Ausgabe 
2.9.1904 Zweites Blatt
 
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Hfcfien Kandidaten: Reuschling mit 330, PH. Sack mit 235 und Benner mit 230 Stimmen, Reuschling lourde auch von der bürgerlichen Partei untersttljtt.

):v Klein-Lin den, 1. Sept. Im Saale yirDeut^ scheu (Siche veranstaltete heute abenb Herr Friedrich H eurp auS Wiesbaden rezilatorxfche Darstellungen auS ^Dr. Martin Luthers Leben, Wirten iuti> Kämpfen", ver­bunden mit 30 Lichtbildern. Der Saal war von Kindern und Erwachsenen überfüllt, die den Darstellungen und Borwügen inü größtem Interesse folgten. Ten Besuchern würbe " viel Gutes und Lehrreiches geboten.

Bad-Nauheim, 1. Sept. Aus der letzten Stadt- oerordneten-Versammlung teilt der r2Bett. Anz.^ folgendes mit: Nachdem die Vorlage ivegen Errichtung eines städtischen Elektrizitätswerkes in der Sitzung am Dienstag zu keinem Resultat gekommen ist, sand gestern nachmittag nochmals über die vorliegenden Projekte eine Sitzung statt, in rvelcher beschlossen wurde, mit dem Staat einen Vertrag wegen Lieferung der elektrischen Energie ab- zuschtteßen. Noch diesem Vertrag gibt der Staat vom 1. April 1506 auf 15 Jahre der Stadt den Bedarf an Elektrizität ab, ohne die Stadt an die Annahme eines gewissen Quantums zu binden. Wahrend dem Staat es untersagt ist, in dieser Zeit Elektrizität an Tritte zu verabfolgen, kann die Stadt innerhalb den 15 Jahren ein eigenes Werk nicht betreiben. Die Einheitspreise sind seitens des Staates für Annahme von Elektrizität, für Licht» und Kraftzwecke auf 25 Pfg. pro Kilowattstunde festgesetzt. Eine Ausnahme hiervon bilden die Abnahme von Kraft, eventuell Erbauung einer elektrischen Dahn für die 12 Pfg-, imd für Bedarf an Elektrizität für Krastzwecke beS Wagern'erke§, für welche 10 Psg. pro Kilo­wartstunde vorgesehen sind. Der Vertrag kann ein Jahr vor Ablauf von beiden Teilen gekündigt werden, anderenfalls derselbe mit einer zweijährigen Kündigungsfrist weiterläust. Die Herstellungskosten für Legung der Kabel, Schaltbretter rc., die Eigentum der Stadt sind, werden mit 120 000 Mk. vorgesehen.

(l) Friedberg, l.^Sept. Der Vorstand des Zucht» oerejuS für 6imtu e n taler Vieh hielt am 29v 30. und 31. Äugust in Rodheim, Rockenberg, Münze nberg, DölferSbettu, Wohnback», Asjenhcim, Laichen, Staden und Sttwrncheim Viebschauen mit Prämiierung des getanen Drehes ab. 710 Mark Fanten zur Verteilung. Der land- wirrschafttühe Provinzialoerein hatte 440 TLarf dazu be- wüügt.

(4-) Nidda, 1. Sept. In Ltchelkdorf widerftihr heute einer Frau das Unglück, ihrem Kinde mit dem Messer tn5 Auge zu stechen. Sie wollte Brot schneiden, wobei ihr das Mester auSgltft und ins Auge deS dabei sitzenden Rinbeß drang. Nach erster Hülfe emeS ArzteL brachten die Ntern das Kind zur Klinik nach Gießen.

