Ausgabe 
29.3.1901 Erstes Blatt
 
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Morgen

Land. (Bravo! bei den 'Sozialdemokraten.)

Um 1 Uhr wird die Debatte abgebrochen, früh 9 Uhr Fortsetzung der Beratungen.

Montag -en d. Ä, Saalt M

Offiziere, sondern jedes Ehrenmannes herabsetzen. Ganz richtig! Nur ist dagegen einzuwenden: es ist nicht einer wie )er andere. Die eigentlichen romantischen Naturen sind eben nicht so praktisch! Stärker als die einengcndeu Gesetze seines Berufes, stärker als praktische Auswege ist jene unfaßbare elementare Feinfühligkeit RudorffS, der nirgend weder in einem Berufe, noch in seinen Liebesempfindungen den geringsten Makel erträgt. Solchen Menschen wird da- Leben in den seltensten Fällen mehr als der Uebergang zum Tode.

Daß Hartleben diese lyrische Tragödie, wenn man so sagen darf, in ein Milieu von heiterer AuSgelasienheit modernster Faktur gesetzt hat, beweist die Hand eines Meisters. Die Gegensätze erhöhen die Stimmung, sichern die Wirkung. Auffallend ist die geschickte Art, wie Hartleben die Voraus setzungen, auf denen die Tragödie fußt, nach und nach rin- geflochten hat und dadurch die Zuhörer in Spannung hält.

Herr Willy Löhr aus Darmstadt errang als Rudorff einen außergewöhnlich starken Erfolg. Sein hübsches fügend liches Antlitz, der sehr angenehme Klang der Stimme, frisch und von jugendlicher Kraft, nahmen von vornherein sehr für ihn ein. Zur Fertigstellung seines Bildes hatte er zudem eine Fülle feinster Nüancen verwendet, die er mit staunens­werter Konsequenz durchführte. So schuf er einen durchaus einheitlichen Menschen, dem man durch Dick und Dünn mit dem Herzen folgte. Es war eine hervorragende darstellerische Leistung, die ihm mit Recht lautesten Beifall brachte aber er gab einen anderen als der Dichter. Seine Aeußerungen kamen ziemlich scharf und schneidig zum Ausdruck, was mit

bon Thaten sei nichts zu sehen. Seine Partei sei nicht für mäßige Erhöhung der Zölle zu haben, Indern )ie werde sich gegen jeden Zoll auf die Lebensmittel wenden. t . or x

Abg. Dr. Frenay betont, daß er sich für den Antrag Ulrich nicht erwärmen könne, seine Partei werde ihn a b - lehnen. Die Notlage sei anzuerkennen, werde aber durch Zollerhöhungen nicht beseitigt. Abgesehen müsse davon werden, feste Sätze vorzuschlagen, weil die Bodenkultur Deutschlands Schwankungen unterworfen sei. Die landwirt­schaftlichen Produkte müßten geschützt werden, denn weit über eine Million unserer Landwirte habe ein Interesse an der Verbesserung der Preise für landwirtschaftliche Er­zeugnisse. Nicht nur der Großbauer allein strebe nach einem Schutzzoll, obwohl es nicht seststehe, daß er allein vom Auslände getragen werde, auch der kleine Landwirt ver­lange danach, damit er einen besseren Lohn für sich er­zielen könne. Es sei eine falsche Annahme, wenn man glaube, der Abschluß der Handelsverträge werde durch eine Er­höhung der Zölle vereitelt. Die anderen Staaten hätten das gleiche Interesse an guten Handelsverträgen. Nötig sei es, eine Stabilität in den Handelsbeziehungen mit den verschiedenen Ländern herbeizuführen, weil Deutschland kein reiner Industriestaat und kein Agrarstaat sei. Seine Partei sei der Ansicht, daß die verschiedenen Berufsstände sich nicht bekämpfen sollen, sondern daß sie dahin wirken, daß sie alle gedeihen. (Bravo!)

Abg. Reinhardt stellt fest, daß in den verschiedenen Parteien Wandlungen der Anschauungen über Freihandel und Schutzzoll Platz gegriffen haben. Er verweist auf die Volkspartei, die heute für eine Zollerhöhung eintrete. Je mehr sich die Industrie entwickele, desto mehr müsse aber auch für die Landwirtschaft gesorgt werden, damit diese und auch die anderen gewerblichen Stände erhalten bleiben. Wenn man nach Schutz für die Industrie rufe, so habe man auch die Pflicht, für die Landwirtschaft einzutreten. Unter den Handelsverträgen habe Deutschland einen niegeahnten Aufschwung genommen. Wenn aus den Handelsverträgen Gewerbe und Landwirtschaft Vorteile erzielen, so liege es im Interesse des Reiches, für den A r b e i t e r st a n d ein­zutreten und denselben hochzuhalten.

