Ausgabe 
1.10.1904 Viertes Blatt
 
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Mr. S3I

Vieltes

Blatt

Jahrgang

Gekreral-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Schwurgericht.

auf b«v Grab nieder"'

«lein Wüllbrandt?

-vmi

Vatcr gefreut Abend

Den de ssen verlassen.

folgt.)

der Herr Pfarrer n-ar Leitern tilbenb noch del Herrn

Erscheim tSgNch mit Ausnahme des Sonntags.

Die ..GleHener Familienblätter- werden dem sAn-erger otermal wöchentlich beigelegt. Der Etzeffischr Canöwid** erscheint monatlich einmal.

*nt sic bt'Ni jungen Mädchen ent* Stritt zurrnkwich, ixnn aber sich

eegggg »«I. .

A«r Krieg zwischen Japan und Iußlaud. AvS der Mandschurei.

Ktrche ur?d Schale.

Straßburg, 30. Sept. DerCksäffer" weiß von foc-gendom kirchLich^polttischen Zwischenfall zu berichten, der sich in Gorze zm^trugLn hctt: 'M Dienstag begab sich, der Pfarrer Karsr auf Anordnung des Bischofs Venzler nach Gorze, um die kanonische Visitation der Pfarrkirche in der dortigen ÄnstakL vorznneyiwen. Der Di­rektor der 'Anstalt Viaceras habe jedoch erklärt^ daß der Eintritt in dre Kapelle auf ausdrücklichen Befehl des Vezirkspräsidiums ihm verweigert tverden nrLzse. Dieses Verbot richte sich direkt gegen den Bischof 1 Benzler. Der ^Elsässer" schließ! seinen Bericht mit dem ^Verlängert, daß die 'Angelegenheit untersucht werden müsse.

In brvijt-n&i'r Heilung Legen, das ersehwcc« einen rasch faßte unv cwiberk*:

,/Wie kommen eie zu i Ich bcrftcfr? S^rte ul

^ller - - 1^1$ fortgchcu. Und Sie haben recht ge­raten, Frünletn Vollamr ich will von diesem Grabe Aöschred nelmren. Das kommt Ihnen wohl sonderbar vor?" setzte sie mit einem Herren Lächeln hinzu.

Gewiß nicht", entgegnete Käthe Vollmar sanft.Ich be- grerfe vollkommen, batj. eS^ie nochmals an das Grab des armen Lotter tmeb, der einen solch schrecklichen Tod erleiden umvte."

Stz .Boamfen eS?" fragte Fräulein Wüllbrandt WottifcKEs tft ja aber auch nichts Wunderbares dabei, denn mein Weg zur BalMstatron führt mich hier vorüber und da trat ich hier em."

,JjJetdtfam wie unter einem plötzlichen Ent- - den dun Ken Mantel tun ihr-e Gestalt.

Mc blaffvS GcpchL nahm einen jtarnit, strengen Ausdruck an; ihre Augen blickten stolz und finster.

- *^e ^ner Keinen Pause fort,darf ich

vieUercht fv^grn, was ^ie zu diesem Grabe treibt?""

we VoLlmar errötete Leicht.

,Lich lege jeden L»g einen Kranz auf bas Grab nieder"", entgegutte sie,damit.es rri^r so fechl und öde auSskht." . . .

WüKbriurdt ferriwr nnb schleuderte mit o-em AAtze den alten Kranz vom Grabe fort,so stammt auch dic»er Kranz von Wien?"

_,Allerdings. . . aber ich biite Sie, was tun Sie, gönnen vtc i>in Toten die Blumen nicht?"

. .Nein nicht von Ihnen i Sie sollen feinen Kranz auf fein Gvav logen hören tu' mrcki? Lie sollen nicht!"

Samstag 1. Oktober 1^04 j^a Rotationsdruck und Berlag der Brühl'leben XX* UnwerMätsdruckeret- R. Lange. Gießen.

I.L, Redaktion, Expedttton «.Druckerei: Schukstr.f«

Tel. Nr. 6L Letegr,-Adr. - Anzeiger Gietzm,

drungen, hatten sich ec^er wegen be5 Feuers aus bat große?^ F'vrts darin nicht halten körnten.

PersonalverLnderunge«.

