Ausgabe 
27.4.1901 Erstes Blatt
 
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Weserbahn abhielt, äußerte er sich u. a. auch über seine ibm oorgehalteue Berbiuduug mit dem Journalisten Hamburger. Diese Affaire suchte er dadurch abzulhun, daß er seinen Zu« yörern erzählte, er müsse als Schriftsteller froh sein, wenn er einen Zeitungsartikel los werden könne, und könne nicht erst darnach fragen, ob ein Jude sein Abnehmer sei, ebenso- wenig wie ein Gastwirt, der an einen Juden ein GlaS Bier verkaufe.

Gießen, den 26. April 1901.

** Personal-Nachrichten Ter Großherzog hat dem Kaufmann Franz Heinrich Goebel zu Mainz, Mitinhaber der Weinhandlung M. Kleemann u. Cie. in

ExplosionS Unglück in Griesheim.

Bereits gestern nachmittag konnten wir durch Anschlag von dem furchtbaren Unglück berichten, das, Original- telegramm en zufolge, die uns gestern in statt­licher Anzahl zugingen, in Griesheim am Main, etwa fünf Kilometer von Frankfurt gelegen, geschehen tst. Am Nachmittag gegen halb vier Uhr brach in der chemischen FrwrikGriesheim-Elektron in einer Abteilung, wo eine Granat en füllung aus Schwefel-, Salpeter- und Karbolsäure hergestellt wird, Feuer aus. Dis Feuerwehr der vereinigten Griesheimer Fabriken und die Griesheimer freiwillige Feuerwehr waren bei den Lösch­arbeiten beschäftigt, als eine furchtbare Explosion, dere^ Donner bis in Frankfurt gehört werden konnte, sich er­eignete. Die ganze Fabrik ging in Flammen auf, benach­barte Anlagen wurden in Mitleidenschaft gezogen und sind gefährdet, sogar auf das Dorf Schwan h eim am gegen- überliegenden Mainufer hat der Nordwind ein Flugfeuer geworfen, das mehrere Behausungen ergriffen hat, schwere Explosionen Don Sprengstoffen haben das Unglück vergrößert, und es bestand die Sorge, daß die Benzinbehälter und andere explosive Chemikalien in Brand geraten und das Ver­derben ins Ungemessene steigern könnten. Man meldete von 50 Toten und über 150 Verwundeten. Glücklicherweise scheint dis Zahl nicht so groß zu sein. Man meldet bis jetzt, daß fünfzehn Tote aufgefunden seien, und die Zahl der Ver­letzten ist mindestens die zehnfach?. Auch die Ziffer der Vermißten ist sehr hoch, indessen darf man wohl hoffen, daß viele von der ersten Angst Versprengte sich wiederfinden werden, nachdem die ärgste Bestürzung geschwunden ist. Im übrigen sind alle Zahlen nody der Bestätigung be­dürftig. Erst nach Verlesung der Arbeiterlisten wird es möglich sein, eine genaue Verlustliste aufzustellen.

Zur kritischen Zeit des Brandes, etwa um halb sieben Uhr nachmittags, herrschte um Griesheim herum eine furcht- bare Aufregung. Haushoch schlugen die Flammen aus der brennenden Anilinfabri k, und man mußte thatsäMich jeden Augenblick befürchten, daiß das ungeheure Benzin­lager, bestehend aus fünf Eisenzylindern von je 25 Metern Länge und 10 Metern Durchmesser, von dem gewaltigen Brande ergriffen werden würde. Diese Befürchtung war um so berechtigter, als der Benzinschuppen knapp 150 Meter von dem eigentlichen Feuerherde entfernt liegt. $>atte bi» dahin der Rückzug der Griesheimer aus ihren Behausungen schon in aller Eile stattgefunden, so artete er jetzt in die wildeste Flucht aus. Weinende Frauen mit ihren Kin­dern, Verletzte, gestützt von Frau oder Tochter, Kranke auf improvisierten Tragbahren ein erschütternder Anblick. Ter Exerzierplatz der Frankfurter Garnison glich der Um­gebung einer der Zerstörung preisgegebenen Stadt. Es wurde erzählt, daß schwere Eisenstücke durch die Gewalt der Explosion Hunderte Meter weit fortgeschleudert worden waren; bis nach Schwanheim, Über den Main hinüber, sind einzelne Stücke geflogen. Der Zugverkehr ist unter­brochen, die Telephon und Telegraphenleitungen sind zer­stört.

