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Gießener Tljealerverein,
IMilitäretat.)
Schluß IVi Uhr.
Jahre 1902 gebrudt, in des Innern
verhaften sollten.
Minister Schön'stedt: Der Abg. Haase ist wieder um die Hauptsache herumgegangen, ich werde mich auf seine Exkurse nicht einlassen. lRu' bei den Soz.: Können Sie auch nickt!) Von dem AnaesLuIdiaten Nowagrotzki in Königsberg habe ich das nicht ge» sagt, was mir Herr Haase in den Mnnd gelegt bat. Das; em deutscker Staatsanwalt sich mit Agenten an der russischen Grenze in Verbindung gesetzt hat, ist unrichtig, die Staatsanwaltschaft in Königsberg ist ' lediglich mit den Behörden in Liban in Verbindung getreten (Hört! hört! bei den Soziald.); das ist etwas durckaus natürliches, denn e§ handelt sich dock nur um die Ueber- fj-chrung der Anaeschnldigten. Die Aeußemng des Abg. Bebel, das; meine Haltung im Abgeordnetenhause eine nnan lemesselie war, weise ich als durchaus ungehörig zurück. Mit seiner Auffassung,
Es werde Recht.
Drama in 3 Akten von Walter Bloem.
^'^ollg^epfropf^'ist" von phantastischen Ideen wie der des Vorredners. (Zuruf bei den Soz.: Ist überhaupt mchts Drin IJ
Hiermit schlicht die Debatte.
Die Resolution Bebel wird a b g e l e h n t.
Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Dienstag 1 Uhr.
daft ick am Sonnabend einen Rückzug angetreten habe, wird er wobl allein stehen. Im übrigen habe ich weder für die örtnilo, „och nir die Unschuld der Angeklaaten aeiprochen, sondern nur obicknve Tatsachen mitgeteilt. Herrn Bebel war es offenbar darum zu tun, seine Beziehungen zu Herrn Sknb.t in Avrede zu stellen, .der die anarchistischen Schritten abgesandt hat. Aber ick habe im Ub- geordnetenhause ja den Brief von Herrn Slnbik verlesen, aus dem hervoraeht, das; er Herrn Bebel Mitteilungen gemacht hat. Wenn Herr Bebel das ab leugnet. .. (Große Unruhe vei deu Sozial- dcmotraten. Ruf: Kann der Minister sich denn alles erlauben?)...
Biicvräsident Dr. Pnaschc: WaS der Minister sich erlauben darf darüber habe i ck zu entscheiden. Würde er etwas Unerlaubtes fngen <o würde ich mich nicht genieren, ihn zu bitten, das zu
das steht der Regierung des Landes zu, nicht fremden Nihilisten und anderen Beratern und Helfern von der sozialdemokratischen Partei lSehr richtig I rechts; Lacken bei den Sozialdemokraten.), und wenn diese fr-mden Nihilisten sick so mmnig macken, wie "C ba§ m der letzten Zeit getan haben, wenn sie solche impertinenten Erklar- rungen verfassen wie es die slavischen Studenten hier unter Führung der Herren Mandelstamm und Silberbach getan haben »große Heiterkeit), so werde ich dafür sorgen, daß solche Leute ausgewiesen werden. sLebhaftcr Beifall rcckts, Lärm bei den Sozialdemo
kraten.) In keinem Lande der Welt würde em solcher Unfug von Fremden geduldet werden. lSehr richtig!) Mitleid, wo Mitleid am Platze ist, Duldung und Schutz für solche, die unsere Gesetze beobachten und sic!' anständig m^füfr-n! Aber wm sind in Deutschland noch nicht so weit gekommen, daß wir uns von solchen Schnorrern nnd <ncrr*mörerr ILacken bet den S^-'ald-m^krgt'-n) Vorschriften macken laßen Wir sind noch kein Laboratorium für nihilistischen Srick'tosf Der ganze Lärm, welchen die Sozialdemokratie wegen der Answeisnnoen und wegen der Vorgänge in Königsberg gemacht bat, fließt aus aan- derselben Quelle, wie dis ununterbrochene Toben der sozialdemokratischen Preße gegen Rußland, wie die heftigen Angriffe, die heute Herr Bebel wieder gegen Rußland gerichtet bat Der Ztveck, der damit verfolgt wird ist, uns nut Ruß- Innb zu verhetzen sVidersv'-i'ck bei den Sozialdemokraten ) Der Qtned der d-rmit verfolgt wird, ist, die Revolution zu cntfeffcln. Herr ^ebel bat mit einer gewissen Verlegenheit gesprochen von einem hm, den sein Freund Km'tskp in der „Neuen Zeit" geickrieben hat. sÄbg. Bebel: Verlegenheit?)
