Ausgabe 
31.5.1901 Erstes Blatt
 
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erkläre. Brehm hat, trotzdem er völlig verarmt und Fa­milienvater ist, diesem Verlangen nicht stattgegeben, son­dern die Klage angestrengt. Tie Klage bietet wenig Aus­sicht auf Erfolg, da die Fisci mit anscheinendem Recht einwenden, daß, wenn Brehm sreigesprochen worden wäre, er überhaupt keinen Anspruch auf Entschädigung hätte, seine Vermögenslage aber dieselbe gewesen wäre, und daß Brehm infolge seiner Verurteilung doch nicht besser stehen könne, als wenn er freigesprochen worden wäre. Ter Reichstag hat 16 Jahre lang sich um das Zustandekommen eines Gesetzes zur Entschädigung unschuldig Verurteilter bemüht. Das Resultat ist das Gesetz vom 20. Mai 1898. Soll der Erfolg kein gnderer sein, als eine so schwere Unbill, wie sie dieser Fall Brehm zeigt, gesetzlich zu sanktionieren? Ist es eines Rechtsstaates würdig, die Ge­richte zu zwingen, unter derartige offenbare Unbilligkeiten ihr Siegel zu setzen? Nein und aberrnals nein! Wir hoffen, daß, trotz der lauen Stellungnahme unseres Justizministers in dieser Angelegenheit unsere Regierung beim nächsten Zusammentritt der Zweiten Kammer dieser ein Gesetz vor­legen wird, das nach Möglichkeit jedem unschuldig Ver­hafteten seine Existenz sichert.

Tie verhafteten Direktoren der Pommer scheu Hypothekenbank, deren schnelle Haftentlassung von seiten der Bank bis in die jüngsten Tage in Aussicht ge­stellt wurde, scheinen diese Hoffnung aufgegeben zu haben; sie habenim Interesse der Bank" angeboten, sie bis auf weiteres ihrer Aemter zu entheben. Vielleicht hängt dieser Antrag zusammen mit einer vomBörsen-Courier" mit­geteilten Ättdeckung der Aufsichtsbehörde in Betreff des Taxats des Ritterguts Wroniawy in Posen, das der Pom­merschen Hypothekenbank gehört. Tas Gut soll kaum den dritten Teil des Banktaxats wert sein. Es handelt sich um ein Millionenobjekt. Ta es sich nicht um hypothekarische Beleihung, sondern nur um höhere Bewertung in den Büchern und Bilanzen handelt, so war zu dem famosen Taxat gar nichts weiter nötig, als daß die Direktoren de­kretierten, das Gut kostet fortan eine halbe Million mehr. Anders steht es mit den Beleihungstaxen. In Strelitz ist das geflügelte WortTaxen sind Faxen" oft zitiert worden. Bekanntlich, sind die Taxate die eigentliche Handhabe des Schwindels gewesen. Es ist öffentlich, mitgeteilt, daß die, Taxen im Bureau der Bank gemacht und den Taxatoren nur zur Unterschrift vorgelegt sind. Danach, erscheinen die Taxatoren ebenso kompromittiert, wie die Direktoren. Die Verfehlungen der verhafteten Direktoren stellen sich! mit jedem Tage schlimmer heraus. Wir haben schon früher den gegen Tietz verübten Wucher berührt. DasBerliner Tage­blatt"' giebt jetzt weitere Einzelheiten, ans denen hervor­geht, daß der verhaftete Direktor Schultz die gegen Tietz geübte Wucherpraxis gewerbsmäßig betrieben hat. Er hat Tietz mit der 7 Millionen-Hypot.hek ein Grundstück in Wil­mersdorf, das er selbst für 200 Mk. pro Rute erworben haben soll, für 1400 Mk. aufgehalst, während man den reellen Wert auf 500600 Mk. pro Rute schützt. Die Mecklen­burger Bank hat dann 840 pro Quadratrute Hypothek be­willigt, und Tietz hat das Grundstück zu diesem Preise, also mit 560 Mk. Verlust pro Quadratrute weiter verkauft. Auf dieselbe Weise, die übrigens Schultz bei Sanden, seinem früheren Lehrmeister, profitiert haben mag, ist in vielen Fällen verfahren. Es ist also kein Wunder, daß die Direk­toren noch in Haft sind.

Eine imposante Kundgebung für die Buren am Hermanns-Denkmal hat, wie wir bereits kurz berichteten, am zweiten Pfingstfeiertage stattgesunden.

