ticfjen Telegraphenbureaus Nachrichten vom Kriege in die Welt hinaussenden — sie mögen guten Grund zum Schweigen haben —, um so mehr wird von englischen Ministern und solchen, die es werden wollen, geredet. Außer Chamberlain hat Herr Miln er wieder einmal geredet. Er führte aus, das Ziel der Wünsche aller sei ein glückliches und gedeihlich voranschreitendes Südafrika und eine große Gemeinschaft unter englischer Flagge; aber man möge damit nicht recbnen, daß es Plötzlich erreicht würde. Selbst der Beste und Weiseste könnte der großen Tugend der Geduld nicht entraten; hiermit meine er aber nicht ein hilfloses Zusehen, wenn die Dinge schief gehen sollten. — Campbell Banner mann hielt in Stirling anläßlich einer liberalen Kundgebung eine Rede, die größtenteils eine abfällige Kritik des Krieges enthielt. Der Krieg, so bemerkte der Redner/ schwäche das britische Reich in allen Weltteilen, und die Ursache seines langsamen Verlaufes fei, daß die Politik der Regierung sowohl während des Krieges, wie während der Verhandlungen, die diesem vorangingen, gründlich falsch war. Die Regierung habe durchweg einen beklagenswerten Mangel an Umsicht bekundet, und gewisse Methoden der englischen Kriegführung müßten als barbarisch bezeichnet werden. Der Krieg müsse „natürlich" energisch fortgesetzt werden, bis er einen erfolgreichen Abschluß gefunden habe, aber dann müßten versöhnliche Methoden angewendet werden in der Behandlung jener, die künftighin britische Unterthanen werden müssen. „Unser Zweck sollte die Zufriedenstellung Südafrikas unter der Vormacht Großbritanniens fein. Wir müssen tapfere Gegner in gute Freunde verwandeln, aber unser Ministerium macht durch seine Politik dies unmöglich."
Die Bank von England hat ihrer Filiale in Johannesburg Anweisung erteilt, kein von irgendwelchem .Hilfs- Komitee auf dem Festlande von Europa zur Auszahlung an bedürftige Frauen und Kinder etwa gesandte Wechsel zu honorieren, es sei denn, daß die Militär-Behörde konstatiert hat, daß dieses Geld nicht solchen Frauen zu Gute komme, deren Männer noch im Felde stehen. — Auch ein Zeichen außevordentlicher Humanität!
Zwei irische Abgeordnete sind nach den Vereinigten Staaten abgereist. <sne wollen dort u. a* auch Geldsammlungen für die Buren organisieren. Das Erträgnis dieser Sammlungen soll dazu dienen, die englische Politik zu bekämpfen.
Die Vertreter der Amsterdamer Dockarbeiter wurden von den Dockarbeitern in der französischen Hafenstadt Havre begeistert empfangen. Es steht außer Zweifel, daß die französischen Hafenarbeiter der Boykott-Bewegung gegen die englischen Frachtschiffe beitreten werden. Die Kopenhagener Dockarbeiter haben sich der Bewegung ebenfalls angeschlossen und bereits einen diesbezüglichen Ausschuß ernannt.
In der französischen Kammer wird der nationalistische Abg. Berry demnächst folgenden Antrag einbringen: Die Kammer ersucht die Regierung, im Einvernehmen mit den anderen Mächten die notwendigen Maßregeln zu erwägen, um England zu veranlassen, Frauen, Kinder und Greise nicht länger in den Konzentrationslagern in Südafrika zu lassen, sondern diese auf neutralisiertem und gesundem Gebiet unterzubringen.
Bei der Eröffnung des ungarischen Reichstages erklärte der Alterspräsident Madarasz mit einer Anspielung auf die Buren, es sei bedauerlich, daß beim Beginn des 20. Jahrhunderts die Menschenrechte noch nicht überall Geltung haben, und ein Kampf möglich sei, in welchem der Stärkere die Rechte des Schwächeren mit Füßen trete. Solches sollte nicht vorkommen dürfen.
Hm Aurenörief.
Nachstehender Brief eines BurenLommandanten an einen anderen macht zur Zeit die Runde durch die englischen Zeitungen Südafrikas. Dieser Brief, von dem nicht angegeben wurde, auf welche Weise er abgefangen wurde, ist charakteristisch für die Ausdauer, Bibelsestigkeit und Schlauheit der Buren. Sollte er nicht authentisch sein, so ist er doch gut erfunden und verdient — als Zeitbild — auch in Deutschland gelesen zu werden. B. B.—S.
Das Laager Vlaakhock. Montag, Z. A. R. Mein lieber Kommandant Marais!
