Die Erklärung -es Kriegsunnisters zum Justerburger Duell.
In das Labyrinth der widersprechenden Darstellungen über die Vorgänge nach dem nächtlichen Renkontre zwischen den Leutnants Blaskowitz, Raßmussen und Hildebrandt, wie sie sich am andern Tage in den Verhandlungen des Ehrenrats abgespielt haben, ist durch die Aeußerungen des Kriegs- nrinisters v. Goßler im Reichstage nunmehr endlich einiges Licht gekommen. Zunächst ist offiziell jetzt fcstgestellt, daß Leutnant Blaskowitz am anderen Tage sich der Angelegenheit nicht mehr erinnert hat. Das widerspricht an und für fich nodji nicht den Zeugenaussagen der Leutnants Raßmussen und Hildebrandt, daß diese oen Eindruck gehabt hätten, Blaskowitz sei nicht vollständig sinnlos betrunken gewesen. Die mehr oder weniger große Betrunkenheit ist bei der Beurteilung der Frage ja nicht das Entscheidende. Immerhin fällt es schwer ins Gewicht, daß der im Duell gefallene Offizier am andern Morgen von der Affaire nichts inchr weiß. Herr v. Goßler hat dann folgendes mitgeteilt: „Es dürfte so viel klargestellt sein, daß der Leutnant Blaskowitz fidfi schon eine Zeit lang vorher im Zustande der Erregung befunden hat, sodaß, wie ent Ausdruck lautete, „schwer mit ihm fertig zu werden war". Am 2. November, am Abend des Iunggesellen-Abschiedes, hat Blaskowitz, soviel steht auch fest, ziemlich viel ge- truu k e n." Diese Bemerkungen geben abermals einem Verdachte Raum, den wir schon neulich andeuteten, daß Blaskowitz, sonst ein durchaus nüchterner Mensch, vielleicht seinen Tod gewünscht hat. Dagegen spricht allerdings nun die weitere Feststellung in der Rede des Kriegsministers: Blaskowitz entsinnt sich am andern Tage des Vorfalls nicht nur nicht, sondern er erklärt si ch ausdrücklich bereit, um Verzeihung zu bitten. Später ist Blaskowitz — jedenfalls im Ehrenrate — nach der ausdrücklichen Angabe des Ministers zur Abbitte bereit gewesen. Es war also die Möglichkeit zu einer friedlichen Beilegung gegeben? — Da muß doch allen Ernstes die Frage aufgeworfen werden: warum ist das unter solchen Umständen nicht geschehen? Die fordernden Offiziere können die zur Versöhnung ausgestreckte Hand nicht zurückgewiesen haben. Wer ist es denn gewesen, der die friedliche Beilegung verhindert hat.? Ihn trifft die schwere Schuld?
Daß der verabschiedete Oberst v. R e i ß w i tz u. Kader- siu der eigentliche Treiber gewesen, er also moralisch vevunt wörtlich für das Duell gemacht werden muß, daran ist jetzt wohl nicht mehr zu zweifeln. Das geht auch aus neueren Meldungen hervor. Danach ist dem Obersten v. Reißwitz bereits 48 Stunden nach dem Duell die Führung des Regimets abgenommen und dem Oberstleutnant Pollier, bisher im Infanterie-Regiment Nr. 44 (Deutsch-Eylau), übertragen worden, der auch in der vom Montag datierten Kabinettsordre betreffend die Verabschiedung des Herrn v. Reißwitz mit der Führung der Regiments betraut wurde- Oberst v. Reißwitz ist schon vor dem Erlaß der Kabinetts- ordre mit seiner Familie aus Insterburg ttach Warmbrunn in Schlesien übergesiedelt; bei der polizeilichen Abmeldung hat er sich, wie die Rh.