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2.9.1904 Zweites Blatt
 
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Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sehen Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

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Tel. Nr. 61. Telegr.-Adr. r Anzeiger Gieße«,

Nr. ZOG Zweites Blatte 154. Jahrgang Freitags. Septeruver 1904

ertc^ctttt ^Slich mit Ausnahme de« Sonntags. /V

DieGiehener Zamilienblatter" werden dem El RI tlZ 4^ H ft

-Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der UV V K O VV MU' R UW U 1

mhejfische Landwirt-- erscheint monatlich einmal. V V ZK VltVV i G' W W G W W*

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Dolitilche Tagesschau.

Pernerstorffer.

f TieKveuzztg." fragt, welche Grimde man m Karlsruhe Wbt habe, .Herrn Pernerstorffer daS Reden auf Kvsten des 'lnsehens linserer Reichsgewalt zu gestatten. Das Verbot, Preußen öffentlich anfzutreten, sei kein bloßer Etnrelf wesen: es habe die Einleitung eines gemeinsamen gehens aller deutschen Staaten gegen J;

lyrische Jättnfeit auswärtiger . ® »,«' "J,"6,,®. kraten bedeuten sollen, mährend ja sonst bei ®c^1tlÄ LnP Ilmstiirzdartei von einheitlichem Verfahren keine Rede fn Man lmbe sich im Karlsruhe nicht entschließen können, von oem allerwärts anerkannten A u ö w e i su n gs r e ch 1 e ^e brmich zu machen, weil man dort sich vor dieser ObstritrN mehr fiireiste, als vor der lebendigen Wirklichkeit, W sie M oer preußischen Staatsräson zum Ausbruch gelangen. <-

Nur in Preußen und Sachsen Veltzmdelt man dre Sv- zialdeinokratie >»euigstens von feiten der Verwaltung als eure nie st gleichberechtigte Partei. Ueberall anderswo hat es Mit Anschein, als sollte gut gemaclst Mrden, lvas in Berlin uw Dresden gesündigt wird. In München sind die intimen Beziehungen des Abg. v. V o l l m a r z u e i n f 1it reichen Stellen ein öffentliches Gel-einims; rn Stuttgart aebt man mit der Sozialdemokratie fo liebenswürdig um, oatz

Auw Hage von Sedan.

Menn auch in seiner Bedeutung als Nationalfesttag nrcht mehr durchgehalten, wird der Tag von Sedan in dem Gedenken der Deutschen bis in fernste Zeiten einen Markstein unserer vaterländischen Entwicklung bilden. Denn er bezeichnete, wie niemand demütiger der göttlichen Vor­sehung gegenüber gesagt hat als Kaiser Wilhelm L, eine Wendung durch Gottes Fügung, die bei Beginn des uns von Frankrerch aufgedrungenen Krieges nicht für möglich gehalten worden wäre. Kaiser Napoleon persönlich war nicht verblendet genug, um nicht die Spekulation auf die fortdauernde Uneinigkeit der deutschen Fürsten und Stämme für eine schr gewagte Sache zu halten. Zu­mal nachdem das Zustandekommen der militärischen Schutz- und Trutzverträge zwischen dem Norddeutschen Bunde und den süddeutschen Staaten bekannt geworden war, und Bis­marck vor versammeltem Reichstag erklärt hatte, das Spiel sei mit Königgrätz durchaus noch nicht gewonnen, der Einsatz aber habe eine Verdoppelung erfahren, ge­hörte ein tollkühner Mut dazu, das Schicksal, oder wenn man will, das Gericht der! Weltgeschichte so herauszufor­dern, wie es die Regierung in Paris tat, indem sie an dem denkwürdigen Fulitag des Jahres 1870 dem König von Preußen den Krieg erklärte. Es ist längst geschicht­lich festgestellt, welchen großen Anteil daran, daß die Kugel des Rachebedürfnisses für Sadowa rasch ins Rollen kam, wieviel Schuld parteipolitische und höfische Gewinn­sucht hatten. Der Kaiser der Franzosen selbst war willen­los und zu einem Spielball in den Händen der Parla­ments- und Hofstreber herabgesunken. Sehr bald zeigte sich, daß er nicht einmal der Aufgabe gewachsen war, für eine einheitliche Truppenführung bemüht zu sein. Da­durch, daß für letztere im deutschen Heere gesorgt war und daß in ihm jeder den Platz einnahm, an den er ge­hörte, wurde eine lleberlegenheit von vornherein bedingt. Um zu einer so erfolgreichen emporzuwachsen, als welche sie in den Büchern der Geschichte fast ohne Beispiel da­steht, fehlte nichts als der zwischen den verschiedenen Starmnes-Angehövigen des großen deutschen Volles in Waffen entfachte Wetteifer in der Betätigung alter deutscher Tapferkeit umsoweniger einen Unterschied ersichtlich wer­den zu lassen, jemebr hierauf von dem Erbfeind deutscher Einheit gehofft worden war.

