"Tonen verwundet und eine Anzahl leichter verletzt wurden Tie Prozession mußte auseinandergehen, woraus ote Ruhe wiederhergestellt wurde.
Budapest, 25. Juni. Aufsehen erregen mehrere heute bekannt gewordene vertrauliche Erlasse des Honved-Mrrn- steriums an sämtliche HonvedLomrnandos, in denen bie)e energisch aufgesordert werden, alle Mittel anzuwenden, damit die Verschuldung der Offiziere aufhore, durch die in der letzten Zeit unzählige Existenzen vernichtet wurden. „Magyar Hirlap" teilt mit, daß die Erlasse sich speziell gegen die .Veranstaltung kostspieliger Gelage, die unter den Offizieren üblich sind, und gegen das unter Berufung auf die Kameradschaft erfolgende Girieren massenhafter Wechsel richten^Jnfolge der in den Kreisen der Honved-Ofsiziere wahrgenommenen Zustände erfolgt demnächst die Pensionierung des stellvertretenden Honved-Ober- tommandanten F.-M.-L. Bolla, der alle diese Verhältnisse kannte. 1 . _ . .
Konstantinopel, 25. Juni. Tie erste Kabine des Harems hat vorgestern den Sultan mit einem Zwillingspaar, einem Sohne und einer Tochter, beschenkt. Sowohl ofsizielle Bekanntmachung als auch die übliche Begrüßung bes Ereignisses durch 21 Kanonenschüsse sind vorläufig unterblieben. (Kabinen, b. h. Tarnen, sind die nach dem freien Willen des Sultans aus den Sklavinnen des Harems ausgewählten Frauen desselben. Sie sichren streng abgeschlossen im Serail ihren eigenen Hofstaat mit Agas, Eunuchen und Odalisken.)
girrte Pleuarßhung der hesßschea Handwerkskammer./^
Sch Tarrn st adt, 25. Juni.
Tie Hessische Handwerkskammer hielt heute nachmittag unter dem Vorsitz des Herrn I. Falk in Mainz in dem Sitzungssaale der Großh. Zentralstelle für die Gewerbe ihre vierte Plenarsitzung ab. Heute waren zum ersten Male auch die Gesellenausschüsse in der Plenarversammlung zur Mitberatung erschienen. Ter Vorsitzende begrüßte den gleichfalls anwesenden Regierungsvertreter Oberregierungsrat Tr. Usinger und hofft, daß ans der gemeinsamen Beratung zwischen Meistern und Gesellen für beide Teile Ersprießliches geschaffen werde.
Ter Vorsitzende macht dann eine Reihe geschäftlicher Mitteilungen, von denen hervorzuheben ist, daß auf der Vertretersitzung des Deutschen Handwerkskammertages außer Erledigung' einer Anzahl geschäftliche bedeutsamer Fragen, infolge einer Anregung der nächste deutsche Handwerkskamm er tag in Tarrn st adt und zwar im September d. I. abgehalten werden soll.
Es wird noch mitgeteilt, daß ein Verzeichnis derjenigen Personen, beiten das Halten von Lehrlingen verboten ist, auf dem Sekretariat eingesehen werden kann.
Ten Bericht über die Thätigkeit des Vorstandes giebt Sekretär Engelbach in ausführlicher Weise; aus diesem geht hervor, daß der Vorstand außerordentliche Arbeitsleistungen, zum Teil sehr wichtiger Art, hinter sich hat, besonders in der Regelung der Frage über das Lehrlingswesen ; zur Erstattung von Gutachten und Berichten an Behörden und Private wurde sein Rat wiederholt eingeholt; auch Entschädigungsansprüche an entlaufene Lehrlinge, Mitwirkung bei Abschluß von Lehrverträgen re. re. beschäftigten ihn mehrfach. Eine Eingabe der Schlosser-Innung Mainz zwecks Schaffung einer Unfallberufsgenossenschaft für Schlosser kann man unterstützen. Im Ganzen sind seit Januar d. I. ca. 6200, Ein- und Ausläufe zu verzeichnen gewesen. Beschlußfassung über eine Anzahl Anträge steht noch aus. Tie Wahl der Vorsitzenden der drei Ausschüsse betr. das Lehrlingswesen, das Genossenschaftswesen und den Berufungsausschuß wird bestätigt. Ebenso wird an die ca. 32 in Betracht kommenden freien Innungen die Ermächtigung zur Abnahme der Gesellenprüfungen erteilt. Auch die