Abg. Wolff polemisiert gegen den Standpunkt der Sozialdemokratie auf Abschaffung aller Zölle. Der deutsche Bauer wolle seine Arbeit geschützt wissen. Für die schönen Worte der Sozialdemokratie sei der Bauer nicht zu haben. Ein richtiger Schutzzoll, wie ihn der Abg. Haas und Genossen wünsche, sei auch ihm sympathisch Er ersucht die Großh. Regierung, dahin zu wirken, daß die Wünsche aller hessischen Bauern gehört würden. Er wünscht, daß, wenn einst berf Kaiser sagen werdeIhr Minister, gebt mir meine Bauern wieder", füe ohne Tadel sagen können: wir haben alles gethan, um den deutschen Bauernstand zu erhalten.

Staatsminister Rothe erklärt, die Großh. Regierung sei den Ausführungen der verschiedenen Redner mit Auf­merksamkeit gefolgt. Die Stellung des Bundesratsgesandten zu den Zollfragen könne nur auf Grund der erteilten In­struktion erfolgen. Die Anträge habe die Regierung ge­prüft, einen Schluß aber noch nicht gezogen. Der Antrag Haas-Darmstadt entspreche in seiner Fassung den Ansichten der Großh. Regierung am meisten, vbwlohl er allgemein gehalten sei. Die Aufgabe der Regierung werde sein, dahin zu wirken, daß jedem Zweig der Landwirtschaft und In­dustrie das Seinige werde. Die Regierung werde in dieser Richtung wirken und den Wünschen der Kammer in jeder Richtung Rechnung tragen.

Abg. Dr. David weist an Hand statistischen Materials nach, daß trotz bedeutender Schutzzölle der kleine Bauer in seinem Besitzstand zurückgegangen sei. Die Zölle seien ein Geschenk für die ostelbischen Junker, die nur ihr eigenes Ich kennen und sich um den Untergang des kleinen Land­wirts nicht kümmern. Der Güterwucher sei mit eine Haupt­schuld an dem Brotwucher. Die Zugänglichmachung aller technischen Fortschritte und die Hebung des Genossenschafts­wesens seien Faktoren, mit denen der Landwirtschaft ge­dient sei. Durch, intensivere Viehzucht sei der Ausfall am Körnerbau zu decken. Die Zukunft Deutschlands liege weder in der Landwirtschaft noch auf dem Wasser, sondern auf der Stärkung des werkthätigen Proletariats in Stadt und

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schlossenheit; aus diesem Gesicht war auf einen festen, ziel- bewußten Willen zu schließen, als auf weiche, schwärmerische Re- gungen. Mangel an Selbstbeherrschung zeigte Herr L.m durchaus genügendem Maße, viel weniger aber die offene Unbesonnenheit, )ie Direktionslosigkeit in allen jenen Anwandlungen, die bei starken Naturen mit einem festen Entschluß enden, bei Rudorff edoch versickern wie ein Bächlein im Sande. Rudorff ist ein Schöngeist echtester Art. Musik, Dichtkunst sind seinem SchönheitSbedürfnis notwendig, die häßlichen Seiten deS Lebens schrecken ihn ab, lähmen seine Willenskraft. Lieber ganz aushören, als in Häßlichkeit leben! Herr Löhr dagegen gab einen heldenhaften MorituruS, einen Mann von fester Geschlossenheit und kraftvoller Energie, keinen haltlosen Jüng« ling, sondern einen zielbewußten Mann, dem man ein Ab- lenkeu vom Pfade der Pflicht sehr übel nehmen mußte, während der Dichter für ihn die Verzeihung, das Mitleid der Welt erbittet.

