Die Einigung aller Mächte über die Ssterreich- ungarisch-russisä-e Llttrcm, sowie die gleiä^autenden Berichte aller Mächte, machten, einer offiziösen Verlautbarung Aw- fafae, auf die Pforte einen außerordentlicl-en Eindruck. Auf diesen Eindruck und auf die airgebahnte Verständigung mit Bulgarien sind die Befehle zurückAufichren, die dre Pforte an den Gewerbeinspektor, sowre an alle Militär- und Zrvll- behorden erlassen hat, und welche dahin gehen, die bickga-- rische Bevölkerung niäsi zu vergewaltigen, sondern nur das Bandenunwesen energischer zu unterdrücken. Nachrichten aus Sofia zufolge sollen die bulgarische Regierung und die Kirchenbehörde bemüht sein, die Komiteelertung zur Einstellung der Bewegung zu veranlassen, indem sie darauf Hinweisen, daß bei einer Fortdauer der Baudenbewegung die bulgarische Bevölkerung in Äiacedonien teils ausge- nrerzt, teils sehr geschwächt werde.
3itm Wiederaufbau der in M.Uigen Dörfern der europäischen Türkei von bulgarischen Räubern niedergebranrrten Wohnungen der armen Bevölkerung spendete der Sultan aus seiner Privatschatulle 1000 türkische Pfund und ordnete sm, daß weitere 4000 Pfund von der Pforte zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt werdeu
Tie Ausstand i-schen haben inzwischen die Stadt Lacfik im Distrikt Serres beseht. Ein Herbetgeeiltes starkes türkisches Militärkommando wurde mit Bomben beworfen und erlitt große Verluste. Die Entsetzung der Stadt ist noch, nicht gelungen.
Aus StM und KmL.
Gießen, 30. Sept. 1903.
** Der neue Taschenfahrplan für den Winter 1903/04 wird heute als Gratisbeilage den alten Abonneuteu des Gießener Anzeigers durch unsere Träger, Abhole- und Zweig- stellen übermittelt. Neu hinzugekommene auswärtige Abonneuteu erhallen den Tascheufahrplan Aloutag deu 5. Oktober durch unsere Zweigstellen. Postabouneuteu wird das Heft auf speziellen Wunsch zugeschickt.
L.U. Die lateinische Sprache in der Matrikel ist auf Beschluß des Gesamtsenats durch die deutsche ersetzt worden.
"Personalien. In den Nuhestcmd wurden versetzt der Steuerauffeher Heinrich Wagner zu Bingen unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste, der Weichensteller in der Hess.-Preuß. Eisenbahngemeinschast Joh. Görnert zu Grünberg und der Weichensteller in der Hesst- Preußischen Eisenbahngemeinschast Johann Peter Mink zu Worms.
*♦ EineSängerfahrt nach Gießen unternimmt am Samstag und Sonntag den 3. und 4. Oktober der höchster Männergefangverein zum Besuche des hiesigen Sängerkranzes. Ein Kommers am Samstag abend im Saale des Cafe Ebel vereinigt die Sänger. Mich Besichtigung der Stadr am Sonntag siüh soll ein Frühschoppen in Steins Garten genommen werden. Nachmittags ist Fahrt nach dem Gleiberg, wo die Sänger vereürt ihre Lieder erschallen lassen werden. Wünschen wir ihnen gutes Wetter und guten Verlauf, damit die auswärtigen Sangesbrüder sich gern der ftohen Stunden in Gießen erinnern.
** Naturseltenheit. Bei Verlagsbuchhändler Emil Roth steht im Garten ein Apfelbaum m Blüte.
L Lollar, 29. Sept. Unser Turnverein feierte am Sonntag sein Ab turn en. Morgens um 9 Uhr begann das Vereinswettturnen und von 4 Uhr ab fand Schauturnen statt. Das hatte eine große Zuschauermenge herbeigelockt. An das Schauturnen schloß sich gegen Abend Konzert und Tanz an; später fanden noch turnerische Aufführungen bei bengalischer Beleuchtimg statt. Zum Andenken an das diesjährige Abturnen wurde eine photographische Aufnahme des Vereins vorgenommen. Die Mitgliederzahl unseres Vereins ist in letzter Zeit auf etwa 200 gestiegen. Zu dem Bau der Turnhalle stehen bereits 5000 Mk. zur Verfügung, nachdem kürzlich ein Turnfreund eine größere Summe gespendet hat. Man' gedenkt im nächsten Jahre den Bau einer Turnhalle in Angriff zu nehmen.
f. Grünberg, 29. Sept. Die kirchliche Einführung einer Diakonissin wurde am Sonntag nachmittag durch den Vorsteher des Diakonissenhauses in Darmstadt, Pfarrer Deggau, üorgenommen. — Ein Konsortium hat sich gebildet, welches plant, aus Grünberg einen Luftkurort zu machen. Unsere Stadt wäre, so urteilt man, hierzu infolge ihrer schönen Umgebung und gesunden Lage sehr geeignet.