Verleihung des Rechts zur Abnahme der Gesellenprüfungen an die nicht wahlberechtigt gewesenen Ortsgewerbevereine Mainz I, Neckarsteinach, Westhofen und Wimpfen findet einstimmige Genehmigung. — Hierauf folgt die Beratung des Entwurfes einer Prüfungs-Ordnung zur Vornahme der Gesellenprüfungen im Großf- herzogtum Hessen; dieser wird nach längerer Tebatte ohne wesentliche Aendernngen angenommen; auf Antrag des Kammermitgliedes Nessel war eine Teilung des Lehrzeugnisses dahin beabsichtigt, daß man für praktische und theoretische Ausbildung besondere Schlußnoten ausfertige, man überließ aber wegen der Schwierigkeit der definitiven Regelung das weitere den Tienstanweisungen für die Prüfungsausschiksse; von dem Gesellenausschuß war die Streichung der Prüfungsgebühr von 3 Mk. beantragt worden, doch wurde der Antrag nach längerer Tiskussion gegen die Stimmen des Gesellenausschusses und des Kammermitgliedes Ewald abgelehnt. Tie Kammer tritt alsdann in die Beratung über die Höchstzahl der zu haltenden Lehrlinge und die Tauer der Lehrzeit ein:
1. Tie Dauer der Lehrzeit ist auf drei Jahre mit vier Wochen Probezeit festgesetzt. Bei den Feinmechanikern beträgt die Lehrzeit vier Jahre. In Einzelfällen kann die Handwerkskammer § 130a d. G.-O. auf Antrag Ausnahmen genehmigen.
2. Bei Haltung nur eines Lehrlings kann mit Genehmigung der Kammer die Annahme eines weiteren Lehrlings zu Beginn des letzten Lehrjahres des ersteingestellten Lehrlings erfolgen.
3. Maßgebend für die jeweils zulässige Zahl der Lehrlinge ist die bei normalem Geschäftsbetriebe während der drei letzten Jahre durchschnittlich beschäftigten Anzahl der .Gesellen (Vollarbeiter).
4. Für Gewerbe, deren Zugehörigkeit zum Handwerk z. Zt. noch nicht feststeht, werden nach stattgefundener Zuziehung Nachtragsbestimmungen erlassen.
Im übrigen sind die Bestimmungen maßgebend, die im „Gieß Anz." Nr. 129 schon veröffentlicht worden sind.
Gegen die dreijährige Tauer der Lehrzeit stimmte der gesamte Gesellen-Ausschuß und das Kammer-Mitglied Fröder, die übrigen Bestimmungen werden einstimmig angenommen.
Sekretär Engelbach verliest hierauf die Jahresrechnung, die eine Einnahme von 12868.55 Mk. und eine Ausgabe von 12 681.35 Mk. ergiebt, sodaß an Kassevorrat 187.20 Mk. verbleiben. Tie Rechnung wird genehmigt, ebenso ne durch die erhöhte Zuwendung der Regierung veränderen Voranschläge pro 1901/2 und 1902/3. Ersterer schließt ii Einnahme und Ausgabe mit 15170.20 Mk., letzterer mit 11290.20 Mk. ab. Für 1902/3 ist das Engagement eines Lrganisationsbeamten für das Genossenschaftswesen vor- Kfthen.
Stadtverordneter Rockel spricht hierauf in kurzen Worten über die genossenschaftliche Organisation des Handwerks, berichtet über die bisher in Offenbach, Gießen und Worms stattgehabten Versammlungen und hofft, daß durch eifriges Weiterstreben bald Ersprießliches geleistet werde. Hierzu ist auch die Schaffung einer kaufmännischen Zentrale in Aussicht genommen.'-^ Kammermitglied Nessel-Offenbach tritt gleichfalls sehr für das Genossenschaftswesen em und giebt einige Ratschläge, die empfohlen werden.
Es kommen hierauf dur ch den Vorsitzenden des Gesellenausschusses, Herrn Weis, eine Anzahl Anträge zur Verlesung, von denen schließlich derjenige angenommen wird, wonach den Lehrlingen eine wöchentliche Vergütung in irgend einer Form zugewiesen werden soll, damit sie der Krankenkasse teilhaftig werden können. Es folgt noch der Antrag Nold betr. die Verlegung des Unterrichts der obligatorischen Fortbildungsschule von den Tages- auf die Abendstunden von 6—9 Uhr; der Antrag wird gegen die Stimmen des Gesellenausschusses und 7 Mitglieder angenommen.
