Die ZZeisetzung
des kleinen Minzen Keinrich von Meußen.
Kiel, 29. JebV.
Heute vormittag fand in der Nikolaikirche die von Probst Becker geleitete Feier der Beisetzung des Prinzen Heinrich statt. Ter mit einem schwarzen Tuche verdeckte Sarg war vor dem Altar aufgestellt, umgeben von reichen Blumenarrangements und kostbaren Kranzspenden. Zu beiden Seiten des Altares hatten die Ortsgeistlichkeit beider Konfessionen, sowie die in Kiel anwesenden Ritter des hohen Ordens vom Schwarzen Adler Aufstellung genommen. Ferner waren anwesend die obersten Hofchargen, die Admiralität, die Offizierkorps der Landtruppen, die Spitzen der Behörden, der Rektor und die Dekane der hiesigen Universität, die in Kiel anwesenden Mitglieder der schleswig-holsteinischen Ritterschaft, der Kirchenvorstand und viele geladene Tamen und Herren. Um 111/4 Uhr erschien der Kaiser in der Uniform des Seebataillons, das Prinzen- vaar Heinrich von Preußen, der Großherzog von Hessen und die Frau Prinzessin von Battenberg. Mit dem Ehorgescmg „O Haupt voll Blut und Wunden" begann der Trauergottesdienst, woran sich die Einsegnung der Leiche schloß. Rach der Ginsegnung hoben 12 Fähnriche zur See den Sarg entbot und trugen ihn durch den Haupteingang der Kirche in Die Seitenkapelle, wo die vorläufige Beisetzung stattfand. Auf dem Wege zur Kapelle schritt der Hofmarschall Frhr. v. Seckendorfs dem Sarge voran. Dicht hinter demselben folgten der Kaiser mit der Frau Prinzessin Heinrich, sodann Prinz Heinrich, der Großherzog von Hessen und die Prinzessin von Battenberg. Nachdem die allerhöchsten und höchsten Herrschaften einige Minuten in stillem Gebet in der Kapelle verweilt hatten, verließen dieselben die Kirche und begaben sich ins Schloß zurück. Vor der Kirche hatte eine Kompagnie des Seebataillons mit Fahne und Musik Aufstellung genommen. Nach Beendigung her Feierlichkeit feuerten die im Hafen liegenden Schiffe einen Trauersalut von 21 Schuß. Sämtliche öffentlichen Gebäude und viele Privathäuser trugen Flaggenschmuck auf Halbmast. In den Schaufenstern der Geschäftshäuser sieht man Trauerdekorationen.
Ter Berliner Hof legte eine vierzehntägige Trauer für den Prinzen Heinrich an.
Ueue UnglLicksnaiörichLen aus Deutsch-Afrika.
Gouverneur Leutwein telegraphiert unter dem 28. Februar: „Tie Kolonne des Majors v. Estorfs hatte am 25. Februar ein zehnstündiges schweres Gefecht an der Wasserstelle Otjehjnnanapa, 50 Kilometer östlich von Omaruru, gegen zahlreiche tapfer fechtende Hereros in einer vorzüglichen Stellung, gegen welche eine Artilleriewirkung unmöglich machte. Abends wurde die feindliche Stellung durch einen Sturm der Kompagnie Franke durchbrochen, worauf die Hereros sich in östlicher Richtung zurückzogen. Tie Verluste des Feindes sind unbekannt. Erbeutet wurden 500 Stück Großvieh und 2000 Stück Kleinvieh. Diesseitige Verluste: tot Oberleutnant Otto Schulze aus Krosien; schwer verwundet die Oberleutnants Frhr. v. Schönan-Wehr, Schußwunde im linken Knie, und Hannemann vom Seebataillon, Leutnant v. Stülpnagel, beide Schuß durch den rechten Oberarm, Gefreiter Bollrath Friedrich aus Coswig, Kreis Zerbst, Querschuß in den Unterkiefer, Gefreiter Ernst Binder aus Holzgerlingen in Schwaben, Schuß durch die linke Lunge und den linken Oberarm: leicht verwundet: Sergeant Bernhard Becker aus Brackupönen in Ostpreußen, Streifschuß am rechten Becken, Gefreiter Bruno Sputh aus Schönefeld, Kreis Leipzig, Streifschuß am linken Unterarm, Gefreiter Reinhold Meusel aus Wald, Kreis Zittau in Sachen, Streifschuß am Kopf."