; Hoffentlich trifft Dich dieses Schireiben durch Gottes Güte bei ebenso guter Gesundheit, wie ich und meine braven Kameraden sie genießen, trotz unserer Furcht vor den Barbaren, den Engländern. Diese haben das Land mit Blut getränkt und die Hölle losgelassen, indem sie ihre Brüder Buren hinschlachsten. Persönlich nenne ich die Eng-
liche Dramen und eine Auswahl seiner Gedichte; außerdem die beiden einzigen Erzählungen Grlllparzers, Das Kloster bei Sendomir und Der arme Spielmann, sowie eine Auswahl seiner vermischten Schriften und die Selbst-Biographie des Dichters. Diese Ausgabe bietet also alles, was Grillparzer Hervorragendes geschaffen hat und giebt ein vollständiges Bild seines Lebens und Wirkens. Heinrich Laubes Einleitung und dessen Nachworte zu den Dramen sind beigegeben. Es steht zu hoffen, daß durch die Veranstaltung dieser billigen Ausgabe die unsterblichen Schöpfungen Grlllparzers immer mehr Gemeingut des deutschen Volkes werden, und die Verehrung des Dichters in immer wellere Kreise getragen werde.
Dr. Ernst Müller, Amtsrichter, Mitglied des deutschen Reichstages für Meiningen, „Das deutsche Urheber- und Verlagsrecht. 4. Lieferung. (Schluß des 1. Bandes.) München, I. Schweitzer Verlag (Arthur Sellier). Mk. 2.—. Nunmehr liegt der erste Band des Werkes mit 427 Sellen vollständig vor. Preis drosch. Mk. 7. Mit rein theoretisch-abstrakten, dogmatischen wie historischen Erörterungen giebt sich der Verfasser nur soweit ab, als es unbedingt nötig ist. Das Hauptgewicht legt er auf die Auslegung. Der Müllersche Kommentar ist wohl der umfangreichste und eingehendste der bisher über das Urheberrecht erschienenen Werke. Der Verfasser bietet ein für den Juristen wie Schriftsteller und Verleger praktisch höchst wertvolles, fast erschöpfendes Werk zur Auslegung der konkreten Gesetze und internationalen Verträge; au letztere legt er in dankenswerter Weise hervorragendes Gewicht. Dr. Müller hat als Mitglied der Reichstagskommission, der Sub- und Redaktionskommissionen bei den Verhandlungen und Beratungen dieser Gesetze in hervorragender Weife Anteil genommen und ist auch sonst, wie aus den Reichstagsdebatten bekannt, mit den künstlerischM und lllterarischen Fragen sehr vertraut. Eminente Beherrschung und Durcharbeitung der ganzen Materie, schärfste Begriffsbestimmung, übersichtliche, erschöpfende und doch kurze und präzise Fassung der Erläuterungen haben sich vereinigt, um einen ausgezeichneten Kommentar zu schaffen.
länder nicht meine Brüder, sondern Diebe und blutige Ungeheuer.
Es wird Dich freuen, zu hören, daß, wir in letzter Woche 60 Feinde getötet haben. Es wären nicht ganz so viel gewesen, wenn nicht Piet van Heerden in Barm- herzigkell einige schwerverwundete Gefangene erschossen hätte, um ihre Quellen zu enden. Sie konnten nicht weiter leben.
Ich hatte einen Brief von Louis Botha aus Ermelo. Er sagt, wir müssen bis zum letzten Manne fechten und o lange der letzte Mann noch ein Gewehr halten kann. Falls wir in die Enge getrieben werden, so müssen wir um einen Waffenstillstand einlommen, angeblich, um Friedensunterhandlungen einzuleiten. Dies sei — so sagt Botha — eine viel bessere Art, Zeit zu gewinnen, als um 24 Stunden Waffenruhe zu bitten, angeblich um unsere Toten zu begraben.
Wir alle sind entschlossen, für unser geliebtes Vaterland zu sterben, doch das Herz der Buren schreit zum Himmel: „Wie lange, wie lauge noch, o Herr! Wie lange werden die Barbaren an den Thoren der Auserwählten Gottes sitzen! Wie lange werden sie iroch Feuer und Schwert durch das Land Israels tragen?!"
