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3.6.1904 Erstes Blatt
 
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1. Sonntag

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Hofe, solchen

bruchSwerkzeuge bei ihm hatte er keine im Besitz. Löhr, von der hiesigen Strafkammer strafe verurteilt wurde, ist erst der Strafe entlassen worden.

vor, gestohlene Gegenstände der erst vor ein paar Jahren zu einer höheren Zuchthaus- vor kurzem nach Verbüßung Er ist ein sehr gefährlicher

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Menschen gegenüber bewußt waren, zogen sie sofort blank, während der eine Schutzmann einen geladenen Revolver auf die Brust des Einbrechers gerichtet hielt. Dieser wollte sich zuerst zur Wehre setzen, als er aber den Revolver sah, ergab er sich. Er wurde sofort gefesselt und auf den 4. Polizeibezirk gebracht. Hier wurde der Ein­brecher als der 27jährige Anstreicher Karl Löhr von hier erkannt. Bei der Visitation fanden sich eine Menge Ein-

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Mensch, dafür sprechen seine vielen Vorstrafen. Den letzten Einbruch verübte er in einer Mansarde in einem Hause der Flachsmarktstraße. Damals wurde er einige Tage nach dem Einbruch durch Schutzleute des 1. Polizeibezirks festgenommcn und leistete energischen Widerstand. Die oben genannte Strafe erhielt er wegen dieses Einbruches. Man vermutet, daß L. auch die letzten bis jetzt noch nicht aufgeklärten Einbrüche, die hier verübt wurden, ausgeführt hat, da er nur gelegentlich arbeitete und die übrige Zeit sich hier hermntrieb. Mit der

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 3. Juni 1904.

* Personalien. S. Königl. Hoh. der Großherzog haben dem Vorsitzenden der Literarischen Sachverständigen- Kammer für Württemberg, Baden und Hessen, ordentlichen Professor Dr. von Franklin in Tübingen das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen ver­liehen. Durch Entschließung des Großh. Ministeriums des Innern wurde der Regierungsassessor Rudolf Schäfer in Friedberg mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Kreisamtmanns bei dem Großh. Kreisamt Lauterbach be­auftragt.

Gastspiel der gesam ten Op erette desGroßh. Kurtheaters Bad-Nauheim. Direktor Steingoetter teilt uns mit, daß am Dienstag, den 7. Juni, wie schon be­kannt gegeben wurde, als erste Operette Millöckers beliebter Bettelstudent" in Szene geht. Diese Vorstellung findet außer Abonnement statt und es wird von dem Besuche dieser ersten Vorstellung abhängen, ob ein Abonnement auf 6 Vor­stellungen aufgelegt werden kann. Die Preise der Plätze für die Dienstagsvorstellung betragen sowohl im Vorverkauf bei Herrn Ernst Challier wie an der Abendkasse für Loge Mk. 3, Sperrsitz Mk. 2.50, 1. Parquet Mk. 2, 2. Parquet Mk. 1.50, Estrade Mk. 1.25, Gallerie Mk. 0.50. Für das geplante Abonnement von 6 Vorstellungen sind folgende Preise vorgesehen: Für Theatervereinsmitglieder Loge Mk. 13.80, Sperrsitz Mk. 11, 1. Packet Mk. 8.25, 2. Parket 6.90; für Nichtmitglieder: Loge Mk. 15, Sperrsitz Mk. 12, 1. Parket Mk. 9, 2. Parquet Mk. 7.50. Es liegt von heute ab bei Herrn Challier eine Liste zur Einzeichnung auf Abonnements aus. Als Spieltage sind die Dienstage vorgesehen und folgende Operetten in Aussicht genommen, wobei etwaige Aenderungen vorbehalten sind:Mikado", Fledermaus",Puppe",Chansonette",Nanon",Zigeuner­baron". Hoffen wir, daß unser im Winter so beliebt ge­wordenes Stadttheater so großen Zuspruch konstatiert, daß es die Abonnementsvorstellungen einrichten kann.

