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27.8.1901 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

151. Jahrgang

Dienstag 27. August 1901

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Rtboftion, Expedition und

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Xelegrawm deS Gieheuer Anzeigers.

Kapstadt, 26. Aug. In BurgherSdorp wurden 149 Per­sonen wegen Verrats abgeurteilt. Der Mehrheit der Ange­klagten ist das Bürgerrecht entzogen worden.

An- fin- von

«iGeäden Tag erf<frtüienb«n immer bi» norm. 10 Uhr. >öeft«llungrn spLteften» abend» vorher.

Tsch UN und Gefolge ist heute nachmittag 1 Uhr in der Stärke von 50 Mann mit Extrazug von Genua eingetroffen.- Zum Empfang am Bahnhof hatten sich der Generalmajor v. Hopfner^ und dessen Adjutant Major v. Büttwitz einge» fanden. Der Prinz, der sich unwohl fühlte, hat die Weiter­reise vorläufig aufgegeben und im Hotel ^Teifötitge Quar­tier bezogen.

Budapest, 24. August. Eine von zahlreichen der Un­abhängigkeitspariei angehörigen hauptstädtischen Wählern an das Abgeordnetenhaus gerichtete Petition fordert eine Untersuchung der in derN. Fr. Presse" geaen den ge­wesenen Ministerpräsidenten Baron Banffy erhobenen An­klage, daß er die Verfassung habe aufheben wollen. Mit Rücksicht hierauf, sowie auf die bei den letzten Abgeordneten­wahlen verübten Eigenmächtigkeiten, Verletzung der Preß­freiheit durch den gewesenen Justizminister und der Ver­eins- und Versammlungsrechte durch den gewesenen Mi­nister des Innern wird verlangt, das gesamte ehemalige Kabinett Banffy unter Anklage zu stellen. Das Parla­ment wird sich wahrscheinlich sofort nach seinem Zu- ammentritt mit dieser Angelegenheit befassen.

P e t e r s b u r g , 25. August. Die hiesige Presse, der die Nachricht von der Reise des Kaisers von Rußland nach Frankreich gestern abend zuging, äußert sich heute in kurzen Worten über Die Nachricht. Alte Blätter, die sie besprechen, sind hoch erfreut. Die Nachricht über den Besuch des Kaisers in dem verbündeten und befreundeten Frank­reich, schreibt dieNowoje Wremja", werde in Rußland ein nicht weniger freudiges Echo finden, als sie in Frank­reich bereits gefunden habe. Das Blatt ist überzeugt.

. wwu, wcicoM tm* webende Wirkung lcf Mgtten unpeifen ud ttv.Gioihi gerahlefj k'L. Uebenllerhältüx > Hinan.

Die Reifezeugnisse der Großherzoglich Hessi­schen Landesbaugewerksch ule in Darmstadt sindi bei der Annahme von Anwärtern für den mittleren. Dienst als technischer Bureaubeamter den Reifezeugnissen der preußischen staatlichen Baugewerkschulen gleichgestellt worden mit der Maßgabe, daß diese Gleichstellung auf die seit dem Herbst 1900 erteilten Zeugnisse auszudehnen ist.

Mitteilung des Kriegsministeriums über Die Fahrt der Truppentransportschiffe. DampferPisa" Siugapore an 24. August, ab 25. August, in Vlden voraussichtlich am 8. September. DampferSilvia" Siugapore an 24. August. PferdetransportdampferAlesia" Siugapore an und ab 24. August. Alle Pferde gesund.

Osnabrück, 25. August. Däe 4 8. Generalver­sammlung deutscher Katholiken ist überaus zahl­reich besucht. Unter den bereits eingetroffenen Teil» nehmern befinden sich die Abgeordneten Lieber, Gröber, Porsch, Bachem, Trimborn sowie dieHerrenhausmitglieder Graf Praschma und Graf Droste-Vischering, eine große Anzahl anderer Parlamentarier und die Bischöfe von -Schwe­den und Dünemark. Die Stadt ist reich geschmückt.

gcstigt. Verdächtig sind danach sechs

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Ausland.

