Ausgabe 
27.8.1901 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

die Reise des Kaisers und der Kaiserin von alten Frie­densfreunden, nicht nur in Rußland und Frankreich, son­dern überall werde freudig begrüßt werden, wo krasser Egoismus nicht humane 'Bestrebungen und die höchsten Ideale getötet, welche die christlichen Völker auszeichnen. TieBirshewija Wjedomosti" sehen ebenfalls in der Reise ein politisches Ereignis, das vor allem der Festigung des Friedens dienen werde. TieRossija" weist auf die unveränderte Festigkeit des Zweibunde- hin und sagt, der Kaiser reise als Bote des Friedens für alle Knlturvölker. TieNovosti" sprechen sicki in demselben Sinne aus und glauben, dieser neue Beweis für die Unerschütterlichkeit des Bundes werde den Zntriguen der französischen Natio­nalisten einen endgiltigen Schlag versetzen.

Newyork, 24. August. Aus Eaton wird gemeldet: An die Departements-Gouverneure ist ein vom 18. Juli aus Bogota datierter amtlicher Erlaß gerichtet worden, der besagt, da der Krieg sich mit Hilfe von Ausländern, welche die Grenze bedrohen, von neuem zu entfachen scheine, sähe die Regierung sich gezwungen, erstens die Zahlungen aller schwebenden Rechnungen für Kriegsmaterial vorläufig einzustellen, ihre Ausgaben auf die Bezahlung der .Heeres- und Verwaltungskosten zu beschränken, zweitens alles zum Unterhalt, Ausrüstung und Mobilisierung des Heeres Er­forderliche zu enteignen und drittens Zwangs- und frei­willige Anleihen zu erheben und Kriegskontributioneri auf- zuerlegen. Tie Gouverneure werden dementsprechend er­mächtigt, nach den Erfordernissen der Lage in diesem Sinne vorzugehen. ,

Aus Stadt mtö KailS.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original«Nachrichten ist Mt» unter genauer Quellenangabe: tim** gestattet.)

Gießen, den 26. August 1901.

Ludwigstag. AuS Anlaß der Jahreswiederkehr des LudwigStageS hatten gestern viele Gebäude geflaggt zur Hul- digung für nuferen allverehrten jugendfrischen und jugend- kräftigen Landesherrv, gleichzeitig aber auch zum Dank und als Beweis der Liebe, die ihm von jedem Hessen entgegen« gebracht wird. Und in der Thal, wie selten ein Fürst hat er in der fast zehnjährigen Zeit seiner Regierung dethätigt, wie sehr ihm des Volkes Glück und Wohlfahrt am Herzen liegt. Der frische Zug wahrhafter Liberalität, der durch unser ganzes Land weht, hat eine freie Regsamkeit allent halben entfaltet, um die uns andere beneiden können. Das hessische Volk weiß und erkennt dies an, indem eS seine Liebe zu dem angestammten Herrscherhause in reichstem Maße auf den gegenwärtigen Träger der Krone überträgt. Vor vielen andern steht es seinem Herrscherhause herzlich nahe. Der beste Wunsch jedes treuen Hessen bleibt allezeit: Gott schütze und erhalle den Großherzog und sein HauS.

* * Auszeichnungen. Der Großherzog hat am 21. Aug. dem Vortragenden Rat im königl. preußischen Miuisterinm der öffentlichen Arbeiten, Geheimen Ober-Regierungsrat Dr. Christ zu Berlin, daS Komturkreuz 2. Klaffe, dem königlich preußischen Wafferbauinspektor, Baurat Hahn zu Frankfurt a. M., daS Ritterkreuz 1. Klasse, dem Bagger« meister Ludwig Burger zu Mainz die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen ver­liehen.