Darmstadt, 29. Sept. Die „N. H. Vbl." schreiben .'rzürnt: Die Aufmerksamkeit, die ein Teil des Publikums den zurzeit hier weilenden Fürstlichkeiten zu teil werden läßt, fängt an nachgerade höchst beschämend für unsere Stadt zu werden. In geradezu widerwärttger Weise wurden beispielsweise heute vormittag wieder der Kaiser von Rußland und der Großherzog bei einem Spaziergange durch die Stadt von einer nicht weichenden Menschenmenge verfolgt und angestiert. Da jene müßigen Gaffer (und Koffern) nicht so viel Urteilskraft zu besitzen scheinen, um das Unangebrachte ihres Benehmens selbst einzusehen, seien sie hiermit darauf aufmerksam gemacht, daß sie sich auf diese Weise einer groben Taktlosigkeit schuldig machen, die geeignet ist, unseren Gästen den Aufenthalt in unserer Stadt gründlich zu verekeln und ihnen das Wiederkommen ein für allemal zu verleiden. — Der Brand in der Scheune des Landwirts Kaus ist auf feinen Herd beschränkt worden.
Mainz, 29. Sept. Eine junge Zigeunerin mit ihrem erst wenige Tage alten Kind lief, wie das „M. Tgbl." schreibt, an einem der letzten Abende in den Straßen von Kastel herum und bat um Obdach, weil sie sich von ihrer Gesellschaft verirrt hätte. Mitleidige Leute gaben ihr und dem kleinen Kinde Essen und Trinken nnd für das fast nackte Kind auch Kleidungsstücke. Als die Zigeunerin satt war, bettelte sie sich noch Tabak, stopfte sich dann noch eine Pfeife und war dann nicht mehr zu halten. In einem Strohhaufen aus dem Felde nächtigte sie mit dem Kind und zog dann am frühen Morgen wohlgemut weiter, um ihre Gesellschaft zu suchen.
Worms, 29. Sept. Nach einer der Handelskammer von der Eisenbahndirektion Mainz zugegangenen Mitteilung wird die 11,29 Kilom. lange, normalspurige Nebenbahnstrecke Worms-Gundheim mit den Haltestellen Herrnsheim, Abenheim und Gundheim am 1. Oktober für den allgemeinen Verkehr eröffnet werden. Die Annahme und Ab- settigung von Privatdepeschen ist auf dieser Strecke aus
geschloffen, ebenso die Beförderung von Sprengstoffen; im übrigen ist der Verkehr unbeschranll. (Worms. Ztg.)
Frankfurt a. M., 29. Sept. Die 6. Bundesversammlung der deutschen Taubstummenlehrer nahm heute in der Loge ihren Anfang. Den Vorsitz führte Schulrat Walther-Berlin. Namens des Kultusministers sprach Geh. Oberregierungsrat Dr. Waetzold-Berlin, namens des Provinzial-Schul-Kollegiums Provinzial-Schulrat Dr. Otto, namens der württembergischen Unterrichtsverwaltung Regierungsrat Dr. Wahl-Stuttgart, namens der badischen Unterrichts-Verwaltung Oberschulrat Dr. Waag-Karlsruhe. Die Grüße der Stadt Frcuckfurt überbrachte Stadttat Grimm. Die Verhandlungen dauern zwei Tage.
Herborn, 28. Sept. Alarmsignale der hiesigen Feuerwehr schreckten in der Nacht von Samstag zu Sonntag die Einwohnerschaft aus dem Schlafe. In Burg war in einer Herrn v. d. Heyden gehörigen Scheune ein größeres Feuer ausgekommen, welches auch das angrenzende, Fr. Rücker gehörige Wohnhaus ergriff und einäscherte. Dasselbe Schicksal erlitt auch das Herrn v. d. Heyden gehörige Wohnhaus.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In der vorletzten Nacht wurde in der Hauptstraße in Vilbel der 18 Jahre alle Maurer Jean Ackermann mit einem Stich in der Herzgegend in einer Blutlache tot aufgefunden. Die Polizei verhaftete mehrere junge Leute, darunter den 17 Jahre alten Maurer Eckert aus Vilbel, den man auf eine vor der Tat laut . gewordene Drohung als stark verdächtig hielt. Eckert soll den Mord bereits emgestanden haben. Die Ursache der Tat ist Eifersucht.