Die Geschichte des Tages von Sedan legt hierfür ein so rühmliches Zeugnis ab, daß es unvaterländisch im äußersten Grade war, wie Bebel sich unlängst auf dem internationalen Sozialistenkongreß in Amsterdam geäußert hat. Der Wortlaut seiner in Frage kommenden Groß­sprecherei ist bis jetzt nicht festgestellt. Zunächst hieß es, er habe erklärt, daß die deutschen Sozialdemokraten froh sein würden, wenn dem Deutschen Reiche durch, einSedan", wie es Frankreich erlebt habe, die Republik beschert würde, und er habe sein Bedauern ausgedrückt, daß eS in Deutsch­land dem politisch und Militärisch schlechtestregierten Lande noch Monarchien gäbe.

Stellt man sich die Republik vor, die unter Bebels und seiner Genossen Aegide dem deutschen Volke blühen würde, so kann man die Empörung verstehen, die ob dieser Aus­lassung emporloderte, diese Empörung aber zwang das sozialdemokratische Zentralorgan zu einem Rückzug. Nach der von ihm umredigierten Lesart habe Bebel tnt Zu­sammenhang mit der Erinnerung an den Zusammenbruch des französischen Kaisertums gesagt: Wenn unter ähn­lichen Voraussetzungen in ähnlichem Gegensatz zwischen Volks- und Kulturinteressen einerseits und dynastischen Fn- teressen andererseits wir das deutsche Kaisertum verlieren nTÜrden, so wäre es kein Schade für das deutsche Volk und seine Kulturin teressen.

Nur scheinbar ist durch diese neue Lesart die schlechte Sache Bebels besser gemacht worden.

Karser Napoleon ging seines Thrones verlustig, weil er srch die Vertreter derjenigen Leidenschaften hatte über den Kopf wachsen lassen, die dem bestverstandenen Interesse des französischen Volkes feindlich und in Wirklichkeit kul- tunmdmg waren. Soweit sind wir denn doch heute noch nicht, und wären wir"s, es wäre nicht schön, dem Aus- land den Wunsch nahe in legen, nrit seiner Hilfe davon loszulommen. Die Mehrheit des deutschen Volkes, auch dicienigen Kreise, die mit Besorgnis die Zugcsta^>nisse unserer Reichsregteruna betrachten und auch dre anderen, die die Monarchie nicht als die für alle Zeiten ernW mögliche Staatsform für Deutschland betrachten, sind völlig anderer Meinung als Bebel Sie würden den Pre^ erner Niederlage mit seinen Folgen eines politischen und wirt­schaftlichen Niedergangs des Deutschen Reichs für unend- lich viel zu hoch halten, um dagegen nur einen am deren Kurs oder gar eine andere Form der Regierunig nnzutauschen.

Bebel sich in Amsterdam für tadellose Aufnahme des Inter­nationalen Arbeiterkongrefses am Nesenbach hat geglaubt ver­bürgt zu dürfen. In Karlsruhe ist die Pernerstorffer gewährte Redefreiheit nichts neues; das deckt sich mit der dort seit Jahren verfolgten Richtung vollkommen. Allerdings aber ist es neu, daß man sich in Darmstadt dazu aufgerafft hat, in der schärferen Tonart zu reden. Bisher galt gerade diese Residenz als besonders beliebter Tummelplatz sozialdemokratischenLebens und Strebens". Der SchchHen dürfte dort im gesellschaftlichen, ja selbst im polnischen Sinne die Vermittelung Hilden. Um so interessanter wäre ed1, zu erfahren, was den Umschwung herbei­geführt hat, vorausgesetzt natürlich, daß dieMaßregelung" Pernerstorffers einen Umschwung bedeutet und nicht vereinzelt bleibt.