* Der Rege», der sich in der Nacht auf heute ein« gestellt hat, kommt namentlich den Obstzüchtern sehr will« kommen, die in den letzten Tagen lebhafte Klage darüber führten, daß das noch nicht völlig reife Obst infolge der Trockenheit von den Bäumen fiele. Scherzhaft ist es wiederum, die Falb'schen Prognosen kennen zu lernen. Der berüchtigte Wetterprophet verkündete u. a. folgendes für die

Zeit vom 18.24, August: stellen sich neuerdings

verbreitete und sehr ergiebige Regen ein.- Und für die Tage vom 25.31. August weissagte er:Die Regen nehmen zunächst etwas ab, kehren aber mit dem kritischen Termin des 29. (1. Ordnung) wieder. Die Gewitter nehmen zu. Die Temperatur ist der Jahreszeit entsprechend.-

e* Stiftungsfest. Der VereinGeselligkeit- feierte am 24. und 25. d. M. sein 15jähriges Stiftuugsfest, das in schönster Weise verlief. Samstag Abend hatten sich die Mit­glieder in ihrem festlich geschmückten Vereinslokal, Restau­ration Carle, zu einem Festessen vereinigt. Bei vielen, mit Humor gewürzten Reden und einem guten Tropsen blieb man lange, sehr lange zusammen. Sonntag Nachmittag machte der Verein mit seinen Damen einen Ausflug per Sommer­wagen nach Arnsburg, der, unterstützt von dem herrlichen Welter, alle Teilnehmer in hohem Maße befriedigte. Erst spät am Abend trat man in der fröhlichsten Stimmung den Heimweg an.

Kirchweihfeste. Aus einer ganzen Reihe von Ort­schaften liegen uns Berichte über Kirchweihfeste vor, die gestern veranstaltet wurden, so aus Großen-Buseck, Staufen­berg, Klein-Linden, Amöneburg usw. Alle Berichte stimmen darin überein, daß die Feiern in der schönsten Weise ver« liefen, wozu nicht wenig das herrliche Wetter beitrug. Ein nicht unbeträchtliches Kontingent der Besucher stellte die Stadt Gießen.

* Bon der Post. Nachdem die Tragversuche mit Dienst­röcken in Litewkenform für Beamte ein günstiges Er­gebnis geliefert haben, soll zu den Dienstbekleidungsstücken der Beamten der Reichspost, und Telegraphen-Derwaltung eine Litewka treten. Ferner sollen als Kragenabzeichen an der Sommerlitewka für Postpackmeister und die mit dem PrädikatOber" vor ihrem Amtstitel ausgezeichneten Unter- beamten zwei, die obere und untere Kante des Kragenspiegels abschließende neun Millimeter breite Goldtreffen eingeführt werden. Bei den Sommerlitewken für Ober-Poftpackmeister, Ober-Postschaffner und Ober-Briefträger ist der bereits ein­geführte goldene Stern in der Mitte des mit der doppelten Goldtresse besetzten Kragenspiegels anzubringen.

Bad-Nauheim, 24. August. (Unterhaltungen.) Früh- kouzert der Kurkapelle täglich von 78 Uhr morgens am Kurbrnnnen. Dienstag 27. August nachmittags von 4-/,6»/, und abends von 810 auf der Terrasse der Kurkapelle. Abends Verdi- und Weber-Konzert. Abends 8 Uhr Theater­vorstellung:Madame Bonivard". Mittwoch 28. August nachmittags von 46y2 und abends von 810 auf der Terrasse Konzert der Kapelle des Jnf.-RegimentS Kaiser Wilhelm (2. Großh. Heff.) Nr. 116 aus Gießen. Eintritt wie Sonntag. Abends von 810 Uhr im Saale Tanz. Donnerstag 29. August nachmittags von 4i/26x/2 und abends von 810 auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung: Erstes Gastspiel von Frau Auguste Prasch-GrevenbergLiebelei". Freitag 30. August nachmittags von 4*/, 672 und abends von 810 auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theater­vorstellung: Zweites Gastspiel von Frau Prasch-Grevenberg. Dorf und Stadt". Samstag 31. August nachmittags von 4^26i/z und abends von 810 auf der Terrasse Konzert >er Kurkapelle. Abends 8 Uhr: Einmaliges Gastspiel von Ernst Freiherrn von Wolzogen's Buntes Theater (Ueber- rrett'l").

