Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.
** Das Regierungsblatt, Beilage Nr. 13, ausgegeben am 27. Juli 1901, enthält: Eine Ueberficht der vom Ministerium des Innern für daS Etatsjahr 1901/02 genehmigten Umlagert der Kommunalbedürfuifse in den Gemeinden der Kreise Alsfeld, Bensheim und Bingen.
Entlassung. Der Stationsassistent bei der Main« Neckar-Eisenbahn Johannes Wolf zu Eberstadt wurde seines Dienstes entlassen.
? Lollar, 29. Juli. DaS Sägewerk zu Staufenberg hat heute den Betrieb eingestellt. Der Besitzer, Zimmermeister Heinrich Geißler, ist seit dem 24. ds. MtS. verreist und soll bis heute noch nicht wieder zurückge- kehrr sein.
d. Hattenrod b. Reiskirchen, 28. Juli. Unser neues Schulgebäude, das im Frühjahr begonnen wurde, ist bereits im Rohbau vollendet. Der innere Ausbau wird wahrscheinlich erst im nächsten Frühjahr erfolgen. Der Neubau enthält nur einen Schulsaal. Der bisherige Schulsaal wird zur Vergrößerung der Lehrerwohuung verwendet werden.
k- Ober-Seemen, 29. Juli. Am 9., 10. und 11. August findet hier die Einweihung der neuerbauten Synagoge statt. Zu der Festlichkeit ist ein reiches Pro- gramm aufgestellt worden. Am 9. August findet um 1 Uhr «bschiedsgottesdieust in der alten Synagoge statt. Dann stellt fich ein Fefizng auf, der fich zur neuen Synagoge be- giebt. Dort erfolgt die Ueberreichung des Schlüffels und
Nichtjuden ausMicßeu, und daraus war cs in früheren feiten abgesehen, besonders mit den spmsegcscheu, was im Talmud deutlich ausgesprochen ist (Traet, «-abb^ l<, bh Eine neue Zeit ist mit Gott gekommen, xie Gegenwart bringt den Israeliten in tausendfache Beziehung zur nicht- israelitischen Seit. Wer wollte sich dessen nicht freuen. Annäherung der Menschen und Völker rst die Devye der Zeit .
Politische Tagesschau.
" Ter Reichskanzler wird vora^sichtlich im Laufe des August für die nächste dreijährige Srtzungsperrode des. Kolonialrats eine Neuernennung vonMrtglredern vollziehen. Man darf gespannt sein, ob unter den vom Kolonialdirektor in Vorschlag zu bringenden Herren Vorzugs- weise Parlamentarier sich befinden werden. She Glicht der Regierung soll ja- dahin gehen, durch starrere Heranziehung von Mitgliedern des Reichstags gennslerma^n eine Lücke zu gewinnen für die Verhandlungen rm Kolonialrat und Parlament. Tas Vorschlagsrecht der großen kolonialen Gesellschafter! scheint in dem, bisherigen Um> fange beibehalten werden zu sollen, sodaß alles in^vliem eine Verringerung der Mitgliederzahl des Kvlonialrats^ nicht in Frage kommen dürfte. Gegenwärtig ftnd 34 Mandate ür dieses „Vorparlament" vergeben, eme Besetzung, die )on einigen Seiten als zu umfangreich angesehen wird, da ’ie der lediglich begutachtenden Körperichaft eme gewftst Schwerfälligkeit zu Perlechen geeignet sei. Ursprünglich zählte der Kolonialrat auch nur 20 Mitglieder. ^^J^rger Parlamentarier gehört ihm zurzeit der Zentrumsabgeordnete Tr. Porsch (Breslau) an, der aber kein Reichstagsmandat, sondern ein solches zum preußischen Landtag besitzt. _________