In der einzigen weiblichen Rolle, der Getraude Reimann, zeigte sich Frl. Schölermann. Traute ist ein Naturkind von reiner Unerfahrenheit, gretchenhafter Hingebung. Die vermochte uns Frl. Sch. nicht zu geben. Dafür aber zeigte sie eine starke und tiefe Seele, die vielleicht nur etwas zu

aus mit ihnen, sie schnüren ihr Ränzel und ziehen in die Weite, um anderswo auf ähnliche Weife ihr Glück zu versuchen, ad infinitum. Diesen oder jenen kriegt man wohl auch mal irgendwo an den Kragen und dreht ihm den Hals um, der Gefahr find sie überall aus gesetzt. Bedauernswerte Existenzen! Ein schwerer faux paa von Hartleben war'S, derartige Charaktere in ein Osfi zierkorps hineinzufiellen. Die Brüder Ramberg find ebenso schuftig, als fie korrekt auffrifiert sind. Ihr Verhalten kennzeichnet sich geradezu als ehrlose Verleumdung. Kein Offizierkorps würde eine solche Handlungsweise ungeahndet lassen. Don den Offizieren desRosenmontag" aber scheinen nur Vereinzelte zu fühlen, wen sie unter sich haben. Das Brüderpaar behält seine Stellung im Regiment, als ob es fich um eine berechtigte Maßnahme zugunsten eines Käme raden gehandelt hätte. Derartige Züge sind leider geeignet, das Publikum in falschen Begriffen über das Wesen des Offizierstandes zu bestärken.

In einer Unterhaltung, die ich gestern über denRosen montag" führte, wurde noch ein anderer Einwurf gemacht, dem wohl auch viele andere zufiimmen, den ich aber nicht gelten lasten möchte: Für den trag,scheu AuSgang seien nicht genug Motive vorhanden; auch ein Offizier, der, weil ihm sein Mädel untreu geworden, ein halbes Jahr lang zwischen Leben und Tod in schwerem Nervenleiden gelegen hat, würde, wenn er zwischen die Ehre für das verleumdete Mädchen und die Ehre für seinen Beruf gestellt wird, Agent oder Reit lehrcr oder dergleichen werden können; Rudorff breche dagegen ganz ohne Grund sein dem Vorgesetzten gegebenes Ehren wort, feiere hinterher in der Kaserne mit seiner Geliebten Orgien; daS alles muß ihn nicht nur in den Augen der

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bewußt hiugestellt war. ,

Für einen RegimentS-Donzuan ist Herr Lteb sch er nicht die geeignete Persönlichkeit. Ganz gut aber war Herr M a r l i tz als Dresterbeg, ebenso Herr Kruse, und die Herren di Balthyni und Reinhard genügten. HerrRamseyer gab einen braven Harold, und Herr Helm hatte als OffizierS- bursche die Lacher auf seiner Seile. Im ganzen konnte man mit der Aufführung, die von mehrfachen Beifallsstürmen be» ..... - . P. W.

Sechste evangelische Landessynode.

(Ausführlicher Bericht.)

II.

S. D a r m st a d t, 27. März.

Ter Vorsitzende teilt einen von Pfarrer Stamnr- Stockstadt und Genossen eingebrachten Antrag mit, wonach sich die Synode mit dem Vorgehen des Snyodal- - Aus­schusses in der Totenfest-Angelegenheit einverstanden er­kläre. ,

Dr. Lucius-Mainz glaubt als weltlicher Synodale die Pflicht zu haben, das Wort zu ergreifen, damit es nicht den Anschein erwecke, daß nur Geistliche in dieser Sache ihre Stimme erhoben. Er erkläre, daß er vor der beab­sichtigten Verlegung des Totenfestes vor Erscheinen des Erlasses keine Kenntnis gehabt habe, dann aber sofort Schritte gethan habe, um im Verein lmit anderen Mainzern, die bekannte Erklärung zu verfassen, die dann von über 100 Gemeinden an das Ober-Konsistorium eingeschickt wor­den ist. Gerade in Mainz, der konfessionell stark gemischten Stadt, war es angezeigt, diesen Erlaß zu bekämpfen. Er gebe seinem Bedauerst Ausdruck, daß diese ernste Ange­legenheit, die ein erfreuliches Zeichen des erstarkten kirch­lichen Sinnes ist, vom Präsidenten in dieser Weise be­handelt worden sei. Die Sache liege auch in formell recht­licher Hinsicht nicht so klar, wie es vom Konsistorialpräsi- denten hingestellt worden sei. Bon einem Vertreter deK Konsistoriums sei selbst festgestellt worden, daß das Toten­fest eine Sache des Kultus sei, dann sei auch die Verord­nung nicht der Kirchenverfassung entsprechend. Man hat in weiten Kreisen der Bevölkerung der Sache eine viel größere Wichtigkeit beigelegt, als seitens des Ober-Kon­sistoriums. Eine auf verfassungsmäßigem Weg zu stände gekommene Verordnung kann auch nur auf verfassungs­mäßigem Wege zurückgenommen werden. Der Erlaß von 1855, der die Feier des Totenfestes rechtlich feststellt, ist verfassungsmäßig zu stände gekommen. Dem Ober-Kon­sistorium stehe nur die Anordnung außerordentlicher Gottesdienste zu, dazu gehöre das Totenfest nicht; sonach müßten bei dieser Frage die anderen gesetzgebenden Fak­toren mitwirken, mindestens sei gemäß der Kirchen­verfassung die Mitwirkung des Synodal-Ausschusses er­forderlich gewesen. Die Stellungnahme des Ober-Kon­sistoriums bei der Zurücknahme des Erlasses sei ihm als Laien unverständlich- Als die Stimmung des ganzen Lan­des feststand, hätte namentlich der.Mittelweg, den ieinzelnen Gemeinden die Sache zu überlassen, nicht kommen dürfen. Seines Wissens habe keine Gemeinde die Feier an dem vom Konsistorium vorgeschriebenen Tag begangen. Ihm sei unverständlich, daß ein geistliches Mitglied des Konsisto­riums so wenig Fühlung mit dem Volke habe und daraus nicht die Konsequenzen ziehe.

