glänzenden Stilisten hat in knapper Form A d o l f P a l m geliefert. Manche der politischen Bemerkungen Nietzsches kiest sich so aktuell, so zutreffend auf die Gegenwart, als -eien die Sätze gestern geschrieben worden.
Politische Tagesschau.
Tie Spannung in der „inneren Krise" in Preußen, als die man die Kanal- und Zolltarif-Angelegenheit füglich bezeichnen kann, hat zwar ihren Höhepunkt erreicht, noch immer aber ist ihre Lösung nicht abzusehen. Die für die letzte Sitzung der Kanalkommission erwartete entscheidende Aussprache ' der Regierung ist nicht erfolgt. Dagegen sind die „Bert. Pol. Nachr.", deren Beziehungen zu Herrn v. Miguel man kennt, mit einem Kommunique auf den Plan getreten, in dem der Vorschlag des Abg. Frhrn. v. Zedlitz, des „Vaters aller Hindernisse" in der Kanal- frage, daß die Baukosten des Kanals in Jahresraten in den jedesmaligen Etat eingestellt werden, wohlwollend erörtert wird. Wenn dieses Kommunique die Anschauungen des Finanzministers wiedergeben sollte, dann würde das' eine Verschleppung der Entscheidung über die Vorlage ins Unendliche bedeuten, eine Verlängerung der Krisis auf lange Jahre hinaus. Man weiß freilich nicht immer, ob die Auslassungen der „B. P. N." privater Natur oder von ministeriellem Geiste erleuchtet sind. Und so wird das Verlangen, daß die Regierung, daß der Reichskanzler jetzt endlich Farbe bekennen, in den maßgebenden parlamentarischen Kreisen immer lebhafter. Ter abspannenden Ungewißheit der Situation wollen agrarische Kreise, wie die „T. Tagesztg." ankündigte, durch eine Interpellation im Reichstage ein Ende bereiten. Ob viel dabei herauskommen wird, ist mehr' als fraglich. Was kann Graf Bülow über die Zolltarifvorlage, die — wie ein anderes Blatt versichert — vor Oktober nicht an den Reichstag gelangen wird, anders sagen, als was schon so ost von offiziöser Seite gesagt und geschrieben worden ist! Mehr als einige verbindliche Aeußer- üngen, die kaum einen greifbaren Anhalt geben dürften, wird der gewandte Reichskanzler nicht thun. Und so wird, wenn die Regierung sich nicht zu einer entschiedenen und entscheidenden Erklärung über ihre Willensmeinung in der Kanalfrage aufrafft, das grausame Spiel noch wer weiß wie lange fortdauern. Es sei denn, daß, wie gewisse .Kreise hoffen, der Kaiser durch eine erlösende Aktion in diese Verworrenheit eingreift und ihr ein Ende zu bereiten sucht. ________
Man schreibt uns aus London:
Die hiesige deutsche Kolonie, die zahlreich genug ist, um eine große Provinzialstadt zu füllen, muß bem eigentlichen Londoner Treiben fernbleiben. Die besseren englischen und deutschen Kreise leben streng geteilt voneinander, wenn auch die guten Deutschen das Unmöglichste möglich machen, um ihr D e u t s ch t u m zu v e r l e u g n e n und recht englisch zu scheinen. Sie gehen in dieser Karrikierung soweit, daß sie sich oft englischer geben, als die Engländer selbst. Hier geborene Söhne und Töchter deutscher Eltern iwollen sich überhaupt nicht daran erinnern, daß kein Tropfen englischen Blutes in ihnen steckt, und daß sie ebensowenig englisch sind, wie jeder Botukude. Ist nun aber gar eine Person der Eltern schon in England geboren, dann wollen die jungen Herren und Dämchen gar nichteinmal mehr wissen,daßesnocheinedeutscheSprachegiebt. Das sind noch die „besseren", die in die deutsche Kirche oder in das deutsche Theater gehen, obgleich sie unter sich nur englisch sprechen und in einer Art stiller Angst von jedem wegrücken, der so ungebildet ist, deutsch zu parlieren. In kaum einem Lande der Welt verleugnet der Deutsche so sehr sein Deutschtum wie in England und kein anderes Land übersieht sein serviles Entgegenkommen so impertinent wie das britische Reich. Ohne auf politische Ereignisse und auf die neuesten Vorgänge einzugehen, wird man nur zu sehr im kleinen gewahr, daß England die nationale Gefahr für Deutschland bildet. Wer von den Teutfdjeu erst einmal ein paar Jahre hier gelebt hat, der ist für seine Heimat verloren, und die wenigen Ausnahmen bestätigen nur die Regel. Eine Bekräftigung dieser Annahme bildet ein krasses Beispiel: Bei dem Wohlthätig- teitskonzert zu Gunsten des deutschen Hospitals, das alljährlich stattfindet, waren die Eintrittskarten, wie immer, an die Mitglieder der deutschen Kolonie verkauft worden, aber auch nicht eine der angesehenen Familien und Persönlichkeiten erschien zu dem Konzert. Die gesamten Zuhörer der besseren Plätze bestanden aus einem Heer von Kinder- fräulein, Stützen der Hausfrau, Köchinnen, Stubenmädchen und männlichem Dienstpersonal, während die billigeren Plätze von den kleinbürgerlichen deutschen Kolonisten eingenommen waren. Man gab wohl sein Geld, aber man war zu vornehm, um selbst zu erscheinen. Kurze Zeit darauf fand ein ähnliches Konzert zu Gunsten eines englischen Asyles statt, und siehe da, diesmal konnten es sich die deutschen Damen im Besonderen nicht versagen, in großer Toilette durch ihre Anwesenheit zu glänzen, und den Hauptkon- Hngent der Zuhörer zu stellen. Sapienti fat!