Stechlin, ein Roman des feinsinnigen Th e o do r Fo n- tane, enthält ein kleines, eigenartig herausciseliertes Denkmal für den Fürsten Chlodwig Hohenlohe. Zwei Herren, ein streberhaft veranlagter Assessor v. Rex und ein Garde-Hauptmann v. Czako reiten durch Brandenburger Land, w olbei Cremmen em Hohenlohedenkmal steht. Und dabei entspinnt sich zwischen ihnen folgendes Zwiegespräch:
, Gott, Rex, wie Sie sich wieder irren. Ich habe nichts gegen die einen, und ich habe nichts gegen die andern. Alles, was ich von Wallfahrten gelesen habe, hat Mich immer nur wünschen lassen, mal mit dabei zu sem. Und ad vocem der Hohenlohes, so kann Ihnen nur sagen, für die hab ich sogar lvas übrig, in meinem Herzen, viel, viel mehr als für unser eigentliches Landesgewächs. Oder wenn Sie wollen, für unsere Autochthonen." „Und das meinen Sie ganz ernsthaft?" „Ganz ernsthaft. Und wir wollen mal fünf Minuten wie vernünftige Leute darüber reden. Wenn ich sage „wir", so meine ich natürlich mich. Denn Sie sprechen immer vernünftig. Vielleicht ein bischen zu sehr." Rex lächelte: „Nun gut, ich wills Ihnen glcmben. „Also die Hohenlohes", fuhr Czako fort. „Ja, wie steht es damit? Wie liegt da die Sache? Da kommt hier so anno domini ein Burggraf ins Land, und das Land will ihn nicht, und er muß sich alles erobern, die Städte beinah und die Schlösser gewiß. Uiid die Herzen natürlich erst recht. Und der Kaiser sitzt mal wieder weitab und kann ihm nicht helfen. Und da hat nun dieser Nürnberger Burggraf, wenns hoch kommt, ein Dntzend Menschen um sich, schwäbische Leute, die mit ihm in diese Mördergrube hmabsteigen. Denn ein bißchen so was war es. Und geht auch gleich los, und die Quitzows und die, die es sein woUen, rufen die Pommern ins Land, und hier auf diesem alten Cremmer Damm stoßen sie zusammen, und die paar, die da fallen, das sind eben die Schwalben, die es gewagt hatten und mit in den Kahn gestiegen waren. Allen vorauf aber ein Graf, so ein Herr in mittleren Jahren. Der fiel zuerst und versank in den Sumpf, und da liegt er. Das heißt, sie haben ihn rausgeholt, und nun liegt er in der Klosterkirche. Und dieser eine, der da voran ftel, der hieß Hohenlohe." „Ja, Czako, das weiß ich ja alles. Das steht ja schon int Brandenburgischen Kinderfreund. Sie denken aber immer, Sie haben so was allein gepachtet." „Immer vorsichtig, Rex; im Kinderfreund steht es. Gewiß. Aber was steht nicht alles — von Kinderfreund gar nicht zu reden — in Bibel und Katechismus und die Leute wissen es doch nicht. Ich zum Beispiel. Und ob es nun drin steht oder nicht drin steht, ich. sage nur: so hat es angefangen und so läuft der .Hase noch. Oder glauben Sie, daß der alte Fürst, der jetzt dran ist, daß der zu seinem Spezialvergnügen in unser sogenanntes Reichskanzlerpalais gezogen ist, drin die Bismarckschen Nachfolger, die sich wahrhaftig nicht danach drängten, ihre Tage vertrauern? Ein Opfer ist es, nicht mehr und nicht weniger, und ein Opfer bringt auch der alte Fürst, gerade wie der, der damals am Cremmer Damm als erster fiel. Und ich sage Ihnen, Rex, das ist das, was mir imponiert; immer da sein, wenn Not an Mann ist. Die Kleinen von hier, trotz der „Loyalität bis auf die Knochen", die mucken immer bloß auf, aber die wirklich Vornehmen, die gehorchen, nicht einem Machthaber, sondern dem Gefühl ihrer Pflicht."