3t AlS'seld, L Sept. Hier herrscht jetzt regeS mi­litärisches Leben. Gestern ntufrmittag bradjtrn vier Lange Extrazüge die Stemmen ter Nr. 87 und 88 uon Mainz jjia$er. Nach Hunderten hatten sich die Zuschauer am Bcchnhose ein gefunden und bereiteten den So Laben, die von zwei Legiuieutskapellen begleitet unter Hingen- dem Lprele hier einzogen, einen ftohen Enrpfang. Heute 'früh haben bte Mondo er und die ^chorffchie ßüb ungen am Homberg in unmittelbarer Nahe innerer Stadt ihren An­fang genanunen. Hier find für 10 Tage ca. 2000 Mann

B. B. Darmstadt, 1. Sept. Nachdem jüngst bei Be- Kchtrgmrg deS neu hergerichteten JnterimS-TheaterS sich du Mehrzahl der Stadtverordneten davon überzeugt hatte, daß auch das Aeußere deS Theaters dringend einer Er­neuerung bedarf, beschloß die heute nachmittag stattgehabte Stadtverordneten-Dersammlung, den früher abgelehnten Re- gierongSvorschlag auf Bewilligung von 4000 Mk. für den äußeren Verputz deS Hauses noch nachträglich zu ge­nehmigen. Damit die Herren Stadtväter in Zukunft immer ganz genau wissen, waS die Glocke geschlagen hat, wurde u. a. auch die Anschaffung einer elektrisch regulierten Uhr für den Sitzungssaal zum Preis von 225 Mk. beschlossen.

fe. Bensheim, 1. Sept. Die Ausführungen der pro jeitierten Eisenbahn-Verbindung Bensheim- Liudeufels ist infolge der Schwierigkeiten, welche die göumzieruug bereitet, in absehbarer Zett nicht zu er­warten. Die Herstellung eines bequemen und raschen Per­sonenverkehrs zwischen Bensheim und Lindenfels ist rntttgendes BedurfniL Es ist daher geplant, eine Ver­bindung zwisc^u genannten Städten durch Automobil- Omnibusse (viermal hin und yirüd täglich) herzustellen, san Aussthuß fflr diese Motor-Omnibus-ssZerbmdung yat sich gebüdLt und mtt hilft von Sachverständigen eine Berechn UUnK ausgestellt, welche bei einer peinlich vorsichtigen Äufsteyung eine Verzinsung des Anlerhekamrals von 71/2 ergibt. Es wird beabsichtigt, eine Gesellschaft m. b. H. z^ gründen und zunächst das Kcchitttzt für einen Vagen aufzubrinden und diesen baldigst laufen zu lassen. Um eine allgemeine Beteiligung an dem Unternehmen zu ermöglichen, sollen AntettscheinL zu 100, .500 und 1000 Mark ausgegeben werden. Tas Kapital für einen 16 sitzigen Wagen und die Nebenausgaben betragt 14 000 ML Später soll eine Verbindung zwischen Lindenfels und Fürth bezw. Reichelsheim i O. mit Motoromnibujsen Wetter hergestellt werden.

fc. Mainz 1. Sept. S. L 5. der Großherzog ttmwrt an dem Deutschen Jeuerwehrtage, der vom 3. bis 6. September hier stattfindet, nicht teil Ter Lotterie­kollekteur Döbler hat sich der hiesigen Behörde selbst gestellt und wurde in Untersuchungshaft genom­men. Er hat lieft, wie er behauptet, in Paris aufgehalten.

8. Frankfurt a. M., 1. Sept. Der 8. Parteitag her christlich-sozialen Partei wird am 27. und 28. September hier abgehalten; die Verhandlungen finden im Evangelischen VeremShauS Sachsenhausen statt. Die -Führer der Partei: Hofprediger D. Stoecker, Dr. Burckhardt, Pfarrer Wahl, Lic. theol. Mumm, Franz BehrenS, werden VorttSge halten, z. B. über: Drei Notstände, Finanzreform, Wohnungsfrage, Arbeiterbewegung. Tie christlich - soziale ^artr wurde am 26. Februar 1896 hier gegründet. Der 1. westfalische Wahlkreis hat den Vorsitzenden der Partei D. Stoecker, der 5. nassauische Wahlkreis den Sekretär Dr. Hurckhardt zu feinem Vertreter in den Reichstag gewählt.