Der G-iessen®^
ist die älteste und angesehenste Zeitung Ober- heffens und der umliegenden Gebiete, die täglich über alle Vorkommnisse in Stadt und Land, im Reiche und im Auslande erschöpfend unterrichtet und den reich- halligsten Nachrichtenteil besitzt. Den Reichstags- und Landtags- Verhandlungen wird breitester Raum in beson-
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derer Ausgabe ein- geräumt. — Mit seinen Beiblättern „Gieß. Familienblätter" und
„Der Hess. Landwirt" ist der „Gieß. Anzeiger" die unterhaltendste Zeitung unserer Provinz, die in der Vorzüglichkeit ihrer Quellen und der Gediegenheit ihres Inhaltes alle anderen
Blätter Oberhessens wett übertrifft.
Wer rasch und gut unterrichtet sein will, und eine gewissenhafte und trotz Vielseitigkeit übersichtliche Tageszeitung zn lesen liebt, die die neuesten Meldungen gleichzeitig mit den Großstadtblättern bringt, wer ein Blatt ernsthaften und gediegenen Charakters zu halten wünscht, der
bestelle beim nächsten Postamt, den Brief-
Wägern oder unseren Zeitungsträgern
den
Gießener Anzeiger,
verbreitet in Stadt und Land in ganz Oberhessen bei dem kaufkräftigen Publikum.
Vermischtes.
• Kiel, 29. Sept. Bei einer Ruderpartie auf dem Westensee kenterte ein Boot. Beide Insassen ertranken.
• Danzig, 29. Sept. Beim Entladen eines Revolvers durch den Cafsbesitzer Grabow in Neugarten entlud sich die Waffe. Das Geschoß traf das Buffetfräulein und tötete es. Grabow stellte sich selbst der Staatsanwaltschaft.
* Plauen i. Vogtl., 29. Sept. Wie der „Vogtl. Anz." meldet, wütet in Falkenstein seit heute früh Großseuer im Stadtteil Oberer Anger. Bis heute nachmittag waren zehn Häuser niedergebrannt; eine Anzahl weiterer Gebäude stehen in Flammen. Der Schaden ist sehr groß.
* Paris, 29. Sept. Auf dem Boulevard Madelaine wurde gestern eine 23jährige Arbeiterin von einem Automobil-Lastwagen überfahren und war auf der Stelle tot. — Der Künstler Elina wurde vom Direllor des Natto- nal-Museums berufen, um ein Gutachten über den berühmten Silberschatz des Bosco Reale abzugeben. Der Künstler erklärte in Gegenwart mehrerer Zeugen, daß dieser Silberschatz ebenso eine Fälschung sei wie die Tiara des Satta- phernes.
* Paris, 29. Sept. Im Operationssaal eines Spttals erstach eine Wärterin aus Eifersucht ihren Ehemann.
* Dux, 29. Sept. Die Tochter des Gutsbesitzers Hahn wurde heute früh, nachdem sie gestern für ihren Vater 6000 Kronen einkassiert hatte, in der Nähe der Stadtmauer an Händen und Füßen gefesselt und der Barschaft beraubt aufgefunden. Von den Räubern fehll jede Spur.
* Der Leib-Pediater des Zaren. Anläßlich der Reise des Zaren an die europäischen Höfe teilen die russischen Blätter das Verzeichnis der Dignttäre und Domestiken mit, welche denselben zu begleiten beftimmt sind. Darunter befindet sich auch ein Würdenträger, der kaum in der Rangliste irgend eines anderen höfischen Gefolges Vorkommen dürfte, nämlich der „Leib-Pediater Korowin", welcher den Rang eines Generalmajors besitzt. Worin das Amt des „Leib- Pediaters" besteht, sagt fein Name; er hat unzweifelhaft die „Pedes", d. I). die Füße des Zaren, in seine fachmännische. Obhut zu ne()mcu.