Petersburg, 30. Sept. (Rufs. Tel.-Atz.) Die Meld­ungen eines auswärtigen Mattes über die Ersetzung des Marineministers 'Avellan durch Roschdje st Wens ky und weitere Veränderungen im, Marineressort sind falsch Hingegen dürfte Alexejew abberufeu werden. Kuro* patkin bleibt dem Vernehnten nach auf seinan Posten. AIS künftiger Oberbefehlshaber wird fortgesetzt Groß^ fürst Nikolai Nikolajewitsch genannt.

Vom Schwarzen und MitteLändischeu Merr.

Konstantinopel, 30. Sept. Nach Meldungen,wrl<be der Pforte gegangen sind, hat die russische schroarze Meeo- Flotte den Hasen von Sewastopol nur verlassen, um eine UebunZsfahrt anprtreten.

Kanea, 30. Sept. (Reuter.) Der russische Trans- portdawpferNishni Nowgorod" schiffte in Rethymo 450 unter dem Befehle des Obersten SholLownikow stehende Sol­daten, des ReginreuLs Oilensky aus; das Transportschiff Tsarllsa"" schift Le, nachdem c-s Leretts in Rechtzmo drei Kom­pagnien des Regiments Paasch imber bßm Obersten Urbano- witsch an Bord genommon hatte, in der SnLabucht eine wei- tere Kompagnie Sufanterte ein; die Mannschaften sind für die Mandschurei bestünnrt. Der Dcunpftr ist heute vormittag in See gegangen.

^0 Stipt. Die Lage ist nütiji i'ntiner un - aufgefrart. Man weiß nicht, ob es bei Mukden zu e r n st haften Kämpfen kommt und welcher von den bewen Gegnern angveiferr wird. In einiger Zeit erst wird eS sich entscheiden, ob eine längere Panse eintritt ober eine groye Schlacht noch vor dem Winter stattfinden wird.

Paris, 30. Sept. Nach einem Petersburger Tele- {jremmt aus Mukden verläßt der Vizekönig 'Alexejew in 4 bis 5 Tagen seinen Posten nnL> reist nach Peters- b u r g. Der Vorwand für diese Reise ist, daß der Zar von lÄlexejew eine mündliche Darstellung der Lage wünscht, chw Wahrheit aber fest daß Alexejew nicht mehr nach Ler Mandschurei znrücMhren dürste.

Petersburg, 30. Sept. DieRuff. Telegr.-Ag." meldet auS Chardin von heute: Die Hauptkräfte der japanischen Armee, die im Süden der Zweigbahn an pen Santaigntben versammelt find, schieben ftch lang­sam in östlicher MchLung vor. Auf der westlichen .Front int Liaothe-Take Mt ein bedeittendes Kindliches De­tachement Siaobeiche besetzt. Nördlich von Dawania wurde die Anwesenhett von Japanern nicht festgestellt.

L o n d o n, 30. Sept. Nach Depeschrm aus dem Hanpt- gu-artier der 1. japanischen Armee hat sich der Haupt» teil der russischen Armee von Mnkde^n nach Norden zurückgezogen und istvuf dem Marsche nach ^ienling, das stark Befeftigt wurde und zurzeit von Ko­saken besetzt isst Starke ruftische Jnfanterie-ALteilungerv stehen jedoch südlich von Muwen nnb beobachten die erste japanische Armee. Sämtliche Zugänge zu Mukden sind durch Minen gcfchLtzst Auf beiden rusMchen Flanken wurden .starke Vefestigungen errich,tet, besonders auf der westlichen Zugangsstraße nach Mukden. Eine Abteilung in Usun, 45 Kilometer von Mukden, verteidigt die russische Ostftanke.

Petersburg, SO. Sept. Die ,^uff. Tel.-Ag." mel­det aus Charbin von houte: In den letzten Tagen sind keine -besonderen Verändernnsen bei der Armee vorgekommen. Fast täglich finden GeplänLl statt. Dieser Tage zerstreute russische Kavallerie zwei feindliche Pa- troumcir ttwtb. nuhvr den Japanern sehr viel Vieh weg.

th. Gießen, 30. Sept.