Er bezeichnete Kautskp als einen Ideologen. Ick alaiibe dock. Kaut^kn ist mehr als Ideologe, er ist anerkanntermaßen das publizistische Sprachrohr des Abg. Bebel, er ist sein Leibiournahlt (Hei'erkeith et steht zu Herrn Bebel ungetäbr so wie weiland in Svanien her Großinquisitor zum König stand ''Heiterkeit!, er zeigt mit dem Stock auf diejenigen, die verbrannt werden lallen. (Erneute gro^ie Heiterkeit.) Das haben die armen Revisionisten in Dresden erfahren (Heiterkeit.) Also in einem Artikel des ossi.ziellen Partei- oraans der Sozialdemokratie, in der „Neuen Zeit", schreibt Kautskp: Dm- Zarentum soviel wie möglich zu diskreditieren, ist beute eme der wichtigsten Aufgaben der internationalen Sozialdemokratie «Hört, hört!), wenn es erst gelungen wäre, in Rußland einer Revolution zum Siege zu verhelfen", so führt Kautskp weiter aus, so würde die Nüdwirkung auf ganz Europa eme gewaltige fein, feört hört!) es würde ein revolutionäres Rußland die anderen Staaten überschwemmen, dann würde Oesterreich bedrängt werden dann würde in Deutschland der Bundesstaat dem Einheitsstaat Platz macken müssen, dann würde Polen wiederhergestellt werden. Der Artikel schließt mit den Worten: „Sollke es nickt möglich sein, daß schon aus diesen Kämpfen sick schließlich eme herrschende Swlliina des Proletariats im Deutschen Reich ergibt? (Hort! hört!) Also damit wir hier in Deutschland mit dem Zuknnftsstaat, mit der Zuckthausordmmg (Rui bei den Szd. : Die habeii wir!) de« Herrn Bebel beglückt werden, darum sollen w't Nihilisten erlauben, daß sie nach Herzenslust bei un5 . wühlen und konspirieren^ Das werden wir nickt tun, sondern wir werden verhindern, daß vom deutschen Gebiete aus feindliche Machinationen gegen Rußland oder irgend einen anderen Staat getrieben werden. SBenn es nach Herrn Bebel ginge, würden wir allerdings un Kriege mit aller Welt sein. Heute reibt er sich an Rußland, morgen geht »r gegen Armenien, übermorgen gegen Afrika vor. Das w"rde eme Hgns-Damps'Politik werden, eine abenteuerliche und pha, tastiicke Politik, um die Ausdrücke des Abg. Bebelzu gebrauchen (Heiterkeit), wie
rarifcfye Zukunft des Autors.
