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1.7.1904 Erstes Blatt
 
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Tfr 44 Swrrrn bic für feine Rlchtrinladung gestimmt hätten, »eien fvebl bie (ebermmtn bekannten uralter* einer T'-'i babenrr Arztes gewesen, mit dem er Pfenfcr znr>üt in Mage liege.

Tiner Pcrtraulube ^crid't an den R^HenmgSpräsiden trn erlangte bitrd) einen Zufall in die Hände des Tr Fischen ich in brr Folge er Helten auch die übrigen Ver- ein^mitglieber Kenntnis von diesen sie beschimpfenden Vevßcrungen des Regierungsvertreters. Zugleich soll noch ein weiterer vertraulicher Bericht des Geheim ratS Pseisfer zur LeunNns des Greins gelangt fein, in welchem der hrimrat in ähnlidivm Redewendungen e i uzelne Mitglieder desselben in anderst verlepeuber Form der Regierung ge genuber als ^Tcnun*ianten usw. bezeichnet. Ein Arzt Tr. Rosen5b<rl her uidu erschienen nur wurde gleich mit inner Mage kostenfällig abgewiesen. Tann machte bei Vorsitzende den ernstlichen Ersuch, einen Vergleich zwischen beiden Parteien herbeizusübren, wobei er betonte, das, unter brm Prozeß nicht zuletzt bas Ansehen der Kiir stabt DieSbirden und ihrer ärztlichen Verhältnisse leide Werde der Beklagte verurteilt oder freigefproeben nadi der einen oder anderen Seite falle dann immer ein Schatten Rechtsanwalt Tr Fleischer, her den ärztlichen Voroin vertritt, bekundete, daß Vergleichsversuche an dem Verhalten des ^lngeNagten gescheitert seien und deute daher nicht mehr ausgenommen werden konnten Dr.P feiffer

qab zu, die inkriminierten Briefe und Eingaben geschrie­ben ui baden, bestreitet jedoch eine beleidigende Absicht. Im Indre 1901 sei General Kirigesf, der zum Gefolge des russischen Großfürsten gehörte, mit einer Rech­nung n ifrm gekommen, die Tr. fischen ich für eine Russin ausgestellt und zu bc-ch l>erechnet haben soll. Ms Beam­ter batte er kein Recht, sich ein zu mischen. er tat dies jcdoäi im Interesse der bedrängten Fnemden und trat mit Tr. Fischen ich in einen Briestoechsel. Tr. Fischenrcb blieb dabei, daß seine Redinung nicht zu hoch fei, und gab Tr. Pfeiffer eine fpeufiuerte Änkstellung. Tanacf) waren für sechs Acsu ch'e 250 Mk berechnet, während die Russin nur 150 Mk. bezahlen wollte. Tr. Fisdienich schrieb auch an die Russin und svezifizierte ihr seine Rechnung, wonach ein Betraa für einen noch in Aussicht stehenden Besuch er- lchsen wird, falls der Besuch nicht erfolge. Tie Russin war inzwischen abgereist und hatte Tr. Pfeiffer die 150 Mk znrüch^'lassen, der sie bis zur endgiltigen Entscheidung über die Richtigkeit der Rechrrung auibewahren wollte. Ti. KorresvondeTrz spivte sich mehr und mehr zu und schließ fieß rechnete Tr. Pseisfer heraus, daß Tr. Fischenich nad) der Tore überhaupt im ganzen mir 190 Mk. zu fordern hätte. In einer Eingabe an den Regierungspräsidenten be­schwerte sich Tr. Fischenich, weil Pf einen vertrauliche,. Brief über die Russin dieser mitgcteilt hatte. Er bean spracht die bei Tr. Pfeiffer hinterlegten 150 Mk. Au' die Beschwerde gab Tr. Pseifser ausführliche Antwort, in der er nritteilte. daß ihn die Russin ermächtigt habe, die 150 Mk. den Armen ui überweisen, wenn er davon über­zeugt sei. daß Tr. Fischenich das Geld nicht zu fordern hätte Im übrigen bestritt er, den beleidigenden Brief der Russin gezeigt zu haben, und weiter betonte er, daß er vor fünf Jahren aus dem ärztlidien Verein ausgetreten sei, weil dort Elemente seien, mit denen er als Mehizinalheamter nicht verkehren sonne. Tie Beschwerde des Tr. Fischenid wurde vom Regierungspräsidenten abgewi^'en, worauf Tr Fischenich sich erneut an den Regierungsvrä'identen wandt»' unb betonte, eS bandle sich um rine prin-ipicUe Frage Gegenseitige Eingaben des Tr. Pfeiffer und Tr. Fisd-enul wedelten nun miteinander, wobei sich Tr. Pseisfer der in* Eingang des Artikels erwähnten Ausdrücke bediente, die schließlich zu den Beleidigungsklagen geführt haben. Be merkenswert ist, daß Tr. Pfeiffer dem ärztlichen Verein Kenntnis gab und habet die Beschwerde eineTenunzia Hon", Tr. Fischenich aber e nen Denumhinten nannte .Hierüber vom Regierungspräsidenten zum Bericht aufge fordert, hielt Tr. Pfeiffer seine Ausdrude aufrecht lieber fernen Austritt ent® dem ärztlichen Verein verlas Tr Pseisfer eine Erklärung, wonach der Verein uintr'ge gangen ufrd in her Pereins-citung eine nachteilige Aen berung hahin zutage trat, baß die wissenschaftlichen Fraget in den Hintergrund traten und mehr hie Standes- und materiellen Interessen betont wurden. Auch eine gewiss« Kleinlichkeit sei zutage getreten, und fo sei es zu Streitig- feiten und sogar zu Klagen gekommen. Mehrere Einlad ungen des ärztlichen Vereins zu Festlichkeiten schlug Tr Pfeisser aus, sodaß her Verein, nachdem die Streitigkeiten mit Tr. Fischenich eingetreten war^n, eine erneute Ein ladung Tr. Pfeiffers nicht ab uschiden beschloß Tiefer Vorgang scheint Tr. Pfei'irr falsch hinterbracht worden zu sein, sodaß er ihn als Beleidigung aufsassen mußte, auf die er dann mit einem scharfen Schreiben an den Verein antwortete.