Zum Schlüsse der sehr interessanten Verhandlungen macht der Regierungsvertreter ein Schreiben desFinanz- m i n i st e r i u m s bekannt, nach dem man z. Zt. mit einem Gesetzentwurf betr. das (Submissions-) Vergebungswesen beschäftigt ist Es sollen 1) die Klagen über die Art der Vergebung, 2) die Zuschlagserteilung und 3) das og. Mittelpreisverfahren einer besonderen Prüfung unterzogen werden; es solle hierbei dem Handwerkerstand eine gewisse Mitwirkung zugesagt und besonders auch dahin gewirkt werden, daß bei größeren Unternehmen die selbst ausführenden Handwerker und nicht die Generalunter- nehmer bevorzugt werden. Tiefe Erklärung der Regierung wurde mit allgemeiner Freude aufgenommen — Schluß >er Sitzung 7 Uhr.
Aus Stadt und Land.
«Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gietz. Anz." gestattet.)
♦ ♦ Generalmajor v. Ploetz weilt augenblicklich in unserer Stadt und hält beim hiesigen Infanterieregiment ein Preis- Entfernungsschätzen ab.
Das Großh. Regierungsblatt Nr. 42, auSgegeben am 24. Juni 1901, enthält: Bekanntmachung, die Bildung ein^S elbständigen Staudesamtsbezirks Ippesheim betreffend. Vom 20. Juni 1901.
• • Die 57. Jahresversammlung des HauptvereinS der Gustav-Adolf-Stiftuug für das Großherzogtum Hessen findet in Pfungstadt am 2. und 3. Juli statt. Die Fest- iredigt wird Pfarrer Dr. Grein aus Gießen halten.
* * Direklorstelle. Das Großh. Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe hat soeben >ie Stelle eines Direktors der Wein- und Obstbauschule in Oppenheim ausgeschrieben. Das Diensteinkommen des Direktors beträgt 4000 bis 6000 Mk. bet freier Dienstwohnung, für die 7 Vs Prozent des DtensteinkommenS zu leisten find.
* ♦ Die Direktion der psychiatrischen Klinik teilt uns jm Hinblick auf die Notiz in Nr. 143 unseres Blattes mit, daß Albert nicht in die Klinik ausgenommen worden ist.
* * Der Vogelsberger Höheuklub veranstaltet Sonntag, 7. Juli, einen Hauptausflug auf den HoherodSkopf.
* * Stadttheater. Heute abend findet, wie angekündigt, die Aufführung der „Geisha" statt. Für morgen, Donnerstag abend, beabsichtigt die Direktion das beliebte Stück als Volksvorstellung zu ermäßigten Preisen zu geben.
Eine Regimentsübung unternahm heute morgen 6 Uhr daS hiesige Regiment in der Heuchelheimer Gegend. Gegen mittag zog es mit klingendem Spiel wieder in die Kaserne ein.
* ♦ Die Wetterprophezeinngen des Herrn Falb hinterher zu Prüfen, ist immer spaßhaft. Der treffliche Weissager hatte ganz besonderes regnerisches Wetter für den 22. Juni, den Tag des Jahrmarktsfestes, und die Tage um ihn an- gekündigt. Man erinnert sich, daß gerade an jenem Tage die Sonne mit ganz besonderer Glut brannte. Vom 24. bis 30. Juni soll es im allgemeinen wieder trocken sein, und gerade in den letzten Tagen hatten wir sehr starken Regen. In den letzten Tagen des Juni sollen die Gewitter zunehmen. Warten wir ab!
♦ * Einen Zeichenkursns für Volksschullehrer beabsichtigt die oberste Schulbehörde in diesem Jahre einzurichten. Der Kursus soll unter der Leitung des Oberlehrers Hölscher am Gymnasium zu Darmstadt vom 5. August an beginnen und sich über 6 Wochen erstrecken. Die Zahl der Teilnehmer soll 16 nicht überschreiten. Die den Teilnehmern zu ge währende Subvention beträgt 200 Mk., wovon 100 Mk. am Beginne des Kursus, der Rest nach 4 Wochen ausbezahlt werden.
* • Hessischer Staatshaushalt pro 1901/02. Durch die Großh. Regierung ist soeben der Bericht über die von beiden Kammern der Landstände erfolgte endgiltige Festsetzung unseres Staatsbudgets pro 1901/02 erfolgt. Danach wurden für die Betriebsverwaltung Mk. 69 503 016,75 und für die Vermögensverwaltung Mk. 13 164 466,37, zusammen Mk. 82 667 463,12 in Einnahme und Ausgabe bewilligt. Der Voranschlag der Regierung ging auf Mk. 69 563 321,75 für die Betriebs- und Mk. 12 822 821,37 für die Vermögens- Verwaltung, insgesamt Mk. 82 386 143,12. Infolge der Beschlüsse der Landfiände erhöhte sich die Gesamtsumme des gegenwärtigen Etatjahres um Mk. 281 320.