Gouverneur Leutwein meldet ferner unter dem 29. Februar, daß die Kolonne des Majors v. Glafenapp Owikango erreicht habe. Der Feind fei nördlich ausgewichen.
Tie „Norddeutsche" meldet: Nach einer telegraphischen Meldung des Gouverneurs von Kamerun ist die erste Kolonne der aus Anlaß der Nachricht von dem Tode des Stationsleiters Grasen Pückler entsandten Straf- expedition unter Leutnant Nitschmann am Croß- fluß eingetroffen. Hier hat inzwischen der Mißerfolg der Pückler-Expedition weitere Ausschreit- ungen gegen die Ges ellschaf t „N 0 r d w e st - Kamerun" hervorgerufen. Drei Angestellte, Küster, toreien geplündert und zerstört. Es verlautet, die reien geplündert und zerstört. Es verlautet, die war aber auch zugleich eine selbstschöpferische Leistung von eigenem Reiz. Frl. Hohl stellte mit warmem Herzen und feinfühliger Hingebung Gebhards Braut dar und zeigte dabei Kostüme von außerordentlicher Eleganz. Frau Kellermann sprach die alte Frau Gebhard mit vollem Verständnis. Sie stellte eine anbetungswürdige Frauengestalt von schlichtester Milde und Güte in rührend schöner Form dar.
Dem alten Geheimrat Eichholz gab Herr Linz en ein überzeugendes Pathos, und Herr Tamke war ein ganz vortrefflicher knöcherner Bureauvorsteher, Herr Acht er berg ein recht aufmerksamer Hörer eines lehrreichen Kollegs über anwaltliche Praxis, und Frl. Lembach eine höchst ergötzliche scheidungslustige Schwärmerin fürs Höhere, wenn dieses auch nur der Tenor von der Jnsterburger Oper ist. Auch sonst waren die kleineren Nollen fast durchweg gut besetzt. Für eine sehr angemeffene Inszenierung hatte der Direktor Sorge getragen.
Der Beifall war besonders nach dem letzten Akte sehr stark. P. W i t t k 0.
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— Arthur Schnitzler: Leutnant Gustl. Novelle. (S. Fischer, Verlag, Berlin). Geh. 1 Mk. — Von der originellen Novelle „Leutnant Gustl" liegt eine neue Ausgabe vor. „Leutnant Gustl" ist eine Schöpfung von. köstlicher Originalität, mit hingebender Liebe zum Gegenstand und jenem prächtigen Dichterhumor geschrieben,, der selbst aus tragisch scheinenden Situationen die befrei.nbc Komik herauszuarbeiten versteht. Die Novelle scheint ganz dazu angetan, eine rechte Volkstümlichkeit zu erlangen.
Station Ossidinge sei auch zerstört. Tas Gouvernement wurde angewiesen, über die Angelegenheit fortlaufend weiter zu berichten.
Die Ursachen des Kerero-Aufkandes.
Ter direkte, letzte Anlaß zum Ausbruch des Aufstandes ist bis jetzt noch unbekannt. Ter Ausbruch geschah bekanntlich völlig überraschend für Regierung und Mission. Immerhin ist es zweckmäßig, nach den mittelbaren Ursachen des Aufstandes zu fragen, um ein gerechtes Urteil zu gewinnen und für die Zukunft zu lernen. Es ist Tatsache, daß die in Deutschi-Südwestafrika arbeitende evangelische Rheinische Mission Unheil kommen sah, daß sie des öfteren geeigneten Ortes eindringlich gewarnt hat vor Maßnahmen und Handlungen, die notwendigerweise Erbitterung Hervorrufen und zum gewaltsamen Ausbruch führen mußten. Hier kommt besonders in Betracht der fortgesetzte Länderverkauf, der die Herero-Viehzüchter, die von ihrem Vieh leben, allmählich ganz außerordentlich in ihrem wirtschaftlichen Einkommen einschränkte, und sodann vor allem das System des „maßlosen Kreditgeb ens" an die Eingeborenen seitens vieler, weißen Händler, welche die Eingeborenen mit Waren aller Art überschwemmten, borgend aufnötigten, sodann nach kurzer Zeit die Schuld rücksichtslos eintrieben und mithin den Leichtsinn und die Gesetzesunkenntnis der Eingeborenen unverantwortlich ausbeuteten.