Eine bedeutsame Folge des Bekanntwerdens der Pfeifferschen Anschuldig mgen war u. a. der einstimmige Beschluß des ärztlichen Vereins, sich an den ärztlichen Forri bildungsknrsen, so lange Geheimrat Tr Pfeiffer BorsiHen her war, nicht zu beteiligen, gleichzeitig wurde das Zentral fomitec für das ärztlich" Fortbildungswesen in Preußen von diesem Beschluß verständigt. Tas Zentralkomitee, dem vor allem das Zustandekommen der Kurse am Herzen lag, die (rutftehung dieser wird auf Initiative her Kaiserin zurüdgerührt bat bann Tr. Pseifser ersucht, den Vorsitz niedcrzulegen. Ties ist dann auch geschehen. Eine Reso luHon des ärztlichen Vereins wendet sich gegen die Ansicht Tr. Pseisfers, daß 3 Mk. für eine Konsultation eine ge nügcnhe Bezahlung auch bei reichen Leuten sei und betont, daß mindestens .5 Mk. bei Bessersituierten in Wiesbaden üblich seien

Zum Schluß mürbe eine letzte lange Eingabe des Aerztr- vereins an den Regierungspräsident verlesen, wegen deren Inhalt der Vertreter des Angeklagten Tr. Siebert Wider­klage gegen sämtliche Privatkläger erhob. Tiefe Eingab" war von zwei Vorstandsmitgliedern unterschrie­ben, doch Tr. Siebert begründete seine Widerklage gegen alle Privatkläger damit, daß die Beschwerde auf einstimmi­gen Beschluß im ärztlichen Verein gefaßt worden ist. Ter Vorsitzen de riet unter diesen Umstanden ab, worauf Tr. Sie­bert die Widerklage nur gegen die zwei Unterzeichnenden, Tr. oecker und Blumen selb, aufrecht erhielt.