Angeklagt rst, rme unsere tiefer wissen (Dgl. unser gestriges Blatt), der Htmdlungsrei>ende Hans Kehre in aus Pfadslwrs tz^aen Totschlags. Er erklärt, er sei unbestraft, am 8. Febr. 1869 geboren, verheiratet und Vater eines Kindes. Er sei zwölf Jahre in Gießen und schon lange bei einer hiesigen Kolonial- warenfirma als Rcisender Mia. Kehrem erzählt, wie er am 13. August d. I. die Stadtkund^haft tagsüber bestuhte und dabei unterwegs einen allen Bekannten, den Redenden Ufotig, gesprock^n habe, welcher int Hotel Schütz logierte. Man habe vereinbart, den Abend zusammcn ruzubringen. Er habe dieser Verabredung gern zugestimmt, weil feine Frau damals in ihrer Heimat geweilt und er ohnehin nick>t gewußt habe, lvaS er mit feiner freien Zeit aufan-gen stille. Kehrein hat dann um 6 Uhr seinen Freurch im Hotel abgeholl und bort ein GlaS Bier gettunken. Tnnn seien sie ins Hotel Royal gegangen und hätten dort zu abend gespeist. Er, Kehre m, sei dann um V<10 Uhr m seine Wohnung gegangen, 10 Uhr in den ,Fmserhof" zu gehen, wo sich Uhttg alsbald ihm zugescllte. Man habe dort einige Glas Vier getrunken, 1 Bmrekamv genommen und jeder eineWeiße" ge­trunken. , Um Ipr Uhr wrrrde im Lokaä Feierabend geboten Beide gmgen ui Gchtllickxrst eine» anderen Gastes, der den gleichen Weg hatte, den Leltersweg hinunter und fel?rten alle in die Metzgersche Weinstube ein, wo jeder noch ein Glas Mosel trank. Dort war auch schon Feierabend geboten worden: die Sck-utzleute famqt alsbald zum zweiten Male. Ter Wirt erhielt eine Poli- tzeisttafe, weil sie über die Polizeistunde bei ihm geweill hatten. Es mockste auf 3 Uhr gehen, als der Angeklagte und Nhüa das Lokail verließen. Beide wollten gern noch eine Taffe Kaffee trinken; Hettler und Llmend hatten bereits ihre Lokale geschlossen, und so ging man zuerst in den Wattesaal 2. Klasse nach dem Bahn­hof, wo ihnen erklätt wurde, daß es nach drei Uhr Kaffee geben mürbe. Nach einem WeÜchen seien sie dann in tum Saal tritt er Masse gegangen wo sie alsbald den gswünMen Kaffee erhielten. Der Wattefaal 3. Klasse war sehr stark mit Menschen gefüllt, vor­herrschend mit italienischen Arbeitern. Auch der Studstsus tiuck- hatt>t, mitbem sie bereits im Kaiser Hof zusammen verweilt hatten, fand sich im Wattesaal ein und neckte den Uhlig wegen seines WtoW-n Dialekts, allerdings in rcäyt harnlloser Wttse. Hier, im Wartestal 3. Klaffe, waren auch, wie der AnggLlagte behauptet, die drei Monteure aus Kvlu, unter ihnen der getütete Zucht, Kelche ihn überaus herausstrderTrd ansahrm, so daß ihm dies st)-sn auffiel. Es mochte gegen 4 Uhr morgens sein, als er, Kehre in, drängte, nach Haufe zu gehen. Er verließ den Warte-

und schmvichelnd über die Gräber des Fried Hosts, welcher die kleine Kirche umgab, aK wollte er Grüße bringen auS ber schönen, wnaigett Weit für die in dunklE Grabe S-S^ummrrnden. Ach, reinen der stillen Schläfer erweckte der ftöhliehe Sonnenschein sie ruhten ans von LeL> und Lust, von jhimmer irnb Äorge, von Hebe und Schmerz.

S« warm wohl besser daran, als die einsame dunkle Frauen­gestalt. welche mr einem Grabe stand, regungslos, ht sich ver­sunken, die Hände krampfhaft um das schwarze Marmorkreuz tief dringen, das bleiche, grumdurchwühlte Gesicht niedergebeugt, bäc. finsteren Llllgcn starr a«s den Kranz aus Astern und tievkoycu gerichtet, der auf dem Grabe lag.

Ein Ausdruck der tiefthen Verzweiflung lastete auf dieser 'i^amiumgesunkenen Gesürlt, die gllüch der Göttin der Trauer, des unstiMaven Kummers sieb über das Grab beugte.

