Frhr. v. Liliencron, Staatsminister Dr. Studt und Gemahlin, Graf Hohenthal-Dölkau, Graf Udo Stolberg-Wernigerode und Gemcchlin, Generalmajor Graf Hülfen-Häfeler. Heute abend besuchte der Kaiser die Vorstellung im Schauspielhaus.
— Zum Schutze der Person des Kaisers soll in Zukunft bei den Ausfahrten des Monarchen in Berlin und in der näheren Umgebung der Reichshauptstadt die Kaiserliche Equipage von vier radfahrenden Leibgendarmen begleitet werden. Gegenwärtig werden Unter den Linden und im Tiergarten Probe-Ausfahrten mit einem Kaiserlichen Gepäckwagen unternommen, der von dem bekannten Schimmelgespann in raschem Tempo gefahren und von vier zur Seite des Wagens radelnden Gendarmen begleitet wird. Diese Probefahrten werden von einem Adjutanten des Kaisers geleitet. Wie wir weiter hören, ist angeregt worden, die Kutscher und Diener des Kaiserlicl>en Wagens mit Revolvern bei den Ausfahrten auszurüsten.
— Beim Vizepräsidenten des Staatsministeriums, Dr. v. Miquel fand gestern abend ein parlamentarischer Abend statt. Da das Abgeordnetenhaus sich gestern mittag vertagt hat, und infolgedessen wohl die Mehrzahl der Abgeordneten in die Heimat zurückgekehrt ist, überwogen unter den Gästen die Mitglieder des Herrenhauses. Der Finanzminister, der von seiner neulichen Erkältung wieder hergestellt ist und sehr wohl aussah, widmete sich in unermüdlicher Liebenswürdigkeit seinen Gästen, so daß der Abend in angeregtester Stimmung verlief.
— Eine fette Ente übermittelt nach dem „Bert. Tgbl." eine amerikanische Telegraphenagentur transatlantischen Blättern, nämlich die Nachricht, Earl Roberts habe, wie man sich in Berliner Hofkreisen erzähle, den ihm versehenen preußischen Schwarzen Adlerorden zurückgesandt. Das „Tagebk." hält es für nötig hinzuzufügen, an gut unterrichteter Stelle ist nichts davon bekannt.
— Der „Reichsanz." schreibt: Im Interesse der heimischen Handelskreise und auch der Geschäftserledigung bei den deutschen Konsulaten erscheint es wünschenswert, daß die deutschen Firmen, die sich um die Namhaftmachung von Firmen, Vertretern usw. an die .Konsularbehörden wenden, stets gleichseitig angeben, ob und welche Geschäftsverbindungen oder Vertreter auf dem betreffenden Gebiet sie daselbst etwa bisher bereits gehabt, haben und welche Erfahrungen sie mit denselben gemacht haben.
— Dem Reichstag ist die endgiltige Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben für Deutsch-Ostafrika im Jahre 1898 zugegangen. Die Einnahmen überschreiten den Voranschlag insgesamt um 224 953 Mk., von denen 143 972 Mk. auf die direkten Steuern entfallen. Der durch den Etat von 1902 zu deckende Fehlbetrag beziffert sich auf 1470692 Mk. Er setzt sich zusammen aus erheblichen Mehrausgaben für die Landeskultur, Bauzwecke, namentlich in den Jnnenstationen rc. Zum weitaus größten Teil entfällt er auf die Zivilverwaltung.
Peine, Provinz Hannover, 27. März. An Stelle des Assessors Heinicke, der eine achtwöchentliche Reserveleut- nants-Uebung abzuleisten hat, und dann an ein anderes Amts- bezw. Landgericht versetzt wird, ist Assessor Ben seh aus Hannover an das hiesige Amtsgericht berufen worden und wird demnächst sein Amt antreten. Gegen die Berufung dieses Herrn, der israelitischer Religion sein soll, ist ein Protest-Zirkular zur Sammlung von Unterschriften in Umlauf gebracht, das bereits eine Reihe von Unterschriften gefunden hat. In dem Zirkular ist u. a. ausgeführt, daß es einem großen Teil der Einwohnerschaft widerstrebe, vor einem jüdischen Richter einen Eid abzulegen. Das Protest- Zrrkular soll an den Oberlandesgerichtspräsidenten in Celle gesandt werden.
