Ausgabe 
30.10.1901 Erstes Blatt
 
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Mittwoch 30. Oktober 1901

Nr. 255

151. Jahrgang

Erstes Blatt

Vom

an- von der als

Weden und Walen.*) afrikanischen Kriegsschauplätze

liegt uns folgende Meldung desReuterschen Bureaus" vor: Ein Telegramm aus Klerksdorp meldet, daß eine englische Abteilung, welche seit einigen Wochen das Land südlich von Rustenburg durchstreift hat, am 17. ds. Mts- in Klerks- dorp mit 250 Buren, die sich nach verschiedenen Plätzen zurückgezogen hatten, eingetroffen ist.

Je weniger die in den Händen der Engländer befind-

*) Dieser Artikel war für die gestrige Nummer bestimmt, in der er jedoch wegen drückenden Raummangels keine Aufnahme finden konnte. D. Red.

Erscheint täglich mit Ausnahme des

Montags.

Die Gießener Zamilien- blätter werden dem An­zeiger im Wechsel mit demHess. Landwirt" und denBlättern für hessische Volkskunde" viermal wöchentlich bei­gelegt.

Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schnlstratze 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

FkrnspcechanschlußNr.51.

Litteratur, Theater, Kunst und Wissenschaft.

Frankfurt, 25. Okt. (Stadttheater.) Im Schauspielhause werden in der bevorstehenden Winterspiel­zeit zum ersten Male gegeben werden:Die Hoffnung" von Herm. Heyermans jr. Deutsch von Franziska de Graasf; Brugnaulle und seine Tochter", Lustspiel von Alfred Capus (erste deutsche Aufführung);Nacht und Morgen", Drama von Paul Lindau;Die größte Sünde", Drama von Otto Ernst;Abu Seid", von Oskar Blumenthal;Hof- gunfty/, von Trotha;Der Tugendhof", von Skowronnek; Der Gvoßkaufmann", von Stein;Wieberfinden", von Rudolf Rittner; ein neues Drama von Sudermann usw. Bon Neueinstudierungen werden zunächst erscheinen: eine Anzahl Shakespeare'schen Lustspiele, wovonWas Ihr wollt" in neuer szenischer Einrichtung zunächst gegeben werden wird; Gutzkow'sUriel Acosta"; Lessing'sMiß Sara Sampson" (neue Einrichtung); SchillersDemetrius Fragment";Die Mitschuldigen" undDie Launen des Verliebten" von Goethe;Die gelehrten Frauen" von Moliere (neue Uebertragung von Ludwig Fulda);Die Grille" von Charlotte Birch-Pfeiffer.

tadeln und verwerfen diese Formen keineswegs es wäre auch wahrhaft undankbar von uns, dies zu thun! es ist geradezu eine Notwendigkeit, daß der jugendliche Geist in dieser Periode eine Stätte findet, wo er sich in voller Urwüchsigkeit loslassen kann. Aber wir meinen, daß ein Gegengewicht vorhanden sein muß, wenn die Frei­heit, an der der junge Student sich erfrischen will, ihn nicht Rechten soll, wenn die Formen, die ein Ventil für den Ueberschwang der Jugend bilden, nicht für immer seinen Geist prägen sollen. Was für den Bruder Studio paßt, steht dem reisen Manne übel; und doch: wie oft be­gegnen wir akademisch gebildeten Personen, die sich in den guten Formen feingebildeter Gesellschaft nur mit Mühe und Widerwillen bewegen und erst dann auftauen, wenn die Männer am Biertische sitzen und sie sich allen Zwanges entschlagen dürfen. Bei einer solchen Persönlichkeit kann man mit ziemlicher Gewißheit die Diagnose stellen, daß es ihm in seinen Studcntenjahren an passendem Familien­verkehre gemangelt hat. Wohl pflegt der Student verächtlich von derFamiliensimpelei" zu sprechen, und jene ge­schniegelten Studenten-Herrchen, die Abend für Abend an Soupers, Gesellschaften, Bällen Teil nehmen, sind gewiß nicht eben erfreuliche Erscheinungen. Nicht die Quantität macht den Wert des FamUienumganges aus. Wenn aber ein junger Student einer Familie von feiner Bildung be­gegnet, deren Kreis von vornehmer Gesinnung, warmer menschlicher Teilnahme und geistigen Interessen erfüllt und von edlen Frauen belebt ist, dann soll er auf jede Weise Zugang zu ihm zu gewinnen trachten. Er wird hier lernen, was ihn keine Universität lehren kann. Denn all sein Wissen ist tot und unfruchtbar, wenn er mit der einen Hälfte des Menschengeschlechtes unbekannt bleibt. All sein Bemühen um Entfaltung und Bildung seines Geistes ist vergebens, wenn nicht feine Frauenseelen dabei mit­wirken. Ein solcher Familienkreis ist sozusagen der stän­dige Regulator für die Ideen des zum Ueberschwang neigen­den jugendlichen Geistes und oft genug auch für seine Selbsteinschätzung; er eröffnet ihm unschätzbare Einblicke in das Leben und seine Jnteressenkreise, und unwillkürlich wird der Student den feineren Geist, den er hier ein-' gesogen hat, auch in den Kreis seiner Kommilitonen mit­nehmen und sich dadurch davor bewahren, in Rohheit oder Trägheit zu versinken.