Die Sonne zeigte ihr freundlichstes Gesicht, als am Nachmittage eine schier unabsehbare Menschenmenge zur Grotenburg hinaufströmte, um an dem ersten großen Eiu- heitSzeichen deutscher Erde, dem imposanten Hermanns- Denkmal, das dem ganzen deutschen Volke gehört, an der Kundgebung für die Buren teilzunehmen. Bon allen Seiten waren die Teilnehmer herbeigeströmt, wenn sie sich natürlicher weise auch zum größten Teil aus Lippern und Westfalen zusammensetzten.

An die 7000 Personen umstanden das Hermanns- Denkmal. Kurz nach vier Uhr kündete ein Trompetenstoß den Beginn der Kundgebung. Pastor Siebold-Bethel bei Bielefeld hielt eine kurze Ansprache und forderte die An­wesenden auf, die erste Strophe des LiedeS:Eine feste Burg ist unser Gott" zu singen. Machtvoll klang dec tausendstimmige Chor zum HermannS-Denkmal empor. So dann folgte ein von Pastor Siebold gesprochenes Gebet für die Buren. Dr. Quentin hieß die Versammelten will kommen. Seinen Ausführungen entnehmen wir folgendes:

Wieder ist heute der Tag der Pfingsten gekommen, Wald und Wiese, Feld und Flur haben ihr Frühlingskleid angelegt. Friede und Freude herrscht in der Natur! Aber im fernen Südafrika, da spürt man nichts von diesem Frieden, von dieser Freude, nichts von jenem Geist der Pfingsten. Verödet, verbrannt sind die Farmen, die Männer getötet und im Felde, die Frauen und Kinder geschändet, gefangen, hingemordet. Und wer sind die Unholde, die so gehaust? Sind es wilde heidnische Barbaren? Nein! diefrommen Engländer, die Verbreiter der Zivili­sation, welche die Nächstenliebe auf der Zunge tragen, führen diesen, alle Greuel überragenden Krieg gegen ein stammverwandtes gläubiges Bruder­volk! Sehen Sie auf zu dem Denkmal germanischer Größe. Stolz setzt der Germanenfürst seinen Fuß auf den römischen Adler, Roma ist Ger­mania unterlegen, vernichtet die römische Weltherrschaft. Und so wie es den Römern in unseren Wäldern, so möge es den Engländern in Süd« afrika ergehen. Sieg knüpfe stch an das Banner Bothas und Dewets. Auch sie sind erfüllt von heiligem Zorn, wie einst Hermann und seine Cherusker, wie das Volk der Schweizer, als es die österreichische Zwing­herrschaft abschüttelte. Begeisterung erfüllt die braven Burenkämpfer, wie einst die schlichte Jungfrau Jeanne d'Arc, als sie das niedergedrückte Vaterland von den englischen Eroberern besreite und ihren König nach Rhecms führte. Wenn dann das stolze Albion des ewigen ergebnislosen Krieges müde, deS Krieges, der ihm keine Lorbeeren brachte, dann werden wohl auch dre Großmächte sich ihrer Aufgabe entsinnen uvd den Frieden vermitteln, hingerissen durch den heiligen Zorn, der Sie, die hier Ver­sammelten, w»e alle zivilisierten Völker erfüllt.

Sodann ergriff das Wort der Dolmetscher De WetS, Stadtvikar S ch o w a l t e r - Ludwigshafen:

Meine Herren und Damen'. Ueber 60 Versammlungen, die für die Buren vnanstalt.t war»,, bade ich schon betgewohnt, und ich freue mich, auch hier im Angesichte des deutschen NationaldenkmalS sprechen zu können. Die Vaterlandsliebe ist eS, die die Buren so zähe fest­halten läßt, daß ihnen die Bewunderung der ganzen Welt gezollt wird. Während wir aber in ihnen das Heldentum verehren, das wir zu ehren gelehrt und gewohnt sind, scheint es bei der Regteruna kein Verständnis zu finden. Wir sind beute versammelt, um den Zwie­spalt, der sich in unferm Herzen dadurch bilden mußte, zu befiittge.

