- 60 Eisenbahnwagen) verkehren; ihr Tiefgang könnte 1,75 Meter betragen. Die Gesajmtkosten sind auf 50 Mill. Mark veranschlagt, wovon ein Drittel auf Baden und Hessen, zwei Drittel auf Württemberg kommen. Diesem Aufwande steht aber die durch die Kanalisierung mögliche Gewinnung von Wasserkräften im Werte von 26 Mill. Mark gegenüber. — Welche Vorteile dieser neue Wasserweg allein für den Kohlentransport bietet, beweisen folgende Zahlen: Die Selbstkosten des Kohlentransports (für Schlepper und Frachtkahn, ohne die Nebenkosten) würden auf 10 To. für die Strecke Mannheim—Heilbronn 14,42 Mk., für die Strecke Mannheim— Kann statt 25,57 Mk. betragen. Im Vergleich dazu stellen sich heute für diese Strecke die geltenden Frachtsätze auf 27 und 40 Mk., also um rund 90 bezw. 60 Prozent höher. Auch; würde, sobald die Schiffahrt sich entwickelt hätte, nod)i eine mäßige Schiffahrtsabgabe sich erzielen lassen. Ihr zunächst zu erwartender Ertrag würde bei 1260 000 Mk. Ausgaben und 460 000 Mk. Einnahmen um etwa 800 000 Mk. zu niedrig sein.
Dieser Fehlbetrag würde jedoch für Württemberg weitaus aufgehoben durch die Vorteile der Hebung der allgemeinen volkswirtschaftlichen Werte, durch Förderung der Industrie, Wertsteigerung des Geländes, Beschaffung von Arbeitsgelegenheit und namentlich durch billigeren Kohlenbezug, der geradezu eine Lebensfrage für die dortige Industrie ist, wenn sie die Konkurrenz der Nachbarstaaten bestehen können soll. Wozu sich aber Hessen an den Kosten beteiligen soll, und zwar mit einer so immensen Summe, bleibt unverständlich. Die Vorteile, die für Hessen daraus erwachfen würden, stehen in gar keinem Verhältnis zu der Höhe der Forderung. Außerdem ist bekanntlich die Finanzlage unseres Landes derartig, daß an eine wesentliche Beteiligung an den Kosten dieses Unternehmens, das ja vorläufig auch noch in weiter Ferne liegt, wohl nicht zu denken ist.
Der 21. Protestant en tag findet am 3., 4. und 5. September in Kaiserslautern statt. Nachdem die letzten Tagungen in Norddeutschland stattgefunden haben, ist diesmal wieder ein süddeutscher Ort gewählt, um auch den süddeutschen Anhängern oes protestantischen Liberalismus leichtere Gelegenheit zum Besuche der Versammlung zu bieten. Die auf der Tagesordnung stehenden Fragen: „Welche Anforderungen stellt das moderne^-Leben an die Ausrüstung des Geistlichen?" sowie: „Religionsunterricht in den Volksschulen und höheren Schulen", sind von allgemeinem Interesse und prinzipieller Bedeutung, sodaß ein zahlreicher Besuch der Versammlungen erwartet werden darf; die Verhandlungen sind öffentlich, auch Gäste haben Zutritt.
