Ausgabe 
1.10.1904 Fünftes Blatt
 
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Nr. 231

Fünftes Blatt

154. Jahrgang

Samstag 1. Oktober 1904

Eichener Anzeiger

Erscheint tiglidf mit Ausnahme des Sonntags.

Dis'Siebener Familienblatter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegl. Der ^hrfstsch« Lanbwtrt" erscheint monatlich etrnnoL

Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen Unwersitätsdruckerei. 3L Lange» Gieße».

Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schukftr.?.

Tel. Nr. 5L Telegr,-Adr.; Anzeiger Gießen.

Eeneral-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

^kandiridukrie."

Die MMn Landwirtschaft und Industrie durch nrauchertei widerstreitendc Interessen naturgemäß ent­standenen Gegensätze werden mit Vorliebe von Heiß­spornen auf beiden Seiten ständig noch verschärft. Man glaubt wohl, auf solche Weise, indem man der einen Mbruch zu tun versucht, der anderen zu dienen. Wie verkehrt! In­dustrie^ und Landwirtschaft sind unmittelbar aufeinander angewiesen. Ja, man kann ohne weiteres behaupten, daß es in dem östlichen Teile Deutschlands, woher die meisten Klagen über die Not Und das Darniederliegen der Landwirt­schaft ertönen, besser mit der Landwirtschaft bestellt wäre, wenn es dort mehr Industrie gäbe als bisher. Die In­dustrie in unmittelbarer Nähe der Larrdwirtschast ist der beste zahlungskräftige 'Abnehmer für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Wo Industrie vorhanden ist, erzielen die land­wirtschaftlichen Produkte ganz andere Preise als dort, wo es durch ihr Fehlen auch cm einem aufnahmefähigen Absatz­gebiet in nächster Nähe fehlt. Landwirtschaft und Industrie greifen heute schon so ineinander über, daß beide in ihren gemeinschaftlichen Interessen und ihrer Wechselwirkung von einander gar nicht zu trennen sind, und es liegt im Zug der Zeit, daß jene Berührung und Beziehung immer inniger wird. Dem aufmerksamen Beobachter kann es nicht ent­gehen, daß die Industrie anfangs großstadtmüde zu wer­den, und aus verschiedenen Ursachen (billiger Grund und Soden), billigerer Arbeitskräfte ufto.), ihre Betriebe auf das Land zu verlegen. Es' kann nicht bestritten werden, daß die Errichtung gewerblicher Anlagen auf dem Lande in der Regel von ben Landwirten nur ungern gesehen wird. Bestritten kann auch nichlt werden, daß die Arbciterverhält- .nisse durch die Einrichtung von Fabriken in ftüher rein 'ländlichen Bezirken oft zu Ungunsten des landwirtschaftlichen Arbeitgebers verschoben worden sind. Dieser Einfluß wird aber zuweilen überschätzt, und «es werden die Schwierigkeiten, die in der Ueberganaszeit nach der Errichtung der Fabrik entstehen, als dauernd vorausgesetzt. Nach einiger Zeit muß indes ein BeharrungMrshand einiuetetr, denn die Fabrik ist nicht im stände, in demselben Maße, wie die Bevölkerung sich vermehrt, auch ihre Arbeiterzahl zu vergrößern, sodaß der Ueberschuß wieder der Landwirtschaft verbleibt. Liegt keine Fabrik in der Nähe, so wandern ost gerade die leist­ungsfähigsten Familien in der Hoffnung auf höheren Lohn in die Stadt, und diese sind dann nicht mir der Landwirt­schaft, sondern dem Lande Überhaupt verloren. DieLeute - Twt" und die Furcht vor dem bei weiterem Vordringen der Industrie auf das Land noch schärfer hervortretenden Ar­beitermangel ist ja für weite ländliche Kreise leider mit gutem Recht die Hauptursache der Abneigung gegen eine Industrialisierung des Landes. Dennoch kann diese Ent­wicklung nur heilsam für beide Teile sein. Da heißt es, aufklärend, belehrend und ansgleichend einzugreifen. Diese Aufgabe stellt sich eine neue ZeitschriftDie Land­in duftrie", deren erste Nummer uns soeben vorgelegt wurde und die neben anderen den Professor Dr. von der Goltz, Direktor der landwirtschaftlichen Akademie Poppels­dorf bei Bonn, und Heinrich Sohnrey, den verdienstvollen Landschriststeller, zu ihren Mitarbeitern zählt. Diese neue Zeitschrift will sich der dankbaren Aufgabe unterziehen, zur Förderung eines möglichstharmonischenVer- hältnisses zwischen Industrie und Landwirt­schaft beizutragen; dem Landwirt besonders will sie auch dadurch dienen, daß sie ihn über die Hilfsmittel unterrichtet, die ihm die Industrie bietet, um den Ertrag seiner Wirt­schaft zu erhöhen.