Man erkennt: der entscheidende Punkt ist der, daß der junge Student in sich die Kraft findet, um der ihm gebotenen Freiheit selbst ein Maß zu setzen. Ganz ebenso steht es um sein Verhältnis zur Wissenschaft. Nur ist hier die Gefahr eine so ernste, daß fite bereits zu einer öffent­lichen Angelegenheit geworden ist. Es ist bekannt, daß Professoren Der verschiedensten Fächer darüber geklagt haben, daß die Bildung bei den Studenten ihrer Fächer im Sinken begriffen sei. Es ist unzweifelhaft, daß das Niveau der allgemeinen Bildung der Akademiker heut ein erheblich niedrigeres ist, als vor einem halben Jahrhundert. Bei einzelnen Ständen ist dieser Niedergang besonders aus­fällig, z. B. bei den Medizinern. Ueberraschend häufig trifft man auf Mediziner, deren Denkkraft und Menschenkenntnis höchst unvollkommen, deren allgemeine geistige Interessen überaus beschränkt sind. Bei ihnen hat die Universitas, die ja ihren Namen nicht umsonst trügt, ihren Zweck ver­fehlt; eine Fachschule hätte genügt, um ihnen die Art von Bildung zu geben. Die Schuld an dieser Verkümmerung trägt alle Mal der junge Student. An ihm ist es, durchaus (wie Ibsen sagt)in Freiheit und Verantwortung" zu be­stimmen, auf welche allgemeinen Grundlagen er seine Bil­

lain, dessen in deutscher Sprache verfaßtes großes Werk Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts" leidenschaftliche Bewunderer, aber auch grimmige Feinde bei uns gefunden hat. Wenigstens zeugt dafür die ZusammenstellungKri­tische Urteile", welche die Verlagsanstalt Bruckmann in München soeben in Form einer Broschüre von 120 Seiten (Preis 50 Pf.) herausgiebt. Hervorragende Gelehrte und Schriftsteller von Ruf äußern sich hier, zum Teil in sehr eingehender Weise, über das genannte Werk des deutsch schreibenden Engländers. Sou. a. Prof. Dr. Gustav Krü­ger-Gießen, der in dem Buche des Engländers einenver­trauten Gefährten" iseht und glaubt, daß esuns Heuti­gen einen Dienst zu leisten vermag, wie ihn Herders Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit unserer Vorvätern leisteten". Auch eine kurze Biographie des merkwürdigen Mannes, der außer seiner Muttersprache das Deutsche mit vollendeter Meisterschaft beherrscht und nebenbei Werke in französischer Sprache schreibt, ist dem Hefte beigegeben.

