durch Rundschreiben den Botschaftern der Mächte angezeigt, das; er Konstantinopel verläßt und daß an seiner Stelle nur der Botschaftsrat Bapst zur Erledigung der laufenden Geschäfte privater Natur zurückbleibt. Da außerdem die Niederholung der französischen Flagge auf dem Botschaftspalais stattgefunden hat, so bedeutet das offenbar einen Abbruch der diplomatischen Beziehungen, wenn am; nicht in aller, so doch in recht betonter Form. Am vergangenen Samstag waren alle Streitfälle mit der Pfort.- geregelt, im besonderen hatte der Sultan das Zugeständnis gemacht, die Stadengesellschaft in alle ihre Rechte einzusetzen. Constans hatte sich nach vorheriger Anfrage bei seiner Regierung hierdurch befriedigt erklärt, und wenn er nun doch abgereist ist, so bleibt kaum eine andere Erklärung als die, daß die Pforte noch einmal versucht hat, von den gemachten Zugeständnissen zurückzukommen und ihre Ausführung in die Länge zu ziehen. Die Abreise des Botschafters kann unter allen Umständen als ein starkes Druckmittel angesehen werden. In einem früheren Stadium der Sache schien die französische Regierung die Absicht zu haben, noch einen Schritt weiterzugehen und eine Panzerflotte nach den türkischen Gewässern zu entsenden. Es entzieht sich unserer Kenntnis, ob eine solche Absicht heute noch besteht, oder in welcher Weise die französische Regierung oie Angelegenheit weiter zu betreiben gedenkt. Als vor einer Woche von der Entsendung von Kriegsschiffen die Rede war, -glaubte man, daß diese Sck)iffe nicht beauftragt werden würden, kriegerische Operationen vorzunehmen. Man schien in Frankreich selbst vielmehr zu glauben, daß die bloße Thatsache der Anwesenheit eines franzosische-ry Panzergeschwaders in den türkischen Gewässern einen ausreichend starken Druck auf den Sultan ausüben würde und daß man, ohne zu militärischen Operationen zu schreiten, Möglichkeiten genug finden würde, der Pforte durch die Flotte recht unangenehme und peinliche Stunden zu bereiten. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß man auch jetzt noch diesen Standpunkt nicht verlassen hat und daß der Streitfall in verhältnismäßig ruhiger Weise seine Austragung finden dürfte. Tie folgende Note der „Agence Havas" begnügt sich mit einer datenmäßigen Aufzählung der Vorgänge und der Miteilung, daß der Botschafter, da nicht alle eingegangenen Verpflichtungen gehalten worden seien, Konstantinopel verlassen habe. Sie lautet:
„Am 17. August war ein Abkommen zur Erledigung verschiedener Fragen mit der Pforte getroffen worden. Tie Einzelbestimmungen dieses Abkommens waren von dem türkischen Minister des Auswärtigen mit Zustimmung des Sultans abgefaßt worden. Letzterer hatte dem Botschafter Constans versprochen, daß der Text dieses Abkommens ihm am folgenden Tage ausgehändigt werden solle. Am 19. August telegraphierte Constans nach Paris, daß keine der eingegangenen Verpflichtungen von der Türkei gehalten worden sei. Am 21. August ant- toortete der Minister des Auswärtigen, Delcasse, daß angesichts einer solchen Nichteinlösung des gegebenen Wortes die französische Regierung nicht geneigt sei, die Verhandlungen fortzusetzen. In dem betreffenden Telegramm wurde Constans aufgefordert, der Pforte mitzuteilen, daß er den Befehl erhalten habe, Konstantinopel zu verlassen. Am 23. August machte Constans der Pforte die ihn, anbefohlene Mitteilung und kündigte seine Abreise für den 26. August an. Da an diesem Tage nicht alle eingegangenen Verpflichtungen eingehalten wurden, verließ der französische Botschafter Konstantinopel."
Dazu wird aus Paris geschrieben: Die Note der „Ag. Hav." scheint anzuzeigen, daß der Minister des Auswär trgen, Delcasse, den neuen Abschnitt der Entwicklung des französisch-türkischen Konflikts sehr ernst auffaßt. Auf Grund spezieller Nachrichten erachtet Delcasse die auf die französischen Reklamationen hin gegebene Genugthuung bezüglich der Quai-Gesellschait nickst für ausreichend; er beabsichtigt vielmehr, Regelung aller mit der Pforte schwe- banden Angelegenheiten zu fordern. Als Constans im Begriff stand, den Orient-Expreßzug zur Abfahrt zu besteigen, erhielt er den Besuch des Großceremonien- Meisters des Sultans, der ihn in des Letzteren Namen ersuchte, in Konstantinopel zu bleiben. Der Groß- ceremonienmeister fügte hinzu, der Sultan sei bereit, neue Zugeständnisse zu machen. Constans erwiderte, er könne die Verletzung formeller Versprechungen, die mit Zustimmung des Sultans von der türkischen Regierung abgegeben seien, nicht zulassen. Es handle sich nicht um eine Geldfrage, sondern um eine Frage der Loyalität; er weise es zurücr, sich auf erneute Verhandlungen einzulasfeü und reise daher ab.