* Einc j liche Plauderei über die Ungeschicklichkeit ul' ftv."..ftst-,en Polizei veröffentlicht in der „Libre Parole" Xieon Landet. Die Polizei behauptet, sie besitze genaueste Auskünfte über alle titelreichen Glücksritter und Abenteurer, welche die großen Badeorte, wie Aix-leA-Bains,
wo Eugönie Fougöre ermordet wurde, unsicher machen. Als ob die Leute, welche sonstige Gründe haben, der Polizei auszuweichen, ihre Agenten nicht witterten, und das notige Talent besäßen, um sie von der Führte abzulenken! „Diese internationalen Piraten find außerordentlich gewandt und geschickt", schreibt Daudet. „Ich habe ehedem einen in einem großen Schweizer Hotel' erraten, der mich durch seine Unverfrorenheit, seine Kunst, den Leichtgläubigen zu imponieren, den Papas, den Mamas und ihren Fräulein Töchtern zu imponieren, mit Bewunderung erfüllte. Er wußte durch eine andere Person eine harmlose Spielpartie mit einem Einsätze von 10 Centimes, bei der man in einer Viertelstunde 500 Franken verlor, in Vorschlag bringen zu lassen. Er hatte einen Wohltätigkeitsball mit Riesenkotillon und Souper an kleinen Tischen organisiert, sodaß der Wirt, der Jäger, der Groom beim Fahrstuhl und alle Kellner vor ihm Respekt hatten. Er war innig befreundet mit einer ehedem schönen und noch reichen Dame, die einem berühmten Romanschriftsteller vor etwa zwanzig Jahren als Heldin für eines seiner Werke vorschwebte. Auch besaß er eine teuflische Stärke. Eines Tages sagte er zu mir: Entschuldigen Sie mich, Herr Daudet, von Psychologie verstehe ich nichts, aber ich, kann ein Zehnfrankenstüct zusammenbiegen. Und er quetschte das Goldstück zusammen, als hatte er einen Hals zwischen feinen dicken Fingern. . . . Ich sand ihn letztes Jahr in einem großen Pariser Restaurant wieder, wo er mich nicht erkannte. Er dinierte in Gesellschaft einer englischen Familie, deren Vertrauen er, Gott weiß wie, gewonnen hatte. Tie wackeren Insulaner hörten ihm andächtig mit aufgerissenen Augen zu, wie er ihnen von der hohen Pariser Gesellschaft, weltmännischen Gebräuchen und feinsten Manieren erzählte. Ter jungen Frau empfahl er eine Zofe, die prächtig frisieren konnte, und dem Manne Reisekoffer mit geheimem Schloß — wahrscheinlich nicht so geheim, daß er selbst es in Abwesenheit des Eigentümers nicht ausmachen konnte. Einen Augenblick hatte ich Lust, an den Tisch heranzutreten und zn. den Opfern zu sagen: „Hören Sie nicht auf ihn! Ich kenne ihn, er wird Sie morgen ausrauben." Dann dachte id)j aber, es wäre doch unnütz, man würde mir nicht glauben, mich auf den nächsten Polizeiposten führen, und es würde dem schlauen Gauner gelingen, mich von den Gerichten, die mich als autisemlli- schen Nationalisten kennen, zum Maximum der Strafe wegen Verleumdung verurteilen zu lassen. So enthielt fefy mich, nicht ohne Gewissensbisse."
Kunst und Wissenschaft
— Als zweite Neuheit des Winterspielplans brachte das Frankfurter Schauspielhaus „Die beiden Schulen", Lustspiel in vier Auszügen von Alfred Capus. Frau Maubrun, die sich von ihrem Eduard scheiden laßt, weil er sie betrügt, ist im Begriff, ihrem früheren Verehrer die Hand zum Ehebund zu reichen, zieht aber schließlich dem andern den geschiedenen Gatten vor. Denn Eduard ist wenigstens lustig, der andere langwellig, und man kann, wie sie sagt, leider nicht mit dem einen bei Tag, mit dem andern bet dtacht zusammenleben. Rede und Gegenrede sind sehr witzig, die .Handlung aber ist um so dürftiger, und deshalb ließ auch die Teilnahme der Zuschauer oon Auszug zu Auszug nach, obwohl vortrefflich gespielt wurde und namentlich das geschiedene, schließlich wieder vereinigte Ehepaar durch Fräulein Lange und Herrn Bolz eine ausgezeichnete Wiedergabe fand.
Landwirtschaft.
