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Deutscher Reichstag.
Berlin, 24. April.
Ter Zusatzvertrag zu dem Auslieferungs- Vertrag zwischen dem Reiche und Belgien vom 24. Dezember 1879 wird in dritter Lesung -angenommen. Os jfolgt der Gesetzentwurf betreffend Uebernahme der Garantie durch! das Reich für die Bahn Dar - es - Sa - laam — Mrogoro.
Reichskanzler Graf v. Bülow: Tie Regierung gehe bei dem vorliegenden Gesetzentwurf von der Ansicht aus, baß, die Frage, iofb die Eisenbahn von Tar-es-Salaam nach Mrogoro auf Reichskosten oder mit Hilfe privater Mittel gebaut werde, erst in zweiter Linie stehe, da es heute einzig und allein darauf ankomme, ob die Bahn überhaupt gebaut werde, damit die Inangriffnahme kein weiteres Jahr hinausgeschoben werde. Obgleich es der deutschen Verwaltung nach langer, angestrengter Arbeit gelang, in dem Schutzgebiet von Teutsch-Ost-Afrika die Ruhe und Ordnung herzustellen, steht doch der wirtschaftlichen Erschließung der Mangel an Verkehrseinrichtungen hemmend und störend entgegen. Tem Mangel kann aus klimatischen Rücksichten durch Anlage von Straßen nicht abgeholfen werden. Die einzige Möglichkeit, eine Verkehrserleichterung in Teutsch- Ost-Afrika zu schaffen, und damit die wirtschaftliche Rettung Deutsch-Ost-Afrikas, liegt in dem Bau von Eisenbahnen. Damit ist auch das einzige Mittel gegeben, das Schutzgebiet finanziell auf eigene Füße zu stellen. Dazu kommt, wenn an Stelle des bisherigen Trägersystems nicht ein anderes konkurrenzkähiges Verkehrsmittel tritt, daß der Handel der Seedistrikte, welcher bisher seinen Weg durch Deutsch-Ost-Afrika nimmt, auf die englische Ugandabahn und im Süden auf den Nyassaseeweg abgelenkt würde. Wenn wir mit dem Bau der Eisenbahn noch länger warten, werden die Verhältnisse in Deutsch-Ost-Afrika in Stillstand und Rückgang verfallen, während in Britisch-Ost^Afrika und jn her Sambesimünduna sich blühende Handelsplätze entwickeln. Die Regierung Jege üt dem Bau der Eisenbahn ein unabweisliches Bedürfnis für das Schutzgebiet. Der Gesetzentwurf habe nur den Zweck, den Bau der kurzen. 230 Kilometer-Strecke Tar-es-Salaam—Mrogoro sicherzustellen zu dem Zweck, das von der Küste nicht allzuweit' entfernte Gebirge mit der Küste zu verbinden und das ba zwischen liegende Terrain wirtschaftlich zu erschließen. Die Regierungen können sich auf die Autorität aller Kenner des Landes bezüglich der Notwendigkeit und Nützlichkeit der Bahn berufen. Betreffs der Abmachungen mit den Banken sind die Regierungen der Ansicht, daß es gelungen ift, einen angemessenen Ausgleich zu finden zwischen Interessen und Verpflichtungen des Reiches und der notwendigen finanziellen Unterstützung des geplanten Bahnbaues seitens der Banken. Tie Regierungen hoffen, daß der ReickMag e der Vorlage die wirtschaftliche Entwickelung und Erschließung, die Zukunft des ostafrikanischen Schutzgebietes ftcherstellen werde. (Beifall.)
Abg. Richter (frs. Vp.) betont, die Vorlage verlange nicht weniger Opfer als die frühere, sondern größere: die geforderten Kosten ständen in keinem Verhältnis zu dem zu erwartenden Nutzem Die Erfahrungen, welche wir mit der Usambara-Bahn machten, mahnen uns zur Vorsicht. Hier werde eine Prämie an die Bauunternehmer vom Reiche gezahlt; die Aktionäre haben keine großen Verpflichtungen übernommen, wenn die Bahn keinen Ertrag bringt, haben
Mein unS etwas erzählen. Nun, was damals nicht gelang, Gott gab es Einem, zu vollbringen. Aachen und Mainz find uns historische Erinnerungen, aber das Sehnen nach Zusammenschluß zu einer Nation blieb in des Deutschen Busen, und Kaiser Wilhelm der Große vollbrachte es im Verein mit seinen treuen Dienern. Drum nach Koblenz aufs „derttsche Gck" den Blick, nach Rüdesheim zum Niederwald, die Bilder lehren und beweise« Ihnen, daß Sie jetzt Germanen sind im deutschen Land, Bürger einer streng begrenzten deutschen Nation, an deren Heil und Entwickelung 'm Zukunft mitzuarbette» Sie alle zur Vorbereitung hier find.
