Zur persönlichen Bemerkung bemerkte Abg. Singer: Er habe in München gesagt: Bernshein gebe nicht den Ton in der Partei an, wenn es aber einmal dahin kommen sollte, dann würde er eine Spaltung vorziehen.
Die Verhandlung wurde darauf gegen 7 Uhr abends auf Dienstag vormittag 9 Uhr vertagt. Morgen findet zunächst die geschlossene Sitzung statt, zu der nur Delegierte Zutrttt haben. Alsdann soll in öffentlicher Sitzung die unterbrochene Erörterung fortgesetzt werden.
Vom Abg .Bebel ist zu dem Tbema „Handelsverträge und Zolltarif" folgender Antrag gestellt 1 worden:
„Der Parteitag der deutschen Sozialdemokratie zu Lübeck erklärt: Der vorliegende Zolltarifentwurf übertrifft nodji jeder Richtung die schlimmsten Befürchtungen, die nach seiner Vorgeschichte und den Antezedentien seiner Väter gehegt werden konnten. Durch diesen Tarifentwurf werden, wenn derselbe Gesetz wird, die Lebensinteressen oer ungeheuren Volksmehrheit aufs Tätlichste verletzt, wohingegen durchs denselben die Klasseninteressen des Agrariertums und der mit diesem verbündeten Großbourgeoisie in der maßlosesten und schamlosesten Weise begünstigt werden. Der Entwurf, wenn verwirklicht, bedeutet den unerhörtesten Brot- und Lebensmtttelwucher, die zunehmende Verarmung und Aushungerung der arbeitender Klasse und ihre Unterjochung unter den Agrar- und Jndusttiefeudalismus; er bedingt ferner mit Notwendigkeit die Verfeindung Deutschlands mit allen Kulturnationen und seine wirtschaftliche und politische Isolierung. Der Entwurf ist mit einem Wort das Volks- und kulturfeindlichste Machwerk, das man einer zivilisierten Nation zumuten kann; er beweist, daß seine Urheber nicht nur die größten Feinde der Arbeiterklasse, sondern auch die schlimmsten Schädiger der politischen und wirtschaftlichen Interessen Deutschlands sind. Der Parteitag der deutschen Sozialdemokratie protestiert mit dem größten Nachdruck gegen diesen vom brutalsten Agrar- und Großunternehmerinteresse diktierten Tarifentwurf; er richtet an die gesamte deutsche Arbeiterklasse ohne Unterschied der Partei und des Geschlechts die Aufforderung, sich immer wieder durch Resolutwnen in Versammlungen und Petitionen an den Reichstag in der unzweideutigsten und schärfsten Weise gegen diesen Entwurf auszüsprechen. Insbesondere sollten auch die der Arbeiterklasse angehörigen Wähler den von ihnen in den ReickMag Gewählten keinen Zweifel darüber lassen, daß ein Abgeordneter, der diesem oder einem ähnlichen Zolltarifentwurf seine Zustimmung giebt, ein Verräter am arbeitenden Volke und unwürdig istz sein Vertreter zu feinJ' ____________
Lübeck, 24. Sept.
Die öffenttiche Nachmittagssitzung des Parteitages galt nur Bernstein. Inzwischen haben sich die beiden Parteien für und wider Bernstein offen -erklärt und zwei Resolutionen, von denen die eine Bebels, die andere Heines Namen an der Spitze trägt. Beide Parteien sind beinahe gleich stark, und es wird die Entscheidung also von denen gegeben werden, die keinen dieser Anträge unterzeichnet haben. Das ist nur der vierte Teil aller. Zuerst sprach Kautsky, Dr. David beleuchtete sodann die Bernsteinhetze gewisser sozialdemokratischer Zeitungen, auch die Tonart der „Neuen Seit". Ueber die in dieser erschienenen Auftätze von Parvus äußerte sich auch Bebel sehr scharf, während er im übrigen natürlich Bernstein zu Leibe ging. Bebel, der gestern einen Antrag eingebracht hcttt^, der Parteitag erwarte, daß die sozialdemokratischen Landtagsdeputierten künsttg gegen das Budget stimmen werden, hat diesen heute zurückgezogen und einen neuen formuliert. Hierin wird gefordert, das Gesamt-Budget sei normalerweise ab zu lehn en, dagegen könne ausnahmsweise eine Bewilligung des Budgets aus zwingenden besonderen Gründen geschehen. Damit dürfte der Budgetdebatte die schärfste Spche abge- brochen sein.