denn wir können nicht auf die Dauer auf der einen Seite bas ganze deutsche Volk für die Buren eintretm sehen, auf der anderen Sette die Unthätigkeit der deutschm RrichSregierung ansehen. Vergebens klopfte der greise Präsident an die Thore von Berlin, und noch vor wenigen Jahren ward ihm die Depesche von der Hand unseres Kaisers, mit der wohl alle deutsch sühlenden Herzen einverstanden waren. Wir find auch gekommen, unsere Sympathie für die mutigen Verteidiger ihres Vaterlandes in eine bestimmte Form zu fassen. Es hat sich eine Liga gebildet, und sie ist das letzte Mittel, auf die Regierung einzu- wirken, daß. sie offiziellen Protest erhebe gegen die grausame Kriegs­führung der Engländer. Werden Sie alle Mitglied dieser Burenliga, wie es Viele vor Jahren schon geworden sind und wie es Viele nach Ihnen noch werben. Wenn dann das Volk in seiner großen Mehrheit otr die Regierung tritt, so muß seinem Wunsche Gehör gegeben werden; daS tiefe Volksempfiaden kann man oben nicht unbeachtet laffm.LoS von England! Das sei unsere Parole. Wir handeln nicht aus Neid gegen England. Wir gönnm den Engländern ihre Macht und ihr« Reichtum, wir gönnen ihnen von Herzen ihre ruhm­reiche Armee (Heiterkeit). Wir gönnen ihnen ihre Generäle samt ihren Dekorationen auf der Brust oder anderen Körperteilen (Heiter­keit). Ihren König gönnen wir ihnen erst recht, wir motten ihn nicht einmal vorübergehend haben, und je weiter unser Kaiser von England entfernt ist, desto besser ist eS für unS. Es heißt zuwellen in der Presie, es gäbe keine deutsche Volksmeinung, es heißt, daS deutsche Volk wäre im großen und ganzen einig mit der Regierung. Das ist nicht der Fall und gerade Burenversammlungm beweisen dieses. Und wegen des Verhaltens der Regierung in der Angelegenheit des süd- afrckanischen Krieges müffen wir protestieren. Wo bleibt die Gerech­tigkeit? Eine Weltpolittk kann nur dann zu Erfolgen führen, wenn Recht und Gerechtigkeit sie tragen. Darum noch einmal: Wir können der Ideale nicht mtbehreu; nicht der Vortell und die Interessen sind es, sondern die großen moralischen Ideen, die ein Volk verbinden und erhallen. Und gerade in unserer Zeit ist eS notwendig, dieses zu be­tonen, ich richte an Sie Alle den Appell, treten Sie der neuerrichteten Liga bei, um damit als Gesamtheit des Volkes gegen England zu protestieren im Namen der Humanität deS Rechts, der Religion und des Christlichsten, was unser Volk hat, des deutschen Idealismus. (Anhaltender Beifall.)

Nunckehr ergriff das Wort der Buren-Kommandant Jooste:

Meine Damen und Herren! Ich will Sie nicht lange aufhalter, da ich schon einmal die Ehre hatte, vor einem großen Teile von Ihnen zu sprechen. Wir stehen hier auf historischem Boden, auf dem Boden, auf dem sowohl Ihre, als auch unsere Vorfahren für ihre Freiheit ge­kämpft haben. Jetzt sind wir es allein in Transvaal; wir wollen nichts weiter, als unsere Freiheit und unser Vaterland verteidigen. Unsere Ge­schichte ist nur etwas anders, als die Ihre. Bei uns giebt es ein Johanne-burg, und dieses Johannesburg war es, das den Engländern schon lange im Sinne stach. Denn dort sanden wir Gold, rotes Gold, und überall zieht sich der Engländer hin, wo er solches weiß. Glauben Sie mir, wenn Sie hier in Ihren Bergen Gold fänden, sehr bald hätten Sie die Engländer auf Ihrem Halse. (Lebhaftes Bravo!) Aber dann, hoffe ich, machen Sie es ebenso wie wir. Seit achtzig Jahren haben uns die Engländer verfolgt, vertrieben; erst in Natal, dann jetzt in Trans­vaal. Die großen Herren dachten sich das übrigens sehr leicht, das be­weist der Jamesonsche Einfall. Tausend Mann sollten ausreichen, uns niederzudrücken. Chamberlain, Cecil Rhodes und deren Gefolgschaft sagten: Unser England hat ein prächtiges, schönes und tapferes Heer, in inem Monat haben wir die ganzen Buren verschluckt! Offen bekannten te dem englischen Volke nicht, daß es ihnen nur um das Gold zu thun oar. Rhodes wollte die Buren zum Frühstück effen, und Buller betrach­tete die Stadt Pretoria als Weihnachtskuchen; der hat ihm aber nicht geschmeckt. Wir sollten von den Engländern Idealismus, Vaterlands­liebe und Humanität lernen, wir waren in ihren Augen die dummen Buren, und deshalb überzogen sie uns mit Krieg. Wie die Civilisatton in Wirklichkeit aussieht, das zeigte sich schon nach einem Monat Wir bekamen da von ihrer Civilisation einen solchen Begriff, der so schlimm war, daß wir uns thatsächlich für diese Art europäischer Kullur bestens bedanken müffen. Nun währt der Krieg schon 18 Monate, und alles wird von englischer Seite gethan, um den Anschein zu erwecken, als wenn der Widerstand schon lange gebrochen wäre, und das Burenreich der Ver­gangenheit angehört hätte. Sie, die Sie Zeitungen lesen, erfahren da die wunderbarsten Dinge. Sie lesen alles durch die englische Brille; es sind ast alles Lügen, was ihnen da alles aufgetischt wird, soweit sie die riesen­haften Erfolge der Engländer betreffen. Wenn es wahr wäre, daß so viel Buren gefangen genommen oder getötet worden wären, so hätten wir, Frauen und Kinder eingerechnet, nicht einen einzigen gSuren mehr m Transvaal. Da wird ganz frei erzählt, daß Steijn gestorben ei, daß Botha sich ergeben hätte, daß Frau Botha als Bittstellerin zu Milner reist und schließlich, daß De Wet verrückt geworden fft; das alles ist, wie auch Sie bereits wiffen, englische Lüge. Dendummen Buren konnte man nicht kaput machen; deshalb begeht man Mord gegen Frauen und Kinder. (Pfui.) Die Schandthat der Schändung unserer Frauen und Töchter schreit zum Himmel. Daher stammt vor allen Dingen unser unversöhnlicher, niemals zu versiegendee Haß. Sie, als ein hochgebildetes Kulturvolk, Sie kämpfen mit uns mit, indem Sie gegen solche Brutalitäten protestieren. Unsere Führer haben es mehr wie einmal ausgesprochen, und das kämpfende Burenvoik hat es ebenfalls gesagt, daß sie selbst kämpfen wollen bis zum letzten Blutstropfen, aber Ihre Sympathie wollen ie haben; es besteht ein großer Unterschied zwischen den englischen Sol­daten und zwischen uns. Der englische Soldat erhält pro Tag 10 Mk., er kämpft also nur als Söldner für Geld; wir kämpfen für unser Vater­land und unsere Freiheit. Ich habe nicht die Worte, mich bei Ihnen in genügendem Maße zu bedanken. Viele Deutsche kämpfen in unseren Reihen, und gerade die Sympathie der Deutschen für uns zeigt es, daß Blut dicker ist wie Waffer (lebhaftes Bravo!) Im Namen meiner Landsleute spreche ich Ihnen für Ihre heutigen Beweise von Anteilnahme meinen herzlichsten und tiefgefühltesten Dank aus. (Lebhaftes anhaltendes Bravo!)

Nachdem der Beifall verrauscht, ergriff De Wet daS Wort und sagte unter anderem:

Der heutige Tag ist für mich einer der herrlichsten, da er mir Ge­legenheit bietet, vor einer solchen Volksmaffe auf geschichtlichem Boden über das Geschick eines Volkes zu reden. Aber zugleich erfüllt mich angesichts dieser Festversammlung tiefer Schmerz um dieses Volk, das keine Gelegen­heit hat, Pfingstfest zu feiern, sondern herausgetrieden wird, mühelos und unfiätt von Ort zu Ort. Warum geschieht das? Es hat die Miffethat auf sich geladen, für seine Freiheit zu kämpfen, wie unsere Väter seit hundert Jahren dafür gekämpft haben. Und dafür muß es leiden. Bei allem Mitgefühl sagen viele unserer Freunde, helfen könne man doch nicht mehr, der Krieg sei ja doch aus oder so gut wie au8. Warum also sollen wir noch einmal einer Liga zum Schutze der Buren beitreten? Aber Gott sei Dank, der Krieg ist nur aus nach englischen Berichten, in Wirklichkeit kann er nicht aus sein, solange wir unsere Freiheit und Unabhängig­keit nicht haben. Sonst müßten wir unseren tapferen Vorfahren und in dem Kampfe gefallenen Brüder Schande machen. Es ist also für unsere Blutsverwandten noch Zeit, uns zur HUfe zu eilen. Auch die Engländer gestehen allmählich ein, daß ihr« Sache Henle schlechter stehl als vor acht Monaten. Damals telegraphierte Roderts eine seiner offiziellen Lügen nach Hau8, daß der Krieg aus sei. Heute läßt Millner, dem bisher keine Bedingung für uns hart genug war, durch» blicken, daß die englische Brutalität die Lage zu Ungunsten Englands verändert hat. Unser Präsident sagte mir oet einem Besuche vor drei Wochen, wenn er sonst keine Beweise hätte er habe aber auch viele andere so bewiesen ihm schon die Lügenberichte der Engländer, daß sie eS nötig haben, ihre Lage zu beschönigm. Und die kämpsmden Bürger des seit einem Jahre annektierten Freistaates haben am 11. April in öffentlicher Wahlversammlung auf weitere fünf Jahre ihren verdienten Präsidenlm wiedergewählt und ihm zu Ehren ein Fest gefeiert, ein Beweis, daß sie mindestens noch fünf Jahre die Freiheit ihreS Landes verteidigen wollen und verteidigen zu können hoffen. Zuletzt gar hatte derverrückte Zug De WetS mtt feinen 40 Mann durch den ganzen Freistaat nnd ganz Transvaal und zurück bis zur Kapkolonie bewiesen, daß in der Thal von einer starken Be­setzung des Landes durch die Engländer keine Rede sein kann.