R. Ruppertsburg b. Laubach, 24. Aug. Ein fast siebzig- ähriger Mann verunglückte dieser Tage hier dadurch, da er vom Pferde eine Strecke weit mitgeschleift wurde. Er zog sich dabei so schwere Verletzungen zu, daß an seinem

Aufkommen gezweifelt wird. Der Arzt verordnete seine so­fortige Ueberführung in die Gießener Klinik. Der Ver unglückte war bei seinem Sohne, de« Pächter des hiesigen Hofgutes, beschäftigt.

Rüsselsheim, 24. Ang. In der hier erscheinendenMain- Spitze" findet sich im Anzeigeteil folgende öffentliche Dank« sagung, die freilich keines Kommentars bedarf. Sie lautet Ei, ei, ei, ei, ei, ei, ei! Von einem zweifelhaften Verehrer ist mir heute vormittag unter Kouvert ein Stimmzettel, mit dem Vermerkzu Flugblatt" und mit menschlichen Exkre­menten (hört! hört!) beschmiert zugegangen, wofür ich dem Absender, da aus der Probe wohl auf einen hundsgemeinen Kerl, aber auf seine Adresse nicht mit Bestimmtheit zu schließen ist, öffentlichen Dank abzustatteu mich gedrungen fühle. Die Krone liegt nicht im tiefen Rhein! Rüsselsheim, den 23. August 1901. Georg Philipp Treber."

Offenbach a. M., 24. Aug. Mst dem heutigen Tage ist die Großschiffahrt auf dem Mainkanal bis Offen­bach eröffnet. Der Stau auf der hessischen Strecke von der Frankfurter Obermainbrücke bis nach Offenbach wurde ge­mäß der Ankündigung der Darmstädter Regierung heute her­gestellt. Die Weiterführung des Kanals wird zunächst bis nach Aschaffenburg erfolgen, dann durch den Obermain, soweit irgendwie die Möglichkeit für Tiefgang und Wasserstand ge­geben ist. Die Stauanlage besteht aus einem Nadel- wehr, wie ein solches auch unterhalb der Stadt Frankfutt bereits seit längerer Zeit in Gebrauch ist. Das Offenbacher Nadelwehr besteht aus zwei Teilen von je 59 Meter Breite. Zu beiden Seiten des Nadelwehres befindet fich südlich eine Schleusenanlage zur Durchschleusung der Schiffe und nördlich das Trommelwehr für den Floßverkehr. Bei dem Trommel« wehr erfolgt der Stau durch eine gewaltige Klappe, die unten um eine Horizontalachse drehbar ist. An der Südseite des Nadelwehrs befindet sich die große, doppelte Schleusev­anlage. Sie besteht aus einem kleinen Schleusenbecken von 85 Meter Länge und 12 Meter Breite, das für einzelne Schiffe oder mehrere kleine Fahrzeuge bestimmt ist, und ave einem großen Becken von 260 Meter Länge und 25 Meter mittlerer Breite, das im Stande ist, ganze Schleppzüge auf einmal durchzuschleusen. Die Füllung der Becken, die bei dem kleinen vier, bei dem großen zwöf Minuten Zeit in An­spruch nimmt, wird durch Umlaufkanäle, von denen je einer rechts und links von den Schleusenthoren liegt, bewerkstelligt. Zum Bedienen dieser Thore, deren Bewegung durch starke Winden mit Uebersetzung bewerkstelligt wird, genügt ein ein­ziger Mann. Um den Fischen das Stromaufwärtssteigen zu ermöglichen, ist eine Fi sch leit er angelegt, die vom Wasser unterhalb des Wehres im Bogen um dieses herum zum Stau emporführt. Das Mainufer ist, soweit die Stauung reicht, auch an der Nordseite durch Steine abgeböscht worden. Ein Mast mit zwei Signalkörben reguliert auf optischem Weg den Schleusenverkehr. Eine ganze Anzahl von Baggern ist in der letzten Zeit thätig gewesen, um von der alten Mainbrücke in Frankfurt bis zur neuen Schleuse dem Fahr« wasser die für die Großschiffahrt nötige Tiefe zu geben. Da diese Arbeiten, die kontraktmäßig vom Großherzogtum Hesse» auszuführen waren, nunmehr vollendet sind, so konnte daS Nadelwehr aufgestellt und die Großschiffahrt eröffnet werde«. Auch der Offenbacher Hafen ist soweit fertiggestellt, daß er einstweilen provisorisch als ZufluchtS- und Winterhafen benutzt werden kann. Kanonendonner bezeichnete das wichtige Ereigniß, und auch im Frankfurter Hafen trugen alle Fahr- zeuge festlichen Flaggenschmuck.