Politische Tagesschau.
Zur Kohleuuot.
Die Herren unserer Kohlenbergwerke sind entschloßen, für diesen Winter die Kohlenpreise wieder in die Höhe zu setzen. Bei der Ausbreitung der Arbeitslosigkeit wird jetzt die Kohlennot ungleich schwerer drücken als im vergangenen Jahre. Auch die Industrie, die heute durch eine schwere Krisis hindurchgehen muß, wird diesmal doppelt unter dem Preiswucher ihres unentbehrlichsten Rohmaterials zu leiden haben. Die bodenreformerische „Deutsche Volksstimme" hat nicht so ganz Unrecht, wenn sie fragt, wann Unternehmertum und Arbeiterschaft, Industrie und Landwirtschaft, Beamtentum und Handwerkerstand ihr gemeinsames Interesse an den deutschen Naturschätzen erkennen und es einer Handvoll Großkapitalisten unmöglich machen werden, die deutsche Erde zu einem Gegenstand der Ausbeutung des deutschen Volkes zu entwürdigen. Welche Riesengewinne auf Kosten der deutschen Arbeit den Bergwerksbesitzern in den letzten sechs Jahren zugefallen sind, zeigt folgende Tabelle:
Name der Aktien-Gesellschaft
Dividende in Prozent
1894,189511896
1897,1898,1899
1
2
3
4
5
6
7
Arenberger Bergbau ♦ . /
Bismarckhütte, Ob.-Schl. .
35
40
50
60
65
75
9
15
15
15
19
24
Concordia, Bergbau . . i
Consolidation, Schalke i. Wests. »
5*/,
77,
13
19
19
21
8
12
15
18
22
25
Eintracht, Braunkohlenwette . »
6
77,
67,
10
11
14
Eschweiler Bergwerk * ♦ ;■
Gelsenkirchen, Bergwett . ,■
Georas-Marren-Bergwetts- und
Hütten-Verein ♦ . i r
8
0
14
15
15
20
6
7
77,
9
10
10
5
67,
8
3
10
10
Harpener Bergwett ... * Hibernia, Bergwerks-Gesellschaft t
5
6
8
9
10
11
4
67,
77,
97,
12
12
Hochdahl, Berg-, Gruben- und
Hüttenwette . . , 4 i
Kölner Bergwetts-Verein ♦ «
5
8
12
14
17
15
6
9
12
16
20
30
König-Wilhelm-Bergwerk , ;
5
5
12
15
15
20
König-Wilhelm-Bergwett St. Pr. t
10
10
17
20
20
25
Königs- und Laurahütte . * >
Magdeburger Bergwetts-Aktien-
Gesellschast.....
Nordstern, Steinkohlen . .
4
8
10
137,
15
16
18VS
25
287,
80
27
35
4
7
10
10
14
16
Pbönix-Bergwett, Laar . . , Pluto-Bergwett, Essen . .
Rheinisch-Nassauische Bergwerke
10
5
Iti
57.
13
87,
11
11
11
20
15
20
0
1
5
77,
127,
15
Rombach, Hüttenwerk . . .
Rositzer Braunkohlen . . ;
Schalker Gruben- u. Hütten-Verein
6
8
12
13
15
20
77< 7V,
9
15
12
227,
13
30
13
427,
13
75
Die deutschen Chinaverluste.