Hohe Gäste haben ftch 'zu den Ziarentagen in Frankreich angemeldet. Zunächst Leopold, der König der Belgier. Er wird als Gast des Präsidenten Loubet an der Flottenrevue in Dünkirchen teilnehmen und natürlich auch dem Zaren seine Aufwar, i.rg machen. Eine politische Bedeutung wird dieser Begegnung nicht beizulegen sein, es handelt sich hier lediglia> um einen Akt der Höflichkeit. Das gleiche gilt von dem Besuch den der junge, noch nicht großjährige König Alfons von Spanien während der Festtage in Rheims abstatten will. Der zukünftige Regent des pyrenäischen Königreichs mag wohl den Wunsch haben, sich bei dieser Gelegenheit dem Herrscher des Reußenlandes vorzustellen. Für später ist angeblich ein Besuch König Alfons in Berlin und Wien in Aussicht genommen, wohl ebenfalls zur Vorstellung an diesen Höfen; denn im nächsten Jahre tritt der junge König die. Regierung an. Zur Begleitung nach Rheims soll ihm General Weyler, der jetzige Kriegsminister und bevorzugte Vertrauensmann des Madrider Hofes, beigegeben werden, was, wie es heißt, rn Paris angenehm berührt hat. Wodurch sich Weyler diese Sympathie der Franzosen erworben hat, ist unerfindlich.
Die plötzliche Erkrankung de8 chinesische» „Siihneprinzeu" In Basel erweist sich nun doch als eine Finte. Nach einem Baseler Blatt machte Tschun nicht den Eindruck, daß er krank, ja nicht einmal, daß er unwohl sei. Der Vorwand ist so durchsichtig, wie es die berühmten „Gesundheitsrück sichten" beim Rücktritt von Staatsmännern zu sein pflegen. Der neu ernannte chinesische Gesandte in Berlin, Jingtfchang, hat in einer Unterredung in Basel bereits zugegeben, daß sich noch allerlei Schwierigkeiten ergeben würden; Prinz Tschun könne vorläusig, ohne ausdrückliche Genehmigung Chinas, den von Berlin aus an ihn gestellten Forderungen nicht entsprechen und mache daher in Basel Station. WaS mögen das wohl für Forderungen sein? Uebermäßig kate gorischer oder demütigender Art gewiß nicht. Denn es sind ja doch Vorbereitungen in Hülle und Fülle zum Empfang des Prinzen getroffen worden. Spalier, Ehrenwache, zehn Köche usw. ES mag fatal sein, das „Bedauern" der chine
sischen Regierung über die Ermordung unseres Gesandten in Peking aussprechen zu müssen, doch ist selten eine bittere Pille so versüßt worden. Eine Reihe von guten Tagen gegen eine peinliche Viertelstunde. Prinz Tschun wäre am Ende schon in Berlin, wenn er dürfte. Die chinesische Re- gierung hat eS sich möglicherweise „anders überlegt"; oder sie will sich kostbar machen mit dem Ausdruck des Bedauerns, so wenig als möglich ihrem Stolze vergeben. „Allgemach", bemerkt die „Voss. Ztg.", „droht die Sühne eine Wendung zu nehmen, die heiter erschien, wenn sie nicht tief ernst wäre".
Generalmajor Richter, der Begleiter des Prinzen Tschun, war am 26. abends spät in Wilhelmshöhe und wurde sofort vom Kaiser empfangen. Gestern früh reiste er nach Basel zurück. Schon daraus und aus dem Besuche des chinesischen Aesandten in Berlin, Lue hai-hueau, in Basel darf man chließen, daß man an maßgebender Stelle das Bauchgrimmen >eS Chinesen für ein politisches anzusehen geneigt ist. Mög- ich, daß man dem Herrchen nochmals besondere Kautelen ür sein teures Leb-n zusichert, möglich aber auch, daß die Nachrichten über die fortwährenden Verzögerungen des Verhandlungenabschlusses von Seiten Chinas damit zusammen hängen. Es wäre gar nicht so sehr vom Ueblen, den Empfang der Sühneprinzen davon abhängig zu machen, daß erst das Friedensinstrument die chinesischen Unterschriften bekomme, und daß man so lange die Thüren der in Potsdam ür Herrn Tschun vorbereiteten Gemächer verschloffen hält.