Kleine M i t t e i l u n g e n a u s Hess en und den Nachbarstaaten. Erledigt ist die Stelle eines Steuer- ko mmissärS des CteuerkommissariatS Ober-Ingelheim. s. K. H. ocr Gcoßherzog haben Allergnädigst geruht, a ^4. August dem Schloßbeschließer Karl Haack zu Roni-

bei

Kerichtssaal

wegen

f ä n g n 14.

rod das Hofdienstehrenzeichen für 25 Dicnstjahre zu ver­leihen.- In Friedberg ist der Großh. Rendant i. P., Ludwig Christian Weigel, im Alter von 84 Jahren ge­storben.

[fin mit Genugtuung auf.

... -e m R e ch t e ist der vorliegende Fall nach

8 96 deS Strafgesetzbuches glS Entführung prasbar und

Ale Arote^attonskirche tu Speyer. HL

es bestehen Staat-verträge mit sämtlichen Staaten, wonach die Behörden dem Alaune, der die Rückgabe seiner Frau verlangt, Assistenz -u Icifttn haben. Ta eine öd)c ibu n g zwischen dem Prinzen Philipv von Koburg und der Prinzessin nicht ftattgesunden hat, steht bem Prinzen sclbslverstandlich noch immer das Reckst zu, dies -u verlangen, doch wurde oine Verfolgung des flüchtigen Paares bisher noch nicht angeordnet. Der Prinz wurde sofort von der Flnckst in strnntnis gesetzt. Er begab sich von seinem Schlosse Ebeutl)al nach Wien und hatte mit seinem Advokaten eine Unterredung, ebenso mit dem Kurator der Prin­zessin und mit einem Vertreter der beteiligten Hosbchörde, in welcher über die emzuleitenden Schritte beschlossen wurde. Nach weiteren Meldungen Hal Matachich für die Vorbereitungen zur Flucht etwa 50 000 Mk. verausgabt, die ihm von einer der Prinzessin ncü-estehenden Seite Zur Versüguiig geftcllt wurden. Matachich verfügt außerdem über große Barmittel.

Nach Meldungen aus Asch haben bei der Flucht zwei Auto­mobile mitgewirtt. Eines bm in der sJiad;t -um Mittwoch Asch passiert, der Weg des ztveiten Äutonwbrls ist unbekannt.

Koch und um die SoldatewMißhandlungen handeln.

Kassel, 1. Sept. Der Versah er des k o n s i s z i e r t e n SchlüsselronransDer Theater-Rüpel", Echter- mai)ec, wurde von der Straskammer wegen Verbiettung unzüchtiger Schrüten zu 400 Mk. Geldstrase verurteilt, während Redakteur Hiuzmauu von der Anklage der Beihilse sreigejprocheu wurde. Der Staatsanwalt hatte gegen Echterrnayer 4 Atonat Gesängui^ und 1 Jahr Ehrverlust beantragt.

Aschassenburg. 31. Ang. Ter Prinzregent hat die Strafen der acht Studierenden der hiesigen Forstlichen Hochichule, nxlche seinerzeit wegen Zweikampses zu je drei Monaten Feslungshast verurteilt wurden, aus je 14 Tage Festung herabgesetzt. Tie Strafen der drei Korpsbiener wurden au| je brat Tage ermäßigt.

Freilassung t>ennittclte, gerichtet.

Tie belgische Presie ohne Richtung nimmt die Nachricht von der Flucht der Priruessi

Nach ö^reichisch

fc. Wetzlar, 1. Sept. Die hiesige Straskamnier verurteil einen Agenten, der durch Annoncen Darlehen anbot und sich darauf vou denen, die auf den Leim gingen, Spesen einhändigen ließ, ohne daß er je m der Lage war, ein Darlehen zu beschaffen, B e t r u a s im wiederholten Rückfälle zuZJahcenGefa!

