Ausgabe 
29.9.1901 Erstes Blatt
 
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hat. Dieses Dorf hatte eine Garnison von 150 Mann. Das Lager lag auf einem Abhang südlich vom Dorf. Auf dem Gipfel desKopje" waren Schanzen gegraben. Die Buren kamen, 40 Mann stark, gegen 5 Uhr morgens ins Dorf; sie überrumpelten die Wache, ohne einen Schuß abzugeben und nahmen auch den Magistrat gefangen. Als noch mehr ihrer Leute eingettoffen waren, krochen sie still gegen die Schanzen vor; sie wurden jedoch mit Sonnenaufgang entdeckt und es kam zu einem heißen Treffen. Die Laufgräben der Engländer waren nicht tief genug, weshalb mehrere durch Kopf und Schulter geschossen wurden. Ein Sergeant bekam eine Kugel längs des Scheitels, welche eine förmliche Rinne pflügte. Scherzend sagte später ein Bur zu ihm:Nou kerel, jij hoef nooit meer een padje te kam." (Du brauchst Dir kein Pfädchen (Schettel) mehr zu kämmen.) Rach einer halben Stunde er­gaben sich die Engländer. Maritz besuchte das Dorfgefängnis und setzte verschiedene Leute in Freiheit. In der letzten Zelle saß ein Soldat. Man sagte Maritz, daß dieser seinen Ser­geanten erschossen habe und auf der Flucht zu den Buren eingeholt worden sei.Er bleibt sitzen," sagte Maritz. Des- Halb haben ihm die Engländer den Titel ,a perfect gentle- HMto beigelegt.

Politische Tagesschau.

Ein Schienenweg in Kamerun.

Man schreibt uns aus Kolonialkreisen:

Es kann nicht behauptet werden, daß bisher deutsches Privatkapital in größerem Umfange in Deutschlands Kolonien hineingesteckt worden ist. Gerade weil er sich ;Sie Gelegenheit, das Kapital zur Arbeit in den Kolonien hexgnzpziehen, nicht entgehen lassen wollte, schloß ja der frühere Leiter des Kolonialamts, Herr v. Buchka, die be­kannten,. zuerst viel angefeindeten Konzessionsverträge mit der Süd- und der Nordwest-Kamerun-Gesell­schaft seinerzett ab. Zu Klagen haben diese Verträge bisher nicht Veranlassung gegeben. Jetzt berichtet dieDtsch. Kolo- nial'ztg." von einem Konsortium, das sich den Bau der !Bahn von Viktoria nach Mundame zum Ziel gesetzt hat und mit den Vorarbeiten bereits in allernächster Zeit Mginnen wird. Dieser Schienensttang würde also von der 'Küste Kameruns in das Plantagengebiet hineinführen, und der Kolonie ohne Zweifel bedeutende wirtschaftliche Bor­telle bringen. Es ist erfreulich, daß von privater Seite .wieder etwas für diese aussichtsreichste unserer Kolonien ge­schieht, und es wäre zu wünschen, daß die erwähnten beiden Kamerungesellschasten auch ihrerseits dem Bau von Schienen­wegen Beachtung zuwendeten. Nur durch eine beschleunigte Erschließung der inneren Gebiete Kameruns kann der Nach­teil ausgeglichen werden, der Deutschland in den Tschodsee- ländern infolge des Vordrängens Frankreichs und Englands erwachsen ist.

Ein Protest gegen die China«Kollekte".