Schließlich wurde folgende Resolution durch Handaufhebe« einstimmig angenommen:

Die am ersten deutschen Nationaldenkmal, am deutschm Her- mannsstandbUde, auf der Grotenburg am zweiten DfingAetertage ver­sammelten 7000 Deutschen fühlen sich eins mit dem klein« helden- jiütigen Burenvolke und verurteilen auf daS Entschiedenste die grau­same Kriegführung der Engländer. Sie erbeben an dieser urdeutschm Stätte entschieden Protest dagegen und gelobm, nach bestm Krästm für die Sache der um ihre Freiheit und Selbständigkeit ringendm Burm «inzustehm und motten nach bestem Rönnen den armen Ver­wundeten und dm grauen und Kindern helfen in thatkräftiger Unter­nützung. Die Verfammeltm glauben, daß daS ganze deutsche Volk mit ihnen die Hoffnung hegt, daß die gerechte Sache doch noch zmn Siege kommm wird, und bedauern, daß es der deutschen Regierung nicht möglich ist, dm Burm thatkräftige Hllse zu letstm.

Diese Resolution soll an den Reichskanzler gesandt uud in die gesamte deutsche Presie gebracht werden.

Vieltauseudstimmig klang dann daS Lied ^Deutschland, Deutschland über alles- zum Himmel. Hiernach schloß Dr. Quentin die Versammlung.

Kus Stadt and Land.

Gießen, 30. Mai 1901,

» Eifel-Exkursion. Gestern abend find die 16 Teilnehmer an der von Prof. Brauer am 25. ds. Mts. unternommenen geologischen Exkursion von Köln hier wieder angekommen. In unserer Nr. 121 hatte der Druckfehlerschalk im Setzer­kasten aus einergrößeren" Anzahl Studierender thörichter- weise einejüngere Anzahl- gemacht.

*» Militardieustuachrichteu. v. Wolff, Major aggreg. dem 2. Großh. Heff. Feld-Art.-Regt. Nr. 61, ist aus dem Heere ausgeschieden und als Zweiter Stabsoffizier beim Oberkommando der Schutztruppe angestellt, Oelriche, Lt. im 3. Großh. Hess. Inf.-Regt. (Leib-Regt.) Nr. 117, ist mit Pension und der Aussicht auf Anstellung im Zivildienst der Abschied bewilligt worden.