Frankfurt a SM., 1. Sept. Die Berhc

Drvander lirachte ein Hoch auf den Kaiser aus, Generalsuper- intenbent Kaftan aus die Stadt Amuveiler, Oberhofprediger Spiiuier-Weimar auf die Pfalz und hierauf ein Hoch aus den Gvobfstrzog vou SaciLen. .Pastor Pister (Amerika) toastete aus den Präsidenten Roosevelt als evangelischen Ehnsten. Gestern abenb sand Illumination in der Stadt und auf der Protestations- llrchc unter Glockengeläute statt.

Ftcöer Die Alucht der Prinzessin ^uise v. Koöurg

teilt derBogtl. Llnz." mit:

,/Die Prinzessin weilte Dienstag abend im Theater unb begab sich von. diorr in das HotelWettiner Hos" zurück, noch um halb zwölf Abendbrot unb zog sich bann zurück. Ihr Verschwuiben wurde erst morgens bemerkt. Gleichzeitig mit ihr ist ein angeblicher Hotelier Namens Josef Weiper aus Graz, der ebenfalls imWettiner Hof" lvvhnte, vcvsänvunbcn. Ter Maim wohtuc zuerst im dritten Stockwerk, ließ sick) aber am Tage vor der Fluckst ein Zimmer im Erdgcsckwb geben, das einen dir eklen AuSgmrg naä dem Gatten hatte. Turch dieses Zimmer ist die Fluckst erfolgt. Eine angebliche Frau Sckstlbert auS Dresden hatte am Tlbcnb vorher bei bem Fuhnvcrksbesitzcr Ernst Soergel ein zweispännige.» Geschirr für ein Uhr nachts nach Franzen^vad beflclU. Der zvutscher ist mit bem Gefchirr bis

lt ist noc nicht M ev- Mitteln gemeint. Festgestellt wurde, baß die Prinzeifiit noch um zwei Uhr mit ixem Geschirr von Bad Elster nach Hos gefahren ist. In ihrer Begleitung befanben sich zlvei Tamcu unb ein Herr. Vermutlich ist die PritizcN'in nach M ü n ch c n geflüchtet.

In Bad Elster ist der Flüster deS Autvowbils, .in dem die Prinzessm geslüchtet ist, wieder cingctroffcn. Nach seinen Aus­sagen sind di-c Fluchtigen, unb zwar Prinzessin Luife, her cl>e* malige Cberkuhiant Matachich, ferner ein Herr Joses Weitzer auS lÄvaz unb eine Freundin Matacknäv in fed>3 Stunben in rasendem Tempo imckstS nach Hos in Bayern gefahren. In Hos stiegen die vier Personen aus unb nahmen einen Wagen, während das Automobil nach Bad Elster zuruckfirtst. In Hos bestiegen die Flüchtigen den Berliner ^chtschiiellzug und suhren nach Atün- ch e n. Ä Ilern Aiischein nad> find sie bann wetter nach derSchweiz ^flüdrtct, doch liegen hierüber noch keine Nachrichten vor. Der schmuck ber Prinzessin, den sic mitgenommen bat, soll etwa 5100 Kronen ivert sein. Platachich soll in letzter Zeit 4050 000 Kronen besessen hoben.

In PartS verlautet, die Prinzessin sei dort eingetroffen und zwar per Automobil und ohne einen Bahnhof pu. berühren. Man erzählt, daß Oberleutnant Matachich bereits in der Vor­woche Vorbereitungen für die bevorstehende Atckunft ber Prin­zessin in Paris getroffen habe.