Gegen 6 Uhr nachmittags rückten etwa 250 Mann vom 81. Infanterie-Regiment an, die unter Führung von Offi­zieren einen Kordon um den Ort zogen.

Feuerwehren hatten entsandt: Frankfurt, Höchst, Nied, Sindlingen, Liederbach Schwanheim. Tie Gries­heimer Fabrikfeuerwehr that auch ihr möglichstes. Leider hat sie zwei ihrerMitgliederverloren; wenigstens nimmt man an, daß die als Leichten gefundenen Wehrleute zur Griesheimer Feuerwehr gehörten. Von Frankfurt langte ein Transport von Ersatzmannschaften zur Ablösung der ermüdeten Leute an. Tie Sanitätswa chen hatten unter den obwaltenden Umständen schwere Arbeit. Als erste von ihnen erschien um 4.15 Uhr die Wache der Freiwilligen Rettungsgesellschaft an der Unglücksstelle. Zunächst etablierte sie in der Nähe des Brandplatzes einen Verbandplatz, als die Gefahr der Uebergreifung des Brandes auf das Benzin­magazin aber wuchs, verlegte sie ihren Standort nach dem Main tzu. Sie behandelte etwa 15 Schwerverletzte, die meistens Arm- und Beinbrüche, Nervenerschütterungen und Schädelverletzungen erlitten hatten. Einer von den Schwer­verletzten hatte einen schweren Schädelbruch Der Frank-« furter Samariterverein war mit seinem großen Rettungs­wagen, dem Fahrrad-Krankentransportwagen und dem Wagen der früheren freiwilligen Feuerwehr mit fiebert Tragbahren ausgerückt. In zwei Schulhäusem und an> Bahnhof hatte er seine Station errichtet. Auch die Sama­riter behandelten zahlreiche Arm- und Beinbrüche, dagegen fast gar keine Brandwunden. Es erftärt sich dies wohl aus dem Umstande, daß die in Nachbargebäuden des von der Explosion betroffenen Gebäudes beschäftigten Arbeiter zu­meist durch Sturz oder Sprengstücke verunglückten. Außer diesen beiden Rettungsvereinen waren auch die Sanitäts­kolonne der Frankfurter Kriegerkameradschaft und die Sani- tätskolonne Höchst um die Verwundeten bemüht. Während die sehr schwer Verletzten im Laboratorium der Fabrik untergebracht wurden, wo auch die gefundenen Lenken zunächst niedergelegt wurden, schaffte man andere in das Höchster Krankenhaus und etwa 15 mit der Bahn in dar Frankfurter städtische Krankenhaus.

Abends gegen acht Uhr war auf weite Entfernung hin die Brandstätte durch hoch emporlodernde Flammen und riesige Rauchsäulen kenntlich. Ta um die angegebene Stunde die Gefahr der Explosion der Benzinkessel als nach menscb- lichem Ermessen beseitigt galt, waren die Absperrungs- und Räumungsmaßregeln auf den direkt gefährdeten Bezirk beschränkt und Die Absperrungsmannschaft des 81. Inf- Regts. zum Teil zurückgezogen worden. Der kommandierende General v. Lindequist hatte sich auf der Unglücksstelh eingefunden. Tie Feuerwehr beschränkte ihre Thätigkeit darauf, das Feuer auf seinen Herd die Anilinfabrik zurückzudämmen und diese ausbrennen zu lassen.

