3>et Hauptsache gelöst — wenn nicht etwa die chinesischen Bevollmächtigten wieder einen Querstrich machen. Der edle Li-Hung-Tschang hat seit längerem schon den snllen -oeob' achter gespielt. Es wäre nicht unmöglich, daß dieser ;etzt vor die Gesandten mit den dürren Worten Eintritt: „L/lese Lösung der Entschädigungsfrage paßt uns nicht!'
Der fremdenfreundliche Vizekönig L,schMgtschrtung schlägt die Einsetzung einer internationalen Kvmmissron vor, die über das Vorgehen der Missionare in China eine Untersuchung anstellen' soll. Er unterbreitete ferner der britischen Regierung einen Plan zur Unterdrückung des in Nord-China um sich greifenden Räuberwesens, da das Land dort von Banden, die aus Boxern und früheren chinesischen Soldaten bestehen, in Schrecken gehalten wird.
Der bisherige französische Gesandte in Peking Pichon ist in Paris eingetrofsen.
In Kaumi, an der im Bau begriffenen Schantung- Eisenbahn, ist eine deutsche Po staust alt eingerichtet worden. Ihre Thätigkeit erstreckt sich auf den Briefpost-, Zeitungs- und Postanweisungsdienst, auf die Annahme und Ausgabe von Paketen mit und ohne Wertangabe und mit und ohne Nachnahme, sowie von Briefen und Kästchen mit Wertangabe. Für den Verkehr der neuen Postanstalt kom- rnen die gleichen Taxen wie für das Postamt in Tsingtau zur Anwendung.
Deutsches Keich.
B e r l i n, 26. Juli. Der Kaiser hat, wie man aus Krel meldet, in Anerkennung ihrer Hilfsbereitschaft bei Strandung des Schulschiffes „Gneisenau" am 16. Dezember 1900 zahlreichen Einwohnern von Malaga Orden verliehen.
Der Vorsitzende der ständigen Kommission des preußischen Landesökonomie-Kollegiums, Graf Schwerin -Löwitz erstattete dem Präsidenten des preuß. Staatsministeriums Grafen Bülow Bericht über den Saat en stan d, worin die Fürsorge der Staatsregierung in folgenden Worten anerkannt wird:
Ew. Exzellenz beehre ich mich namens der Wndigen Kommission des Landesökonomiekollegiums gehorsamen Dank zu übermitteln, daß die Staatsregierung nicht allein in die sofortige eingehende Prüfung des infolge des überaus schlechten Saatenstandes in mehreren Provinzen hervorgerufenen Notstandes eingetreten ist, sondern sofort wirksame Maßsregeln in die Wege geleitet bat, die sehr wohl geeignet sind, die überaus schwierige Lage eines großen Teiles der Landwirte in den hauptsächlich betroffenen Provinzen, soweit dies überhaupt möglich ist, zu erleichtern. Ganz besonders ist das weitgehende Entgegenkommen der Staatsregierung dankenswert, wodurch in den Notstandsbezirken Westpreußens und Posens den Kreisen zur Beschaffung von Saatgut, Futtermitteln und Dungstoffen aus dem. Staatsfonds unverzinsliche (und nur in Höhe von 85 Prozent rückzahlbare Darlehen überwiesen sind. Diese Maßregel ist ganz besonders in Verbindung mit Bereitstellung eines Fonds zur darlehensweisen Gewährung barer Mittel an die am meisten geschädigten Landwirte sehr wohl geeignet, wirksame Hilfe zu gewähren. Zu besonderem Danke sind die Landwirte in den östlichen Notstandsbezirken der Staatsregierung dadurch verpflichtet, daß dieselbe Stundung der Rentenlastzung und Deichlasten, Herabsetzung der Eisenbahntarife für Futtermittel und Düngemittel, sowie für he Saatzeit Abgabe von Waldstreu und Waldtveide sowie Hergäbe von Brotgetreide, Stroh und Heu und den umfangreichen Ankauf von Hafer durch die Proviant- i ämter als zweckentsprechend erachtet hat, die Durchsüfw- ung dieser Maßnahme bereits anordnete, beziehentlich anzuordnen beabsichtigt hat.