In Wiener voskreqen hat sich der Verdacht sofort auf Matachich und seine Freundin Marie Stöger, die schon feine Zusammenkunft mit der Prinzessin Luise in KoSwig nach feiner

erhaudluna gegen bei: Oberleutnant Witte, früher im Forbacher Train-Bataillon, beu vom hiesigen Kriegsgericht wegen Meineids und Soldatenmißhandlung zu 1 Jahr 3 Monaten Zuchthaus unb Ausstoßung aus dem Heere verurteilt wurde, vor dem hiesiaeu Ober-Kriegsgericht findet am 15. September statt. Da der Gerichtsherr keine Bei'iisung ein­gelegt hat, scheiden in dec Verhandlung vor dem Oberkriegsgericht diejenigen Piinkte der ursprünglichen Anklage, in denen das Kriegs­gericht auf Freisprechung erkannt hat, auß Der Verhandlung aus. ES sind daher viel weniger Zeugen geladen und das Oberkriegs- gericht hat nur einen Tag für die Verhandlung vorgesehen. Es wird sich also in der neuen Verhandlung nur um den gesellschast- lichen Verkehr dcü Oberleutuauls Witte mit der verstorbenen Frau

Speyer 1. Sept.

Zur Nachfeier w-uebe eine Fcstfahrt nach ber Burg Trifels ___ Amuvciler, bitß festlich geschmückt war, unternommen. Der 'JLbg. Diehl entbot ben Teilnchmetti einen Gruß. Beim Festmahl Iwackste ber VorstKende Tivisioiispfarrcr Büttel einen Toast auf ben Prinzregcutcn Luitpold .auß und vcrlaö folgendes Telegramm:Seine Königl. .Hol-cit der Prinzregent haben über bie loyale Huldigung, welche die zur Feier der Einweihung ber GcdächtniSlirche ber Vrotcstation vereinigte Festvcr-sammlung bi dankbarer imb ergebener Gesinnung barbrachte, aufrichtige Freude cnipfimbcn und lassen allen Festteilnehmcrn mit dem besten Danke für die kunbgcgebene Aufmerksamkeit ihren frcund- lid^'n Gruß entbieten. Im allerhöchsten Auftrag Freiherr von Wicdemami, Geucralleumant, Generaladjutant." Oderhofprediger

Die Ehe der Prinzessin mit bem Prinzen Philipp von Koburg soll von An sang an nicht glücklich gewesen sein. Tic Prinzessin sei von ihrem Vater, bem König der Belgier, so yeißt es in den Memoiren des Grafen Matachich sozusagen verichacherl worden, damit er sich ungenierter bewegen könne. Prinz Philipp hätte jeiner F-rau gesagt jo heißt cs in den Memoiren!, daß er sie "haupliachlich gehettatct habe, weil er in ihre Mutter, die König: n der Belgier, ver­liebt gewesen sei. .Sie klagte darüber, daß er das ihr gesagt. Ferner Jjätte die Herzogin viel von den Nachstellu ngen ihresSchwagers ,dcs jetzigen Fürsteu von Bulgarien, erzählt, ber eine wahre Leidenschaft zu ihr gefaßt hatte. Er hätte ihr sogar einen Dolch gegeben, um den Gatten z u töten. Auch Geld hätte er ihr a n g c bo t c n , unb un­beschreiblicher Ekel hätte sie über alle bieje Tinge erfüllt, die sie allein zu tragen gehabt. Tie Entftemdung der beiden Gatten hatte bereits Platz gegriffen, als auf einer Redoutc im Karneval 1896 in Abbazia Oberleutnant von Matachich her Prinzessin Luise vorgeftellt würbe, deren Liebe er bald gewann. Beide gaben sich der schnell cmporlobembcn Leidenschaft so rück­haltlos hi»? bau sie jebe Vorsicht vergaßen und ihr Verhältnis halb ein öffentliches Geheimnis wurde. Ta die ber Prinzessin

