öae 16. Gkschästrjahr btt GrisKraiiKtnIiofft Vichn 1900.
P. Gießen, 29. Juni.
Im Jahre 1900 wurden für die Ortskrankenkasse neue Lokalitäten erworben, da die alten weder räumlich noch hygienisch den Bedürfnissen genügten; und zwar kaufte die Kasse das früher Bepler'sche Anwesen, Ludwigstraße 12, zum Preise von 48 000 Mk. Tas Geschäftsjahr war sehr wechselreich, und der finanzielle Erfolg nicht so günstig, wie erwartet wurde. Tie Ursache waren die hohen Ausgaben, sowie der hohe Krankenstand zu Anfang und Ende des Jahres. Aber auch die Einnahme der Beträge blieb weit hinter den Erwartungen zurück und zwar ist dieses, wie der Geschäftsbericht feststellt, lediglich nur zurückzuführcn auf die beiden großen Streiks der Maurer und Weißbinder, die fast während der ganzen Saison streikten. Ties hätte sich zwar nicht so bemerkbar gemacht, wenn nicht die Zersplitterung des Kassenwesens in Gießen so einzig da- tünde. Es dürfte wohl in Teutschland wenig Vorkommen, daß im Verhältnisse zur Größe der Stadt soviel Betriebskrankenkassen vorhanden sind wie in Gießen, nicht gerechnet die vielen freien Hilfskassen, die ebenfalls Tausende von Arbeitern für sich in Anspruch nehmen.
Man zählt hier nicht weniger wie 12 Betriebs- und eine Knappschaftskasse. Seiber ist auch in absehbarer Zeit auf eine Besserung nicht zu hoffen, da es sehr schwierig ist, den Mitgliedern begreiflich zu machen, daß eine starke Einheit mehr zu leisten imstande ist, tvie der heutige traurige Zustand. Spier liegt der Schwerpunkt, und da bei vielen Betriebskrankenkassen zudem der Aufnahme eine ärztliche Untersuchung vorausgehen muß. weshalb sich 'die meisten Ortskrankenkassen seither auf dem Niveau der Gesetzgebung halten mußten und sich nur unter den schwierigsten Um- tänden zu einer etwas höheren Leistung aufschwingen konnten. Tie Verwaltung der Ortskrankenkasse Gießen teilt mit, daß sie sich freuen würde, wenn man sich hier die Beispiele der Städte Mainz, Darmstadt rc. zu Herzen nähme.
Tie Einnahmen an Zinsen sind gegen das Vorjahr von 2849.55 Mk. auf 3418.74 Mk. gestiegen. Tie Beiträge sind ebenfalls gestiegen und zwar von 82 286.07 Mark auf 88 336.94 Mk. Leider klagt die Verwaltung über das unregelmäßige Einlaufen der Beiträge der Arbeitgeber. Tie Zahlungen erfolgen vielfach unpünktlich und von den 750 Arbeitgebern mußten bei jeder Erhebung der Beiträge etwa 100 gemahnt und etwa 50 gepfändet werden. Tas ist, wie der Bericht mit Recht sagt, ein trauriger Zustand. Aber auch die An- und Abmeldungen sollen nicht immer rechtzeitig vorgenommen worden sein.
Der Bericht erwähnt anch, daß noch immer eine große Anzahl Simulanten und Kassenmarder vorhanden sind, die nur durch die schärfste Kontrolle zurückgedrängt werden können. Tie Ausgaben für ärztliche Behandlung sind von 11 747.85 Mk. auf 12 363.72 Mk. gestiegen. Tiese Mehrausgabe ist durch die 'freie Aerztewahl hervorgerufen worden. Tie Auszahlung der Krankenrente ist im Berichtsjahre bedeutend gestiegen und zwar von 29 879.84 Mk. auf 41014.74 Mk. Tie Tauer des einzelnen Krankheitsfalles stieg bei männlichen Mitgliedern von 16,9 auf. 18,5 Tage und die der weiblichen von 23,8 auf 24,7 Tage. Tie Wöchnerinnenunterstützung sowie die Sterbegelder haben auch kleinere Mehrausgaben erfordert.