Die Ernennung des Abtes Benzler zum Bischof von Metz und des Eisäffers Zorn von Bulach zum Weih- rischof ist nunmehr durch den Papst vollzogen worden. Sie ist, wenn auch kein ganzer — bekanntlich war Zorn v. Bulach erst für den Metzer Bischofssitz vorgesehen — doch immerhin ein großer Erfolg über die französischen Einflüsse im Vatikan, wo bekanntlich der Kardinalstaatssekretär Rampolla voll- tänbig im französischen Fahrwasser schwimmt, und die ranzöselnde Geistlichkeit des OberelsaßeS, Abbs Wetterlä und ein Anhang, werden in ihrer deutsch-feindlichen Thätigkeit ich wohl oder übel jetzt etwas zu mäßigen haben, nachdem ie den neuen Wind verspürt, der von Rom herüber in die lleichslande weht. Hoffentlich folgt die katholisch-theologische Fakultät an der Straßburger Universität als zweite Bresche nach und damit die Erziehung der künftigen Generation des elsässischen Klerus nicht mehr ausschließlich im französischen Geiste.
China.
Ter „Köln. Ztg." wird aus Berlin telegraphiert: Alle Edikte des Kaisers von China, welche die Anträge der Gesandten genehmigen, sind nunmehr erlassen worden, und es fehlt nur noch ein Edikt, das die Zustimmung zur Regelung der Jangtse-Mündung giebt. An einer raschen Erteilung auch dieser Zu- timmung wird nicht gezweifelt.
Tie astronomischen Instrumente der alten Sternwarte in Peking sind, wie jetzt ziemlich feststeht, von dem deutschen Dampfer Palatka als Kriegsbeute nach Bremerhaven gebracht worden? Man schien anfangs nicht glauben zu wollen, daß die Deutschen in China, mit dem wir bekanntlich gar nicht mal im Kriege gelegen haben, nach dem Muster des ersten Napoleon gehandelt hätten. Neuerdings aber werden von allen Seiten Stimmen laut, welche die Wegnahme der geschichtlich-historisch merkwürdigen Instrumente, die doch kein Kriegsmaterial bilden können, aufs sck-ärfste verurteilen. Man verlangt „authentische Auskunft"; aber das hartnäckige Schweigen aller Offiziösen dürfte beweisen, welche Aus^inft allein gegeben werden kann. Als im letzten Winter gemeldet wurde, Deutsche und Franzosen hätten die Instrumente unter sich geteilt und seien am Einpacken, entstand in Frankreich ein olcher Unwille, daß der französische Kriegsminister Befehl gab, die Instrumente an ihren Platz zurückzustellen. Auf deutscher Seite scheint man nicht Feingefühl genug gehabt zu haben, gleichfalls von der Wegnahme abzustehen. Es wäre interessant, zu wissen, wer sie eigentlich angeordnet hat. Die „Nat.-Ztg." meint, es wäre das beste, die Instrumente nicht erst auszupackrn, sondern dem „Sühneprinzen" nach China mit zurückzugeben. Diejenigen freilich, die geglaubt haben, sie als Siegesbeute im Triumphe nach Deutschland führen zu müssen, werden kaum aus die Trophäen verzichten wollen.
Engländer und tbuveu.
Eine Depesche des Generals Kitch^ner aus Pretoria besagt: Ein Convoi, der sich von Kimberley nach Griquatown begab, nxurde am 24. August bei Rooikopje von den Buren angegriffen. Letztere wurden zurückgeschlagen. Die Verluste der Engländer betragen neun Tote, 23 Verwundete. Der Convoi tarn später unversehrt an seinem Bestimmungsort an. — Achtzehn Buren aus Transvaal wurden vor Rawlinson östlich von Edenburgh gefangen genommen.
Der Führer des Afrikanderbonds im Kap-Parlament, Merriman, ist auf seiner eigenen Farm in der Nähe von Stellenbosch für verhaftet erklärt worden. Merriman hat sein Wort gegeben, die Farm nicht zu verlassen. - Nach weiteren Urteilen gegen in Camdeboo verhaftete „Aufständische" wurden zwei schuldig befunden, die Urteile aber wegen der Jugend der Verurteilten nicht vollstreckt. Vier Aufftändische wurden zu lebenslänglicher Zwangsarbeit auf der Bermuda-Insel, zwei weil sie auf englische Truppen in Camdeboo schossen, wegen Hochverrats und Mordversuchs zum Tode verurteilt. Diese Urteile wurden bestätigt.