Darmstadt, 25. Aug. Nachdem das Französische Konsulat in Frankfurt a. M., dessen Amtsbezirk sich auch

Ieuillekon.

Historischer Verein für das Großherzogtnm Hessen.

Wir haben bereits kurz von dem Sommeransflug, den i>er historische Verein für das Großherzogtum Hessen am 18. August nach der Eapersburg unternahm, berichtet. Die Darmst. Ztg." bringt nun eine ausführliche Schilderung des Ausflugs und gleichzeitig damit eine Beschreibung der Eapersburg und des etwa 1 Km. davon entfernten Erd- kestells am Winterstein. Es heißt darin:

Von Friedberg ging es in flotter Wagenfahrt durch die Stadt, vorbei an dem vor kurzem eingeweihten Neubau des Gymnasiums über Ockstadt hinauf zum Winterstein. Der Weg von hier zur Eapersburg geht streckenweise an dem hier vorzüglich erhaltenen Pföhlgraben entlang. An einem etwa 1 Km. nördlich von der Eapersburg und wenige Schritte westliche vom Pfahlgraben gelegenen Erdkastell wurde der erste Holt gemacht, um an einigen durch die letzten Ausgrabungen freigelegten Stellen das Grenz- befestrgungssystem der Römer in lehrreichster Weise zu erörtern.

Das Erdkastell am Winterstein bildet ein Glied einer- langen Kette derartiger Schanzen, die sich, aus der Gegend v-on Butzbach her, über die Höhe des Taunus hinHieht. Der Abstand von Kastell zu Kastell beträgt 23 Km. Es sind ihrer bis jetzt etwa zehn festgcstellt worden. Sie bilden eine Linie vorgeschobener Beobachitungsposten der römischen Okkupationsarmee. Ihre Entstehung reicht wahrscheinlich in die erste Zeit der dauernden Besetzung der Wetterau zurück. Wir haben in ihnen also die älteste der drei bisher nachgewiesenen römischen Befestigungslinien vor uns. Der Umfang der Erdkastelle ist gering (5060 :7080 M.). Nur das südlich der Eapersburg gelegene übertrifft die anderen an Größe. Es bat offenbar zur Sperrung einer hier durchführenden prährf arischen Straße gedient, die das Main- und Niddathal, unsere Wetterau, mit dem Fluß­gebiete der Lahn verband. Die Befestigung der Erdkastelle ist die primitivste, die sich denken läßt: ein Erdwall mit einer durch eingerammte Balken und Flechtwerk gestützten Brustwehr, dann ein anderthalb Meter tiefer, 56 Meter breiter Graben. Der Zugang führte über eine Brücke ober, wie am Winterstein, über eine ca. 6 M. breite, beim Aus­heben des Grabens stehen gebliebene und durch ein hölzernes Thor verschlossene Erdschwelle. In der Mitte des Winter- steiner Kastells sind außerdem die Grundmauern eines sechseckigen Steinturms, anscheinend des einzigen massiven Baus aus der ältesten Periode, gefunden worden, den man wohl mit Reckst als das Sacellum, das Heiligtum, die Kapelle des einsamen Grenzkastells angesprochen hat. Die Nordostecke des Wintersteinkastells ist besonders inter­essant. Hier hatte Hosrat Kofler bereits vor mehreren Jahren die Reste eines steinernen Turms, eines jener sog. Begleittürme entdeckt, wie sie in großer Anzahl in geringem