Nachdem nun bie amtliche Verlustliste erschienen ist und kaum noch irgend welche Aenderungen, wenigstens was die Hauptfach die Zahl der Gefallenen, betrifft, ernteten können,
wird e8 möglich, ein einigermaßen abschließendes BUd der deutschen Verluste in China zu erhalten. Von den Marinemannschaften sind gefallen oder ihren Wunden erlegen 49 Mann. Verwundet wurden 138 Mann. Verunglückt sind 21 Mann. An Krankheiten sind gestorben 89 Mann. Demnach stellt sich der Gesamtabzug für die Marine auf 297 Mann. Vom EMeditionskorps sind gefallen oder ihren Wunden erlegen 16 Mann. Verwundet sind 132 Mann. Verunglückt sind 49 Mann. An Krankheiten sind gestorben 184 Mann. Der Gesamtverlust des Expeditionskorps stellt sich demnach auf 381 Mann und der Verlust für Marine und Expeditionskorps zusammen auf 678 Mann.
Die Entscheidung über die Ostafrikabahn.
Unser Berliner parlamentarischer R.-Mitarbeiter schreibt unterm 23. September:
Ter Gesetzentwurf wegen Uebernahme der Reichs- garantie für die Eisenbahn von Dar-es- Sa- laam nach Mrvgoro war der letzte Gegenstand, mit dem sich die Budgetkommissivn des Reichstags im Mai d. I., vor der Vertagung, beschäftigte. Es gelangte damals die von der eigens gewählten Unterkommission vorgeschlagene Form des Entwurfes zur Annahme. Die wesentlichste Aenderung gegenüber der Regierungsvorlage bestand in der Herabsetzung der Bausumme von 24 auf 22 Millionen Mark, wofür die Regierung bekanntlich eine dreiprozentige Zinsgarantie übernehmen soll. Eine koloniale Zeitschrift wies nun unlängst darauf hin, daß der Reichstag nach seinem Wiederzusammentritt es kaum eilig haben werde, die Vorlage über die Ostafrikabahn zu verabschieden, weil das Zentrum dem Entwurf nach wie vor kühl gegenüberstehe. Richtig ist es ja, daß der Wortführer des Zentrums in dieser Sache, Abg. Müller-Fuloa, in der Budgetkommission dem Gesetz seine Zustimmung unter dem ausdrücklichen Vorbehalt gab, daß er durch dieses Votum seine endgilttge Stellungnahme im Plenum keinesfalls festlegen wolle. Herr Müller-Fulda fügte hinzu, angesichts der verschlechterten Finanzlage des Reiches müsse jede neue Ausgabe besonders kritisch geprüft werden. Richtig ÜfH ferner, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland zurzeit ungünstigere sind als im Mai d. I. Doch, es hieße Herrn Müller-Fulda und den anderen Zentrums- abg^ordneten Unrecht thun, wollte man "behaupten, daß sie nur dann Gelder für die Kolonien zu bewilligen geneigt sind, wenn die finanzielle und wirtschaftliche Lage daheim sich „rosenrot" anläßt. Den Gesichtspunkt, daß das betreffende Schutzgebiet aus dieser und jener außerordentlichen finanziellen Aufwendung des Mutterlandes Nutzen ziehen könnte, hat noch kein Zentrumsmann unbeachtet gelassen. Es ist ja schließlich nicht immer „Begeisterung" erforderlich, um ein Projekt gutzuheißen. Einigermaßen kühl stehen beispielsweise auch die Konservativen in ihrer Mehrzahl dem vstaftikanischen Bahnprojekt gegenüber. Gleichwohl werden sie, nach der Haltung ihrer Vertreter in der Budgetkommission zu schließen, für das Garanticgesetz eintreten. Die zweite Lesung des Gesetzes giebt ja zu eingehender Prüfung auch dem Plenum Gelegenheit. Bei dem Stimmenverhältnis, womit der von der Unterkommission ausgearbeitete Entwurf in der Budgetkommission zur Annahme gelangte — 13 gegen 10 — ist wohl möglich, daß auch dieser Entwurf den Beifall der Reichstagsmehrheit nicht findet, also abgeändert wird. Die Entscheidung über die Ostafrikabahn aber fällt unter allen Umständen in der nächsten Parlamentssession. Darauf wird die Regierung, gutem Vernehmen