DieKveuzztg." ist in ihrer Polemik wieder einmal recht unglücklich. Preußen und Sachsen als Muster für die Behandlung der Sozialdemokratie vorzuhalten, ist recht römisch. Die Re­gierung in Darmstadt wird wahrhaftig keine Lust ver­spüren, nach dem Vorbilde dieser beiden norddeutschen König­reiche sich eine Sozialdemokratie großzuziehen. Die Bureaukratie in diesen beiden Ländern hat das meisterhaft fertig gebracht, das Gegenteil freilich gewollt. Jedenfalls ist die Methode Preußens und Sachsensim Kampfe gegen die Sozialdemokratie nichts weniger als musterhaft. Doch nachdem einmal das Frankftirter Verbot von der preußischen Regierung erlassen war, nachdem der Oester­reicher in seinem Briefe an des Reiches Kanzler das deutsche Gastrecht verhöhnt hatte, da war die einzig logische Konseguenz das Offenbacher Verbot, und gleiches Vorgehen hätte man in Mannheim erwarten di'irfen. Daß diesen Standpunkt auch die katholischeKöln. Volksztg." teilt, verdient Beachtung. Die Ab­kanzelung, die das Berliner Junkerblatt sich> gegenüber den süd­deutschen Regierungen herausnimmt, und dessen Witzeleien von Darmstädter Vermittelungsschoppen sind für ernste Widerlegung zu albern. Man scheint in gewissen preußischen Kreisen nicht zu begreifen, daß fürstliche Ungezwungenheit und Höflichkeit Re­gierungsprogramme bestimmen.

Das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu bessern, ist eine der wichtigsten sozialen Aufgaben der Gegen­wart. Auch im landwirtschaftlichen Betriebe ist diese Frage brennend, die Nickst selten dadurch zum Ausdruck gelangt, daß es vielcrorten siir den Arbeitgeber unendlich schwierig, ja biÄoeilen unmöglich ist, in ausreichender Zahl geeignete Arbeits­kräfte zu erhalten. Daß in dieser.Angelegenheit die Alkohol- frage eine Rolle spielen könne, ist bisher wenig oder gar nicht beachtet worden, Zu der Erkenntnis haben erst die praktischen Erfahrungen geführt, welche der Rittergutspächter A. Smith auf dem von ihm bewirtschafteten, etwa 1200 Morgen Acker- und Wiesenlandes umfassenden Gute Ni-endorf in Lauenburg ge­sammelt hat.

Smith, der selbst 7eft Jahren enthaltsam lebt, hat es im Laufe verhältnismäßig kurzer Zeit erreickst, daß seine Arbeiter mit wenigen Ausnahmen diesem Beispiele gefolgt sind. Dabei ist nicht der geringste Zwang ausgeübt worden. Schon sehr bald gingen sämtliche .GutsarbÄer auf den Vorschlag Smiths ein, ihnen statt des üblick)en täglichen Deputats von Schnaps und Bier am Ende des Jahres eine entsprechende Summe in barem Gelde zu bieten .Die Folgen dieser Maßnahme sind ftir beide Teile die denkba^ günstigsten gewesen Das Woblbeftnden der Arbeiter sowohl wie ihre LeistuTrgen steigerten sich in hohem Grade, ebenso wuchs das geaenseittge Vertrauen zwischen Ar­beitern und Gutsherrn. Smith weift in einer Broschüre int ein­zelnen nach, welche großen Vorteile sich für den Arbeitgeber aus der Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit seiner Ange­stellten ergeben und wie noch viel schtoerer die intellektuellen und ethischen Qualitäten ins Gewicht fallen, die der Arbeiter infolge der AbUnenz gewinnt. Ferner wird gezeigt, daß bei der Turckstührung der neuen Lebensweise nicht die geringsten Schwierig­keiten oder Nachteile zutage treten, sondern daß die Vorteile vom Arbeiter rasch erkannt und gewürdigt werden.

Im zweiten Teile seiner Schrift weist der Verfasser auf die Möglichkeit hin, alkoholkranke Landarbeiter als Gutsarbeiter an­zunehmen und während ihre^> Arbeitsverhältnisses durch und zur Mstinenz zu heilen. .Auch auf diesem Gebiete hat Smith praktische Versuche angestellt und die besten Erfolge erzielt. Das Verdienst der Smithschen Schrift ist kein geringes. Werden doch lediglich praktisch erprobte und.durchftihrbare Ratschläge erteilt, von denen man hoffen darf, daß sie manchen Landwirt veranlassen werden, einen gleichen Versuch zu wagen. Auf jeden Fall ist es dringend zu wünschen, daß man in allen Kreisen der Landwirtschaft diesen wertvollen Anregungen die gebührende Aufmerksamkeit schenken möge.

AM Stadt Md Sand.