Herrlich empor,eblüht steht das Reich vor Ihnen. Freude und dankbare Wonne erfülle Sie und der feste mannhafte Vorsatz, als Germanen an Germanien zu arbeiten, es zu heben, zu stärken und zu tragen durch glühe Sie! Die Zukunft erwartet Sie und wird Ihre Kräfte gebrauchen, aber nicht, um sie in kosmopolitischen Träumereien zu verschwenden oder in den Dienst einseitiger Parteiinterefsen zu stellen, sondern um die Festigkeit des nationalen Gedankens und um unsere Ideale zu pflegen. Gewaltig find die Geistesheroen, welche der Stamm der Germanen durch Gottes Hilfe hat hervorbringen dürfen, von Bonifazius und Walther von der Vogelweide bis auf Goethe und Schiller und sie sind -um Licht und Segen der ganzen Menschheit geworden. Sie wirkten .universal" und waren doch streng in sich selbst abgeschloffene Germanen 0. h. Persönlichkeiten, Männer! Die brauchen wir heute mehr als je, wögen Sie auch dahin streben, solche zu werden. Wie soll das aber möglich sein, wer soll Ihnen dazu verhelfen? Nur einer, dessen Namen »it alle tragen, der unsere Sünden getragen und ausgetilgt hat, der uns vorgelebt hat und gearbeitet, wie wir arbeiten sollen. Unser Heiland und Herr, der pflanze den sittlichen Ernst in Sie, daß Ihre Triebfedern fletS lauter, Ihre Ziele stets hehre seien. Die Liebe zu Vater und Mutter, -um Vaterhaus und Vaterland wurzelt in der Liebe zu ihm. Dann »erden Sie gefeit sein gegen Verlockungen jeder Art, vor allem gegen Eitelkeit und Neid. Dann können Sie singen und sagen: Wir Deutschen fürchten Gott und sonst nichts auf der Welt! Dann werden wir auch fest und kulturspendend in der Welt dastehen und ich werde ruhig meine Augen schließen. Sehe ich eine solche Generation um meinen Sohn ge- schaart heranwachsen, dann Deutschland, Deutschland über alles I In dieser Zuversicht rufe ich: Es lebe die Universität Bonn!
Der Kaiser kommandierte sodann selbst den Salamander auf die Bonner Studentenschaft, worauf sich endloser Jubel erhob.
Bei den Stellen: „Wir Deutsche fürchten Gott" und »Deutschland über Alles" ertönten Hurrah- und Bravorufe.
Hierauf begrüßte stud. Trendelenburg vom akademischen Ruderklub „RhenuS" in einer Ansprache den Kron Prinzen. Er gedachte der Schönheit des Rheinlandes. Die Studentenschaft schätze sich glücklich, sich Kommilitonen des Kronprinzen nennen zu dürfen. Der Redner schloß mit tincm donnernden Salamander auf den Kronprinzen. Hochrufe und Mützenschwenken folgten.
Darauf sagte der Kronprinz mit lauter, klarer Stimme etwa folgendes:
Meine lieben Kommilitonen! Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für den warmen Empfang, den Sie mir bereitet haben. Ein Willkomm, wie Sie ihn mir entbieten, bürgt mir dafür, daß ich unter Ihnen glückliche Jahre verleben darf. Somit wird das Band, das «18 alle als Söhne des deutschen Vaterlandes verbindet, mit dieser Stunde geknüpft. Daß e8 sich als fest erprobe jetzt und in alle Zu tunst, darauf leere ich mein Glas. Die Studentenschaft der Universität Bonn vivat, cresoat, floreat!
Stürmische Hochrufe folgten und der Kaiser kommandierte hierauf den Salamander. Darauf jubelnde, anhaltende Hurrahrufe.
die Aktionäre keinen Schaden, denn das Reich kommt für alles auf. Ties müsse als ein System der Prämienwirtschaft bezeichnet werden, wie es 1870 verboten wurde. Tie Rentabilitätsberechnung, welche die Kolonialschwärmer aufgestellt haben, zeigt nur, wie schlecht sie rechnen können. Die erste Vorlage sollte nur 15 Millionen kosten. Allerdings meine der Reichskanzler, der Bahnbau verpflichte zu nichts; wenn aber die Fortführung bis zum Tangajika-See verlangt werde, müßte man wohl —. »da „A" gesagt worden — auch „B" sagen. Hinsichtlich unserer finanziellen Lage haben wir keinen Anlaß, uns solchen Luxus zu gestatten; es scheint, als ob es nicht mehr heißt: „Deutschland, Deutschland über alles", sondern „Afrika, Afrika über alles!" Hier müsse endlich ein Strich gemacht werden.