nach, bestehen. Kolonialdirektor Dr. Stuebel und der bayrische Bundesrats- bevollmächttgte Frhr. v. Stengel kennzeichneten den Standpunkt der Regierung in der letzten Sitzung der Budgetkommission, indem sie ausführten, daß der Bau der Bahn eine Lebensfrage für die Kolonie bedeute und sich auch ür das Reich durch Steigerung der Zolleinnahmen als örderlich erweisen werde. Da nun bei der Aufstellung des mrlamentarischen Arbeitsvrogramms, die bekanntlich im Seniorenkonvent des Reichstages erfolgt, die Wünsche der Regierung berücksichtigt zu werden pflegen, uno diese Wünsche, was die osiasrikanische Bahn anbetrifft, auf eine beschleunigte Erledigung des Garantiegesetzes gerichtet sind, so ist sicher anzunehmen, daß der Entwurf zu den ersten gehört, mit denen sich der Reichstag beschäftigen wird. Berichterstatter der Budgetkommission ist der Zenttums- abgeordnete PrinzArenberg, ein erklärter Freund der Ostafrikabahn, der eine kaum weniger einflußreiche Stellung im Zentrum einnimmt, als der kritischer urteilende Herr Müller-Fulda.
Aus Stadt und Zand.
(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.
Gießen, 25. September 1901.
'* Ernennung. Der Groß Herzog hat den Obstbaulehrer Karl Pfeiffer zu Köstritz (Fürstentum Reuß j. L.) zum Fachlehrer für Obst- und Gemüsebau an der Wein- und Obstbauschule zu Oppenheim mit Wirkung vom 1. Okt. ernannt.
-n- Alpenverein. Am verflossenen Sonntag eröffnete die Sektion Gießen des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins ihre Herbsttouren mit einer Wanderung durch den südlichen Vogelsberg. — Es kostete einige Schwierigkeit, den Ausgangspunkt „Büdingen" zu erreichen, denn der unerwartete Ruf des Schaffners „Hungen, ^Stunde Aufenthalt" ergab beim Nachforschen, daß die Maschine defekt geworden und in Ermangelung einer Reserve eine Maschine von Nidda herbeigerufen werden mußte. Aus der einen Viettelstunde wurden so naturgemäß deren drei. Ueber die Wattezeit half der unverwüstliche Humor der Touttsten hinweg. Die kleine, von Nidda herbeigeholte Tendermaschine ward von den Zuginsassen mit lautem „Hurrah" begrüßt, doch als sie abfahren sollte, ergab sich, daß die Maschine keinen Luftschlauch hatte, — ein neues Moment der Erheiterung. Nachdem auch diese Schwierigkeit überwunden, dampfte das Züglein in gemächlichem Tempo weiter und mit einstündiger Verspätung ward das erste Ziel, Büdingen, endlich um 11 Uhr erreicht. Nach Umgehung dieses schönen Städtchens gelangten die Wanderer durch den Park auf prächtigen Wegen nach Rinderbügen und von dott in mehrstündiger Höhenwanderung, die herrliche Aussichten bot, nach dem überaus lieblich gelegenen Fischborn. Hier besichtigte man die Quellengallette der Frankfutter Trinkwasserleitung, die, durch zahlreiche Kerzen erleuchtet, ein eigenartiges Bild bot. Vereinigen sich doch hier in einem 120 Meter langen Wasscrtunnel nicht weniger als 139 Quellen, deren köstliches Naß sich aus den Wänden der Gallerie ergießt und in der Sohle zu einem
Bache anschwillt! In etwa 45 Kilometer langer Leitung wird das Wasser seinem Besttmmungsott Frankfutt zugeführt. — Die vorgerückte Stunde gestattete leider nur einen kurzen Aufenthalt in Fischborn, und es wurden daher die bereit stehenden Wagen alsbald bestiegen, die die Tellnehmer des Ausflugs in prächtiger Fahtt durch das Seementhal nach Gedern fühtten, wo ihrer im Bergwittshaus ein einfaches, aber gut zubereitetes Mahl hartte. Der letzte Zug brachte die Wanderer, diesmal ohne Zwischenfall, glücklich nach Hause. — Die Wintersaison der Sektton beginnt mit der Monats- Versammlung am 3. Oktober im Vereinslokal (Restauration von Weidig).