/ Der ungewöhnlich seltene Fall, daß man jemand Hindern will, seine Schulden möglichst bald zu bezahlen, jist zum Ereignis geworden in China. Der nieberländische Minisierresident in Peking wünscht einen gemeinsamen Protest des diplomatischen Korps herbeizuführen gegen die originelle Absicht, durch chinesische Kommissionen von den im Auslande lebenden Zopfträgern Beiträge zur Kriegs­kostenentschädigung einzusammeln. Ob viel dabei heraus- käme, das mag ja dahingestellt sein. Aber man sieht doch !den guten Willen des Reichs der Mitte, seine neuen Gläu­biger, und gerade die am meisten zu fürchtenden, noch vor der festgesetzten, bekanntlich bettächtlich langen Zeit zu befriedigen. Es ist so ziemlich das erste Mal, daß die chinesische Regierung überhaupt guten Willen zeigt. Und .gegen ein so löbliches Beginnen erheben die Niederlande Einspruch? Warum? Verstößt es gegen die Würde der Mächte, daß für die Entschädigung durch Anrufung der Opserwilligkeit kollekttert wird? Das wäre wohl allzu fein- ftihlig, daran Anstoß zu nehmen. Wie die Entschädigung aufgebracht wird, das sollte den Mächten weiter keine Skrupel machen. Wir meinen: je eher die auf ChinasBe­strafung" verwendeten Millionen zurückfließen, desto besser! Alle Staaten ohne Ausnahme befinden sich gegenwärtig durchaus nicht in solchem Ueberfluß, daß sie den Mammon

und Leben berührendenAphorismen" beginnt.Wilhelm Raabe" begrüßt zur Jubelfeier sein Biograph Prof. Paul Gerber. Aktuelle Artikel zur Zeitgeschichte bringen weiter­hin Polytropos:Mna?" und Paul Dehn:Kommende Handelspolitik". Mit Julius HartsNeuem Gott" setzt sich Dr Mathieu Schwann einläßlich auseinander; von Darm­stadt sprechen Dr. M. G. Conrab:In Schönheit leben'" und Eberhard Buchner:Die D. Spiele", und über25 Jahre Bayreuth 24 Stunden München" verbreitet sich der Herausgeber. Endlich, referieren: Lehrer Junge überSchulrat Dr. Kerschensteiner und seinen Lehrplan für Münchens Volksschulen", sowie Helene Bon­fort überneuere Frauen-Litteratur". Daß außerdem noch Kritische Ecke",Besprechungen",Büchertisch" rc. den Inhalt sehr reichhaltig machen, versteht sich bei einem Organ wie diesem am Rande.

Sechstes deutsches SängerbundeSfest. Vom 26. bis 30 Juli 1902 findet in Graz das Sechste deutsche Sängerbundes­fest statt. 3u diesem Zwecke hat sich ein großer Festausschuß unter dem Ebrenvorsitze Seiner Excellenz des Landeshauptmannes Gra v Attems und unter dem Vorsitze des Bürgermeisters Dr. Gra gebildet Die Sängerhalle wird auf dem Grundstücke der Grazer 'Rennbahn errichtet werden. Der Bau wird ganz m Holz her- aestellt. Mächtige Bohlenbogen von 50 Meter Spannweite und 23 Meter Höhe werden das Gerippe für die eine freie Grundfläche von 96 Meter Länge und 50 Meter Breite bedeckende Sangerhalle bilden. Das Sängcrpodium wird für 7000 Sanger und 170 Musiker bequem Platz bieten. Der Zuhörerraum gliedert sich m em Par­terre mit 2400 Sitzplätzen und Stehplätzen für 3100 Personen und in eine Gallerte mit 700 Sitz- und 1700 Stehplätzen. Der Wirt­schaftsanbau im Osten der Halle wird ein Buffet von 50 Meter Längenausdehnung enthalten.

InBreslau ist der Inhaber der Verlags- und Kunst­anstalt von C. F. Wiskott, Kommerzienrat Theodor Wiskott, infolge einer aus einer kleinen Verletzung vor drei Tagen ent­standenen Blutvergiftung gestorben.

In dem soeben erschienenen wissenschaftlichen Beihefte zur Zeitschrift des Allg. Deutschen Sprachvereins (Heft 20) befindet sich ein Aufsatz vom Geh. Hofrat Prof. Dr. Otto B e h a g h e lBrauchen wir eine Akademie der deutschen Sprache?"