Grillparzers Werke in billiger Ausgabe. Grillparzer ist eine der hervorragendsten, eigenartigsten) Erscheinungen in der Litteratur, er hat dem deutschen Volke besonders eine Reihe von Dramen geschenkt- die zu den besten gehören, die je geschrieben wurden. Es, sind Schöpfungen von Stärke und Reinheit, weihevoller Inspiration entsprungen, die überall die Hand des großen Meisters zeigen. Die Ahnfrau machte den Dichter mit einem Schlage bekannt und die weiteren Dramen: Sappho, Medea, Des Meeres und der Liebe Welten usw. fanden begeisterte Aufnahme und trugen seinen Ruhm in alle Welt. Und in der That, seine Werke verdienen es, wie die Schillers und Goethes in jedem deutschen Hause hei­misch zu werden. Dazu bietet die Eotta'sche Buchhandlung nun die Hand, indem sie eine Volksausgabe von! Grillparzers Werken veranstaltete, zu äußerst billigem Preise. Die vortrefflich ausgestattete Ausgabe ist in der Eotta'schen Volksbibliothek" erschienen und in 4 Doppel­bände gebunden für Mark 4 zu haben. Jeder Band ist einzeln für 50 Pfg. käuflich. Diese Ausgabe enthält sämt-

(Nachdruck verboten.)

Der junge Student.

Von Dr. Christian Berger.

Universitätsferien haben eine respektable Länge, aber s'übst sie nehmen einmal ein Ende, und wenn die Oktober- Mime wehen, und die Natur sich allgemach zum Winter- 'chlase anschickt, kommt endlich oer Vtoment, da die ge- ouldrge Alma Mater ihre Jünger wieder LU sich bescheidet und die Musenstäbte sich wieder mit oen akademischen (Bürgern füllen. Das ältere Semester, das die Ferien dazu wenutzt hat, um sich an Mutters Fleischtöpfen von den Anstrengungen der Wissenschaft einigermaßen zu er­holen und Vaters Börse für gewisse kleine Verbindlich­keiten zu interessieren, sieht diesem Rbomente mit der Ruhe eines Philosophen entgegen. Der junge Student aber, für den das neue Semester den Eingang zur Paradieses­pforte des akademischen Lebens bedeutet, hat diesem Zeit­punkte mit der höchsten Ungeduld und Sehnsucht entgegen­geharrt. Ach, noch heut, wo wir ein ergrauenderalter Herr" sind, erinnern wir uns auf das lebendigste, wie wir dem verrtockneten Männlein, das man mit Magni­fizenz anredete, in die Hand gelobten, ein guter akade­mischer Bürger zu sein und der Universitas litterarum alle Zeit Ehre zu machen. Es war ein fast beängstigendes Gefühl von Freiheit, das uns erfüllte, als wir den halbdunkel)!, altertümlich-schnörkelhaften Saal verließen, in dem der Akt stattgefunden hatte. Das Leben mit all seinen unbekannten Freuden, die Wissenschaft mit all ihren Schätzen und Ge­nüssen das lag nun alles offen, gleichsam bloß zum Zugreifen, vor uns da, und niemand in der ganzen Welt hatte uns eigentlich etwas zu sagen:Frei ist der Bursch!" Es ist diese tief in der Geschichte unseres akademischen Lebens wurzelnde Freiheit so recht eigentlich der charakter­istische Zug unseres Studententums, und nicht ängstlich S können wir darüber wachen, daß uns dieser Jung­en rein erhalten bleibe, aus dem Jahr um Jahr neue Generationen so viel Lebensfreude, Kraft und Be­geisterung schöpfen, daß es oft für ein ganzes langes von Berufs- und Philistersorgen erfülltes Dasein ausreicht. Aber nicht verkennen sollen wir darüber, daß diese Frei­heit auch chre Gefahren hat, Gefahren, die jedem Studenten in den Weg treten und denen- ach! so mancher erliegt. Da wollen wir nun aber unsere/hoffnungsvollen cives aeademici nicht in irgend einer Weise unter Vormund- schaft stellen, sondern fte lieber in sich stark machen gegen die Gefahr, ihnen die Augen dafür öffnen und ihnen die Gegenmittel andeuten. Das gilt ganz besonders von dem jungen Studenten, der ebenso unerfahren und hilflos als begeistert ist, und in diesen: Sinne mögen vielleicht die Erfahrungen eines alten Studenten freundlich ange­nommen werden.