In der Tat, ein anerkennenswertes Unternehmen, das alle Förderung verdient, und das dazu beitragen kann, die Reibungsfläche zwischen Landwirtschaft und Industrie, die mancher landwirtschafts- und indnstriefeindliche Unverstand unnötig vergrößert hat, zu verkleinern und zu mildern. Mit Recht hebt das Geleitwort der neuen Zeitschrift hervor, daß es zwischen Landwirtschaft und Industrie trotz aller Gegensätze atuch viele Beziehungen gibt, aus deren Pffege beide Teile und das Interesse der Gesamtheit Nutzen ziehen können. Möge die Arbeit derLandirchustrie" in diesem Sinne erfolggekrönt sein._________________________________

Aer Jahresbericht des Kroßherzoqkich Kesstfchen

LandcswohnungsinspeKtors.

IV.

Zur Erstellung guter und billiger Kleinwohnungen kann auf sehr verschiedene Weise Leigetragen werden, z. B. durch 1. die Bereitstellung billigen Baulandes, 2. die Bereitstellung von Bau- geldv'rn bezw. möglichst hoher Hypotheken zu billigem Zinsfüße, 3. die Förderung der gemeinnützigen Bautätigkeit und deren Unter­stützung von Staats und Gemeinde wegen, 4. die Aufstellung praltift-er Bebauungspläne dergestalt, daß Bauparzellen entstehen, die nicht zu groß, namentlich nickst zu tief sind, 5. die Be- schränlüng der technischen Anforderungen an die Bauten in den Bauordmmgen auf das zulässige Maß.

Ter Landeswohnungsiuipektor hat sich nach Möglichkeit be­müht, nach allen diesen Richtungen lstn Vorschläge zu machen, und Anregungen zu geben. Im Mittelpunkte dieser seiner Tätig­keit stand die Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaues. Als Endziel war hierbei gedacht die Gründung gemein­nütziger B a u vereine oder die Erreichung eines Beschlusses der Gemeinderäte, den Kleirrwohnungsbau von Gemeinde wegen in die Hand zu nehmen. Hierbei bildete das Material deS .Hessischen ZentralvereinS für Errichtung billiger Wohnungen an Plänen, Statuten, Geschäftscmweisungen, sonstigen Drucksachen und Schriften ein wertvolles Hilfsmittel, wie auch die von dieiem Verein betriebene Agitation dem gemeinnützigen Wohnungsbau manckien Interessenten und Freund gewonnen hat.

An sonstigen bemerkenswerten Einzelheiten aus der Tätigkeit der Bauvereine berichtet der Landes'tovhncmgsinspektor u. a.: Der Friedberger Bauverein hat im Berichtsjahre zur Erlangung mustergiltiger Pläne zu einem Mehrfamilienhaus einen Wettbewerb ausgeschrieben. Als Preisrichter fungierten der Vor­sitzende der Genossenschaft, der Bürgermeister von Friedberg und her Landeöwohnungss-nspektor. Ter Wettbewerb hatte ein guteö Ergebnis, der mit dem 1. Preise bedachte Entwurf wird zur Aus­führung^ gelangen. Sämtliche vom Preisyerickst ausgezeichneten Entwürfe sind vom Zentralwolwungsverein angekauft worden.