Nach einer hirrn Pause begann hie Zeugenvernehm- anc Ern großer Teil davon drehte sich dann darum, ob bte Russin mit her B Wandlung Tr. Fischenichs zufrieden war' ober nicht. Tie Russin litt an einer akuten starken We»6ftttutto, die fte dem Tobe nah- gefrradjt halte. Die ^-dfrn fpred) aus, daß Tr Fischenich ihr bas Leben ge* tretet hab", hnrh b>* - ^'fiihl der Dankbarkeit hielt, tote der n fr f ' äellte, nur vor, PU die zweite Rechnung emrrn> 1 Sachverständigen Prof. Tr. Lndw. Recb und Tt aixtlts a i Frankfurt äußerten sich, daß sic die *idrtTThdz Hohe der Forderung von Tr. Fische- n ich nicht beanstanden. Daß Tr. Fischenich, der sich

verrechnet hatte, natchräglich irodi einen Betrag forderte, hielten sie zwar für zulässig, wenn sie aud) selbst nicht daSseN>e getan Thibcn würden. Einem mthcrni Arzt hat die Russin für einen zweimaligen Tagesiesnch (30 Mk. ohne Einspruch lwzahlt. Des weiteren itnirbc sestgestellt, daß Tr. Pseisfer, als iTym die Beschwerde von Tr. Fischenich an den Reirierungsvräsident bekannt gewrwden war, ge- sprächöweise einem Vorstandsmitglied gegenüber hie Aus- stosmng des Tr. Fischenich aus dem Verein angeregt ha le.

Amtsgerichtsrat Travers lestritt, fidi Tr. Pfeiffer gegen- über geäußert zu haben, daß er glaube, Fischenich hätte feine Bilcber zu seinen Gunsten geändert. Eine Frage, ob er seihst die Bücher für gefälscht hielt, erklärte der Zeuge ohne Erlaubnis seiner vorgesetzten Behörde nicht beant­worten .ui können. Dagegen sei eS möglich, daß Tr. Pseifser ihm gegenüber geäußert hätte, bei einem Fall mit einer ruh'ifdkii Tarne scheine es auch nicht richtig gewesen zu fein, worauf Treiner..-, erwiderte, das könne vielleicht auch hier sein. Und daS stand ja zum Benxns.

Ans SWM null Land.

Gießen, den 1. Juli 1904.

DaSIabreSsest der Land cSuniversität sand beute vormittag 11'/. Uhr im Beisein zahlreicher geladener Gäste, darunter den Spitzen der Behörden, in der festlich ge­schmückten Aula der Universität in her üblichen Weise statt. Unter den Klängen dtS EinzuaSmarscheS auSTannhäufer* betraten der Rektor und daS Lehrerkollegium der Universität den Saal, um darin vorn aus besonderen Sitzen Platz zu nehmen. Ter akademische Gesangverein fang unter der Leitung von UnioersitätSmusikdircktor Trautmann ,0 froh­locket in dem Herrnan« ,Iubilate^ von Händel. Daraus hielt der Rektor Pros. Tr. SB raun 8 die Festrede, in der er nach einigen Worten, hie hes Landessürsten unb ferner her Regierung unb beS LanbtagS gebachten, welche her Univer­sität unb ihren Einrichtungen ihre Fürsorge haben zu teil werben lassen, hie Entwickelung beS mi neralogischen Unterrichts an unserer Universität behanbclte. Tie Akten nom Jahre 1750 an vorher gab cS noch keine mineralogische Wissenfchcnt haben ihm über diese Ent­wickelung, die recht rühmlich für unsere Universität ist, Auf­schluß gegeben. Darauf verlas her Rektor bic Ehronik her Universität für baS abgelaufene Jahr, woraiif er zum Schluß hie Begrbeitungen her PreiSaiisgahen bieseS IabreS bekannt gab unb im Anschluß boran den Wortlaut her Aufgaben für baS neue Jahr vorlaS. In her theologifchen Fakultät sinh 2 Arbeiten preisgekrönt worben: ben vollen Preis erhielt Karl Meißinger, einen halben Preis Wilhelm Ti ebener. Pon her junftifdicn Fakultät bot niemanb bic Preisanfgaben hehanbeft. Bon her mebizinifchen Fa kultät erhielt Mar Ehmer ben vollen okobenii- fchen Preis, Ernst Weber- Frankfurt ben Baljer- PreiS. Die matbematifchen Aufgaben haben gelöst Clemens Thür (?) unb HanS Zwingcnbcrg. Für bic romnnifch-philal. Aufgabe erhielt ben vollen Preis Otto Deibel, z. Zi. in München, für bic griechisch- phil. Arbeit Cüß-Fricbberg. Den Preis her Dietz- Stiftung erhielt Rudolf Zöckler. Mit einem Gesang hcS akabemifchen Gesangvereins unb einem Marsch her Militär­kapelle schloß bic Feier.