Dover, 25. August. Der Kommandeur des Südosb- Distrikts General Hallam Parr stattete mit seinem General­stabe dem Kommandanten des Sck)ulschiffesStein" gestern, nachmittag einen Besuch ab, wobei das Schiff einen Salut: abgab. Tie Mannschaft des Schiffes wurde von der Stadt­vertretung festlich bewirtet. Unter dem Vorsitz des Bürger­meisters fand abends im Rathause zu Ehren des Komman­danten und des Offizierkorps desStein" ein Festmahl statt, bei dem Trinksprüche auf Kaiser Wilhelm und König Eduard sowie auf die deutsche und englisch^ Armee und Marine ausgebrackst wurden.

Wie derGaulois" meldet, werden die Minister in dem nächsten Kabinettsrate sich mit der Frage wegen Be­gnadigung der von dem Obersten Gerichtshöfe Ver­urteilten beschäftigen.

Basel, 25. August. Die Sühnemission mit Prinz

Doükische Tagesschau.

Zum Gumbinner Prozeß wird uns aus Berlin von vorzüglich unterrichteter Seite geschrieben: Tie Gerüchte, daß ein seit vier Monaten bei der Berliner ochutzmannschaft probeweise eingestellter früherer Ange- horiger des 11. Dragonerregiments sich selbst bei seinem, dem 24., Revier gemeldet und angegeben habe, er sei Mit­wisser des an Rittmeister v. Krosigk verübten Mordes, bestätigen sich nicht, sind vielmehr völlig aus der Lust gegriffen. Dagegen hat der Schutzmann Kettlitz, ein Be­kannter des Handelsmannes Libsch, Bemerkenswertes aus-

Deutsches Reich.

Berlin, 25. August. Aus Wilhelmshöhe wird ge­meldet : Der Kaiser empfing gestern den Botschafter in Konstantinopel, Freiherrn Marschall von Bieberstein. Am Nack)mittag unternahmen der Kaiser und die Kaiserin mit Gefolge eine Ausfahrt nach Schloß Wilhelmsthal. Heute früh wohnten beide Majestäten dem Gottesdienst in der Schloßkapelle bei.

LaboucheresTruth", das in solchen Dingen gewöhn­lich gut informiert ist, berichtet, Kaiserin Friedrich habe wenige Monate vor ihrem Tode ihre Tagebücher und ihre Korresponden z, einschließlich einer Un­masse von Briefen von ihrer Mutter, zerstören lassen.

DasArmeeverordnungsblatt" veröffentlicht eine Kabinettsördre, nach der das 2. Leibhusaren-Regiment fortan den Namen2. Leibhusaren-Regiment Königin Vik­toria von Preußen Nr. 2" führen soll.

Die- ministerielleBert. Korresp." schreibt: Sogar die äußeren Formen, unter denen die Bundesratsvorlage über den Zolltarifentwurf den einzelnen Bundes­ratsmitgliedern zugestellt ist, müssen jetzt freisinnigen Blättern Stoff zu hochpolitischen Mutmaßungen hergeben. Es soll dabei einebesondere Aengstlichkeit" selbst gegen­über den preußischen Ministern geherrscht haben. Jeder, der ' den Geschäftsgang des Bundesratsbureaus einiger­maßen kennt, wird über solche Darlegungen nur läck)eln. Selbstredend haben die preußischen Minister sich als Bundes­ratsbevollmächtigte genau denselben Formalien bei Em- ifangnahme des Entwurfs unterzogen, welche für die Ge­heimhaltung der Drucksache allgemein vorgeschrieben waren.

Kommissare und Kriminalschutzleute sind ununterbrochen ui: ?rwegs und die Droschkenkutscher machen glänzende Ge- scho fte. Der einzelne Kriminalbeamte berechnet seine täg- hrfjen Unkosten an Droschkengeld auf 1620 Mk. Die Ber- luirr Kriminalpolizei ist jetzt so ziemlich davon überzeugt, daß Marten nicht der THüter iffy ganz abgesehen davon, daß er mit Leib und Seele Soldat ist und niemals übsi den Rittmeister v. Krosigk Uebles gesprochen hat. Mz enzeugen der Gumbinner Urteilsverkündigung berichten, daß dieser Moment von fürchterlicher Wirkung war. Der alle Vater Marten soll sich thaisächlich Haare ausgerauft habkn, die anderen Angehörigen Martens hätten herzzer- brethend geschrieen. Ter Verurteilte selbst aber verhielt sich in vollem, düsteren Schweigen. Viele der Anwesenden ver­liefen den Saal, sie konnten die schreckliche Szene nicht mit ansehen, 9chch vor der Urteilsverkündigung soll der Sekretär des Oberkriegsgerichts zu Bekannten geäußert habfn:Hickel wird freigesprochen, Marten aber verurteilt." {frühere Angehörige des 11. Dragoner-Regiments in Gum- 6tnn en beklagen keineswegs den Tod des Rittmeisters von Scoj igk, sie bedauern nur, daß feine Witwe, die gleichfalls sehr unter Rohheiten und Rücksichtslosigkeiten ihres Gatten ju leiden hatte, in der zweiten Verhandlung zu Un- fluiirten des Marten ausgesagt hat, ganz im Gegensatz zu uhrer Aussage, im ersten Prozeße