Gouverneur Mil ne r ist nach Kapstadt zurückgekehrt. Bei dem Empfange, den ihm die Bevölkerung bereitete, sagte der Mayor in seiner Ansprache, Milner werde die loyale Unterstützung der Stadt bei der Durchführung^ seiner Politik finden. Milner erwiderte, sein Empfang in England habe auch nicht den geringsten Zweifel an dem unerschütterlichen Entschluß des englischen Volkes und der englischen Regierung gelassen, die in Südafrika eingeschlagene Politik fvrtzuführen.
„Daily Telegraph" meldet aus Hilversum vom 23. ds. Mts., Präsident Krüger habe im Laufe einer Unterredung erklärt, nichts mit Ausnahme der Haltung der englischen Regierung habe sich in der Lage der Dinge geändert. Die Buren befolgten dieselbe Taktik, die sie bei Beginn des Krieges befolgt hätten. Man habe sie früher militärische Taktik geheißen, dann habe man sie irreguläre Kriegführung genannt, es sei jetzt die Taktik der Verteidigung. Die Zahl der Buren sei geringer geworden, aber ihr Widerstand zeige auch heute alle wesentlichen Bestandteile
einer regelrechten Kriegführung. Tie Burenführer hätten ihre Mannschaften in der Gewalt, wie auch die Buren regierung das Burenvolk immer noch regiere. Die Proklamation Lord Kitcheners könne nur eine Wirkung auf die Buren haben, nämlich die, ihre Gemüter zu erbittern, ihre Waffen zu stählen und ihren Widerstand hartnäckiger zu machen. Die Behauptung von einer Verschwörung der beiden Republiken wider die britische Herrschaft in Südafrika sei eine häßliche Lüge. Er spreche es hier vor dem Angesicht des allmächtigen Gottes aus, es sei dies eine Lüge, die Blutvergießen und Vernichtung erzeugt habe. Gott wisse, daß. er die Wahrheit sage, und seine Zeugen hienieden seien Salisbury und Chamberlain. Diese müfjten genau, daß das, was er spreche, wahr sei. Niemals habe es eine verderblichere und teuflischere Lüge gegeben. Auf der Basis der U n a b h ä n g i g keit der beiden Re- publiken und voller Straflosigkeit der Aftikander der Kap- kolonie könne noch immer ein wahrer, dauernder Friede geschlossen werden.
Deutsches Reich.
Berlin, 27. Aug. Aus Potsdam wird gemeldet: Der Kaiser und die Kaiserin trafen heute abend 7.15 Uhr auf der Station Wildpark ein und begaben sich nach dem Neuen Palais. Zum Empfange auf dem Bahnhof war Prinz Eitel Friedrich anwesend.
— Ans Anlaß seiner Jubiläumsfeier hatte das in Warschau garnisonierende russische Leibgarde-Regiment „König Friedrich Wilhelm III.", dessen Chef Kaiser Wilhelm ist, an den Monarchen ein Begrüßungstelegramm gerichtet. Hierauf ging dem Regimentskommandeur folgende telegraphische Antwort zu:
„Ich danke herzlich dem Regiment für den aufrichtigen Gruß und sende dem Regiment auch Meinerseits die besten Glückwünsche zum heutigen Feste, indem Ich überzeugt bin, daß das Regiment auch in Zukunft beseelt sein wird von jenem hohen Geiste, durch den sich die ruh mb edeckte ^Waf sen b rüderschast mit der deutschen Armee ausgezeichnet hat."
— In Bezug auf den beabsichtigten Uebertritt der Landgräfin Anna von Hessen, geb. Prinzessin von Preußen auf Schloß Adolfseck zum Katholizismus wird dem „Schwäb. Merkur" von unterrichteter Seite das folgende mitgeteilt: Die Hinneigung der Prinzessin, die infolge trüber Lebenserfahrungen längst ein mystisch-religiöses Wesen zur Schau trägt, zum katholischen Kultus ist gewiß schon seit fast einem Jahrzehnt zu bemerken gewesen. Genährt .wuroe diese Swärmerei zunächst durch den vor drei einem halben Jahre verstorbenen Bischof Dr. Komp. Bald mehrten ich die Besuche der Fuldaer Domkapitulare auf dem ein» am, aber .idyllisch gelegenen Schlosse. Man verstand es, die alternde Dame mehr und mehr für Zeremonien des römischen Gottesdienstes zu interessieren. So kam es, daß ie während der letzten Jahre erhebliche Summen für katholische Zwecke spendete und bei Akten der Wohlthätigkeit in immerhin auffälliger Weise die katholischen Bittsteller bevorzugte. Wenn der Uebertritt bis jetzt noch nicht formell vollzogen wurde, so hat dies einzig seinen Grund in der Rücksicht auf das preußische Königshaus, wie denn auch der Kardinal Dr. Kopp der Landgräfin geraten haben sott, unter den augenblicklichen Verhältnissen von einem öffentlichen Uebertritte abzusehen.