** Neue Kartenbriefe. Tie in letzter Zeit durch die Zeitungen gegangene Nachricht, daß bei den Pvskmstalten neuartige Kartenbriefe mit angehängter Karte für die Antwort zur Ausgabe gelangen würden, entspricht, zu- verlässigen Informationen zufolge, nicht den Thatsacben. Bei den Postanstalten werden allerdings seit einiger Zeit neue Kartenbriefformulare verkauft; sie sind aber nur eine wesentlich verbesserte Form der bisher gebräuchlichen Kartenbriefe, mit einer Antwortpo st karte sind sie aber nicht versehen. Tie neuen Kartenbriefe sind in bläulicher Farbe gehalten, im übrigen in Form und Größ? der Posttarten mit Antwort hergestellt; die bei den älteren Kartenbriefen vorhandene Schlußklappe und dritte .Schreibfläche finb in Wegfall gekommen.
Laubach, 22. Sept. Aus Lehrerkreisen sind folgende Personalveränderungen zu melden: Lehrer Schäfer hier, der infolge Erkrankung zwei Jahre beurlaubt war, wird am 1. Oktober wieder seinen Dienst antreten. Dem bisher die 2. Schulstelle verwaltenden Schulvikar Stoll wurde eine Schulstelle zu Sellnrod übertragen. — In Ruppertsburg wurde auf sein Nachsuchen Lehrer Diehl mtt Wirkung vom 1. November in den Ruhestand versetzt.
** e. Bad-Nauheim, 23. Sept- Viel besprochen wird hier das traurige Schicksal und Ende eines Luxus- Hundes. Auf brieflichem Wege kaufte ein Herr, der sich vor Kurzem hier eine prächtige Villa erbauen ließ, durch Vermittelung der Hundeausstellung zu Heidelberg einen schottischen Schäferhund. Der Preis sollte 500 Mark betragen, und dem Käufer sollte das Recht zustehen, den Hund vor dem Kaufabschlüsse acht Tage auf Probe zu haben. Vor einigen Tagen kam das Tier in einem recht kleinen Behälter spät abends hier an. Es regnete in Strömen, und da das Tier etwas geschwächt aussah, verweigerte der Empfänger die Annahme. Der Spediteur stellte den Kasten mit dem Schäferhund nach vorheriger Fütterung des Tieres über Nacht in einen Stall. Als er sich am nächsten Morgen das Tier beschauen und dem Käufer vorführen wollte und deshalb die Stallthüre öffnete, sprang ihm der freiheits- liebende Hund über den Kopf, aus dem Hofe und ward nicht mehr gesehen! Tas Tier hatte den Verschlag zernagt und dadurch sein Entkommen bewerkstelligt. Der Hund wurde nun in den Lokalblättern ausgeschrieben, doch ohne Erfolg. Ta hörte vorgestern ein eifriger Nimrod, daß in seinem Revier ein Hund seine Hasen jage. Ergrimmt dcumber begab er sich! alsbald in den nahen Wald. Es dauerte gar nicht lange, da sah er auch schon den wilden Jäger durch.die Büsche streichen. Ein Schuß fiel und — o trügerisches Waidmannsheil — der schöne schottische Schäferhund im Werte von 500 Mark war zur Sttecke gebracht! Sio endete das Leben eines preisgekrönten, viel umworbenen Hundes! — Heute weilt der Besitzer des Hundes hier, um seine 500 Mark zu holen, entweder vom Käufer, der bas Tier auf Probe kommen ließ, oder vom Spediteur, der es entkommen Iie& oder von dem unglücklichen Schützen, der dem prächtigen Hunde das Lebenslicht auslöschte. Von dem letzteren sind schon 100 Mark Schmerzensgeld geboten worden.