Nickst einmal erlcjehternde Tranen schien die Trauerrrdc zu besitzm;, die brennenden Augen starrten in stummer Qual auf daö Grab^ nieder und um den ?Nund gruben sich die schar sm Z^ige des Schmeryes, der zu tief, zu leidenschaftlich war, um sich in Klagen zu äußern.

Jetzt nahte ein leichter Schritt und zwischen den dunklen Cypveisen tauriite die lichte Gestalt eines jungen Mädchens auf, das einen frischen Kranz in der Sxmb trug. 1 Ein F-inkenpSrchcn, ivelckMS ans dem Wege seine Nahrung gesucht hatte, ftattertc enlpor und setzte sich auf die alten Nüster nieder, welche dm Emgang zur Kirck)e beschattete.

Tie dunlle Gestalt am Grabe ttckstete sich empor inib ihi brenrrendes Auge begegnete dem erstaunten Blick des vor ihr steheirdcn jung en Mädchens.

Was woiien Sie hier?"" fragte sie dann iiut) es zuckte am ihre Zippen wie ein feindseK^'s, hüimisch's^ttu.

T-iescibe Frage lluutc ich au <sie rtoten, Fränkin Wüll- brmldt", entgvgnetc bad junge Mävr-^-n. ,,^i>cr ick) denke mir, daß Sie Abschied von dem CuüIk nthurcu ivollen, da, wie mein

Aer MiKg.

Krinnnol-Noma« von O. Elster.

(Nachdruck verboten.)

_ _ , (Fvttietz«ng,)

eie Habs« recht , sagte er.Tns wäre die Folge meiner ,HA-.dtUNK-5wepe. Aber etwas muß gffchehen, um mich diesen iguit-enbcTi Gepanken _ zu entziehen! Was soll ich tun?""

Bete und arbeite sagt die heilige Schrift"", entgegnete -der Geistllche ernst.Keinen besseren Rat vermag ich Ihnen zu geben. Im E^bet werden 'Die Trost, Ftteden und Kraft finden, fin der Arbsit siulje und Vergessen und jenes Gleichgewicht der !SerLe, wellt-es Ih^eu jetzt tzchlt. Ich will nicht weiter in Sie chxmgen, und ju bestreben. Sie müssen mit sich allein sein ranit sich und vAyrem Gott. Mer erinnern Sie sich, Ferdinand, Dav mein Haus ^fhnen z-u jeder Stunde offen steht. Ich will (mit Ihnen beten und arbeiten und meine Frau und meine »Lochtec sotüm Sre mit jener zarten Sorgfalt uumebcn, die mir McenndrshLrrde bieten können unb die der baste Baffam für ein Izeeciff- --s, ssvttrtenes Meuschvnhvrz ist. Leben Sie wcchl für Fevdinand, mein lieber junger Freund meist Sohn."" I Er b-i^Uete die Mmv mcs und zog den gro&en starken Mann kn ssin Herz, wie «n .ittnd, uetb legte tröstend und segnend die .Hand auf fein Haupt, das sich auf des Pfarrers Schuller renkte.

Golt segne Dich, mrin lieber Junge", sprach er sanft und pttfuüdie t sich llffe.

Ferd'tt.^r*d aocr atmete tief auf. Ziun ersten Mol seit langte Zell 8<3 ein Empfinden dura) sein Herz, wie fnrdes FttihllngS wehen.

3. Kapitel.

Herrlicher, lachender Sonnenschein eines Septeinbcnnorgen ruhte iibCT dem Tors.', das sich dem Rittergut Wenbesien anschloß, blitzte in den helle, Fenstern des Pfarrhauses, lohte glühend Lur dem goldenLA Kttmze des uirchlcins und huschte ipieleub