Abg. v. Waldow-Reitzenstein (kons.) ist im Prinzip für den Bahnbau und hofft, daß durch denselben endlich ein Zustand herbeigeführt werde, der unser Schutzgebiet wirtschaftlich selbständig macht. Seine Partei wolle in keiner Weise sich durch die Annahme der Vorlage für eine etwaige Zentralbahn binden. Viele seiner Freunde seien dafür, daß eine Gesellschaft die Bahn baut, denn eine Gesellschaft baue viel billiger. Die Frage sei, ob nicht nach einem bestimmten Zeitpunkt die Bahn vom Reich zu übernehmen sei. Redner bittet, den Entwurf an die Budgetkommission zu verweisen.
Abg. Müller-Fulda (Zentr.) erklärt, seine Freunde haben wiederholt bewiesen, daß sie dem Bau von Kolonialbahnen nicht unsympathisch gegenüberstehen. Wenn diese Bahn lebhafte Meinungsverschiedenheiten hervorgerufen hat, so liegt es darin, daß sie von außerordentlicher Tragweite ist Durch Resolution ist der Reichskanzler aufgefordert worden, mit Hilfe privaten Kapitals die Bahn zu bauen und eine bezügliche Vorlage zu machen. Mit dem Bahnbau in eigner Regie hätte man böse Erfahrungen gemacht. Im -diesjährigen Etat seien die Kosten auf 15 Mill. Mark veranschlagt; heute wären jedoch die Kosten schon auf 24 Mill. Mark festgesetzt. Es ist ein offenes ^Geheimnis, erklärt Redner ferner, daß neben dem Banken-Konsortium, mit welchem der.Vertrag abgeschlossen worden, noch ein zweites sich bereit erklärt hat, den Bau unter viel günstigeren Bedingungen zu übernehmen. (Bewegung.) Dieses Konsortium soll aber auf den Widerstand des Kvlonialdirektors gestoßen sein, der sich verpflichtet gefühlt ha.be, durch den früher abgeschlossenen Vertrag von 1896, dem jetzigen Konsortium Prioritätsrechte zu gewähren. Das zweite Konsortium will den Bau um 20 Millionen Herstellen; hierüber müssen wir Aufklärung bekommen. Bedingung für unsere Zustimmung ist ein gründlicher Kostenanschlag.
Abg. Bebel (Soz.) wundert sich, daß der Reichskanzler dem Vorredner nicht gleich geantwortet habe. Ter Reichstag habe alle Ursache, wenn das wahr sei, was der Abg. Müller ausführte, gegen ein solches Verfahren Protest Zu erheben. Heute sei der Reichskanzler persönlich für eine Vorlage eingetreten. Das ist seit den Tagen Caprivis nicht mehr geschehen. Mit der Bewilligung dieser Bahn legen wir den Grundstock zur Zentralbahn. Der ganze Vertrag ist zu Gunsten der Gesellschaft und zu Lasten des Reichs geschaffen worden.
Kolonialdirektor Tr. Stübel: Als das zweite Konsortium an uns herantrat, war die Angelegenheit bereits dem gesetzgebenden Körper des Reichs unterbreitet. Ich nahm sofort Rücksprache mit den Herren, welche die Angelegenheit zu meiner Kenntnis gebracht hatten, und auch mit den Vertretern derjenigen Banken, die hinter diesem Banksyndikat stehen. Dabei ergab sich, daß das zweite Bankenkonsortium zwar der Ansicht ist, den Bahnbau unter Umständen billiger machen zu können, aber nicht bereit war, mit einer Offerte hervorzutreten. Deshalb war die Kolonial-Verwaltung nicht in der Lage, sich mit diesem Bankensyndikat weiter einzulassen. Der Bahnbau ist für unser Schutzgebiet eine Lebensfrage. 9hir durch den Bahnbau können die deutschen Steuerzahler entlastet werden, und kann der Zuschuß, den das Reich leistet, allmählich aufhören.
Abg. Dr. Hasse (natl.): Die geplante Bahn ist unbedingt notwendig zur wirtschaftlichen Erschließung des Gebietes. Die Möglichkeit, aus dem Lande etwas herauszuholen, ist schon naturwissenschaftlich gegeben, aber es thut Eile not; die Engländer bauen mit Staatshilfe eine Linie, ne unser Gebiet nördlich umklammert und uns scharfe .Pm- kurrenz bereiten kann.