Aus Gießen wird berichtet, daß^,in der Landmannstraße" seine von der C^vno^fcufcCiaft bebaute Straße)ein Mitglied des GenvssenschastSvorstandes wohnt, das sein Augenmerk auf die HLusck-en und ihre Bewohner daselbst richtet. Durch diese Ein-

rrchtnng ist es seither^ gelungen, mit den Mietern alle Diffe- renzen auf gütlichem Wege zu beseitigen. Ja selbst Streitigkeiten zwischen den Mietern (meistens deren Frauen) sind dadurch geschlichtet und gerichtlicher AuStrag verhindert, daß der Direktor die Streitenden vorgeladen und ausgesohnt hat, was meistens erreicht wurde ,rn hartnäckigen Fällen durch Androhung der Kündigung".

T*cr Berichterstatter hat an verschiedenen Orten versucht, die Privat-Bautätigkeit zur Errichtung von Kleinwohnungen wrzuregen und ihr mit Rat und Auskunft an die Hand zu gehen. Es ist ihr freilich nicht möglich, die Wohnungen bezw. Häuser zu so billigem Preise abzugeben, wie die auf gemeinnütziger Grundlage arbeitenden Bereinigungen und Gemeinden, weil sie mit einem erheblich größeren geschäftlichen Risiko zu rechnen hat als jene, ihr ferner das Kapital im allgemeinen nicht so billig zur Verfügung steht, als der gemeinnützigen Bautätigkeit, letztere auch auf Geschäftsgewinn verzichten und sich mit einer mäßigen Verzinsung des Geschäftskapitals begnügen kann, was beides dem Bauunternehmer nicht möglich ist. Nichtsdestoweniger sei . doch an dieser Stelle bemerkt, daß letztere auch zur Ver­billigung der Wohnungen und Hüuser noch manches beitragen könnten, ohne die Solidität der Bauweise zu gefährden. Leider kommen manche Bauunternehmer dem Berichterstatter mit einem gewissen Vorurteil entgegen, sie erblicken in ihm einen Wider­sacher, von dem sie möglicherweise Geschastsschädsgungen zu be­fürchten hätten. Es ist natürlicy nichts verkehrter, als diese An­sicht ] der Landeswohnungsinspektor wird vielmehr immer gern bereit sein, mit diesen Herren zu beraten, wie dem Wohnungs- bedürsnisse des kleinen Mannes am besten gedient werden kann. Ebenso verkehrt ist es, wenn die Bauunternehmer -»der Bauhand­werker die gemeinnützige Bautätigkeit bekämpfen und in ihr eine unbequeme und. sckrädliche Konkurrenz erblicken. ES ist selbstver­ständlich, daß die Arbeiten für die Bauten der Gemeinden und Bauvereine die Bauunternehmer und Bw'.handwerker liefern müssen, sie sollen dabei ebenso ihren reellen Verdienst haben, als wenn sie für eigene Rechnung bauen, sodaß absolut nicht einzusehen ist, wie ihnen, eine Schädigung erwachsen könnte. Im Gegenteil, die gemeinnützige Bautätigkeit bringt ihnen Vorteile, enthebt sie des Risikos und gibt ihnen die Sicherheit prompter Bezahlung nach gelieferter Arbeit. Auch vermehrt die gemeinnützige Bautätig­keit in erheblichem Maße die Arbeitsgelegenheit.

Der Widerstreit

zwischen Industrie und Landwirtschaft.

(Vom Geh. Regierungsrat Prof. Tr Freiherrn von der Goltz, Bonn-Poppelsdorf. *)