Entsprechend der ungeheuren Gewalt der Katastrophe waren die Verletzungen der Getöteten fürchterlich. wurden einem Manne Amte und Beine abgerissen, einem anderen der Leib aufgerissen, unteren Leichen fehlt ein Arm- Ein Täter hatte mit der Hand das Gesicht bedeckt, als hab«

Nachdem ich die Bedeutung der Errichtung der dritten Landes-Irrenanstalt in unmittelbarer Nähe von Gießen für die psychiatrische Klinik dargethan habe, möchte ich nun noch mit einigen Worten darauf Hinweisen, daß um­gekehrt die Nähe der Klinik, der Universität und der Stadt auch auf die Entwickelung der dritten Landes-Irren­anstalt den förderndsten Einfluß äußern würde. Ich will hier nicht näher eingehen auf die Vorteile der nahe gelegenen größeren Stadt für den wirtschaftlichen und bau- technischen Betrieb der Anstalt, auf das stete Bedürfnis an tüchtigen Handwerkern, leistungsfähigen Kaufleuten usw., auf die sachverständige Ueberwachung der maschinellen Ein­richtungen der Anstalt, nicht auf die Anregung, die Kritik und die wissenschaftliche Unterstützung, welche die Nähe der Universität mit sich brächte, nicht auf das wohlbe­gründete und auch dem eigenen Interesse der Anstalt entsprechende Recht der Beamten und Bediensteten der Anstalt auf ihre durch die Lage der Anstalt ermöglichte geistige und leibliche Erholung und Erfrischung und auf eine angemessene Befriedigung der Bedürfnisse ihres Haus­halts, und ihrer Familien, und endlich auf die unbe­streitbare Forderung, daß dem Irrenarzt die aus fort­laufender eigener Wahrnehmung und Erfahrung _ er­wachsende Kenntnis des sittlichen, intellektuellen und ästhe­tischen Charakters feiner Zeit nicht fehlen dürfe. Ties alles ist ja bekannt genug. Darauf möchte ich aber mit Nachdruck aufmerksam machen, daß Die Landes-Irrenanstalt zu einem dauernden guten Einvernehmen mit der naben Klinik gelangen könnte und würde. Die Aufgaben der Landes-Irrenanstalt find in vieler Beziehung mit denen der Klinik identisch, in anderer Beziehung wieder von diesen verschieden, immer aber mit ihnen so nahe verwandt, daß nur die zweckmäßig organisierte ineinandergreifende und sich ergänzende Thätigkeit der Landes-Irrenanstalt und der Klinik dem Ziele näher zu kommen vermag. In der Richtung der wissenschaftlichen Forschung sind Klinik und Landesirrenanstalt auf einander angewiesen und von einander abhängig, und auf diesem Fundament baut sich das Bewußtsein und die Pflege einer für beide Teile segensreichen inneren Gemeinschaft auf. Die Landes-Irren­anstalt darf nicht dem Verkehr mit der Öffentlichkeit entrückt, sie darf nicht infolge ihrer allzu einsamen Lage gleichsam sich selbst und der Gefahr überlassen werden, vald dem Schlendrian und der Schablone zu verfallen, bald auf Wege zu geraten, die außerhalb des Gebiets Der wissen­schaftlichen Forschung und Thätigkeit verlaufen.

