Zweiten Kammer empfiehlt, dem Verrnittelungsvorschlag der Ersten Kammer auf Einstellung von 30 000 Mk. als Dispositionsfonds für Entlastung bedürftiger Gemeinden beizutreten.
Finanzminister Gnauth stellt nochmals fest, daß ein 2 Millionen-Defizit vorhanden sei, und die Regierung habe die Pflicht, dafür zu sorgen, daß dasselbe beseitigt werde. Da empfiehlt es sich auch, böi Aufstellung des Budgets sparsam zu sein. Er bittet das Haus, dem Antrag der Ersten Kammer beizutreten, waS auch geschieht.
Der von der Zweiten Kammer gestrichene Zuschuß von 6000 Mk. für den Viktoria-Melitaverein für Herstellung kleiner Wohnungen wurde von der Ersten Kammer wieder eingestellt. Die Zweite Kammer tritt diesem Ansinnen hei. An die Verwilligung von 3000 Mk. Zuschuß für die landwirtschaftlichen Winterschulen knüpft die Erste Kammer den Beschluß, diese Summe auf die drei Provinzen zu verteilen. Tie Kammer beharrt auf dem früheren Beschluß. Bezüglich der Errichtung einer Handelshochschule beantragt die Erste Kammer, der Angelegenheit näher zu treten. Tie Zweite Kammer beharrt auf dem früheren Beschluß. Bezüglich des Gesetzes, die Gemeinde Umlagen betreffend, sind einige Tissenze mit dem anderen Haus ausgetreten. Ter Ausschuß ist der Meinung, daß die Wünsche der Ersten Kammer als gerechtfertigt anzusehen sind, und empfiehlt Beitritt zu den Beschlüssen.
Abg. Gras Orivla beantragt, daß die Regierung ein Gesetz veranlassen soll, da>ß, falls kein Tesinitivum bis zum Jahre 1904 eingetreten sei, das jetzt bestehende Gesetz noch weiter bestehen soll.
Die Kammer tritt dem Beschluß der Ersten Kammer bei. Her Antrag Oriola findet Annahme. Hierauf vertagt sich die Kammer bis nachmittags um 3 Uhr.
Am Ministertisch Ministerialräte Braun und Breidert.
Abg. Schmitt als Berichterstatter zieht eine Parallele zwischen der englischen und deutschen Landwirtschaft. Tie englische sei infolge der Freihandelspolitik stets zurück- gegangen, während sich die Stellung der deutschen Landwirtschaft durch den Schutzzoll auf fast allen landwirtschaftlichen Gebieten gehoben , habe. An Hand statistischen Materials weist er nach, daß trotz der Einfuhr von frenr- dem Roggen unsere deutsche Landwirtschaft feit vorigem Jahr ohne Nutzen gewirtschaftet habe. Noch nicht die Produktionskosten seien gedeckt worden. Er stellt fest, daß der Doppelzentner Roggen in Argentinien 3 Mark koste und ab Hamburg 10 Mark. Wie soll da die deutsche Landwirtschaft existieren können? Im Jahre 1885 sei trotz der Einführung des 5 Markzolles der Preis des Brotes um 4 Pfennig gesunken. Tas beweise, daß man bei der Erhöhung der Schutzzölle von Brotwucher nicht reden könne. Sonnenklar gehe daraus hervor, daß der Zoll auf das Getreide so nötig fei, wie das Brot zum Leben. Wcks dik kaiserliche Botschaft betreffe, so unterschreibe er in dergleichen Wort für Wort, denn dieselbe sei gegen den Brot- wucher des Grafen Kanitz gewesen. Tie Sozialdemokratie verlange etwas, was sie dem Bauer verweigere, den Schutz der Arbeit. Es lasse sich absolut nicht bestreiten, daß die Arbeitslöhne der Handwerker um 2000 Prozent in die Höhe gegangen und nur der Bauer solle noch zum alten Preis arbeiten. Das sei doch kein Recht. Im Lause der Debatte sei auch die landwirtschaftliche Enquete in Hessen in die Debatte gezogen worden. Tie daraus herangezogenen Zahlen seien nicht richtig Wiedergegeben. Hier in Hessen seien 123 Betriebe mit über 100 Hektaren, während von drei und einer Viertel Million Bauern mit nur 1 Hektar nicht gesprochen werden könne, da hierbei Schuhmacher, Bahnwärter und Schneider seien. Wenn der deutsche Bauer bete: „Gieb uns heute unser täglich 93rot", so bete er für sich und das ganze deutsche Volk, und es fei verwerflich, wenn die Religion von der Sozialdemokratie mit in die Debatte gezogen werde. Der deutsche Arbeiter, der geschützt sein wolle, habe für den Bauer nichts übrig, sondern lehne die Erhaltung desselben aus purem Egoismus ab. Er hofft, daß durch möglichst langfristige Handelsverträge der Industrie gute Absatzgebiete geschaffen und damit auch der Landwirtschaft neue Hilfs- und Erwerbsquellen zugeführt werden.