Ein Modell zu einem Denkmal für den Dichter des Struwwelpeters", Dr. Heinrich Hoffmann, hat der Frank­furter Bildhauer Petri; dieser Tage vollendet. Der Entwur zeigt ans einem architektonisch gegliederten Postament die Büste Hosimavns. An der Vorderseite befindet sich eine Kindergruppe, die, ans den Stufen des Postaments sitzend, mit dem Struwwelpeter LefMtigt ist.

nicht brauchen. Im Gegenteil, das Wünschenswerteste Ware gewesen, die Entschädigung an die Mächte wäre in der Weise beispielsweise der französischen Kriegsentschädigung, durch Appell an den Patriotismus unermeßlich reicher Staatsmänner wie Li-Hung-Tschang usw. aufgebracht wor­den. Unserem Reichsschatzsekretär Frhrn. v. Thielmann hätte darob das Herz im Leche gelacht. Tas Zahlungsversprechen Chinas ist dieTaube auf dem Dache". Die anderen Mit­glieder des diplomatischen Korps bettachten den Protest- Vorschlag des holländischen Kollegen als überflüssig und nicht zeitgemäß, denn, so besagt die Depesche aus Peking, es istnicht wahrscheinlich, daß man zu einer gemeinsamen Aktion schreiten wird." Sehr richtig. Mögen Chinas Send­boten in Frieden ziehen, und Gold in Hülle und Fülle zu­rückbringen von ihren Landsleuten im Auslande! Ihre Majestät die Kaiserin von China wird es an kleinen Er­munterungen zur Beisteuer, durch Jnaussichtstellen von Gunstbeweisen, gewiß nicht fehlen lassen.

Aus Stad! und Sand.

Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden augcuresseu honoriert.

Gießen, 28. September 1901.

* Ernennung. Der Großherzog hat den Prosektor an der Tierärztlichen Hochschule zu Berlin Wilhelm Knell zum zweiten Veterinärarzt bei dem Kreisveterinäramt Mainz mit dem laufenden Rang eines KreisveterinärarzteS, mit Wirkung vom Tage seines Dienstantritts an, ernannt.

** Der Gabelsberger Stenographen-Ver- ein feiert am 5. und 6. Oktober hier sein 40jährigeA Stiftungsfest. Für den 5. Oktober ist im großen Saale von Steins Garten abends ein Ball vorgesehen. Am 6. Oktober indet mittags halb 1 Uhr ebendaselbst eine akademische Zeier statt, in der Dr. Gttntter aus Frankfurt a. M. )ie Festrede hatten wird. Halb 2 Uhr folgt auf diese Feier ein gemeinschaftliches Festessen. Daran schließt sich nachi- mittags halb 4 Uhr ein Ausflug nach dem Philofophen- wald, wo man bei Tanz und sonstiger Unterhaltung noch einige Stunden vergnügt beisammen zu bleiben gedentt.

* Handfertigkeitsunterri cht. Unsere be- tehenden Schulen, Volksschulen sowohl als höheren Schulen, betonen in einseittger Weise die geistige Entwickelung und vernachlässigen die Ausbildung des ausführenden Organs, )er Hand, die doch das Werkzeug des Geistes, die Voll- treckerin des Willens ist. Tie heutige Schule gebraucht die Hand fast nur zur bildlichen Darstellung der Gedanken durch Feder und Zeichenstift. Die so nötige technische Ausbildung aber wird vergessen. Alle Erziehung muß in der Jugeno anfangen, also aiufy die Erziehung dieses edlen unersetz­baren menschlichen Organs; in oer Jugend sind die Glieder noch bildsam und die Nerven feinfühlig. Die vorhandenen Muskelansätze, die beim Nichtgebrauch verkümmern, können noch durch methodische Schulung zur Entwicklung gebracht werden. In einem späteren Alter ist das in dem Maße nicht mehr möglich; denn die Gelenke verlieren mit der Zeit ihre Geschmeidigkeit und können zu einer Ferttgkeit nicht mehr so gut erzogen werden. Eine gewisse Handferttg- keit ist heutzutage in vielen Berufen unerläßliche Be­dingung. Nicht allein für Handwerker, Handarbeiter, Fabrikarbeiter und dergl. ist die Ausbildung der Hand von größter Wichtigkeit, auch gar mancher gelehrte Berus er» ordert eine gewissehandliche Fertigkeit". Chemiker und Physiker können nur erfolgreich experimentieren, wenn ihre Hand den Befehlen des Geistes pünktlich und sicher Folge leistet; der Arzt wird nur ein guter Chirurge, wenn seine Hand gelenttg, feinfühlig und sicher ist. Auch der Natur­wissenschaftler kann aus die Hanofertigkeit nicht Verzicht leisten.

