die Beförderung von Personen, Gütern re. eröffnet. Die neu eröffnete Bahnstrecke ist normalspurig und hat eine Länge von 15.10 Kilometer. Die Stationen der Strecke sind Cülz, Alterkülze und Castellaun. Leider ereignete sich schon am Eröffnungstage ein schwerer Unglücksfall. Dem Zugführer Zangerle von Bingerbrück wurden vom Festzuge beide Beine abgefahren.
Mainz, 28. Okt. Vom 1- Januar k. Js. ab soll hier die Erwerbung des Bürgerrechts unentgeltlrch erfolgen. Für Reichsinländer war die Erhebung von |og. Einzugsgeld bei Erwerbung des Ortsbürgerrechts bereits vor einigen Jahren aufgehoben worden, nun soll auch das Einzugsgeld in gleichem Falle bei Reichsausländern nicht mehr erhoben werden. Die seither erhobene Summe betrug 200 Mk. — Auf die bei der hiesigen Handelskammer vor- aebrachten Beschwerden, daß von verschiedenen auswärtigen Weinversteigerern, die in Mainz ihre Versteigerungen ab- aehalten haben, eine Wandergewerbesteuer erhoben worden sei, war die Kammer mit den zuständigen Steuerbehörden in Verbindung getreten. Wie sie nunmehr von dem Großh. kommissariat benachrichtigt wurde, hat das Ministerium bestimmt, daß Weinversteigerungen, wenn sie in der in Rheinhessen üblichen Weise regelmäßig unter Mitwirkung von Notaren usw. abgehalten werden, nicht zu den wanderlager- steuervflichtigen Veräußerungen im Sinne des Art. 9, letzter Absatz, des Gesetzes vom 22. Dezember 1900 zu rechnen sind und daher von der Steuer für Wanderlager befreit bleiben. , r .. .
ru. Alzey, 22.Okt. Die alte Schloßruine, die sogen. „Alzeyer Burg", soll teilweise wieder ausgebaut und zu staatlichen Bureaux, zur Unterbringung des Amtsgerichts u. s. w. verwendet werden. Die Burg wurde urkundlich schon um das Jahr 1070 erwähnt, etwa hundert Jahre später kam sie in den Besitz der Pfalzgrafen bei Rhein, die über sechs Jahrhunderte Besitzer der Burg waren. Als die Franzosen 1689 in Alzey einrückten, wurden die Stadt und die Burg ein Opfex der Flammen. Von der Burg blieben nur die Um- -fafsungsmauern stehen.
Homburg, 26. Okt. Bei den Ausgrabungen an der Saalburg wurde unterhalb der Usinger Chaussee ein Keller bloßgelegt. In demselben wurden zwei sehr gut erhaltene Amphoren, 80 Centimeter hoch und 55 Zentimeter im Durchmesser, gefunden.
- Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Ortsgewerbeverein zu Viernheim nahm nach einem Vortrage des Redakteurs Dr. Brüß-Hanau eine Resolution gegen jede Zollerhöhung und für langfristige Handelsverträge an. — Der frühere Reichstagsabgeordnete Leopold Sonnemann, Herausgeber der „Frankfurter Zeitung", begeht heute (29. Okt.) den 70. Geburtstag. Sonnemann gehört bekanntlich zu den Führern der süddeutschen Volkspartei. Er hat sich auch litterarisch und wissenschaftlich eifrig bethätigt. Hervorragend ist seine Beteiligung als Stadtverordneter am kommunalen Leben von Frankfuä. — An der Bürgeler Grenze bei Offenbach wurde im Main eine männliche Leiche geländet und als die des seit einigen Tagen von hier verschwundenen Kellners Fritz Koch agnosziert. Ob Selbstmord oder ein Verbrechen vorliegt, konnte noch nicht festgestellt werden. —
Dm feinsten Kaffee
machen Sie, wenn Sie ats Zusatz eine Kleinigkeit von der sehr ergiebigen Liude'scheu Essenz nehmen. Ueberall zu haben!