Vom Wetzlarer Saat gutmarkt wird ge» schrieben: Im Lause der verflossenen Woche wurde hier zum erstenmale ein Saatgutmartt, verbunden mit Ausstellung, ab geh alten, woran sich ein großer Teil fortschrittlich gesinnter Landwirte des Kreises beteiligte. Unter anderem war es besonders interessant, die Erträge verschiedener älterer und neu eingesührter Sorten Getreide, und namentlich Kartoffeln, zu vergleichen. Hierbei gewahrte man, daß manche neuere gegenüber älteren nicht mehr ertragsfähigen Sorten bedeutende Mehr er träge erzielten. Dies gilt besonders von Hafer und Kartoffeln. Bei ersterem ist es besonders der Lrpowahaser, Schlanstädter und Anderbecker Hafer, welche sehr reiche (£rtrage lieferten. Unter den verschiedenen Kartofselsorten zeichneten sich besonders „Präsident Krüger", „Imperator" u. a. aus. Von 20 Saattnollen der erstgenannten £>orte wurden z. B. auf ca. 3 Ruten Ackerland 6i/2 Ztr. Knollen geerntet. Auch Ergebnisse verschiedener Düngungsversucye waren zu beobachten. So tonnte man Rüden, welche mit Chilisalpeter, Thomasmehl und Kainit gedüngt waren, von mehr als 10 Pfund seyen. Rot Rüben und Rettiche waren ausgestellt, welche mtt „Wagners Nährsalz" gedüngt waren, und 4 resp. 5 Pfund wogen. Ebenso waren bei allen anderen Gemüsearten ähnliche Erfolge erzielt worden. Es ist mit Freuden zu begrüßen, daß durch solche Augenscheinlichkeitsbeweffe manchem rückständigen Landwirtschastler begreiflich gemacht wird, wie er durch rationelleres Wirtschaften seine Produkte oft um mehr als das Doppelle steigern kann.
Gerichtssaai.
b. Gießen, 29. Sept. S t r a f k a in m e r s i tz n n g. Ter Schneider R. M., der bis Ende August ds. Js. als Geselle bei Schneider Herr arbeitete, soll diesem bei seinem Dienstaustritt eine Scheere und eine Anzahl Bestellzettel entwendet haben und mittels eines derartigen, die Firma tragenden Bestellzettels sich allerlei Waren im Wette von 11—12 Mark bei einem hiesigen Kaufmann erschwindelt haben. Er wird cher Unklage des Diebstahls freigesprochen, wegen Betrugs zu 8 Gefängnis verurteilt.
— Die Strafsache gegen Schreiner I. wt. von Grünmgen und Genoßen beschäfllgte dre Strafkamlner schon einmal nrt Frühjahr d. Js. M., der sich bisher durch seine ylucht m die Schweiz der Aburteilung zu entziehen wußte, wurde heute von der Strafkammer zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Anklage lag folgender Tatbestand zu Grunde: Aus dem Heunweg von cmei- Konttollversammlung in Lich waren die aus Holzheim gebürtigen Burschen in Dorf-Gill eingekehrt; kurz vor ihrem Weggang erschienen auch die gleichfalls von der Ltontrollversammlung beim- kehrenden Burschen von Grüningen m der Wirtschaft und singen ohne jede Veranlassung eine wüste Schlagerei an, wobei zivel Holzheimer schwere Gehirnerschütterungen davoiitrugen; bis in die Behausungen voii Privatpersonen wurden die Holzheimer verfolgt und dabei tat sich der Aiigeilagle 3JL, der mittels eines sog. Totschlägers auf die Hollhewrer emschlug, besonders hervor. — Der Angeklagte Arbeiter F-K. von Eharlottenburg, der ohrte jede ersichtliche Veranlassung den Dtensttnecht Jaschke mit einem Messerstich aeaen das Ohr verletzte, echält eme Gefängnisstrafe von 6 Aronaten * auch wird auf Einziehung des Messers erkannt. — Der tuinnnmm A. B. "us Landeck, der Sohn angesehener mid wohl- iiabcnber Leute, fand, nachdem er m Hamburg eine mehrmonatige üreibeltsstrafe verdutzt imb von seinen Eltern, nn die er sich hieraus um Unterstützung geivcuibt, abgewiesen worben war, in Nibba in emetn dortigen Hotel Stellung. Später stellenlos geworderi, suchte er sich $ur($ eine Reihe von Schwindeleien seinen