* Bezirks-Eisenbahnrat Frankfurt a. M. In oer am 26. Mai in Mainz stattgehabien Sitzung des Bezirks- Eisenbahnrats für die Direktionen Frankfuck a. M., Mainz und Kassel kam u. a. auch ein Antrag des Herrn Macco- Siegen zur Verhandlung, dem Morgen-Schnellzug Frankfurt a. M. Gießen Betzdorf Köln, bezw. Hagen wieder die alte Lage zu geben, so daß er von Gießen um 10.04 vormittags abfährt. Die für den Sommer-Fahr- plan vorgenommene Früherlegung ist wesentlich mit Rücksicht auf den Badeverkehr nach der Nordsee erfolgt, entspricht aber auch in hohem Maße den Verkehrsinteressen der hiesigen Gegend, da man jetzt früher nach Köln gelangt als seither. Insbesondere hat er bei der jetzigen Fahrzeit (Gießen ab 8.22 vormittags) 'Anschluß an die oberhessische Linie FuldaGießen. Es ist daher zu begrüßen, daß die Vertretung der Eisenbahnverwaltung erklärt hat, die jetzige

drangen die Beamten in das Haus ein. Die beiden Schutzleute entdeckten nun den Einbrecher im und da sie sich der Gefährlichkeit einem

Vermischtes.

* Einen furchtbaren Tod im Kampfe mit einem Löwen fand in Somaliland der englische Major Ewing. Der Major hatte gehört, daß ein Mann und ein Pony von einem Löwen getötet worden waren, und ging ins Feld, um auf das Raubtier Jagd zu machen. Er folgte mit einem andern Offizier der Fährte des Löwen, als dieser plötzlich aus einem Gras- und Dornendickicht hervorkam und nur ungefähr 20 Meter entfernt vor ihnen stand. Ter den Major begleitende Offizier feuerte, verwundete das Tier aber nur, das jetzt gerade auf die beiden losging. Diese versuchten, dem Anfprung des Löwen seitwärts auszuweichen, Major Ewing verwickelte sich jedoch mit dem Fuß im Grase und fiel hin, wobei er sein Gewehr verlor. Im nächsten Augenblick stand der Löwe über ihm, riß ihm mit einem Schlage die Schenkel auf und zerfleischte ihn furchtbar. Ter Begleiter des Majors feuerte mehrere Schüsse auf den Löwen ab, den er aber erst mit dem vierten Treffer tötete, jedoch zu spät, um den Major zu retten, der fünf Stunden später unter furchtbaren Schmerzen starb.

* Ein falscher Regierungsbaumeister. Eine Aufsehen erregende Betrugsaffaire bildet gegenwärtig in Neu­strelitz das Tagesgespräch. Der dort von der Regierung und dem Magistrat beschäftigte Regierungsbaumeister Rietz ist plötz­lich seines Amtes enthoben worden unter der gleichzeitigen Auf­forderung, die Stadt binnen 24 Stunden zu verlassen, widrigen­falls seine Verhaftung erfolgen werde. Tatsächlich ist denn auch der Herr Negierungsbaumeister sofort abgereist und hat sich angeblich nach Berlin begeben. Rietz, der behauptet, könig­lich preußischer Negierungsbaumeister zu sein, und der nach ein­jährigem Probedienst Anfangs dieses Jahres von der bockigen Regierung und dem Magistrat zu gemeinsamer Beschäftigung als großherzoglicher Baumeister angestellt wurde, hat keine diesen Aemtern entsprechende Vorbildung gehabt. Es verlautet, daß es ihm. gelungen ist, auf Grund von Kenntnissen, die aus dem Nachlasse eines verstorbenen Vetters herrühren sollen, die maßgebenden Stellen zu täuschen. Die im Auftrage der groß­herzoglichen Staatsanwaltschaft seitens der Polizei veranlaßten weiteren Nachforschungen haben nun ergeben, daß die von Rietz seinerzeit bei seiner Anstellung vorgelegten Papiere gefälscht find. Von anderer Seite wird demB. T." geschckeben: Rietz wurde von der Stadt angestellt und von der Regierung bestätigt, trotzdem schon bald nach seinem Kommen und während seines Probedienstjahres von den verschiedensten Seiten Zweifel laut wurden, ob er wirklich preußischer Regierungsbaumeister wäre. Er hatte u. a. auch behauptet, daß er die rechte Hand Wallots bei dem Reichstagsbau gewesen wäre, und daß der Entwurf des Kuppelbaues von ihm herrühre. Gesellschaftlich hat er sich bald unmöglich gemacht: die Besitzer mehrerer Hotels und Restau­rants hatten sich seinen Besuch verbeten. Trotzdem geling es ihm, sich mit der sehr jugendlichen und anmutigen Tochter eines Senators, Mitglieds des Neustrelitzer Magistrats, zu verloben. Es verlautet, daß Rietz bereits in Berlin gefaßt und ins Strelitzer Amtsgericht eingeliefert worden sei.