Nach einer kurzen Pause beschäftigt sich die Kammer mit den Rückäußerungen der Ersten Kammer bezüglich des Budgets und tritt dem Beschluß der Ersten Kammer in den Hauptgegenständen bei.
Hierauf wird wieder in die Debatte über die Getreidezölle eingetreten.
Berichterstatter Heidenreich, legt nochmals die Grundgedanken des Antrags Haas bezüglich einer mäßigen Erhöhung der Zölle auf alle landwirtschaftliche Produkte dar.
Dieser Antrag wird hierauf mit großer Majorität a n - genommen. Schluß der Sitzung um halb sieden Uhr. Morgen früh 9 Uhr Fortsetzung der Beratungen.
Sechste evangelische Landessynode.
(Ausführlicher Bericht.)
IV.
S. Darmstadt, 29. März.
Die Sitzung wird nach 9 Uhr mit einem von Pfarrer Hildebrand-Echzell gesprochenen Gebete eröffnet. Die Gesetzentwürfe betreffend die Gehalte der Geistlichen, sowie betreffend die im Geschäftskreis des OberkonsistoriumS und des Predigerseminars beschäftigten Beamten re. werden nach Empfehlung durch den Ausschuß angenommen. Hierauf ivird in die zweite Lesung des Hauptvoranfchlags eingetreten; derselbe wird mit dem Zusatz-Antrage Wahl - Schlitz angenommen, der lautet:
,,Die Synode wolle beschließen, Großh. Oberkon- fiftorium zu ersuchen, mit allen Kräften dahin zu wirken, daß in dem den Landständen vorgelegten Entwurf eines Staatsgesetzes, betreffend das Eigentum an Kirchen und Pfarrhäusern rc., diejenigen Bestimmungen ausgeschieden werden, welche auf eine Erwerbung der seitherigen od- fervanzmäßigen Gebrauchsrechte der politischen Gemeinden an Kirchtürmen, Glocken, Uhren und dergleichen hinzielen."
Es folgt die Fortfetzung der Beratung über den Antrag Luhl und Genossen, betreffend Festsetzung eines einheitlichen Buß- und Bettages. Die Synodalen Graf und Hildebrand treten für Beibehaltung des über 100 Jahre alten Buß^- und Bettages am Palmsonntag ein. Nach weiterer Debatte, an der sich noch die Synodalen Eck, Wahl und
Bernbeck beteiligen, wird der Antrag abgelehnt. Auf Antrag des Oberkonsistoriums sollen die Gemeinden Laubenheim, Viernheim und Udenheim eine selbständige Kirchengemeinde bilden, was genehmigt wird. Auf das Ersuchen der Kirchspielsgemeinde Nieder-Modau um Trennung von den Gemeinden Klein-Bieberau, Ernsthofen und Webern wird dem Ausschußantrag entsprechend das Oberkonsistorium um weitere Erhebungen ersucht. Ein Gesuch der Kirchengemeinde zu L o 11 ar um Gewährung eines Zuschusses von 30 000 Mk. zum Neubau einer Kirche wird abgelehnt, nachdem das Oberkonsistorium sich bereit erklärt hat, im Bedürfnisfalle einen Betrag zur Verfügung zu stellen. Ein Gesuch des Pfarrers Beck in Alzey, dessen Tienstalter betreffend (Anrechnung der vor feinem Uebertritt im preußischen Staatsdienst zugebrachten Tienstjahre), wird dem Antrag des Berichterstatters Bernbeck entsprechend, für erledigt erklärt, nachdem Oberkonsistorialpräsident Buchner erklärt hatte, daß )ie dem Antragsteller f. Zt. gemachte Zusage privater Natur gewesen sei. An der Debatte beteiligen sich noch die Synodalen Dr. Lucius, Pfaff und Wahl-Schlitz. Die Vorlage des Großh. Oberkonsistoriums, betreffend die Ernennung des Pfarrers Theodor Weimer in Mommenheim zum geistlichen Inspektor der Epileptischen Anstalt in Nieder-Ramstadt und ein Verhältnis zu der Kirchenbehörde, wird nach einem eingehenden Bericht des Synodalen Wahl-Langen und einer vom Oberkonsistorialpräsidenten Buchner gegebenen Erläuterung einstimmig angenommen.
