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Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Siebener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt.
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Erstes Blatt.
154. Jahrgang
Freitag 3. Juni 1904
GietzeimAnzeiger
General-Anzeiger v
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Aas Interesse des AuöliKums au Strafprozessen.
Das Publikum, das durch die großen Prozesse der letzten Jahre größeres Interesse und erweitertes Verständnis für die Strafrechtspflege gewonnen hat, ist auch den Stuttgarter Beratungen der Internationalen kriminalistischen Vereinigung sicherlich nicht ohne Teilnahme gefolgt. Noch vor nicht langer Qeit gingen die auf solchen Kongressen behandelten Fragen ausschließlich die Juristen an; selten, daß außerhalb der Fachpresse Meinungen sich zum Wort meldeten. Heute ist das ganz anders. Von allen Seiten wird Kritik beigesteuert, beispielsweise von gebildeten Laien, die als Geschworene Einblick in unser Gerichtsverfahren getan haben und von ihrem mehr die Bedürfnisse des praktischen Lebens berücksichtigenden Standpunkt häufig zutreffendere Ansichten und Vorschläge entwickeln, als mancher in Vorurteilen befangene Buchgelehrte. Allerdings laufen dabei Irrtümer unter; der Geist der Juristerei ist nicht leicht zu fassen; doch erscheint eine gelegentliche Entgleisung, aus Uebereifer oder Unkenntnis, immer noch als das kleinere Nebel gegenüber der Gleichgiltigkeit. Man hat den Zeitungen zum Vorwurf gemacht, daß sie „den Sensationsprozeß pflegen". Es mag zugegeben werden, daß nicht alles in den Gerichtsberichten zu loben ist, daß Einzelheiten anstößiger oder ausgesprochen privater Art sorgfältiger ferngehalten werden könnten. Mer das ist nicht zu bestreiten, daß die Spannung, die solche Verhandlungen erregen, doch sehr wirksam der Belehrung zur Hilfe kommt. Gewissermaßen von selbst, mit der Lektüre des Zeitungsblattes, gewann das Publikum ein Bild von dein Wesen des modernen Strafprozesses, von der Aufklärungstätigkeit des Leiters der Verhandlung, von der Stellung des Staatsanwalts und des Verteidigers, von den Pflichten und Rechten des Zeugen, den Ansprüchen an die Genauigkeit und Ausführlichkeit der Aussagen usw. Dies Bild prägt sich dem Einen schärfer und klarer ein, als dem Andern, je nach der Auffassungsgabe und Vorbildung; im großen und ganzen kann inan aber sagen, daß eine völlige Unkenntnis der gerichtlichen Vorgänge jetzt selbst in den unteren Schichten der Bevölkerung nur selten zu bemerken ist. Insofern hat der Sensationsprozeß einen nicht zu unterschätzenden Au f kl ärun gs d ien st verrichtet. Beiläufig: würde die Spannung, die hier eine so große Rolle spielt, als ein das leichte Erlernen und den Lerneifer förderndes Mittel mehr zu Unterrichtstzwecken benutzt, hauptsächlich beim Sprachenunterricht — wer erinnert sich nicht mit Schauder der langweiligen UeVungsstücke — so würde gewiß das Ergebnis den Versuch lohnen.