-Wests. Ztg." mitzuteilen weiß, bereits „Oberst a. D." genannt. Ihn muß also die Schuld in erster Lnie treffen. Die Vorgänge, die zum Duell geführt haben, hat Kriegsminister v. Goßler mit genügender Deutlichkeit geschildert; er hat auch! erklärt, daß ein Ausgleich .hätte jtattfinden müssen. Warum das nicht ge- schchen ist, sagt er nicht: „Daß der Ehrenrat die Sache in die Hand nahm, war korrekt", heißt es in seiner Er- klärrmg. Soweit war also alles in Ordnung. Wo fängt denn nun die Inkorrektheit an! Man kann sich das Schweigen des Ministers darüber nur so deuten, daß er die betreffenden Offiziere, v. Reißwitz eingeschlossen, in der öffentlichen Versammlung vor dem Reichstag hat schonen wollen. Das war in einem solchen Falle, der die öffentliche Meinung in so hohem Grade erregt hat, schwerlich angebracht. Hier heißt es einmal — angesichts der fortgesetzten Unklarheiten, die in der Berichterstattung über die bedauerliche Affaire sich fanden — für die Öffentlichkeit Klarheit schaffen, auf Grund des amtlichen Protokolls über die Verhandlungen des Ehrenrats! Ebenso wohl wie es den Vorgesetzten der beteiligten Offiziere zugänglich ist, soll es in einem solchen Falle auch der Öffentlichkeit nichjt vorenthalten werden. Es genügt aber auch nicht, daß ein einziger der Schuldigen, wenn auch anscheinend der Hauptbeteiligte, der verdienten Strafe anheimfällt, sondern es ist erforderlich, daß auch diejenigen Offiziere, die offiziell im Ehrenrate gesessen haben, daß überhaupt alle, die irgendwie an dem traurigen Vorkommnisse mitschuldig sind, aufs strengste zur Verantwortung gezogen werden. Hoffentlich werden die letzten Verhandlungen im Reichstage über das Duellwesen, die neuerliche Stellungnahme des obersten Kriegsherrn, und die allgemeine Erregung weiter Kreise
im Deutschen Reiche anläßlich des letzten Duells jetzt einmal der Anlaß zu einer gründlichen Reform!
Die kommenden Monate
versprechen ganz besonders ereignisreich zu werden. Der Reichstag bringt hochbcdeutendc Verhandlungen und große Entscheidungen, die der
„Gießener Anzeiger"
sehr ausführlich wiedcrgeben wird.
Die wichtigen Beratungen in den Hessischen Ständc- kammern werden von keinem anderen Blatte des GroßherzogtuntS so ausführlich wicdcrgegeben wie vom
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Politische Tagesschau.
lieber eine neue Eisenbahn-Signaleinrichtung wird der „Volksztg." geschrieben:
„Eine bei der tönigl. Militäreisenbahn bereits seit vier Monaten versuchsweise tn Betrieb gestellte neue Eisenbahn- Signaleinrichtung erregt wegen ihrer Einfachheit und Zu- verlässigkeit das größte Interesse ui den Fachkreisen. Die Stellung der Signale erfolgt nicht durch Menschenhand, wie bei dem gegenwärtigen System, sondern selbstthätig durch die fahrenden Züge. Die Lokomotivführer könnet: aus der Stellung des einen Signals mit voller Sicherheit ersehen, in welcher Stellung sich das nächste vorausbefindliche Signal befindet, so daß jedes einzelne Signal' zum Vorsignal für das nächstfolgende Signa: wird, ohne daß eine Vermehrung der Signale erforderlich ist. Bei der neuen Einrichtung bleibt die Deckung des Zuges unter allen Umständen auch dann bestehen, wenn ein oder mehrere Apparate versagen sollten; dies ist von ganz besonderem Wichtigkeit, weil z. B. die große Eisenbahnkatastrophe bei Offenbach nicht hätte erfolgen können, wenn eine solche ausreichende Sicherung für den erwähnten Fall vorhanden gewesen wäre. Jedes einzelne Signal ist mit dem rückwärtigen Nachbarsignal derart verbunden, daß dieses niemals früher auf „Frei" gestellt werden kann, bevor nicht dessen vorausbefindliches Nachbarsignal auf „Halt" gestellt ist. Durch diese Verbindung der benachbarten Signale ist zwischen den Signalen und den fahrenden Zügen eine Abhängigkeit geschaffen, die — mit den Zügen fortlaufend — sich automatisch von Signal zu Signal fortpflanzt, so daß sich zwischen den hintereinanderfalirenden Zügen stets mindestens ein Haltesignal befinden muß. Die Signalwcrkung erfolgte präzise, sobald die letzte Achse des Zuges den durchfahrenen Streckenabschnitt verlassen hat.