Ober-Konsistorialpräsident Buchner antwortet, daß er nach der Erklärung des Dr. Lucius diesen von den Vor­würfen ausdrücklich ausnehme. Daß die Mainzer Erklär­ung von ihm besonders bekämpft worden sei, ergebe sich aus der Thatsache, daß diese Erklärung die weitaus be­deutsamste gegnerische Kundgebung gewesen sei. Auch die juristische Lage sei seiner Meinung nach anders, als sie der Vorredner hingestellt habe, namentlich sei die Berufung auf die Verordnung von 1855 nicht richtig. Er sei heute noch der Ansicht, daß bei der Totenfest-Angelegenheit die Synode nicht mitzuwirken habe. Er wolle auf die Aus­lassungen der Vorredner nicht weiter eingehen, blos be­merke er, daß namentlich Herr Eck ihn vielfach mißver­standen habe. Er bitte, nach der eingehenden Aussprache einen großen Strich unter die ganze Angelegenheit zu machen.

Pfarrer Jost-Bechtheim glaubt, daß die über das Ziel hinausschießenden Reden ihren Zweck verfehlt haben. Von einer tiefgehenden Erregung sei in Rheinhessen keine Rede gewesen. Besser freilich wäre es gewesen, wenn die ganze Angelegenheit nicht vorgekommen wäre. Er glaube nicht, daß die Feier der fürstlichen Geburtstage störend in das Totenfest eingreifen könnte. Auch für das kirchliche Leben habe der Satz Geltung, daß durch der­artige Kundgebungen die Autorität notleide. Man solle aber Frieden schließen und im Interesse der Kirche und der Gemeinden Versöhnung feiern, damit man am Sonntag in den Kirchen den Frieden verkündigen könne.

Pfarrer A u l b e e r - Eppelsheim hält die Frage für ge­nügend aufgeklärt und den Standpunkt des Oberkonsisto­riums gerechtfertigt. Das Maß der Kritik hätten die gestri­gen drei Redner weit überschritten; das gereiche der evan­gelischen Kirche nicht zum Heil und Segen.

Exzellenz Goldmann bedauert, daß bei den Reden

nicht Sachlichkeit geherrscht habe. Tie Ausführungen des Tr. Lucius bezüglich der rechtlichen Frage haben ihn nicht überzeugt, daß man bei kleinen Fragen die Synode fragen müsse. Die Aufregung im Lande sei durch maßlose Ag^ tation gegen das Ober-Konsistorium geschürt worden. Auch das rasche Pensionsgesuch des Herrn Waas sei sehr bedauer­lich gewesen und habe die Erregung geschürt, ebenso wie die Agitation in der Presse. Tie Pfarrer haben wohl das Recht, sich in kirchlichen Fragen gegenseitig zu verständigen, aber nicht derartige Fragen zu verschärfen. Es sei klar, daß sich die Pfarrer darüber geärgert haben, daß ihnen der einzige Tag genommen wurde, an dem sie eine volle Kirche haben. pt m

Pfarrer Eger glaubt aus den Ausführungen der Vor­redner zu hören, daß man sich gegenseitig nicht hinreichend verstehe. Er sei mit Form und Inhalt der Kritik über die Auslassungen des Ober-Konsistoriums nicht einverstanden. Man kann den einzelnen nicht für das verantwortlich machen, was die Gesamtheit einer Behörde thue! Die Bezugnahnie auf das achte Gebot habe allerdings die Erregung noch erhöht, doch sei das jedenfalls mißverstanden worden. Man sollte sich jetzt einigen und die Sache begraben sein lafsen. Man sollte dem Lande ein Bild der Einigkeit zeigen, in­dem man das Vorgehen des Synodalausschusses gutheiße, und die Erklärung der Regierung, in Zukunft derartiges zu vermeiden, mit Freuden entgeaennehmen.

