Ausgabe 
3.2.1904 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Paradeaufstellung der Garnison, rechts 32 Reiter mit Lanzen und sckpvarz-weiß-roten Lanzenflaggen, auf dem rechten 'Flügel der Standartenträger auf einem großen braunen Hengst, ein sehr stattlicher Anblick; links die Truppe zu Fuß. Auf dem freien Raum zwischen den beiden Truppen- abteilungen die sämtlichen in der Steuerliste aufgeführten 68 Lannoos und Häuptlinge mit Ausnahme eines Erkrank­ten; in einiger Entfernung das sie begleitende Volk, meh­rere Tausend. Ich trat mit meinen Begleitern auf die Veranda hinaus, wobei militärische Honneurs erwiesen wurden: sodann erfolgte die Begrüßung der Versammelten, welche sich erhoben und ihren Salam machten. Darauf lagerte sich alles nach mohammedanischer Sitte auf den "Boden, wir nahmen auf Stühlen P"atz und ick, hielt mit Be­nutzung von zwei Dolmetschern (Haussa und Fullah) eine längere Ansprache."

Ausland.

London, 2. Febr. Tie Thronrede zur Eröffnung bes Parlaments besagt, die Beziehungen Mit den auswärtigen Mächten seien andauernd zufrieden­stellend. Die Regierung schloß mit Frankreich ein Ueber- einkornmen ab, welches ir.'l dazu beitrogen wird, daß man in Fällen eines internationalen Streites zu einem Schieds­gericht seine Zuflucht nehmen werde. Die Rede erwäbnt das Uebereinkommen mit Portugal über die schieos­gerichtliche Regelung der Grenze zwischen den portugiesischen und der südwestafrikanischen Besitzung und dem Baratseland und weist auf die Beilegung der Alaskagrenzfrage, auf die militärischen Maßnahmen im Somalilande und das herzliche Zusammenwirken Italiens und Abcsshniens mit England hin. Sodann fahrt die Thron­rede fort: Ich habe mit Sorge die ganzen Verhandlungen zwischen Japan und Rußland bezüglich ihrer beider­seitigen Interessen in China und Korea beobachtet. Eine Störung des Friedens in diesen Gebieten könnte nur be­klagenswerte Folgen haben. Jeder Beistand, den meine Regierung in der Richtung der Förderung einer friedlichen Löjung mit Nutzen leisten kann, wird mit Freuden geleistet werden. Ter von Rußland und Oesterreich-Ur «garn im Fe­bruar v. I. vorgeschlagene Plan betreffend Reformen in Makedonien ist in mehreren wichtigen Einzelheiten verbessert und verstärkt worden. Ter König hege die Hoff- nung, daß der Vorteil, den die durch den Dinier geschaffene Pause biete, ergriffen werde, um die praktischen Derbesser- ungsmaßnahmen durchzuführen, die jenen unglücklichen Ländern not täten. Unter diesen Maßregeln komme der Reorganisation der macedonischen Gendarmerie ein hervor­ragender Platz zu. Die Rede erwähnte sodann die vom ^Australischen Bund und von Neu-Seeland ange­nommenen Gesetze, wodurch die mit der Londoner Regierung getroffenen Abmachungen, betreffend Beisteuerung zur britischen Flotte, in Kraft gesetzt wurden und gedenkt auch der Annahme des Vorzugstarifs für englische Waren durch das Parlament in Neu-Seeland. Unter Mit­wirkung der chinesischen Regierung habe sich eine politische Mission nach dem Gebiet von Tibet begeben, um die gehörige Einhaltung der Uebereinkunft von 1890, betreffend Sikkim und Tibet sicherzustellen. Unter den Vorlagen, welche die Thronrede ankündigt, befinden sich solche betreffend Mißstände bei der Einwanderung der Verbrecher und >Armen und Verbesserung des Haftpflichtgesetzes.