**DieSterbekafsebeutfcherLehrerin Berlin beabsichtigt, eine Militär-Darlehens-Kasse für deutsche Lehrer ins Leben zu rufen, die den Zweck haben soll, den militärpflichtigen Lehrern, die als Ein­jährig-Freiwillige in die Armee eintreten wollen, Gelegenheit zu geben, sich auf diesem Wege die fehlenden Geldmittel zu beschaffen. Tie Militär-Darlehenskasse soll eine Aktien - Gesellschaft werden. Das Grundkapital von vorläusig 500 000 Mark soll von der deutschen Lehrerschaft durch Entnahme von Aktien über je 200 Mark aufgebracht werden.

* Ergebnisse der Beitreibung der di­rekten Steuern im Großherzogtum Hessen. In der letzten Nummer der Mitteilungen der Zentralstelle für die Landesstatisttk sind auch die Ergebnisse der Beitreibung der direkten Steuern im Großherzogtum Hessen für das Jahr 1899/1900 veröffentlicht. Danach wurden im ganzen 328349 Mahnzettel ausgestellt über Geldbeträge von zu­sammen 1893 802 Mk. Davon wurden vor Ausstellung der Pfandbefehle bezahlt 133 224 Posten mit einem Gesamt­betrag von 921 780 Mk. Nach den Pfandbefehlen blieben rückständig 195125 Posten mit einer Gesamtsumme von 972 022 Mk. Zur Pfändung kam es in 138 381 Fällen, wirk­lich vorgenommen wurden aber 74 589 Posten im Gesamt­betrag von 446 719 Mk. Als uneinbringlich wurden fest­gestellt 25313 Posten mit einem Betrag von 76 002 Mk. Am größten war die Zahl der vorgenommenen Pfändungen im Bezirk der Obereinnehmerei Mainz, sie betrug 21308 Posten; am niedrigsten war die Zahl im Bezirk Alsfeld mit 817 Posten. Durch Verkauf der Pfänder wurden ein­gebracht 3318 Posten, wofür ein Geldbetrag von 12 247 Mk. erlöst wurde, wovon 1314 Mk. Versteigerungskosten in Ab­zug kommen. Definitiv uneinbringlich waren 121527 Posten für einen Geldbetrag von 673 717 Mk., wofür die Beitreibungskosten einschließlich Mahngebühren 63 540 Mk. betrugen.

** Tampfkess elexplosion en. Während d:s Jahres 1900 fanden im Deutschen Reiche 13 Dampfkessel- Explosionen statt. Die Zahl der dabei getöteten Personen betrug 6, schwer verletzt wurde eine Person, leicht ver­wundet 17 Personen.

** Zu dem folgenschweren Krawall in Bechtolsheim (Rheinhessen), über den wir berichteten, wird von anderer Seite geschrieben: Als der Sergeant des Regiments, das in Bechtolsheim im Quartier lag, am Sonn­tag abend gegen 10 Uhr sein Quartier aufluchte, wurde er an der Hausthüre von mehreren an der Ecke des Hauses stehenden Personen mit Steinen und Holzknüppeln geworfen. Da er die Thür verschlossen fand, eilte er um das Haus herum in den Hof, wo aber sofort vier Leute über ihn her­fielen. Er erhielt einen Schlag über den Rücken, sodaß er zu Boden stürzte. Zunächst wehrte sich Krüger mit der Faust; als aber die Angreifer ihn am Arm verletzten und riefen: Du Hund schindest keine Rekruten mehr, Du mußt heute sterben!" zog er, da er das Seitengewehr nicht bei sich hatte, sein Messer und stach damit um sich. Dabei traf er einen der Angreisen derartig, daß dieser eine schwere Ver­letzung am Unterleih erhielt und sofort zusammenbrach.