Kreuzottern. In Forflkreisen wird die Besürchtnng laut, daß in diesem Jahre die Kreuzottern besonders stark auftreten werden. Schon jetzt sollen sich diese lästigen und höchst gefährlichen Reptilien gezeigt haben. Es ist daher wohl angebracht, wenn wir nachstehend avgeben, wie mau ich gegen den Biß dieser Giftschlange schützt, und wie man )en üblen Folgen eines Bisses begegnet. Man findet die Kreuzotter häufig an hellen, sonnigen Waldrändern, unter Steinen und Heidelbeergestrüpp. Die sonnigen Waldränder werden nun gar zu gern von Ausflügler« zu Ruheplätzen erkoren. Bevor man einen solchen Platz etnnimmt, sollte man mit dem Spazierstock oder Regenschirm den Platz so»- diren, denn dadurch wird die scheue Kreuzotter vertrieben. Will man im Walde umherspazieren, so bekleide man den Fuß mit Schuhwerk, das hohe Schäfte hat; tritt man dann auf eine Kreuzotter, so kann ihr Biß doch nicht Schaden an­richten, da sie das Leder nicht durchbeißen kann. Sollte Jemand von einer Kreuzotter gebissen werden, so sauge man Die Wunde aus oder lasse sich dieselbe aussaugen, doch müssen die Lippen heil sein, weil sonst das Schlangengift sich mit dem Blute vereinen kann, alsdann unterbinde man die Wunde, damit das Gift sich nicht unter das gesunde Blut mische. Die Wunde muß alsdann erweitert werden, damit sie tüchtig ausblutet, später lasse man sie auSbrennen; in jedem Falle aber ist möglichst ein Arzt zu Rate zu ziehen. Wer Wald­touren macht, sollte stets ein Fläschchen Rum oder Kognak rei sich führen, denn der Genuß desselben hat sich oft als bestes Gegenmittel gegen den Biß der Kreuzotter erwiesen. DaS Gefährlichste an der Kreuzotter ist, daß sie von so vielen ür ungefährlich gehalten wird.

** Lollar, 29. Mai. Wie bereits unlängst erwähnt, eiert am 9. und 10. Juni die hiesige freiwillige Feuer- orhr ihr 25jähriges Stiftungsfest, bei welcher Gelegenheit dem Verein auch ein von Frauen und Jungfrauen gestiftetes Banner überreicht werden wird. Was diesem Feste eine ganz besondere Bedeutung giebt, ist, daß von den Gründern ,er Wehr noch 38 Mann heute derselben als Mitglieder angehören und Ingenieur Feltzr, der die Wehr ins Leben gerufen hat, gleichzeitig fein 25jährigeS Jubiläum als Kommandant feiert. Ein Fall, wie er in unserem Großherzogtum bis jetzt noch nicht vorgekommen sein dürfte. An dem Festtage wird den Jubilarcn in besonders feierlicher Weise daS von dem Großherzog gestiftete Ehrenzeichen über­reicht werden. Eine große Zahl auswärtiger Vereine haben ihre Beteiligung an dem Feste in Aussicht gestellt. Um nun auch der Schuljugend an diesem denkwürdigen Feste eine Freude zu bereiten, wird beabsichtigt, am zweiten Festtage ein Jugendfest zu veranstalten, zu welchem die Vorberett- ungen im vollen Gange sind. Bei der Einwohnerschaft hat neser Vorschlag freubigen Widerhall gefunden, da fett 18 Jahren ein derartiges Fest hier nicht mehr gefeiert worden ist.

e. Bad-Nauheim, 29. Mai. Kurgäste, die am Pfingst- DienStag einen Ausflug unternahmen, hatten Gelegenheit, folgende interessante Selbsthilfe eines Zugpferdes zu beobachten. Auf einer Landstraße fuhr ein hoch mit Backsteinen beladener Wagen und neben dem Pferde schritt, unwillig über die Arbeit am 3. Psingstfeiertag, der Fuhr­mann. Der Mann hatte jedenfalls auch einige Schoppen über den Durst getrunken. Plötzlich schlug er ohne jede Veranlassung auf das Pferd ein. Zuletzt nahm er sogar die Peitsche verkehrt und ließ den schweren Handgriff unter Schimpfworten auf Hals und Kopf deS Pferdes niedersausen. Lange Zeit hielt das Pferd die Mißhandlungen geduldig anS, doch auf einmal empörte sich das Tier gegen die rohe Ge­walt des Menschen und es folgte nun ein ganz seltenes Schauspiel. Mit einem kräftigen Ruck wandte sich plötzlich der Braune zur Seite und schlug mit seinem Kopf den rohen Knecht so energisch gegen die Brust, daß dieser platt zur Erde siel und im Staube liegen blieb. DaS Pferd aber zog kräftig an, bog mit dem Wagen nach rechts ab, beschrieb einen Halbkreis, indem es sich drehte und trabte mit ge senkte« Kopfe genau gegen den am Boden liegenden Knecht. Mehrere Passanten schleiften den Knecht noch schnell zur Seite, sodaß Pferd und Wagen knapp an ihm vorüber kamen, sonst wäre der Mann überfahren worden. DaS sehr aufgeregte Pferd setzte in schnellem Tempo den Marsch nach