Besonders häufig wird die Behauptung ausgesprochen, daß ein Widerstreit znnschen dec Industrie und der Landwirtschaft bestehe. Nach gewissen Richtungen hin ist ein solcher auch vor­handen. Jene wünscht niedrige, diese hohe Preise für Getreide, Fleisch und andere Nahrungsmfttel; jene sucht möglichst viel Arbeitskräfte aus der Landbevölkerrmg heranzuziehen, diese be­klagt sich über den ftarfen Abzug der Landarbeiter nach den Städten und Jndustriebezirken. Hierin liegen gewisse Gegensätze. Anderer­seits muß es aber als unzweifelhaft betrachtet werden, daß, j e mehv die Industrie blüht, je zahlreicher und wohlhabender die industrielle Bevölkerung ist, desto leichter der Absatz für landwirtschaftliche Pro du kte wird, desto höher deren Preis sich stellt und in desto größerer Menge namentlich auch Erzeug­nisse besonders guter Qualität zu besonders hohen Preisen verkauft werden können. Erinnert sei z. B. an feine Tafelbutter, an Mastvieh, an Gemüse und Obst. Umgekehrt hat, die Industrie ein großes' Interesse daran, daß es der Landwirtschaft gut geht, daß die Großgrundbesitzer und Bauern hohe Reinerträge erzielen, daß die ländlichen Arbeiter stetigen und hohen^ Lohnverdienst haben. Je mehr solches der Fall, in desto größerer Menge inti> in desto besserer Qualität wird die Landbevölkerung industrielle Erzeugnisse käuflich er­werben. Diese Gemeinschaft der Interessen findet durch die tatsächlichen Erscheinungen ihre Bestätigung. Im deutschen Reich steht die Sache so, datz die Landwirtschaft dort am meisten Not leidet, wo die Industrie wenig entwickelt und eine schwacheindustrielleoderstädti­sche Bevölkerung vorhanden ist; hier sind die Preise der landwirtschaftlichen Produkte am niedrigsten, hier ist der Mangel art Landarbeitern am fühlbarsten. Von hier erschallen erklär­licherweise auch die lautesten Klagen über die gegenwärtige Un­gunst der Verhältnisse. Es sind die an Industrie und an volk­reichen Städten relativ armen Bezirke des nordöstlichen Deutsch­lands. In den industrie- und städtereichen Teilen des west­lichen und südwestlichen Deutschlands leidet die Landwirtsckwst allerdings auch unter den zurzeit unerfreulichen Zuständen, aber doch nicht ht dem gleichen Grcche wie dort. Hier ist man auch in allen Schichten der ländlichen wie der städtischen Bevölkerung davon überzeugt, daß die beiderseitigen Jntereflen mehr überein­stimmen als im Widerstreit stehen, und daß deshalb in wirt­schaftlichen Fragen ein Zusammengehen sich empfiehlt.

*) Entnommen W Verfassers WerkAgrarwesen und Agrar­politik. Zweite Auflage S. 51.

vermischtes.

* Das Leben des Kaiserpaares auf demJagd- schloß 9tominten, das weit abseits von der großen Heer­straße in den ostpreußischen Wäldern liegt, fließt in friedlicher Stille dahin. Das Jagdschloß hat in diesem Jahre eine Veränderung erfahren, indem ein zweites Schlößchen, daß durch eine verdeckte Veranda mit dem Hauptbau verbimden ist, neu aufgeftihrt wurde. Der Kaiser hat dem Bauleiter, Bauinspektor Lang-Goldap eine goldene Uhr, auf der die Krone und der Kaiserliche Namenszug eingraviert sind, nebst goldener Kette eigenhändig überreicht. Der bauausführende Maurermeister Bludau-Jnsterburg erhielt den Roten Adler- Orden vierter Klaffe. Am folgenden Tage empfing der Kaiser die am Bau tätig gewesenen Poliere, die die Medaille zum Kronenorden oder eine silberne Uhr nebst Kette mit Krone empfingen. In tiefer Stille liegt das Iagdschlüßchen; so streng sind die Absperrungsmaßregeln, daß in den Wochen­tagen fast niemals ein fremder Fuß Rammten betreten darf. Eine Ausnahme ist Sonntag, da werden Passierscheine in größerer Anzahl ausgestellt. Auch zur Kirche erhält man Eintritt. Recht gefreut hat sich das kaiserliche Töchterchen über die von Roluiifter Jungen gebildete Ehrenkonipaguie. Die kleinen Knaben, mit Helm, Säbel und Gewehr ausge­rüstet, waren nicht wenig stolz darauf, die HonneurS erweisen zu dürfen. Die Kaiserin besichtigte auch diesmal in Beglei­tung der Prinzessin die Arbeiterwohnungen. Rtau muß in eines der in norwegischem Sttle erbauten Häuser eintreten,