Gebote stehenden Mittel bei dem ungewöhnlichen Aufwand, den sie trieb, nicht weit reichten, würben Wechsel gefälscht, und als dies bekannt wurde, ließ sich ber Skandal nickst meist Dcrmeiben. Ob unb in ivelchem Maße Matachich an ber Wcchsel- fälschung beteiligt war, ist in völlig zweifelsreier Meise nicht feftgeftcllt worden, vom ZttiegSgcricht aber würbe er schuldig be­funden, mit Ausstoßung aus dem Heere und sechs­jähriger Kerkerhaft bestraft. Prinzessin Luise hin­gegen wurde für geistig minderwertig erklärt und au: Grund der ärztlichen Gutachten in Heilanstalten, zuletzt in der Piersonschen in Koswig bei Meißen interniert. Inzwischen blieb Matachich bei der Verstcl-crung, daß er unschuldig sei, auch nach­dem er vor zwei Ialsten ohne sein Zutun begnadigt worden war. Taneben hielt er aber auch an seiner Liebe zur Prinzessin Luise fest und versuchte unausgesetzt sich ilst zu nähern. AIS der Ottat mit Matachich eintrat, wurde dieser auS Wien und Oesterreich aii^widcn, wLHrcNd bie Herzogin zum Kaiser be­fohlen n/L'iföc. Der Kaiser sagte zu ihr:Euere Königliche Roheit! Ich bin lch?r ailev genau unterrichtet. Ich bedauere » l;r, daß Caere Königliche Hoheit dieses Jahr ben Hosfcstlick)- teikn nickst bcv.ivl/nen löunen. aber es sind Fehler geschehen, ich bin hbec alles »nau informiert." Die Prmzessvi suchte ßinz

verinstchte».

* Berlin, 1. Scpt. Der Mörder des Schul­mädchens Koschorrek, der Sch,uhmach,ermeister Os­kar von Busse, geboren im Juhre 1872 zu Dziewa, Kreis Juowrazlaw, wohnhaft in demselben Hause, wo die Mordtat geschah, wurde heute verhaftet und gestand die Tat ein. Er wollte das Mädchen vergenxütigen. Ms dieses um Hilse rief, erstickte er es mit einem Kopfkissen des Bettes und schleppte die Leiche nach der Erstarrung am hellen Tage in den Keller. Tre Entdeckung des Mör­ders erfolgte durch Aufsindung des Strohhules des Mäd­chens in der Wohnung des Mörders.

* Berlin, 1. Sept. Bei einem Gerüst-Einsturz auf dem Kessclwerk bei Allgemeinen Elektrizttäts-Geselü schast in Nieber-Schonweide wurde gestern ein Maurer ge­tötet, tvährcnd ein zweiter schwere Verletzungen davon­trug.

Breslau, 1. Sept. In Orzesche in Oberschlesien er- schlug die trunksüchtige Frau eines italienischen Ar- betters die beiden kleinen Kinder ihres Nacybarn durch Beilhiebe. Tie Mörderin hat bereits früher einmal eine ähnliche Untat begangen. Sie wurde aber wegen Geistesstörung damals frcigesprachen.

* Paris, 1. Sept. Die Polizei verhaftete hier oen Sohn eines Kaufmannes aus Buenos-Ayres. Derselbe hatte 30 000 Francs unterschlagen. In Dou-eiers, wo sich augenblicklich das 146. Infanterie-Regiment in Quartier befindet, stürzte gestern die Decke eineS Gasthaus- z i m m e r s ein, in welchem sich zahlreiche Soldaten be­fanden. 15 derselben sind verletzt worden und mußten ins Spital gebracht werden. Nach einer aus Saigon in Mar­seille emgetrofJenen Korrespondenz sind 57 Gefangene aus Poulo Eoudor mittels einer Barke entflohen. Ter Gouverneur hat umfassende Maßregeln getroffen zur Entdeckung der Flüchtigen.

* Ne w y o r k, 1. Sept. Ter japanische (?) Farmer Gerson Marx wurde unter dem Verdacht verhaftet, auf seiner Farm eine Mördergrube eingerichtet zu haben Er erschlug angeblich seine Arbeiter, sobald sie Lohn verlangten. Hmtsiereru und Händlern gab er ver­gifteten Schnaps und verscharrte bann die Leichname. Vier Mordtaten sollen ihm scyon nachgewiesen sein. Die Umgrabung des ganzen Terrains verspricht ein weiteres Material zutage zu fordern. Der jetzt 80jährige Marx hat 27 K i n b c r.