Ober-Konsistorialrat Nebel konstatiert, daß Ober-Koii- sistorialrat Waas dieselbe Meinung wie das ganze Kon­sistorium gehabt habe, auch rechtfertige er sein persönliches Verhalten in der Pensionssrage des Herrn Waas.

Synodal Wahl- Langen tritt den Ausführungen Gold­manns entgegen. Hätte Präsident Buchner Ruhe und Sach­lichkeit gezeigt, dann wäre nicht so viel gesprochen worden. Die gestrigen Redner zu tadeln, sei nicht gerechtfertigt, denn die Frage sei zu wichtig, als daß man sie nicht nach allen Seiten hinreichend beleuchten müsse. Der oberste Geift- liche des Landes hätte eventuell eingreifen müssen, bessert Zurückhaltung sei unbegreiflich gewesen, und habe im Lande sehr erregt. Er könne ja nicht jeden Schritt, der; in dieser Hinsicht geschehen sei, billigen, besonders da ja von selten einzelner Herren in Rheinhessen erklärt wor­den sei, daß man dort Erregung nicht gekannt hatte; man müsse aber den guten Willen anerkennen, den die Geist­lichkeit dabei gehabt habe. Er gebe zu, daß ui einigen Orten ohne Aufklärung das nötige Verständnis gefehlt hätte. Wenn man diese AufklärungAgitation" nenne, so nehme er dies gern hin. Man sei genötigt, das Volk aufzuwecken und ihm die kirchlichen Fragen naher zu bringen. Er sei bereit, einen Strich zu machen, und frisch und froh mitzuarbeiten. _ ....

Medizinalrat Dr. Vogt-Butzbach tritt den Ausführ­ungen des Synodalen Eck entgegen und erklärt, daß ihm von der großen Aufregung im Lande nichts bekannt sei. Man habe in seiner Gegend in keiner Weise etwas gespurt und den Fehler des Oberkonsistoriums nicht für so groft gehalten. Er müsse die Art des Kampfes mißbilligen, be- sonders das Hereinziehen der politischen Presse sei verwerf­lich gewesen.

Schluß der Debatte wird beantragt und angenommen. Alsdann wird der Antrag Stamm einstimmig ange­nommen. Damit ilst» die leidige Frage erledigt und die Beratungen nehmen ihren Fortgang.

Ter Gesetzentwurf, betreffend die Gehalte der im Geschäftskreis des O b e r k o n s i st o r i u m s angestellten Beamten wird angenommen. Sodann wird in die Be­ratung einiger Bestimmungen des Gesetzentwurfes, die Gehalte der Geistlichen, eingetreten. Tie Be­stimmung, daß der Einführungstermin des Gesetzes der 1. April 1901 sein soll, wird angenommen. Ebenso die beantragte Streichung der §§ 10 d und 11.

Synodale Wahl-Langen bringt einen modifizierten Antrag ein, daß den Inhabern von Pfarrstellen nicht die ganzen Nebenbezüge abgezogen werden. Auch ist er nut der Bestimmung, daß hierüber das erweiterte Oberkon­sistorium zu entscheiden habe, nicht einverstanden und be­antragt, den höchsten möglichen Abzug auf ein Drittel der Nebenbezüge festzusetzen.

Oberkonsistorialpräsident Buchner halt die vorge­schlagene Bestimmung für berechtigt, da sie zur Ausgleichung der verschiedenen Interessen dienen werde. Auch mit dem Zusatzantrag «bezüglich des Abzugs von höchstens einem Drittel ist er nicht einverstanden. Man müsse hierin dem erweiterten Oberkonsistorium Vertrauen schenken. Auch für die Gründung neuer Pfarrstellen könnte der Zufatzantrag schwierig werden. _ . . , .

Synodale Walter- Mainz wünscht Zusage, dafz bet

der Energielosigkeit des Rudorff, wie ihn der Dichter ge schildert hat, nicht in Einklang zu bringen ist. Herrn L.'simit der Aufführung, die von me Rudorff zeigte in der Mimik zuweilen eine fast finstere Der-1 gleitet war, recht zufrieden sein.

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1. April b. I- 1 8Uhr. ___