Weimar, 27. März. Der Landtag beschäftigt sich jetzt mit der Beratung des Etats. Bei dem Posten des Etats für den Bundesratsbevollmächtigten erklärte der Mbg. Kühner, daß er diese Mittel so lange verweigern müsse, bis der Bundesrat dem Beschluß des Reichstags auf Bewältigung von Tagegeldern zugestimmt habe. Gegen die Position stimmten zwei freisinnige, zwei sozialdemokratische und ein klerikaler Abgeordneter.
Stuttgart, 27. März. Im Landtag wird die Beratung des Kultusetats bei dem Kapitel Universität fortgesetzt. Referent Hartranft (V.) führt u. a. aus: Der Aufwand für die Universität beträgt 10044 684 Mk., dazu kommen 222 000 Mk. für die beiden theologischen Stifte. Tie UniversitätsinstiMte verlangen 597000Mk., dazu kommen die Kliniken und die Instituts-Neubauten. Der Abg. Haußmann habe die Gründung einer zweiten Universität (in Stuttgart) angeregt; für diese lassen sich gute Gründe geltend machen, doch ist die Frage nicht akut. Die völlige Verstaatlichung der Kollegiengelder hält der Referent nicht für richtig. Er spricht für eine Besserung der Lage der Privatdozenten und für Bewilligung der neugeforderten juristischen Professur (für das bürgerliche Gesetzbuch). Endlich kommt auch loieder die Frage der Errichtung eines Lehrstuhles für Homöopathie zur Sprache; die Kommission ist für Vergebung eines Lehrauftrages an einen Arzt.
Ausland.
L o n d o n , 27. März. Das Unterhaus nahni mit 245 gegen 133 Stimmen die zweite Lesung des Gesetzentwurfes über den Verkauf von Bier an. Es wird darin bestimmt, daß, wenn das Bier nicht allein aus Malz und Hopfen besteht, eine genaue Angabe der Bestandteile erfolgen muß.
B r ü s s e l, 27. März. Wie der „Messager de Bruxelles" meldet, wird die Regierung den Kammern im Einverständnis mtt dem Unabhängigen Kongostaat Vorschlägen, den Ab- lauf der Konvention vom Jahre 1890 hinauszuschieben, die me Angliederung des Unabhängigen Kongo- 5a ? in folgten nach 10 Jahren und 6 Monaten *?*«**• ~cr Staat solle seine Unabhängigkeit bis zur An- glubciiing an Belgien behalten. Wenn Belgien sich später wergere, den Mougoftaat anzugliedern, so sollen die 25 Millionen Francs, die Belgien dem .Kongostaat geliehen fcot, nach einem neuen Zeitraum von U> 'Jahren zahlbar werden und in der Zwischenzeit zu verzinsen sein
— Das Zentral-Komitee der belgischen „Liga für Menschenrecht" erläßt einen Protest gegen den "russischen llkas vom 29. Juli. 1899 und wünscht der russischen Studentenschaft für ihren mutigen Widerstand Glück. Sine Kopie dieses Protestes wurde dem Zaren übersandt. Gestern abend zogen nach einem von der hiesigen Studenten schäft veranstalteten Protestmeeting mehrere Hundert, dar
unter zahlreiche Russen, vor die russische Gesandtschaft, wo sie lärmend manifestierten.
Wien, 27. März. Abgeordnetenhaus. Der tschechisch-radikale Hruby beschwert sich darüber, daß der Abg. Klofac wegen einer gegen die Mißhandlung von Soldaten gerichteten Jnterpeilation, in welcher der Ausdruck „bestialische That" vorkam, von Offizieren des betreffenden Regiments zur Verantwortung gezogen sei.und verlangt Schutz des Immunitäts-Rechts. Der Präsident verspricht die Angelegenheit zu untersuchen und demnächst zu antworten.
— Meldungen der Blätter zufolge l e h n t e n die Zeugen des Abg. Klofac gegenüber den militärischen Kartellträgern jedwede Genugthuung ab.
Petersburg, 27. März. Seit mehreren Tagen kursieren wieder allerhand Gerüchte von Attentatsversuchen gegen das Leben des Zaren, die aber glücklicherweise rechtzeitig entdeckt worden seien. Auch gestern war wieder das Gerücht verbreitet, es sei unter dem Palast von Zarskoje-Selo, wo die Zarenfmnilie gegenwärtig weilt, eine Mine entdeckt worden. (Wir glauben auch diesmal nicht daran, jedenfalls sind aber derartige Gerüchte immer ein Zeichen, daß man die Sachlage in Rußland nicht als sehr beruhigend anzusehen hat. D. Red.)