Erfreulich und eine Folge der gesteigerten öffentlichen Teilnahme am Rechtsleben ist: daß das Rechtsempfinden des Volkes sich mehr und mehr Geltung erobert. Daß dies der Fall ist, war auch bei der Stuttgarter Zusammenkunft zu beobachten. In der wichtigen Erörterung über die Abänderung der Voruntersuchung hat gewissermaßen das Rechtsempfinden des Volkes den Ausschlag gegeben. Es handelte sich darum, ob der Staatsanwalt statt des Untersuchungsrichters „Herr und Gebieter" der Voruntersuchung werden solle. Der Mehrheitsbeschluß der Internationalen kriminalistischen Vereinigung entschied sich zu grinsten des Untersuchungsrichters; die Vereinigung hat damit zweifellos einen Beschluß gefaßt, der dem allgemeinen Rechts gefühl entgegen kommt. Nach der Volksmeinung, bemerkte zutreffend ein Mitglied der Vereinigung, schützt der Untersuchungsrichter den Angeschuldigten wirksamer als der Staatsanwalt. Der Ausspruch: „Die Staatsanwaltschaft ist die objektivste Behörde der Welt" ist vielleicht nicht übertrieben, so lange das Ermittelungsverfahren schwebt. Hat aber erst die Eröffnung der Voruntersuchung stattgcfnnden, dann ist es fast natürlich, fast unvermeidlich, daß der Staatsanwalt das vielastende Material im Auge behalt. Dre entlastenden Punkte sinken von selbst zur Nebensächlichkeit herab Der Untersuchungsrichter dagegen ist sich doch wohl fast immer seiner objektiven, abwägenden, sichtenden und vergleichenden Stellung als Richter bewußt, und das muß dem Angeschuldigten zum Vorteil gereichen. Mit je größeren Befugnissen man den Untersuchungsrichter ausstattet, je mehr man dafür sorgt, daß die Voruntersuchung erweitert wird daß Angeschuldigter und Verteidiger in diesem Stadium ein größeres Maß von Rechten erlangen, um so mehr wird man die Garantien für eine gerechte und volkstümliche Rechtspflege verstärken. Der Schwerpunkt der zeitgemäßen Abänderung unseres Strafprozesses liegt auf der Reform der Voruntersuchung. Trotz der in der Vereinigung zutage getretenen Ag^atze behauptete schließ- Tirh diele Ansicht als die grundsätzlich anerkannte das Feld. Mit diesem Ergebnis stimmt die Auffassung des Publikums überein, und dieser neue Fortschritt wird Nicht ohne gute Folgen bleiben. __————
~~ Der^riegHschen^Japan und Rußland.^
Was saugen wir an?
Aus russischer Quelle stammen allerlei belanglose Auslassungen über die Kriegslage und Pläne, ime man die Teilte ^Lage Kort Arthurs beseitigen oder wenigstens nut •einem Nebelschleier verhüllen könne. Von solchen Reden Tat sich auch der Petersburger Korrespondent des „Daily Telegraph" au^inden lassen, der zuverlässig mttteilt, daß -in den russischen Dispositionen für den Kampf in der Mandschurei wichtige Aenderungen bevorstehen, da man es für nöt ll erachte, den Fall Port Arthurs um jeben Preis zu v^hindern. Ein kürzlich in Petersburg abge- kaltene? K^easrat habe beschlossen, Knropatkm solle sofort S taS iitoneljm'n. um Port Arthur zu -utsch-u.
Kuropatkm
selbst hat an den Kaiser bom 1- OerneXbet bafs ut der Umgebung von Föngwangtschong Ruhe herrscht. Die
von den Japanern geräumte Stadt Saimadsy sei am 31. Äai wiederum von den Russen besetzt worden. Am 31. Mai hatten russische Streifwachen im Lavlinpaß, 14 Werst südlich von Sinjan, ein Scharmützel mit einer etwa zwei Kompagnien und einer halben Eskadron starken japanischen Abteilung. Russischerseits wurde ein Kosak verwundet. Vor Niutschwang und Kaitschau traten keine Veränderungen ein.
Au feine Mutter
soll General Kuropatkin, wie dem „Standard" aus Moskau vom 29. Mai gemeldet wird, einen langen Brief geschrieben haben, in dem er die Lage der Dinge vor drei Wochen sehr optimistisch bespricht. Die Japaner, sage er, würden die ganze Kwantung-Halbinsel, einschließlich Dalnhs besetzen, bis zu den Befestigungen von Port Arthur, aber er sei überzeugt davon, daß die Festung, wenn nötig, ein Jahr aushalten werde. Er beabsichtige nicht, Liaujang aufzugeben, da er jeden Tag große Verstärkungen erhält, und glaube, daß er Ende Juli 400 000 Mann unter seinem Befehl haben werde. Mit einer solchen Macht werde er die japanische Konzentration brechen und Port Arthur entsetzen können.