Aus Kaiserslautern wird dem „Protestant" berichtet, daß der dort 800 Mitglieder starke Pvotestanten-VeTein eifrig an der Arbeit ist, di : fremden Abgeordneten und Gäste würdig zu empfangen. Er hat in der Mitte der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts sich ein „Pro- testantenhaus" erbaut, in dem er seine Mitglieder zu Vorträgen, Familienabenden und anderen festlichen Veranstaltungen sammelt. In diesen: Hause sind auch seinerzeit die Festspiele „Gustav Adolf", „Hutten-Sickingen", „Protestationssestspiel" aufgeführt worden, die beiden Knaben horte, die der Protestanten-Verein unterhalt, der protestantische Kirchenchor und der protestantische Männerverein haben in seinen Räumen Unterkunft gefunden'. Ter Pfälzer Proteftanten-Verein, zu Beginn der sechziger Jahre begründet gegen die Gewaltherrschaft einer herrsch- sückftigen und unduldsamen Orthodoxie in der pfälzischen Kirche, zählt etwa 30 000 Mitglieder unter dem Vorsitz des Seminardirektors und Landtagsabgeordneten Dr. Andreae in Kaiserslautern. Er verbreitet Schriften unter seinen Mitgliedern, organisiert Gemeinde- und Krankenpflege in den Gemeinden und veranstaltet in den Städten der Pfalz abwechselnd Jahresfeste, die als wirkliche Volksfeste bei großer Beteiligung alljährlich stattfinden. So möge er in seiner Lebendigkeit und Wirksamkeit kräftigend *" und anfeuernd auf die anderen Zweigvereine des Deutschen Protestanten-Vereins durch die Feier in seiner Mitte und durch sein Vorbild wirken. — Das genannte Blatt schreibt ferner: „Aus unserem Leserkreise geht uns für die Tagung des Protestanten-Vereins der Wunsch zu, man möge die Beratungen nicht vorübergehen lassen, ohne im Namen dessen, der uns gelehrt, daß Liebe des Gesetzes Erfüllung ist, Protest zu erheben gegen den Pharisäismus, die Rohheit und Grausamkeit der Bestimmungen, die den protestantischen Geistlichen hiirdern, gerade in den Fällen, bei denen seine Thätigkeit am nötigsten ist, un- , bekümmert um Gesetzesparagraphen seines Berufes als Seelsorger und Trostspender zu walten, nämlich, an den Gräbern der Selbstmörder, wie auch Protest zu erheben dagegen, daß man notorische „Sünder" ungehindert bestatten mag mit allen kirchlichen Ehren, dagegen denen, die wünschen, durch Feuer bestattet zu werden, die kirchlichen Ehren verweigert, um eines abgestandenen Dogmatismus willen, der in seiner eigenen Thorheit sich fängt, weil er zu behaupetn scheint, Gottes Allmacht vermöchte nicht so viel über die Asche des Verbrannten, wie über den Moder des Verwesten. Möchte man allen liberalen Synodalmitgliedern es zur Pflicht machen, gegen diese Engherzigkeit offen in den Verhandlungen der Synoden Stellung zu nehmen. Neber: den wichtigen Gegenständen der Tagesordnung greifen diese noch unmittelbarer als jene in' die das Volksbewußtsein unserer Tage beschäftigenden Fragen."
Prinz Tschun, der chinesische Sühneprinz, dessen einnehmendes Konterfei wir gestern unfern Lesern unterbreiteten, ist, wie es bereits in der gestrigen Meldung aus Basel angedeutet wurde, erkrankt. Selbstverständlich kommt man leicht auf den Verdacht, „Höchstderselbe" spiegele seine plötzliche Erkrankung nur vor, er fühle sich ftisch wie «in Fisch im Wasser und ersinne jetzt irgend einen Kniff. Das, allerdings keineswegs immer ganz zuverlässige Depeschenbureau „Herold", meldete auch schleunigst aus Basel:
Nach eingeholten Informationen weigert sich Prinz Tschun infolge neu eingetretener diplomatischer Komplikationen in Peking, die Reise nach Berlin fortzusetzen. Vorläufig ist für den Prinzen und sein Gefolge in Basel für die Dauer von zehn Tagen Wohnung gemietet. Es findet ein lebhafter Depeschenwechsel zwischen dem Berliner Auswärtigen Amt und dem Prinzen Tschun statt.
Jetzt kommt aber aus Berlin die entschieden glaubwürdigere Meldung, daß die Erkrankung des jungen Herrn aus Peking infolge von Hitze und der ihm ungewohnten Eisenbahnfahrt thatsächlich vorliegt. Es ist im Augenblick Tuxb nicht bekannt, wann er die Reise nach Potsdam wird «ntreten können.