Gerichtssaal.
— Ein interessantes gerichtliches Urteil gegen den Eiscubahnfiskus scheint uns von so prinzipielle r Bedeutung, daß wir uns trotz des äußerst geringfügigen Streltolyektes nicht versagen können, den Fall zur Kenntnis der weiteren OeffentlichkeU zu bringen. Es handelt sich hierbei um die oft beklagte, leidige Ueberfüllung der Wagenabteile. Der Sachverhalt ist folgender: 21m Hiinrnelsahrtstage löste auf dem Bahnhof Friedrichstraße in Berlin der Justizrat Wagner zwei Fahrkarten nach Potsdam und bestieg mit seiner Gattin einen Wagenabteil zweiter Klasse in dem Zuge, der morgens 7 Uhr 45 Min. vom Bahnhof abgeht, in dem Abteil befanden sich noch zwei andere Personen. In Charlottenburg kamen zwei Herren dazu, sodaß der für sechs Personen bestimmte Abteil vollständig besetzt war. Kurz vor Ab- qanq des Zuges bestiegen noch 15 (!) Personen dasselbe Abteil, obwohl sie nicht Fahrkarten der zweiten Klafse hatten. In dem Abteil befanden sich nunmehr dicht gedrängt einundzwanzig
Personen. Der Justizrat Wagner machte fernen^Wrder^ruch gegen eine derartige Ueberfullung sowohl bei dem Bahnhossvor- Iteher in Charlottenburg als auch spater m Grünewald geltend. Mer ohne Erfolg. Tie B e a m t e n machten nicht den geringsten Versuch zur Abhilfe, sie schienen vielmehr die Ein pferch ung der Reisend en als ettvas S e l b st o er st a n d l i ch es anzujchen. Erst in Wannsee verließen die meisten Personen den Wagen. Der Justizrat Wagner erhob in der Atemung, daß ein Reisender, der den vollen Fährpreis zahtt, auch eme entsprechende ßetftung bei Eisenbahn verlangen kann, Klaae gegen den Eisenbahnsiskus und verlangte die Rückzahlung des Preises zweier Fahrkarten für die Strecke von Charlottenburg bis Wannsee nut 80 Pfennigen, oder doch, da er ja thatsächlich bis Potsdam gefahren war, den Unterschied des Preises sür die Fahrkarten der Zwecken Wagenklasse und der b i l l i g st e n Personentransportpreise, der Militärsahv- karte, mit 60 Pfennig. Diesem zweiten Anträge hctt das Berliner 2lmtsgericht > stattgegeben und den Fiskus zur Zahlung v o n 60 Pfennig en v erur teilt.
Zpirlplan der vereinigten Frankfurter StadUheater. Opernhaus.
Mittwoch den 30. Okt.*) „Der fliegende Holländer". Donnerstag den 31. Okt. „Tie Hugenotten". Freitag, den 1. Nvoember. Geschlossen. Samstag, den 2. November. „Die Regimentstochter". Hierauf: Phantasien im Bremer Ratskeller". Sonntaa. den 3. November, nachmittags 31/, Uhr. „Mamsell Angot". Abends 7 Uhr, „Lohengrin". . . ,
Schau,prethaus.
Mittwoch den 30. Okt/) „Tie rote Robe". Donnerstag dem 31. Okt., abends Uhr. „Das Glück". Freitaa den 1. November, Wie die Blättert Samstag den 2. November. „Mu Seid"., hierauf „Fritzchen", zum Schluß „Abschied vom Regiment". Sonntag , den 3. Novenwer. 31/, Uhr. .Das Glück", 7 Uhr „Die Grillet Montag den 4. November. „Flachsmann als Erzieher."
♦) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.
