zuschließen und unnütze Streitigkeiten bei Seite zu lassen. Alles dies würde dazu beitragen, jedermann zu veranlassen, alles zu fliehen, was einen aufrührerischen und revolutionären Charakter habe, dagegen aber das Recht jedes anderen zu achten, sich seinen Vorgesetzten gegenüber achtungsvoll zu zeigen und praktisches Christentum zu treiben. So werde der soziale Friede an allen Orten wieder zur Ausbreitung gelangen.
Was die zum Schluß empfohlene Ausbreitung des sozialen Friedens betrifft, so verdient der gute Wille des Papstes vollste Anerkennung.
Aus Anlaß seiner Ernennung zum englischen Feldmarschall hat, wie wir bereits mitteilten, zwischen Kaiser Wilhelm und dem Lord v. Salisbury und Earl Roberts ein De- peschenwechsel stattgefunden. Diese Telegramme sind in den Londoner „Central NewS" veröffentlicht. Danach telegraphierte der Kaiser an Lord Salisbury:
„Dir König, mein erlauchter Onkel, verleiht mir den Rang eines FeldmarschallS in seiner Armee und benachrichtigt mich, daß meine Ernennung an meinem Geburtstag, Sonntag, den 27. Januar, oer kündet werden toll. Ich beeile mich, S'e zu benachrichtigen, wie bock meine Wertschätzung eines so fichtbaren Zeichens der Zuneigung Seiner Majestät für mich ist. Ich bin hocherfreut über den Gedanken, dah ch zu den Höchstgestellten in der tapferen Armee Seiner Majestät zählen foll. Wilhelm, I. R.”
Auf dieses Telegramm antwortete der englische Premierminister :
Ich erlaube mir, mit dem allerttefsten Respekt Eurer Majestät meinen Dank für Ihr Telegramm und meine aufrichtigsten Glückwünsche zu Ihrem Geburtstag und zu dem erhabenen Rang eines Feldmarschalls darzubringen, welchen mein erhabener Souverän, der König, sich gefreut hat, Eurer kaiserlichen Majestät zu übertragen. Ich bin überzeugt, daß die Annahme dieser Würde seitens Eurer Majestät allen Klaffen unserer Nation zur leb- Haftesten Genugthuung gereichen wird, die tief gerührt ist durch die Rücksicht und die kindlichen Gefühle, welche in Eurer Majestät gnädigem Besuche bei diesem feierlichen Anlaß zu Tage getreten sind. Salisbury.
An den Feldmarschall Roberts sandte der Kaiser folgende Depesche:
Der König, mein erlauchter Onkel, ernennt mich zum Feldmarschall in der Armee und benachrichtigt mich, daß meine Ernennung an meinem Geburtstag, nächsten Sonntag, 27. Januar, bekannt gemacht werden wird. Indem ich mich beeile, Sie von diesem so deutlichen Zeichen der Zuneigung Seiner Majestät für mich und von meiner tiefen Wertschätzung dieser mir vom König erwiesenen Ehre zu benachrichtigen, freue ich mich, zu wissen, daß ich einer Ihrer Kameraden sein und zu den Höchstgestellten in Seiner Majestät tapferen Armee zählen werde. Wilhelm, R.
DaS Telegramm des Earl Roberts an den Kaiser lautet: habe die Ehre, den Empfang von Eurer Majestät gnädigem Telegramm von gestern zu bestätigen, welches mir die frohe Nachricht gibt, d^ß Seine Majestät König Edward VII. Eurer kaiserlicher Majestät den Rang eines Feldmarschalls in der englischen Armee übertragen hat. Ich möchte bitten, Str, mir zu erlauben, für meine Person und für die A>mee, welche ich die Ehre habe, zu befehligen, unsere herzlichsten und respektvollsten Glückwünsche über diesen B-nnt; der Zuneigung und Wertschätzung unseres S uoeräns bezüglich der großen soldatischen Eigenschaften Emer kaiserlichen Maßfä' aus- «utprechen. Vom Höchsten zum Niedrigsten werden w r stolz sein aut den Gedanken, daß Eure kaiserliche Majestät in Zukunft noch enger mit uns verbunden fein wird als bisher. Die Armee ist doch geehrt, daß der Name Eurer kaiserlichen Majestät unter die Feld marschälle Großbritanniens eingetragen worben ist. Roberts."