* Unsere La nbeSu nioersität steht vor einem neuen schweren Verluste. Ter Geh. Mebizinolrat Profeffor Tr. Gassky, her Direktor beS hiestgen hrrgienischen Instituts, hat einen Ruf an baS RcichSgesunbHcitSamt in Berlin als Leiter hcS kwgieniscben Instituts erhalten unb angenommen. So wirb unS beftn eine her beroorragenbftcn Zierhen unterer Universität nach her Reich^bauptstobt entführt. Geboren 1850 zu Hannover, ftubierte Gaffty 186973 zu Berlin, trat bann als Militär­arzt in bic preußische Armee unb kam bereits 1880 in haS ReichSgcsunhHeitSamt. 188384 nehm er an her unter Rob. Kochs Leitung ftebenben Erpehition zur Erforschung her Cholera in Egnpten unb Inbien teil. 1885 würbe er Re- gieningSrat imb Mitglieb hcS RclchsgcsimhHeitSamteS. Seit 1888 wirkt er als orbentlichcr Prosestor her Hygiene an unserer Universität. Auch von hier auS Hot er in ben Neunziger Jahren eine wissenschaftliche Reife nach Inbien gemacht. Er gehört zu ben bcbentcnbftcn Bakterio­logen her Gcgcnwgrt. Doch nicht nur unsere Universität, sonbern auch bic Stabt erleibet in hem Fortgänge Geheim­rat Gaffkntz einen uncn'etzlich schweren Verlust. Seit Beginn beS IahreS 1896 gehört er hem ©tabtverorbnctenfoQegium an; hier hat unsere Stabt ungemein viel profitiert von dem außerorbenilich reichen Wissen unb hem Scharfblick be3 her­vorragenden Gelehrten. Geheimrat Gaffky dürfen wir ben intellektuellen Urheber unseres großen städtischen KanalisationS- werke? nennen, unb was in her Baubeputation BleibenbeS unb Tüchtiges geleistet worden ist, bas verbankt bic Stobt Gießen mit in erster Linie ihm. Erst im Jahre 19tO würbe fein Mandat für da? Stadtverarbnctcnkollegium ahlaufen. Nun bleibt im Saale her Stodtväter dieser Platz leer, von dem au9 man so wichtige unb wertvolle Anregungen, so kluge unb gute Worte jahrelang zu vernehmen gewohnt war. Unter seiner Acgibe entstand hier auch bas Hygienische Institut unserer Universität, da? zu ben bestemgerichteten be§ Reiches gehört. Durch populäre Vorträge hat sich Gaffky hier in weiteren Kreisen eine Reihe von herzlichen Verehrern geschaffen unb auch m der Gesellschaft Gießens wirb er als em Mann von vornehmer Denkart unb vornehmen Formen eine schwer auSzusüllenbe Lücke hinterlassen.

Die Zufuhr von Sch la chtochsen au§ Oesterreich- Ungarn für hie Gießener Fleischversorgung dauert an. In dieser Woche treffen wieder 20 Tiere hier ein. Von ben in den letzten beiden Wochen im Gießener Schlachthaus ge­schlachteten 36 Stuck ausländisches Vieh hat nicht ein ein­ziges irgend welchen Anstand gefunden.

- Die Geister des Alkohols. Ein Wächter vom diesigen Kanalbau, her ziemlich stark angetrunken war, siel cm einem her letzten Abende m ben in her IohcmneSstraße mehrere Meter tief ausgeworfenen Kanalgraben, her mit Wasser angefüllt war. Er rief um Hilfe unb wurde mm > inigen Feuerwehrleuten, die sich in her Nähe cmfhielten, '.litteIst eines Seiles, das MN ihn geschlungen wurde, herauS- ezogen. Außer einer Verletzung an her Nase hat er feinen Schaden genommen.