Ueberlieferung in das religionsgesetzliche Leben einführte? Mag daher das Schächten auf ein Jahrhunderte altes Herkommen sich stützen, mosaisch ist es nicht geboten, und noch weniger ist es religiös motiviert, daß das Fleisch eines Tieres, das auf eine andere Weise getötet worden, dem Israeliten zum Genüsse verboten und dem Aase gleich zu achten sei. Das Schächten ist eine von den Satzungen, die das jüdische Leben so drückend erschweren, die den Israeliten von einem innigeren geselligen Umgang mit
Zur Schächtfrage
geht uns ein längeres „Eingesandt" der „Deutschen Gerberztg," zu, dessen wesentliche Teile wir hier wiedergeben wollen. Der Einsender schreibt:
Es wäre von eminenter Wichtigkeit gewesen, wenn der seitens der sächsischen Schlächter beim Fleischer-Berbande gestellte Antrag auf ein allgemeines Schächtverbot Annahme gesunden hätte. Liest man aber die über diesen Antrag ge- iflogencn Verhandlungen, so kann man sich doch eines gelinden Kopfschütterlns nicht erwehren. Daß das Schachten eine qualvolle Art der Tötung eines Schlachsttieres ist, wird jedem, der auf irgend einem Schlachthofe einem derartigen Akte beigewohnt hat, und der noch einiges Gefühl auch für das liebe Vieh besitzt, zum Bewußtsein gekommen ein. Außerdem liegen von veterinärärztlichen Autoritäten so manche dahin gehende Gutachten vor, daß alle Unbefangenen über diese Tierquälerei mit sich im Klaren ein werden.
Der Rabbiner Tr. L. Stein aus Frankfurt a. M. äußerte sich zur Schächtfrage wie folgt:
„Die Satzung, ein Tier, dessen Fleisch gegessen werden soll, zu schächten, hat durchaus keine Begründung in der Bibel. Es ist im mosaischen Gesetze keine Spur zu finden, daß das Töten eines zum Genüsse erlaubten Tieres vermittelst eines nach zahlreichen strengen Regeln aus^uführen- den Schnittes in den Hals (Schächten, Schechita) zu ge- cheheu habe, oder gar, daß ein Tier, bei dem diese Handlung überhaupt oder nur eine der dabei üblichen Observanzen unterlassen wurde, zum Genüsse verboten sei. Die Opfertiere wurden allerdings, um das Blut zu Sprengungen an den Altar zu empfangen, durch Schechita getötet, welche Bezeichnung deshalb auch ausdrücklich in den bezüglichen Schriftstellen gebraucht wird. Dieser Grund fällt für das profane Leben hinweg; hier stellt uns daher das mosaische besetz die Art der Tötung völlig frei und wird deshalb — ein Umstand, der hier von besonderer Bedeutung ist — dort, wo des profanen Schlachtens Erwähnung geschieht, nicht der Ausdruck Schachat gebraucht, wie bei den Opfern, sondern Sabach, was die Wendung des Schlachtens überhaupt bedeutet, ohne nähere Bezeichnung der Tötungsweise. Dein Talmud fällt es daher aucb schwer, die Vorschrift des Schlachtens auch nur im allgemeinen durch irgend einen Schriftvers, wenn auch nur andeutungsweise, zu beweisen. Allerlei Ansichten treten hier auf, die zuweilen ans Lächerliche streifen. So z. B. meint der Rabbi: „Es heißt wesab- chata (Du sollst schlachten); dieses Wort sei zu lesen: sab— chata: wo das Blut strömt, da schneide hinein." — Risum teneatis! — Als Hauptbeweis wird die Schriftstelle festgehalten: „Und Du sollst schlachten von Deinem Rind- und Kleinvieh, wie ich Dir geboten habe" (5. M. 12, 21). Da nun die Art des Schlachtens im Penteteuch nirgends bestimmt wird, so ist daraus zu entnehmen — meint der Talmud — daß die bezüglichen Vorschriften von Gott dem Moses mündlich mitgeteilt worden seien. Hier wird dem einfachen Wortsinne Zwang angethan, um zahllose Satzungen in das religionsgesetzliche Leben willkürlich einzuführen, wovon das Bibelwort keine Ahnung hat. Auch die jüdischen