Widerstand
haben die Russen allerdings auf ihrem Rückzug jeden Schritt geleistet. Sie zerstören die Eisenbahn, verbrennen alle Häuser und machen überhaupt oie Kwantung-Halbinsel zu einer Wüste.
Die Blokade durch die japanische Flotte
ist erklärt worden. Der japanische Gesandte in Berlin brachte nach dem „Reichscmzeiger" zur amtlichen Kenntnis, daß der japanische Admiral Togo auf Befehl der japanischen Regierung eine Erklärung erließ, wonach am 26. Mai die Küste an der Halbins ei St au tun g, welche in gerader Linie zwischen Pitzewo und Pulantien nach Süden liegt, von den japanischen Seestreitkräften effektiv blockiert worden ist, und daß die Blockade in diesem Zustand auch weiterhin aufrechterhalten wird.
lieber die Absichten der Japaner
glaubt die „Chicagoer Daily News" aus Tokio melden zu können, die Japaner hätten die Absicht, nach der Einnahme Port Arthurs sich dort niederzulassen. Von den Mächten werde kein Widerstand erwartet. Die Japaner würden sich dann der Insel Sachalin und des Dartarengolfes bemächtigen, welche sie, Wenn - der Friede wied er her- gestellt ist, als diplomatisches letztes Mittel verwenden würden. Weiter beabsichtigen sie, auf der Insel Koje, welche die Meerenge von Korea beherrscht, sowie auf Formosa und Loutschicm Befestiguugswerke zu errichten.
Für die japanische Flotte
wird es nach einer Meldung der „Times" aus Tschifu einige Zeit dauern, D aln y zugänglich zu machen, da die Sanshantao-Jnseln sehr geschickt mit dem Festlande durch Kli nen verbunden sind, welche zickzackförmig ein großes Feld bedecken.
Das zweite Armeekorps der Japaner
wird, sobald die Talienwan-Bai zugänglich ist, wahrscheinlich gelandet werden und Port Arthur ruhig belagern, während das dritte Armeekorps und eine spezielle fliegende Kolonne mit dem ersten Armeekorps zusammen gegen Mukden vorrücken wird.
Vermehrung der russischen Kräfte.
Ein Telegramm aus Petersburg besagt, daß am 2. Juni zwei Unterseeboote nach dem fernen Orient abgingen. Vier weitere werden in Zwischenräumen von vierzehn Tagen dorthin folgen.
Auch die Japaner
sind mit neuen Truppen unterwegs. Der „Agence Havas" wird aus Shanghai gemeldet, daß am 30. Mai fünf- ze hn große japanische Transportschiffe mit Truppen auf hoher See an der Westküste Koreas gesehen wurden, deren Ziel anscheinend die Jalumündung gewesen sei.
Die Pest.
Schlimme Befürchtungen müßten gehegt werden, wenn die Mitteilung des russischen Admirals Alexejew einen ernsten Charakter hat, wonach in Kwang Ts cheuan die Pest aus- gebrochen ist. Man befürchtet, daß diese Krankheit von chinesischem Gebiet eingedrungen ist. Der Postdampfer Korea befindet sich in Kobe in Quarantäne, da an Bord eine angeblich aus Amerika stammende Dame unter pest- verdächtigen Smptomen erkrankt ist.
Russische Rüstungen.
Eine böhmische Fabrik soll, wie aus Petersburg gemeldet wird, mit der Herstellung zahlreicher Geschütze, andere mit der Herstellung von Munition beauftragt worden sein. Es ist Absicht der russischen Regierung, die Munition für alle Fälle auf der Höhe zu halten. — Ferner soll Rußland, wie der Pariser „Times" -Korrespondent hört, versucht haben, zwei auf italienischen Werften erbaute argentinische Kriegsschiffe anzukaufen. Argentinien würde jedoch die Kriegsschiffe infolge der Antwort, die es auf eine Anfrage in Washington erhalten habe, nicht verkaufen.
Votitischc Tagesschau.
Mecklenburg-Sttelitz.