Das Hebregister ^^"uugßjahr °er Bürgermeisterei - heiligten offen. Es Kenntnis gebracht, da d-s Art. 96 der Stad ^'samt Gießen vor Reklamationen keine 5

Gleichzeitig wird durch Großher untevm 28. Mai S ®on Reklamationen , ächtet sind, "eiche gegen die Be t W ^richtet sii

Netzen, den 3., Großherzr

Direktor der Deutschen Schule in Konstantinopel und dreier anderer Direktoren deutscher Schulen im Auslande zur Teilnahme an der Konferenz der Direktoren von deutschen Schulen im Auslande, die am 6. und 7. September in Berlin stattfinden soll. Dabei wird hervorgehoben, daß an der Konferenz Vertreter des Auswärtigen Amts und anderer Behörden teilnehmen würden. Demgegenüber sind wir zu der Mitheilung ermächtigt, daß die Angelegenheit von den Unterzeichneten des Aufrufes ohne jede Fühlung mit dem Auswärtigen Amt oder einer anderen Behörde in die Wege geleitet wurde.

Dresden, 2. Juni. König Georg von Sachsen wird sich morgen früh von Dresden nach Bad Ems be­geben, um dock dreiwöchigen Kuraufenthalt zu nehmen.

Straßburg, 2. Juni. Bei der heutigen Reichs­tags-Stichwahl für Straßburg-Land erhielt Rechtsanwalt Blumenthal (Demokrat) 9385, Redakteur Hauß (elsäß. Landespackei) 8624 Stimmen. Ersterer ist somit gewählt.

Auf Grund des § 2 des Preßgesetzes für Elsaß- Lothringen wurde die Verbreitung der Pariser Zeitung Matin" in Elsaß-Lothringen verboten.

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Ausland.

Paris, 2. Juni. DerTemps" will wissen, daß König Alfons von Spanien sich mit der Prin­zessin Viktoria von Connaught verlobt habe. Die anglikanische Prinzessin trete zum Katholizismus über.

Lissabon, 2. Juni. Nach amtlicher Bekanntgabe (ft heute ein Art. 19 der Haager Konvention ent­sprechender Schiedsvertrag zwischen Portugal und Spanien unterzeichnet worden.

Rom, 2. Juni. Der schwedische Geschäftsträger über­reichte dem König Viktor Emanuel ein eigenhändiges Hand­schreiben des Königs von Schweden, worin dieser mitteilt, daß er Rom im Laufe des April nächsten Jahres besuchen werde.

Der Kultusminister unterbreitete gestern der Kam - me r einen Gesetzentwurf betreffend Erhöhung des Gehalts der Priester von 900 auf 1000 Lire. Trotz­dem sich die Sozialisten diesem Gesetzentwurf energisch widersetzen, so glaubt man doch, daß der Entwurf mit Ma­jorität angenommen wird.