Tas Oberhaus hat die Adreßdebatte heute be- >reits durch Annahme der Adresse beendet. Lord Lansdowne legte den Standpunkt der Regierung ausführlich dar und nahm schließlich für die Regierung in Anspruch, daß ihre Haltung vollkommen verfccktbar und vollkommen logisch sei.

Wien, 2. Febr. Auf den Beschluß des Wiener Ge­meinderats, in dem die Regierung im Interesse der Fleis ch- versorgung Wiens zur Förderung der Einfuhr über­seeischen, namentlich argentinischen Fleisches aufgefordert wird, hat der Ackerbauminister mit einem Erlaß geant­wortet. Tarin wird hervorgehoben, daß zur zweckdienlichen Versorgung Wiens mit Fleiscv in erster Linie die Schaffung eines großen, allen Anforderungen des Verkehrs ent­sprechenden Marktes durch Umgestaltung des Wiener Zentral­viehmarktes zu einem freien Handelsmarkt, ferner die Er­richtung von Großschlächtereien und endlich eine ausreichende Vermehrung der Fleischverkaufsstände notwendig seien. Könne die Gemeinde diese Maßnahmen nicht ergreisen, so werde nötigenfalls die Regierung selbst für die Errichtung von Großschlächtereien sorgen, die dann von einer Teilnahme der gewerblichen Kreise absehen und mit den landwirtschaft­lichen Organisationen unmittelbar verbunden werden würden.

" 1 .......

Außland und Japan.

TerAgence Havas "wird aus Washington gemeldet: Dierussische Antwort an Japan wurde im wesent­lichen mehreren Regierungen mitgeteilt. Sie rief einen Meinungsaustausch hauptsächlich zwischen den Vereinigten Staaten, Frankreich und England hervor. Tie Zugeständ­nisse, die in der Rote gemacht werden, sind gr ößer, als man allgemein erwartet hatte. Tie Gefühle der Gerechtigkeit und Loyalität, welche der Kaiser von Rußland in derselben zum Ausdruck bringt, riefen überall den Eindruck hervor, daß der Krieg vermieden wird imb führten zu der Ueberzeugung, daß Japan, wenn die Krise trotz der Genugtuung, die ihm im weitestgehenden Maße von Rußland gegeben wird, einen anderen Ausgang nehmen sollte, die ganze Verantwortung für seine Entschlüsse trägt und sich moralisch isoliert befinden wird. Tie Antwortnote soll nur noch chre endgiltige Fassung erhalten und wird Japan am Samstag übermittelt werden. .

Nach einer anscheinend aus dem französischen Ministe­rium des Aeußern stammenden Mitteilung seien die Ge­sichtspunkte, welche in der neuen Antwortnote Rußlands zum Ausdruck kommen, folgende: In Korea weit­gehende Zugeständnisse, in der Mandschurei Bekräftigung der frü h e r e n Ve r p f l i ch tun g e n, welche Rußland gegenüber China einerseits und gegenüber den Mächten, welche mit China einen Handelsvertrag ab­geschlossen haben, andererseits eingcgangen ist. Unter diesen Mächten befindet sich Japan aber nicht mehr. Insbesondere keine Spezialverpflicktungen betreffend die Mandschurei, welche eine chinesische P r o v i n r ift gegenüber Japan, einer Hemden Macht. Ter japanische Standpunkt sei, daß Rußland, wenn es wirklich entschlossen sei, Japan in betres Korea Genugtuung zu geben und die Mandschurei weder zu annektieren noch den Handel zu verschließen, sich nicht weigern dürfe, dieSbezüglicv auch die Verpflichtung zu über­nehmen. Es handele sich also, so fügt die offiziöse Mit­teilung hinzu, lediglich um die Formel, mittest welcher Rußland seine Versprechungen erneuern werde. Man könne unmöglich annehmen, daß es wegen einerbloßen Formelzum Krieg kommen könnte.