In meinem letzten Briefe vergaß ich Dir zu sagten, daß wir in der Nähe von Geneva einen Ambulanzzug in die Lust gesprengt haben. Andries, der Sohn Deines Bruders hat sich dabei hervorgethan. Andries ist die Seele des Lagers. Er ist überall und immer fidel. Er kleidet sich oftmals in Khaki-Uniform und reitet dann bis zum nächsten Vorposten des Feindes. Trifft er ihn einzeln an, so schießt er ihn nieder und bringt die Stiefel mit nach dem Lager. Er hat schon eine ganze Sammlung Stiefel. Du brauchst Dich übrigens über Deinen Neffen nicht zu ängstigen. Denn, wenn die Engländer einen Buren gefangen nehmen, der Khaki-Uniform trägt, so fragen sie ihn, warum er so belleidet ist. Und denn braucht man nur zu sagen, daß man nichts anderes anzuziehen habe, denn die eigenen Kleider seien Lumpen geworden. Der Offizier agt dann meist: „Armer Teufel!" und rapportiert seinem Vorgesetzten, daß die Buren weder Kleider noch Munition mehr haben, und jeden Augenblick kapitulieren können. Dir brauche ich nicht erst zu sagen, daß wir sowohl Kleidung wie Munition in Fülle haben, nur der Tabak geht zur Neige.
Letzten Sonntag hörten wir eine schöne Predigt: „Die Erde ist des Herrn und auch die Fülle der Erde." Der sZastor sagte, der Allmächtige wlll, daß der Mensch von dem ebe, was die Erde erzeugt, und daß die Menschen, die auf >em Lande leben, die Auserkorenen sind. Die Engländer eben in Städten, die Buren auf Farmstätten, — die Eng- ! änber von Raub und Diebstahl, wir von den Früchten der Erde, welche Gott erschaffen. Es war eine schöne Predigt, nur machte sie nicht auf alle Zuhörer gleichen Eindruck. Viele sind Ochsenzüchter und haben niemals Mais gebaut.
Da ich von den Schätzen der Erde spreche, muß ich Dir noch sagen, daß ich das Dynamit nicht gesunden habe, welches in dem Distrikt vergraben sein soll. Aber ich fand ein Maximgeschütz, doch war es so verrostet, daß ich es dem Feinde überließ, der uns folgte. Der Feind verkündete darauf der Welt, ein Geschütz erbeutet zu haben. Great Victory!
Trifsst Du auf vereinzelte Feinde, schieß sie nicht gleich tot, nimm nur ihre Pferde und Waffen und laß sie laufen. Sie bekommen bann neue Pferbe und Waffen, unb ich habe neue Waffen nötig.
Nun zoolang Bruder Morais! Denke daran, daß, wie die Amoriten vor Gideon geschlagen wurden, so werden /nufere Unterdrücker von dem Herrn Goll geschlagen werden Dein Freund
Piet Hoffmann, Kommandant.
Aus Stadt und Land.
-rachrichteu von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werben augemcfferr honoriert.
Gießen, 29. Oktober 1901.
Lü. Von der Landesuuiversität. In unsere gestrige Mitteilung, daß der Privatdozent Dr. E. Leu tert in Königsberg den Ruf an unsere Landesuniversität angenommen hat, hat sich ein Druckfehler eingeschlichen. Dr. E. Leutell wird seine Thätigkeit hier nicht im Laufe „der nächsten Monate", andern im Laufe „des nächsten Monats" beginnen.
** Mitglieder des Schulvorstandes aus der Lehrerschaft. Bisher war die Lehrerfchaft in den Gemeinden mit mehr als vier Volksschulklaffen im Sinne des Schulgesetzes mit zwei Lehrern im Schulvorstande vellreten. War aber in solchen Gemeinden ein Oberlehrer ernannt, so trat dieser allein in den Schulvorstand ein. Die Lehrerschaft war also in diesem Falle, zumal der Oberlehrer doch nur eine Stimme im Schulvorstande abgeben konnte, entschieden im Nachtell. Die Großh. Ministerialaltteilung für Schulangelegenheiten ha darum jetzt die Anordnung getroffen, daß in allen Gemeinden mit mehr als vier Schulklassen und nur einem Oberlehrer auch der dem Oberlehrer im Dienstalter am nächsten stehende Lehrer als Mitglied des Schulvorstandes zu erachten sei. Den Wünschen des Lehrerstandes ist damll höheren Olles nunmehr entsprochen worden.
