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31.1.1901 Erstes Blatt
 
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bedenkliche Wirkung der Entwickelung der Export-Industrie hingewiesen. Für den rnssischen Handelsvertrag hat meines Wissens kaum ein Mitglied meiner Fraktion gestimmt, we­nigstens nicht, wie sie jetzt besteht. Ein Professor hat nie und nimmer ein Urteil über die Notlage der Landwirtschaft. (Zustimmung rechts.) In der Frage, wer den Zoll trägt, ist immer noch das alte Bismarck'sche Argument stichhaltig: Wenn das Ausland nichts von dem Zoll trüge, dann könnte ihm der Zoll gleichgiltig sein. (Unruhe links.) Die Frage, ob die inländische Landwirtschaft den heimischen Bedarf decken kann, hat die statistische Wissenschaft mit einem fast unbedingten Ja beantwortet. (Lebhafter Widerspruch links.) In einer Kontroverse sagte mir Dr. v. Siemens vor zwei Jahren, die Erträge der Landwirtschaft wären in vielen Gegenden Deutschlands noch sehr gering, sie könnten viel­leicht noch verdoppelt werden. So steht Dr. v. Siemens gegen Dr. Pachnicke, dessen landwirtschaftliche Bezeichnung nach dem Muster derFreis. Ztg." ich aus Höflichkeit unter­lasse. (Zuruf des Abg. Dr. Pachnicke.) Nun, es ist ja nicht beleidigend: sie lautet:Geheimer Oberbauer". (Heiter­keit.) Wir kennen die Landwirte in den frei­sinnigen Parteien, aber hinter uns stehen unend­lich viel mehr Landwirte als hinter Ihnen. (Zuruf links: Aber keine Bauern! Lebhafter Widerspruch rechts.) Im Königreich Sachsen waren früher alle Bauern liberal, heute kann man den letzten liberalen Bauer unter einer Glasglocke im Raritätenkabinett zeigen. (Heiterkeit.) Ich hoffe, daß auch die anderen Staaten diesen Grad politischer Bildung erreichen. Der Heerbann, den die Linke gegen die Erhöhung der Getreidezölle aufbieten will, ist unter sich wenig einig. Die freisinnige Volkspartei und die freisinnige Vereinigung polemisieren gegen einander, beide aber werfen der Sozialdemokratie vor, daß sie nicht genügend gegen die Rechte mobil mache.

Abg. Gerstenberger (Ztr.): Die Herren, die geaen höhere Getreidezölle agitieren, können nicht unterscheiden zwischen Bauern und Landwirten. (Gelächter links.) Nun redet man blos immer von dem Brotgetreide, die kleinen Bauern sind aber vor allem auch beteiligt am Gerste- und Haferbau. Sind Sie bereit, hierauf einen Zoll zu gewähren? (Zuruf links.) Ja? Dann können wir uns vielleicht darin verständigen. Hier haben Sie keinen Nachteil für das Brot des kleinen Mannes, also stimmen Sie mit uns für Haker- und Gerstezoll, freute leiden die Bauern darunter, oaß sie ihre Gerste nicht verkaufen können wegen der Kon­kurrenz des Großhandels, der die Gerste billig vom Auslande einführt. Und sind Sie dann für ein gutes Vereinsgesetz, um die Wünsche des kleinen Mannes zu schützen? Sind Sie für einen Obstzoll? (Zurufe links.) Ich wußte es, von Ihnen hat der kleine Bauer nichts zu erwarten. Fisch­beck spricht gegen die gestiegenen Güterpreise; möchte er nicht ein Gesetz machen,' das verhindert, daß in Berlin die Grund- und Bodenspekulanten den Bodenpreis so hoch treiben, daß die Mieten unerschwinglich werden? (Lebhafte Zustimmung rechts und im Zentrum.) Gehen Sie hinaus nach Bayern; ich lade Sie auch ein, Sie brauchen dann nicht wie Herr v. Vollmar den Rock nicht selber auszuziehen, das besorgen Ihnen dann vielleicht seine Zuhörer. (Heiterkeit.) Oder sind Sie für Weinzölle, zum Schutze des kleinen Weinbauern? Niemand anders hat Vorteil von der Beseitigung der Getreidezölle, als der Handel und das Groß­kapital.

