Ausgabe 
28.2.1901 Zweites Blatt
 
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als gethan: die Strecke mißt nämlich in Luftlinie rund 160 Kilometer und weist nicht weniger als 19 Driften und eine Brücke auf; außerdem können sich an ihr Truppen nur durch beschwerliche Märsche verteilen, da die Eisen­bahnen lediglich nach den beiden Endpunkten Beförder­ungsgelegenheit bieten. Wenn also das Hochwasser den Engländern die Arbeit nicht abnimmt, so ist fast mit Sicher­heit darauf zu rechnen, daß De Wet und Steijn wieder nach dem Freistaate kommen. Besonders gefährdet erscheint jetzt Hertzog, der, von Bethunes berittener Infanterie verfolgt, die Vereinigung mit De Wet bei Prieska anstrebte. Wie derTimes" aus Bethunes Lager vom 24. gemeldet wird, rückt Hertzog, der 1500 Pferde zusammengebracht hat, nach Osten vor. Fliegende Kolonnen manövrieren in dieser Rich­tung. Ein Teil der eingefallenen Buren hat indessen unter Haasbroek den Oranje überschritten. In den Mid^land-^ bezirken sind die Buren unter Scheepers, wie es scheint, nngeschwächt. Nach einer Meldung derTimes" aus Willowmore vom 25. hat General Parsons ein Kom-" mando 25 Kilometer von Willowmore am Abend des 24. angegriffen. Der Kampf währte den ganzen Abend. Die. Buren wurden in ihren Verschanzungen beschossen. Tie Engländer hatten zwei Tote, mehrere Verwundete und zwei Vermißte. Die Verluste der Buren sollen bedeutend sein. Wenn Botha, wie gemeldet wurde, in der Richtung auf Komatipoortentkommen" ist, so müßte er durch Swasi­land nach Norden abgezogen sein. Vielleicht aber ist es ihm gleich nach dem Angriff auf Smith-Dorrien gelungen, die Straße nach Barberton zu gewinnen, sodaß die Haupt­masse der Buren, die French auf 5000 Seelen schätzt und bei Piet Retief vor sich meldete, damals von ihm getrennt und nach Süden abgedrängt worden wäre. Jedenfalls ist eine Bestätigung der Zeitungsmeldung, daß Botha Ver­handlungen wegen der Uebergabe angernüpst habe, bisher nicht zu verzeichnen.

Die Zeitungsmeldungen aus der Nordkapkolonie be­richten von weiteren Regengüssen, wodurch der Ueber- gang über den bereits in einer Nacht sechs Fuß gestiegenen Oranjefluß für die fluchtigen Buren noch schwerer wird. Nach einer Depesche desDaily Telegraph" aus De Aalr bildeten die britischen Truppen eine weite Umfassungslinie von der Station Oranje River bis Norvals Pont, die sich nach innen gegen den Feind zusammenzieht. Einstweilen bietet Sch»vimmen die einzige Möglichkeit, den Fluß zu überschreiten.

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Telegramm deS Slietzerrrr Anzeigers.

London, 27. Febr.Daily Chronicle" meldet unter Vorbehalt (!), daß Kitcheuer und Botha eine Zu­sammenkunft hatten, nm die Bedingungen für die Uebergabe des letzteren festzustellen, und daß Botha ein 24 stündiger Waffen still st and bewilligt sei, um sich mit seinen Kommandanten wegen Annahme der bri­tischen Bedingungen in Verbindung zu setzen. In dem gestern abgehaltenen Kabinettsrat sei über jene Angelegen­heit verhandelt worden. DieTimes" melden aus Kap­stadt, die Streitmacht, welche De Wet begleitet, wurde auf 500 bis 800 Mann geschätzt. Außerdem folgen ihm die Ueberreste seines ganzen Kommandos und Hertzogs Kom­mando von Calvinia aus.

China.