Abstand hinter dem Limes lagen, um als Warten zur Ueberwachung getvisser Strecken des Limes selbst und des davor liegenden Geländes zu dienen. Sie gehören zweifel­los der jüngsten Epoche der römischen Okkupation an und bilden mut dem Pfahlgraben die dritte und jüngste Grenzbe­festigungslinie. Unter dem Steinturme Koflers sand Ministe­rialrat Soldan bei weiteren Nachgrabungen die Reste eines römischen Holzturms, der über einer festgestampften Platt­form errichtet und von einem tiefen Graben umzogen war. In der Sohle des Grabens stand vordem eine Palli- sadenreihe. Ein zweiter Graben von geringerer Tiefe, in dem wahrscheinlich ein Flechtwerkzann stand, lief in einer Entfernung von etwa 30 Meter rund um die ganze Anlage herum. Derartige Holztürme sind vielfach, am Limes nach- gewiesen. Sie bildeten ine Befestigungslinie der zweiten Okkupationsepoche und sind jünger als die Erdkastelle, aber älter als die eigentliche Limesanlage. Der Holzturm am Winterstein ist auf einer teilweise zerstörten Ecke des Erd­kastells errichtet, ein Beweis dasür, daß er unbedingt jünger sein mutz ais dieses. Bon dem Erdkaftell am Winterstein zur Eapersburg, am Limes entlang, zog eine Römerstraße, die Friedberg mit der Eapersburg verband. Sie ist strecken­weise noch wohl erhalten und im Walde als dammartige Erhebung leicht kenntlich

Die Eapersburg ist ein jüngeres Steinkastell. Sie gehört zu den kleineren ihrer Art. Der Durchmesser beträgt 117 Meter. Sie ist also kleiner als die Saälburg. Dafür ist sie viel besser erhalten als diese. Im Osten und Süden der eigentlichen Festung lag die bürgerliche Niederlassung. Durch neuere Ausgrabungen ist hier eine größere Anzahl von Privatgebäuden, Brunnen u. s. f. festgestellt. Noch weiter westlich war der Friedhof der Besatzung und ihres nicht- militärischen Anhangs gelegen. Durch die vorzüglich er­haltene Porta d e e u m a n a, die von zwei massigen Stein­türmen flankiert war, betreten wir das Innere des Kastells, das, wie jetzt ausgemacht ist, über einem älteren, ebenfalls ummauerten Kastell errichtet ist, und zwar so, daß seine Mauern zum Teil in den Umfassungsgraben des älteren zu stehen kamen. Innerhalb des älteren Steinkastells haben sich wieder die Reste eines noch älteren Erdkastells gesunden, das denselben Charakter hat wie jenes oben besprochene ans dem Winterstein, und das demnach gleichfalls der ältesten Epoche der römischen Okkupation angehört haben dürfte. Also auch hier sind mindestens drei Bauperioden durch! Funde belegt. Tie Forschungen über die Eapersburg sind noch nicht abgeschlossen. Die Ausgrabungsarbeiten, deren Leitung in den Händen von Baurat Jakobi in .Homburg v. d. H. ruht, sind noch im Gange. Ein sicheres Urteil über die ganze Anlage, ihr Alter, ihre Bedeutung u. s. f. ist deshalb heute noch nicht möglich. Weiter gefördert und im wesentlichen abgeschlossen sind die Ausgrabungen in dem bei der Eapersburg gelegenen, vorzüglich erhaltenen Röm er bad. Begonnen sind sie schon vor langen Jahren im Austrage des Historischen Vereins von Diefenbach-Fried­