Sieht man die Ursachen des Aufstandes von diesen Tatsachen aus an, so muß man zu dem traurigen Resultat kommen, daß der Aufstand als solcher eine naturgemäße Reaktion gegen eine Art b er Kolonisation ist, die dem Weißen alles erlaubt und den Eingeborenen als rechtlos erachtet. Es ist dies die Auffassung, wie sie z. B. in der „Deutschl-südwestafr. Ztg." vom 20. Januar 1902 und 22. Juni 1902 (zitiert nach „Frankf. Ztg. Nr. 42 l. M.) ausgesprochen ist: „Daß das Land überhaupt aus den Händen der Einaeborenen in die der Weißen übergeht, entspricht nur dem Zwecke der Kolonisation des Schutzgebietes: das Land soll durch Weiße besiedelt werden. Dann muß der Eingeborene aberweichen. Durch den Uebergang von Land in den Besitz der Weißen vollzieht sich eine friedliche Eroberung, die vom Standpunkte des allgemeinen Interesses je eher, je besser beendet sein dürfte." Und in der Kolonialen Zeitschrift (August 1902. S. 275) heißt es: „Tie Kolonialregierung muß das Ziel haben, die Eingeborenen einesteils ihres Grundes und Bodens zu enteignen, um Land für die Farmen zu schaffen und ihnen einen Teil und zwar einen beträchtlichen ihrer Freiheit ru nehmen." Angesichts solcher brutalen Herrenmoral klingt der Name „deutsches Schutzgebiet" allerdings sehr merkwürdig. Inwiefern das „angemeine Interesse" für solche Forderungen, durch die das Interesse gerade Einzelner sehr deutlich durch scheint, herhalten soll, ist uns unverständlich Solchen prinzipiellen Bestrebungen muß nicht nur vom christlichen Standpunkte aus widersprochen werden, dagegen muß sich das billig und gerecht denkende Gefühl überhaupt wenden. Ganz gewiß, der Aufstand muß nun kräftig niedergeworfen werden, eine strenge und gerechte Strafe für verübte Greuel muß erfolgen, einer Wiederholung ähnlicher Katastrophen muß vorgebeugt werden, aber es wäre des deutschen Volkes unwürdig, ein Naturvolk, das unter seinem Schutze steht, für alle Zeit rechtlos zu machen, vielmehr ist es seine Ausgabe, ein solches in gerechter Art zu erziehen und dabei in Zukunft Fehler zu vermeiden, die einzugestehen ja vielleicht im Augenblicke unangenehm sind.
Materiell ganz mit dem Urteile der ev. Rheinischen Mission übereinstimmend, werden allmählich Urteile von privater Seite laut. In einem Artikel der „Franks. Ztg." vorn 11. Februar d. I. über das gleiche Thema äußert sich ein „Kenner des Landes, der über 30 Jahre unter den Hereros gelebt, sie also vor und nach der deutschen Besitzergreifung genau hat studieren können", auf ganz dieselbe Weise ausführlich und sachkundig. Die Ausführungen sind, wie betont wird, von kolonialfreundlichem Standpunkte aus gemacht und wollen „die deutsche Politik auf begangene Fehler offen aufmerksam machen, damit sie durch diesen Schaden wirklich klug werde". Er erzählt von sogenannten „Spekulationsfarmen", dem Treiben der Händler, die von Großkaufleuten abhängig seien, führt das Urteil des Obersten von Franyois an, der die trüben Verhältnisse klar kommen sah, redet auch von dem Alkohol, den die Hereros bis 1885 nicht kannten, *Unb bie Art, wie dieses „Teufelswasser" bem Volke angewöhnt worden fei und behauptet, daß die Verhinderung eines früheren Aufstandes nur bem versöhnlichen Einflüsse der Missionare zuzuschreiben fei. Der Alkohol habe das Naturvolk verlottert, 86—90 Gastwirtschaften machten im Lande gute Geschäfte."
Ist dies richtig, und wir haben leider keinen Anlaß, Daran zu zweifeln, so wäre dies allerdings eine „friedliche Eroberung", die des deutschen Kulturvolkes unwürdig wäre. Man schaut oft hochmütig auf England hin. Aber ob man schließlich ein Volk durch Opium oder durch Gin (afrikanischer Ausdruck für Branntwein) vergiftet und zugrunde richtet, dürfte schließlich auf dasselbe hinauskommen.