t gmg durch die Halle, in welcher ftüher die Fahrkatten ausaegebeu wurden, zum Pottal, die drei Stufen hinunter nnb blieb stehen, um auf Uhlig zu toatten. Es treten zwei Herren der Angeklagte will nicht wissen, woher diese kamen zu ihm, und er geriet mit diesen in einen Wortwechsel. Es war überaus dunkel. Ter Angeklagte bemerkt, daß ihm nicksts Gutes geahnt habe. Ta kam der Monteur Lucht mit einem Stock über die Schulter, an dem mehrere Gepäckstücke hingen, aus ihn zu, ihn dabei sch^ars anblickend, unb drängte sich zroischen ihm und den andern .Herrn durch, ihm dabei von hinten einen krustigen Stoß rn die Seite versetzend, worauf er diesen fragte:Was wollen Sie?"" Hieraus entgegnete der Monteur:Tas können Sie gleich noch einmal haden"',wobei er feine Gepäckstücke hmnxrrf. Im selben Moment machten sich die drei Monteure über ihn her, ent- ttssen ihm seinen Stock, ttssen ihn zu Boden, wobei sie ihm buchstäblich seine Kleider am Leibe zerfetzten, und schlugen auf ihn ein. Er habe sich, so bemerkt der Angeklagte, geioehrt und sei Mtzlich wieder auf die Beine gelangt Ta hörte er einen Schmerzensschrei von Uhlig, sah aber auch, wie die Gegner sich anfchickten, wieder auf ihn loszustürzcn, und um den drohenden Angriff abzuwehren, griff er, so erzählt Kehrein, in die Hintere Taftlie seines Beinffejdes, zog den Revolver und, indem er den Hahn spannte, sprang er etwas zurück und rief:Wer mich avDHt, den schböße ich nieder."" T-a aber die Gegner ihn aufs neue bedrängten und angrifssweffe geaen ihn vorgingen, fo. brückte er los. Er war stibstverstänblich tu großer Erregung und glaubte sich von italienischen Arbeitern angegriffen. Ter An- (peHagte erllätt, die drei Leute hätten zusammen ihm gegenüber gestanden, er habe die Waffe eine zeitlang vor sich hingehalten und bann erst geschossen. Ter getötete Monteur Lucht war ber vorderste. Er. Kehrein, hatte das Gefühl, daß dieser ihn packen wollte, im Msment, da er von der Waffe Gebrauch machte.

Aus Vorhalt d's Vorsitzenden, daß die Zeugen der Tat den Vorfall doch anders schilderten, bleibt der Angeklagte dabei, fo wie er es angebe, habe sich die Affaire abgespielt. Kehrein be­merkt, daß er viel auf der Reffe mit dem Rad oft einsame Land­straßen pDlffere, irrig große Geldbeträge für sein Haus ein- kaffiere, und mit sich führe, und daß er zu seinem Schutze stttS eine Waffe bei sich gefühtt habe. Er trage den Revolver stets ber sich

Port Arthur.

London- 30. Sept.Daily Telegraph" nfefbet aus Schanghai vom 29. Sept.: Mich Angabe japanischer Offiziere sind die Verluste der Belagerungsarmee vor Port Arthur an Gefallenen und ^crn>unbe^Jl weit höher vls 30000 Mann. Die .Armee erhiett in den letzten Tagen Batterien zwölfrölliger Haubitzen.

Petersburg, 30. Sept. Der Korrespondent derMr- ft-ewrja Mjedomosti'" in schift: telegraphiert vom 29. Sept: in der chinesischer Zone des GolseS von Petschilt ?reugenbe japanische Flotte geht immer unge­nierter vor. Japanische Torpedoboote liefen in den Heiden letzten Nächten mit abgeblendeten LicUern in den Hafen von Tschifu, visitierten die Dschunken und überwachtendieindeu Hafen etngelaufencn Schiffe. Nach Angaben der Japaner soll die Lage der russischen Flotte im Haken von $6rt Arthur unhaltbar ge­worden fein, seitdem es der japanffchien Arttllerie gelungen fei, Stellungen zu finden, von wo aus sie die vor Mker liegenden russischen Schiffe bombardieren xönneu Die russische Flotte werde aus diesem Grunde den Hafen verlassen müssen. Eine Seeschlacht stehe nu* mittelbar bevor. Nach durchaus zuverlässigen Infor­ma klonen, die ich erhalten habe, sind alle diese Angaben er­funden. In Wcchrhett erlitten die Japaner bei dem setzten Angriffen un gehen re Verluste und sind ffberall zurückgetrieben worden. Die Verluste durch Minen waren so furchtbar, daß die Japaner ihre Mngrisft seit dem 26. September nicht erneuerten. Pom 25. September datierte Briese aus Port Arthur, die hier eingegangen sind, lauten sehr zuversichtlich, und geben der lleberAeugung Ausdruck, daß die Festung nicht werde genommen werden.