Es währt nicht lange, so hat der junge Student durch Eintritt in eine Verbindung oder durch fteien Anschluß an andere Koinmilitonen seinen Kreis gefunden. Das studentische Leben hat, besonders wenn seine Formen und Gewohnheiten mit einigem Geiste gehandhabt werden, etwas wundersam Anziehendes, und oft beobachtet man, daß es den Neuling, denFuchs", dermaßen in seinen Bann zieht, daß er zunächst für lange Zeit von einem Ver­kehre in anderen Kreisen gar nichts wissen will. Ist aber dann der Augenblick gekommen- wo das Bedürfnis nach anderem Verkehre in ihm sich wieder regt, dann ist er gar ost zu schwerfällig- ja zuweilen bereits unfähig geworden, sich in Kreisen zu bewegen, die die Formen des Kneipkomments ablehnen müssen. Wohlverstanden: wir

egma immni wiiii m

Feuilleton.

düng stellen will. Worauf es aber dabei ankommt, das ist nicht, sich sogleich mit heißem Bemühen auf die Fach­studien zu stürzen. Im Gegenteil raten wir unserem jungen Freunde, sich junächft von ihnen fern zu halten und dafür sein erstes Semester jenen Studien zu widmen, die man in alten Tagen so schon artes liberales nannte: Geschichte, Kunst, Litteratur und die strengere Schule der Philosophie. Nicht als Fachmann soll er in diesen Gebieten arbeiten; nein, diese Studien müssen so frei und so lebendig als möglich betrieben werden. Es gilt für den jungen Studenten, überall das herauszugreifen, was für ihn ein natürliches Interesse hat, wofür er in sich Voraussetzungen antrifft. Er soll mit Behagen in einem reichblühendeu Garten wan­deln, hier und dort sinnend stehen bleiben und eine Blume pflücken. Aber unvermerkt bereichert und vertieft sich seine geistige Jnteressenwelt, lehren ihn Geschichte, Kunst, Dich- tung die Welt und die Menschen verstehen, schult sich sein Denken, lernt er ewige Grundprobleme des menschlichen Geistes kennen. Unvermerkt ordnet sich vor seinem Blicke das großartige System der Wissenschaft zum Ganzen. Ganz besonders ist den Jüngern der naturwissenschaftlichen Dis­ziplinen eine solche Vorschule zu empfehlen. Ist es doch vielen von ihnen völlig unbekannt, daß das 19. Jahr­hundert in demselben Maße das Jahrhundert der histori­schen wie der naturwissenschaftlichen Methode ist, daß and) sie in der Periode völlig neu gestaltet worden ist und zu Ergebnissen geführt hat, die in ihrer Art nicht minder - groß und wunderbar sind, wie der Telegraph, das Diph- terieserum und die Röntgenstrahlen.

Verbummelung und Uebereifer das sind die beiden Klippen, die dem jungen Studenten drohen. Vor beiden bewahrt ihn das hier ungeratene Verfahren. Es geleitet ihn gleichsam spielend durch Gärten und Vorhallen in den ernsten Tempel der Wissenschaft. Wenn man einwendet, das Semester ober die Semester, die der Student etwa auf dergleichenAllotria" verwendet, gingen ihm verloren, so entgegnen wir, daß der äußere Verlust geringer ist, als der innere Gewinn. Aber auch der äußere Verlust ist kaum zu befürchten; denn der geschulte Geist wird in seinem Fachstudium durch schnellere Auffassung und schärferes Ver­ständnis die verlorene Zeit bald einbringen. Unsere Bil­dung heißt einehumane", und das ist eine schöne Be­zeichnung: sie soll den Menschen entwickeln. UndGe­denke ein Mensch zu sein!" das möchten wir dem jungen Studenten zurufen Gedenke ein Mensch zu sein nach den Formen, die du dir bildest, nach den Gefährten, die du dir wählst, nach den Interessen, mit denen du dich ver­knüpfest. Wer so Student ist, daß er sich nie mit dieser Forderung in Widerspruch setzt, der mag sich getrost allen Freuden des studentischen Lebens hingeben, sie werden ihm nie zu Gefahren werden

/U'JF jfX 'VlT* O Annahme von Anzeigen

zu der für den folgenden!