Tie Meldung der „Morning Post", Holland werde der amerikanischen Union eine Kohlen st ation auf der westindischen Insel Curacao nebst Souveränetätsrecht abtreten, wird von einem hochgestellten Mitglied der Berliner holländischen Kolonie schon um deswillen als ganz unwahrscheinlich bezeichnet, als die Union auf Kuba und Portoriko ausreichende Territorien zur Errichtung von Kohlenstationen im Antillenmeer besitzt. Aus welck)<em Grunde ein Souveränetätsrecht über eine der Süd- anKrifa vorgelagerten Inseln erstrebt werden soll, sei auch nicht einzusehen. Auf jeden Fall liege es für die Amerikaner &ann naher die Briten zur Abtretung ihrer Rechte auf die Insel Trinidad anzugehen. Letztere, obwohl die größte der »leinen Antillen, werde von den jetzigen Besitzern nicht eben hoch bewertet. Tie holländische Regieriiug sei, soviel bekannt, heute weniger denn je geneigt, sich auch nur eines Titelchens ihrer Besitzrechte auf die gesunde und fruchtbare „Passatinsel" Curacao zu entäußern. „Nicht nur die amerikanischen Staatsmannes wissen", so schloß der (^währs- mann, „daß die Bedeutung Curacaos als Durchgangs- Hasen erst nach dem Bau des zwischenozeaniscksen Kanals zur vollen Geltung kommen wird."
Rußland und Japan in Ostafien.
(Von unserem X-Korrespondenten.)
Petersburg, 11./24. April.
Ter französische Minister des Aeußeru, Herr Delcasse, weilt bekanntlich gegenwärtig hier in Petersburg, und seine Beratungen mit den russischen Staatsmännern sind in den dichten Schleier des Geheimnisses gehüllt. Was darüber in der Presse bisher durchsickerte, ist zu dürftig, um als Anhalt dienen zu können, und beruht wohl größtenteils nur auf Kombinationen. Ter hiesigen Presse, selbst derjenigen, die sich intimer Beziehungen zu den maßgebenden politischen Kreisen erfreut, ist Diskretion awserlegt worden, und so ist man lediglich aus das angewiesen, was man andeutungsweise aus den Mitteilungen informierter Politiker erfährt. Herr Telcasfe ist hier Gegenstand größten Zuvorkommens seitens der Kreise des Hofes und der Tiplomatie und wird hier in einer Weise ausgezeichnet, Hie zweifellos in Paris sehr wohlthuend berühren wird. Sein Besuch ist nicht überraschend gekommen — er war schon seit Langem geplant, und inzwischen hat der Beratungsstoff sich beträchtlich gehäuft. Eingeweihte Kreise versichern, daß zwar in erster Linie verschiedene aktuelle Fragen der inneren Politik »Frankreichs den Gegenstand des Gedankenaustausches zwischen Telcane und den Staatsmännern des Zaren bilden; einen nicht geringeren Umfang aber wird die Besprechung der großen schwebenden Fragen der auswärtigen Politik in Anspruch nehmen, an denen Rußland wie Frankreich in gleicher Weise interessiert sind. Wie mir von einer dem Minister des Aeußern, Grafen Lambsdorff, nahestehenden Seite angedeutet wird, dürfte zunächst das o st a s i a t i s ch e Problem diskutiert werden. Einen der wichtigsten und interessantesten Teile desselben bildet das Verhältnis Rußlands zu Japan, das durch die Entwickelung der koreanischen Frage in der letzten Zeit wiederum eine starke Ver- chlechterung erfahren hat. Es giebt hier Staatsmänner, die offen die Ansicht äußern, daß ein Zusammenstoß Rußlands mit dem japanischen Infelreiche die nächste Folge der chinesischen Wirren sein werde, und wer den Gegensatz zwischen den beiben Staaten seit dem Auftauchen des ostasiatischen Problems kennt, wird an der Richtigkeit dieser Meinung kaum zweifeln. Japan