Der Streit der Türkei mit Frankreich wegen her Quaianlagen in Konstantinopel ist jetzt so gut wie iceniöet. Tie friedliche Beilegung war ja auch vorauszu- sehein und die Heraufbeschwörung eines orientalischen jrietged aus so geringfügigem Anlaß hätte unabsehbares lluheil l)erbei führen müssen. Der Sultan hat natürlich .MWegeben. Ob er freilich in diesem Falle der Klügere ch. kainu füglich bezweifelt werden! Infolge einer Erklärung, diie -auf Anweisung des französischen Ministers des Aus- üMrrigen der französische Botschafter in Konstantinopel der 9forite gegeben hat, ordnete ein Jrade des Sultans an. Laß die Quai-Gesellschaft an der unbehinderten Ausübung bei aus dem Konzessions-Firman herrührenden Rechte nicht gebindert werden sollte. Der französische Botschafter Con- fikms erreichte auch alsbalD, wie es heißt, vom Sultan einem bestimmten kurzen Termin für die ersten Zahlungen. S verkehrt wieder persönlich im Palais des Sultans. Am Samstag entsandte der Sultan den Minister des Aeußeren Dwfik Pascha zur französischen Botschaft, um Eonstans zu Mrftrinbigcn, daß die Pforte definitiv auf den Rückkau: tun Quais perzichte. Dagegen wird die Quaisozietät jetzt {«fort in alle ihre Rechte und Besitztitel eingesetzt, und ifi)i auch das Recht der Errichtung von Fähren auf dem Iplbenen .Horn zugesprochen. Botschafter Constans erklärte, nit der Entscheidung des Sultans zufrieden zu sein, falls tdnk Gesellschaft spätestens bis Montag in ihre Rechte voll- V [Irinbig eingesetzt sein sollte, andernfalls würde er Montag : kvilst antinopel verlassen. Selbstverständlich werden die ^kÄnfche der Franzosen erfüllt werden, so weit sie den kicken nichts bar kosten.______________________________________

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gehörige der China-Expedition. Es den hier unausgesetzt Vernehmungen auch Ärten der südafrikanischen Schutztruppe statt. Kriminal-

Engländer nnd Bure«.

Bor kurzem war gemeldet worden, Kruitzinger sei von ßZmnch aus der Kap ko lo nie gedrängt worden. Jetzt rt Me t Reuter vom 25. d. M. aus Kapstadt: Die Buren labnin gen in der Kapkolonie nach Süden vor. Die 'ZMirrnacht Scheepers bedroht Oudtshoorn. Trotz aller 'WLderungsversuche des rührigen Herrn French wird das also immer weiter von den Burenverunsaubert".

' Seit einiger Zeit hat die britische Regierung dem Oberst- LÄumllmdierenden in Südafrika immer wieder anempfohlen.

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übwarten", und zu diesem Zweck müsse man die Unkosten so niedrig als möglich halten.

Großbritannien will den Krieg mit aller Gewalt los werden und begiebt sich jetzt zwangsweise auf das be­liebtere Gebiet der Sparsamkeit, obwohl Kitchener noch am 8. Juli ausgeführt hat, daß die Haltung einer großen Zahl Truppen und mobiler Kolonnen fortgesetzt eine Notwendig­keit sei, und nachdem er durch das Beispiel der lange vergeblich geforderten und dann oberflächlich zusammen- gerafftent 16 000 Mann Peomanry bewiesen hat, was er mit Sparsamkeit anrichten kann. Trotz dieser schlimmen Er­fahrungen scheint jetzt Kitchener sich den Finanzkünstlern am grünen Tische gebeugt zu haben. Die Folge wird fein, daß die Buren wieder kühner das Haupt erheben, namentlich, wenn erst der Sommer wieder ins Land gekommen ist.