Ferner wird auS London gemeldet, daß der deutsche Botschafter Graf Hatzfeld dem Lordmayor em Telegramm übersandte, worin er diesem den wärmsten Dank des Kaisers für den Ausdruck der Sympathie der City von London bei dem schmerzlichen Verlust des Kaisers ausspricht.
Der „Vorwärts" macht folgende unwahrscheinlichen Mitteilungen :
„Die Reise des Kaisers nach England ist, wie erklärlich, aus rein verwandtschaftlichem Gefühl tiefer Teilnahme erfolgt, daß sich aber der Kaiser so plötzlich zur Abreise entschloß, das ist, wie man uns berichtet, auf den dringenden Wunsch des Prinzen von Wales, nunmehrigen König Edward VII., zurückzuführen. Der Prinz von Wales hatte nämlich den begreiflichen Wunsch, vor seiner Thronbesteigung eine private Angelegenheit mit seinem kaiserlichen Neffen in Ordnung zu bringen. Als Kaiser Wil- hzelm I. am 9. März 1888 starb, hinterließer 56 Millionen Mark, die sich bis zum 15. Juni 1888, dem Todestage Friedrichs III. auf 3 2 Millionen vermindert hatten. Die 24 Millionen, die feblten, waren dem Prinzen von Wales, der sich damals in schwierigen finanziellen Verhältnissen befand, geliehen worden. Wie erzählt wird, protestierte zu jener Zeit der Minister des königlichen Hauses, Graf Stolberg, gegen dieses Darlehn, und, da er damit keinen Erfolg hatte, nahm er seinen Abschied. Es ist natürlich, daß der Prinz von Wales in dem Augenblicke, wo er zur Herrschaft gelangen sollte, das Bedürfnis fühlte, diese bisher unerledigte Angelegenheit zu ordnen, und deshalb bat er den deutschen Kaiser, zur persönlichen Regulierung sobald wie möglich nach England zu kommen."
Deutscher Reichstag.
Berlin, 29. Januar.
Die Debatte beim Etat des Reichsamts des Innern, Gehalt des Staatssekretärs, wird fortgesetzt.
Abg. Fürst Bismarck beklagt die unnötige Ausdehnung der Debatte vor einem leeren Hause. Er müsse aber auf Angriffe antworten. Keine Rede werde die Landwirte von ihrer UeberzeUgung abbringen, daß höhere Zölle notwendig seien. Die Mehrheit des Reichstages stehe hinter ihnen. Auch Neuwahlen würden kein anderes Resultat ergeben. Herr v. Heyl hat mitgeteilt, daß er 75 v. H. der amerikanischen Lederzölle zahlen müßte. Wenn Herr v. Siemens meint, der Getreidezoll müßte von Deutschland getragen werden, weil wir das Getreide brauchten, so ist es ebenso sicher, daß das Ausland seinen Ueberschuß an Getreide verkaufen muß. Die Getreidezölle wirken verbilligend auf den Weltmarktpreis.! Mit jener Argumentation des Herrn v. Siemens fallen auch alle von ihm daraus gezogenen Schlüsse. Das Brachland in Preußen beträgt noch jetzt über zwei Millionen Hektar. (Hört, hört! rechts). Daneben muß ich wiederholen, daß die Jntensivität der Wirtschaft bei uns Millionen mehr an Zentnern hervorbringen würde, wenn die Landwirte bei uns die Courage und das Geld hätten, den Grund und Boden entsprechend auszunutzen. (Sehr wahr! rechts.) In keinem Lande giebt es eine größere Landflucht, als in England, das keine Getreidezölle kennt. Lord Rosebery, der Führer der Liberalen, hat in der vorigen Woche seine Besorgnis über die ausgemergelte Fabrikbevölkerung, das Schwinden der kräftigen landwirtschaftlichen Bevölkerung ausgesprochen. Lord Rosebery muß Ihnen auf der Linken doch sehr sympathisch sein; sie sehen aber, daß er sich den freien Blick für die Wirklichkeit bewahrt hat. Möge uns der Himmel bewahren, jemals die wirtschaftlichen Wege zu gehen, die das insulare England gegangen ist! (Sehr richtig! rechts.) Wenn