Ausgabe 
1.10.1904 Fünftes Blatt
 
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Aks Silidt und Land.

Gießen, bcn 1. Oktober 1904.

w Personalnachrichten. S. K. H. der' Groß- berzog haben Allerynädigst geruht, am 28. September den Kreisamtsgehilfen K. Becker zn Offenbach auf sein Nach­suchen mit Wirkung vom 1. Oktober aub dem Staatsdienste zn entlaßen, den HanSwärter im südlichen Kollegiengebande zu Dannstadt Eirich zum KreiSdiener bei dem Krcisamt Groß-Gerau mit Wirkung vom 1. Oktober zn ernennen, den Landgesrütsdiener Metz zu Darmstadt auf sein Nachsuchen mit Wirkung vorn 16. Oktober in den Ruhestand zn ver­setzen, dem Forsnvant der (^meindeforstwartei Oher WiddcrS- heim, Eckel zu Ober-Widdersheim, aus Anlaß seiner mit Wirkung vom 1. Novenrber erfolgenden Versctzurrg in den Ruhestand den C-Harakter alsFörster" 311 verleiben. Daß Ehrenzeichen für Mtglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen durch Allerhöchste Entschließmrg S. K. H. des Groß­herzogs vom 31. August d. I. dem Mitgliede der freiwilligen Feuerwehr zu Mainz Karl Jacoby.

tu. Nidda, 30. Sept. Aus der gestern hier abgehal­tenen Generalversammlung der Spar und Leihkasse Nidda ist folgendes zu berichten. Die Einnahme des abin'laufenen Kaffesahres betrug 905901.57 Mk., L>ie Ausgabe 860685.18 Mk., also der Ge- samtumschlag 1 766 584.75 Mk., ein Mehr gegen das Vor­jahr von 453 258.93 Mk. Der Reingewinn betrug 13740 Mk ,88 Pfg. Es wurdan an Unterstützungen 5857.50 Mk. ver­wendet fitnd Mar für Dienstboten 814 Mk.; an den landwirt- scbaftl. Bezirksverein Schotten 50 Mk., desgl. Büdingen 125 Mk., die Haushaltungsschule Lindheim 50 Mk., die land- wirtschastl. Wintcrschule Büdingen 200, die Dekanaio krankerrpflege 300, die K.'ankenpftoge Nidda 300, Luvung- Mce-Stiftung 25 Mk, das rote Kreuz 25, den rOts'ge werbe- verein Echzell 600 Mk., desgl. lnebst Gewerbeschule Nidda 1600, den Z^trranenverband Nidda und Umgegend 100, dem Verein für Geisteskrank 100, dem Obstb auinwärterlehr- kursus 50, für Teilnehmer an demselben 150 Mk. Der Vor­stand wurde wiedergcwahlt. Das gemeinsame Essen fand in derTraube" statt. Es sei no rch bemerkt, daß die Kasse für eingelegtes Geld 3.5 Proz. gibt itnb für ausgeliehenes 3.8 Proz. fordert, gewiß ein billiger Zinsfuß, durch den die Verwaltung zeigt, daß es ihr nicht um allzu großen ®e= Winn, sondern um das öffentliche Wohl zu tun ist.

-i- Darmstadt, 30. Sept. Am 15. und 16. Oktober findet hier die 14. Hauptversammlung des Bundes t^er deutschen Bodenreformer statt. In Deutschland hat die Bodenreformbewegung bekanntlich seit 1896 unter der Führung Adolf Damaschkes gewaltige Fottschritte ge­macht. Das einrache und klare Programm deS Bundes, der dafür eintritt, bas der Grund und Boden, diese Grundlage aller nationalen Existenz, unter ein Recht gestellt werde, das seinen Gebrauch als Werk» und Wohnstätte befördert, das jeden Mißbrauch mit ihm ausschließt und das die Wertsteigerung, die er ohne die Arbeit des Einzelnen erhält, möglichst dem Volksganzen nutzbar macht", vereinigt unter fernen Bekennern Angehörige aller Par- -teien, von den Konservativen bis zu den Sozialdemokraten; Namen von bestem Klange au8 den Kreisen der Wiffenschast, des Offizierstandes, der Beamtenschaft, der Parlamentsmit­glieder stnd in den Mitgliederlisten verzeichnet, die heute zu der stattlichen Zahl von nahezu 200000 Namen angewachsen .sind. Was aber noch wichtiger ist: bei den Regierungen, in .den Parlamenten, in den Gemeindevertretungen, in den Par­teien verschiedener politischer Richtungen wird dem Boden­problem, sei es bei der Wohnungsfrage, bei der Reform des Stcnerroesens, bei Maßnahmen gegen die wachsende Bodcn- verschuldnng u. dergl. erhöhte Bedeutung beigemeffen und Damaschkes Schriften zahlen zu den meistgelesenen und volks­

tümlichster^ volkswirtschaftlichen Schriften. Es lohnt darum durchaus, der Tagung der Bodenreformer, bei welcher als Referenten Manner von allseitig anerkannter Bedeutung, wie z. B. Prof. Baumeister (Karlsruhe), ReichLtagSabg. Dr. Jäger (Speyer), Prof. Dr. M. Gruber (M'mchen), Dr. med. Ebeling (Berlin), Prof. Dr. Schär (Zürich), Admiral Dr. Boeters (Eharlottenburg) u. a. anftreten werden, ein besonderes In­teresse zuzuwenden.