Aus Stadt md Land.
Gieße», 28. März 1901.
*♦ Personal-Nachrichten. Durch Entschließung Großh Ministeriums des Innern wurden die GerichtSaccessiften Dr. Wilhelm Anton Diehl von Mainz, Paul Emmerling von Darmstadt und Konrad Löh lein von Gießen zu Re- gieruugsafsessoren ernannt. — Dem Schulverwalter Ernst Reich von Bad Nauheim wurde eine Lehrerstelle an der Volksschule in Gießen übertragen.
** Militärnachrichteu. Bleiss.em, Oberleutnant der Reserve deS 2. Großh. Hess. Dragoner-RegimentS (Leib Drag.-RegtS.) Nr. 24 (Köln), Qu ast, Oberleutnant der Reserve des 5. Großh. Heff- Juf.-RegtS. Nr 168 (Osterode) — zu Rittmeistern, Bogt, Leutnant der Res. deS 3. Großh. Hess- Jnf.-RegtS. (Leib-RegtS.) Nr. 117 (Eisenach) zum Oberleutnant, Keller, Btzefeldwebel im Laudwehrbezirk Erbach, zum Leutnant der Reserve des 3. Großh. Hess. Infanterie- Regiments (Leib Regiments) Nr. 117 — befördert. Boltz, Leutnant der Infanterie 2. Aufgebots des Landwehrbezirks I Darmstadt, Ehle, Leutnant der Reserve deS 7. Rhein. Infanterie-Regiments Nr. 69 (I Darmstadt), Reinhardt, Oberleutnant der Infanterie 2. Aufgebots des Landwehr rezirks Mainz — der Abschied bewilligt. Dr. Schulteß (Mainz) Assistenzarzt der RZerve, zum Oberarrt befördert.
** Parlamentarisches. Der Dritte Ausschuß der Zweiten Kammer beantragt, die Wahl des an Stelle des verstorbenen Abg. Jakob Brunner gewählten Gastwirts Friedrich Lang in Michelstadt für giltig zu erklären. Der Erste Ausschuß beantragt, die Kammer wolle ihre Einwilligung dazu erteilen, daß bei der Berechnung des Ruhegehaltes des Rentamtmanns i. P. Reg.-Rats Roßmann in Friedberg eine Dienstzeit von 40 Dienstjahren zu Grunde gelegt werde. Die Mitglieder der Großh. Hofmusik bitten, die Zweite Kammer wolle die aus Staatsmitteln zur Unterhaltung der Hofnmsik zu bewilligende Summe derart erhöhen, daß den Mitgliedern derselben eine den Zeitverhältnissen entsprechende Gehaltsregulierung nach dem System der Dienstaltersktassen gewährt werden ^änn. Die gegenwärtigen Gehälter sind allerdings außerordentlich kläglich. Sie bewegen sich! zwischen 910—2300 Mk., worunter 13 Stellen von 50 mit 1380 Mk., 10 Stellen mit 1518 Mk. besetzt sind. In der Eingabe werden die Gehälter verschiedener Beamtenkategorien gegenüber gestellt, die der Brücken-, Gefangenen- und Kanzlei-Wärter rc. bis zu den Kanzlisten. Niedrigster Gehalt dieser Beamten sind 1200, Höchstgehalt 2800 Mk.
*• Urkuudensnud. Gestern ist, wie wir hören, von dem rührigen und umsichtigen Museumsrat, Herrn Hauptmann a. D. Kramer, auf einer Schutt- und Scherbenstätte im Hinterbau des alten Rathauses am Markt, während Auf -äumungSarbeitenvorgenommen wurden, eise Pergament urkunde vom Jahre 1483 beginnend mit den Worten ..Gottfried v. Schmalbach" gefunden worden. Der Fund ist natürlich von erheblichem wisienschaftlichen Jntereffe. Die Urkunde wird zweifellos bearbeitet werden, und wir werden wohl Gelegenheit finden, noch weiter darüber zu berichten.— Unsere Leser werden fragen: wie kommt cd, daß sich dort Schutthaufen befinden? Seit undenklicher Zeit sollen, wie wir hören, im Hinterbau des Rathauses, eine Menge von zertrümmerten Ziegelsteinen und Mauerabfällen lagern, die auffallenderweise bisher niemals fortgeräumt worden ist. Jetzt wird dort eine Dach reparatur vorgenommen, die die Aufräumung nötig machte. Zur Aufhebung von Urkunden eine solche Stätte zu wählen, ist ein wenig verwunderlich. Vielleicht findet sich noch manche andere „verlorene Handschrift" dort. Dann wird man denen, die bisher das Aufräumen dort unterließen, für diesen sichern Aufbewahrungsort dankbar sein.