Die Aufführung trug sehr viel zu einem starken Erfolgd bei. Die unentschlosiene Persönlichkeit des Dr. Gebhard ist zwar keine lohnende, wirkungsvolle Bühnenfigur. Herr Löhr, der Gast aus Darmstadt, schuf aber eine Gestalt von warmem Leben und gewinnendsten Zügen. Man schätzt hier Herrn L. als eine Künstler - Individualität von fesselndem Gepräge. Jedenfalls ist er ein recht tüchtiger Darsteller, der die seelischen Qualen des Rechtsanwalts eindringlich klarlegte, ein Darsteller, dessen warmes Organ wohltut, dessen ganze Art sympathisch ist, der es ernst mit seinem Berufe meint und der mit bemerkenswerter Energie in die Seelen der von ihm zu vermenschlichenden Dromen-Gestalten sich hineinzufüllen bemüht ist. Man gewann freilich gestern den Eindruck, daß Herr Löhr selber weit mehr Sicherheit und Bestimmtheit besitzt als dieser Dr. Geb-
Miuifter Sckönftedt fort'ahreud): Nun bleiben die Sozialdemo. raten dovei daß itzel die auarckiüiscken Sckrifteu eiugesckmuggelt hätten Ack wär nen bantbar, wenn Sie uns dabei unterstützen wollten diese Spüwl zu euidecken. Demi wir wollen nickts als die
gesteht, daß Leute seines Schlages -auf keinem Bureau I so prompt bedient" würden wie bei Dr. Gebhard. Wir hören । eine Menge Reden über juristische Ethik und eme sonder- bare Art pflichitmäßiger responsabler Jrresponsabilitat der Rechtsanwälte Reden von verkappter Temagogik äla Beyer- ;
ICin Erhandelt sich im wesentlichen um die von Amts wegen obliegende Pflicht d"s Rechtsanwalts zur Wahrung strengster VerschwieaenMit. Rosegger hat einmal eine Novelle geschrieben, in der er in den Mittelpunkt der Handlung einen katholischen Geistlichen stellte, dem unter dem Siegel des Beichtgeheimnisses ein Mörder seine <luttat beichtet, wahrend ein Unschuldiger zum Tode verurteilt wird und draus und dran ist, dem Henker zu verfallen, ^er Rechtsanwalt Gebhard in Bloems Drama befindet sich in der gleichen Lage wie jener Geistliche. Er darf nicht Zeugnis ablegen gegen seinen Klienten, er kann aber sehr woyl ivnb hat als anständiger Mensch die Ehrenpflicht, fern Mandat niederzulegen, sobald er die Ueberzeugung gewinnt, daß fern Klient falsch zu schwören bereit ist, und wenn s nur ein paar Stunden bis zum entscheidenden Termm sind. Ihm bleibt ja immer die Möglichkeit, zunächst Vertagung der Sacke zu beantragen, und er kann dann erst, um allen bösen Sckein zu vermeiden, seinem Klienten den Laufpaß geben. Zn diesem Falle, den hier näher zu erörtern zu weit führen und mehr in das Ressort über dem Strich l)ehören würde, war aber der gewiesene Weg der des Vergleiches, den ja die gegnerische Partei sogar betreten zu wollen sckeint, um im entscheidenden Moment das dem Zuschauer längst auf den Lippen liegende Wort unausgesprochen zu lassen! Durch einen Vergleich wären alle gereitet, nur nicht das Stück des Herrn Dr. jur. Bloem, der es fertig bekommt, dem würdevoll drcinschauenden Vorsitzenden emer großen Anwaltskammer die laxeste juristische Moral, verbrämt mit
, Phrasen von Gott unb himmlischer Gerechtigkeit, in den , Mund zu legen, eine Moral, die nichit nur aller ^einuns, sondern auch dem von Bloem so heftig angefochtenen Gesetz aufs gröblichste widerspricht. Wenn der Geh. ^usuzrat Eichholz dem Rechtsanwalt Gebhard sagt, er dürfe sein Mandat nicht niederlegen, obwohl dieser die ^Überzeugung hat. daß die Sache faul ist. io ist dieser noch f° ^rwurd'g auLstassierlc Geh. Justizrat der seidenen Robe des Rechts- anwalts ebensowenig würdig wie etwa ein Men.ch vom Werte des dunklen Ehrenmannes Kmpp.