* Schwer verletzt. Gestern abend knrz vor 9 Uht wurde im hiesigen Güterbahnhofe der Rangierer Spengler zwischen zwei Geleisen auf einer Kiste sitzend schwer verletzt unb bewußtlos angetroffen. Auf welche Art bie Ver­letzung entstauben, konnte bis jetzt bei hem Mangel an Augenzeugen noch nicht festgestellt werben. Der Verletzte würbe altzbalb in bic chirurgische Klinik transportiert. Unter­suchung ist eingeleitet.

* * Verhaftung. Gestern abetib würbe ein lüberlicheS Frauenzimmer, baß sich in der Nähe her neuen Kaserne mit t>crm umhertrieb, wegen Uebcrketung der Kontrolloorschristen in Haft genommen.

Feuer. Gestern nbenb gegen 10 Uhr entstund in einer Schreinerwerkstätte in der Licbigstraße Feuer, bciS durch ein kleines, zum Leimkochen benutztes Oefchen zum Ausbruch gekommen zu sein schien. DgS Feuer würbe als- bc.lb von ben Bewohnern der Ncichbgrschaft gelösdst.

Feuerwehr. Bei her gestrigen Hauptübung her Gießener Freiwilligen Feuerwehr wurde dem Corps von einem Vertreter und Monteur her Firma MagiruS-Ulm eine mechanische Drehschiebelciter, wie eine derartige zur An­schaffung beabsichtigt ist (diese ist für Liegnitz bestimmt) vor» geführt. Sie läßt sich in einer Höhe von 22 Meter auS- ziehen und zwar ist hieß eine Arbeit von kaum 2 Minuten, welche von nur 2 Monn außgcfuhrt werben kann. Als bieseS Gerät gestern mit Pferben bespannt im raschen Tempo vom Bahnhof nach bem Depot gebracht wurde unb bei entgegen» fommenben Fuhrwerken unb bei Straßenübergängen bie schrille Glocke ertönte, glaubte man plötzlich in eine Groß­stabt versetzt zu sein. Heute morgen würbe diese Leiter dem Oberbürgermeister, den Stadtverordneten unb dem Brand­direktor Traber auf dem Branbplah gezeigt.

VachtÜbernahme. Daß fürstlich BrounselSsche Hofgut HeibertShousen, bei Lollar gelegen (seitheriger Pächter Samcß), gebt in nächster Zeit auf ben früheren Pächter von Hohensolms, Herrn Güngerich-Gießen über.

Tic Deutsche Dichter-Gedächtnis-Stiftung in Hamburg-Großborstel, bic unseren großen Dichtern burch Verbreitung ihrer Werke ein Denkmal setzt unb auch bereits eine Anzahl hessischer Volkßbibliotheken mit Buchern unter­stützt hot, hat in Anerkennung ihrer Bestrebungen von bem Großh. Ministerium beß Innern eine Beihilfe von 200 Mk. erholten, ist ihr daburch möglich, noch eine Anzahl weiterer hessischer Volkßbibliotheken mit Büchern zu unterstützen, wofür nur für jeben Einbanb ein Ersotzpreiß von 40 Pfg. zu zahlen ist. Nähereß teilt bie Bibliotheks- Abteilung her Deutschen Tichter-Gebächtniß-Stistung in Hamburg-Großborstel mit, an hie Bewerbungen gerichtet werben können. Ta bic Stiftung inbeficn noch mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, ha bie an sie gestellten An- forbenmgen oußerorbentlich große sinh, so ist ihr er» mün)d)t, wenn bic Volkßbibliotheken her größeren Gemeinden ihr einen kleinen Beitrag zahlen. Aermere Volkßbibliotheken sollen bagegen diesmal auf Grund her erwähnten Beihilfe des Ministeriums ohne Beitrag, nur gegen Ersatz her Ein- bonbßgelber, die Bücher erhalten.