berg, fortgesetzt wurden sie dann im Auftrage der Reichs­limeskommission von Jakobi-Hamburg. Ministerialrat i. P- Soldan endlich ist eK vergönnt gewesen, sie durchzuführen. Die ganze Anlage ist.leicht zu übersehen, der Grundriß der Gebäude, der Zug der Mauern ist noch klar zu erkennen. Ter Führende, Ministerialrat Soldan, gab überall sach­kundige Erläuterungen. Die Bedeutung der verschiedenen Räume wurde erklärt, die Art und Weise erörtert, in der die einzelnen Teile durch heiße Luft erwärmb wurden, und endlich das System der Wasserzufuhr und des Wasser

abflusses erläutert.

Tas Römerbad .auf der Eapersburg gehört, wie diese selbst, verschiedenen Perioden der Okkupation an. Auch hier lassen sich in den gefundenen Ueberrcften mehrere Bau- perioden nachweisen. Besonders interessant in dieser Hin- sicht sind die aufgefundenen Wandmalereien. Es konnte festgestellt werden, daß unter den Fußböden der jüngsten Anlage Reste von Wandmalereien lagen, die kunstvoller, vollendeter und feiner sind als die jener Anlage selbst, und die demnach einer älteren, besseren Periode angehören müssen. Es ist Hoffnung vorhanden, daß uns eine wissen­schaftliche Zusammenfassung aller Anhaltspunkte für eine sichere Datierung der einzelnen Teile, wie sie der Vor­tragende in Aussicht stellte es sind hierbei vor allem noch die aufgefundenen Legionsstempel in Betracht zu ziehen, wichtige Aufschlüsse über die Baugeschickste. der Eapersburg und damit über die Geschichte der römischen Okkupation überhaupt, geben wird. .. .

Tie aufgedeckten Grundmauern des Römerbads sino auf Anweisung des Denkmalpflegers und unter seiner per­sönlichen Leitung in schon en dster Weise befestigt, an ganz wenigen Stellen, und zwar nur da, wo es unbedingt er­forderlich war, durchaus sachgemäß ergänzt uni), durch eine Rasendecke gegen den Einfluß der Witterung geschützt wop' den. Gegenüber Angriffen, die in letzter Zeit gegen Soldans Methode, die ihm anvertrauten Denkmäler zu konservieren, erhoben worden sind, sei ihm vollkommene Einwandfreiycir

hier ausdrücklich festgestellt. . -

Nach der Besichtigung des Römerkastells wurde u Forsthause am Winterstein ein Imbiß eingenommen. Vorsitzende des Historischen Vereins, Archi-vdirektor xr; iTrn_ Schenkzu Schweinsberg, nahm hier Gelegenheit, oe Führer den Dank der Versammlung für seine.lehrre^c, Erläuterungen auszusprechen. Tann ging es wieder m nach Friedberg. Hier wurde die in den unteren Raut des Gymnasiums aufgestellte sehenswerte Sammlung m Friedberger Geschichtsvereins wir erwähnen nur m Mithrasaltertümer - und dann das neu gebaute Gyn nasium selbst besichtigt- Daran schloß sich ein Befiutz vor kurzem neu eingeweihten prächtigen.PsanArche. . tert Kratz, unter dessen Leitung die Restauration durchs führt wurde, machte hier den Führer. Ein einfaches . essen beschloß den in jeder Beziehung gelungenen, genutz- und lehrreichen Ausflug.