Nordenham, 2. Juni. Gestern abtznd um 9 Uhr wurde, wie gemeldet wird, die Legung der Newyork-Ätzoren- strecke des von den Norddeutschen Seekabelwerken in Norden­ham hergestellten zweiten atlantischen Kabels durch ihre DampferDr. Stephan" undPodbielski" beendet.Tr. Stephan" splißte am 11. Mai in der Nähe von Newyork an die 1903 vonPodbielski" verlegte Küstenstrecke an und legte in kaum 14 Tagen ohne Unterbrechung ca. 3750 Kilo­meter im Gewicht von rund 4000 Tonnen mit der bedeuten­den Geschwindigkeit von 13 bis 16 Kilometer in der Stunde bei einer durchschnittlichen Meerestiefe von 4550 Meter aus. Die größte bisher erreichte Tiefe betrug 6530 Meter. Podbielski", welcher 495 Kilometer Kabel im Gewicht von 900 Tonnen an Bord hatte, konnte das Küstenkabel bei Horta infolge schlechten Wetters erst am 29. Mai verlegen. Die Auslegung des Restkabels erfolgte am Schlüsse hier.

Washington, 1. Juni. Die Staatseinnahmen im Mai betrugen 41688060 Doll. Die Ausgaben 96 412000 Dollars. Die Staatsschuld hat im vergangenen Monat um 56 447 577 Doll, zugenommen, Lum Teil infolge der Zahl­ungen an Panama und für die Weltausstellung in St. Louis. Der Barbestand des Schatzes beläuft sich auf 1373 468 690 Doll.

Kerichtssaal.

Frankfurt a. M., 31. Mai. Der Agent Paul Laue geriet mit seiner Frau in Sckeit, weil er ein Verhältnis mit einem Mädchen unterhielt. Da seine Frau ihm fdjarf zusetzte, be­drohte ex sie zweimal mit Totschlag. Er wird von der Straf­kammer zu 6 Monaten Gefängnis veruckeilt. Der Artist Otto Greß, der ein Fahrrad unter erschwerenden Umständen stahl, erhält zwei Jahre. Der Handelsmann Georg Darmstädter wird wegen § 176,3 zu 2y» Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Zigarrenfabrikant Reinhard Adler, der einem Kantinenwick Zi­garren lieferte, wobei er der Wahrheit zuwider vorgab, daß der frühere Lieferant sie erst von Adler bezogen habe, erhielt wegen unlauteren Wettbewerbs 100 Mack Geldstrafe.

Kiel, 1. Juni. Ein in Lissa abgehaltenes Kriegsgericht sprach den der fahrlässigen Tötung angefiagten Fähnrich zur See S ch u p p i u s , der Ende November 1903 in Deutschwille bei Lissa auf der Treibjagd den Treiber Dutkowiak durch einen Schuß tödlich verwundete, frei. Dutkowiak bekundete auf dem Sterbebckt, daß er und nicht der Angellagte, der der Sohn eines Forstmeisters ist, am Unglück schuld sei.

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Kunst und Wissenschaft.

Für dasDeutsche Theater" hat Paul Lindau ein neues Bühnenwerk von Hermann Heijermans jun. _ er­worben :Kettengliede r", ein ftöhliches Spiel am häus­lichen Herde. Das Werk dürfte zu den ersten Novitäten der Direktion Lindau imDeutschen Theater" gehören.

Henrik Sienkiewicz, der bekannte polnischeSchrifi- steller, der sich unlängst mit einer polnischen Dame in War­schau verheiratet hat, begibt sich gleich seinem Kollegen Tsche- schon? demnächst nach dem Kriegsschauplatz im fernen Osten, um Material für eine Serie von Erzählungen zu sam­meln, welche die Vorgänge auf dem Kriegsschauplätze zur Dar- stcklung bringen sollen.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gießen, 2. Juni.

Auf dem Weg zwischen der alten Friedhofsmauer, der mal chauffiert ist, und dem Holzlagerplatz bei der Luthereiche mwj man häufig Tierquälereien beobachten, indem dort Pferde durH Peitschenhiebe vorwärts getrieben werden. Tie Wagen fahren bis auf den Fußweg, welcher dadurch und durch das Regenwasser so verdorben ist, daß cs Fußgängern schwer wird, ihn zu passiere"' Könnte hier nicht Abhilfe geschaffen werden? f.

Gießen, 1. Juni.

Geehrte Redaktion!

