Der Verdacht, bie Bestellkarte an B. geschrieben zu haben, lenkte sich auf b;n Glasermeister Sch., welcher kurz vorher ein Sargmagazin etabliert batte, und eine Handschriften-Bergleichung bestärkte, diesen Verdacht, ber zur Gewißheit würbe, als bie Staatsanwalt« fchaft Gelegenheit bekam, sich mit der Sack-e zu befassen. Ter Kartenschreiber stand nun in der vergangenen Woche wegen Urkundenfälschung vor der Strafkammer, und ob­gleich der Sckireibsachoerständige Landgerichts-Sekretär Pähler- Franssurt a. M. mit Sicherheit erklärte, nur der Angeklagte und niemand anders habe bie Vestrllkarte geschrieben, bestritt dieser die Tätersäast mit aller Bestimmtheit und behauptete, daß der am Vormittag in b?rAuferstehung" tagende Stammtisch die Karte abgesandt habe oder wenigstens darum wisse. Der Gericht,^ Hof beschloß, jbü ihm vom Angeklagten genannten Personen, sieben an der Zahl, als Zeugen zu hören und vertagte daher die Ver­handlung. Heute vormittag fanb bie weitere Verhanblung statt Die Zeugen crllärtcn einer nach bem andern unter Eid, weder zu wiss7n wer die Karte verfaßt habe, noch sie etwa selbst ge­schrieben zu haben, woraus b*r Angeklagte wegen Urkundenfälsch­ung zu einer Gefängnisstrafe von drei Wochen verurteilt wurde. In der Begründung des Urteils wurde ausgeführt, baß der Angellagte in recht frivoler Weise gehandelt habe. Ter Angeklagte fei erst kürzlich wegen Beleidigung eines anderen Glasermeisters verurteilt worden. Es habe sich in jener Sache darum gehandelt, daß er auf die Wand des Aborts einer Wirt­schaft jüne üble Nachrede gegen seinen Konkurrenten schrieb. Diese Tatsache in Verbindung mit der Erklärung des Schreib- )adti)erftänbigen. dessen Ansicht über ben Schreiber der Bestell­karte der Gerichtshof teile, habe diesen von ber Schuld des An­geklagten überzeugt.

Kunst und Wissenschaft.

Eine komische Oper in Berlin. Wenn nicht alle An;eiäen trügen, soll nun doch ,,nach langem Mangel" Berlin endlich, endlich in den Besitz ber so lange und inständig ersehnten kornisclx'n Oper gelangen. Und zwar soll das Heil aus Elber­feld kommen. Dort wirkt seit einigen Jahren Theaterdirektor HanS Gregor, der sich an dieser Stelle durch planmäßige und intelligente Pflege ber Oper vorteilhaft hervorgetan hat, und dieser rührige Direktor will in der Friedrichstraße an der Weidendammer Brücke auf einem ber Firma Lachmann und Zand.r gehörigen Grundstück ein Theater erbauen, das ber komischen Crer gewidmet sein und bereits am 1. .Oktober 1905 eröffnet werden soll. Der neue Direktor ist in Berlin nicht unbekannt. 1866 in Dresden geboren, von Heinrich Oberländer zum Säouspieler auSgebiidet, .hat Gregor in ber ersten Hälfte der 1890 er Jahre dem Berliner und Deutschen Theater angehört, ist aber früh unter die Direktoren gegangen. Er hat von Saint SäensPhrvne" undTas Zauberglöckchen" ht Deutschland eingeführt, hat PfitznersRose vom Liebesgarten" auS der Taufe gehoben hat Mozart-, Lortzing- und Wagner-Zyklen ver­anstaltet und sich überhaupt als ein Mann von Jnittative er­wiesen.

Stuttgarts. Aug. LautSchwöb. Merknrt" ist Professor Dr. Gustav S^i x t, Vorstand der Kgl. Münz- und Medaillen­sammlung in Stuttgart und Professor am oberen KarlSgymna- fium dortielbst, heute in Freudenstadt gestorben.

Internationale Ballonfahrt. Am Donners^ tag ben 4 August, findet in den Morgenstimben eine internatio­nale wissenschaftliche Ballonfahrt statt. Es steigen Drachen, be­mannte und unbemannte Ballons, auf, jn Crinan, Harbourg, Travpes, Ftteville, PariS, Guadolajara, Bem, .Zürich, Straß­burg München, .Barmen. Hamburg, Berlin, Wien, Petersburg, Nasan, Torbino, Blue Hill, 11. A., auf dem Atlantischen

C tcan usw. Der Finder eines jeden imbemannten Ballons er­hält fine Belohnung, lvenn er der jedem Ballon beigegebenen Instruktion gemäß den Ballon und die Instrumente sorgfältig birgt und an die angegebene Adresse sofort telegraphisch Nach­richt sendet.

Arbeiterbewegung.

Wien, 3. Aug. Heute nachmittag ist -wischen ben Fuhr­werks unter nehmern und den Vertretern der ausstandigev Kutscher eine Einigung zu Stande gekommen.

Kandel und Verkehr. Ualkswittschast.

Berliner Börse vom S. Angust 1904.

(Mitgeteilt von der Bank für Handel und :Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 21/, Prozent.

Ansangs- n. Schlußkurse.

Ceft. Kredit .

. . 201.00

200.00

Deutsche Bank

. . 218.70

218.50

Darmstädter Bank

. . 137.10

137.12

Bochumer Guß .

. . 207.10

206.87

Harpener Bergbau

. . 211.25

211.50

Tendenz

: Ziemlich fest.

Butzbach, 2. Aug. Die hiesige Bürgermeisterei brinat zur Kenntnis der die hiesigen Schwcinemärttc besuchenden Schweinezüchter und -Händler aus den preußischen Nachbarkreifen, daß nach dem Minifterialausschreiben vom 17. Juni d. Is. und der kreisamtlichen Bekanntmachung vom 13. Juli d I., Personen, die ins Grvßherzogtum eingeführte Schweine zum Zwecke des Verkaufs oder in Erfüllung eures Ueberlieserungsvertrags transportieren oder transportieren lassen, mit einem kreistierärztlichen Zeugnis versehen sein müssen, durch das ber Nachweis erbracht wird, baß die Schweine direkt und ohne Zwischenhandel aus unverseuchten Gehöften und Orten stammen. (B. Ztg.)

Wetter

8

s

Höch

2.

2.

3.

C

Bew. Hiurmel

Sonnenschein

S*

916

August 1904.

5$ 5

CD

35,7»C.

17,0 * C.

te Temperatur am 2. August Niedrigste , 2.

Meteorologische Beobachtungen der Station testen.

751,2

24,6

13,9

60

Still

752,5

19,2

13.4

81

N.

1

754,5

18,0

12,6

88

1

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.

VorauSstchtliche Witterung in Hessen für Donnerstag ben 4. August: Fortdauernd heiter, trocken und sehr heiß.

Näheres durch btc Gießener SBctiedaue.