— In der „Bresl. Ztg." waren die Ursachen der vor etwa 10 Jahren erfolgten Ablösung desGrafen Walde rsee vom Posten -eines Chefs des Generalstabes txr Armee erörtert worden. Nachdem bargelegt war, daß die Ablösung hauptsächlich die Folge einer Kritik des damaligen Generals Grafen Walderfee über die Befehlsführung des Kaisers bei den schlesischen Manövem von 1890 gewesen ein soll, heißt es zum Schluß:
„Tie „Schief. Ztg." veröffentlichte unmittelbar nach jenen Manövern einen Artikel, in dem der gleichen Meinung (der des Gr. Waldersee) Ausdruck gegeben wurde. Dieser Artikel verstimmte an maßgebender Stell so, daß eine Untersuchung nach dem Verfasser jenes Artikels eingeleitet wurde. Diese Untersuchung ergab zwar kein sicheres Resultat, aber kurz darauf wurde General v. Boguslawski, der bekannte Militärschriftsteller, zu jener Zeit Kommandeur der 21. Jnfanteriebrigade, jedenfalls als der Verfasserschaft verdächtig, zur Disposition gestellt."
Hierzu erklärt der Generalleutnant z. D. v. Boguslawski inBadNauheim, daß er 1. nicht kurzer Sand zur Disposition gestellt worden sei, sondern dies geschah nach Einreichung seines Abschiedsgesuches und nachdem er vorher zum Generalleutnant der Armee befördert worden war; 2. habe er den bezeichneten Artikel in der „Schief. Ztg." nicht geschrieben; 3. ob er „der Verfasserschaft ver- dächkig" gewesen sei, davon sei ihm nichts bekannt ge> worden.
— Tie von dem Finanzminister mit dem Kriegsmini' sterium und demMichsschatzamtüber die N ied e r legung der inneren Befestigungsan lagen b er Stabt Posen geführten Verhandlungen finb zum Abschluß gelangt . Um bie Durchführung ber Entfestigung nach Möglich feit zu beschleunigen, kauft ber Preußische Staat die gebadeten Anlagen vom Deutschen Reich für einen in Jahres raten bis 1905 zu zahlenden Kaufpreis von 11 ein Vierte! Mill. Mk. Eine erste Rate von 3 Mill. Mk. wird bereits ii den Entwurf des nächstjährigen Staatshaushaltsetats ent gestellt. Auf dieser Grundlage wird es, wie gehofft werde» darf, gelingen, die für die Entwickelung der Stadt Poft* überaus wichtige Frage in einer den Interessenten bei Staates wie der Stadt entsprechenden Weise ihrer Lösunz entgegenzuführen.
— lieber das Urteil des, Oberkriegsgerichts im Kro- sigkpozeß sprach in Berlin am Montag in einer fejiaJ demokratischen Versammlung der Rechtsanwalt Dr. tie» knecht, ein Sohn Wilhelm Liebknechts. Es gelangte ei« Resolution zur Annahme, derzufolge man erwartet, o« „das Urteil aufgehoben und die Angelegenheit einer noa- maligen Verhandlung unterzogen werde."
— Aus Steyl erhält die „K. V.-Z." vom Mutterhaus der Gesellschaft vom Göttlichen Worte folgende Mitteiiu g „Unternr 16. Juli schreibt uns P. Bartels, Prokurator Tsingtau: ,Gestern kam ein Telegramm hier an, n welchem in Küjä sechs Christen getötet worden st — KiM liegt in Tfautschonfu, etwa anderthalb von Tschantjatschuang entfernt, wo am Allerheittgena . 1897 die beiden Missionare P. Nies und P. Henle ermoroc wurden." (Es wäre traurig, wenn dieses Ereignis die sr geäußerten Befürchtungen der Missionare, daß nacy Abzüge der europäischen Truppen neue Girren 1” Missionsbezirken ausbreck>en würden, wahr machte, von wir, daß es tiin Einzelfall bleiben wird.)
Hamburg, 27. Aug. Der für die Hamburg-Amer^ Linie auf der Werft von Blohm & Voß erbaute
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