Herr Fischbeck von seinen vortrefflichen Beziehungen zu den altmärkischen Bauern spricht, so wundert mich, daß er sich nicht in der Altmark aufstellen ließ, er hätte ja mit Herrn Himburg und Herrn v. Kröcher konkurrieren können. (Zuruf des Abg. Fischbeck; der Präsident ersucht, den Redner nicht zu unterbrechen.) So lange wir unsere Nationalität haben, müssen wir auch eine nationale Landwirtschaft haben, Vergleiche mit Argentinien und Rußland lassen die wesentlichsten Verschiedenheiten unbeachtet: Klima, Boden, Löhne, Währung und noch manches andere. Erst wenn jemand in der Lage wäre, alle diese Verschiedenheitsfaktoren auszugleichen, wären die Zölle zu entbehren; so lange das nicht geschehen ist, sind sie ein annähernd gerechter Ausgleich. (Beifall rechts.) '
Abg. Dr. Pachnicke (Fr. Vgg.): Es haben die städtischen Behörden von Berlin, München, sowie eine Reihe von Handelskammern gegen die geplante Erhöhung der Getreidezölle Front gemacht, auch die Wissenschaft ist gegen die Zollerhöhung. Der Abg. Singer hat gestern gesprochen von der schwächlichen Haltung des Bürgertums der Getreidezollerhöhung gegenüber und dem gegenüber mit Stolz auf die Mannhaftigkeit und elementare Bewegung der sozialdemokratischen Massen hingewiesen. Nun hat zwar noch der sozialdemokratische Parteitag in Stuttgart die Schutzzollpolitik als unvereinbar mit den Interessen des Volkes bezeichnet, aber demgegenüber sind in den „Sozialistischen Monatsheften" schutzzöllnerische Artikel der sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Schippel und Calwer erschienen, die sich wie ein giftiger Mehlthau auf die Agitation gegen die Getreidezölle legen und jedenfalls die von Smger gekennzeichnete elementare Volksbewegung lähmen müssen. (Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Der Anspruch des Herrn Gamp, in den Bauernverein „Nordost" ausgenommen zu werden, scheint mir nicht ganz begründet. (Lachen rechts.) Man kann niemand in eine Gemeinschaft aufnehmen, der mit wesentlichen Programmpunkten nicht einverstanden ist und das ausdrücklich erklärt. Sollten Sie aber eine Einkehr beabsichtigen, so werden Sie mit offenen Armen ausgenommen. (Heiterkeit rechts.) Bei einem Kleinbesitz bis zu zwei Hektar ist von einem Verkauf von überschüssigem Korn nicht die Rede, bei den Besitzungen von zwei bis fünf Hektar muß immer noch eine Gegenrechknung gemacht werden, die den Profit aus dem Verkauf wieder aufhebt. Der kleine Grundbesitz kommt also bei Getreidezöllen nicht nur nicht auf seine Rechnung, sondern muß eventuell zu den höheren noch zukaufen, wird daher direkt geschädigt.
Abg. Dr. Derlei (kauf.): Nicht alle Handelskammern haben sich gegen die Erhöhung der Getreidezölle ausgesprochen. Ter Handelstag ist nur eine Vertretung des Handels, er bildet den kleinen Drittteil der großen wirtschaftlichen Gruppen. Hier haben in erster Linie gehört zu werden Landwirtschaft und Industrie, und sämtliche landwirtschaftlichen Vertretungen haben sich ausnahmslos für eine wesentliche Erhöhung des Zollschutzes für die Landwirts schäft ausgesprochen (Zustimmung rechts) und von der^ Industrie der große maßgebende Teil in annähernd demse Sinne. Auch die Wissenschaft ist nicht vollständig ans Ihrer (nach links) Seite. Professor Oldenburg hat z. B. auf Die
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Nr 26 Blatt Donnerstag den 31. Januar 151. Jahrgang 1901
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erlln, 28. Januar.