Abg. Fischbeck (frs. Vp.) bemerkt, Fürst Bismarck sei nichts weiter als der Sohn seines Vaters. (Große Unruhe.) Die 'landwirtschaftlichen Verhältnisse Sachsens seien ihm nicht unbekannt; an einer Verhetzung der sächsischen Land­bevölkerung habe es nicht gefehlt. (Beifall links.)

Abg. Bebel (Soz.): In der Deoatte ist meiner wieder­holt persönlich erwähnt worden, auch von Stöcker. Der edle Herr hat die Dreistigkeit gehabt, von mir zu behaupten, ich hätte den Tuckerbrief erfunden. Wenn ein Abgeordneter hier eine Thatsache dem Hause mitteilt, wissend, daß er sie erfunden hat, so wäre dieser Abgeordnete ein erbärm­licher, elender Kerl; indem ein solcher Vorwurf gegen einen Abgeordneten erhoben wird, ohne daß der Betreffende, der die Beschuldigung erhebt, wagt, den Beweis dafür zu führen, so ist in gleicher Weise der, der die Beschuldig­ung erhebt, ein infamer Kerl, denn ein Mensch von Ehre würde nicht so verfahren. (Unruhe rechts.) Nun ist man über denVorwärts" vom 18. Januar hergefallen. Gin Blatt wie das von Dr. Oertel zuletzt erwähnte würde nicht konfisziert, sondern ausgelacht werden. (Widerspruch rechts.) Das wird nach 100 Jahren, wo wir ja ganz sicher die Herrschaft haben werden, ganz bestimmt der Fall sein. (Heiterkeit.) Dr. Oertel ist wieder über die sozialdemo­kratischen Konsumvereine hergezogen. Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen, namentlich nicht, wenn er zur Partei der Großgrundbesitzer Osteibiens gehört, die ihre Landarbeiter mit wenigen Ausnahmen in der er­bärmlichsten, elendesten Weise entlohnen. (Sehr gut! links.) Die arbeitende Bevölkerung hat den Hauptteil der Lasten zu tragen, die zum Vorteil einer kleinen Minderheit ihr auferlegt werden sollen; da muß auch die Unzufriedenheit ins Ungemessene wachsen. Den großen Einkommen wird höchstens eine 4 prozentige Einkommensteuer auferlegt, den Arbeitern liegen schon jetzt 5 Prozent auf. Jetzt will man ihnen 7 bis 8 Prozent auferlegen. Thun Sie es nur, den Vorteil werden wir haben.

Vizepräsident v. Fr ege ruft den Redner wegen der im Anfang seiner Ausführungen gegen den Abg. Stöcker gethanen Aeußerung zur O r d n u n g.

Hierauf wird ein Antrag auf Schluß der Dis- kussio n gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Frecslnncgen angenommen. Persönlich bemerkt . . ®j srnarck: Ich habe keine Ursache, auf

Die persönliche Meinung des Abg. Fischbeck über mich irgend-

. f7ci? 'l'e.rt Ic9cn> ich verzichte darauf, schon' nm nicht in Die Tonart zu verfallen. Die er hier eingeführt tjat. (Unruhe links.) Vielleicht wird er bessere Formen ae- wmnen wenn er längere Zeit Mitglied des Hauses 'ist. (Wiederholte Unruhe links. Präsident: Das letzte war keine persönliche Bemerkung mehr.»