Rach Meldungen ans Tsch'mulpo kauft Japan große Mengen Dynamit. In Tschemulpo sind 120 Kisten Patronen eingetroffen, das koreanische Zollamt ver­hinderte aber ihre Landung, worauf sich die Japaner an das Ministerium des Aeußern wandten und energisch die Oeffnung des S?arcn§ von Pongampho verlangten.

Tie russische Telegraphenagentur meldet aus Wla­diwostok: Tie im Hafen liegenden Kriegsschiffe Gromoboi",Rossija",Bogatvr",Rjurik" und dasTrans- lortschiffLena" wurden ausgerüstet und senkbar gemacht. Alle Holzteile wurden von ihnen entfernt. Sie tehen zu sofortigem Auslaufen bereit. Tie Hafenausfahrt wird durch Eisbrecher freigehalten.

Aus Stadt und Kaud.

Gießen, den 3. Februar 1904.

** Franz ösische Vorträge. In einer zweiten Conference", die morgen 8 Uhr in der Universttätsaula statt­findet, wird Lektor Goetschy das Werk des größten modernen Dramatikers in Frankreich, A. Dumas fils, zu charakterisieren versuchen, mit besonderer Rücksicht auf zwei auch in Deutschland berühmte Stücke: ,La Dame aux camelias undLe Demi-monde.

Bei der gestrigen Beerdigung Sr. Exzellenz des Staatsministers i. P. Finger war die Universität Gießen durch ihren Rektor Professor Dr. Brauns, die Juristi- che Fakultät durch Geh. Justizrat Pros. Dr. Schmidt, die Medizinische Fakultät durch Prof. Dr. Sommer vertreten. Exzellenz Finger war Ehrendoktor der Juristischen und der Medizinischen Fakultät. Der Rektor legte im Namen der Universität einen Kranz am Grabe nieder.

* Tagesordnung für bie Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung Donners­tag, den 4. Februar 1904, nachmittags 4 Uhr. 1. Mitteilungen. 2. Notstandsarbeiten. 3. Errichtung eines Häute- und Felllagers an der Krofdorfer Kreisstraße; hier: Dispens. 4. DispenSgesuch für das Grundstück Südanlage 20 (Sack u. Jughardt). 5. DiSpenSgesuch für Bahnhofstraße 26 (Möhl). 6. Gesuch des Bauunternehmers Heinrich Winn um Höherlegung des von der Bahnhofstraße nach der Wieseck ührenden Weges. 7. Uebernahme der Straße »In Löbers Dof* durch die Stadt. 8. Beseitigung und Ersatz schadhafter Bäume. 9. Friedhof am Rodberg. 10. Genehmigung von Holzversteigerungcn. 11. Bekanntmachung der Jahrmärkte. 12. Verkehr der Radfahrer auf öffentlichen Straßen. 13. Voranschlag des Polizeiamts für 1904. 14. Voranschlag des Elektrizitätswerks. 15. Voranschlag der Plock'schen Stiftung. 16. Erlaß einer Polizeiverordnung über den Wirtschaftsbetrieb mit Kellnerinnenbedienung. 17. Gesuch des Wilh. Amend um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetriebe im Hause Bahnhof­straße 66. 18. Gesuch des Wilhelm Balser um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetriebe im Hause Lindenplatz 12.

Die nächste Schwurgerichtsperiode beginnt am 7. März unter dem Vorsitz des Landgerichtsrats Müller.

** Die Gese llschaft für Erd- und Völker- 'unde veranstaltet ihren fünften Vortrag nicht am 3., ondern am 10. Februar. Prof. Dr. R. Hauthal wird einen Vortrag über Patagonien mit Lichtbildern be­gleiten. Wir verweisen noch auf das heutige Inserat.