Sehr erfreulich ist es, und dies muß ausdrücklich betont werden, daß den Gouverneur Leutwein direkt keine Verantwortung trifft. Die Rheinische Missionsgesellschaft sagr in einem Blatte: „Es muß dankbar anerkannt werden, daß bie Landesregierung bes Gouverneurs L. auch^das Wohl b e r Eingeborenen, bie sich unter den Schutz der deutschen Negierung gestellt hatten, ernstlich im Auge behielt und deren Recht auch gegenüber den Weißen vertrat, von vielen aber gerade darum eine Aum Teil sehr lebhafte Oppofiti 0n erfuhr." Uno damit stimmt wieder das Urteil des Deutschs-Afrikaners in der „Frankf. Ztg." überein, der bem Gerechtigkeitssinn des Gouverneurs L. vollste Anerkennung zuteil werben läßt Aber bie Verhältnisse sind oft stärker als die Menschen
Wir wollen hoffen, daß nach der Niederwerfung des Hereroaufstanbes bie in der Person des Gouverneurs L. verkörperte, gesunde und gerechte Kolonialpolitik eine Stärkung erfährt und an der entscheidenden Stelle unserer Regierung größere Klarheit in diesen Dingen und eine gewisse Emanzipation gewonnen wird. Hierbei miizuhelsen, nämlich Aufklärung nach oben und unten zu verbreiten, dürfte gerade die deutschkolonialfreundliche Presse in erster Linie berufen fein.
Lolilischr Tagesschau.
Friedrich Naumanus Münchner Vortrage.
1. Die wirtschaftlichen und politischen Folgen der Bevölkerungs-Vermehrung, 2. Die Politik Kaiser Wilhelms II., 3. Die Frau im Maschinenzeitalter, 4. Liberalismus, Zentrum und Sozialdemokratie (Preis drosch. je Mk. —.25) sind im Freistatt-Verlag erschienen. Diese 4 Vorträge des bekannten
Führers der Nationalsozialen bilden eine politische Gesamtanschauung, die von weiteren Gesichtspunkten die treibenden Kräfte in der gegenwärtigen Politik klarzulegen sucht in der ungezwungen klaren Darstellungsweife Friedrich Naumanns. Naumann beginnt feine politischen Vorträge mit der Betrachtung der wirtschaftlichen und politischen Folgen der Bevölkerungs-Vermehrung. Die Deutschen, jährlich um 800 000 Menschen zunehmend, müßten, so meint Naumann, eine Politik treiben, die es ermöglicht, den jährlichen Menschenzuwachs der Nation zu erhalten und ihre Leistungskraft zu verwerten. Dies fei nur möglich durch eine industrielle Entwi ck- lung Deutschlands. Nach diesem Ziele orientiere sich die Politik der kommenden Jahrzehnte. Wie liegen ihre Entwicklungsbedingungen und welches sind in der Gegenwart die Faktoren, mit denen dabei zu rechnen ist? Die Antwort auf diese Frage erteilt der zweite und vierte Vortrag: „Die Politik Kaiser Wilhelms II.* und „Liberalismus, Zentrum rind Sozialdemokratie". Die interessante, nicht leicht zu erfassende Persönlichkeit Kaiser Wilhelms IL erfährt in dem zweiten Vortrag eine eingehende Analyse. Es wird als das Dauernde im Wechsel seiner Entwicklung fein tatkräftiges Interesse an der Förderung der Industrie hingestellt und Naumann sieht in dem Kaiser die sicherste Gewähr für den Fortschritt in einer Zeit, wo bei einem Parlamentarismus das Zentrum allein maßgebend wäre. Wie diese Zentrumsherrschaft beseitigt werden könnte, sucht N. im vierten Vortrag zu zeigen. Naumann meint, die Sozialdemokratie sei im Grund genommen nichts als die zweite neue Gestaltung jener alten liberalen Grund* ftimmung des beginnenden 18. Jahrhunderts. Nicht was sie theoretisch lehre, sondern was sie praktisch schaffe, fei der Kern ihres Wesens und praktisch könne der Liberalismus nicht viel anderes wollen, als was die Sozialdemokratie ihrerseits verlange. Hier wird der Pfarrer a. D. und theologische Ehrendoktor in weitesten Kreisen Widerspruch finden. Der dritte Vortrag „Die Frau im Maschinenzeitalter",. vielleicht der eigenartigste, behandelt die künftige Stellung der deutschen Frau im werdenden Industriestaat.
Barkamenlansches.