Abg. Dr. Oertel: Bebel hat Die Freundlichkeit gehabt von nur zu sagen, ich pflegte Den Humor Des Hauses schon zu erwecken, wenn ich mich erhöbe. Er iveckt Den 5nlmor des Hauses erst, wenn er sich (setzt. (Große Heiterkeit rechts. Prä­sident: Ter letzte Teil war auch keine persönliche Be- inerkiing inehr.)

Das Gehalt des Staatssekretärs wird bewilligt. Morgen Schwerinstag (Wohnungsfrage und Theaterzensur.)

Vom Gießener Gewerbegericht.

Im Jahre 1900 wurden 178 Klagen anhängig (1899 136, 1898 111). Diese Klagen wurden wie folgt erledigt: Klagezurücknahme vor dem ersten Termine 20, Klagezurück nähme im ersten Termin 10, Vergleich 53, Bersäumnisurteil 18, Endurteil 5; Klagezurücknahme vor dem zweiten Termine 2, Klagezurücknahme im zweiten Termin 7 (mit Beisitzern), Vergleich 25 (mit Beisitzern), Anerkenntnisurteil, Ver säumuisvrteil, Endurteil 9 (mit Beisitzern), andere Er ledigungen 24 (mit Beisitzern), unerledigt in das Jahr 1901 übernommen 5. Summa 178. Somit sind 77 Prozent aller Klagen (1899 70, 1898 51 Prozent) ohne Hinzu stehung von Beisitzern und vielfach mit Vergleich durch den Vorsitzenden allein erledigt worden. In allen Sachen wurden zusammen 237 Termine abgehalten und zwar: a) durch den Vorsitzenden allein auf Grund des § 54 des Reichsgesetzes an 70 Sitzungstagen 155 Termine, b) durch denselben mit Beisitzern an 17 Sitzungstagen 82 Termine. Summa 237 Termine. Bon den anhängig gewordenen Klagen waren durch die Arbeitgeber erhoben 30 Klagen, während 148 Klagen die Arbeitnehmer gegen die Arbeitgeber richteten. Von den Klagen der Arbeitgeber wurden er­ledigt: durch Vergleich 13 Klagen, durch Zurücknahme 11, durch Versäumnisurteil 5, durch Endurteil 1. Summa 30 Klagen. Von den Klagen der Arbeitnehmer wurden er­ledigt: durch Vergleich 65 Klagen, durch Zurücknahme 52, durch Versäumnisurteil 13, durch Endurteil 13, in baß neue Jahr übernommen 5. Summa 148 Klagen. Der Betrag des von beiden Seiten eingeklagten Kapitals belief sich auf 3203,67 Mk. Von den eingegangenen Klagen wurden erledigt in weniger als einer Woche 123, weniger als zwei Wochen 34, zwei Wochen und mehr 16. Ins neue Jahr wurden 5 Klagen übernommen.

Die Kosten des Gewerbegerichts sind folgende: Gebühren der Beisitzer 70 Mk., Gebühren an Zeugen und Sachver­ständige 3.60 Mk., Verbandsbeitrag 20 Mk., Beitrag für Anlegung eines gewerbe-gerichtlichen Archivs zum bürgerlichen Gesetzbuch 20 Mk., Drucksachen 15 Mk., Abonnementsbeitrag für die ZeitschriftDaS Gewerbegericht" (24 Exemplare für die Beisitzer) und sonstige Zeitschriften 55.65 Mk., Besuch der Jahresversammlung 15.30 Mk., Summa 119.55 Mk. Auferlegt wurden Kosten im Betrage von 30.85 Mk. Stell- Vertreter des Vorsitzenden des Gewerbegerichts ist Stadtv. Haubach geworden. Zu dem Vorstand des Gewerbe­gerichts gehören jetzt: Beigeordneter Wolff, Stadtv. Haubach, Stadtv. Keller.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 30. Januar 1901.

* Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordnetem Versammlung am Freitag dem 1. Februar, nach­mittags 5 Uhr: 1. Den Ankauf derMargarethen- hütte". 2. Instandsetzung der Löwenftein'schen Besitzung. 3. Abhaltung des Jugendfestes in 1900; hier: Uebemahme des Fehlbetrages auf die Stadtkasse. 4. Gesuch des Eduarb Riemer um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause An ben Bahnhöfen 40. 5. Erlaß einer Polizeiverorbnung über bas Befahren ber zwischen ben Häusern Nr. 9 unb 27 Der Westanlage abzweigenben Sackgasse.

§ Hegzeit. Am 1. Februar beginnt für bte Jagd in Hessen die allgemeine Hegzeit in Wald unb Felb.

* Glückliche Gemeinden. Im Großherzogtum Hessen giebt es zurzeit 12 Gemeinden, in denen keine Kommunalsteuern bezahlt werben unb zwar 10 in Ober­hessen unb 2 in Starkenburg; im Jahre 1878 gab es noch 37 Gemeinden in Hessen, die von einer Kommunalbesteuerung keine Ahnung hatten. Auch bte Gemeinben, bie keine Schulben haben, nehmen im Großherzogtum immer mehr ab, währenb beispielsweise jetzt noch 98 Gemeinben bestehen, bie schulden­frei sind, gab cs iw Jahre 1878 noch 139 Gemeinden, bte von einer Schulbenlast nichts wußten.

Darmstadt, 29. Jan. Der Großherzog unb ber Großfürst-Thronfolger Michael treten heute abenb bie Reise von St. Petersburg nach London zu ben BeisetzttngS- feierlichkeiten an, unb gedenken am Freitag früh über Vlis- singen dort einzutreffen. Der gestern hier nach längerem Leiden verstorbene Kaiser!. Russische Ministerresident Ge- heimerat unb Hofmeister Peter von Ozeroff Exzellenz hat seinen Souverän unb sein Laub am befreundeten Hofe stets mit aller Umsicht unb in bewährter treuester Pflicht­erfüllung mehrere Jahre lang vertreten, unb zählte zu ben beliebtesten Gliedern ber hiesigen Gesellschaft, sobaß sein Hinscheiben bei ben hohen Fürsten, sowie in ben ersten Ge sellschaftSkreisen unserer Stadt besonders schmerzlich empfunden wirb. Herr v. Ozeroff stanb tm Alter von 68 Jahren. Der Verstorbene war bis zum Jahre 1894 russischer General­konsul in Frankfurt a. M. unb seit 7 Jahren beim hiesigen Hofe akkrebitierter Gesandter. Eine Schwester seiner Ge­mahlin ist die Fürstin Galizyn, Oberhofmeisterin der Kaiserin von Rußland. Herr v. Ozeroff litt seit längerer Zeit an einer Verkalkung der Arterien.

Darmstadt, 29. Jan. Zu dem Kaiserkommers der hiesigen Studentenschaft sei nachträglich bemerkt, daß zum ersten Male seit ihrem Bestehen bie katholische StudentenverbindungNassovia" unb bie christliche VerbinbungWingols" milfeierten, und zwar wurde die Zulassung dieser beiden Korporationenvon jetzt ab zu allen Feiern, die von ber Stubentenschaft veranstaltet werben" wie es in bem Anträge heißt, auf ben Antrag ber Ver­treter der hiesigen Korps beschloffen.

* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachdarstaalev. In ber Hofwagenfabiik Dick u. Kirschten in Offenbach e itftanb am Montagabend Feuer, bas einen großen Um­fang anzunehmen brohte, jeboch von ber Feuerwehr auf feinen Herd beschränkt werben konnte. Der Schaben konnte noch nicht sestaestellt werben. Es wirb Brandstiftung vermutet. Ein Bürger in Wahlheim, der den deutsch-französischen Krieg mitqemacht hat, richtete durch Vermittelung des Mühlen- besitzers Link, Rittmeister d. R., an bie Militärbehörde die

Bitte um eine Jahresunterstützung aus dem Jnvalidenfond. Dem Bittsteller wird jetzt eine monatliche Pension von 27 Mk. ausbezahlt.