Engländer und Bure«.
Lord Kitchener ist um eine Erfahrung reicher: seine vor wenigen Wochen veröffentlichte, bekanntlich von Chamberlain inspirierte, dem Völkerrecht zuwiderlaufende Proklamation hat eine durchaus andere Wirkung erzielt, als er wünschte. Die Buren sind durch die papierne Heldenthat nicht zur Niederlegung der Waffen, sondern zu Gegen Proklamationen veranlaßt worden, die die Namen D e l a r a y s und Bothas tragen. Besonders wirkungsvoll verspricht die des letztgenannten Generals zu werden. Botha fordert, fortan sämtliche englische Ge - fangenen in den Burenlagen: z u r ü ck z u l a s s e n , damit sie als Geiseln dienen, falls den Buren die Rechte einer kriegführenden Macht abgefprochen würden. An solchem Geiselmaterial fehlt es den Buren in der Thal nicht; jeder Tag liefert ihnen Gefangene, die sie bisher entwaffneten und zumeist wieder laufen ließen. Die „herum- streisenden Marodeurs, als welche Chamberlain vor Monaten die Heerhaufen der Buren bezeichnen zu können glaubte, sind also noch heute so stark, daß sie jede Maßregel des britischen Höchstkommandierenden auf der Stelle durchkreuzen. Selbst englische Blätter bemerken offenen Hohnes, daß Kitchener mit Proklamationen den Krieg nicht zu Ende bringe, da solche auf die 93-uren ebensowenig Eindruck machen, wie die Reden, die in England oder sonstwo gehalten werden. Um den Mangel an kriegerischen Fortschritten einigermaßen zu begründen, klagt Kitchener wieder einmal in beweglichen Worten über die völlige U n 1 a u g - lichkeit der ihm von England aus gesandten R ese r v e- truppen. Tie „Times" bemerkt dazu, es werde wohl nichts übrig bleiben, als einige indische Regimenter nach Südafrika zu dirigieren. Das ist ein rundes Eingeständnis der Unmöglichkeit, in England selbst noch, brauchbares Soldatenmaterial aufzutreiben.
Eine Depesche des Generals Kitchener aus Pretoria vom 25. August besagt: „Ich erhielt einen langen Brief von Steijn, in dem er die Angelegenheiten der Buren ausführlich darlegt und erklärt, daß er weiter kämpfen nterbe. Ich erhielt ferner ein kurzes Schreiben von D e W e t, der sich in demselben Sinne ausspricht und von Botha, der gegen die von mir erlassene Proklamation Einspruch erhebt und ebenfalls feine Absicht kundgiebt, den Kampf fortfetze:: zu'wollen. Andererseits hat sich jedoch! in letzter Zeit die Zahl der Buren, die sich ergeben, beträchtlich vermehrt." — Dem „Reutersche:: Bureau" wird aus Winburg gemeldet: Dem Vernehmen nach besinden sich Steijn und De Wet ganz nahe dem östlichen Ufer des Eishriver (Kapkolonie). Die Bure:: im Zentrum haben sich in noch kleinere Trupps, als sie bisher bildeten, geteilt und streifen mehr denn je bei Nacht umher, es ist daher schwieriger geworden, sie zu stellen; die Beschafff:ng von Lebensmitteln und Futter ist weniger schwierig wegen ihrer geringen Anzahl. Die Buren erhalten fortgesetzt heimlich Pferdeersatz. Zwei große Kommandos, im Ganzen 700 Mann, wurden bei einem Versuche, den Oranjeriver zu überschreiten, um in die Kapkolonie einzudringen, zurückgeschlagen. — Ein weiteres Telegramm Kitcheners aus Pretoria vom 25. August meldet, drei Offiziere und 6 5 M a:: n, die von Ladybrand her auf der Rechten von Elliots Mannschaften marschierten, ergaben sich auf ungünstigem Terrain am Morgen des 22. August und wurden vc;n einer überlegenen Streitmacht des Feindes gefangen genommen. Ein Mann wurde getötet und vier verwundet, dke Gefangenen wurden alsdann wieder fteigelassen (?). Kitchener hat eine Untersuchung eingeleitet.