— Heute vormittag fand eine Sitzung des Z e n t r a l - ausschusses der Reichsbank statt. Nach Vortrag der neuen Wochenübersicht wies der Vorsitzende, Präsident des Reichsbank-Direktoriums, Wirkl. Geh. Rat Dr. Koch, auf die enormen Ansprüch e hin, die gegen den Quartalschluß und später offenbar zusammenhängend mit den bekannten Zahlungseinstellungen, an die Reichsbank er- hvben worden seien. Die Wechselanlage betrage jetzt 207 Mill, mehr als im Vorjahre, und sei um diese Zeit noch nie so hoch gewesen. Die Anlage sei gegen den 30. Juni nur um 186, im Jahre 1900 um 240, 1899 um fast 200 Mill, zurückgegangen. Demgegenüber stehe allerdings ein starker Metallvorrat, der um fast 100 Mill, größer sei, als im Porjahre, und auch alle anderen Jähre des seit Ende 1895 bemerkbaren gewerblichen Aufschwungs beträchtlich übersteige. Der Goldvorrat der Reichsbank habe sich seit Neujahr um 232 Mill, vermehrt. In der letzten Woche eien fast 16 Mill, aus dem Auslande eingegangen, obwohl he fremden Wechselkurse etwas gestiegen seien. Die steuer- reie Notenreserve sei 157 Mill, größer als 1900, die Noten- väckung 0,9 Prozent besser. Dabei sei der Zinsfuß am offenen Markt im Sinken und betrage hier nur 2 fünf Achtel Prozent gegen 4 Prozent im Vorjahre. Gegen der: Schluß des laufenden Monats pflege die Anspannung nicht wesentlich zuzunehmen. Unter diesen Umständen empfehle sich ke in e D i s ko n t v e rä n de r u n g. Die Versammlung stimmte ohne Debatte diesen Aeußerungen zu. Nachdem noch einige Stadtanleihen zur Lombardierung zugelassen worden, wurde die Sitzung geschlossen.
Königsberg i. Pr., 26. Juli. Bei dem gestrigen Diner im Kurhaus zu Neuhäuser brachte Handelsminister Möller einen Trinkspruch auf die Königsberger Kaufmannschaft aus, in dem er u. a. etwa Folgendes ausführte: Die Entwickelung von Handel und Gewerbe in Ostpreußen hänge davon ab, daß man richtig erkenne, welche neuen Wege man unter den veränderten Verhältnissen zu ö^hen.habe. Die Bestrebungen, den Verkehr in landwirtschaftlichen Produkten zu erleichtern, hingen innig zusammen mit der Gestaltung der Zölle und der Handelsverträge, man werde einsehen, daß die Landwirtschaft einen erheblichen Schutz niM entbehren kann, und diejenigen, die sich mit diesem Gedanken nicht befreunden rönnen, werden sich doch an den Gedanken gewöhnen müsse, daß dre Schutzzölle eine Erhöhung erfahren. Redner glaubt, iS« ter Getreidezölle mit dem Abschluß
"21 Ertragen in innigem Zusammenhang steht, und bittet, In dieser Beziehung der Regierung volles Ver- trauen zu schenken. Oberpräsident Freiherr von Richt- hofen brachte einen Trinkspruch auf die Provinz aus, welcher er versicherte er werde seine Fürsorge allen Ständen zuwenden und sein Bestes einsetzen um die Interessen der Provinz genau kennen J fernen uÄ ihm Vertrauen, Wohlwollen und Unterfang entqe^ zubringen, damit er im stunde sei, das in ihn aefekte Vertrauen Seiner Majestät .des Kaisers zu reckitiertiaen Als ein günstiges Geschick betrachte er es, daß sein Amtsantritt mit dem ersten Besuch des .Handelsministers in'
dieser Provinz zusammensalle, was ihm Gelegenheit biete, der Besichtigung interessanter Handelseinrichtungen beizu- wohnen und berufene Vertreter des Handels und der Industrie kennen zu fernen. Redner schloß mit dem Wunsche, daß, wie in der Provinz, aus welcher er komme, so auch in Ostpreußen stets die wirtschaftlichen Betriebe aller Erwerbszweige nebeneinander im Frieden leben möchten.
Ausland.
London, 26. Juli. (Oberhaus.) Salisbury legte eine Bill vor, durch welche bte Abänderung des Titels des Königs zugelassen wird. Die Bill bestimmt, daß es dem Könige zustehen soll, im Hinblick auf dessen überseeische Besitzungen die Aenderungen seines Titels vorzunehmen, die er für passend hält. Salisbury erklärte ferner, daß der Titel, welchen der König wahrscheinlich annehme, folgendermaßen lautet: Eduard VII. von Gottes Gnaden König des vereinigten Königreichs Großbritannien und Irland, der überseeischen britischen Besitzungen, Verteidiger des Glaubens, Kaiser von Indien.