Die Tabakerute Kubas tm Jahre 1900.

Nach Wiederherstellung des Friedens auf Kuba hatte man sich dort um so eifriger der Wiederaufnahme deS Tabakbaues zugewandt, als letzterer nicht, wie z. B. die Zuckerindustrie, die jahrelange Festlegung bedeutender Ka­pitalien erfordert, sondern die Umlegung des Kapitals in wenigen Monaten gestattet und sich auch im kleinsten Um­fange betreiben läßt. Der durch eine längere unfreiwillige Nkuße gekräftigte Boden erwies sich um so fruchtbarer. Be­sonders die 1899er Ernte auf der Insel Kuba hatte für die Pflanzer glänzende Ergebnisse geliefert. Es wandte sich das allgemeine Interesse dem Tabakbau zu, zumal die Händler und großen Fabrikanten die Pflanzer mit großen Vorschüssen unterstützten. Es wurden außerordentlich ausgedehnte Neu­anpflanzungen vorgenommen. Hierbei wurden jedoch, wie ein Bericht des deutschen Konsulats in Havana hervor­hebt, eine Reihe von Fehlern begangen, die von vorn­herein das Ergebnis ungünstig beeinflussen mußten: u. a. wurde zum Teil nicht ganz einwandfreies Saatmateriak zur Verwendung genommen; sodann wurde auch Land zur Benutzung herangezogen, welches bisher zum Tabakbau nicht als geeignet angesehen worden war. Vom Wetter be­günstigt, entwickelten sich die Pflanzungen sehr rasch. Die Ernte versprach ein nach Menge und Güte ganz hervor­ragendes Ergebnis zu liefern. Wer die Buelta Abajo be­suchte, war erstaunt über die außerordentliche Prosperität, die sich dort allenthalben zeigte und die Spuren des Krieges beinahe vollständig verwischt hatte. Nun zeigte sich aber sehr bald, wie unverständig man gewirtschaftet hatte. Mau konnte den reichen Segen nicht bewältigen, die wenigen iraktischen Feldarbeiter reichten nicht aus, und die Löhne erreichten bald eine ungeheure Höhe (bis zu 3 Dollars). Es fehlte an Zugochsen, um für die vorhandene Menge Setzlinge die Felder in genügender Weise vorzubereiten, und die nach dem Kriege noch verbliebenen Tabakhüuser und Stäbe zum Aufhängen genügten nicht, um die reife Ernte gut u uterzubringen, sodaß beinahe ein Dritteil der Ernte auf den Feldern gelassen werden mußte und verdarb. Das Schneiden geschah zum größten Teile unter günstigen Witterungsverhältnissen, nur der letzte Schnitt wurde durch zu vielen Regen beeinträchtigt. Jedenfalls hat die Ernte nicht gehalten, was sie versprach. Die Aussaat wird der­jenigen eines Normaljahres vor dem Kriege mindestens gleichgekommen sein, die wirklich verwendbare Warenmenge ist nur unter mittel. Der Tabak ist im Durchschnitt schlecht gepflegt, besonders die Farben lassen zu wünschen übrig. Die Regengüsse im Januar und Februar waren insofern schädlich, als sie die Tabake zum Teil auswuschen, D. h. Den Blättern Saft und Kraft nahmen, während das, Aroma weniger gelitten hat, und der neu£ Tavak, wenn auch reichlich milde, von angenehmem Geschmack und gutem Brand sein soll und demnach den Kenner, der nicht auf die Farbe sieht, immerhin befriedigen kann. Die Mittet- wareüber wiegt; es fehlt an gutem Ijelten Deckmaterial. Viele Tabake sind durch zu große Feuchtigkeit überfermen­tiert, verfault oder stickig; am stärksten zeigt sich dieser! Uebelstand bei den Remediostabaken.