um zu sehen, wie blitzsauber die Leute für wenige Mark Jahrespacht wohnen. Die kleinen Kinder werden, wenn die Eltern zur Arbeit in den Wald gehen, ins Kinderheim ge­bracht, wo Schwester Luche, vom Mutterhaufe der Barm­herzigkeit, ihrer wartet und ihnen die Anfangsgründe des ABE beibringt. Bei schönem Wetter wird der Spielplatz besucht, bei schlechtem der große Schrank mit den Spielsachen erschloßen. Die Kinderaugen glänzen, wenn die Schwester den Knaben kriegerische Rüstung, den Mädchen Puppen heroorholt. Wenns kalt wird, erhalten die Mädchen rote Mäntel mit Kapotte zum Ausgehen. Die Rominter Arbeiter­familien werden denn auch von den Bewohnern der Um­gegend gehörig beneidet. Der Kaiser widmet sich auch in Rominten den Regierungsgeschäften. Das Personal des Post­amts ist um das Doppelte verstärkt worden. Fast ununter­brochen eilen Kuriere und Depeschenträger vom Schloß zur Post.

* Französische Liebes- und Ehestandsaffären. In der Pariser Vorstadt La Ehapelle versuchte ein Offi­zier seine Geliebte zu töten, worauf er sich ver- giftete. In Paris feuerte ein Arbeiter auf seine Geliebte und verletzte sie schwer. Der Tater wurde verhaftet. In Clermont Ferrand (Frankreich) beging' ein Ehepaar wegen großer Betrügereien Selbstmord. Der Gatte schoß sich eine Kugel in den Kopf und war fofort tot. Hierauf ergriff die Frau die Waffe und verletzte sichj durch einen Schuß schwer. Sie lebte noch einige Strmden^ und konnte der Gerichtsbehörde den Tatbestand mitteilen.

* Wien, 29. Sept. Der Beamte der Vermögens- verwaltung des Herzogs von Cumberland, Hein­rich Evers, verschwand vom Penzinger Schloß nach Unter­schlagung einer bedeutenden Summe.

Rewyork, 28. Sept. Der ^Newyork Herold^ meldet, daß Taucher, die heute vorläusig den Weg untersuchten, den das auf der Brooklyner Werft gebaute neue Linienschiffs Connecticut* bei seinem Stapellaufe nehmen würde, unter Wasser ein Hindernis entdeckten, das augenscheinlich in frevelhafter Weise dorthin gebracht worden ist. Es heißt, es würde den Schiffsboden anfgeriffen haben. Man hat feine; Vermutung über die Verbrecher, aber man nimmt an, daß sie in Zusammenhang stehen mit den Arbeiterstörungen besi dem Ban des Connecticut*.

Das Kalbefieber der Kühe «nd dessen Verhütung.

Zu den gelahrlichsten Krankheiten iniferet Kühe und zwar in der Reael der besten Milchkühe gehört die obige Krankheit.

Die Kühe kalben meist ganz normal, die Nachgeburt geht/ rechtzeitig ab und scheinen gesund. In den häufigsten Fällen ami 2^ oder 3. Tag versagen sie das Futter, legen fich nieder, sind ge- lahmt, meistens im Hinterteil, vollständig gesühllos, derr Kopf in^ die Seite legend, so daß man annimmt, der Tod werde schon in den nächsten Stunden eintreten.

Je schneller die geeignete tierärztliche Hille in Anwerbung kommt, desto größer die Hoffnung der Wiederherstellung.

Seit einer langen Reihe von Jahren kam es oft vor, daß meine besten Kühe von dieser Krankbeit nach dem Kalben befallen worden sind, aber Dank der sorgfältigen Behandlung von Herrn Dr. Kreuder-Lich wrrrden saft alle wieder hergestellt. Einem sehr wohlwollenden Rat des betr. Herrn, die hochtragenden Kühe etwa 3 bis 4 Wochen vor dem Gebähren allein zu stellen und tnaßiger zu füttern, folgend, habe ich keinen Fall mehr in meinem Stall zu beklagen gehabt.