Eine Polizeivcrordnung verbietet das Lingen und Musi zieren bei offenen F en st er n. Trotzdem wird in eine

Arbeiterbewegung.

Stettin, 2. Juni. Der gestern ftüh hier inszenierte Streik der Seeleute wegen Lohnerhöhung, wurde bereits gestern abend auf dem Wege gütlichen Vergleichs b eig elegt

Wien, 2. Juni. Nach der gestern stattgehabten verttaulichen Besprechung des Obmanns der Baumeistergenossenschaft mit den Delegierten der Bauarbeiter, fand heute eine Vollversamm­lung der Baumeister, unter Zuziehung von Delegierten der Bau­arbeiter, zur Beilegung der bestehenden Differenzen statt. Es wurde folgender Antrag angenommen: Montag wird die Arbeit wieder ausgenommen. Es wird ein Minimallohn von drei Kronen 80 Heller bewilligt, welcher am 1. August auf vier Kronen erhöht wird. Eine paritätische, aus Baumeistern und Gehilfen bestehende Tarifschutzkommission hat für Einhaltunss des Tarifs zu sorgen, und weitere Vereinbarungen vorzubereiten und alle Zwistigkeiten schiedsgerichtlich zu regeln. Hiermit sind Aussperrung und Aus st and beendet.

Barzelona, 2. Juni. Die Zahl der ausständischen Tex­tilarbeiter beläuft sich gegenwärtig auf 15 000. Die Lage wird hier immer schlimmer.

Fahrzeit im Sommer jedenfalls beizubehalten; es liegt aber auch im allgemeinen Jntereffe der hiesigen Gegend, daß diese Fahrzeit im Winter beibehalten wird. Ferner wurde in dieser Sitzung der Antrag mit Einlegung eines zweiten Schnellzugpaares auf der Strecke Frankfurt a. M. Gießen Köln bezw. Hagen wiederum verhandelt. Es wurde empfohlen, den einen Zug so zu legen, daß er morgens kurz vor 9 Uhr Köln verläßt und um 12 Uhr in Gießen eintrifft, während der Gegenzug abends gegen 6 Uhr von Gießen abfahren soll. Von dem Bezirks-Eisenbahnrat wurde der Antrag einstimmig befürwortet. Der an­geregte Zusammenschluß zwischen den Vormittagszügen 71 (FrankfurtGießen, Gießen an 10.11 vormittags) und 637 GießenKöln (Gießen ab 10.12 vormittags) durch Ver­längerung der Uebergangszeit wird von der Eisenpahn- Direktion auf seine Durchführbarkeit geprüft werden.

** DieSchü (erfahrt nach derNordseeküste, die, vom deutschen Flottenverein veranstaltet, aus dem Groß­herzogtum Hessen eine Beteiligung von insgesamt 16 Lehrern und 118 Schüler der höheren Lehranstalten aufwies, hat, wie wir hören, einen sehr schönen Verlauf genommen. Die Sehenswürdigkeiten der alten Hansestadt Bremen, die Riesen­schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd, eine siebenstündige, von prachtvollstem Wetter begünstigte Seefahrt in der Nord­see, sowie die Besichtigung der Werft, der Kriegsschiffe und der Hafenanlagen Wilhelmshavens bildeten die Höhepunkte der Reise, deren ermüdende Eisenbahnfahrten, da sowohl die Hin- wie die Rückreise in Sonderzügen bewerkstelligt wurden, wesentlich abgekürzt werden konnten.

z. Griedel, 2. Juni. Gestern nachmittag gingen mehrere Knaben in die Wetter, um zu baden, wobei ein Knabe im Alter von 8 Jahren ertrank.