—l— Heuchelheim, 25. Juni. Heute machmittag 2 Uhr wurde die Leiche der durch Selbstmord aus dem lieben geschiedenen Frau Sch mandt zur letzten Ruhe bestattet. Ter schmucklose Sarg, gefolgt vom tiefgebeugten Gatten und fünf Kindern, fünf blühenden Mädchen, von denen noch drei schulpflichtig sind, — ein erschütterndes Bild. Tas jüngste, sechste Kind, ein Knabe, ist erst anderthalb Jahre alt.
-1- Steinberg, 25. Juni. Heute machte ein hiesiger achtbarer Bürger durch Erhängen seinem Leben ein Ende. Da der Verstorbene in letzter Zeit öfter Spuren von Geistesstörung zeigte, ist anzunehmen, daß er die unglückliche Thal in einem gleichen Anfalle ausführte.
L. Grüningen, 25. Juni. Am 1. Juli find 25 Jahre verflossen, seit unser erster Lehrer Eckel seinen Einzug hielt und durch den hier noch in gutem Andenken stehenden Pfarrer
Deichert in seinen Dienst eingeführt wurde. Zuerst verwaltete der Jubilar die Schule lange Jahre allem, bis ihm ein zweiter Lehrer beigegeben wurde. Seine eigentliche Zuchtruthe in der Schule waren Liebe und Freundlichkeit gegen eine Schulkinder. Auch ist er in der Gemeinde beliebt. Zugleich blickt Eckel auch auf die 25 jährige Thätigkeit als Leiter des hiefigen Männergesangvereins hin. Auch hat er bei festlichen Gelegenheiten den gemischten Kirchenchor geleitet.
fo. Bad Nauheim, 26. Juni. Zur Besichtigung unseres Bades trafen heute 32 englische Aerzte, meistens Herren mit der vornehmsten Londoner Praxis, hier ein. Sie haben im Hotel „Augusta Viktoria- Wohnung genommen.
-o- Alsfeld, 25. Juni. Das Bestreben, eine gegenseitige Beeinträchtigung zwischen der für den 4. August vorgesehenen Einweihung der hiesigen Turnhalle und der auf den 11. August festgesetzten Gau Turnfahrt nach Schlitz zu vermeiden, sowie der von der Gauleitung geltend gemachte Hinweis auf die Gau Satzungen, wonach turnerische Festlich- (eiten privaten Charakters, die auf Beteiligung seitens des Gaues rechnen, den offiziellen Gauveranstaltungen gegenüber zurückstehen müssen, haben eine Verschiebung beider Festlichkeiten gezeitigt. Nach Verständigung zwischen der Gauleitung und den Turnvereinen Alsfeld und Schlitz sind beide Festlichkeiten wie folgt festgelegt: 4. August Gau-Turnfahrt nach Schlitz, 17., 18. und 19. August Turnhallenweihe zu Alsfeld.
Heppenheim a. B., 25, Juni. Die vorgestern hier abgehaltene 9. ordentliche Generalversammlung der Freien Vereinigung v-on Krankenkassen im Großherzogtum Hessen war zahlreich besucht. Von den der Vereinigung angehörenden 46 Ortskrankenkassen, 23 Betriebskrankenkassen und 4 Jnnungskrankenkassen waren 40 Ortskrankenkassen, 7 Betriebskrankenkassen und 2 Jnnungskrankenkassen durch 134 Personen vertreten; außerdem waren noch aus besondere Einladung erschienen der Vorsitzende der Jnvalidenversicherungsanstalt, Negierungsrat Tr. Tietz, Vertreter der Kreisämter Heppenheim und Mainz und der Städte Gießen, Mainz und Heppenheim, sowie des Verbandes der badischen Krankenkassen. Nach einer kurzen Begrüßung der Versammlung durch den Vorsitzenden der Vereinigung, Herrn M ii n ch von Worms, owie durch Bürgermeister Höhn von Heppenheim wurde zu Punkt I der Tagesordnung: „Berichterstattung des ge- chästssührenden Ausschusses über das abgelaufene Geschäftsjahr und Mitteilungen" geschritten, aus dem u. a. zu entnehmen war, 1) daß die auf der vorjährigen Versammlung beschlossene Petition wegen Erhöhung der Hebgebühren für Einziehung der Jnvalidenversicherungsbeitrage von Großh. Ministerium des Innern abschlägig beschieden wurde, 2)day die Vereinigung Mitglied des Viktoria-Melitta-Vereins geworden ist, 3) daß in dem Verband über 100 000 Mitglieder, d. h. die Hälfte aller