Durch die neue Signaleinrichtung würde nach Ansicht von Fachleuten die Möglichkeit gegeben sein, auch die normale Leistungsfähigkeit der Berliner Stadtbahn — ohne Verlängerung der Züge und ohne Fahrgeschwindigkeit — erheblich zu steigern, ja zu verdreifachen, so daß der Ueber- füllung der Wagen leicht ein Ende gemacht wäre. Seit der Inbetriebsetzung der neuen Signaleinrichtung bei der Militäreisenbahn haben bereits über 1500 Züge und einzelne Lokomotiven diese passiert, wobei über 15 000 Arm- und Schfbensignale automatisch durchs die direkte Einwirkung der fahrenden Züge, ohne jede menschliche Beihilfe, gestellt und ebenso weithin tönende Glockensignale gegeben worden sind, ohne daß ein Versagen oder ein anderer Fehler vorgekommen wäre. Die Anschaffungs- und Unterhaltungskosten sollen wesentlich geringer sein, als bei der jetzigen Einrichtung; auch tonnen die neuen Hilfsmittel, durch welche die Betriebssicherheit bedeutend erhöht, und der Umlauf der Wagen beschleunigt werden würde, in jedes andere Signalsystem eiugefügt lverden, was ihre Einführung erleichtert. Die neue Eisenbahnsignaleinrichtung ist eine Erfindung des Eisenbahninspektors a. D Wilh. Prokow in Charlotten bürg und des Elektrotechnikers F. A. Nettelbeck."
Landwirtschaft.
** Zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche. Prof. Dr. Winckler und Kreisveterinärarzt Schmidt in Gießen veröffentlichen in der letzten Nummer der „Hess. Landw. Zeitschr" folgende Mitteilung Über ein von ihnen angewandtes Heilverfahren: Im April trat die Maul- und
Klauenseuche in dem Orte Wieseck bei Gießen in bösartiger Form auf, indem in vielen Seuchengehöften Tiere an der Seuche verendeten oder so zurückgingen, daß sie beseitigt werden mußten. Gestützt auf die Thatsache, daß Argentum eolloidale (ein in Wasser lösliches Silberpräparat von Erede) auch bei anderen Infektionskrankheiten mit Haut- und Schleimhautaffektioneii (Pitechialfieber und Druse der Pferde, sowie bei bösartigem Katarrhalfieber des Rindes) als spezifisch wirksam sich erwiesen hat, haben wir mit Argentum eotloidale bei einer Anzahl mit Maul- und Klauenseuche behafteter Rindviehstücke in Wieseck gemeinschaftliche Bersuck e vorgenommen. Vom 14. Mai an wurden 20 Kühe und 2 Rinder mit dem erwähnten Mittel durch Injektion in die Iugularvene behandelt. Jeder Kuh wurden 0,5 Argentum eolloidale mit 50 Gramm destilliertem Wasser gemischt, und jedem der beiden Rinder 0,25 Argentum eolloidale mit 25 Gramm destilliertem Wasser mittelst einer geeigneten Injektionsspritze in die Iugularvene injiziert. Der Erfolg dieser Behandlung war bei den Tieren, bei, welchen sich die Seuck;e noch int Anfangsstadium befand, ein überraschend günstiger, indem die Tiere schon andern Tages nur noch geringe Krankheitserscheinungen zeigten. Tie beträchtlichen, vor der Injektion des Mittels hochi- gradig geröteten Erosionen in der Maulhöhle waren kaum noch gerötet und die Abheilung derselben erfolgte rasch. Auch die Affekkionen an den Klauen waren bedeutend besser geworden, so daß die Tiere kaum noch lahmten. Bei den zwei Rindern, welche außer Appetitstörungen keine Krank- yeitserscheitiultgen zeigten, kam es überhaupt nicht zu Maul- und Älauenaffektionen, sie zeigten sich am folgenden Tage vollkommen gesund. Bei einigen Kühen war die Seuche vor der Injektion des Mittels schon weit vorgeschritten, aber auch bet diesen trat bald Besserung ein und der Seuchenverlauf war relativ günstig. Berücksichtigt man, daß der Verlauf der Seuche in Wieseck recht bösartig war, indem, wie bereits erwähnt, in vielen Seuchengehöften Rindviehstücke verendeten, während bei den mit Arg. eolloidale behandelten Tieren bald nach der Injektion Besserung und Heilung eintrat, so dürfte es berechtigt erscheinen, dem Arg. eolloidale eine spezifisch heilende Wirkung in den erwähnten Seuchenfällen zuzuschreiben. Ganz besonders muß auel) noch hervorgehoben werden, daß bei den sämtlichen 22 Tieren nur eine einmalige intravenöse Injektion von Arg. eolloidale gemacht und nur eine geringe Quantität desselben (0,5 bezw. 0,25) angewendet wurde, und es ist deshalb anzunehmen, daß bei Anwendung einer stärkeren Dosis sowie bei wiederholter Injektion am folgenden Tage die Wirkung