** 2)cr ärztliche Landesvereiu für das Großherzogtum Heffcn hat durch Medizinalrat Dr. Krug eine Denkschrift über das Krankenkassenwesen im Lande ausarbeiten lassen. Es werden für die Reform des Krankenkassengesetzes die folgenden Vorschläge gemacht: 1. Es sollte die Bildung
zu kleineren Kassen gemieden werden und es sollen nur größere, auf den Kreis oder selbst auf die Provinz ausgedehnte Krankenkafsen eröffnet werden, weil auf solche größere Verbände einzelne schwere Erkrankungen der Mitglieder weniger verhängnisvoll einwirken als auf kleinere Verbände. 2. Bei den Krankenkassen überhaupt, besonders aber bei den Landkrankenkaffen, sollte die Feststellung beS durchschnittlichen Tagelohnes den thatsächlichen Verhältnissen entsprechend statt- ftnden. 3. Würde diese Maßregel nicht ausreichen, die Kasse in Stand zu setzen, ihren Verbindlichkeiten ordenllich nachzukommen, so müßten die Betträge von 1 und 1,57 v. H. auf 2 v. H. und nötigenfalls noch mehr erhöht werden. 4. Es müßte strenge darüber gewacht werden, daß die zum Ein- tlltte in die Kaffen verpflichteten Personen ihnen auch wirllich beitreten. Es sollte möglichst auf die Errichtung von Kreis- krankenhäusern hingewillt werden, in denen Schwerkranke, namentlich aus solchen Ollen, wo es an ärztlicher Hilfe und in der Regel auch an sonstigen Einrichtungen für eine geordnete Krankelipflcge mangelt, untergebracht werden tonnten. 6. Innerhalb der Krankenkaffenbezirke sollte freie Aerztewahl
unter allen im Bezirke verkehrenden und zur Annahme der Vellräge gewillten Aerzten gewährt werden. 7. Die Verträge mit den Kassen sollten unter Mitwirkung der staatlich anerkannten ärztlichen Kreisvereine abgeschlossen werden. 8. Zur Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Kaffen und Aerzten ollten Schiedsgerichte eingesetzt werden, in denen die Aerzte- vereine in der gleichen Stärke vertreten sind, wie die Kassen. 9. Es sollten überhaiipt zeitweilige Besprechungen der gemein» samcii Angelegenheiten zwischen Vertretern der Kassen unb, des Aerzlestandes stattfinden. 10. Es sollte kein Kassen- Üatut genehmigt werden, welches auf eine Erweiterung der Leistungen abzielt, bevor nicht der Reservefonds in notier; Höhe angesammelt ist, mit den Aerzten ein Abkommen geschlossen ist, das die Billigung der Standesoellretung erlangt hat, und bevor nicht wenigstens die Wahrscheinlichkeit nach- gewiesen ist, daß mit den Mitteln der Kasse die beabsichtigte Mehrleistung ailch durchführbar ist.,,
•* Aus d:m Theaierbureau. Hermann Hersch's historisches Lustspiel „Die A n n a - L i s e" oder „Des alten Dessauers erste Liebe" geht Mittwoch als dritte volks-| tümliche Vorstellung zu kleinen Preisen in Szene. Für! kommende Woche steht Jaffe's hier noch nicht aufgefühlles! Schauspiel „Das Bild des Signorelli", welches seiner Zeit u. a. im Darmstädter Hoftheater einen stallen Erfolg erzielte, auf dem Spielplan. Als nächste Novttät ist Alfred Capus' erfolgreicher Schwank „Leontinens Ehemänner" in Aussicht genommen. Björnson's berühmtes Schauspiel „Neber unsere Kraft" (Teil 1 und 2) soll auch noch im Laufe des November zur Aufführung gelangen.
** Techniker als Bürgermeister. Die Fälle mehren sich, in denen Stadtgemeinden, in der Erkenntnis, daß höchst! wichtige Aufgaben der Städte auf technisch-wirtschaftlichem; Gebiet liegen, bei der Besetzung der Bürgermeisterstellen oon; der ausschließlichen Bevorzugung der Juristen Abstand nehmen. Nicht nur bei uns in Gießen vertlltt man diese von allerbesten Erfolgen begleitete Ueberzeugung, daß technisch gebildete Beamte an die Spitze der städtischen Verwaltung ge--, hören. Auch die Stadt Mainz hat bei Ausschreibung der Stelle eines zweiten Bürgermeisters die Bewerbung oon, Technikern gestattet. Und neuerdings hat in Fürth die Stadtverordnetenversammlung im Gegensatz zum Magistrat zur Be-; Werbung um die erledigte Bürgermeisterstelle nicht nur Juristen, sondern auch Techniker und Volkswillschastler zugelassen.