trankenversicherungspflrch- tigen Personen in Hessen, vertreten sind. Zu Punkt II der Tagesordnung wurde der Beitrag zum Heilstättenverem ür das Großherzogtum Hessen für das laufende Jahr auf 50 Mark festgesetzt. Tie weitere Festsetzung für btc folgenden Jahre bleibt der nächsten Generalversammlungüor- behalten. Zu Punkt III der Tagesordnung: Tie neue Medr- zinalkasse von 1899 in ihrer Anwendung auf die Krankenkassen/ eventuell Stellungnahme dazu, führte, wie die „Tarmst. Ztg." meldet, Herr Münch von Worms aus, indem er die Ansätze der neuen im Jahre 1899 erschienenen hessischen Gebührenordnung für Aerzte und Zahnärzte als außerordentlich hoch bezeichnen zu müssen glaubte: Er gebe zu, daß manche Ansätze der alten Taxe für bie heutige Zeit zu niedrig seien. Wenn die Krankenkassen aber die Ansätze der neuen Gebührenordnung zahlen müßten, wie die Aerzte dies anstreben, dann müsse der Ruin aller Krankenkassen eintreten. (?) Aber nicht allein die Krankenkassen seien durch das Vorgehen der Aerzte in ihrer Bestandsfähigkeit gefährdet, sondern auch die Gemeinden als Träger der Gemeindekrankenversicherung liefen Gefahr, in eine schlechte Finanzlage zu kommen, da für diese der Beitragssatz niedriger sei als derjenige dec organisierten Kassen, und die Gemeinden die Fehlbeträge zuschießen müßten. An Hand von Beispielen führte er des näheren ans, daß die neuen Taxansätze 100 bis 400 Proz. höher seien, als diejenigen der alten Taxe. Bisher hätten die Krankenkassen meist Verträge in Form von Pauschalsummen abgeschlossen; durch die in Aussicht stehende Standesordnung der Aerzte werde es diesen jedoch verboten werden, Verträge dieser Art abzuschließen. Redner plädiert dafür, daß auch fernerhin den Acrzten der Abschluß solcher Verträge gestattet sei oder die neue Gebührenordnung derart abgeändert werde, daß man eine Minimaltaxe für Privatpersonen und für Krankenkassen fest- setze, in der diejenige für Krankenkassen erheblich hinter derjenigen für Privatpersonen zurückstehen müsse; eventuell möge man den Krankenkassen, ähnlich wie es in der Arznei- taxe vorgesehen, einen großen Rabatt bewilligen. Redner schlägt vor, beim Großh. Ministerium des Innern in diesem Sinne vorstellig zu werden. Herr Möbel von Mainz führt u. a. aus, er persönlich stehe auf dem Standpunkt, daß die Aerzte für ihre Leistungen auch entsprechend honoriert werden müßten; es gäbe leider noch Kassen, bei denen eine Honorierung der Aerzte erfolgte, die nicht würdig sei. Redner macht den Vorschlag, beim Großh. Ministerium dahin zu petitionieren, daß den Aerzten gestattet werde, mit den einzelnen Kassen die Minimalsätze jeweilig nach den örtlichen Verhältnissen festzusetzen. Herr Orter- mayer von Worms spricht sich aiufy für Einreichung einer dahingehenden Petition aus. Nachdem noch einige Herren zu diesem Punkte gesprochen hatten, wurde einstimmig beschlossen, an das Großh. Ministerium des Innern eine Petition im vorangeführten Sinne zu richten. Sodann wurde zu Punkt V: „Abänderung des Krankenversicherungsgesetzes" geschritten. Tie verschiedenen Abänderungsvorschläge sollen in einer besonderen Eingabe dem Reichstag unterbreitet werden. Zu Punkt VI der Tagesordnung: Wahl des geschäftsführenden Ausschusses, wurde dieser einstimmig in der früheren Zusammensetzung wiedergewählt und als Ort der Abhaltung der nächstjährigen Generalversammlung Nieder-Jngelheim bestimmt.
Mainz, 25. Juni. Um die Namen der Handwerktz- melfter, die bei der diesmaligen Reparatur des Wetterhahnes auf dem Hauptturm des Toms thätig waren, auch der Nachwelt zu erhalten, hat ein Mainzer Lokalpoet nachstehenden Reim geschmiedet (dieser ist, wie die „D.