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Amtlicher Wl.
Gießen, 25. Januar 1901.
8Ur.: Die Auszahlung der Gehalte der BolkSschnllehrer und der Staatszuschüsse zu den Lehrergehalteu.
Die Großh. Kreisschulkommisfion Gießen
•n die Schulvorstände und Bürgermeistereien des Kreises.
von nachstehender Verfügung der obersten Schulbehörde geben wir Ihnen zur Bedeutung der Lehrer und Gemeinde rechner Kenntnis.
v. Bechtold.
Darmstadt, 16. Januar 1901.
Betr.: Wie oben.
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an die Grostherzogl. Kreis Schulkommisstoneu.
Wir setzen Sie davon in Kenntnis, daß Großherzogl. Ministerium des Innern die Großh. Hauptstaatskasse an gewiesen hat, die Dienstzulagen der Lehrer und Lehrerinnen an den Volksschulen, sowie die Zuschüsse an Gemeinden zur Aufbringung der Lehrergehalte vom 1. April 1901 an in Monatsraten im voraus zur Auszahlung zu bringen.
Sie wollen die Lehrer und Lehrerinnen, sowie die Bürgermeistereien der StaatSzuschuß empfangenden Gemeinden hiervon in Kenntnis setzen lassen.
Eis e n h ut.
Weisel.
Bekanntmachung.
Betr.: Abhaltung landw. Borträge.
Am Sonntag, 3. Februar dss. IS. nachmittags 3</, Uhr wird Herr Landwirtschaftslehrer Reichelt von Alsfeld im Saale des Daniel Erb II. zu Wieseck einen Vortrag über die Anwendung künstlicher Düngemittel halten. Ich lade dazu jedermann, der sich dafür interessiert, ein. Die Herren Bürgermeister von Wieseck und der Nachbarorte ersuche ich um Bekanntmachung im Orte.
Gießen, den 29. Januar 1901.
Der Direktor des landwirtschaftlichen Bezirksvereins.
v. Bechtold.
Politische TagesschM.
Die mit dem Datum vom 18. Januar 1901 bezeichnete tz«cyclica deS Papstes über die christliche Demokratie ist am SamSlag in Rom veröffentlicht worden. Sie umfaßt 20 Druckseiten. Der Papst erinnert zunächst an seine früheren, der sozialen Frage gewidmeten Encyklien „Quod apostoli mnneris“ und „Berum novarum* und hebt hervor, wie auf Grund jener Encyklien die Katholiken ihre ganze Thätig leit dem sozialen Werke gewidmet hätten, um dem Arbeiter stände aufzuhelfen. Dann beschäftigt sich die Encyklica, nach dem sie die Bezeichnung „christlicher Sozialismus" als nicht richtig zurückgewiesen, mit dem Unterschiede zwischen dem „Sozialismus" und der „christlichen Demokratie". Der Sozialismus befaffe sich nur mit materiellen Gütern und wolle vollständige Gütergleichheit und Gütergemeinschaft Herstellen, während die christliche Demokratie die Vorschriften des göttlichen Gesetzes achte und bei ihrem Bestreben, eine materielle Befferung herbeizuführen, auch das geistige Wohl der Völker im Auge habe. Ebenso wenig dürfe man die christliche Demokratie mit der politischen verwechseln. Denn die erstere könne und müsse wie die Kirche unter den verschiedensten politischen Regierungsformen fortbestehen, sie müsse auch die gesetzmäßige bürgerliche Autorität achten. So verstanden, habe die Bezeichnung „christliche Demokratie" nichts an sich, was irgend Jemand abstoßen könne. Der Papst ermutigt sodann den Eifer und die Thätigkeit der Katholiken, die sich diesem in höchstem Maße nützlichen Werke widmen, und lobt das Spenden von Almosen, das nicht, wie die Sozialisten meinten, eine Beleidigung der Armen sei, sondern dazu diene, die Bande der christlichen Liebe innerhalb der menschlichen Gesellschaft enger zu gestalten.
Zum Schluß ermahnt der Papst die Katholiken, sich diese Grundsätze zu eigen zu machen und sich einig zusammen-