Ein englischer Schullehrer, der den ganzen Krieg als Freiwilliger mitgemacht hat, schrieb kürzlich an einen Parla- mentsabgeordneten nach England:

Ich schreibe diesen Brief im Zuge auf der Rückfahrt nach Transvaal. Ich bin zehn Tage auf Urlaub gewesen. Ich weiß nicht recht, ob ihr zu Hause nicht schuld daran seid, daß der Krieg so in die Sänge gezogen wird, aber mir ist jetzt ziemlich klar, daß, wenn nicht bald ganz andere Maßregeln eingeführt werden, dieser Krieg sich noch manchen Monat hinziehen wird, vielleicht wird er auch noch Jahre dauern. Warum wird der Krieg nicht zu Hause schärfer kritisiert? Mir scheint, der Grund liegt darin, daß die Verhältnisse heutzutage in der Heimat so sind, daß man sich nicht getrauen darf, offen seine Meinung auszusprechen, ohne Gefahr zu laufen, politisch tot geschlagen zu werden. Wenn ein Unionist sich erlaubt, die Ansicht auszusprechen, daß mit dem Kriege nicht alles in Ordnung sei, wird sofort eine Entrüstungs­versammlung abgehalten, und er wird alsProboer" be­schimpft. Macht ein Radikaler eine ungünstige Bemerkung über die Handlungsweise der Regierung, so heißt es, er bereite gerade in einem schwierigen Augenblick der Re­gierung Unannehmlichkeiten und sei unpatriotisch. Was soll also geschehen? Es wird viel zu viel Unsinn darüber geredet, daß »yir sehen müssen, nach dem Kriege im Frieden mit unseren Feinden zu leben. Die Buren lachen nur darüber, und wir können ihnen keinen größeren Gefallen thun, als ihnen ihre Familien zu behüten, statt dessen sollte jeder Holländer und jede Holländerin aus diesen Kolonien herausbefördert werden. Diese Nachsicht hat gar keinen Zweck. Wenn man Krieg führt, muß man eben Krieg führen und nicht spielen."

Ter Schullehrer hat sehr radikale Anschauungen, die den Gepflogenheiten moderner Kriegführung schnurstracks zuwiderlaufen, aber er hat vermutlich die Bibel und die Uebcrüeferungen der antiken Völker besser studiert als das internationale Kriegsrecht, und sv schweben ihm vielleicht die Verpflanzung der Mnder Israels nach den Ufern des Nils und an die Wasser zu Babel und andere Fälle antiker Vergewaltigung ganzer Bolksstämme als nachahmenswerte Beispiele vor.

Aus Durban wird demStandard" gemeldet, daß dort weitere Einzelheiten über den Angriff bekannt geworden seien, den Buren unter Kommandant Moll vor vierzehn Tagen auf einen britischen Vorposten ausführten, der aus Steinackers Reitern bestand, und in der Nähe von Jmpri- sanans Camp am Sabiflnß (Bezirk Lijdenburg) lag. Kapitän Francais, ein sehr tüchtiger Kolonialofiizier, wurde getötet, aber auch die Buren hatten sehr beoeutenbe Verluste er­litten. Ihr Führer, der Kommandant Moll, der zu den schlimmsten und gefährlichsten Burenführern gehörte, wurde verwundet und befindet sich jetzt in der Hand der Eng­länder.

Mia; 11 nt F o ft1 e n des Krieges soweit als irgend möglich fytater zu setzen. Vor einiger Zeit kam Herr Fleetwood AKWom aus Südafrika zurück, wohin er von der Regierung jei?gtii5- entsandt jvorden war, um mit Lord Kitchener die fiillmziellen Fragen, vor denen man in Südafrika gegen- nicänig; steht, zu beraten, und Lord Kitchener ist jetzt ge- zr:v tng en, die wöchentlichen Ausgaben ganz bedeutend zu binnngern. Man hat erkannt, daß, solange noch hundert Blmtlil zusammen im Lande umherziehen können, die bri- til'chn Truppen zu kämpfen haben werden, aber man meint rech Optimistisch, daß es nicht mehr notwendig sei, so vit-l Trmppen mobil zu halten; die Hauptsache sei nur, daß dil-r' ins'enbahnlinien bewacht würden, und daß noch einige jmibe Abteilungen vorhanden seien, bis den Feinden

Nmnition vollkommen ausgegangen sei. Es heiße eben

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

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