Schrifterklärer sehen es (dem vernünftigen Grundsatz gemäß: „Der Schriftvers muß nach seinem natürlichen Sinne genommen werden." Talm. Tract. Sabb. 63a) gar wohl ein, daß die angeführte talmndische Auslegung bezüglich des Schachtens dem natürlichen Schriftsinn nicht entspreche. Allein der Talmud hat seine Anhänger an den Glauben gewöhnt, daß neben dem natürlichen, vernünftigen Schiriftsinne, der offen zu tage liegt, noch ein zweiter in der Tiefe einhergehe, den die mündliche Deutung gebe — und wie unvernünftig ist oft dieser! Wir führen v.m den Kommentaren nur den angesehenen mittelalterlichen Schriftgelehrten Nachmaniges (vulgo: Ramban) auf, der den Vers, um in möglichstem Einklang mit dem Talmud zu bleiben, also nimmt: „Du sollst schlachten — nämlich im profanen Leben — wie ich Dir geboten habe bei den Opfern, durch den Schnitt in den Hals." Das., nennen wir, sich gut aus der Schlinge ziehen; allein es ist dennoch weder die Wahrheit, noch stimmt es mit der Deutung der Rabbiner überein. Die Sache liegt aber klar. Der Talmud führt die betreffende Stelle in der ihm diensamen Weise abgekürzt auf: „Du sollst schlachten, wie ich Dir geboten habe." Allein gerade die dazwischen liegenden Worte: „von Deinem Rind- und Kleinvieh, welches der Ewige Mr gegeben", lassen über den wahren ©inn der Stelle keinen Zweifel Raum. Jenes „wie ich Dir geboten habe" bezieht sich« nämlich auf die Vorschriften, welche im Gesetze anderwärts über die zum Genüsse erlaubten Tiergattungen vorkommen, deren zahlreichste Klasse Rind und Schaf (auch Ziege) bilden, und die im nächsten Verse noch durch die erlaubten Gattungen von Wild ergänzt werden. Wie wäre es auch möglich, anzunehmen, Gott habe lediglich bei diesem Gesetze so nachdrücklich der mündlichen Lehre gedacht? Warum, fragen wir, geschieht die Erwähnung dieses Ausdrucks nicht auch anderwärts bei den vielen Gesetzen des Pentateuch, deren belastende Hinzufügungen der Talmud unter der Flagge der
Fütterungszwecke und zur Steigerung der so hochwichtigen Futtervorräte und zur Füllung des Futterbodens benutzt werden können. z .
Alle die oben genannten Mittel erfordern eine em- gehende Erwägung, wieweit sie je nach Jahreszeit, Boden, Fruchtfolge, Verwendbarkeit, sowie Erhältlichkeit der Saat noch angewendet werden können.
Tie wahre Wirtschaftlichkeit zeigt M sowohl tn der Erhaltung und möglichst zweckmäßigen Ausnutzung des Vorhandenen, wie in der weiteren Voraussicht und den angemessenen Ausgaben zur richtigen Z^t. ^er Segen einer gut geführten Düngerwirtschaft macht sich. auch dadurch bemerklich, daß Ersatzftüchte mit viel größerer Sicherheit gebaut werden können, zumal wir wirtschaftlich überall den Maßstab anzulegen haben: Was ist mit wirft chaft- lichen Mitteln auszuführen, was nicht? Und zu den wirt- schaftlichen Aufgaben gehört auch- daß überall möglichst >ie besten Gewinnungs- und Aufbewahrungsarten zur Erhaltung des Gewachsenen in Anwendung kommen. Möge es dem einzelnen Landwirt gelingen, möglichst bald zu der in dieser Zeit schwierigen Uebersicht zu gelangen, was für ihn not thut, und geschehen kann und muß. Mögen Staat und Gesellschaft zusammenwirken, um in der Unterstützung des Einzelnen das Vaterland vor größerem Hebel zu bewahren.
den) und Wickhafer (für schweren Boden). können, bald gesät, bei günstigem Wetter in 8 Wochen große Massen an Futter liefern. Ist der Boden nicht kräftig genug, so ist Beigabe von 600 Kilogramm Kainit, 200 Kilogramm Superphosphat und 100 Kilogramm Chilisalpeter für 1 Hektar zu empfehlen. Bei großen Massen würde demnächst ein Teil eingesäuert werden können.