** Versendung von Packele» wahrend der Osterzeit. Die Bereinigung mehrerer Packete zu einer Postpacketadreffe ist für die Zett vom 31. März bis einschl. 7. April im inneren deutschen Verkehr nicht gestattet.
ko. Vereine. Der Zentralausschuß des Vogelsberger Höhenklubs in Schotten erläßt soeben ein Rundschreiben, wonach die Hauptversammlung auf den 16. Mai (Himmel, fahrt) nach Hirzenhain einbetufen, der Gesamtausflug nach dem Hoherodskopf auf Sonntag den 7. Juli fest gesetzt wird. — Hier in Gießen hat der hiesige Vogesen Hub das Jntereffe an den heimatlichen Bergen wieder ge. weckt und einen neuen Zweigverein „Tauf stein-Gießen" gegründet.
Aus dem Theaterbureau schreibt man uns: Als letzte Vorstellung im Abonnement wird am Freitag Otto Erich Hartlebens Offizierstragödie „Rosenmontag" zum ;weiten und letzten Male, abermals bei erhöhten Eintritts, preisen, aufgeführt. Herr Willy Loehr vom Hoftheater in Darmstadt gastiert darin wieder als „Hans Rndorff". — Samstag ist Schluß der diesjährigen Saison. Gegeben wird „Philippine Welser" als volkstümliche Vorstellung bei kleinen Preisen.
+ Ei» kurioses Jagdabenteuer schildert uns ein phantasiereicher Mitarbeiter aus dem Orte Er. Er schreibt: Ein Schneidermeister entdeckte in seiner Scheuer unter einer Häckselbauk im Stroh einen schwarzen Gegenstand und vermutete einen Marder. Er rief die Nachbarn zusammen, um den Räuber zu fangen. Ein Jäger wurde bestellt, erschien jedoch nicht. Da man aus Furcht vor FeuerSgefahr das Schießen Unterlasten wollte, so wurde ein gemeinsamer Angriff mit Prügeln, Mistgabeln usw. auf das „Ungeheuer" unternommen. Dieses verläßt durch die kriegerischen An» stalteu ängstlich gemacht, plötzlich seinen Platz, und flog, „gakakgak", gakgakgak" rufend, davon. Es war ein Huhn, das dort ein Ei legen wollte! Für den Spott brauchten die Jäger nicht zu sorgen.
Bad-Nauheim, 27. März. Vor einigen Tagen fand hier die 10. ordentliche Generalversammlung deS Vereins zur Hebung deS Fremdenverkehrs im Hotel Bellevue statt. Der Vorsitzende eröffnete die Versammlung und erörterte in interessanter Weise, welche Fortschritte der Verein seit seinem 10jährigen Bestehen zu verzeichnen hat, welche gemeinnütziße Bestrebungen der Verein für die Reklame der Stadt Nauheim verfolgt. Besonders wurde hervorgehobeu und bedauert, daß seitens der Bade-Industriellen, für die die Ausgabe und Reklame des Gratis-Führers von großer Bedeutung ist, nicht das gebührende Jntereffe dem Verein entgegengebracht würde. Um den Kurfremden noch mehr entgegenzukommen, wird dieses Jahr auch ein russischer Führer verausgabt.
T. Friedberg, 27. März. An der hiesigen Großherzogl. Obstbauschule findet vom 15. bis 20. April wieder ein Kursus für Aepfelweinbereitung statt, in dem außer dem rein praktischen Teil noch Gährungs-Ehemie, Reinhefe- Verwendung und Weinkrankheiten behandelt wird.
x Bermuthshain, 26. März. Unser seitheriger zweiter Lehrer Heldmann hat seine Versetzung nach Bannerod erhalten. Er scheidet sehr ungern aus unserem Orte, in dem er sich daS Vertrauen sämtlicher Ortsbewohner während seiner eineinhalbjährigen Dienstzeit in hohem Grade erworben hat.