Kitchener meldet endlich noch: Seit dem 19. August sind 32 Buren gefalle::, 24 verwundet und 139 gefangen worden, 185 ergaben sich; ferner wurden 245 Wage::, 286 Pferde und 6615 Stück Vieh erbeutet.. — General Bloods Kolonne erreichte von Norden her, ohne auf ernsten Widerstand zu stoßen, Middelburg. Die Obersten Altenbh Und Kelewich sind noch dabei, die Distrikte nördlich vom Ma- galiesberge zu säubern. Hier ergaben sich auch die meisten Buren, darunter der Enkel Krügers. Die unter dem Befehl des General Knox stehenden Truppen beunruhigten fortwährend die zwischen Thabanchu und dem Oranjeflusse lagernden Mannschaften Kruitzingers. — Die feindlichen Abteilungen der Aufständischen in der Kapkolonie verbergen sich mit einigem Erfolge vor unseren Truppen und weichen ihnen aus. General Beatfons Kolonne drängt Scheepers Kommando nordwärts. — Nach der Verlustliste wurden am 19. August bei Uniondale 10 Husaren gefangen, die bisher noch nicht freigelassen wurden. Bei Heneen- weers-Kop in der Nähe von Fauresmith wurden am 21. ds. Mts. 4 Reguläre getötet und 8 verwundet.
Deutsches Reich-
Berlin, 26. Ang. Aus WilHelmshöhe wird gemeldet: Zur gestrigen Mittagstafel beim Kaiserpaar waren der Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau, Graf v. Zedlitz-Trützschler, Intendant v. Hülsen-Wiesbaden und Pfarrer Armbröstxr geladen. "Der Botschafter in Konstantinopel, Freiherr v. Marschall, war am Samstag nach dem Empfang bei dem Kaiser zur Tafel gezogen.
— Ueber die Beschlüsse der preußischen Bischofs- konferenz in Fulda wird mitgeteilt: Der Episkopat erörterte eingehend die Lage der katholischen Missionare und beschloß, der katholische:: Bevölkerung die regste Unterstützung des Missionswerkes in Hirtendriesen ans Herz zu legen. An den Kaiser soll für die den Missionaren gewährte Unterstützung eine Dankadresse gerichtet werden. Weiter beschäftigten sich die Bischöfe mit der Förderung des „Bonifatius-Vereins", der der Ausbreitung des Katholizismus in der Diaspora dient, und erklärten die Unterstützung dieses Vereins „schon im Hinblick auf die immer schärfer in Erscheinung tretende Agitation des Evangelische:: Bundes und des Gustav Adolf-Vereins" für eine der ersten Pflichten der Gläubigen.
— Der „Reichsanz." veröffentlicht eine Bekanntmachung betreffend Beschränkungen der Einfuhr und Durchfuhr aus der europäischen Türkei einschließlich der türkischen Häfen des Aegäischen und Schwarzen Meeres.
— Währe::d sonst in den Re i ch sei nn ah m e n der letzten Monate ein teilweise beträchtlicher Rückgang eingetreten ist, hat die Reichspost- und Telegraphen- Verwaltung eine nicht unerhebliche Mehreinnahme zu verzeichnen gehabt. Bei ihr betrug die Einnahme von: Beginn des neuen Rechnungsjahres, also vom 1. April 1901 bis zum Schlüsse des Monats Juli, 137 160866 Mark gegen 129 306 330 Mark in demselben Zeitraum des Vorjahres, mithin im Rechnungsjahr 1901 bisher 7 854 536 Mark mehr. Dagegen ist die Reichs-Eisenbahn-Der Waltun g von dem all- gemeinen wirtschaftlichen Rückgang nicht unberührt geblieben. Bei ihr betrug die Einnahme von Beginn des Rechnungsjahres 1901 bis zum Schlüsse des Monats Jul:
29 264 600 Mark gegen 30163 000 Mark in demselben Zeit raunt des Vorjahres, so daß sich also in diesem Rech nungsjahr bisher eine Mindereinnahme von 898 400 Mk ergeben hat.