Worms, 26. Sept. Die geschloffene Versammlung des am 31. Oktober hier stattfindcnden deutschen Synodal­tages wird, dem gestern vom hiesigen Lokalkomitee fest­gesetzten Programm zufolge, nur Personen Zutritt gestatten, die sich im Besitze einer auf den Namen ausgestellten, un­übertragbaren Eintrittskatte befinden. ES werden in dieser Versammlung drei Vortrage gehalten werden: 1. ,,Die gegen­wärtige Lage der evangelischen Kirche Deutschlands, nament­lich im Hinblick auf das öffentliche Leben." Referent Pfarrer Cordes-Hamburg. 2.Die freie Vereinigung von Synodalen und der verfassungsmäßige Zusammenschluß der Landeskirchen." Referent Professor Dr. v. Kirchenheim-Heidelberg. 3.Die Rückwirkungen einer solchen Organisation auf das evangelische Bewußtsein, die Hebung des synodalen Lebens und Vertiefung evangelischer Gemeindearbeit." Referent Pfarrer Wahl-Langen. An die Vorträge reiht sich eine Diskussion. Für abends 6 Uhr ist eine Ovation am Lutherdenkmal vorgesehen, bei der ein auswärtiger Kanzelredner das Wort ergreifen wird. Den Schluß der Tagung bildet abends 8 1/i llhr eine öffent­liche Volksversammlung im Theatersaale des FesthauseS mit dem Thema:Die Botschaft der evangelischen Kirche an das deutsche Volk." Redner: Superintendent Trümpelmann- Magdeburg, Justizrat Dr. Lucius-Mainz, Pfarrer Werner- Frankfurt a. M.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Am 1. Oktober sind es 25 Jahre, daß Direktor Modägc als Direktor an der Taubstummen-Nnstalt zu Friedberg tätig ist. Die Kummet- und Geschirr­fabrik des Herrn LoniS Völzing in Groß-Felda hat wieder einen Erfolg erzielt. Herrn Völzing wurde gelegentlich der deutschen Erfinder-Ausstellung in München eine allerhöchste Auszeichnung, die goldene Medaille, zu teil. Die Schweine­metzger in Off en b a ch beantragten bei der Stadtverwaltung die Ermäßigung, bezw. gänzliche Aufhebung der Verbrauchs­steuer auf Schweine. Bei einem Wildprethändler in Frankfurt a. M. wurden gemäß dem neuen preußischen Wildschongesetz 60 hessische Hasen beschlagnahmt. In Preußen beginnt die Hasenjagd erst am 1. Oktober. DerNeue" wird in Zwingenberg zum Preise von 50 Dck., in Auerbach um 6065 Mk. pro 200 Liter rauher Most verkauft. Der Most wiegt bis zu 90 Grad nach Oechsle, weshalb der Preis ein niedriger ist. Der Landwirt Vogel von Engelhelms bei Fulda fand bei den Manövern auf der Landstraße eine Platzpatrone, nahm sie mit und schlug in feiner Wohnung mit dem Hammer daraus. Die Patrone explodierte, Teile desselben gingen Vogel in das linke Auge, das sofort auSlief. In Darmstadt verstarb unter gräßlichen Schmerzen an Blutvergiftung in einer Klinik der 33 Jahre alte Landwirt Appel von Ältheim bei Dieburg. Er hatte im Felde in einen rostigen Nagel ge­treten und hatte der unmerklichen Wunde keine Bedeutung beigemeffen._____________________

vermischte».

* Paris, 30. Sept. Ein Schwindler versuchte gestern die Prinzessin Luise von Ko bürg um eine Geldsumme zu prellen. In einem Briefe gab er sich als Graf Rocquoncourt, Prokurator der Orient

Mission aus und bat die Prinzessin um eine Unterstützung., Der Prinzessin kam die Sache verdächtig vor und es gälang, den Schwindler zu verhaften. Derselbe wurde jedoch wieder ftcigelassen, da die Prinzessin davon Abstand nahm, eine Klage einzureichM.