. X. Bieber b. Rodheim, 2. Juni. Hier hat die Zigarrenindustrie endlich eine dauernde Begründung ge­funden, da mit nächstem Montag der Fabrikbetrieb in der im vorigen Jahre erbauten Zigarrenfabrik des Kommerzienrats Gail eröffnet wird.

sd. Darmstadt, 3. Juni. (Eigener Dratbericht). Der gesamte Bund der deutschen Bodenreformer wird seine diesjährige Generalversammlung in Darm­stadt am 15. und 16. Oktober abhalten. Äm Montag, den 6. Juni, 10>/2 Utjr vormittags, wird die Hessische Hand­werkskammer tagen.

d. Mainz, 2. Juni. Die Schutzmannschaft des 4. Polizeibezicks wurde am Mittwoch abend um 11 Uhr alarmiert, daß in dem Hause Kaiserstraße 36 in der Man­sarde eines Dienstmädchens, das bei Herrn Dr. Kupfer­berg bedienstet ist, eingebrochen worden sei; der Einbrecher befinde sich noch im Hause. Als das Dienstmädchen gegen 11 Uhr ihre Stube aufschloß, bemerkte es, daß das Zimmer in Unordnung und alles durchwühlt war. Bei näherem Nach­sehen entdeckte das Mädchen die Füße eines Menschen, die unter dem Bette heroorsahen. In aller Ruhe ging das er­schrockene Mädchen wieder zur Tür hinaus, schloß diese ab und benachrichtigte ihre Dienstherrschaft. Sofort wurden alle Türen verschlossen und die Polizei geholt. Sechs Schutzleute, die sich auf der Wache befanden, schlossen das Polizeilokal ab und begaben sich in das Haus, wo der Einbrecher sich aufhielt. Unterdessen war Dr. Kupferberg, mit einem ge­ladenen Gewehr bewaffnet, durch den Speicher auf das Dach gestiegen und hielt hier Wache, bis die Polizei kam. Nach­dem die Mansarde aufgeschlossen und durchsucht war, fand man den Einbrecher nicht mehr vor. Dieser war zum Fenster hinaus auf dasDach eines anderen Hauses gestiegen. Sofort wurden die Bewohner des Häuserquadrats in Kennt­nis gesetzt. Die Haustüren wurden verschlossen und ein Doppelposten von Schutzleuten um das Häuserquadrat postiert, so daß der Einbrecher wie in einer Mausefalle eingeschlossen war. Unterdeffen entstand bei den Dienstmädchen der an­liegenden Häuser eine große Aufregung. Diese verließen ihre Mansardenzimmer und suchten Schutz bei ihren Dienst­herrschaften. Ein Teil der Schutzleute suchten die inneren Teile der Häuser durch, während andere mit blanker Waffe den gefährlichen Weg über die nassen, schlüpfrigen Dächer einschlugen. Dazu herrschte eine starke Finsternis so daß der Ueberstieg von einem Dach zum andern mit der' größten Vorsicht vorgenommen werden mußte. Bei jedes­maliger erfolgloser Durchsuchung eines Hauses meldeten die durchsuchenden Schutzleute das Ergebnis ihren Kameraden auf den Dächern, worauf die nächsten Häuser an die Reihe kamen. Verschiedentlich wurde der Einbrecher gesehen, doch konnte man seiner auf dem beschwerlichen Wege nicht habhaft werden. Die Jagd ging so bis zum ftühen Morgen weiter bis zum Hause Kaiserstraße 34Vi0 bei dem Architekten ©über. Hier wurde der Einbrecher, der sich seiner Stiefel entledigt hatte (es war inzwischen Tag geworden), gesehen, wie er an dem Abfluß eines Regenkandels herabkletterte. Er wurde aber schon von dem auf der Straße stehenden Doppelposten, zwei Schutzleuten, beobachtet, wie er von einer einstöckigen Mauer in den Hof des Herrn Suder sprang. Sofort

fc. Höchst a. M., 2. Juni. Der 4 Jahre alte Knabe des Maurers und Privatmetzgers Müller stürzte beim Spiel mit anderen Kindern durch die Traillen des Treppen­geländers im zweiten Stock auf den Plattenfußboden des Treppenhauses im Erdgeschoß ab und erlitt einen doppelten Schädelbruch, an dem er nach einigen Stunden ftarb. Festnahme dieses gefährlichen Menschen werden wohl auf lange Zeit die Bewohner der Neustadt in Beruhigung kommen. Der Einbrecher wurde gestern noch in daS Provinzialarresthaus überführt.