Gießen, den 2. September 1904. 1

** Vom Manöver. Gestern trafen hier ein und stiegen im HotelGroßherzog von Hessen" ab: Se. Exzellenz der kommandierende General von Eichhorn aus Frankfurt, Se. Exzellenz Generalleutnant Frhr. von Gall aus Darm­stadt, Generalmajor Graf von Kanitz aus Darmstadt, Major von der Osten aus Frankfurt, Major von Waldersee au? Darmstadt und Oberleutnant von Hadeln aus Darmstadt. Heute, am Sedantage, findet Regiments-Besichtigung der Infanterie-Regimenter 116 und 168 bei Gießen, morgen Regiments-Uebungen der Feld-Artillerie-Regimenter 25 unti 61 bei Lich, am 9. September Besichtigung der 41. In­fanterie-Brigade bei Alsfeld, am 10. September Besichtigung der 49. Infanterie-Brigade bei Gießen statt.

** Ein Raubanfall ist vor wenigen Tagen in unserem Stadtwalde an der Straße nach Rödgen an einer Frau verübt worden. Die Frau befand sich in Gesell­schaft ihrer beiden ihr vorauSeilenden Kinder. Plötzlich stürzte sich ein Mann auf sie und verlangte von ihr Geld, widrigen­falls er sie niederschlagen werde. Die beherzte Frau ries ihren Kindern zu, sie möchten den zufällig gerade in der Ferne entgegenkommenden Mann heranrufen. Auch der Wege­lagerer sah nun, daß für ihn Gefahr im Verzüge sei, und nahm schleunigst ReißauS, ohne der Frau etwas angetan zu haben. Er wurde aber bald ermittelt und verhaftet und ist gestern abend dem hiesigen Polizeiamte zugeführt worden.

** Prüfungsordnung für Apotheker. Das Mntsteviunr des Jnnerft weist in einem Aussehreiben dar­auf hin, daß der Meldung zur pharmazeutischen Vor­prüfung des von einem Gymnasium, einem Realgym­nasium oder einer Oberrealschule ausgestellte Zeugnis der Reife für Prima oeizufügen ist. Die Inhaber eines Zeugnisses einer Oberrealschule müssen außerdem'

den Nachweis erbringen, daß sie bereits bei Zulassung z-ur Apothekerlaufbahn in der lateinischen Sprache diejenigen Kenntnisse besessen haben, welche für die Ver­setzung nach der Ober-Sekunda (eures Realgymnasiums) notwendig sind. Wer spätestens am 1. Oktober 1904 als Apothekerlehrling ein getreten ist, wird zu der Prüfung auch dann z-ugelassen, wenn er den Nachweis der bisher erforderlichen Vorbildung erbringt.

Israelitisches Religionsschulwesen. Das hessische Ministerium beabsichtigt schon seit längerer Zeit, eine Beflerstellung der israelitischen Religionslehrer herbei­zuführen. In Oberheflen hat man bereits den ersten Anfang dazu gemacht. Einzelne Kreisämter haben eine Verfügung an die israelitischen Gemeinden erlaßen, derzufolge in den Verträgen mit den Lehrern die Bestimmung ausgenommen werden soll, daß ihnen ohne Zustimmung der Behörden nicht gekündigt werden darf. Es haben Konferenzen zwischen dem Provinzialdirektor, den Kreisämtern und den Vorständen größerer israelitischer Gemeinden stattgefunden, und es ist anzunehmen, daß noch weitere Schritte zu Gunsten der israelitischen Lehrer bevorstehen, deren Wünsche dahingehen, definitiv angestellt und mit den Volksschullehrern gleichgestellt zu werden. Es wird übrigens auch dahin gearbeitet, daß in Zukunft möglichst nur seminaristisch gebildete Herren An­stellung als israelitische Religionslehrer finden, selbstverständ­lich nur in solchen Gemeinden, die die Kosten dafür auf­zubringen vermögen. Die definftive Anstellung könnte nv- durch Landtagsbeschtuß erreicht werden.

* Mit einem Meisterstück der Kunststickerei ist dieser Tage die israelitische Gemeinde für ihre Synagoge an der Südanlage beschenkt worden. Der erste Vorsteher der Gemeinde, Kommerzienrat Heichelheim, dedizierte für den Thoraschrank einen reich in Goldstickerei ausgeführten wertvollen Vorhang, welcher ein sinniges Gegen­stück desjenigen Vorhanges bildet, mit dem der Schrank an hohen Feiertagen verhängt wird.

** Der Stenographenverein Gießen feiert am Samstag abend im Philosophenwald sein 43. Stiftungsfest. Wir verweisen auf den Annoncenteil. Gäste können ein­geführt werden.