Die Landtagsabgeordeeten Molthan, v. Brentano und! Horn haben bei der Zweiten Ständekammer die Wetterführung der Bahn Darmstadt—Groß-Zimmern über Groß-> Umstadt durch das Bachgau nach Aschaffenburg beantragt. — Die Verhaftung eines Arztes ist, wie man aus^ Zürich meldet, dort auf Requisition der Staatsanwaltschaft in Frankfurt a. M. erfolgt. Es handelt sich um den Arzt br. med. Gutmann, der bereits 1896 von der Strafkammer des Berliner Landgerichts I wegen Urkundenfälschung zu einer längeren Gefängnisstrafe verurtettt wurde. Gutmann hatte damals gegen Honorar wiffentlich falsche ärztliche Atteste ausgestellt. Gutmann, der sich im Jahre 1897, in das Ausland begeben hatte, wird beschuldigt, in Wien und später auch m Frank- urt a. M. Betrügereien in Höhe von mehr als 10 000 Mk. vollführt zu haben.
vermischtes.
* Thorn, 28. Okt. Großes Aufsehen erregt hier die Verhaftung des Zahnarztes Dr denk. surg- Grün, welche auf Anordnung der Staatsanwaltschaft durch den Polizei-Inspektor erfolgte. Grün wird beschuldigt, sich gegen ein Dienstmädchen des Kreis-Tierarztes Matzker, welches sich zu ihm in Behandlung begeben hatte, wahrend der Narkose sexuell vergangen zu haben. Dem Angebot des Angeschuldigten, ihn gegen eme Kaution von 70000 Mk. freizulassen, wurde nicht entsprochen. .
* Brixen, 28. Okt. Das tausendjährige Bestehen Brixens wurde gestern glänzend gefeiert Rach dem Pontifikalamt im Dom bewegte sich ein historischer Festzug durch die Straßen. Mends fand em Festmahl statt, nachts wurden die umliegenden Höhen prächtig beleuchtet. Als Vertreter des Kaisers wohnte Erzherzog Eugen der Feier bet t c _
♦ Lemberg, 28. Okt. Der Kommandant der 30- Infanterie-Division Feldmarschall-Leutnant Pino von Friedenthal stürzte bei einem Spazierrit vom Pferde und wurde schwer verletzt. _ , „ , 3 ..
* Brüssel, 28. Okt. Nach dem „Soir" kam es gestern zwischen Soldaten des bei Mecheln gelegenen Forts Wälhem und Einwohnern der Ortschaft Wälhem zu einem heftigen Zusammenstoß. Mit Spaten und Heugabeln bewaffnete Bauern trieben die Soldaten zurück. Drei Soldaten wurden getötet.
AitrerarlMe Neuerscheinungen.
(Besprechung Vorbehalten.)
Deutsche Kunst undDekoration. V,Heft2.Künstlerkolonie Darmstadt, Hans Christiansen. Darmstadt, Mex. Koch. 2.50 Mk. ~ t
Die Gesellschaft. 2. Oktoberbeft. (Enthalt u. o.: Freder, Ein Bolkstheater für Frankfurt.) Dresden, E. Pierson. 75 Pfg.
Heyer man s, Hermann, Die Hoffnung (Op hoop van zogen).
Ein Seestück in 4 Akten. Einzige autorisierte Uebersetzung. D^ttsch von Franziska de Graafs. (236 S.) Leipzig, K. F. Köhler.
Kritische Urteile über „Die Grundlagen des 19. Jahr-»
Hunderts von H. St. Chamberlain. (V11I, 108 S.) München, F. Bruckmann. 50 Pfg.
L i tz m a n n, Prof. B., Ibsens Dramen. 1877—1900. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Dramas im 19. Jahrhundert« (176 S.) Hamburg, Leop. Voß. Geb. 3 2)IL
Meyer, Dr. Herrn., Die Privat-Kolonien in Rio Grande do Sul. (25 S.) Leipzig, Bibl. Institut.
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