. Schon jetzt werden bekanntlich in der psychiatrischen Klinik auch solche Kranke behandelt, die den Provinzen Starkenburg und Rheinhessen angehören, und unmittelbar nach dem Ausbruch der Krankheit in die Klinik verbracht worden sind. Ohne Zweifel werden in der Zukunft den­selben Provinzen angehörende Kranke in die dritte Lan­des-Irrenanstalt verbracht werden, die bis dahin in Hofheim oder Heppenheim Behandlung und Pflege ge­linden hatten. Ein großer Teil Der zuerst genannten Kranken gelangt innerhalb der gebotenen beschränkten Zeit in der Klinik nicht &ur Wiedergenesung und müßte bei der Entlassung aus Der Klinik zur Fortsetzung der Kur in die dritte Landes-Irrenanstalt versetzt werden. Ties ist seither leider nur selten geschehen, wird aber selbst­verständlich in der Zukunft die Regel bilden. Je rascher und schonender nun alle diese Versetzungen vollzogen wer­den können, um so mehr entsprechen sie dem Interesse der Kranken und ist es zugleich möglich, den Kranken durch zeitweise persönliche Besuche seitens der Angehörigen usw. oen für die ärztliche Behandlung so überaus wichtigen Verkehr mit der Familie ohne großen Zeit- und Geldauf­wand sicher zu stellen und zu erhalten, so wird man die erwähnten Versetzungen dem Verständnis und der Zustimm- ung aller Beteiligten immer näher bringen. Daß auch in dieser Beziehung die Errichtung Der dritten Landes- Irrenanstalt in unmittelbarer Nähe von Gießen dem sach­lichen Interesse am meisten entsprechen würde, bedarf wohl feiner besonderen Erwähnung.

Ich habe im Jahre 1886 in der kleinen Denkschrift: Tie UeberfüUung der Landes-Irrenanstalten Hofheim und Heppenheim" die Errichtung einer Irrenklinik in Gießen in Verbindung mit einer erweiterungsfähigen, gleichfalls für die Zwecke des Unterrichts verwendbaren Jrrenpflege- enffalt empfohlen. (Seite 51 und 55 der Denkschrift.) Die Staatsregierung hat diese Empfehlung als begründet an­erkannt und bei der Aufstellung des Staatsbudgets für die Jahre 188891 entsprechend berücksichtigt. Seit jener Zeit habe ich bei jeder mir gebotenen Gelegenheit dieser Verbindung der psychiatrischen Klinik mit einer ihr benach­barten größeren Anstalt das Wort geredet, und beispiels­weise am 4. November v. I. in der Versammlung der süd- westdeutschen Irrenärzte in Karlsruhe gesagt:Jede Jrrenklinik vermag ihre wichtige Aufgabe nur dann unbe­schränkt zu erfüllen, wenn sich in ihrer Nähe eine größere Irrenanstalt befindet, in die sie im Interesse des Unter­richts und zur Ermöglichung neuer Aufnahmen bestimmte Kranke ohne Verzug und ohne jede Beschränkung versetzt und aus deren Bestand sie je nachdem ihre Lehrmittel ergänzt."

In den Erläuterungen zum Staatsbudget 1901/1902 hat die Großh. Staatsregierung erklärt:Mit der Ver­wirklichung dieses Projekts (Errichtung der dritten Landes- Irrenanstalt in unmittelbarer Nähe von Gießen und Ver­bindung dieser Anstalt mit der psychiatrischen Klinik) würde in Hinsicht der staatlichen Fürsorge für Irre im Großher­zogtum eine Situation geschaffen sein, welche sich in gleicher Vollkommenheit kaum in einem anderen Staate Deutschlands wiederfinden dürste." Wenn auch in dieser Erklärung bereits alles gesagt ist, was mich selbst eine jahrelange Beschäftigung mit der vorliegenden Frage ge­lehrt hat, so glaubte ich doch meiner Uebereinftimmung Den vorliegenden Ausdruck geben und insbesondere zum Schluß nochmals hervorheben zu sollen, daß das Urteil über die Platzfrage einer weiteren Landes-Jrren- ^a.'/alt an sich und in ihrer Beziehung zu der psychia- rrischen Kttnik vor allem dem sachverständigen Psychiater in demselben Maße zusteht, wie etwa die Traeierung einer Gebirgsbahn dem Ingenieur oder die analytische Auf­klärung einer Nahrungsmittelverfälschung dem Chemiker.