Der Text des russisch-chinesischen Abkommens über die Mandschurei wird derTimes" übermittelt. Der Pekinger Berichterstatter derTimes" bemerkt dazu: Der Tartaren- leneral in Mukden nimmt die höchste Stelle in der ganzen Mandschurei ein, denn seine Stellung vereinigt Zivil- und Militärgewalt. Fengtien ist die südlichste und wich­tigste der drei die Mandschurei bildenden Provinzen, dabei die einzige, in der überhaupt Zivilverwaltung besteht. Tie beiden anderen Provinzen haben bisher nur Militärregi­ment. Das erklärt, warum scheinbar die Vereinbarung nur einen, allerdings den wichtigsten Teil .der Mandschurei betrifft. Ter russische Resident oder Agent mit General­vollmacht zur Aufsicht wird als Tsung Kuan bezeichnet. Nach Artikel 4 -der Vereinbarung von Port Arthur soll der heutige Posten des Generals Alexejew nie die chinesische Bezeichnung für Generalgouverneur oder Gouverneur, son­dern einen etwa dem Generalkontroleur entsprechenden Titel erhalten. Bei Ausfertigung der Abschrift vorstehender Ver­einbarung für Li-Hung-Tschang erklärt der Unterhändler Tschaumien, Kummer zerreiße sein Herz, aber was bleibe ihm anders übrig? Abschnitt 6, der Verwendung von Feuer­waffen unter Umständen gestattet bemerkt er sei nur nach langen Erörterungen zustande gekommen. Heute, nach­dem die Aufständischen die Provinz überlaufen, seien den Bewohnern keine Hilfsquellen mehr übrig geblieben und wenn man den Dorfbewohnern verbiete, Waffen zu tragen, fei kein Mensch in der Provinz seines Lebens mehr sicher.

Der Text des russisch-chinesischen Vertrages über die Mandschurei erregt in politischen Kreisen Englands Auf­sehen und Verstimmung; er bringt Wasser auf die Mühle derjenigen, die zwischen Zornesausbrüchen gegen den nordi­schen Nachbar und unter dem Eindruck der Verstimmung über andere, die sehr augenfälligen anglorussischen Miß­helligkeiten zum eigenen Vorteil ausbeuten möchten, und einer Verständigung mit Rußland, wäre es auch nur auf kurze Frist, zuneigen. Bezeichnend sind folgende Bemerk­ungen derDaily Mail":Dies Abkommen giebt Rußland einfach alles. Die Mandschurei wird thatsächlich, wenn auch nicht dem Namen nach, russische Provinz. Die offene Thür wird uns einfach vor der Nase zugeschlagen. Wir haben fein entsprechendes Entgelt für unsere stille Genehmigung dieses Zustandes erhalten; wir hofften «eine Anerkennung unserer heute ziemlich schatten­haften Anrechte im Pangtsethale erhalten zu können, die nunmehr vielleicht morgen von Rußland kühn angefochten werden. Es bleibt uns nur die ergötzliche russische Zu­sicherung, daß die Vereinbarung nur zeitweiliger Natur fei; wir möchten l>abei daran erinnern, daß das ganze chinesische Reich nur zeitweiligen Charakter hat und nur bestehen wird, bis Rußland sich bereit fühlt, es aufzusaugen und zu verdauen."

Der Dolmetscher der deutschen Gesandtschaft in Peking, Cordes, ist jetzt nach Berlin zurückgekehrt. Er hatte sich kurz nach der Befreiung der in Peking eingeschlossenen Fremden auf Kosten der deutschen Regierung zur Wieder­herstellung seiner Gesundheit nach der Riviera begeben. Cordes hat sich von seiner schweren Verwundung wieder vollständig erholt.

Eine Meldung desReuterschen Bureaus" au£ Peking

vom 25. d. M. besagt: Tie Gesandten der Mächte traten heute vormittag zusammen und stellten das Verzeichnis der bei der Boxerbewegung beteiligten Provinzbeamten auf, deren Bestrafung gefordert werden soll.

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Telegramme des Gießener Anzeigers.

Peking, 26. Febr. Die Straße, worin die Hin­richtungen von T s ch i h u e n und Hutschen gyu statt­fanden, war von deutschen, französischen und amerikanischen Truppen besetzt. Die verurteilten chinesischen Würdenträger wurden in Karren herangebracht, die von japanischen Truppen eskortiert waren. Beide trugen die Tracht als chinesische Beamten, aber ohne die Abzeichen ihres Ranges.

Peking, 26. Febr. Die Hinrichtung von Tfchi- huen und Äntschengyu gemäß dem kaiserlichen Edikt und den Forderungen der Mächte hat heute stattgefunden.