Ter Aufwand für Kur- und Verpflegungskosten in Krankenanstalten ist dieses Jahr wiederum zurückgegangen. Tie Kassenverwaltung weiß manchmal gar nicht, was sie anfangen soll, wenn den Mitgliedern vom Arzte mangels häuslicher Pflege die Krankenhauspflege verordnet wird, und sie kann den Kranken solche nicht angedeihen lassen, da die Kliniken die Auftuchrne „wegen Ueberfüllung oder für sie nicht geeignet" verweigern, auch eine andere passende Unterkunft nicht zu erlangen ist. Ties sei, wie der Bericht sagt, ein für eine Provinzialhauptstadt nicht würdiger Zustand. Gleichzeitig wird im Bericht ein Beispiel erwähnt, wie manchmal Kranke, die in die Klinik wollen, behandelt werden. Ein junger Mann, der den Arm gebrochen hatte, wurde vom Arzt zur Klinik eingewiesen. Tort sei ihm gesagt worden, „die Klinik sei kein Hotel". Daß durch derartige Verhältnisse sich mancher Krankheitsfall in die Länge zieht, ist unbestreitbar und in dieser Beziehung, so sagt der Bericht, muß von der Stadtverwaltung irgend etwas geschehen. Besonders da durch die Krankenversicherung in punkto Armenwesen tausende Mark jährlich gespart werden.
27 Lungen- und Herzkranke wurden auf deren Antrag zum Kurgebrauch nach Bädern geschickt. Tie Lungenkranken wurden im Luftkurorte Reichelsheim i. O. mindestens ein halbes Jahr verpflegt, während die anderen, deren Kur
brannte völlig nieder, trotzdem die Feuerwehr rasch zur Stelle war. Tas Eindringen und längere Verweilen von Kugelblitzen in Gebäuden ist nicht selten beobachtet worden; bisweilen schwebte die Blitzkugel in einer gewissen Hohe durch das Zimmer oder rollte über den Boden. Seltener wht man die Kugelblitze aus der Luft herabkommen; ein solcher Fall ereignete sich im April 1719, als nachts drei eurige Kugeln sich aus die Kirche zu Quesnon bei Brest herabsenkten und sie zerstörten. Merkwürdig ist übrigens, daß die zahlreichsten Fälle von Kugelblitzen aus Schleswig-Holstein und Tänemark bekannt sind. D. Red.)
W. Weidenhausen, 28. Juni. Tie Arbeiten an der neuen Bahnstrecke von hier nach Hartenr ot^ gehen ihrer Vollendung entgegen, findet doch am 15. Juli die Eröffnung statt. Tie neue Strecke führt das Salz- bödethal hinauf, das sehr eng ist, und ziemlich steil ansteigt. Infolgedessen waren an der neuen Strecke große Geländeschwierigkeiten zu überwinden, hohe Dammbauten und Brückenbauten mußten errichtet werden. Aus diesem Grunde hat die Strecke teilweise ein Steigung von 1:60 und zwischen Endbach und Hartenrod beträgt sie 1:50. Vor letzterem Orte waren die größten Schwierigkeiten, da die Gesamtstrecke Niederwalgern-Herborn hier ihren Höhepunkt erreicht und einen bedeutenden Höhenzug, den Hirschböhl und Sonnenberg, der Salzböde und Siegenbachthal trennt, in einem sehr langen Tunnel durchbricht. Dieser Tunnel soll einer der längsten in Deutschland, sein und ist gegenwärtig soweit ausgemauert und fertiggestellt. Tie Strecke von Hartenrod bis Herborn soll bis 1. Oktober vollendet und eröffnet werden und wird die Stationen Eisenroth, Ubernthal, Offenbach Bicken, Herbornseelbach und Burg erhalten. Bemerkt sei noch daß die Bahnbeamten an der neuen Strecke von hier bis Hartenrod, die erst kürzlich hierher kamen, jetzt wieder von der Bahnbehörde nach Gladenbach versetzt worden sind.
und des Realgymnasiums unternahmen am letzten Donnerstag Ausflüge. Während einige Klassen die Umgegend von Wetzlar besuchten, fuhren andere mit der Bahn nach Nidda und Schotten und erstiegen den Hoherodskops und Taufstein. , , c. r f .