* Hoflieferanten- und Kommerzienrats* titel schnellstens, direkt. Distretion. Haupt- posilagern d". Ein Insepat des Inhalts, das kürzlich veröffentlicht wurde, wirb jetzt in der Presse kommentiert. MS Antwott auf eine Anfrage ging folgendes Schreiben ein: Geehrter Herr! Bezüglich Ihrer geschätzten Offerte bezüg­lich Komllicrzicnrattitel teile Jlstnri ergeben st mit, daß ich durch direkte Verbindungen in der Lage bin, an erster und oberster Stelle die Angelegenheit zu arrangieren, und könnten Sie bereits innerbafb vier Wochen im Besitz des Patentes sein. Voraus­zahlungen haben Sie nicht zu machen. Ich erbitte Ihre baldige gefällige Antwort, eventuell wann und wo ich Sie sprechen kann, da in nächster Woche noch mehr vorlicgen könnte. Sie können auch alle anderen Titel und Orden durch mich direkt und bestimmt erhalten. Ich rechne auf Ihre strengste Diskretion unb zeichne hochachtend Tivektor F. W. Rocktäfck)el, Berlin. Alexanderstt. 36a."

T-er Glaube, baß es Leute gibt, die Unternehmern ge­gen entsprechende Barzahlung Orden und Titel verschaffen können, batiert nicht erst auS bem Pommerubank-Prozeß her. Dcrfchiebene Gerichtsverhandlungen aus den 80 er und JO er Jahren, so die Prozesse gegen Baron Lebersteiger 1885, gegen Hoftat Manchs 1891, gegen Alexander Fischer 1892, gegen Pfahl 1897 brachten wunderliche Dinge ans Licht. Kaiser Josef II. stellte einen Tapif auf, nach dessen festen Preissützen untcrfchiebslos jedermann den begehrten Titel gegen Barzahlung beziehen konnte. Ein Grafendiplom war für 20 000 Gulden zu haben, für ein Fürstenbiplom mußte ein Graf Palm eine halbe Million Gulden bezahlen,' für die Hälfte dieses Geldes warb ein Findelhaus angelegt.

* Eine Familientragödie. Jur holländischen Orte Losse erschoß der evangelische Pastor Dgcr seinen A b o p t l v s o h n R o stm a r. Er warf sich dann vor einen Perfonenzug unb schoß sich, als dieser hielt, eine Kugel in den Mund. Dger war von semem Wopttv- sohn vor einiger Zeit angezeigt, gegen seine Haus­hälterin einen Gistmordversuch gemacht zu haben. Tie Verhandlung endete mit ber Freisprechung des Pastors.

Wendungen zu machen, ber Kaiser sagte indessen:Ich weiß alle-, es sind zweifellos Fehler geschehen. Ich weiß, daß Euere ftönig- licf>c Hol-eit über Schönbrunn nach PaukerSdvrf gefahren sind in einem Mietsfiaker, allerdings Ivar ein Lakai am Bock und Ihre Tochter in Begleitung, doch habe ich auch Keuntms, daß der bewußte Ulanen-Offizier eine halbe Stunde nach Ihnen den- eiben Weg gefahren ist." NocknualS versuchte die Prinzessin von Kalatsch und Verleumdungen zu reden, doch der Kaiser erhob sich, agle abweisend:Ich weiß alles", reichte der Herzogin die Hand, und die Audienz Ivar zu Ende. Tie Prinzessin war damit vom Hofe verbannt.

Tie jetzt 46 Jahve alte Prinzessin hat zwei Töckckcr, deren eine, die Prinzessin Torvthca, mit bem Herzog Ernst Günther von Schlesung-Holstein, dem Bruder der deuvsck-eu Kaiserin, ver- mähll ist.