Im allgemeinen ist zu empfehlen, für Nachsaat eine entsprechende Auswahl verschiedener Nutzpflanzen zu treffen, um, wenn die eine nicht gedeiht, in der andern einen entsprechenden Ersatz zu haben. Giebt es fruchtbares Wetter, so wird man wegen eines Ueberschusses nicht in Verlegenheit kommen.
Än großer Uebelstand für das kommende Jahr ist, daß die Kleepflanzen in so großem Umfange vertrocknet sind. Luzerne und Esparsette leiden unter der Dürre weniger und bewähren auch unter so ungünstigen Verhältnissen bis zu gewissem Grade ihre große Ausnutzungsfähigkeit der Bodengrundlagen, sie sind deshalb in gutem Bestände ein Schatz für jede Wirtschaft im Interesse ihrer Futter- Gewinnung. Me Aussaat dieser kleeartigen Pflanzen mit oer Drillmaschine, bei Luzerne und Esparsette auch ohne Ubberftucht in unkrautfreiem kräftigen Land, ist noch immer möglich, und auch der Samen nicht übermäßig hoch im Preise. In diesem Frühjahre besäte lückenhafte Kleeschläge ergänzt merben*™ Bestände durch Nachsaaten noch jetzt A. stickstoftsammelnden und -erhaltenden Futter- und Grundungungspflanzen mit ihrer reichen Bewurzelung zur Äbrsnutzung zum T^l tieferer Bodengrundlagen haben über- «ll für den Wrrtschostsbetrreb eine betontere Bedeutung, Stet vermehrte Anbau von Gründüngungsvflanzen, welche in einzelnen Jahren ausgezeichnete, in LnLren auch sehr ungenügende Massenertrage liefern, hat nocb den araüen Vorteil, daß sie bei günstiger EntwiMung wie I Me wirtschaftlichen Verhältnisse mit sich bringen, aud^ für
bei Serradella der Fall. Keimfähige eaat kostet davon zur Zeit für 100 Kilogramm gleich 28,0 Mk., dasergiebt bei nur 40 Kilogramm Aussaat auf 1 Hektar afto gleich 11,2 Mk. Ebenso sind auf geringen unbestellten ^and höben Lupinen beachtenswert, welche als Gründünger zur Erhaltung der Tüngerwirtschaft bedeutsam ftnd. Bei 200 Kilogramm Aussaat für 1 Hektar, verursacht gelbe Lupine, 100 Kilogramm zu 22 Mk, 44 Mk.,_ blaue Suptn ,10° Kilogramm zu 17 Mk, 34 Mk. an Unkosten auf Hektar- Reife Lupinensamen können entbittert dazu benutzt werden, den Eiweißgehalt des Futters zu erhöhen, auch für solche Tiere, an welche Lupinen in der Regel Nicht verfuttert TV Ctbctl
Von besonderer Wichtigkeit äst es, überall, wo Stoppelsaaten gesät werden sollen, schon bei der Getreideernte die Vorbereitungen zu treffen, daß die Stoppel möglichst rasch umgebrochen werden kann. Dies wird durch die mehrscharigen Pflüge wesentlich erleichtert, namentlich auch dadurch, daß die Garbenhaufen möglichst in Reihen so aufgestellt werden, daß das Umpflügen bereits zwischen denselben vorgenommen, und nach dem Umsetzen der Garben auf das gepflügte Land rasch beendet und so schleunig als möglich mit der Einsaat begonnen werden kann. _
Will man einen Ersatz für eingegangenen Rotklee haben, so kann bis Anfang August Inkarnatklee auf milden Bodenarten eingefät werden. Derselbe liefert im andern Jahre frühzeitig Grünfutter, so daß noch eine Nachfrucht (Kartoffeln, Kohlrüben u. a.) hinterher gebaut werden kann. Aussaat für 1 Hektar 30 Kilogramm, 100 Kilogramm gleich 50 Mk, ergiebt 15 Mk. Unkosten für die Saat-