** Turnerisches. Auch m diesem Jahre hat der hiesige Turnverein, gegr. 1846, eine größere Feiet, in das Programm seiner Sommervergnügungen ausgenommen, indem er für den 7. Juli ein Sommerfest nut gleichzeitiger Begehung seines 55. Stiftuiigssestes vorgesehen hat. Tie Vorbereitungen hierzu sind in vollem Gange und tragen bereits jetzt die Bestätigung in sich em Fest echt turnerischen Charakters zu werden. In reicher Abwechselung mit Konzertstücken unserer hiesigen Reglments- musik unter Leitung des Musikdirektors Krauße werden mannigsaltige Darbietungen turnerischer und anderer Art zur Aufführung gelangen, überhaupt die ganze Feitlrch keit dazu angethan sein, einige recht schöne und gemütliche Stunden inmitten eines frohen Turnerkreises verleben zu können. Als Festplatz ist wiederum der schon gelegene und gern besuchte Philosophenwald erwählt. Wir wollen hoffen, daß dem Turnverein auch Jupiter Pluvius gewogen und der Feier einen guten Verlauf beschieden sei.
** T e r I u n i ist seinem Ende nahe. Er war diesmal zum größten Teile kein besonders angenehmer Gesell, und an einigen Tagen herrschte eine Temperatur, daß man hätte Feuer anmachen und dampfenden Grog und heißen Mokka schlürfen mögen anstatt des kühlenden Lichtenhainers oder des angenehm den Sommerdurst stillenden Aepfelweins. Als sich am Tonnerstagabend unser Musik und anderes liebende Publikum zum Abonnements-Konzert im Stein- schen Garten znsammenfand, da hatten wir nur 11 Grad R.; und wir wunderten uns, daß die wackeren Musiker nicht blau gefrorene Nasen und verklammte Finger hatten. Gestern nachmittag erst veränderte sich die Szenerie, es wurde glühend heiß, und am Abend dufteten die Rosen und Linden so berauschend wie je zuvor. Ein überwältigender Zauber liegt in der Juninacht, in der alles blüht und reift unb gärt unb nach Liebe brängt, nach Kosen und Küssen. Unlängst hat freilich wieder einmal ein gelehrter italienischer Arzt mit einem klangvollen Namen aufs nachdrücklichste gewarnt, von rosigen Mädchenlippen zu nippen; Krebs, Lungenschwindsucht, Tiphtheritis, kurz alle Hebet, die geeignet sind, einen Menschen ins Jenseits zu befördern, soll der Kuß im Gefolge haben, und wer sicher sein verfehltes Leben enden wolle, der brauche sich nur im zärtlichen Kuß mit einem andern Lippenpaar zu berühren, so werde er unfehlbar hinüberschlummern in die Welt des ewigen Friedens. Aber was kümmert sich die leichtsinnige Welt um die Warnung des gelehrten Doktors? Trotz dieser abschreckenden Theorie, trotz bet Entdeckung der Kußbazillen werden Tausende und Abertausende über diese zweifelhafte Errungenschaft der Hygiene recht abfällig denken, zumal in der jetzigen Zeit, wo die Linden ihren Blütenschmuck angethan und balsamischen Duft aushauchen. So zeigt uns auf der einen Seite der scheidende Juni frisch pulsierendes, hoffnungsvolles Leben; aber auf der anderen Seite klingt b>cw auch wiederum die leise Mahnung, daß die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hat, daß es nun wieder stetig abwärts geht, thalwürts dem nächtlichen Dunkel entgegen, der Zeit entgegen, die vom Welken unb Vergehen redet. Auf manchen Gebieten fünbet schon jetzt ber Herbst sein rasches Nahen. Manches Blatt am Baum ber Politik ist am Welken unb Absterben unb wehmütige Tobesahnnng zittert leis durch die Szenerie. In Berlin unb auch in Karlsruhe kriselts, unb es scheint, als ob bieses ober jenes Blatt matt zur Erbe fallen wirb, das noch kurz zuvor sich eifrig unb munter im Staats- toinbe geschaukelt hat. Aber mag bas politische Leben allerorten rasches Vergehen prebigen, bie Natur ringsum rebet vom Werben unb Wachsen unb Sichausreifen: Noch, ist bie schöne, bie blühende Zeit, noch sind die Tage der Rosen! fingen wir mit Otto Roquette, dem Dichter von „Waldmeisters Brautfahrt" (75. Auf!., I. G. Cottafche Buchh. Nachf. in Stuttgart).