— Wie man erfährt, fand infolge des l a n d w i r t sch östlichen Notstandes der Provinz Westpreutzen vr» einigen Tagen eine Beratung über die Four ag e l ief e i. ung bei den Kaisermanovern und die Einquartierung der Truppen zu Marienburg statt. "Das Resultin der Verhandlungen ergab, daß die Militärverwaltung in, folge der diesjährigen schlechten wirtschaftlichen Lage die Fourage aus :hren eigenen Magazinen liefern wird, bc in jedem einzelnen Falle von den Gemeinden an den nächst liegenden Bahnstationen in Empfang zu nehmen ist. Tm Gemeinden wird demnach nur die Anfuhr der Fouraze obliegen.
— Mitteilungen des Kriegsmjnisteriums über die Fahrr der Truppeittransportschiffe: Dampfer „Bayern 24. August Genua an, 25. August ab. Dampfer „Dresden" 25. August Aden an und ab. Dampfer „Silvia" 25. August Singaporc ab. Dampfer „Erzherzog Franz Ferdinand" 24. August Singapore an, 26. August ab. Dampfer „Wittekind" 25. August Tsingtau an, 26. August ab.
Friedrichsort, 26. Aug. Tie großen Herbst. Übungen der Flotte in der Ostsee begännen heute mit dem Auslaufen der gefamten Flotte aus dem Kieler Hafen. In der Kiellinie fahrend, vorauf das Linienschiff „Kaiser Wilhelm der Große" mit dem Flottenchef Admiral Koster an Bord, verließ das erste Geschwader den Hafen, dann folgte das zweite Geschwader, den Schluß bildeten zwei Torpedo bootsflotillen. In der Außenfohrde nahmen die einzelnen Geschwader die Toppelkiellinie und dampften nach dem östlichen Teile der Ostsee.
Schwerin, 26. Aug. Ter Großherzog ernannte cm Stelle des verstorbenen Präsidenten des Staatsministeriums v. Bülow den Landrat Grafen Bassewitz auf Aristow zum Präsidenten des Staatsministeriums, zum Minister des Auswärttgen und des Innern.
Köln, 26. Aug. Die „Köln. Ztg." erfährt zum Programm der Zaren reise: In den nächsten Tagen tritt das Zarenpaar die Seefahrt nach Kopenhagen an, wo eü sich bis zum 9. September aufhält. Alsdann begiebt der Zar sich nach Danzig, während die Zarin ihre Schwester, die Prinzessin Heinrich, besucht. Nach Beendigung der Sec- Manöver bei Danzig fährt der Zar durch den Kaiser Wilhelm-Kanal nach Dünkirchen. Ob der Gesundheitszustand der Kaiserin die Reise nach Compiegne zuläßt, hängt vorn Gutachten der Aerzte ab. Nach dem Besuch in Frankreich will das Zarenpaar längeren Aufenthalt in Spala nehmen, wo die Zarin Moorbäder gebraucht. Von Spala siedelt das Zarenpaar nach Livadia über und verbleibt dort bis Weihnachten. Der Besuch in Darmstadt fällt dieses Jahr jedenfalls aus.
Eisenach, 26. Aug. Die Versammlung der Textil- Großindustriellen von Hessen und Südhanrwver protestierte einsttmmig gegen jede Erhöhung der Zolle.
Austand.