auch bei den hochgradig erkrankten Stücken eine noch bessere gewesen wäre. Es empfiehlt sich hiernach bei größerem Rindvieh je nach der Körperschwere 1,0 bis 1,5, bei Jungvieh 0,25 bis 0,5 intravenös in 1 prozentiger Lösung zu verwenden und am folgenden Tage die Injektion dieser Dosis zu wiederholen. Vor der Injektion ist die Lösung, welche stets frisch zu bereiten ist, auf Körpertemperatur zu erwärmen. Die Ausführung der intravenösen Injektion ist jedem Tierarzt bekannt und bedarf deshalb keiner näheren Beschreibung, nur möchten wir hervorheben, daß die Operon tionsstelle, sowie die Spritze und Hohlnadel vor der Benutzung gründlich zu reinigen und zu desinfizieren sind. Ferner ist zu empfehlen, eine größere Injektionsspritze (etwa 150 Gramm fassend) zu verwenden, da dann das öftere Füllen einer kleineren Spritze hierdurch wegfällt und die erforderliche Quantität des Mittels mit der größeren Spritze' auf einmal injiziert werden kann. Aus den erwähnten Versuchen geht hervor, daß die intravenöse Anwendung von Argentum eolloidale gegen Maul- und Klauenseuche wirtsam ist. Zur sicheren Feststellung der Wirksamkeit dieses Mittels sind aber noch weitere Versuche erforderlich, und die vorstehende Mitteilung bezweckt zunächst, die berufenen Kreise zu veranlassen, bei jeder sich ergebenden Gelegenheit von dem empfohlenen Mittel in der erwähnten Weise Gebrauch zu machen. Schließlich sei noch erwähnt/, daß Argen-, tum eolloidale keine giftigen Eigenschaften besitzt.
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Weihuachtslitteratur.
Von Henrik Ibsens „Sämtlichen Werken", die Georg Brandes, Julius Elias, Paul Schlenther im Verlag von S. Fischer, Berlin, herausgeben, erschien soeben ein neuer Band, in der Reihe des Ganzen der vierte. Er enthält die dramatischen Gedichte „Bran d" und „P cer Gyn t", die von Georg Brandes kritisch-historisch beleuchtet werden, und weist den Umfang von 27 Druckbogen auf. Es handelt sich um einen der wichtigsten Teile des ganzen Unternehmens, denn von allen Werken Ibsens bieten dem Uebersetzer diese beiden Versstücke, ganz besonders aber „Peer Gynt", die größten Schwierig ketten. Es kann sich nicht mehr um Uebersetzungen allein, es muß sich um deutsche Nachdichtungen handeln, um eine Leistung, die zwar Ibsen in jeder Zeile zu geben hat, was seines Mistes ist, bei aller innerlichen Treue und Gebundenheit aber dem deutschen Ausdruck seine poetische Freiheit, seine literarische Selbstständigkeit nicht vorenthalten darf. Ein Poet muß hier des nordischen Meisters Helfer werden, und nicht nur das: auch ein unabhängig schaffender Genosse. Jetzt, sucht zum ersten Mal ein Dichter den Schatz zu heben, ein Dichter, der einerseits genug Selbftentäußerung besitzt, um sich dem überragenden Genie willig anzuvertrauen und hinzugeben, und andererseits eine so eigenartige Phantasie und eine so hohe und reiche Fülle des Ausdrucks zu eigen hat, daß er nachschaffend zwei Werke bieten konnte, an denen der deutsche Geist einen entschiedenen und selbständigen Anteil beanspruchen darf: Christian Morgenstern, der in der Ausgabe schon mit zwei bedeutsamen Uebertragungen — dem „Fest auf Solhang" und der „Komödie der Liebe" — erfolgreich debütierte. Ueberdies aber hat Ehr- Morgenstern Jahr und Tag im Norden, in Henrik Ibsens unmittelbarer Nähe, gelebt, um die realen Verhältnisse, die nationalen Beziehungen kennen zu lernen, sowie der sprachlichen
Mittel Herr zu werden, womit er den Dichtungen beikommen könne, die in den stofflichen Einzelheiten wie in der sprachlichen Form so durch und durch norwegisch sind. Diese Schule ist ganz besonders dem „Peer Gynt" zu gute gekommen, der, bei allem persönlichen Gehalte, von Volks- geift und Volkspoesie so saftig und kräftig durchdrungen ist. Was die .Herausgeber bei der ersten Mitteilung über die Gesamtausgabe hoffend äußerten: daß dem nordischen Originaltext eine deutsche Originaldichtung an die Seite treten möge, ist hier in Erfüllung gegangen. Formvollendet, sprachlich rein, charaktervoll treten die nordischen Gedichte in deutschem Gewände hervor. Sie werden sich gewiß nicht nur die Gunst des im Lesen genießenden Publikums, vielmehr auch die Bühnen unseres Vaterlandes erobern!