Mainz den Charatter als Kommerzienrat verliehen. Ferner den Lehramtsassessor Hans Rupp aus Offenbach zum Ober­lehrer an der Realschule zu Heppenheim a. d. B., und den Lehramtsassessor August Keßler aus Bessungen zum Ober­lehrer an dem Gymnasium zu Bensheim ernannt. Ter Großherzog hat die Leitung derGroßherzoglichen Sttaßenneubaubehörde für den südlichen Odenwald" dem Großh. Kreisbauinspektor des Kreises Erbach, Baurat Hein­rich Die hm zu Erbach bis auf weiteres nebenamtlich über­tragen und dem Gräflich Erbach-Schönbergischen Kammer- >iener Philipp Dubois zu Schönberg das Mlgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür.Verdienste" verliehen.

** Versetzung. Lehrer Horn von der hiesigen Stadt- chule wurde an das Realgymnasium zu Mainz versetzt.

** Stän dchen. Die Regimentskapelle des hiesigen Regiments hatte heute morgen um 7 Uhr auf dem Bor- Katz des HotelsGroßherzog von Hessen" Aufstellung ge­nommen, um dem Divisions-Kommandeur General­leutnant v. Perbandt ein Ständchen zu bringen. Tas Konzert, das eine halbe Stunde dauerte, lockte viele Anwohner der benachbarten Sttaßen an diesem schönen Frühlingsmorgen ins Freie.

** Schwalben. Die Schwalben sind wieder da? Macht zwar eine Schwalbe noch keinen Sommer, so bedeutet wch die Ankunft difesjheimischen Boten den wahren Beginn des Sommerhalbjahres. Die Schwalben sind von den Menschen mit Recht gern gesehen, denn sie sind durch den Wegfang unzähliger Insekten nützlich. Sie müssen geschont werden. Kein Vogel wird aber auch in seiner Freiheit o intim und friedlich mit den Menschen wie die Schwalbe. Sie baut ihr Nest nicht nur direkt an menschliche Wohn­ungen, sondern auch gern in die Ställe, ohne sich von den Thieren und dem Verkehr der Menschen stören zu lassen. Die Ställe sucht sie wegen der vielen Fliegen auf, und durch deren Wegfang erweist sie gewiß den Tieren eine große Wohlthat. Der ländliche Aberglaube sagt, den Schwalben Uebles thun, bringe Unglück. Der Schwalben Vertrauen zu den Menschen ist auch größer, wie das anderer Vögel. Es giebt Beispiele, daß sich Schwalben in Schulstuben, ja, sogar in Tanzsälen eingenistet haben, ohne ich weder vom Tanzen, noch von der Musik haben stören zu lassen?

§ Butzbach, 25. April. Ein lebensmüder verheirateter Einwohner in den fünfziger Jahren hier hängte sich heute morgen in seiner Scheuer auf, wurde jedoch von einem hinzugekommenen Knechte rechtzeitig abgeschnitten. Die Spar - undDarlehenskasse in dem Nachbar­orte Nieder -Weisel hat auch für das abgelaufene Rech»- nungsjahr günstige Geschäftsergebnisse zu verzeichnen; Aktiva und Passiva betrugen je 517 673.80 Mk.; der in letz­terer enthaltene Reingewinn pro 1900/01 bezifferte sich auf 3785.73 Mk. und die Gesamtsumme der Einlagen auf 427 081 Mk. Die Mitgliederzahl ist auf 208 gestiegen.