* Hessische Geflügelzüchter-Versammlung in Frankfurt. Die zweite in diesem Monat tagende Ver- ämmlung von Geflügelzüchtern und Vogelliebhabern aus dem Großh. Hessen hatte einen noch stärkeren Besuch zu verzeich­nen. Die Verhandlungen drehten sich um die Programm­beratungen der Mitte März in Offenbach a. M. statt- indendenErsten Hessischen Landes-Geflügel- und Vogel- Ausstellung. Die Mitwirkung des rheinhessischen, deS ober- hessischen und des MaingauverbandeS, sowie fast aller an einen der Verbände noch nicht angeschlossenen Einzeloercine ist zugesagt. Der Leiter der Versammlung, Georg Winter- Offenbach, konnte mitteilen, daß dieser Ausstellung im ganzen Großherzogtum daS lebhafteste Interesse entgegengebracht werde und eine starke Beteiligung mit Sicherheit zn erwarten ist. Dem Ehrenausschuß sind bereits über fünfzig Herren auS den ersten Kreisen des Landes sowie der Ausstellungsstadt Offenbach beigetreten. Eine große Anzahl Ehrenpreise sind bereits zugesagt und in Aussicht gestellt. Um diesmal den Stand der hessischen Geflügelzucht feststellen zu können, und das Ausstellen allen hervorragenden Hess. Züchtern zn er­möglichen, was im Hinblick auf den zu gewinnenden Gesamt­eindruck von der Geflügelzucht im Großherzogtum erwünscht ist, wurde beschlossen, von der Berufung Hess. Preisrichter abzusehen und mir erste Autoritäten außerhalb deS Landes zu gewinnen. Einige Neuerungen kommen versuchsweise dies­mal in Anwendung. Es sind dies die einheitlichen Stand- geldprcise für Hühner, Tauben, Wassergeflügel und Konkurrenz­sänger (Kanarien), dementsprechend auch gleichwertige Preise vorgesehen. Geflügelhändler werden als Aussteller nicht zu- gelassen. Auf Antrag des rheinhcss. Verbandes erfährt die Sing- und Ziervögelabteilung eine Erweiterung und findet die Bewertung für diese Abteilung nach den Bestimmungen deS Deutschen Kanarienzüchtcr-Verbandes statt. Ausführliche Programme mit Klasseneinteilung versendet die Geschäftsstelle derErsten Hessischen Landes-Geflügel-Ausstellung in Offen­bach a. M. (G. Winter, Bismarckstraße 86), wo auch weitere Auskunft erteilt wird.

"Kommerzienrat Heyligenstaedts 6 2. Ge­burtstag wurde gestern vom Maschinenbauer-Gesangverein im Restaurant Kühnhold festlich begangen. Der Gefeierte wurde vom Vorstand feierlich abgeholt, worauf er bei vielen Ovationen und Toasten, wobei, wie wir Horen, besonders sein Altersgenosse, Herr Nagel, zündende Worte sprach, bis 1 Uhr im Kreise des Vereins, in dem recht animierte Stirn- mung herrschte, blieb. Die Gesellschaft ging erst um 3 Uhr auseinander.

♦♦ Kinematographische Vorführungen. Manch wunderbares Garn spinnt der Seemann, wenn er, von der Marine beurlaubt, den Genossen aus der Kinder­zeit bondraußen" erzählt. Tn laufen sie im Dorf zn- sammen und lauschen abends studenlang, mmrchmal wohl mit leisen Zweifeln, kaum jemals aber in der Lage, sich wirklich ein deutlicher Bild von dem Gehörten zu machen. Gar zu verschieden ist dar Leben im schwimmenden DauS von dem unseren, und eine neue Welt erschließt sich dem, der im lebendigen Bilde, wie sie der Kinematograph des Deutschen Flottenvereins uns nächste Woche bieten wird, den Tageslauf an Bord in seiner Mannigfaltigkeit sich

abspielen sieht, der weitab von der Küste Zeuge wird, wie die stolzen Schlachtschiffe die Wog-rn furchen und die flinken Torpedoboote dahinschießen. Näheres über die bevor­stehenden Tarbietnugen steht im heutigen Inseratenteil.