* Neber die Verhaftung des Vorstehers des Ge-. Heim-Bureaus der Germania-Werft in Kiel, Barke­meyer, wird Uns heute vom Herold-Burean mitgeteilt: Die Untersuchung gegen Barkemeyer, die unter Mitwirkung eines Berliner Kriminaltvachtmeisters' geführt wurde, schtvebte bereits seit einigen Tagen. Die Zeichnungen sind^ bis zu Barkemeyer gelangt, dann aber ab Härchen gekommen. Der Verhaftete bestteitet jede Schuld, die weitere Untersuch^ ung dürfte aber bald Klarheit über die Angelegenheit bringen.- Das offiziöse W. T. B. heilt heute mit, daß die Verhaftung Barkemeyers erfolgte, weil er dringend ver­dächtigest, K 0 n strn k ti 0 n spl än e und Zeichnungen von Schiffsmodellen der Germaniatverft wider- recht l i ch s i ch a n g e e i g n e t und tz-ögen eine größere Geldsumme eineranderen deutschenWerft an - geboten zu haben. (Es liegt also, wenn auch ein schweres! Verbrechen, so doch wenigstens kein Verrat gegenüber dem Ausl an de vor. D. Red.)

AllSjiitz ans itn ätavbesgmIsrkMkruLkr ZjM kikhkv.

Aufgebote.

9(m 22. Sept. Johann Philipp Mandler, Landwirt in Kinzen­bach mit Katharine Cloos dahier. Am 24. Sept. Konrad Karl Georg Schwan, Wagner babier mit Elisabeths Helene Schwall Hierselbst. Friedrich Heinrich Euler, Metzger dahier mit Elisa bcthe Wagner in Lollar. Am 26. Sept. Heinrich Martin Schön Schlossermeistcr dahier mit Louise Ranft hierselbst. Heinrich Saßmannshau, Kellner dahier mit Anna Margarete Frank in Grünbcrg. Am 28. Sept. Heinrich Barth, Unteroffizier dahier mit Christine Geißler in Altenberg.

Eheschließungen.

Am 24. Sept. Gustav Bleu, Kaufmann dahier mit Marie Clara Henriette Rohleder hierselost. Ludwig Meißinger, Eisen­bahn-Stationsgehilfe dahier mit Katharine Ewig hierselbst. Karl Otto Knorr, Buchhalter dahier mit Johanna Bechthold hier- selbst. Arn 29. Sept. August Arendt, Lehrer in Hanau mit Auguste Ulrich dahier.

Geborene.

Am 17. Sept. Dem Sattler und Tapezier Heinrich Schlemm eine Tochter, Minna Elfriede Luise. Am 19. Sept. Dem Vereins- diener Heinrich Berg H. ein Sohn. Am 21. Sept. Dem Fuhrmann Andreas Dinkel eine Tochter, Elisabethe. Am 22. Sept. Dem Rechtsanwalt Georg Konrad Wilhelm Kaufmann ein Sohn. Dem Sattler Franz Joseph Seidel ein Sohn, Wilhelm Franz Josef Anton. Am 23. Sept. Dem Laternenwärter Friedrich Schupp, ein Sohn, Friedrich. Am 26. Sept. Dem Heizer Johann Heinrich Uhl ein Sohn, Andreas Heinrich. Den, Kürschner Richard Frcnzel eine Tochter. Dem Taglöhner Kaspar Christ eine Tochter, Cäcilie Sophie^ Dem HiliSlademeister Karl Weber ein Sohn, Karl. Am 27. Sept. Dem Kornmann Louis Walther ein Sohn. Dem Mechaniker Adolf Winckler eine Tochter, Tora Frieda Minna. Dem Schuhmacher Jakob Laim eine Tochter, Emma.

Gestorbene.

Am 23. Sept. Friedrich Schupp, 6 Minuten alt, Sohn des Laternenwärters Friedrich Schupp dahier. Am 24. Sept. Johann Bali, 46 Jahre alt, Pflegling dahier. Christian Schulmeyer, 56 Jahre alt, Waqenmeister i. P. dahier. Am 25. Sept. Helene Traber, geb. Müller, 50 Jahre alt, Ehefrau des Hauptlehrers Litdwig Traber dahier.

Sport.

v. 2. Der Gießener Fußballklub von 1900 hat nnnmehr sein Training begonnen für die Winterspielzsit. Er hat in seinem Gau, dem Cftniaingau des Verbandes Süddeutscher Filtzballvereine, allein 10 Gaumeisterschaftsspiele auSzusechten; 5 davon in Gießen, die übrigen in Hanau, Offenbach und Darmstadt. In Rücksicht auf die studentischen Mitglieder findet daS erste Spiel erst am 23. Oktober statt, und zwar in Hanau. Die drei nächsten Sonntage bringen Spiele in Gießen. Anmeldungen von Mitgliedern werden entgegengenommen auf dem Trieb, Sonntags nachmittags von 3 Uhr ab. Das Umkleidelokal befindet sich nach wie vor im Schützenhaus.

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