Aus dem Seenthale, 22. Sept. Das jetzt günstige Herbst- wetter ermöglicht ein rasches Fortschreiten der Eisenbahnarbeiten. Auf beiden Seiten des projektierten Tunnels sind, wie der „Gründ. Anz." mitteilt, etwa 100 Arbeiter (Italiener) mit Erdräumungsarbeiten und Sprengungen beschäftigt. Nach der nach Freienseen zu gelegenen Seite ist man ziemlich bis zur Tunnelsohle gekommen, während dies auf der Jenseite noch längerer Zeit bedarf. Das Matettal wird durch zwei Lokomotiven fortgeschafft und zur Erbauung von Dämmen verwandt. Interessant ist der Aufbau eines Dammes in nahe gelegener Waldwiese; derselbe erreicht die wohl als selten zu bezeichnende Höhe von 13 Meter. DaS rege Treiben auf dem Arbeitsplätze lockt täglich Zuschauer herbei, die mit Interesse den Arbeiten zusehen.
A Eschenrod, 24. Sept. Gutsbesitzer K. Fischer aus dem benachbarten Hof „Zwiefalten" hat seine große Dampf- mollerei an einen Herrn aus Gerrnsheim a. Rh. verpachtet, der den Bettteb in Kurzem eröffnen wird.
** Kleine Mitteilungen anB Hessen und den Nachbarstaaten. In Weisenau wurde am Montagmorgen in der Zement- fabttk der Zementarbeiter Martin Lortz aus Hochstätten in Oberfranken beim Abfüllen des Fabttkats in der Lagerhalle von nachrutschenden gefüllten Zementsäcken verschüttet. Trotz der sofort angestellten Rettungsarbeiten wurde Lortz entfeell unter den Säcken hervorgezogen. — In Münster wurden bei der Gemeinderatswahl für die 3 ausscheidenden Mitglieder und 1 Ersatzmitglied gewählt: Christoph Becker III., Balthasar Lahm III., Georg Schneider IV. und Johs. Klehm. Von 50 Stimmberechtigten machten 31 von ihrem Recht Gebrauch. — Dem Dr. jur. August Schmieder in Frankfurt a. M., Gutsbesitzer in Fruhstorf, Bezirksamt Straubing, wurde der erbliche Adelsstand des Königreichs Bayern mit dem Prädikat „von" verliehen.
Vermischtes.
• Köln, 24. Sept. In verflossener Nacht kam es im Vorort Nippes zu schweren Ausschreitungen. Zwanzig durchweg als gewaltthätige Menschen bekannte Burschen überfielen die Nachtschutzleuke und griffen diese mit Stöcken und Messern an, sodaß die Beamten mit blanker Waffe dreinschlugen. Als Verstättung unter Führung eines Polizeikommissars ein* traf, verstärkte sich sich der Kampf, wobei auf beiden Setten meh rere Personen schwer verwundet wurden. Endlich gelang es der verstärkten Polizeimacht, die Raufbolde zu überwältigen und zwölf hinter Schloß und Riegel zu bangen. Die schärfste Untersuchung sowie die Verhaftung wetterer Personen statt. , .
* Nürnberg, 24. Septbr. Der Ersenbahn-Assistent Brecht, der mit seiner Frau in Ehescheidung steht, durchschnitt in der Nacht seinem vierjährigen Knaben den Hals und warf den Leichnam in den Ludwrgskanal.