Faun es heute noch nicht verwinden, daß es Rußland den größten Teil der Früchte seines Sieges über China zu verdanken hat, und seitdem Rußland durch seine zähe und geschickte Methode, die es in Korea befolgte, Japans Einfluß in diesem Lande erfolgreich zu schwächen wußte, ist die Erbitterung in Japan auf einen hohen Grad gestiegen. Es muß dem Faß den Boden ausstoßen, daß jetzt Frankreich den Koreanern mit einer Anleihe von etwa 10 Millionen Mark zum Bau einer Eisenbahn von Soeul nach Wiju zu Hilfe kommen will. In der japanischen Presse wird diese Anleihe ganz offen als eine russische bezeichnet, für die Frankreich >en Strohmann bilden solle, und in drohendem Tone erklären die'japanischen Blätter, daß eine solche Anleihe eine Herausforderung Japans' sei, daß Rußland dadurch die Konvention von 1896, durch welche Rußland und Japan ich verpflichteten, nur gemeinschaftlich eine neue Anleihe mit Korea abzuschließen, gröblich verletzt habe. Hier nimmt man diese erregten Ausfälle der Iraner sehr kühl auf, und man wird sich auf dem nun einmal so erfolgreich be- djrittenen Wege der Herausdrängung Japans aus Korea nicht behindern lassen. Eine solche Politik wird man mit der Unterstützung Frankreichs fortsetzen, und es wird hier versichert, daß speziell über die ost asiatischen Fragen ein geheimes Abkommen zwischen Rußland und Frankreich getroffen werden wird, das beide Kontrahenten zu gegenseitiger diplomatischer und militärischer Hilfeleistung verpflichtet. Und in dieser Beziehung wird die Mission Delcasses in Petersburg voraussichtlich einst einen Markstein in der Entwickelung des ostasiatischen Problems bilden.
Ans Stadt und Iand.
Gießen, den 27. April 1901.
•* Militärisches. Se. Exzellenz der DivifionSkomman >eur Generalleutnant von Perb andt und der Brigade- ommandeur Generalmajor von Plötz nebst ihren Adjutanten nd gestern nachmittag nach Darmstadt zurückgekehrt, die rompagniebesichttgungen find beendet. Der hier anwesend gewesene General st ab des 18. Armeekorps hat auch unsere Stadt verlaffen.
o. Alpexvereix. Die Entstehung der Alpen war der Gegenstand eines Bortrages, mit dem am Donnerstag abend cand. rer. nat Heineck, Assistent am mineralogischen Institut, die Sektion Gießen erfreute. Die Alpen in ihrer heutigen Gestalt, so etwa war der Gedankengang des Redners, ind das Produkt einer Reihe von erdgeschichtlichen Entwickelungen, bei denen sich verschiedenartige Kräfte, zerstörende und ausbauende entgegengearbeitet haben. Zu jenen gehören vor allem die Wirkungen deS WafferS, zu diesen die gebirgS- bildenden Kräfte, die die Veranlassung zur Faltung von Teilen der Erdrinde und damit zur Entstehung der Gebirge gegeben haben, und deren Ursache man ix der durch die Wärmeabnahme der Erde bedingten Kontraktion des Erd- innern und der dadurch hervorgerufeneu Spannung in der Erdoberfläche zu suchen hat. Unter der Einwirkung der gebirgsbildenden Strafte find in unseren heurigen Alpen im großen und ganzen zwei zeitlich getrennte Auffaltungeu erfolgt, von denen die erste allerdings sich nicht nur auf dieses Gebiet allein, sondern in gleicher Weise auf die nördlichen Vorländer erstreckte und Veranlassung gab zur Entstehung der „mittel deutschen Alpen- oder deS „variscischen Gebirges-. Dieses große Alpengebirge, das in der Steinkohlenzeit entstand, fiel im Laufe vieler Millionen Jahre noch im Altertum der Erde zum größten Teil Der Zerstörung anheim, wurde während