ff. Düdelsheim, 30. Juni. Ein komisches Ren­contre mit Wilddieben trug sich in dem nahgelegenen Forst zu. Man war hort Wilddieben mif her Spur, ohne seboch bis jetzt einen zu erwischen. Auf baß Nachsuchen der 'vorftbchörbe unternahm bie Genbarmerie verschiebenemal Streifzüge in ben betr. Wälbem. Dabei erblickten bie Gen- barmen, war gegen 10 Uhr abenbß, an einer Waldlisöre eine Gestalt mit einer Flinte im Arm, anfcheinenb auf bem Anftonb ftehenb. Sie näherten sich bem vermeintlichen Wilberer behutsam von brei Seiten, um ein Entweid;en zu Dcrbinbcrn. Mit bem Zuruf .Gewehr herunter!* brangen sie mit vorgehaltenem Gewehr unb Revolver auf ihn ein. Der Angerufene ließ aufß tötlichste erschrocken baß Gewehr fallen unb ftanb leichenblaß mit schlotternben Knieen vor ben Gen bannen. Beim näheren Hinsehen sahen mm bie An­greifer, baß sie ben Jagbpächter selbst, einen Herrn M., ge­fangen hatten. Dieser hatte seinerseits bie Gendarmen, bic in Zivil waren, für Wilberer gehalten unb schon (ein letztes Stünblein erwartet.

ff. Bübingen, 30. Juni. Von einem Gerichts diener würben vor einigen Tagen zwei auf bem Reibe bet Borbach herumstrolchenbe Jnbivibuen, bie stark verbächtig waren, an ben jüngst vorgekommenen Eisenbahneinbrüchen be­teiligt zu sein, gestellt unb bem Potizeibiener von Borbach zur WeitertranSportiermig nach Bübingen übergeben. Aus bem Weg bahin entflohen sie. jeboch unb konnten trotz sofort aufgenommener Nachforschungen von her Bübinger Genbarmerie bis jetzt nicht ermittelt werben.

Wetzlar, 30. Juni. Für bie Ausbringung der Kosten, welche bie Restauration unseres Domes veranlassen wirb, liegt nachstehenber Plan zugrunbe. Die Kosten, auf 1 Million veranschlagt, sollen wie folgt aufgebracht, resp. verteilt werden: Lotterie 650 000 Mk., Beisteuer der Provinz 170 000 Mk., Beisteuer beS FiSkuS 82 000 Mk., Dombau­verein 44 700 Mk., Stabt Wetzlar 20 000 Mk., evangelische Gemeinbe 16 000 Mk., Kreiß Wetzlar 12 500 Mk., katholische Gemeinde 4000 Mk. Die Aufbringung dieser Summe soll, wie wir weiter hören, auf einen Zeitraum von 5 Jahren verteilt werben.

ke. Kreuznach, 30. Juni. Der russische Baron Günzburg, her vor einiger Zeit bei Lebach einen Mann mit seinem Automobil übersu hr unb tötete, hat jetzt der Witwe eine Entschädigung von 30000 Mk. auß* bezahlt.

Vertnifdtfc».

* Köln, 30. Juni. In Kalk bei Köln schnitt ein Mann aus Eifersucht seiner Frau mit dem Brotmesser die Kehle bnrch.

* Berlin, 30. Juni. EineP ü ckl er"*Versammlung, die gestern abend ftattfinbeu sollte, wurde polizeilich ausge- st. Graf Pückler sprach überWucherj u den". Er säiil- berte zunächst bas Treiben der M ä bchenhän bler unb meinte schließlich, die Berliner sollten tiuf bie Juden Jagd machen unb s i e erschießen wie Hasen und Kaninchen. Der überwachende Polizeileutnant löste darauf, nndubem Graf Pückler etwa eine Viertelstunde gesprochen hatte, bie Versammlung auf.

* Kiel, 30. Juni. Heute vormittag br ad) der von dem Prinzen Heinrich geschenkte qroße Bär aus dem Zwinger im Werstpaike aus, verfolgte den Wärter und zer­fleischte ihn derartig, baß seine lledersührung in bic aka­demischen Heilanstalten nötig würbe. Da es auch den übrige«