Eine Anzahl weiterer Beratungsgegenstände wird hierauf von der Tagesordnung abgefetzt. Die Synode vertagt ich nach einem Schlußgebet des Pfarrers Hof-Babenhausen auf unbestimmte Zeit.
* *
Ober-Kon fist orial-Präf ident i. P. Exzellenz Dr. Goldmann ersucht uns, folgendes zu veröffentlichen: Er habe in der Sitzung der Landessynode vom 27. März nicht gesagt: es sei klar, daß die Pfarrer sich darüber geärgert hätten, daß ihnen der einzige Tag genommen würde an dem sie eine volle Kirche hätten. Seine Ausführungen hätten vielmehr wörtlich folgendermaßen gelautet:
„Die Agitation hat unserer evangelischen Kirche nur geschadet. Wenn ein kirchenfeindliches Blatt gesagt hat, daß- die evangelischen Geistlichen sich darüber geärgert hätten, daß ihnen durch Verlegung des Totenfestes der einzige Tag genommen würde, an dem sie eine volle Kirche haben, und wenn das Mainzer Journal, das in liebenswürdiger Aufmerksamkeit allem, was in der evangelischen Kirche vorgeht, folgt, diesen Artikel abgedruckt hat, unter Beifügung der Worte: „das stimmt", so ist daraus zu erkennen, daß die Agitation gegen das Ober- Konsistorium unserer Kirche geschadet hat."
Wir bedauern das Mißverständnis unseres Berichterstatters.
Politische Tagesschau.
Der bedeutendste Theoretiker der sozialdemokratischen Bartei Karl Kautsky hat eine Broschüre „Han delsPoli - t i k und S o z i a l d e m o k r a t i e" veröffentlicht, von der der „Vorwärts" einen Teil bringt, und der wegen feiner trengen Sachlichkeit und richtigen Würdigung der Sachlage aufs angenehmste auffällt. Kautsky ist natürlich ein Gegner der Zollerhöhung, weil er der Meinung ist, daß der ganxe Zoll vom Jnlande getragen wird. Ohne hier Für oder Wioer zu entscheiden, müssen wir, um zur Ermöglichung einer gerechten Beurteilung nichts außer Acht zu lassen, erwähnen, daß in den Niederlanden, dem Lande der Zoll- reiheit, in dem also kein Getreidezoll ist, das Brot nicht billiger, das Fleisch sogar teurer ift, als bei uns in Deutschland.
Kautsky sagt unter anderem:
„Wenn wir also gegen die agrarischen Zolle auftreten, thun wir dies nicht, weil wir den Notstand der Landwirtschaft leugnen, sondern weil wir sie für ein völlig ungeeignetes Mittel halten, ihm entgegen zu wirken. . . Ein Getreidezoll von 5 Mark, ganz abgesehen von den anderen Agrarzöllen, würde allein schon eine Steuer auf die Bevölkerung des Deutschen Reiches im Betrage von rund 500 Millionen Mark darstellen. Daß diese Summe jahraus, jahrein zur Hebung der Landbevölkerung ausgegeben würde, dagegen hätten wir nichts einzuwenden.
Allerdings es sind nur 1 300 000 Betriebe an den Agrarzöllen interessiert; aber diese Minderheit der landwirtschaftlichen Betriebe umfaßt beinahe die gesamte deutsche Landwirtschaft; die ihr gegenüberstehende Mehrheit besteht aus Zwergwirtschaften, die für die Lebensmittelversorgung des Volks nicht in Betracht kommen. Die 3 236 000 Betriebe unter 2 Hektar bebauen zusammen bloß 2 416 000 Hektar, die Million Betriebe von 2—5 Hekt. bewirtschafteten, 4 142 000 Hektar, die 1300000 größeren Betriebe dagegen umfassen 36 727 000 Hektar. Diese sind es, erklären die Agrarier, die dem deutschen Volk sein Brot und fein Fleisch liefern; wenn fie verfallen, hängt die Ernährung des Volks vom Ausland ab, jeder Krieg, ja schon jeber Zollkrieg, kann sie bedenklich stören. Wie immer jich das wirtschaftliche Verhältnis eines Volkes zu feinen Nachbarvölkern gestalten mag, wie sehr es auch von dem Wachfen der Exportindustrie abhängen mag, feine Landwirtschaft muß in blühendem Zustand erhalten bleiben, sonst hängt das Gedeihen des Volkes in der Luft und kann durch jeden kräftigen Windstoß von außen um geblasen werden.