Derselbe w'es darauf hin, daß eine übermäßige Ernäbrrmg der Kühe hauptsächlich durch Kraftfutter vor und nach der Geburt, als Ursache des Milchsiebers, wie man es auch nennt, ganz be- stimmt zu betrachten sei. H. S ch u d t, N e n m ü h l e.

Landwirtschaft.

Zu der diesjährigen Deutschen Gersten- u n b Hopfenausstellung in Berlin vom 8.16. Oktober sind bei dem Hessischen Landwirtschaftsrat 2r^ Gersten- rmd eine' Vra,lweizenprobe angemeldet, davon 5 einschließlich der Brau- weiMprobe aus Starkenburg, 15 aus Oberhessen und 6 mt§ Rbeircheffen. Sämtliche Proben aus Oberheffen sind von Mit­gliedern des Landwirtschaftlicheir Bezirksvereins Friedberg durch letzteren angemeldet. Bei der Vorprüfung, verbunden mit einer Prämiierung, am 20. September d. Js. wurden 20 Gersten-, sowie die Brauweizem'robe als geeianet zur Beschickung der Ber­liner Ausstellung erklärt. Die Prüfung wurde nach' demselben Punktievverfahren vorgenommen, das auch bei der Beurteilung in Berlin zur Anwendung k"mmt. Sehr günstig war der Eiweiß­gehalt ; zwei Proben hatten einen solchen unter 9 Proz. und sieben Proben über 10 Proz. Die fünf Gerstenproben, welche die höchste Punktzahl erreichten, erhielten 1. Preise und die zehn in der Punkt­zahl nächstfolgenden ie einen 2. Preis. Die Aussteller der fünf hochstpunkrik.rten ©erftcnpirbcn sind die Herren: Jak. Storck IV., Lengfeld i. O., Heinrich Fleischhauer, Melbach (Oberheffenf, Oeko-' nomierat Lrchtenstein, Wiudhäuser Hof bei Stadecken (Rhcinheffen), Wilhelm Betz, Atelbach kOberhefferü und Freiherr v. Wangenheim, Hof Hayna bei Wolfskehlen lStarke?churgs. Als Preisrichter fungierten die Herren: Brauereibesitzer B i ch l e r-G i e ß e n, Pro- feffor Dr. Gisevius-Gießen, Beigeordneter Habn-Alzey, Gutspächter Hahn-Tiergarten bei Büdingen, August Heyl-Bens- heimerhof bei Leeheim, »md Bierbrauereibesitzer Steinbäuser-Fried- berg. Wie bereits in den letzten Jahren, wird auch in diesem Jahre eme nachträgliche Ausstellung der für die Berliner Gersten- ausstellung augemeldeten Proben hessischer Gersten am 3. Oktober in Frankfurt a. M. stattsinden, und zwar vormittags im Frilcht- markte der Börse und nachmittags im Lokale de§ Klubs für Land­wirte,Allemannia", Schlllerp^ih 4.

In ternati o n al e O bsta usstellung inDnsfel- dorf. Die Anmeldlingru zu der internationalen Obstairsstellnng, in Düsseldorf vom 8.16. Oktober l. I. sind aus dem Gronhei-zog- trun überaus zalüreicb. Es sind beim Hessischen Landunrtschaftsrat von über 100 Ausstellern in 450 Einzelnummern 325 Quadrat­meter Tischfläche zum Ilnterbringcn des auszustellenden Obstes aus Heffen beanspnicht worden. Nach e>ner notwendig gewordenen 'Reduktion verbleil'en immer noch 700 Quadratmeter, sodaß der. Raum, welchen die hefflsche Abteilung auf der Diiffeldorfer Llris- stellung ehinctimen wird, wahrscheinlich größer fein wird als bet irgend einer im Lande selbst abgebaltenen Qbstausstellrwa.

Familien-Nachrichteu.

Gestorben. Fran Marie ?mqclt-cin Vwe. geb. Eckert in Darmstadt. Frau Rosa Nickel geb. Loster in Vad-Nauhcnu.