Budapest, 26. Juli. In Nikinee in Kroatien sind 80 ungarische Familien vom katholischen zum reformierten Glauben übergetreten, weil Bischof Stroßmayer den Unterricht in der ungarischen Sprache in den Schulen untersagte. Weitere Konversionen sollen be- vorstehen.
Sofia, 26. Juli. Die „Agenee Bulgare" bezeichnet die Gerüchte über die angebliche Absicht des Fürsten von Bulgarien, sich zum König proklamieren zu lassen, sowie die Behauchung, der Besuch des Großfürsten Alexander Michailowitsch stände mit dieser Absicht in Verbindung, als reine Erfindung.
Konstantinopel, 26. Juli. Infolge energischer Schritte des russischen Botschafters Sinowjew ist an die Lokalbehörden in Alt-Serbien der Auftrag ergangen, gegen die Albanesen vorzugehen und die unrechtmäßig verhafteten Serben in Freiheit zu setzen. Im Mdiz-Palais wurden auch Zusagen gemacht, zufolge deren Maßregeln ergriffen werden, um die Ordnung in Alt-Serbien wiederherzustellen. — Der ftanzösische Botschafter Konstans übermittelte der Pforte eine Note, in der die sofortige Einsetzung der „Soeiete des quais" in alle ihr im Konzessions-Ferman zugesicherten Rechte und Privilegien verlangt wird; andernfalls werde die französische Regierung selbst die nötigen Maßnahmen ergreifen, um die Interessen der genannten Gesellschaft zu wahren. Es verlautet, daß Konstans Konstantinopel verlassen würde, falls die Antwort ')er Pforte nicht befriedigend ausfallen sollte.
NoliKsche Tagesschau.
Der Wahlkreis des preußischen Handelsministers Moller ist an das Zentrum übergegangen, das darf man getrost reute schon, vor der Stichwahl, behaupten. Die National- liberalen haben keine Reserven mehr beizubringen, die Polen und Sozialdemokraten werden für den Zentrnmskandidaten stimmen. Die letzteren schon aus Haß gegen den gegnerischen Kandidaten, Dr. Beumer, den Nachfolger des bekannten Herrn Bueck als Vertrauensmann der rheinisch-westfälischen Industrie. In einem von den Sozialdemokraten derartig durchsetzten Wahlkreis war es von den Nationalliberalen nicht klug, eine derartige Auswahl des Kandidaten zu treffen. Das starke Anwachsen der sozialdemokratischen Bevölkerung erklärt sich aus der ungemein großen Zunahme der Arbeiter- levölkerung im Kreise. Der letztere war übrigens einmal chon sozialdemokratisch vertreten, und zwar bei der letzten Wahl zum norddeutschen Reichstag im Jahre 1869 durch Wilh. Hasenclever. Natürlich wird auch der neue Zolltarif zur Erklärung dieses sozialdemokratischen Wachstums herangezogen, wie in Memel-Heydekrug.
Den unheilbaren Kranken Dr. Schoeulauk löst in der Redaktion der „Leipziger Volksztg." Reichstagsabgeordneter W. Blos ab. Geborener Badenser, lebt Blos in Stuttgart und fitzt für Braunschweig im Parlament. Er hat fich stets durch mildere Formen ausgezeichnet und ist ein sogenannter nationaler Sozialdemokrat; köpfen wird er nun, wenn er zum Ruder kommt, gewiß nicht lassen. Nebenbei gesagt ist er bei einem Freiburger Korps aktiv gewesen!
Aos Stadt und Zand.
(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nut unter genauer Quellenangabe: „Sieg. Anz." gestattet.)
L.U. Landesuuiverfitat. Aus den durch den Rücktritt des Geh. HosratS Dr. Thaer freigewordenen Lehrstuhl der Landwirtschaft ist der außerordentliche Proseffor au der Uni- verfität in Göttingen Dr. v. Seelhorst berufen worden. Die bekanntesten der von Profeffor Dr. v. Seelhorst publizierten Schriften find: „Der Roggen als Wertmaß für landwirtschaftliche Berechnungen" (1878); „Die Belastung der Grundrente durch das Gebäudekapital" (1890); „Acker- und Wiesenbau ans Moorboden" (1892).
• • Personal-Nachrichten. Der Großherzog hat dem Bürgermeister Jakob KlooS III. zu Wackernheim das Silberne Kreuz des. Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
* * Militärisches, Der Vizeseldwebel im Landw.-Bezirk Friedberg, Glückert, wurde zum Leutnant der Reserve des 3. Großh. Heff. Jns.-Regts. (Leib-RegtS.) Nr. 117 befördert.