Ende September 1900 schätzte man die Ernte im Ein­zelnen wie folgt: 1. Buelta Abajo: 130000 Ballen, von denen jedoch für Fabrikation und Ausfuhr nicht ganz 80 000 Ballen brauchbarer Tabak verbleiben. Es mangelt an gutem Hellen Deckmaterial und kräftigen kernigen Ta­baken zum Mischen. 2. Semionella und Partido: Gesamternte 70000 Ballen, wovon 20000 Ballen nur zum Schneiden für Zigaretten dienen können. Der Prozentsatz wirklich guter Partidotabake, welche wegen ihres Hellen Deck­materials sehr geschätzt werden, ist sehr gering. 3. Reme­dio s : Gesamternte 170 000 Ballen. Die Remediostabake sind durchschnittlich besser ausgefallen, als die der übrigen Bezirke. Die Decken haben nur mäßigen Marktivert und werden in den Fabriken in Havana nicht verarbeitet, sondern gehen meist nach Deutschland. Die für Deutschland passende leichte Remediosware ist nicht stark vertreten. Während im Jahre zuvor der größte Teil der Ernte von den Pflanzern schon in den Trockenhäusern an Händler und Fabrikanten verkauft wurde, hat sich 1900 nur ein Teil auf gleiche Weise unterbringen lassen, und der Pflanzer war genötigt, wie in früheren Jahren die Aussuchung und Verpackung selbstzu übernehmen. Allein auch für die fertige Ware zeigte "sich bisher nur wenig Nachfrage. Die Tabakbauer find in einer schlimmen Lage. Sie brauchen dringend Geld, um ihren Verpflichtungen nachzukommen, andererseits ist es ihnen bei der Höhe der Erzeugungskosten unmöglich, mit dem jetzt gebotenen Preise ihre Kosten zu decken, namentlich infolge dev bedeutenden Steigerung der Arbeitslöhne, die in früheren Jahren verhältnismäßig gering waren. Auf dem Lande ist die Enttäuschung außerordentlich groß; man arbeitet jetzt auf die Aufhebung des Ausfuhrzolles hin, was nicht aussichtslos zu sein scheint. Auf das Geschäftsleben im all­gemeinen hat Der ungünstige Ausfall der Tabakernte oder vielmehr ihre Unverkäuflichkeit den schlimmsten Einfluß ge­habt. Es ist ein förmlicher Stillstand aller Geschäfte ein­getreten, und manche erklären den Zustand schlimmer als während des Krieges. Die natürliche Folge des schlechte» Ausfalls der Ernte wi»d sein, daß im nächsten Jahre wieder weniger gepflanzt wird, da manche ihr Geld in anderen Unternehmungen anlegen werden und andere ihr kleines Kapital überhaupt verloren haben.

1899 betrug bte Ausfuhr von Havana:

226.286 569 Zigarren.....tm Werte von 11,669,683 Doll.

11,529,668 P-ckete Zigaretten . . 322,181

14,957,368 Psd Blättertabak . . , 8,648 115

308,084 w geschnittener Tabak 163 802

vifemmen 20 803,781 DoU.

Die amtliche Statistik rechnet davon 15(969 011 Doll, auf die Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten von Amerika, während nach den von den Interessenten stammenden Schätzungen nach Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Italien, Rußland 72 Millionen, nach den Vereinigten' Staaten von Amerika 38 einviertel Millionen, nach Großbritannien 64 Millionen und nach Frankreich und Spanien 11 dreiviertel Millionen Stück Zigarren ausgeführt worden sind.

Vermischtes.

* Gegen Prunk nud Feste. Wie verschiebe« preußische Könige über für sie und durch sie veranstaltete prächtige Feierlichkeiten, Feste, Zeremonien, Empfänge, Stadt-

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