T s ch i f u, 30. Sept. (Reuter.) Chinesen, die Port Ar­thur am 27. Ssp^mder verliehen, bsMigeu die vorher­gehenden ?Mkdrmgerr, daß der letzte Sturm auf Port Arthur fnur die Wiederholung ftstherer Angrifft gewesen fei Me 'Japaner feien mutig in die russischen Stellungen einge-

Ter Vorsitz ende weist darauf hin, daß der zur Tat ; benutzte Revolver ein ganz besonders gefährliches Instrument §ewefen fei, mit welchem m m drei ?Nenschen auf der Stelle treffen; könne. Auf die Frage, was er denn eigentlich gedacht habe, er­klärt Kehrein, er hätte die Tnrchsschlagskrast des Revolvers nrcht gekannt; er in fo tu Aufregung gewesen, daß er, tiS et feuerte, an gar nichts gedacht habe, auch nicht daran, daß sein eamp eventuell ein Menschenleben vernichten könne. Land­gericht srat Schmidt verweist den Angeklagten darauf, daß es doch sehr auffMg sei, daß er in einer Stadt, wie die unsttae,. mit einer so gefahttrchen Waffe tu ber Tasche über die Sttaße gehe, und daß er von dieser in ihrer Wirkung furchtbaren Waffvi gegen Menschen Gebrcmch machte, die ihm vollständig unbewaffnet^ gegenüberstanden. Kehrein bleibt dabest daß es ihm nur darum SU tun gewesen fei, sich die drei Menschen vom Leibe zu halten.' Ter Vorsitzende meint, dazu hätte es doch nicl^ des Revob-, Vers bedurft; toenn er fkn bedroht und angegriffen glaubte.! hatte er ia doch nur um Hilfe rufen sollen, worauf der An-I geklagte bemerkt daß dazu keine Zell mehr gewesen fei;! er habe auch im Moment feinen Menschen aefehen. Ter Auae-> klagte will bet der ganzen Affäre vollständig nüchtern gewesen fein, selbst nicht einmal animiert, denn er habe ja nur wenig grtrunkeu gehabt.

Ten Geschworenen wird daraus der Rock des Anae-i' klagten als Beweisstück vorgezeigt. Er ist allerdings sehr ^ebenso wird Kehreins Stock, ein sehr starkes WerAelrohr mit einer rund gebogenen Krücke, vorgezeigt

«on dce Beweisaufnahme eintretend wird durch Vernehm- ungderZeuge n sestgesteüt, daß ber Angeklagte am 13. Aua. üxi kcr . utLsehr wenig getrunken und auch! Urtiter nur ein Glas Wein zu sich genommen habe, daß er voll­kommen nüchtern war, als er den Weg zum Bahnhof antrat

^kudlofus Luckhardt bestätigt dies, er, der Zeuge, war mit zwei Bekannten vomKaiserhosi" ins Cafs Kramer ge* (T<7l9i^UIt^ ö05 diesen auch gegen Uhr im Wattesaal gelandet. , Ter Zeuge betätigt, daß er den Freund Kehreins wegen Mncs Träteftc5 iu allerdings harmloser Weise gestppt habe;^ er hat dann auch die drei Monteure, welche ebenfalls den Wartefaal betraten, am Buffett stehen sehen und mit diesen geipracyen, wobei er hotte, datz die Leute um 4 Uhr 20 Mm. mit dem Zuge nach Mln wollten. Tie drei tietrte sahen nicht Au? wie italieTsische Erdarbeiter, waren vielmehr sehr an-' ständig gekleidet. Die Monteure verließen um 4 Uhr ben Wattesaal, vermutlich um zum Oberhessisck)en Bahnhof zu gehen Dirze Zeit fpfter folgten der Angeklagte und Uhlig den brei ^1^. ,^1^) bnraur ging auch der Zeuge aus dem Wartewal. Ms er bre Halle betrat, beobachtete er, wie bte Mon­teure auf das a«e Pottal des Bahnhofes wieder zuschtttten. Tnosr ßMrd Hhrefti ineb hatte mit zwei Leuten einen lauten Wottwechel. Im Bovbeigshen streifte, wie der Zeuge genau AchvgemmmlNr haben will, der g etötete Lu cht mit feinem Dcpack leicht und gewiß unabsichtlich den An-