Der Zweigverein Gießen des deutschen Kellnerbundes hatte vorgestern im Cass Leib sein erstes, wohlverlaufenes Stiftungsfest. E§ erschienen dazu auch der Vorstand deS Gastwirteverbandes, woraus ersichtlich ist, daß ein gutes Einvernehmen zwischen Gehilfen und Prinzipalen hier besteht. Der Marburger Zweigverein war ebenfalls ge­kommen, um das Fest verschönern zu helfen. Alle Teil­nehmer waren von der Veranstaltung hoch befriedigt und allgemein wurde der Wunsch geäußert, bald wieder in ähn­licher Weise froh versammelt zu sein.

** lieber die Frage der Umgestaltung des Bades Nauheim wird unserem Darmstädter Bureau von zuverlässiger Seite mitgeteilt, daß es sich bei den in Betracht kommenden Denderungen lediglich um ein Pro­jekt resp. um Wunsche handelt, deren Realisierung noch in werter Ferne liegt: von einer Vorlage an die Kam­mer darüber kann vorläufig überhaupt noch keine Rede sein. Das Aufblühen des Nauheimer Badelebens ist nament­lich in den letzten Jabren in fast überraschender Weise von statten gegangen, uno da die bisher erfolgten T weiter- ungen der Quell- resp. Badeanlagen rc. voraussichtlich nut auf wenige Jahre dem sich steigernden Bedürfnis genügen werden, so ist es selbstverständlich, daß die Großh. Re­gierung Die später erforderlichen Maßnahmen nach einem bestimmten, einheitlichen Plan treffen muß. Der Neu­bau oder Umbau von Badehäusern, die Zu­sammenfassung oder sonstige Veränderung bestimmter Quell­anlagen kann nicht, wie eine diesbezügliche Nachricht in einigen Blättern glauben machen will, mit einem Schlage geschahen, sondern muß geradestückweise" vorgenom­men werden, schon um das allgemeine Badeleben nicht zu stark zu beeinträchtigen. Die Erweiterung der An­lagen, wodurch besonders das vielfach unliebsam em- pfundene lange Warten der Badegäste beseitigt werden soll, muß in absehbarer Zeit erfolgen, soll aber durch­aus nicht Überall geschehen. Und die Hauptsache ist, daß man auf keinen Fall daran denkt, wie es nach der Notiz scheinen könntemehrere Millionen" von den Steuerzahlern dafür auf­bringen zu lassen, sondern daß die Kosten für die vorzunehmenden Umänderungen oder Neubauten aus den Ueberschüssen des Babes selbst, die sich ja auch int letzten Jahre wieder in so erfreulicher Weise gesteigert haben vielleicht auch mit Hllfe von Veräußerung bestimmter Sa­linengebäude, gewonnen werden sollen. Positive Bestimm­ungen sind aber, wie bemerkt, in der ganzen Sache überhaupt noch nicht getroffen worden.

0 Hungen, 1. Febr. Zu der am 7. April in Nau­heim tagenden Vertreterversammlung deS hessischen LandeS- tehrervereins hat der Bezirkslehrerverein Hungen einen Antrag, betreffend Vereinfachung der Ortho­graphie, eingebracht. Der Antrag wünscht: 1. die Ent­fernung aller stummen h und e aus deutschen und Fremd­wörtern, 2. c ist stets durch k oder z, pH durch f zu ersetzen, 3. außer st werden auch mg, tz, cf, ps, sp nicht getrennt, 4. für jedes Wort gibt es nur eine Schreibform, 5. es ist anzustreben, daß alle Dingwörter außer den Eigennamen klein geschrieben werden. (Der Staatssekretär des Innern, Graf Posadowsky, wird dann wohl nichts Schleunigeres zu tun haben, als den Antrag deS Hungener Bezirkslehrervereins zn verwirklichen. Die Red. d. Gieß. Anz.)