Darmstadt, 27. März. Gestern abend konstituierte sich laut „Darmst. Tgl. Anz." auf Einladung der Herren Bank- direktor ParcuS und Geh. Kommerzienrat Dr. L. Merck eine Ortsgruppe des Handelsvertrags-Vereins. Es wurde ein provisorisches Komitee ernannt, das unter Leitung der genannten Herren die definitive Konstituierung der Orts- gruppe bewerkstelligen soll. Die weitere Thätigkeit wird durch den demnächst zu wählenden Vorstand der Ortsgruppe entfaltet werden. — Gestern starb hier im nahezu vollendeten 77. Lebensjahre Kommerzienrat Heinrich Blumenthal. Der Verstorbene war lange Jahre Mitglied der Stadtver- ordneten-Versammlung und bekleidete zahlreiche Ehrenämter.
** Kleine Mitteilungen aus Hesse» und de» Nachbarstaaten. Neber den aus Geiß-Nidda gemeldeten Vorfall, die Verletzung eines 9jährigen Kindes betreffend, wird unS berichtet, daß es sich um eine von dem Kinde mit dem Griffel selbst verschuldete Hautritzung über dem Auge an der Stirn handelte. — DaS Pferd deS Bernh. Schimpf in Nieder- ißeifel scheute am Sonntag vor einem entgegenkommenden Automobil, schlug um sich und traf seinen Herrn so unglücklich, daß das eine Bein gebrochen ist, das Pferd selbst über» schlug ^kch. Wegen furchtbaren Schmerzen rief der Berun» glückte nm Hilfe. Er arbeitete sich vom Wagen, bestieg sein Pferd und ritt nach Hause, wo er ganz erschöpft nachts ankam. Man verbrachte den Verletzten sofort ins Johanniter- Krankenhaus, wo der Stiefel von dem sehr geschwollenen Fuß geschnitten und ein Knochensplitter entfernt werden mußte. — Der Mainzer Verschönerungs-Verein bewilligte als Zuschuß für das von der Stadt Mainz in der Neuen An- läge zu errichtende Palmenhaus 10 000 Mk. und für das Denkmal des Baurats Kreißig 5000 Mk. — Vermutlich durch Verwendung von Petroleum geriet Dienstag abend in einem Haufe in Offenbach eine Frau in Brand. Die Beklagenswerte lief auf die Straße, wo die Nachbarn die Flammen löschten, jedoch zu spät, um die gräßlichsten Brandwunden zu verhüten. Die Fran wurde ins Krankenhaus verbracht und ist Mittwoch ihren Verwundungen erlegen. — Kroatische Arbeiter in größerer Anzahl beabsichtigen in bet Gegend von Lollar Arbeit zu nehmen. — Telegraphen- Sekretär i. P. H. Blöte in Worms feierte Mittwoch feinen 78. Geburtstag und gleichzeitig mit feiner Ehefrau das Fest der goldene» Hockreit.
Vermischtes.
* Frankfurt, 27. März. Unser Ehrenbürger Finanz- minifter Dr. v. Miquel hat sicherem Vernehmen nach das Mela'sche Haus, Ecke der Liebig- und Wöhlerstraße, zu« Preise von Mk. 210 000 käuflich erworben.
* Kouitz, 27. März. DaS Verfahren gegen die Familie Rosenthal aus Kamin, die unter der Anstiftung zum Meineide, in Verbindung mit der Konitzer Mord- affaire, sechs Monate lang in Untersuchungshaft gewesen war, ist heute auf Gerichtsbeschluß eingestellt worden. Sämtliche vier Angeschuldigte wurden außer Verfolgung gesetzt, n»d auS der Haft entlaffen.
* ♦ Was gehört zu einer glücklichen Ehe? I« Märzhefr von Peter Roseggers „Heimgarten" wird geschil- dert, wie der Kastelbauer beim Pfarrer sein Aufgebot anmeldet:
Der Sastelbauer steigt gemächlich zur Thür herein in die Pfarrersstube.
Pfarrer: Schau, schau, der Kastelbauer! Wie gehts immer? Setzen Sie sich!"
Kastelbauer: „Oh — ah. Guat so weit. Kon mi nit beklogn."
Pfarrer: „So setzen Sie sich doch!"
Kastelbauer: „Kon eh stehn a, Herr Psorrer. Hon hioz ait viel Zeit zan Sitzn."
Pfarrer: „So so. WaS haben Sie denn vor, Kastelbaner." Kastelbauer: „Wada nix exttigs. Bittu Hou ch wöll», daß mih da Herr Pforrer va dr Sonzl schmeifin that" (daheißt ihn „abkündigen" in der Kirche.)