Der Kaiser richtete an die Großherzogin-Witwe, die am.2. Juni aus Loudon eingetroffen ist, folgendes Telegramm: Berlin, Schloß, 31. Mai. In innigster Anteilnahme gedenke ich Deiner. Du weiltest jetzt in der Heimat Deiner Kindheit in traurigen Erinnerungen, da Du doch vor allem den vermißtest, der Dir am nächsten stand und den mein Herr Großvater immer den besten Soldaten Englands nannte. Nun rief Dich Gottes unerforschlicher Ratschluß in die mecklenburgische Heimat zu neuem Leid und tiefster Trauer. Ich hatte gehofft, dein ehrwürdigen lieben Paare wie im Brillantschmuck,
so auch zur eisernen Hochzeitsfeier meine treuesten Glückwünsche Darbringen zu können. Gott, der's anders beschlossen, möge in seiner Gnade Dir Trost verleihen! Lindern aber möge Deinen Schmerz nicht nur die Trauer Eurer mecklenburgischen Lande, sondern auch meine und meines Hauses tiefe Anteilnahme, der ich Ausdruck geben möchte, indem ich dem nun in Gott von segensreicher langer Arbeit ausruhenden ältesten Bundesfurften unsers deutschen Vaterlandes die letzte Ehre erweise. Wilhelm. — Von Kaiser Franz Josef ging folgendes Telegramm ein: Wien, Burg, 30. Mai. Eurer königlichen Hoheit bitte ich anläßlich des Ablebens des Großherzogs Friedrich Wilhelm, Eurer königlichen Hoheit nun in Gott entschlafenen Gemahls, die aufrichtigste Versicherung entgegenzunehmen, daß ich aus ganzem Herzen den Schmerz über den so schweren Verlust teile, den hierdurch Eure königliche Höhest, das großherzogliche Haus und das Land Mecklenburg-Strelitz erlitten haben. — Die Trauer feier für den Großherzog findet am Montag nachmittag 1 Uhr in der Schloßkirche in Neustrelitz statt. Die Leiche wird am Mittwoch nach Mirow über fuhrt, wo ebenfalls am Mittwoch die Beisetzung in dem Erbbegräbnis stattfindet.
Die Nationalliberalen und der Schulantrag.
Man schreibt uns aus Berlin, 2. Jpni:
Wie wir hören, ist innerhalb der nationalliberalen Parteileitung die Neigung nicht stark, einen allgemeinen Delegiertentag zur Erörterung des preußischen Schulkompromisses zu veranstalten. Man glaubt, daß die Bewegung gegen das Kompromis im allmählichen Abebben begriffen ist, und daß es nicht zweckmäßig sei, diese Beruhigung durch Auseinandersetzungen zu stören, die nur den Gegnern willkommen fein könnten. In den bisherigen Versammlungen und in der Presse habe das Kompromis eine ausreichende Diskussion erfahren. Weitere Versammlungen, so in Berlin, sind geplant. Es fehle also keineswegs an Gelegenheit zur Aussprache. Die „Nationalztg." schöpft heute aus der Darlegung des Abg. Ernst von der Frs. Vergg., die immer stärkere Hoffnung, daß sich eine Verständigung aller Liberalen dem kommenden Gesetzentwurf gegenüber erzielen lassen wird.
Die Stellung des Vatikans.