Zn den Kampf zwischen Derufspflicht und men.chlicyem Gerechtigkeitsgefühl hat Bloem geschickt eme Lieb'sverwack- lung einaesponnen. Sie verscyar.t den ganzen Kon,>likt in dem sich Gebhard befindet, erheblich, denn seme Drau ist die Tochter des Bankdirektors, seine? Klienten der mit seinem Dr Gebhards, Missen einen Meineid schwort, der Existenz und Ehre eines außergewöhnlich fähigen Er,mder^ und mehrfachen Familienvaters gänzlich vernichtet.
Al es in ellem gen mmm i't wer^ R'esit" wo'l em in m n em g: ui g nes at v lat r s s ch r ü n g g n die irdische Gerechtigkeit als „unvollkommene, stümpert)^,le Institution", um mit BloemS eigenen Morten zu reden, - aber kein Kunstwerk, das uns hinaus aus begrenztem Hon- ?°nt, aus ben engenben Fesseln eines Metiers unb huraus führt auf einen hohen Berg, von bent ras tmr n d»t n .r bas bloße Geschehen interessanter „Falle , sondern m reu Seelen der Menschen, das Wachsen und Werden ihres Wollens und Wirkens schauen.
Wie Selbstironie klmgt es, wenn Bloem von der „trivialen Miniaturtragödie des Rechtsanwalts s^cht-
ES ist anzunehmen, daß sich Bloem nach ^utzabe seiner Anwaltspraxis m seinen,ferneren lMercirischen Sckaficn höhere Ziele stecken wird. Obwohl er sich hier
■ im wesentlicken nur als kermln s- unb "!°nnw.Sre>cher . Wachmann zeigt, obwohl chm d.e Menschen, das wertvoll,ce
TarsteliungSoosekt bcs>ramatii vn Dichters, nur ziem-
lich nebensächlich e MU-el zum Zwecke der dramatischen Behandlung einer aus der Lebenserfahrung erlangten Einsicht sind, die er glaubte dem Publikum nach „berühmten" Mustern so mundgerecht als möglich vorsetzen zu sollen, offenbart er doch auch einiges Talent, das sich aus dem Gebiete der Bühnenwirkungen nicht übel auskennt. Tie Crposition der Handlung und ihr Verlauf zeichnen sich überdies durch eine Knappheit im Aufbau und gewandte Dialogführung aus, die gerühmt zu werden ver- dienen. Auch die Charakterzeichnung namentlich einiger Nebenfiguren ist ihm wohlgelungen.
Sehr hübsch sind ein paar Szenen des letzten Aktes. Da empsindet man es, daß der Verfasser fernen Berus bisher verfehlt hatte, zu dem ein kühler Kopf und ruhige Selbstsicherheit gehören, keine schwächlichen Jdealitatsduse- leien k la Gebhard. Hier quellen ihm, besonders wenn er die Mutter Gebhards reden läßt, warme Töne aus lauterem Herzen, die uns erquicken und ergreifen. Sie allem geben uns einen vollwertigen Wechsel auf eine erfreuliche litte-
harb vertragen kann. . .