GietzenerAnzeiger«

M General-Anzeiger " «MIL

Amts- Md Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Theatersünden. Ueber einige brennendeZu­schauerschmerzen" erhebt der Schauspieler Ferdinand Gre- gori, Mitglied des Hofburg-Theaters in Wien, imKunst- wart" (Verlag von Georg D. W. Callwey in München) bewegliche Klage. Er meint, die Illusion des Zuschauers werde im Theater, im Schauspiel nicht minder als in der Oper, fortwährend durch allerlei schlimme Sünden der Regisseure gestört.Dem Kostümzeichner hat man ja von jeher einige Aufmerksamkeit geschenkt; ich verlange die­selbe für den Friseur, der die Bärte und Perrücken zufertigen und herzurichten hat. Wie verfilzte Stücke Bärenfellen sehen aber heute die Haarsurogate untergeordneten Darsteller in der Regel aus, und ob sie aus dem Glaskasten eines Coiffeurs kämen, die derersten Kräfte". Fast jede Vorstellung zeigt uns beider­

lei. Hier ein Charakterkopf, aus Empfindung und Be­obachtung komponiert, dort die süßliche Schablone des schönen" Mannes mit blonden Pfropfenzieherlöckchen und dem fußsackähnlichen Barte des Kaukasiers aus dem Schul- Geographiebuche. Traditionell und mit bleibendem Er­folg wird bei allen männlichen Charakterfiguren im Alter von 18 bis 50 Jahren seit langer Zeit angewendet die Barnay- und die Nikischlocke, erstere ein wenig seitlich übers Auge fallend, letztere über die Stirnmitte geführt bis zur Nasenwurzel. Ueber 50 Jahre hinaus giebts dann die graue lockige Titusperrücke für Fürsten und Geringere, die von guter Gemütsart sind; für Rektoren, Theologen und Schufte hat man strähniges langes Haar aus Lager;

ür alle, die Witze ui machen haben, die Glatze. Eine eltene Einmütigkeit oer sonst recht eigensüchtigen Schau- pieler prägt sich auch in der Zeichnung der Augenbrauen aus: immer die gleiche dünne schwarze Linie, für jedes Alter und jede Haarfarbe einheitlich-wirkungsvoll fest­gelegt. Soll ich noch von der besonderen Raffiniertheit im Charakterisieren reden, welche die Nasenlöcher rot schminkt und falsche Grübchen aufsetzt?" In diesen mun­teren Uebertreibungen steckt gewiß eine beherzigenswerte Wahrheit. Ebenso in dem Appell, den Gregori an die Regisseure richtet, auf eine finngemäße Handhabung der Requisiten Bedacht zu nehmen.Wer gewinnt es über sich, auf der Bühne einen Brief so zu lesen ober zu schreiben, wie zu Hause? Wer sieht sich bie Geldstücke an, bie er beim Bezahlen aus bent Beutel ober ber rechten Westentasche holt? Wie beliebt ist es noch, mit ber Faust bie scharfgeschliffene Schwertklinge anstatt bes Knaufs zu umfassen ober wohl gar burch bie Hand zu ziehen, als wollte man bie Elastizität Prüfen! Wie thöricht ver­fährt man mit gefüllt sein sollenben Trinkhörnern unb Bechern; sie werben, bevor man sie an ben Munb setzt, in bie Luft geschleudert, baß der Wein an bie Decke spritzen müßte."

Einbeutscher" Engländer. Sympathischer als der vielgenannte englische Kolonialminister.Joseph Cham­berlain ist sein Namensvetter Houston Stewart Chamber-