Gießener Volksbad. Im August wurden ver­abreicht 10513 Bäder gegen 16330 im Juli 1904 und 8883 im August 1903, oder im Durchschnitt pro Tag 339 Bäder gegen 527 im Juli 1904 und 311 un August 1903. Der Besuch hat sich wie folgt verteilt: Schwimmbad 4501 Männer, darunter 736 zu 10 Pfg.,

, 2043 Frauen, 468 , 10 ,

Wannenbäder 1. Klasse 241 Manner, 111 Frauen, , 2. 656 , 532 ,

Dampf- und Heißlustbäder, sowie Massage zusammen 102 Männer und 20 Frauen, Brausebäder 1913 Männer und 394 Frauen. Die Personenwage wurde von 280 Per­sonen benutzt, das Bad von 8 Personen besichtigt.

Die städtischen Brückenwaagen brachten im abgelaufenen Jahre für Verwiegungen folgende Einnahmen:. Neustädter Tor 2442,28 Mk., 2. Frankfurterstraße 2432,35 Mk., 3. Margaretenhütte 272,03 Mk., im Ganzen 5146,60 Mk. gegen 4988,70 Mk. in 1902/03. Im Voranschlag war für 1903,04 eine Einnahme von 4600 Mk. vorgesehen, denen an Ausgaben 1773,90 Mk. gegenüber stehen. Die Ein­nahme hat demnach ein Mehr von 388,70 Mk. über den Voranschlag ergeben und beträgt abzüglich der Unkosten netto 3215,80 Mk., welche für die ordentlichen Ausgaben der Stadt mit verwendet wurden.

** Gemeinnützige Wohnungssür sorge. Ein schönes Beispiel gemeinnütziger Wohnungssiirso-rge ist in letzter Zeit von zwei kleinen hessischen Gemeinden geliefert worden. In Astheim (Kreis Groß-Gerau) bildete sich vor etwa Jahresfrist eine Baugenossenschaft. Derselben trat auch die Gemeinde bei, die außerdem die Aufnahme der er­forderlichen Darlehen bei der Landeskreditkasse und War bis zu 90 Prozent der Selbstkosten der Häuser nebst Bau- grlmdstückeu beschloß. Die Genossenschaft hat nunmehr vier Einfarnilienhäuser erbaut. Diese enthalten je 2 Stuben/ eine schöne abgeschlossene Küche und int Dachstock noch ein schönes und geräumiges Zimmer. Außerdem ist in einem kleinen Nebengebäude ein Stall für Schweine und Ziegen vorhanden, und da die Baugrundstücke ca. 250 Qua­dratmeter groß gewählt wurden, so bleibt den Leuten auch noch ein nettes Gärtchen. Die Hauser kosten im Durchs schnitt einschließlich Grund und Boden 2900 Mark, auf welche Summe die Käufer 10 Prozent einzahlen mußten; der Rest ist mit 3,6 Prozent zu verzinsen und nrit3 X Pro­zent zu amortisieren. In Steinfurth (Oberhtzssen'» hat die Gemeinde selbst bisher drei Einfamilienhäuser gebaut, die nötigen Darlehen bei der genannten Kasse ausgenom­men und die äHuser au minderbemittelte Ortseiuwohner weiter, verkauft. Die Häuser sind ungefähr ebenso groß als die in Astheim, nur ist das Dachzimmer nicht aus'- gebaut, umS aber noch jederzeit nachgeholt werden Rinnt Der Preis der Häuser ist ebenfalls rund 2900 Mk. In beiden Orten mußten sich die Leute mit sehr beschränkten und zum Teil auch ungesunden Wohnungen hebelfen, wäh­rend sie jetzt schöne Wohnungen haben und auch ihre wirtschaftliche Lage erheblich verlstsstrn können, da sie mirm die.. regelmäßige Abtragung mit der Zeit schuldenfreie Besitzer der Häuser werden. Die Leute halten sich außer einigen Ziegen auch in der Regel zwei Schweine, von denen eins für den eigenen Haushalt geschlachtet und tu^s an­dere verkauft wird, ferner zielen sie sich in ihrem Gärt­chen Kartoffeln und sonstiges Mrnüje, alles Vorteile, die sie in ihren früheren Wohnungen entehren mußten. Dieses einsichtsvolle Vorgehen zweier kleiner ^emeinben verdient nicht nur Anerkennung sondern es sollte auch andere ^Ge­meinden zur Nachahmung veranlassen.

8 Heuchelheim, 1. Sept. Äci der gestrigen Gc* meinderat swa hl siegten die svzialdc'm ok^a«