Herr Teleky hat uns in der allerdings sehr schwierigen und undankbaren Rolle des Kommerzienrats Giesebrecht nicht gefallen. Er hatte einen weltmännischen Hallunken mit diskreter Schärfe zu zeichnen. Ta wäre wohl eine gewisse sar- kastisch lächelnde geschniegelte Glattheit am Platze gewesen, die in Momenten in eiserne Willenskraft umschlägt, dabei äußerste, unantastliche ruhige Vornehmheit, in Augenblicken des Alleinseins aber quälende nervöse Unruhe. Die Rolle gibt reiche, von Herrn T. leider unbenutzt gelassene Gelegenheit zur L)e- tätiqmiq heterogner Mimik. Dagegen mochte Herr Sanborft feine Sache ganz vorzüglich. Er stellteden bankerotten Dr. -an Gelberen bar, den von mitten SReruoiiiät geplagten Fabrikanten, den um feine mit äußerster Anspannung aller seiner Kräfte."»ge»»™ Setbstmordkandidaten, der freilich d,e Sache ‘"S*' " '
als sie in der Tat ist. Tenn nicht erst der 91uSgnng des Pro.e seS ruiniert seine Existenz, die Konkiirsmasse fuhrt ihn ja, nicht er. Er. ber Reserveoffizier, bet fernen Segen ebenio leiben, schaftlich liebt wie bic Arbeit, hat aber m teiner sehr erklärlichen Nervenüberreizung tue Ueberzeugimg, baß ber Gib GiefebrechtS ihn vor aller Welt richtet. Tas Ist zwar sehr wahrscheinlich, aber nicht ohne weiteres zutrcffenb benn Dr Gebhard bemerkt sehr richtig, zwei t-bellos- Ehrenmänner konnten sehr wobt nut vollem Bewniitzem ihies Rechts ber eine schwarz, ber nnberc weih schwären. In seinen hast-geu Äewegungen, in der mühsam bewahrten Ruhe, unter der ein Krater von ungestümem Kampwrtume rocht, wie in dem Ausbruch wildester Leideuschasilichkeit erfüllte ; Herr Sandorff die letzten Absichten des VersasierS. TaS
genzcn terfüge. w v , Y ... . m
Minister Frhr. von Hammcrftcin: Auf den beleidigenden Vor- ' dcs Abg. Bebel bemerke ich nur, daß allerdings mein Kopf nicht
Zm Winter 1889/90 war's, als Herr Dr. jur. Malter Bloem als neu gebackener kgl. preuß. Oberlaudesgcrichts- ' Referendar nach seiner Heimatstadt Elb er s oldznrn.ckkeh^e wo sein Vater eine ausgedehnte Anwaltspraxis besaß. Enn hübicher schlanker junkcr Mann mit ausdrucksvollen Zugen und großen, sck;arfblickenden, braunen Augen, der damals schon^heftigen literarischen Ehrgeiz besaß und sich mit mannigfachen dichterischen Plänm trug. Im ^-ahre 189/ sah ich ihn dann wieder, als er bei d^ Hremwre ,emes zwar buntfarbigen, aber inhaltsleeren Bluch^r-Lchuusplels Caub" zwei- oder dreimal vor der Rampe des kgl. iiau- s'pielhauses in Berlin erschien und für den kouventionellen Beifall des Publikums gemessen dankte. Er war dmnal^ Rechtsanwalt in Barmen. Jetzt steht er, nachdem noch ein paar Stücke von ihm über einige Buhnen gegangen sind, einer Zeitungsnotiz zufolge int Begriff, seine Anwaltspraxis aufzugcben und nach Berlin uberzustedeln. Mehr als ein Haar scheint er während seiner etwa Zehniahrigen Praxis in der Tätigkeit eines Rechtsanwalts gefunden zu haben, und all seinen Groll gegen die Juristerei, dieses „eklige Geschäft", wie sein Referendar Dr. Zehme sagt, hat er in seinem neuesten Drama „Es werde Recht sich vom Herzen geschrieben. Der „Held" seines Stückes, der Rechtsanwalt Dr. Gebhard, ein Munn, den der Verfasser gern hinstellen möchte als ein Muster seines Berufs, Pardon, nicht Berufs, sondern seiner „Beschäftigung , denn weder Richter, noch Staats- und Rechtsanwälte haben nach Dr. »url Bloem einen Beruf, der ja „Positive Werte jchasfe, — dieser Dr. Gebhard unterscheidet sich, was Zhuik anbetrifft, ein wenig von den andern Rechitsanwalten und ^berzpnikern des Stückes. Er meint, „Anwalt des Rechltes sein, nur des Rechtes, das sind Jugendträume man dient allem möglichen, der öffentlichen Ordnung, dem Handel und Wandel, den Interessen seiner Klienten — kurz, man dient lals Reckitsanwalt) nicht der Gerechtigkeit, man dient dem Gesetz". Und das, so führt Dr. jur., Gebhard alias Dr. jur. Bloem aus, sind leider recht häuftg Wioerspruche. Die Kollegen Gebhards aber reden noch ganz anders ...