des Mittelalters der Erde öfters uxd fast gänzlich vom Meere überflutet, um schließlich mit Beginn der neuzeitlichen Periode unserer Erdgeschichte, in der Tertiärzeit, der Schauplatz einer neuen großartigen Entfaltung der ge« birgSbildenden Kräfte zu werden. Es erfolgte jetzt auch die Differenzierung der heutigen Alpen von ihren nördlichen Vorländern, indem fich beide dem auf sie ausgeübten Drucke gegenüber ganz verschieden verhielten; denn während die Alpen zu einem Gebirge aufgefaltet wurden, sank daS „spröde- Vorland in die Tiefe, und zwar in einer Menge von einzelnen Schollen, zwischen denen die stehengebliebenen
Reste als Gebirge, wie der Schwarzwald, die Vogesen, das rheinische Schiefergebirge n. a. emporragen. Bon dieser Zeit an hat dann das Wasser das seinige dazu beigetragen, das heutige Relief der einzelnen Gebirge feiner auszuarbeiten, wobei es in den Alpen noch ganz besonders unterstützt wurde durch die Thätigkeit der Gletscher, die in der Eiszeit hier eine große Wirksamkeit entfalteten. — Die durch reichliche Anschauungsmittel unterstützten Ausführungen, die einen lehrreichen Einblick boten in diese Werkstätte ewig waltender Naturkräfte, dürften gewiß manchem Hörer erwünschte Anregung gewähren, bei demnächstigen Wanderungen in der erhabenen HochgebirgSwelt auch dem geologischen Aufbau der kühnen Bergmauern und mannigfaltigen Bodeueinschnitte em erhöhtes Interesse zuzuwenden. — Die nächste Programmtour Der Sektion führt anfang Mai nach den lieblichen Thäleru und Höhen des hessischen Hinterlandes mit Biedenkopf als Endziel.
-g- Stenographie. Wir wollen nicht verfehlen, auch an dieser Stelle auf die Anfang Mai beginnenden Elerneu tar-Kurse des GabelsbergerStenogravhen-Ver- eins (siehe Inserat) aufmerksam zu machen. Ganz besonders ei noch der Kursus für ältere Herren erwähnt. — Auch das Tamenkränzchen des G. St.-V., das demnächst sein erstes Stiftungsfest festlich begehen wird, eröffnet wieder einen Kursus für Tarnen, worauf wir unsere Leserinnen, zumal >ie Stenographie heutzutage ein neues Arbeitsfeld gerade ür die Tamenwelt bedeutet, ebenfalls gebührend aufmert» am machen.
*♦ Herr Wilhelm Wenzel, der frühere Besitzer des Stein'schen EtabliffementS, einst eine der populärsten Persönlichkeiten unserer Stadt, weilt seit vorgestern besuchsweise in unserer Stadt. Seine neue Heimat ist jetzt Brooklyn, wo er i» resten Verhältnissen als Reisender für eine große deutsche Brauerei thätig ist.
Bier Jahreszeiten. Man schreibt unS: Heute und morgen finden in den „Vier Jahreszeiten- große Vorte llungen statt. (Berg!. Inserat.)
+ Ettingshausen, 26. April. Gestern mittag 1 Uhr wurden die Bewohner unseres Dorfes durch Feuer alarmiert, es stand das Wohnhaus deS Georg Seibel in Flammen und brannte vollständig nieder. Ein Glück für unser Dors war es, daß daS Feuer in einer Zeit zum Ausbruch kam, wo alle Leute von ihrer Feldarbeit zu Hause waren. Feuerwehr und Spritze waren sofort zur Stelle und es gelang bald, das Feuer auf feinen Herd zu beschränken. Unsere neue Feuerspritze war zum ersten Male bei einem Brand in Tätigkeit und hatte fich sehr gut bewährt.
8- Hattenrod, 26. April. Gestern abend gegen 10 Uhr wurde einem zugereisten Ehepaare ein Sohu geboren. Die Leute, die fich nicht früh genug nach einem geeigneten Logis umgesehen hatten, wurden auf offener OrtSstraße von de« rohen Ereignis überrascht. Hilfsbereite Leute nahmen fich >eS kleinen Weltbürgers an.