8. Herchenhain, 2.Febr. Von vielen Höhenwanderern ist seither schon manchmal sehr bedauert worden, daß eine der bedeutendsten Erhebungen des Vogelsbergs, die Herchen- hainer Höhe, mit besonders schöner Aussicht nach der Rhön, der Wetterau, der Umgegend von Hanau u. s. w. in­sofern an Reiz verlieren mußte, als zu mächtiger Sturm ihren AnSsichtSturm vernichtete. Der Vogelsberger Höhenklub sah ein, daß bald Ersatz geschaffen werden mußte und in jedem der vergangenen Jahre wurde aus seiner Kasse ein ansehn­liche Summe zum Neubau eines Gerüstes bewilligt, ebenso hat auch der besonders interessierte Zweigverein des V H.-K. zu Herchenhain einen besonderen DaufondS angelegt. Der letztgenannte Verein möchte nun das Gerüst schon dieses Jahr neu erstehen sehen und hat, um Mittel noch schneller zu­sammenzubringen, m der bekannten Gastwirtschaft Hch. Schmal­bach zu HartrnannSharn, worin die meisten Höhenwanderer ja einkehren und vorzüglich verpflegt werden, eine Sammel­büchse für den Ban eines Aussichtsgerüst es auf der. Herchenhainer Höhe aufgehängt. Damit ist eS nun jedem Freunde und Verehrer des schönen Vogelsberges, den seine Schritte einmal hicrherfübren, ermöglicht, and) sein Scherflein dazu beantragen, daß em längst gehegter Wunsch und ei­unbedingt notwendiges Bedürfnis ihre Veftiedigung finden.

a. HartmannShain, 2. Febr. Heute morgen er­eignete sich beim hiesigen Bahnbau im Schachte bei Hart­mannShain ein recht bedauerlicher Unglücksfall. Es kam nämlich an einer hohen Böschung eine Erdmasse in§ Rutschen, die leider einen der Arbeiter noch erfaßte. Ein mitgerutschter^ ziemlich schwerer Stein schlug dabei dem Manne, der au5 Schlitz gebürtig ist, so unglücklich aufs Bein, daß er dieses ganz zerquetschte und der sofort herbeigerufene Arzt eine starke Knochenzersplitterung konstatierte. Der Verunglückte wurde anfangs in sein Quartier, nach Anordnung des Arztes spater aber in da? Spital seines HeimattiädtchenS gebracht.

R B. D a r m st a b t, 2. Febr. Der Gesetzgebungs- An s schuß der zweiten Kammer hielt gestern und heute Sitzung ab. In der gestrigen Beratung wurden die drei. Gesetzentwürfe, b'etr. das Forststrafgesetz, das ^eldstraf- gesetz und die Minderung des Gesetzes über das Versahen in Forst- und Feldrügesachen fast durchweg nach den ?Re* gterungsvorschlägen angenommen. Heut beschäftigte sich der Ausschuß eingehend mit der Erörterung der Frage bezügl. oer Sonntagsruhe im Handelsgewerbe, bezw. die in her Vorstellung deS Oberbürger­meisters Mecum-Gießen gewünschte Aufhebung des Art. 227 Ms. 1 des Polizeistrafgesetzbuchs, der das Aus­stellen von Waren in den Schaufenstern außerhalb der dem Gewerbebetrieb freige- geben er. Stunden verbietet. Der Ausschuß beschloß einstimmig, die Aushebung dieser Bestimmung zu b e f Ü r- Worten und das Ausstellen der Waren an Sonn- und Feiertagen zu jeder Zett außerhalb der Kirchstunden zu gestatten. Ferner wurde noch der Gesetzentwurf genehmigt, der sich mit der Reorganisation verschiedener Bestimm­ungen der Begräbnisordnung beschäftigt und in der Hauptsache darauf ausgeht, die näheren Rechte und Pjlichten über die Beerdigung von Gemeindemttgliedern,