,Es werde Recht" ist keine Dichtung, sondern ein dialogisierter Leitartikel über Gerechitigkeit pnd Gesch itn Verhältnis zu einander. Herr Dr. jur. Bloem greift hier .auf seine Weise ins volle Menschenleben, er holte aus seinem Anwaltsbureau, in dem wohl, wie bei Dr. Gebhard, eine Stenographin emsig an der Arbeit sitzt, seine Personen und seinen Stoff und schuf, zum Ergötzen der Menge, ein zweiter Zelik Philippi, eine vomphletisck>e Philippika, em packendes deutsches Gegenstück zu Drieux' „Roter Robe , emen Kriminalroman nach altem Muster, der mit einem Knalleffekt eine häßliche Meineibgeschichte löst. Der edle Dr. Gebhard, der „Held", ein schwankender Ch^'^^ üc°” beklagenswerter Scheu bot.paragra^ierteii
wohl einige unklare Empfindungen von der Existenz Nttlicher Größe hat läßt sich von seinem bedeutendsten Menten, kinem zum Meineide bereiten großen Dankdirektor, wie eine SchÄfigur schieben. Das Seltsame ist daß autzer ihm f^ alle Nguren des Stückes die Sachlage langst durchschauen oder doch rDemgften§ 6cftimr.tte
haben - er bleibt lange so ziemlich der einzige ahnungslose Ätael'des ganzen Stückes. Ein großer Psychologe also ist e? nicht dieser unreine Suchen von sich weisende Rechts- onwalt, dessen Joscfnatur wir in einem fittsamen Mgenstu-I- lein Mi der französischen Orpheumsposse „Der ke.iswc^asi- »einer Le nk auf komische Lir.utig berechneten ^ene kennen lernen, obwohl der hoch,t ...övi .! ,n tc
sie noch garnickt dageweken ist. Eine sokcke Politik werden trnc nickt treiben, sondern wir werden unbekümmert um sozialdemokratticke Quertreibereien die vertrauensvollen, iriedlicken und guten Begehungen aufreckt erhalten, die uns jetzt mit anderen Staaten verbinden. (Levhatter Beifall.)
Abg. v. Kardorff (Rp.). Herr Bebel hat uns eine endlos lange Rede gehalten und alles mög icke vorgebrackt, nur um die Haup'- fache äu venviscken. Dmck dieses große Brimborium sollte die Aufmerksamkeit abgelenkt werden. Wir sind keine Zremide des absoluten Zareniums, aber wenn ich die Wabl hatte
Zwischen dem ZareMlim Rußlands und dem KalunktSstaat Beveis dann würde ich doch das erstere ,"Lhlen. denn bmi gibt es sicher noch we't mehr Freiheit olS in dem Reicke Bebe's. (Sehr richtig!) Abgeordnc t Dr. Sattler hat pck darüber gefreut, daß die Minister hier erschienen sind, . "
das hat dock seine 3tuet Seiten. Was mürbe beim aittckehen wenn hier alle Ein;elstaaten ihre Angelegenheilen be'precken würden? Dies würde fast an die beiden Seeleute Fnh Reuters erinnern, die immerfort die Ankerwinde drehten und auf die Frage: „Kinners, toorüm dreiht ji benn 10 lang ?" antworteten: , Ja, toi hetoen bat Enn -"'neben. (Große Heiterkeit.) Wie nahe bie Sozialdemokraten den Anarcki'ten stehen, zeiat dock sckon die Tatsacke, daß alle anartfiiftitöen Morde ai§ Ehren- und Ruhmestaten von den Sogaldemokraten gewiert iverden. Wenn die russiscken Studenten unser Gastreckt, genießen wollen, müssen sie sich unseren Gesetzen fügen. Von den Anschuldigungen der Sozialdemokraten ist nickts, rein gar nichts bewiesen worden. Im Gegenteil, der Reicks- ' ander hat nackgewiesen, daß wir stets human gewesen sind. Wenn wir aber nach dem Abg. Bebel gingen, tourben mir unsere Neutralität schnöde verletzen. (Beil 1 rechts.) _