Shanghai, 26. Febr. DenNorth Daily News" wird aus Peking vom 25. d. Mts. telegraphiert, China ver­weigere die Ratifizierung des Artikels 7 des rus­sisch - chinesischen Abkommens. Dasselbe Blatt meldet ferner, nach Mitteilungen aus chinesischen Quellen von Peking vom 24. d. Mts. vollfübrten Araghi en und T s ch a o s ch u t s ch io Selbstmoro. Der Hof befahl Auanschikai, eine große Truppenabteilung aus Schau tun g abzusenden, um das chinesische Militär in der Unterdrückung des Aufstandes zu unterstützen.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. Febr. Aus Cronberg wird gemeldet: Der Kaiser fuhr nachmittags halb vier Uhr mit König Eduard und der Kronprinzessin von Griechenland im Schlitten nach der Saal bürg. Von dort begab sich Seine Majestät nach Hornburg zurück, während der König und die Kronprinzessin von Griechenland wieder nach Schloß Friedrichshof zurückkehrten. Um einhalb acht Uhr abends reiste der Kaiser von Hornburg nach Berlin ab. Die Kaiserin Friedrich machte heute mittag im Fahr­stuhl eine einstündige Spazierfahrt im Park von Friedrichs- Hof. König Eduard ging neben dem Fahrstuhl und unter­hielt sich lebhaft mit der Kaiserin.

Die Budgetkommission des Reichstages beriet heute zunächst den Etat über den allgemeinen Pen­sion s f o n d s und genehmigte zunächst auf Antrag des Referenten Graf Orio la die gesamten fortdauernden Aus­gaben für die Verwaltung des Reichsheeres, der kaiser­lichen Marine und die Zivilverwaltung. Eine Petition, die Stellung der Bezirksoffiziere, die vor 1897 be­reits in Dispositionsstellung waren, bezüglich ihrer Pen­sionsbezüge aufnzbessern, wurde dem Reichskanzler als Material überwiesen. Die Kommission beriet hierauf den Etat über den Reichs-Jnvalidenfonds. Im Titel 4 sind Mk. 4 080 000 ausgeworfen an die Bundesstaaten und Elsaß-Lothringen zur Gewährung von Beihilfen an hilfs­bedürftige Kriegsteilnehmer aus dem Feldzuge 1870/71 und aus den von deutschen Staaten vor 1870 ge­führten Kriegen. Graf Oriola und Müller- Fuldu beantragen, diese Summe auf Mk. 4 800 000 zu erhöhen. Staatssekretär des Reichsschatzamts Frhr. v. T h i e ( m a n n will feiner Erklärung, die er im Plenum abgegeben hat, nichts hinzusetzen. Die Summe der hilfsbedürftigen Vete­ranen sei aber doch höher, als man angenommen habe. Graf Oriola: Die Fürsorge für die Veteranen dürfe nicht mit der Fürsorge für die Invaliden vermischt werden. Er sei soweit mit den Ausführungen des Vorredners in dieser Richtung einverstanden nno wünsche deshalb bei dieser Position statt Mk. 4 080 000 Mk. 5 200 000 einzustellen. Staatssekretär Frhr. von Thielmanck tritt dafür ein, die Summe nicht zu hoch zu greifen, denn sonst würde der Reichsinvalidenfonds zu sehr zusammenschrumpfen. Die Summe aber auf den ordentlichen Etat zu nehmen, sei bei unseren Etatsverhältnissen sehr schwierig. Der nächst­jährige Etat würde 'um 50 bis 70 Millionen schlechter stehen, als der gegenwärtige. Zum Schluß der Debatte wird in Kapitel 83, Titel 4Gewährung von Beihilfen an hilfsbedürftige Kriegsteilnehmer von 1870/71 und den Kriegen vor 1870" die Summe von Mark 4 080 000 auf Mark 5 200 000 Mark erhöht. Der Rest des Etats wird unverändert angenommen.

Laut Mitteilung des Kaiserlichen Statistischen Amts beläuft sich die Bevölkerung des Deutschen Reiches auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1900 auf 56 345 014 Einwohner, davon 27 731 067 männ­liche und 28613947 weibliche. Auf Preußen fallen 34,5, auf Bayern 6,2, auf Sachsen 4,2, auf Württemberg 2,3 Millionen. In Großstädten mit über 100 000 Einwohnern, deren es jetzt 33 giebt, wohnen 9108 814 Personen. Seit 1896 wuchs die Reichsbevölkerung um 4 Millionen oder 7,78 Prozent, das ist die höchste Zuwachsrate in den, letzten sechs Jahrfünften.