Wenn die „Voss. Ztg." aus Lissabon recht berichtet ist, wird sich zu dem Konflikt des Vatikans mit Frankreich vielleicht ein solcher mit Portugal gesellen. Denn der Besuch des Königs Don Carlos bei sein em Vetter, dem König Viktor Emanuel, soll so gut wie beschlossen sein. Er wäre bereits im vorigen Jahre zur Ausführung gekommen, wenn man nicht in Rücksicht auf den schwerkranken Papst Leo vorgezogen hätte, den Ausbruch eines Konfliktes zu vermeiden. Jetzt aber sollen die politischen Erwägungen nicht länger zurückgestellt bleiben. Die offiziösen portugiesischen Zeittmgen erklären es für eine Notwendigkeit, daß der zwischen den Höfen in Lissabon und Rom bestehenden „Unstimmigkeit" ein Ende gemacht wird. Man darf gespannt sein auf das Verhalten des Papstes Pius gegenüber einem Besuch des Königs Don Carlos im Qnirinal. Wenn man im Vatikan der großen Republik Frankreich den Fehdehandschuh hingeworfen hat, dann wird man dem kleinen Portugal gegenüber schwerlich nachgeben wollen. Hatte doch schon Leo XIII. in Lissabon gedroht, die diplomatischen Beziehungen abzubrechen, falls der König beim Quirinal einen Besuch ab- ftatte. Andererseits ist Portugal eine treue Tochter der Kirche, mit der in Händel zu geraten, dem Vatikan nicht erwünscht fein kann. Durchaus geneigt, nach den Wünschen des Oberhauptes der Kirche sich zu richten, ist von den katholischen Souveränen anscheinend nur Kaiser Franz Josef. Es ist bisher nicht gelungen, ihn, den Bundesgenossen Italiens, zum Betreten des Quirinals zu bewegen, und dabei dürfte es bleiben, solange das Haus Savoyen mit der Kurie in Gegnerschaft sich befindet. Für die Stellung der Regierung der katholischen Kirche ist die gegenwärtige Zeit offensichtlich kritisch. Papst Pius schafft sich jetzt den Namen, den er dermaleinst in der Geschichte tragen wird.
Die zweijährige Militärdienstzeit in Frankreich.
Die französische Kammer beriet gestern, am 2.' Juni, das Gesetz über die zweijährige Dienstzeit. Kriegsminister Andr 6 hält die cinwöchigen und dreiwöchigen Hebungen der Reservisten für ausreichend. Der Minister stimmt der Kommission hinsichtlich der vorgesehenen Zahlen für den Unteroffizierersatz zu und erörtert dann einige Einzelheiten, bezüglich deren er sich mit der Kommission nicht in Uebereinstimmung befinde, besonders bezüglich der Schüler von St. Cyr und derjenigen des Polytechnikums, die nur ein und nicht zwei Dienstjahre abgelegt haben, bevor sie zu Offizieren ernannt werden. Der Minister schließt mit der Erklärung, daß die Zusammensetzung der Kompagnien keine Aenderung erleiden werde. Jaurös (Soz.) stellt fest, daß der Fortschritt und die Ideen der Gleichheit die gleiche Dienstzeit für alle notwendig machten. Redner bekämpft das System des einjähr. Dienstes, welches die Schaffung zahlreicher Berufssoldaten fordere. Er erkennt an, daß das Gesetz über Die zweijährige Dienstzeit einen Fortschritt bedeute. (Beifall auf der äußersten Linken.) Redner schließt mit der Bitte, daß die Kammer den Wortlaut des Gesetzes annehme, um die Abstimmung hierüber zu beschleunigen. Hierauf wird die Generaldebatte geschlossen. Bilzeneuve beantragt alsdann, den Gesetzentwurf dem oberen Kriegsrat zur Meinungsäußerung zu überweisen. Kriegsminister Andr 6 spricht sich gegen den Antrag aus, der mit 335 gegen 224 Stimmen abgelehnt wird. Die Dringlichkeit der Beratung des Gesetzes wird hierauf mit 425 gegen 22 Stimmen angenommen.
Deutsches Keich.
Berlin, 2. Juni. Heute morgen unternahm der Kaiser einen Ausritt und hörte von 9 Uhr ab die Vorträge des, Chefs des Generalstabes der Armee, des Stellvertreters des- KriegSministers Obersten Wachs und des Staatssekretärs des' Reichs-Marineamtes.
— Der Kronprinz von Schweden traf heute abend hier ein. Der Kronprinz wird morgen den Kaiser besuchen und reist abends nach Bad Honnef, wo er mit seiner Gemahlin Zusammentreffen wird.
— Pferdeankäufe für Deutfch-Südwestasrika haben in den jüngsten Tagen in verschiedenen Kreisen Oberschlesiens stattgefunden.
— Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Verschiedene Blätter bringen einen Aufruf von Dr. Schwatlo,"