Berlin, 29. Febr. Paul Göhre hat auf die Reichstags-Kandidatur im Wahlkreise Zschoppa-Marienberg verzichtet. An seiner Stelle wird der Photograph Pink au aus Leipzig kandidieren.
— Tas Abgeordnetenhaus hat heute zunächst den Gesetzentwurf betreffend die Bewilligung weiterer Staatsmittel zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse von Arbeitern in staatlichen Betrieben, wozu 15 Millionen gefordert werden, an die Budget-Kommission verwiesen und dann die zweite Beratung des Etats beim Etat der Bauverwaltung fortgesetzt.
München, 29. Febr. Kammer. Zu Art. 14 des Landtagswahlgesetzentwurfes wurde der erste Absatz des Antrages Hammerschmidt (lib.), nach dem im er st en Wahlgang die absoluteMehrheit erforderlich ist, einstimmig angenommen, dagegen wurde der zweite Absatz, durch den auch für den zweiten Wahlgang die absolute Mehrheit erfordert wird, gegen die Stimmen der Liberalen und freien Vereinigung a b g e - lehnt. Statt dessen wurde ein Antrag Sea'tz (Soz.) angenommen, nachdem im zweiten Wahlgang Die relativ e Mehrheit ohne Rücksicht auf das Verhältnis zur Gesamtzahl der Stimmen entscheidet. Bei her Gesamtabstimmung über das Landtagswablgesetz stimmten 156 Abgeordnete ab, da für 96, nämlich das Zentrum, die Sozialdemokraten, Gebhart (Bund d. Landw.), Lutz (freie Vgg.) und Köhl (Dem.), dagegen stimmten 60, nämlich die Liberalen und die Freie Vereinigung außer Lutz. Das Gesetz ist somit, da die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit fehlte, gefallen.
Aus Stadl und Land.
- Personali en. S. K. L. der Großherzog haben dem Landgerichtsrat bei bem Landgericht der Provinz Ober- Hessen Karl Dornseiff zum Landgerichtsdirektor bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg und den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen Ludwig Neuenhagen zum Landrichter bei dem Landgericht der Provinz Oberheffen ernannt. — Der Amtsrichter bei dem Amtsgericht Mainz Heinrich Alten darf wurde zum Landrichter bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen, dec Amtsrichter bei dem Amtsgericht Oppenheim Gustav Erck- mann zum Amtsrichter bei bem Amtsgericht Mainz, der GerichtSafsessor Dr. Karl Gebhard in Osthofen zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Oppenheim ernannt.
vermischte».
* Berlin, 29. Febr. Ter verhaftete Bankier Fritz M e y e r ist jetzt nach dem Untersuchungsgefängnis in Moabit überführt worden. Das gegen ihn anhängig gemachte Verfahren lautet auf betrügerischen Bankerott, Doch sind die Ermittelungen noch nicht abgeschlossen.
• Stuttgart, 29. Febr. Zu Höfen ist der frühere nationalliberale LandtagSabgeordncte Kommerzienrat Kom- merell, 63 Jahre alt, gestorben.
* Brest, 29. Febr. Bei einer Versuchsfahrt erfolgte auf dem Torpedoboot Nr. 210 eine Kesselexplosion, wobei zwei Matrosen tödliche Brandwunden erlitten.
* Athen, 28. Febr. Allwöchentlich Pflegt die hier lebende Frau Sophie Schliemann zum Mausoleum ihres Gatten, des großen Archäologen, zu wallfahrten, um dort des Dahingeschiedenen ungestört zu ge- oenfen. Dieser Tage war sie am Grabe des Gemahls völlig in wehmütige Rückerinnerungen versunken und bemerkte gar nicht, daß sie hereinbrach. Ein heftiges Geräusch schreckte sie plötzlich aus ihrem Sinnen auf. Ein Wächter hatte die schwere eiserne Tür des Mausoleums ins Schloß geworfen, in dem Glauben, sie sei aus Versehen offen geblieben. Vergebens war alles Ruten und Rütteln der geängstigten Dame. Tie Totenstille, Der Anblick des aus dem Dunkel gespenstisch aufragenben Sarges des Gatten machten einen so tiefen Eindruck auf die Verstörte, daß sie bewußtlos zusammenbrach Glücklicherweise suchte der Kutscher, der wegen des langen Ausbleibens seiner Herrin unruhig geworden ipar, auch im Mausoleum nach der Verschwundenen und befreite sie aus ihrem Gefängnis. Frau Schiemann liegt infolge des erlittenen Schreckens krank darnieder.