in. Groß Karben, 27. Okt. Gestern mittag wurde der, hier wohnhafte, nahezu 8Ojähllge Auszügler Wiesenbach in der nahe unserem Olle gelegenen „Sandgrube" durch Geröll verschüttet. Der Verunglückte war damit beschäftigt, einem Knechte, der Kies auf seinen Wagen lud, diesen zuzuschöpfen, als sich plötzlich von der neben dem Standorte W.s sich erhebenden Kalksteinwand eine Masse von etwa zwei Kubikmeter Inhalt loslöste, auf den Nichtsahnenden heruntersauste und ihn vor den Augen des Knechts i begrub. Durch die sofort aufgenommenen Rettungsarbetten konnte zwar nach etwa einer Stunde W.s Körper völlig zu Tage gefördert werden, doch war durch die Schwere des auf; ihn gestürzten Gesteins und infolge Erstickung der Tod offenbar alsbald nach dem Unfall eingetreten. Wiesenbach war trotz seines hohen Alters noch sehr rüstig und arbeitsam. — Der seit etwa 14 Tagen vermißte G. Beck von hier wurde f gestern in der Nidda liegend unterhalb der Niddabrücke als Leiche aufgefunden. Der Verstorbene, der hier sehr beliebt war, sollte zum Militärdienst einrücken und besuchte deshalb nochmals seine auswärtigen Verwandten. Nach der, Rückkunft kehlle er in einer nahe der Station gelegenen Willschaft ein und wollte sich gegen Mitternacht nach Hause begeben. Bei der herrschenden Dunkelhett und wohl auch infolge Trunkenheit verfehtte B. offenbar den Weg, kam zum> Niddaufer und stürzte in den Bach.
+ Aus dem Vogelsberg, 27. Okt. Zu unserer Notiz Nr. 252 über die Seltenheit des Totenkopfes und dessen; massenhaftes Auftreten in diesem Jahre sowohl als Insekt, als auch im Puppenzustand erhalten wir von einem Freunde! unseres Blattes noch folgende interessante Mitteilungen übet] das Wesen dieses Tierchens: Den Totenkopf müssen wir wohl, als einen Ueberreft früherer Zeiten ansehn, der, wie mannigfaltige Versuche bewiesen, bei uns keine neue Generation er-; zeugt, da die Puppe während des Ueberwinterns zu Grundel geht. Wir müssen vielmehr annehmen, daß die Mütter des neuen Geschlechts aus südlicheren Gegenden einwandern, wozu, sie die Ställe ihres Baues und die Flugkraft wohl fähig macht, weshalb wir auch den Nachtfalter, je weiter wir nach Norden gehen, in desto geringerer Zahl finden. Ein Bruder> des Totenkopfes, der Windenschwärmer, war in diesem Jahre ein vielgefundenes Sonnenkind. Maffenhaft traf man seine Puppe unter der Erde. Keine Pttppe hat eine so auffallende Rüffel- oder Zungenscheide wie die des Windenschwärmers. Ueberhaupt sind fast sämttiche Tette des Schmettellings an der Puppe bemerkbar. Diese liefell den Schwärmer noch im Herbst ober nach der Ueberwinterung im Mai des folgenden Jahres.
b. Mainz, 27. Okt. Bauunternehmer Görz läßt hinter der Konservenfabrik an der Wallstraße einen Neubau auf» führen, der schon bis zum zweiten Stockwell gediehen ist. Sett einigen Tagen bemerkten die Arbeiter, daß der dahinter liegende hohe Wall bedeutende Risse aufwies, infolgedessen nur mit der größten Aufmerksamkeit gearbeitet wurde. Am Samstagnachmittag wurde wahrgenommen, daß der schwere Letteboden hinter dem Fundament ins Rutschen kam, worauf sämtliche Arbetter den Bau verließen und sich auf der Straße aufstellten. Nach und nach stürzte gegen 5 Uhr der Bau durch die nachrutschende Erdmasse stückweise in sich zusammen. Der schwere Letteboden zeigte ungeheure Sprünge und Riffe und kann bei den Aufräumungsarbetten nur mit der größten Vorsicht verfahren werden. Das verwendete Material bei dem Neubau war von guter Beschaffenheit. Auch bei dem Bau der Konservenfabrik entstanden f. Z. Rutschungen des Erdreichs. — Eine erfreuliche Mitteilung kann das „Mainzer Tageblatt" den Gläubigern des von hier verschwundenen Terazzo-Unternehmers Mion machen. Wie man dem Blatt von vertrauenswürdiger Sette versichell, werden sämtliche Gläubiger nach Felligstellung des Neubaues, also in aller Kürze, vollständig befriedigt werden, da die Paffwa die Attiva keineswegs überfteigen.
b- Mainz, 27. Okt. Mit dem heutigen Tage wurde der Vellehr der Nebenbahnstrecke Simmern-Castellaun für