* • Konzert. Das am morgigen Sonntag in der Süd« anlage stattfindende Konzert hat folgendes Programm: 1. Ouvertüre zur Op. „Der Wildschütz" von Lortzing. — 2. Krönungsmarsch a. d. Op. „Der Prophet" von Meyer- beer. — 3. Luna-Walzer von Lincke. — 4. Potpourri a. d. Optt. „Der Vogelhändler" von Zeller.
* • Ein neuer Fechtklub, Dor kurzem hat fich hier ein Verein unter dem Namen „Fechtklub Germania Gießen" gebildet, deffen Zweck und Ziel die Erlernung und das Studium aller modernen Hieb- und Stichwaffen ist. Der Klub will neben dem Schläger und schweren deutschen Säbel sich besonders mit dem Studium des italienischen KunstfechtenS auf Hieb und Stich befaffeu, das seit zwei Jahren in Deutschland festen Fuß gefaßt und die französische Methode des Fechtens zurückgedrängt hat. Leiter des Klubs ist Fecht meister Emil Orth, ein Schüler des bekannten italienischen Fechtmeisters Francesco Tagliabo.
* * Die Verlustliste Nr. 16 aus China weist u. a. folgende Heffen auf: In der 2. Kompagnie des 4. ostasiatischen In-
fanterie-Regiments Vizefeldwebel Paul An sorge, früher inr 4. Großh. Hess. Infanterie-Regiment (Prinz Karl) Nr. 118, tot; Trainsoldat Cyrill Munsch aus Epfig, früher im 1. Großh. Heff. Jnfanterie-(Leibgard-)Regt. Nr. 115, tot.
v. Heuchelheim, 27. Juli. Die Kapelle des Marburger Jägerbataillons konzertiert morgen und übermorgen aus Au- laß des Kirchweihfestes im Lokal der Herren Steinmüller und Kröck.
M. Beuern, 27. Juli. Forstwart Leierer aus Climbach ertappte am 24. d. M. abends einen Wilderer in de« Augenblick, als dieser ein Reh schoß.
§ Butzbach, 26. Juli. DaS nach der gestrigen Mitteilung wegen Diebstahls verhaftete Dienstmädchen Friedel aus Auerbach ist heute nach seiner gerichtlichen Vernehmung wieder auf freien Fuß gesetzt worden. — In dem nahen Oppershofen wird Dekan Appel Mitte August das goldene Priesterjubiläum begehen; als Pfarrer in Oppershofen wirkt er bereits 30 Jahre.
Bad-Nauheim, 25. Juli. Die Zahl der Kurgäste betrug bis zum 25. Juli 13,872. An Bädern wurden bi- zu diesem Tage 177,950 verabreicht.
Grüuberg, 26. Juli. Ja hervorragender Weise beteiligte fich am Schotteuer Mufikfest der dem Bunde neu beigetretene Mufikvereiu Grünberg, der auch der einzige war, der bis zum Montag Abend aushielt. Am Morgen desselben Tage» brachte er demLandtagSabgeordueten Geheimrat Schönfeld ein Stäudcheu. Der Vorsitzende feierte den Geheimrat in einer hierbei gehaltenen Ansprache als Fest-Ehrenpräsidenten, und betonte ganz besonder», daß er diese Aufmerksamkeit seitens de- Grünberger Mufikvereius als einen Akt der Dankbarkeit und Verehrung ausnehmeu möge. Geheimrat Schönfeld dankte in beredten Worten, und versprach, auch ferner für die Interessen Grünbergs eiutreteu zu wollen. Wenn seine Bemühungen seither keine greifbaren Erfolge gehabt hätten, so sei doch nicht ausgeschloffen, daß in absehbarer Zeit auch Grünberg bedacht werden würde. — Die Abhaltung des nächstjährigen Festes wurde dem Mnfikverein Grüuberg augeboteu, doch behielt fich dieser eine Bedenkzeit vor, um zu erwägen, ob das Fest fich mit der im nächsten Jahre stattfindenden 60jährigev Gründungsfeier verbinden laffe.
Rüddiugshauseu, 27. Juli. Hier ist schon seit 14 Tagen die Schule wegen DiphtheritiS geschloffen. Zu dieser unheimlichen Krankheit hat fich uun auch noch der Keuchhusten gesellt.