Es liegt viel Wahres in diesen Bemerkungen. Namentlich die Sozialdemokratie hat alle Ursache, wo fie kann, einem Verfall der Landwirtschaft entgegenzuwirken, denn die Ernährung des Volks durch von außen gekaufte statt durch selbst produzierte Lebensrnittel, die Arbeitsteilung zwischen Industriestaat und Agrarstaat ist ein Zustand, ber nicht andauern kann und nicht andauern wird. Auf der andern Seite fällt es uns gar nicht ein, die Notlage der Landwirtschaft zu leugnen. Erscheint fie uns auch nicht so groß, wie fie die „schreienden" Landwirte malen, so auch nicht so rosig, wie ein gewisser Optimismus sie schildert, der den Maßstab für die Rentabilität der Landwirtschaft in der Zahl der Ehampagnerflaschen sieht, die einzelne Großgrundbesitzer leeren, wenn sie in die Stadt kommen. Tas ist eine ebenso sinnreiche wie bequeme Methode, die landwirtschaftlichen Zustände zu studieren.
Solche Stimme aus sozialdemokratischem Lager, und zwar zu einer Zeit, in der wegen des Getreidezolles die Gemüter auf beiden Seiten fast bis zur Siedehitze steigen,
wirkt wahrhaft wohlthuend und wird gewiß auch ihren Teil dazu beitragen, die Losung der so überaus schwierigen Frage erleichtern zu Helsen zum Wohle be^gcf amten Vaterlanbesr, ohne Rücksicht barauf, ob einige Jn- teressentengruppen baraus Nutzen ober Nachteil ziehen.
Man schreibt uns aus Berlin, 29. März:
An ber Börse giebt man sich feit einiger Zeit den Anschein bes Glaubens, daß die Ungunst der wirtschaftlichen Konjunktur „nunmehr überwunden" sei, und daß insbesondere die Aktien der Eisen- und Kohlen-Jn- ) u ft r i e einen unangemessen niedrigen Preis hätten infolge der im vorigen Jahre erfolgten Verkfäufe dieser Werte eitens bes geängstigten Publikums. Seit einigen Wochen treten recht patente Käufer für Montanpapiere auf; ein großer Teil der Werte hat ziemlich beträchtliche Kurssteigcr- ungen erfahren. So sind auch heute Kursaufbesserungen von 2—4 Prozent zu verzeichnen. — Taß die Kohlenbergwerke Geschäfte machen, bei den unverändert teuren Kohlenpreisen und der langen Tauer der kalten Witterung, ist nicht zu leugnen. Die Kauflust auf diesem Gebiete der Bor s erscheint eher begreiflich. In der Eisenindustrie aber läßt die Belebung noch auf sich warten. Man verweist auf die Bestellungen für die Staatsbahnen; die Aufträge bringen aber noch keinen Zug in die Thätigkeit der Werke, und es fragt sich, ob die erzielten Preise einen größeren dwtzen gewähren. Roheisen ist teuer — die Roheisensyndikate halten unerbittlich fest an den Preisen ber Hochkonjunktur — und barunter haben sämtliche weiter oerarbeitenben Betriebe empfinblich zu leiben. Einzelne bebeutenbe Abschlüsse von Stahlwerken ins Auslanb sind in ber Börsenpreise hervorgehoben worben, bie Ausfuhr nach Rußlanb soll in Zunahme begriffen sein ufn>. Aber so große Abschlüsse werben bei bem gegenwärtigen scharfen Konkurrenzkampf ber gesamten Eisenindustrie des In- und Auslandes eben nur durch Unterbietung ermöglicht. Das hauptsächliche Kennzeichen, daß es noch nicht wesentlich besser geworden ist in der Eisenindustrie, besteht darin, daß die Betriebs-« einschränkungen und Arbeiterentlassungen, soweit erkennbar, nirgends rückgängig gemacht worden sind. Die Höherbewertung der Eisen-Aktien, das sprungweise Steigen der Kurse, entspricht nach alledem nicht den thatsächlichen Verhältnissen, und es ist alle Zurückhaltung für das Publikum gegenüber diesen Haussebestrebungen angezeigt, um ich nicht ähnlichen Gefahren auszusetzen, wie sie das vorige Jahr über viele Kleinkapitalisten gebracht hat.