DerReichsanzeiger" meldet: In der heutigen Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank bemerkte nach dem Vortrag der Wochenübersicht vom 26. Februar Präsident Koch, daß die Lage der Reichsbank seit der letzten Sitzung am 19. Februar sich wesentlich gebessert habe. Die Anlagen seien um 48 Millionen gefallen, während dies 1900 nur um 11 Millionen, 1898 nur um 10 Millionen geschehen sei, und 1899 sich noch eine Steigerung um 26 Millionen zeigte. Das Metall habe sich um 23 Millionen vermehrt, gegen 16 im Vorjahre und 7 im Jahr 1899, die steuerfreie Notenreserve um 54 Millionen gegen 27 bezw. 47 in den beiden Vorjahren, der Privatdiskont bleibe niedrig, nämlich 3 hrei Achtel, obschon die Reichsbank einen nicht unerheblichen Betrag von Reichsschatzanweisungen an der Börse begeben habe. Die Anspannung am Schluffe des laufenden Monats werde voraussichtlich nicht sehr beträcht­lich sein. Es erscheine danach jetzt zulässig, mit der Dis­kontherabsetzung vorzugehen, zumal auch die Bank von England den Diskont abermals um ein halbes Prozent ermäßigte. Indessen sei immerhin Vorsicht geboten, denn die fremden Wechselkurse seien keineswegs niedrig, im Gegenteil am 23. Februar um eine Kleinigkeit gestiegen. Auch sei die Anlage immer noch 58 Millionen höher als im Vorjahre, 159 Millionen höher als 1899, ein Geldbedarf des Reiches werde vielleicht von neuem hervortreten. Das Direktorium beabsichtige daher nur eine Ermäßigung um ein halb Prozent. Nach «kurzer Diskussion erklärt der Zentral­ausschuß sich mit der Herabsetzung des Diskonts auf 4 ein» halb und des Lombardzinsfußes auf 5 einhalb Prozent einstimmig einverstanden. Nachdem einige Gattungen von Schuldverschreibungen zur Beleihung im Lombardverkehr zugelassen worden waren, wurde die Sitzung geschlossen.

Eine Protest Versammlung der Frauen gegen d i e Erhöhung der Getreidezölle hat sich am Montag abend gegen jede Erhöhung der Kornzölle und für das Festhalten an der bisherigen Handels - Ver­tragspolitik ausgesprochen. In der Versammlung, die von Frau Schulrat (lauer geleitet wurde, referierten Fräulein Dr. Anita Augspurg und Pfarrer Naumann.

Am Samstag sand hier im Hotel Kaiserhof.eine Ver­sammlung von deutschen Zeitungsverlegern statt, in der beschlossen Wurde, eine Petition um sofortige Aufhebung der Einfuhrzölle an den Reichstag äu richten. Weiterhin war man sich darüber einig, daß der Neubau von Fabriken noch energischer als bisher gefördert werden muß. Nach einer Meldung derPost" aus Münster (Westfalen) ist von einem Konsortium von Zeitungs-Verlegern eine Gesellschaft mit b e- schränkter Haftpflicht mit dem Sitze in Münster gegründet worden, die die Anlage einer Holzschleiferei und Papierfabrik bei Wickede a. d. R. innerhalb des Gutsbe­zirks Beringhoff beabsichtigt. Tas Unternehmen ist eine Folge der enormen Preissteigerung des Papiersyndikats. Die beteiligten Zeitungsverleger sollen auf diese Weise von dem Papierring unabhängig gemacht werden.

Ausland.

London, 26. Febr. (Unterhaus.) Balfour teilt mit, daß dem Hause eine NachtragSsorderung von mehr als 3 Millionen für baß Heer zugehen werde. In der fortgesetzten Abreßdebatte beantragt Dillou ein Amendement, worin scharf daS Niederbrennen der Bauernhäuser in Südafrika und die Deportation von Frauen und Kin­dern als der Kriegführung zivilisierter Nationen wider- sprechend verurteilt wird. DillonS Amendement besagt ferner, den Regierungen Transvaals und beS Oranjefreistaars sollten Friedensbedingungen angeboten werden, die tapfere ehrenwerte Männer annehmen könnten. Brodrick bemerkt dazu, er bestreite, daß in Südafrika eine allgemeine Landes- Verwüstung ftattgefunden habe. Viele Farmen, die von de» Buren verlaffen worden waren, seien von Koffern nieder- gebrannt. In anderen Fällen handle es sich um Farme», die niedergebrannt seien, weil die Bewohner verrätherisch handelten, oder weil eS sich um Schutz der Verbindungs­linien vor Angriffen handelte. Der Krieg in ©übafrifa könne, was Humanität betreffe, mit jebem bisher geführten Kriege sehr gut einen Vergleich aushalten. (Beifall.) WaS baß Angebot von Friebenßbebingungen für bie Buren an» gehe, so habe er seinen früheren Erklärungen nichts hinzu­zufügen. Die Absichten ber Regierung seien bekannt. Dil- lonß Amenbement wirb mit 243 gegen 91 Stimmen abge­lehnt. Die Abresse wirb mit 297 gegen 78 Stimmen an­genommen.