In der dadurch entstandenen Verwirrung gelang es b'ettt Sergeanten, in das Hans zu fliehen. Bald aber hatte sich auf das Geschrei der anderen ein großer Menschenhaufe vor dem Hause angesammelt, der vom Quartierwirt unter Droh­ungen die Herausgabe Krügers forderte. Schließlich stürmten die Leute das Haus und entdeckten den Sergeanten auf dem Abort, wo er sich versteckt hatte; es gelang ihm aber, die Menge zu durchbrechen und auf das Dach des' Hauses zu flüchten, nachdem er mehrere Dachziegel von unten durchbrochen hatte. Als nun die aufs Aeußerste erregte Volksmenge Anstalten traf, ihn von dort mit einer Leiter herunterzuholen, entkam Krüger nochmals und flüch­tete die Straße entlang dem Pfarrhause zu, wobei er aus einem Gewehr, das er unterdessen ergriffen hatte, zwei Schüsse mit Platzpatronen auf die anstürmende Menge ab­gab. Es gelang dem Sergeanten, sich in das Pfarrhaus zu lüchten; der Pfarrer trat vor die Thür und erklärte, daß er jedem Eindringenden gegenüber von seinem Hausrecht Gebrauch machen werde. Inzwischen waren auch Militär­mannschaften alarmiert worden; diese vermochten mit auf­gepflanztem Seitengewehr die Ansammlung mit vieler Mühe zu zerstreuen. Sergeant Krüger dient im 7. Jahre und ist bisher unbestraft. Ter Gestochene, der mittlerweile seiner schweren Verletzung erlegen fein soll, hat selbst zugegeben, den Sergeanten zuerst angegriffen zu haben. Es scheint somit bei dem beklagenswerten Ereignis unzweifelhaft Not­wehr vorzuliegen; die sofort eingeleitete ftrenge Unter­suchung wird darüber Wohl definitive Aufklärung geben. Krüger, der selbst nicht unerheblich verletzt ist, ist vor­läusig in Hast genommen worden.

-l- Heuchelheim, 27. Sept. Seit langen Jahren hat es in unserer Gegend nicht so viel Raupen gegeben wie heuer. Sollte nicht alles zu Grunde gehen, so mußte man sie nach Möglichkeit verttlgen. Man sah denn auch überall Erwachsene und Kinder mit dem Ablesen und Töten der gefräßigen Tiere beschäfttgt. In dem benachbarten Atzbach suchte man sich durch Bestteuen des Krautes mit Viehsalz zu helfen. Tas billigste, einfachste und beste Mittel jedoch um der Plage mit Erfolg zu begegnen, ist ein energisch durch­geführter Vogelschutz, besonders auch in der jetzt nicht mehr fernen kalten Jahreszeit, und man sollte überall dem Beispiele der Weinbergsbesitzer an der Mosel fleißig nachkommen und Nistkästen für die Vögel anbringen.

mn. Friedberg, 2b. Sept. In dem Erker der Buch­handlung von Carl Bindernagel ist das Ehrenbürger-, Tiplom für Bürgermeister Steinhäußer ausgestellt Wir empfehlen das durch Federzeichnung hergestellte Kunst­werk, über das wir eingehend berichtet haben, der ein­gehenden Besichtigung.

m Lauterbach, 27. Sept. Der Stellvettreter eines Eisen- bahnbau-Unternehmers auf der Sttecke LauterbachGreben­hain, der in der Sttaflache gegen einen italienischen Arbeiter, der zum Nachteile seines Dienstherrn Dynamitpatronen sich rechtswidrig angeeignet hatte, vor der dortigen Straflammec heute als Zeuge oemommen wurde, hatte als Zeugen­gebühr rc. die Summe von 61 Mk. liquidiert, indem ec bei­spielsweise für einen Wagen von Ilbeshausen nach Lauter­bach und zurück je 12 Mk. für diesen Betrag kann man hier, beiläufig bemerkt, einen Wagen für die ganze Tages­tour bekommen in Anrechnung gebracht. Wie voraus­zusehen war, wurde diese übermäßige Forderung von gericht­licher Seite nicht anerkannt, vielmehr dem Zeugen die schrift­liche Liquidation derselben anheimgegeben.