Kopenhagen, 26. Aug. Wie seinerzeit berichtet, wurde beim letzten Regierungswechsel ein Bauer, Ole Hansen, Mitglied des FolkethingS, zum Minister für Landwirt, schäft ernannt. (Ein Journalist, der den neuen Minister dieser Tage auf seinem Gute in der Provinz besuchte, /nf ihn auf dem Felde, mit den Ernte-Arbeiten eifrig beschäftigt. Das Gut, nicht besonders groß, ist ein sehr einfacher Bauernhof mit nur 66 Tonnen (Morgen) Land. Der Minister besorgt ganz wie früher selbst alle Arbeit, er geht sogar selbst in den Stall, um die Kühe zu füttern. Sein Sohu arbeitet mit den übrigen Leuten des Hofes für Stundenlohn und erhält ebenso wie die anderen Arbeiter jeden Samstag vom Minister seinen Verdienst ausgewhlt. Und er hat noch keine Lohnerhöhung verlangt, obgleich er sehr gut weiß, daß die Stellung seines Vaters sich bedeutend gebessert hat. Die Nachbarn des Ministers wundern fich, daß er seine Lebensweise nicht geändert habe, er aber antwortet, daß er ein Bauer sei und, wenn er nicht mit Regierungsarbeiten beschäftigt sei, auch weiterhin als schlichter Bauer leben wolle.
Loudon, 26. Aug. Der deutsche Kronprinz hatErieff verlassen und begab sich nach Dunrobirn Castle zu einem Besuche des Herzogs und der Herzogin von Sucherland.
Rom, 26. Aug. Einen nicht unerheblichen Erfolg hat die italienische Kolonialpolitik in Ostafrika zu verzeichnen. Die offiziöse Telegraphenagentur meldet, daß der italienische Konsul in Sansibar in Aden eingetroffen ist, nachdem er feine Mission bei dem Sultan der MiiurtiiiS, einer Völkerschaft in der Nähe der italienischen Kolonie Venadir, auSgeführt hatte. Der Sultan unterwarf sich Italien, indem er ein Abkommen unterzeichnete, in welchem er die Oberhoheit Italiens auf feinem gesamten Gebiete anerkennt und noch andere Zugeständnisse macht.
Mihbrauch des Züchtignngsrechts.
Der Abgeordnete Cramer-Darmstadt hat in der Zweiten hessischen Kammer folgende Anfrage gestellt:
Ein geradezu empörender Mißbrauch des Züchtigung^ rechts ist seitens des Lehrers Breidenbach zu (Sberftaot an dem sechsjährigen Kinde Wilhelm Fischer daselbst verüb t worden. Der Verwaltungsgerichtshof hatte sich lnu der Sache beschäfttgt und in einer Sitzung am 1. Juni drunter Abwesenheit eines Vertreters des Staatsinterefiev eine strafrechtliche Verfolgung abgelehnt, da der Lehrer Breidenbach den Rahmen des elterttchen Züchtigungsrechtes nicht überschritten habe. Die von dem Vater des handelten Kindes angegebenen Zeugen, darunter Oberleyre Schmitt un«bl dessen Frau, Pfarrer Zentgraf, Ober)chu:rcu Müller ufw., sowie der behandelnde Arzt Dr. & re m tr zu Eberstadt, welche sich über die rohe Art der Mißhandlung empörten, wurden nicht gehört. Letzterer sagt in eine Schreiben, welches als teilweise Erwiderung gegen _ Gründe des Verwaltungsgerichtshofs gelten soll,
„Wenn bei feiner Vernehmung der Lehrer Bre:ve doch zu Protokoll gegeben hat, daß er das von w verletzte Kind am selben Abend nach der ^^^tzung der elterlichen Wohnung sitzend gesehen habe, so J ich das als eine absolute Unmöglichkeit zurück, ^e wie ich bereits in meinem ersten Gutacksten vom ‘ vember v. I. bemerkte, tW (bie leiseste Berührung " verletzten Stelle, selbst der Kleider, für dasKind aWm schmerzhaft, die Backe war stark ange,chwollen und ha und ivar jede Möglichkeit ausgeschlossen, daß das^Kwan jenem Abend sitzen konnte. Ebensowenig war