Paris,26. Febr. Unter ben Zöglingen ber Staats­gewerbeschule in Chalonß für Marne brach wegen der Bestrafung mehrerer Schüler eine Meuterei aus. Die Zöglinge verbarrikabierten sich in ihren Schlafzimmern und verweigerten jegliche Arbeit. Genßdarmerie und Militär mußten die Ordnung wiederherstellen. Der HandelSminister verfügte die Schließung des zweiten Jahrgangs ber Schule.

Oporto, 26. Febr. In ber letzten Nacht kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Stubenten und Polizeibeamten; fünf Stubenten unb ein Polizeibeamter würben babei verwunbet, mehrere trugen leichtere Verletz­ungen bavon. Nach einer Depesche aus Rio be Janeiro würben gegen ben bortigen portugiesischen Vertreter infolge ber Vorkommnisse in Oporto Ausschreitungen begangen.

Madrid, 26. Febr. Wie verlautet, hat Brasilien von seinem Vertreter in Lissabon nähere Auskunft verlangt über einen von mehreren elegant gekleideten Personen gemachte» Versuch, die Tochter beß brasilianischen Konsuls in Oporto zu entführen unb nach einem Kloster z» bringen. Die brasilianische Regierung werbe, wie weiter heißt, auch von ber portugiesischen Regierung über diese» Vorfall eine Erklärung verlange».

Wien, 26. Febr. Abgeordnetenhaus. Abg. Stein (Allbeutsch) greift in heftiger Weise den Staatsanwalt in Eger an, ber eine in bem vom Rebner herauSgegebenev Blatte abgebrudtc, im AbgeorbnetenhauS eingegangene Inter­pellation konfisziert habe. Der Präsibent erteilt bem Ab- georbneten einen Orbnungsrus wegen beS Ausdruckes Schurke", ben Stein gegen ben Staatsanwalt in Eger ge­braucht hatte, unb erklärt sich bereit, sich mit bem Justiz- minifter ins Einvernehmen zu setzen. Der Justizminister Freiherr Spens von Booben protestiert sehr energisch gegen die unter bem Schutze ber Immunität gegen bei Richterstanb erhobenen Angriffe. Der Richterstanb genieße nach oben ben größten Schutz burch die Unabsetzbarkeit, und wäre wünschenswert, baß eine Beeinflussung von unten ebenso aufhören möge, wie sie von oben nie bestauben habe. Der christlich-soziale Abg. Sch eich er protestiert bagegen, daß im stenographischen Protokoll bie Interpellation beß Abg. Schönerer Eingang gefunden habe, bie 66 angeblich« UnsittlichkeitSbelikte römisch katholischer Geistlicher aufzähle. Der Rebner weist bie Unrichtigkeit ber angeführten Fälle nach unb protestiert bagegen, baß baS stenographische Proto­koll zum Misthaufen von Schweinereien werbe. (Lebhafter Wortwechsel zwischen Christlichsozialen unb Allbeutschen, welch' letztere rufen:Cölibat aufheben! Cölibat abschaffen!" Lärm.) Avg. Wolf beantragt Aufnahme ber Debatte über bie Ant­wort deS Justizministers. Der Antrag wirb mit 136 gegen 136 Stimmen abgelehnt. (Lärm bei ben Allbeutschen.)

Bukarest, 26. Febr. Ministerpräsibent Earp teilte bei Kammer unb bem Senat mit, baß bas Kabinett feine Ent» (affung gegeben habe. Der König habe biefelbe angenommen unb werbe Sturbza, ben Führer ber Liberalen, mit ber Reubilbung beß Mmisteriurnß betrauen. Wie verlautet, ist Sturbza bereits zum König berufen worben, unb man glaubt, daß baß Kabinett biß morgen gebilbet fein werbe. AlSbann würben bie Kammern aufgelöst werben.

Costa, 26. Febr. Der Fürst nahm die Demission bd Kabinetts Petkow an. Sr ernannte noch keinen Noch" folger.

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