f . Worms, 27. Sept. Tas Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerk ist unter eine gemeinschaftliche Leitung gebracht worden. Zum Direktor wurde Sperr Lem- pelius bestimmt. Ingenieur und Vertreter des Direk­tors wurde der seitherige Jnstallationsingenieur Es per, und die Rechnerstelle ist Herrn L e h a übertragen worden.

Worms, 27. Sept. Tie Stadtverordneten-Versamm- lung hat die Regulierung bezw. zeitgemäße Erhöhung der städtischen Beamtengehälter um etwa 10 Pro­zent gleich etwa 20000 Mark pro Jahr in ihrer letzten Sitzung beschlossen. Anlaß zu dieser Aufbesserung gab die früher schon erfolgte Regulierung der Lehrer- und staat­lichen Gehalte, so daß ein Ausgleich gefunden werden mußte, um die städtischen Beamten mindestens ebenso gut zu stellen, wie diejenigen des Staates. Durch diese Regulierung ist eine ganz feste Norm im Gehaltsverhältnis gebildet worden, so daß tüchttge Kräfte bleibend im Dienste der Stadt er­halten werden können.

§ Wetzlar, 26. Sept. Die Handelskammer hat gestern zum Zolltarifentwurf einstimmig einen Beschluß ge­faßt, demzufolge sie sich mit der allgemeinen Tendenz des Ent­wurfes einverstanden erklätt, sich aber gegen eine gesetzliche Festlegung von Mindestzöllen für Getreide und für Bei­behaltung der gemischten Transitläger für Getreide sowie für die Gewährung von Zollstundungen für Getreide rc. aus­spricht.

Frankfurt a. M., 26. Sept. Die Mehrzahl der hie­sigen Hoteliers und Gastwirte, darunter die ersten Firmen, zeigten im Einverständnis mit dem Gastwirteverein der Oberpostdirektion an, daß sie vom 1. November ab keine Postzustellungen mehr für die bei ihnen eingekehrten Frem- den übernehmen.

Vermischtes.

Dresd en, 25. Sept. Der Po std irektor Böttcher hat hier den Tod in der Elbe gesucht und gefimden. Der Beamte war feit kurzer Zeit schwer nervenleidend und daher dienstlich nicht mehr thätig.

* Gelsenkirchen, 27. September. Hier wurden weitere 30 Typhus-Erkrankungen konstatiert. ES wurde festgestellt, daß die Wasserleitung verseucht ist. Die Epidemie nimmt eine immer größere Ausdehnung an und hat auch Alten-Esien ergriffen. Alle Lustbarkeiten und Versammlungen wurden verboten. In den industriellen Werken wird den Arbeitern Kaffee verabfolgt. Gestern wurde in mehrfachen Konferenzen der Behörden mit den Vertretern der Industrie die Frage einer zeitweiligen Absperrung des LeitungSwasscrL erwogen. Diesem Vorschläge wurde jedoch seitens des Ver- treterS der Eisenbahn widersprochen. Nunmehr soll die Wasserleitung mit Schwefelsäure desinfiziert werden. Bergrat Müller wies hierbei auf die ungünstige Einwirkung der Schwefelsäure auf die Dampfkessel hin, da hierdurch Explo­sionen zu befürchten seien. r

Kiel, 27. Sept. Die Hebung des auf 45 Meter Tiefe liegenden Wrack des bei Arkona gesunkenen deutschen KreuzersWacht" ist desinittv aufgegeben. Ein Dampfer der hiesigen Kieler Werst mit Sprengmatenal und Personal der ersten Torpedo-Abtheilung geht nach der Unfallstelle, u..i diejenigen Wrackteile zu beseitigen, welche den SchiMZcttM,