—h. Lin d en str u t h, 28. Juni. Vorigen Freitag wurden hier die Arbeiten zu dem Schu l h a u s n e u b a u vergeben. Trotzdem unsere Gemeinde zu den kleinsten im Kreise Gießen zählt, und nur rund 350 Einwohner besitzt, hat sich! der Ortsvorstand doch entschlossen, gleich einen Schulsaal und eine Lehrerwohnung zu erbauen. Tie Zahl unserer Schüler ist verhältnismäßig groß, sie beträgt 65. Ter Rohbau des neuen Schulhauses soll bis Herbst fertig sein, im Frühjahr wird der innere Ausbau ausgeführt, unb im Spätsommer soll bas Gebäube eingeweiht werben.
§ Schotten, 27. Juni. Während eines Gewitters wurde vorgestern in der Gemarkung Altenhain ein Kugelblitz beobachtet, lieber die höchst interessante Erscheinung wird uns von einwandfreier Seite das Folgende mitgeteilt: In den Mittagsstunden überzog dunkles Gewölle den Himmel, und ein schweres Gewitter kam heraufgezogen. Da bemerkten plötzliche im Felde arbeitende und vom Felde heimkehrende Leute eine mächtige Feuerkugel von dem nahen Walde Herkommen. Tie Kugel hatte die Größe eines Korbes oder einer Bütte; sie schien sich auf oder nur wenig über der Erde hin fortzubewegen und zwar in langsamem Zeitmaße. Jedes Hindernis, das füf)i ihr au dem Wege entgegenstellte, zertrümmerte sie im Nu. Ihre Richtung ging durch einen Bohnengarten; hier zerbrach sie bie Bohnenstangen wie Strohhalme unb zersplitterte sie in Atome. Auf bem weiteren Weg nach bem Torfe Altenhain zu geriet ein Huhn in ben Bereich des Feuerballes; es', wurde von ihm vollständig verzehrt, ohne eine Spur zu hinterlassen. An der Maner des dem dortigen Straßenwärter gehörigen Hauses prallte die Kugel an und
Die »utomobU.Tou.enfahrt Parts-Berttp.
Potsdam, 28. Juni. Von den Touristenfahrern sind aus Leipzig eingetroffen: Erster: Nr. 226 (Roussy) 10 Uhr 2 Min. 15 Sek., Zweiter: Nr. 246 (Debacker) 10 Uhr 3 Min. 31 Sek., Dritter: Nr. 318 (Delaunay) 10 Uhr 17 Mm. 2 Sek., Vierter: Nr. 227 (Boissaye) 10 Uhr 41 Min. 27 Sek. Außerdem Nr. 220 (Braun), 210 Katzenstein, 301 (Baronin Zuylen), 317 (van Beck), 308 (Klvpstein). Sämtliche Fahrer befinden sich in ausgezeichneter Verfassung.
Di- Automobilschnellfahrt Pariö'verttr,.
Berlin, 28. Juni. Tie Abendblätter melden aus Aachen: Graf Tayllerand-Perigord, der gestern hier als Viertbester eintraf, ist schwer erkrankt und- mußte die Weiterfahrt aufgeben.