S. Darmstadt, 26. Juli. Der Großh. KreiSamtmann Hugo Scriba, zuletzt in Heppenheim a. B., der in die peinliche Duellaffaire mit dem Korkenfabrikanten Alle- wyn in Bensheim a. B. verwickelt war, ist nunmehr mit Wirkung vom 24. Juli aus dem Staatsdienst entlassen worden. Ueber die Angelegenheit werden folgende Einzelheiten bekannt: Beide Herren hatten sich als Reserveoffiziere kennen gelernt. Es entstanden familiäre Beziehungen und der ledige, 29 Jahre alte schneidige KreiSamtmann wurde ständiger Gast im A.'schen Hause. Bald entstand ein intimes Verhältnis zwischen Sc. und Frau A. hinter dem Rücken des ahnungslosen Ehemannes, der ost von Hause abwesend war. Die Katastrophe entstand, als der Gatte eines Tage» einen Brief abfing, der ihm den Verkehr der beiden vollständig aufdeckte. Er eilte in seiner Wut aus dem Hause, erwarb eine Hundpeitsche, suchte den Hausfreund auf dem Amtszimmer auf und gab ihm mit diesem Instrument eine derbe Lektion, deren Folge eine Forderung auf Pistole« mit dreimaligem Kugelwechsel war. Bekanntlich verlies daS Duell für beide Teile unblutig. Frau A. ist abgereist und hält sich in der Sommerfrische auf. Bei der sofort eingeleiteten amtlichen Vernehmung erklärte der Hausfreund, daß er jede Auskunft verweigern müffe, da e- fich um die Ehre einer Dame handle. Dieselbe stammt aus Frankfurt a. M. Auch aus dem Reserveoffizier-VerhältuiS hat seinen Abschied nachgesucht und erhalten.
s. Mainz, 26. Juli. Die wegen Führung der neuen Bahnlinie Mainz—Wiesbaden zwischen der Stadt Mainz und der hiefigeu Eiseubahndirektion vereinbarten Verträge sind heute unterzeichnet worden.
Mainz, 27. Juli. Da- hiesige Museum ist vor einiger Zeit in den Besitz von drei aus unserer Provinz stammenden Bruchstücken eines Grabdenkmals au- althochdeutscher Zeit gekommen. DaS Denkmal hatte eine Breite von 93, eine Höhe von 64 und eine Dicke von 11 Zentimeter und war aus Sandstein angefertigt; von der auf der Platte de» Grabsteins befindlichen Inschrift waren noch etwa 34 Ztm. erhalten. Auf dem Stein war ferner eine männliche bärtige Person in dem Stil der Zeit dargestellt. Der Mann, der die Hände zum Beten erhoben hatte, ist mit einem langen Rock au- schwerem Stoff bekleidet, die Unterschenkel find mit langen Schuhbändern umwunden. Neber dem Kopfe steht die Inschrift: DIE-DE-RIH- Ferner ist auf dem Stein zu er- sehen, daß auf den fehlenden Bruchstücken eine Frau dargestellt war, dies ist noch an dem Reste de- langen Gewände» zu erkennen, welches noch auf dem Stein sichtbar ist. Die noch vorhandene althochdeutsche Hauptinschrift lautet: Gedenke des Dieterich, des Sohnes des Go .. . und der Drulinda. Der Name des Vaters ist nicht mehr vollständig zu lesen, da ein Stück des Steine- fehlt. Für das Museum ist dieser Stein deshalb von einer außerordentlichen Wichtigkeit, da in ihm da- Museum die einzige althochdeutsche Steininschrift besitzt, welche bisher zu Tage gekommen ist. Ferner befindet fich das Museum in dem Besitze von zwei wertvolle« Runeninschriften, welche in FreilauberSheirn und Osthofen gesunden worden find. — Die Bestätigung des vom hiesigen Kriegsgericht gefällten Urteils in der Duellsache de» Oberleutnant- Richter und des Leutnants Bogt durch den Kaiser ist nunmehr erfolgt. Leutnant Vogt, der schon längere Zeit Zivilkleidung trägt, wird von einem Offizier der hiesigen Garnison nach Magdeburg gebracht, wo er seine zweijährige Gefängnisstrafe in der Festung verbüßen muß. Die Mutter des Leutnants Vogt weilt seit vorgestern hier und besuchte ihren Sohn mehrmals im Lazaret.
Frankfurt a. M., 26. Juli. Heute nachmittag gegen 5 Uhr ereignete fich auf dem Neubau des Hotels „Fürsten- h o f" an der GalluS.Anlage gegenüber dem neuen Schauspiel- Hause ein schwerer UuglückSfall. Beim Heraufziehen einer schweren Saudsteinplatte versagte die Bremsvorrichtung des Krahns, sodaß die Platte aus beträchtlicher Höhe herabstürzte, zwei steinerne Balkons durchschlug und einen Arbeiter sofort tötete. Zwei andere Arbeiter wurden leichter verletzt.