Mainz, 26. April. In Weinolsheim brach in der Behausung des Landwirts Joh. Zängler Feuer ans. Zängler, der in der Scheuer Rettungsversuche machte, wurde unter den Trümmern der zusammenstürzenden Scheuer begraben und bei den Ausräumungsarbeiten vollständig verkohlt aufgefunden. — Die hiefigen Bauunternehmer haben in einem heutigen Schreiben an die Lohn- kommission der Maurer erklärt, daß sie jede Unterhandlung mit ihr ablehnen, indem sie die Kommisfion als entlaffen betrachten. Die Maurer werden in einer Versammlung hierzu Stellung nehmen.
Vermischtes.
* Berlin, 26. April. Auf Requisition einer auswärtigen Staatsanwaltschaft ist vor einigen Tagen der Frhr. Hans v. Eichstädt von der hiefigen Kriminalpolizei verhaftet und in das Moabiter Untersuchungsgefängnis gebracht worden. Der Verhaftete wird des gewerbsmäßigen Glücksspiels beschuldigt. Er bestreitet dies edoch mit Entschiedenheit und giebt nur zu, daß in seiner n einem Hotel befindlichen Wohnung Zusammenkünfte von befreundeten Personen stattgefunden hätten, bei denen allerdings ein kleines „Jeu" gemacht worden fei; die Einsätze Men jedoch in keinem Falle den Betrag von je 10 Mk. überfliegen.
* Unter dem Titel „3um Meineidsprozeß gegen Moritz Lewy in Honife, Westpr." ist dre Verteidigungsrede des Rechtsanwalts Hugo So n n e n se l d er- chienen, der folgendes Vorwort des Juftizrats Tr. Erich Sello beigegeben ist: „Die schwurgerichtliche Verhandlung gegen den Fleischergesellen Moritz Lewy wegen Meineids hat überall, und nicht blos innerhalb der Grenzen unseres Vaterlandes, die Teilnahme der gebildeten WeU erregt. Man empfand allgemein, daß es sich hier nicht blos um das beklagenswerte Schicksal eines Einzelner handele, der, wie viele meinten, mit Unrecht eines schweres Verbrechens geziehen wurde, sondern daß weit darüber hinaus um die höchsten und allgemeinsten Güter der Gesittung und der bürgerlichen Freiheit gekämpft wurde. A1Z Moritz Lewy am letzten Tage der Verhandlung in schlichten und ergreifenden Worten Gott zum Zeugen seiner Unschuld anrief, hat ihm in Könitz nur das herzlose Lachen seiner Zuhörerschaft geantwortet, die zu seiner Ueberführung keines weiteren Grundes bedurfte, als daß er einen anderen Glauben als sie bekannte. Tiefes Gelächter, womit bet Pöbel, der gebildete wie der ungebildete, an diesem Orte und zu die,er Stunde einen Angeklagten zu verhöhnen wagte, der, wenn er wirklich falsch geschworen hatte, es doch nur gethan haben konnte, um sich und die Semen vor dem blinden Verfolgungswahn dieses selben Pöbels zu retten, hat jedem menschlich Fühlenden die Schamrote m die Wangen getrieben; schlimm für uns, wenn dre SdW welt einst die Gesittung unserer Zeit nach diesem Gelachter schätzen sollte. Außerl^alb des Gerichtsjaales aber haben Lewys Worte einen anderen Widerhall gefunden. Breie Tausende, die der Verhandlung mit gespannter Auftnerv samkeit gefolgt sind, haben sich nicht von seiner Schul» überzeugen können, und. hoffen mit ihm, daß ba» Urtai des >ionitzer Gerichts nicht das letzte Wort sein wird, ov-
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• 3Bom „br Frauen! den wurde Mschen Polizeige iicher schmächtiges angetlagt, unter V jdjnnnbelt zu Halm Kleidung war eS ( nämlich gegen Lall von Gewerbe und gestellt, daß die! Diana und Anstrei unb Oriental Dai städtischer Dekoratei Angaben hat sie al eine Weile Lehrerin getommen, zum D Mann leichter ihr stelligte ohne langet sonderliche Schmiert Ne bet ßeit (et Glosse zu Hampto chr btu tzvs, tjttta' M. Nach dem Tu' Witwer nach Land Anstreicher, bis il ^st der Jahre zu! dessen, daß daS w denn es [ ^-schließlich auf 9 jnb Unterhalt, A NN bestritte! , demnächst m Mtaj isutbe in, «WMtn. 1 , 26.
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