Kö ln, 28. Juni, Tie Automobilfernfahrer tarnen heute vormittag 6.20 Uhr deutsche Zeit in folgender Reihenfolge an- Nr 4, 6, 12, 19, 5, 13, 15, 40, 33, 58, 1, 16, 7, 112, 4 8 Gegen 7 Uhr kam Nr. 21 an. Elf Minuten später durchfuhren Nr. 102, 39, 162, 44, 165 das Ziel. Die An- gelommenen wurden von Radfahrern 20 Minuten durch neutrales Gebiet geleitet und traten dann die Weiterreise über Worringen nach Düsseldorf an. In Aachen erschienen am Start heute morgen nur 75 Fernfahrer; mehr Wagen waren bis gestern abend dortselbst nicht eingetroffen.
Düsseldorf, 28. Juni. Schlön von 6 Uhr an sind! Straßen und Chausseen stundenweit von Tausenden besetzt Aus der linken Seite der Rheinbrücke am Ratinger Thor und vor der Villa Golzheim 'sind Ehrenpforten errichtet Die ersten Automobilisten Nr. 6 und 4 kamen um 7 einhalb Uhr an der Rheinbrücke an und verließen Taissel- nach 25 Minuten. Aus der Kontrollstation wurden Blumen und Erfrischungen gereicht; bei der Ankunft und Abfahrt spielte die Militärmusik. — Kurz vor Tusseldors ist em Automobil explodiert, ohne Personen erhebliche zv- verletzen. Der französische Konsul, der den Automobilist^ entgegengefahren war, wurde bei einer Biegung aus dem SSia8@f f ett^i^sRuttr, 28. Juni. In Neumühl bei Ruhrort wurde ein Ki n d von einem an der Rennfahrt teilnehmenden Automobil überfahren. Tas Kmd wurda
eidlich b. Ruhrort, 28. Juni. Der Autoniobil- wagen Nr. 9 (Pinson) stieß hier mit einem Wagen d.r elektischen Straßenbahn zusammen. Der Vorderperron! des Straßenbahnwagens wurde eingedruckt, /«s A u o- mobil ist unbrauchbar. Personen wurden Nicht verletzt.
Hannover, 28. Juni. Als Erster kam Nr. 4 (Mor^>) Fournier 2 Uhr 14 einhalb Minuten an. Es folgten Nr. 7 um 2.50, Nr. 162 um 2.52, Nr. 6 um 2.54, weiter 12, 1, 8, 14, 16, 38, 112, 163, 15, 126, 2, 5, 102, 40, 104, 13 75 19, 21, 127, 34, 149, 143, 46, 39 158, 106, 80, 68 131 Tas letzte Fahrzeug lief 6.33 ein. An der Festtafel nahmen etwa 100 Personen teil, meistens Franzosen. Tas Präsidium führte der Herzog von Ratibor. Der Oberbürgermeister begrüßte die Gäste, auf die heute die Augen bey Kontinents gerichtet seien, mit dem Wunsche, daß der alte Kulturstaat Frankreich sich glücklich! weiter entwickeln möge. Ter Redner schloß mit einem Hoch auf Frankreich und Loubet. Tie Musik spielte hierauf die Marseillaise. Faleonnet dankte mit einem Hoch auf beide Nationen und Baron v. Rothschild-Paris brachte ein Hoch auf den deutschen Automobilklub aus.
Tie Automobil-Wettfahrt* Paris-Berlin hat dem „Fi- aaro"-Zeichner Saran d'Afche zu einem Bilde gebient, das einen Auto-Fahrer a Berlin fahrend als den „neuen Geist darstellt, während als „alter Geist", ein Invalide von 18,0/71 am Wege steht, und angesichts des Fahrers und Angehorv des a Berlin sagt: „Ten Kehrreim kenn ich wohl, allem die Weife ist anders!" Tte „Neue Zürcher Zeitung" knüpft an die in diesem Bilde ruhende Kundgebung sehr beherzigenswerte Bettachtungen, in denen die Thatjache begrüßt wird, daß Franzosen und Deutsche in Berlin w jammen fröhliche Feste feiern werden, und „wenn auch nicht gerade Brüderschaft getrunken wird, so wird man doch hüben und drüben besttebt fern, sich von der liebenswürdigsten Seite zu zeigen." Man hat sich eben m den verflossenen dreißig Jahren gegenteilig tennen gelernt.