Aus Stadt und Kan-.
Gießen, 30. März 1901
• • Die Zweite Kammer hat nach viertägiger Debatte mit allen gegen 5 Stimmen den Antrag Haas und Genossen angenommen, der dahin geht, daß die Regierung ihre Bundesbevollmächtigten instruieren möge, daß sie im^BundeS- rate eiutreten für eine ausreichende Erhöhung der bestehenden Getreide- und Viehzölle und in Verbindung damit für eine ausreichende Erhöhung der Zölle auf andere landwirtschaftlichen Erzeugnisie, einschließlich derjenigen deS Obst-, Gemüse-, Wein- und Gartenbaues, sowie ferner für einen ausreichenden Zollschutz derjenigen industriellen Zweige, welche desselben bedürfen um den Abschluß neuer Handelsverträge, in welchen die vorstehenden Wünsche nach Möglichkeit erfüllt werden. Ferner wurde ein Antrag auf Aufhebung der Transitlager und Zollkredite angenommen. (Siehe auSführl. Bericht..
• * Humoristischer Abend. Sonntagabend 8 Uhr ver- anstalten einige Mitglieder vom GießenerStadttheater im Jagdschlößchen zu Dutenhofen einen humoristischen Abend durch komische Vorträge und Aufführung eines Einakters. Die Mitwirkung der Herren Ramseyer, bi Bal- thyni und Lachmann bürgen für einen genußreichen Abend.
* • Promenadeu Kouzert. Morgen findet des Palmsonntag» wegen das Promenaden-Konzert nicht statt.
• * 3m Zeichen des Ostereies. Wir sind vor Ostern! Wie prächtig sind die Fenster dekoriert! Alles was das Herz ich wünscht, was der Sinn begehrt, ist zu haben, jeder Ge- chmack ist berücksichtigt, jedes Portemonnaie in Betracht gezogen. Groß und klein, aus Chokolade, Marzipan und Zucker, braun, rot, grün, weiß, in allen Regenbogenfarbcn euchtet uns beim Borübergehen das Osterei entgegen, chelmisch lächelnd fitzt der Hase daneben, betrachtet sich die Passanten und scheint sich zu freuen, wenn er recht tüchtig rewunbert wird. WaS Wunder, daß die Linder sich von liefen verlockenden Genüssen nicht trennen können, daß sie lewundernd vor den Herrlichketten stehen bleiben. „Ach, Eicrsuchen ist fein! — Käme doch der große Osterhase und brächte mir recht viele Eier!" — so und ähnlich klingen die BegeisterungSrufe der Kinder. Weiterhin drängen sich einige kleine Mädchen vor dem Fenster einer Drogerie. „Nein, die chönen Ostereier aus Seife; ob uns der Hase wohl solche auch bringt! Damit muß man sich fein waschen können!" Hier dieses wunderniedliche Ei, von zwei reizenden Engeln getragen, ist so recht geeignet für ein Geschenk, mit dem der aufmerksame Bräutigam sein Bräutchen am Feiertage überraschen will. Sinnend betrachtet ein Backfisch das elegant mit Seide garnierte Osterei. Obwohl der bevorzugte Tanz- stundenherr sich seines Versprechens, ein Osterpräsent zu machen, erinnern wird, und was für einen Geschmack wird er entwickeln? „Ja, dieses rosenfarbene Ei wöcht' ich schon haben!" Eden tritt ein junger Herr heran, auch er beschaut die Pracht, jedoch nicht gerade mit vergnügter Miene. „Na, ich muß ran, da hilft nichts!" Er hat viele Verpflichtungen, oft war er im Winter eingeladen, er revanchiert sich aber und schickt ein kostbares Ei; vielen Schönen hat er den Hof gemacht, sein mitleidiges Herz mag keine enttäifchen, darum macht er allen Geschenke. Zu solchem Zweck, wenn auch ungern, gekauft, muß es schön sein; deshalb werden die Ostereier immer kostbarer. Bei dem Kinde spielt die Schönheit keine Rolle, es sieht mehr auf die Quantität als auf die Qualität. Je mehr, desto besser, denkt es. Und mit Freude und Rührung erinnern wir un« der Zeiten, als wir noch, in unseren Ansprüchen bescheiden, im milden Frühjahr im Freien, an kälteren Tagen in den Stuben bie von den