„Der Verrat von Metz." Von Karl Bleib treu. Mit Illustrationen von Ehr. Speyer. In farbigem Umschlag 1 Mk. — Verlag von Karl Krabbe in Stuttgart- — Der Verfasser der Schlachtenschilderungen von Wörth, Grave- totte, Sedan, Paris, Orleans, Belfort bietet eine Schilderung der Belagerung und Uebergabc von Metz. Das Metz-Rätsel wird hier in anschaulicher Form zu lösen versucht. Wir sehen die ehrzeizigen Selbsffuchtspläne des Marschalls Ba- zaine keimen, sich sprungweise entfalten, sehen zuletzt den indirekten Verräter sich in die eigene Schlinge verwickeln. Dies Buch ist reich an dramatischer Lebendigkeit un_b Spannung, bietet zugleich eine psychologische Charakterstudie, in dem auch das Ewig-Weibliche (Bazaines Gattin) nicht vergessen wird.
Björnstj erne Björnson, Das neue System, Schauspiel. Geheftet 3 Mark- Verlag Albert Langen, München. „Das neue System", vielleicht Björnsons hand- lungsreictzstes und bühnenwirksamstes Stück, führt uns in einen Kreis von norwegischen Ingenieuren und zeigt uns
an ihnen, wie die Menschen überhaupt sind. Björnson sieht seine Leute mit scharfen, klugen Augen an, er spart nicht mit unbarmherziger Satire. Nicht Bösewichter stellt er vor unsere Augen, gefährlicher als die menschliche Bosheit ist die menschliche Schwachheit, aus ihr wird die Lüge geboren, und sie wird groß und stark und beherrscht ganze Länder und Zeiten. Das ist eine pessimistische Weisheit, aber Björnson ist nicht der Mann, der sich in billigem Pessimismus resigniert. „Das neue System" zeigt uns, auf was für einem Fundament die Zwingburgen der Lüge stehen, wie nur ein starker Jünger der Wahrheit seine Hacke hineinzuschlagen braucht, und sie stürzen ohnmächtig zu Staub zusammen. Die Wahrheit muß doch siegen, und ihr muß alles zufallen, die einen gleich, die anderen nur langsam, je nach ihrem Charakter. Und die Fülle und Lebendigkeit der Charaktere, an denen der Dichter uns das zeigt, gebendem Stück ein so heiß pulsierendes Leben, daß sich ihm hierin wenige vergleichen lassen.
Björn st jerne Björnson, Leonarda, Schau- spiel. Geheftet 3 Mark- Verlag Albert Langen, München. Der große norwegische Dichter versteht es wie kein zweiter, unsere heutige nüchterne Zeit dichterisch zn verklären. „Leonarda" ist ein modernes Stück, das die Oberfläche des Lebens nicht idealisiert zu falschen Bildern, aber es öffnet uns unter der Oberfläche den Blick in die Tiefen einer edlen Frauenseele, es führt uns am Faden einer schlichten Handlung zu heroischen Gefühlen, wie,sie andere Dichter nur in der Vergangenheit zu suchen wißen. Björnsons urwüchsige Kraft und Frische nimmt ein graues Alltagsschicksal in die Hände, und siehe, es erstrahlt von unseren Augen in dem hellen Goldglanz großer, über dem Tag stehender Poesie. Erhebend und läuternd lehrt er unj so einen neuen Blick in unser eigenes enges Dasein.