Wor dem Kriege war selbst oas Wohlwollen, das dann und wann die Franzosen für Deutschland hegten, mit einer gewissen Herablassung gepaart. Selbst die vorurteilsfreiesten Franzosen hielten die Deutschen für em Volt zweiten Ranges, das dem französischen in allen Dingen, vielleicht die Philosophie ausgenommen, nachstehe. Ter Krieg hat ihnen zuerst gezeigt, daß die Deutschen im Wehrwesen ihnen überlegen sind. Am meisten aber hat die Franzosen überrascht, daß ihre Feinde ihnen auch in Handel und Industrie den Rang ablaufen, und daß sie ihnen in Kunst und Wissenschaft gleichkommen. Hatten die Franzosen einst geträumt, daß sie einmal den Deutschen Elsaß-Lothringen abkaufen würden, da diese viel zu arm seien, um das schwere Rüstkleid, das fie sich angelegt, lange tragen zu können, so ist auch diese Illusion verflogen. Tie kriegerischen Rüstungen zu Wasser und zu Land haben Teutschland nicht ärmer gemacht, sondern eher dazu beigetragen, daß es immer reicher wurde. So ist 'aus allen Punkten menschlicher Thättgkeit Teutschland zu einer Macht geworden, vor der die Franzosen, mochten sie nun wollen ober nicht, Respekt bekamen unb; die sie kriegerisch zu unterwerfen nicht mehr hoffen können. Warum also nicht ,o gut wie möglich', sich ihr zu stellen, zumal Deutschtanb nichts Besseres wünscht, und ihnen hierfür alles ©ntgegentommen zeigt? Tie Franzosen sind zu klug, um schließlich nicht : ebenfalls bie großen Vorteile einer fteunblichen Nachbarschaft mit Deutschland einzusehen. Die Zeit und die Logik der Thatschachen helfen mächtig mit, um diese Einsicht zu : fördern. , ,c , , . _
Ties Urteil des unabhängigen, freibenrenben, schwer ■ zeriscken Blattes wird man allerseits gelten lassen können.
riß hier schwere Steine ans der Ecke der Mauer. Endlich verschwand die unheimliche Erscheinung in der Nähe des Forstwarthauses. Der Weg, den der Kugelblitz genommen, zeigte überall Brandspuren, (lieber eine ähnliche Erscheinung wird aus ber Stabt Renbsburg in Schleswig-Holstein berichtet. Tort würbe ein benachbarter Bauernhof burch Blitzschlag eingeäschert, und zwar handelt es sich auch in diesem Fall um einen kugelförmigen Blitz. Ter Besitzer dieses Gehöfts befand sich mit seiner Ehefrau im Wohnzimmer, als sie plötzlich in der 'Nähe des Spiegels einen kreisrunden, sich drehenden Feuerball sahen, der bald platzte unb verschwanb. Tas Meteor hinterließ einen starken, schwefeligen Geruch, der bie Anwesenben zwang, ßas Zimmer zu verlassen. Ein Knall war nicht vernommen worben. Als bie Personen bas Freie gewonnen hatten, sahen sie zu ihrer Ueberraschung wie zu ihrem Schrecken, Vaß bas ganze Gebäube in Flammen stanb. Dasselbe
4—5 Wochen dauerte, sämtlich in Bad-Nauheim verpflegt wurden.
Die persönlichen Verwaltungsunkosten sind von83c>2.17 auf 8792.65 Mk. gestiegen. Tie Steigerung wurde durch die Einstellung eines zweiten Gehilfen veranlaßt. Um ben Kafsenorganismus nach ben mobernen Betrieben umzugestalten, waren burchgreifende Maßregeln notwenbig. Im Lause bes Berichtsjahres trat die Kasse dem Verbände deutscher Ortskrankenkassen bei, da ein fester Zusammenschluß aller Kassen im Tentsetzen Reiche notwendig ist. Weiter erwarb die Kasse die Mitgliedschaft bei dem „Viktoria- Melitta-Verein" (Verein zur Bekämpfung der Tuberkulose).
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