W.^ S. Nieder-Ofleiden, 25. April. Die Wirt- chaftliche Frauenschule zu Nieder-Ofleiden (Post: Homberg a. d. Ohm) verfolgt das Ziel, jungen Mäbcheü gebildeter Stände eine gründliche Ausbildung iu allen Zweigen der Wirtschaft zu geben, als praktische Vorübung ur den Beruf der Hausfrau, Hausbeamttn und Lehrerin an ländlichen Haushaltungsschulen. Junge Mädchen, die sich zu diesem Beruf oder zur Arbeit in der Wohlfahrtspflege vorbereiten wollen, haben Gelegenheit, in der an die wirt- chaftliche Frauenschule angegliederten Haushaltungsschule ür Landmädchen zu unterrichten, und sich in der Klein- Kinderschule thätig zu erweisen. Die Schule bietet in ihren Jahres-Kursen Gelegenheit zur praktischen Ausbildung in Küche, Hauswesen, Wäsche, Handarbeit, häuslicher Buchführ­ung und Verwaltung, Gesundheitspflege, Gartenbau, Ge- lügelzucht. Die Kurse sind einjährig und beginnen Anfang April; ausnahmsweise kann der Eintritt auch im Oktober erfolgen. Ostern findet eine Prüfung statt, für solche, die ich zu Lehrerinnen für Haushaltungsschulen auf dem Lande ausbilden wollen.

Mainz, 23. April. Nach einer soeben erschienenen Zusammenstellung für 1900 umfaßten die Sammlungen des Römisch-Germanischen Zentralmuseums 19 008 Gegen- tände, tvas gegenüber dem Bestände des verflossenen Jahres einen Zuwachs von 1583 Nummern bedeutet. Von den neuen Erwerbungen sind, wie dieDarmst. Ztg." meldet, be- onders zu erwähnen Nachbildungen von Funden aus den bekannten Niederlassungen in Mähren, interessante Gefäß­typen aus Sachsen, Glockenbecher und Kugelflaschen aus Bayern, Muschelschmuck aus Gräbern bei Vitzenburg, Bern­burg und Worms, dann wertvolle prähistorische Funde aus Cypem, Syrien, Aegypten, Syros, Naxos u. s. w. Als eine besonders wichtige und erfreuliche Bereicherung darf jedoch die Erwerbung galvanoplasttscher Kopien eines großen Tchles Der Schliemann sch en Goldfunde aus Mykene be­zeichnet werden. Aus den der Bronzezeit angehörenden Altertümern sind namentlich der Goldflmd von Merseburg, ungarische Bronzen und einzelne schöne Gefäße aus rheini­schen Museen zu nennen. Wertvoll ist auch eine Nach­bildung des Goldfundes von Fokorn in Ungarn und des Depotfundes von Dischiwitz in Schlesien, ferner Funde aus der nächsten Umgebung von Regensburg, unter denen eine reich dekorierte und versilberte Beinschiene als einziges bis jetzt in Deutschland gefundenes Exemplar von großem Werte ist. Erwähnung verdienen auch die Funde aus dem Pfarrhof bei Holz hausen, vom Annaberg bei Haltern in Westfalen und bei Butzbach Auch ein Grabfund aus der sog. Wikingerzeit, der einem bei Buxtehude geöffneten Hügel entstammt und aus zwei Lampen, einem Schwert, einem kegelförmigen Schildbuckel und einer Rundfibel be­steht, mag noch vermerkt werden. Die Zusendung der Ori­ginalaltertümer, durch beten Nachbildung die Samm­lungen in so hervorragender Weise bereichert werden konnten, verdankt das Museum 30 Staats- und Vereins­sammlungen und zahlreichen Privatsammlungen.

* Kleine Mitteilungen <ml Hesse« nnb de« Nachbarstaat« Jüngst starb zu Straßburg im Els. ganz unerwartet in folge eines Herzschlages der Geheime KriegSrat Hauptmann a. D. Ernst Lange; er war ein geborener Darmstädter und gehörte, bevor er zur Intendantur übertrat, dem Großh. Leibgarde Regt. Nr. 115 als Offizier an. Bor einigen Tagen ist iu Nieder- R am stad t die mittelgroße Glocke gesprungen, auf der ihr Geburtsjahr mit der Zahl 1507 aufgegoffen ist. Sie hat also da« beträchtliche Alter von nahezu 400 Jahren. In einer Versammlung, die der antisemitische Reichstagsabgeordnete Dr. Böcke! dieser Tage zusammen mit Otto Hirsche! in ANendorf an der Main­

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