Eine beliebte Stoppelsaat ist weißer Senf, rein oder im Gemenge mit silbergrauem Buchweizen. Sens, Buchweizen und.Spörgel zeichnen sich durch ihre Raschwüchsig- leit aus, so daß bei nicht zu geringem Boden noch auf einen erheblichen Grünfutterschnitt gerechnet werden kann. Ich sah denselben in vorzüglicher Beschaffenheit im Herbst 1862 auf dem Büdesheimer Hof bei Vilbel, so daß ein guter Teil des Herbstfutters dadurch gedeckt wurde. Reinsaat bei Senf auf 1 Hektar 20 Kilogramm, 100 Kilogramm gleich 48 Mk., macht gegenwärtig 9,60 Mk. Unkosten- Der Vorrat an Senf.ist nicht groß, doch kann schpn neue Ernte in Frage kommen. Me Reinsaat Buchweizen 80 Kilogramm auf 1 Hektar, 100 Kilogramm gleich 25 Mk., macht 20 Mk. auf 1 Hektar. Großer Spörgel in Reinsaat 24 Kilogramm auf 1 Hektar, 100 Kilogramm 36 Mk., verursacht 8,64 Mk. Unkosten, und auf geringen sandigen Bodenarten ist er deshalb mehrfach auch für Stoppelsaat in Verwendung. Wenn auch die Qualität des Futters eine vorzügliche ist, so liefert der Spörgel doch viel zu wenig Masse, als daß daraus viel gerechnet werden kann. Auch hat er auf die Nachfrucht in der Regel einen wenig günstigen Einfluß Mit der so leistungsfähigen Lupine, mit Serradella und anderen Blattfrüchten ist er deshalb im Erfolge keineswegs zu vergleichen.
Eine andere im Gemenge mit Senf und Buchweizen mehrfach äusgesäte Stoppelsaat ist der Oelrettich; dieser kostet zur Zeit 52 Mk. für 100 Kilogramm. Bei Reinsaat von 28 Kilogramm auf 1 Hektar kommt die Saatmenge auf 14,56 Mk. Auch der Oelrettich wird von den Landwirten, welche ihn kennen, wegen seiner Raschwüchsigkeit als Grünfutter vielfach geschätzt. Auch die Lupine (gelbe, blaue und vstpreußische weiße) wird in diesem Jahre als Nachftucht bei der sehr frühen Getreideernte, vielleicht auch nach Frühkartoffeln, vielfach als Stoppelsaat noch angesät werden können. Den leichten Sandböden sieht man im Nachsommer und Herbst gern mit Pflanzenwuchs bedeckt, damit eintretende Regengüsse nicht blos keine Verluste an salpetersauren Salzen ergeben, sondern noch zu einer erheblichen Erzeugung von organischen Nährstoften, bezw. Stickstoff-Anreicherung führen können. Nach 6 Wochen könney bei günstigem Wetter bereits zu Grünfutter benutzt werden weißer Sens und brauner Senf (Spielart J)cm weißem Senf mit dunklem Samen) und Buchweizen. Sen wird in der Blüte gemäht; sobald Samen angesetzt wird, ist er als Milchfutter weniger geeignet. Senf kann auch dazu benutzt werden, um in schlecht bestandenen Serradella- seldern, wie dies in diesem Jahre nach dem Abbringen des Getreides häufig der Fall sein wird, gedrillt die Lücken auszufüllen und das Feld vor Verunkrautung zu bewahren. Inkarnatklee wird von neuer Saat noch bis Anfang August gesät werden können. Stoppelrübensamen muß bald gesät werden. Me erste Entwicklung der Stoppelrüben kann durch Beigabe von 1Ö0 Kilogramm Chilisalpeter für 1 Hektar wesentlich gefördert werden.
Mit Aussaat von Johannisroggen, wenn möglich mit etwas zottiger Wicke, in kräftiger Düngung sollte bald begonnen werden. Anfang September kann noch Staudenroggen mit Winterrübsen zur Frühjahrsnutzung in kräftigem Land ausgesät werden.
Pelluschkenerbsen — Sommerroggen (für leichteren Bo-