Abg Haase (Soz ) führt aus, daß er dem Mini,ter alle <2pilzel namhaft gemacht habe, meShalb sie denn nickt vernommen seien? Die Sozialdemokraten hätten dock nickt das Nedit, Zeugen eidlich zu vernehmen Er bestreite nochmals, daß die Sozialdemokraten mit den anarchistischen Schriften cfma<5 zu tun hätten. In dieser Sache habe ja auch der Munster frine frühere Erklärung eingeschränkt Graf
W^Mwistcr Freiherr von Hammerstein: Ick konstatiere nochmals, daß kein einziger Fall nackgemiesen ist, daß russische Agei,reu sich in unsere Angelegenheiten genv’dit und sich vreuznche Beamten- funftionen anaemaßt haben. Die Zeugen, die lmr vernommen habem haben zur Sache selbst nichts ausgeiagt. Es mar alles nur K.atsch unb Flunkerei. Die Sozialdemokra-ie buhlt mit der revolutionären Partei: bas ist bock nickts neues .Lacken b. b. Soz.); ne bat im ---- ohne Kommentar em ru,si,ches Flugblatt ab» welchem das Attentat auf den russischen Minister verherrlicht mird. (Gttächter bei den Sozial-
bemofraten Zuruf: Das ist ein Minister I) Wir Deutschen sinb ein freisinniges Lanb (Schallenbes Gelachter liittsX aber so rtwas können m;r nicht bulbeii. Aus allem, was Herr Bebel geiagt bat, gebt hervor, baß bie preii' ische Polizei Grunb zum Einschreiten batte Ich kann mir keinen Vormuri machen, ich erinnere an ictt Ausspruch eines großen beutschen Geschichtslehrers: Wer den Besten seiner Zeit genug getan, ber hat genug getan. (Grone Heiterkeit.)
Staats,’cfrctar Frhr. v. Nichthofen meint, baß nickt er, lonbern bie Sozialbeniokraten eine Nieberlage erlitten hätten. (SBiberiprudg hei bei, Soz.) Es werbe alles beim alten bleiben bie Regierung fei zieckewußt, sie wer^e sich bie Anarchisten vom Leibe halten.
Abg. Werner (Antis.) ist ber Ansicht, ban die Deutschen .zu gut» wütig sinb, unb verbreitet sick über bie Bebeutung bes Wortes Scknorrer Wir wollen Herren im Hause sein. Juden rauSI
' Abg .c-aase (Soz.) hält seine Darlegungen in vollem Maße aufreckt, desgleichen Abg. Bebel, der unter anderem sagt, der Mim,ter des Innern habe ein solches Maß von Jnkapa^itat daß man sich wundern müsse, daß er immer noch im Amte sei. Der preußische Staat könne ihm einfach leid tun, wenn er über so wenig Jntelli-
seine frühere Erklärung eingeschränkt Graf Bulow habe sick die Sache doch zu leicht gemacht, indem er e,mach alle russischen Studenten für Anarchisten erklärte' vielleicht habe ber Reichskanzler sick nut ber Drob""a, bie russischen Studenten der Arminballen ausweisen zu wollen, die Geneigtheit ber Agrarier zu Hanbelsvertragen erkaufen möllern Die Schamröte mußte ben Ministern bock ins Gefickt iteigen. als sie bie russische Regierung um Auskunft er'uckteu, melcke beutscke Staatsangehörigen sie megen Einschmuggelns unerlaubter Schrisieu