Abg. Tr. Arendt (Rp.) hofft, daß die Budgetkommission Tifferenzpunkte befriedigend aufklären wird.
Abg. Tr. v. Siemens (Fr. Vgg.): Ich spreche nur ür mich persönlich. Von einem Teil meiner Fraktionsgenossen habe ich den Auftrag, zu erklären, daß sie sich von dem Bau der Bahn nicht die Vorteile für die wirt- chaftliche Entwicklung Ostafrikas versprechen, welche die Freunde der Vorlage erwarten, und daß sie zugleich der Ueberzeugung sind, es sei nicht richtig, daß das Reich das Risiko für Den Bahn bau und alle daraus sich weiter ergebenden Konsequenzen übernehme. (Sehr richtig! links.) Bebel hat ganz richtig gesagt, daß ich mich mit einem gewissen Fanatismus für die ostafrikanische Zentralbahn erklärt habe; ich glaube, daß die Bahn in Mrogoro nicht tehen bleiben kann. Wenn sie der Kolonie nützlich sein oll und wirklich politischen Vorteil schaffen soll, so muß ie bis an die See gehen, wo die Zentralbahn von Cecil Rhodes von Norden nach Süden Vorbeigehen wird. Tas Verständigste wäre, daß die Reichsverwaltung selb ex den Bahnbyu in die Hand nähme und alte Chancen übernehme. Tas ist abgelehnt worden, und man hat der Regierung den Rat gegeben, sich mit einem Privatkonsortium in Verbindung zu setzen. Tie Negierung wandte sich an die be treffenden Bankiers, diese sagten: mit dem größten Vergnügen, aber sie fügten hinzu: Wir haben keine Studien gemacht, wir können nur auf Grund der Studien, die die Regierung uns zur Verfügung stellt, ein Angebot machen. Ta die Ziffern nicht fixiert werden konnten, so sagten die Banken der Regierung: Uebernimyr Tu dies Risiko! Wenn nun der Bau gemacht wird in der vorgeschriebenen Weise, dann fragt es sich: Was wird mit den 24 Millionen gemacht? Ter Ueberschuß gilt als Reservefonds für weitere Ausgaben nach dem Vertrag. Das heißt, es wird soviel zur Herstellung der Bahn genommen, als gebraucht wird. Alles übrige wird angesammelt und dem Reichskanzler wird überlassen, wo das Geld hinkommen soll. Ob 24 oder 20 Mill, ift ganz gleichgiltig, es fragt sich nur, wieviel gebraucht wirb. Tie verbündeten Regierungen haben von diesem Vorschlag allerdings Vorteile; wollten sie für ihre eigene Rechnung diese Bahn bauen, so würden sie nach dem heutigen Zinsfuß ungefähr 3,5 Proz. bezahlen. Wenn nun die Aktien
■ö« der am 20. März l. I. stattgehabten Sitzung der Zweiten Kammer der Landstände hat der Abgeordnete Ulrich mit durchschlagendem Erfolg den Standpunkt ver» treten, daß es sich nicht empfehle, die Frage, an welchem Ort der Provinz Oberhessen die geplante dritte Landes- irrenanstalt zu errichten sei, ohne weiteres durch die Kammer entscheiden zu lassen, da die Prüfung der Platzfrage zunächst der Staatsregierung obliege. Dieser Stand- punkt erscheint in der Thal als der allein richtige. Er erinnert an die landständischen Verhandlungen, die in den Jahren 1857 und 1858 der Errichtung der Landesirrenanstalt bei Heppenheim vorausgegangen sind. Auch damals war die Platzfrage strittig. Aber wie in der Ersten, so gelangte man auch in der Zweiten Kammer der Landstände zu der Erkenntnis, daß die Platzfrage in der Hauptsache eine spezifisch irrenärztliche Frage darstelle, deren Prüfung und Lösung in erster Linie dem Ermessen und der Verantwortung der Staatsregierung anheimfalte. Nur die Regierung sei im stände, mit völliger Sachkenntnis und Unbefangenheit sowohl das Beste der Anstalt als die Interessen Dritter, welche hier in Betracht kommen, abzuwägen und! der Sache selbst könnte nicht gedient sein, wenn durch einen vielleicht mit einer Majorität von wenigen Stimmen gefaßten Beschluß der Ständekammer eine nur zufällige Entscheidung nach, der einen oder anderen Richtung hin provoziert werden sollte. (Erste Kammer 1857, Beilage 65 zum 19. Protokoll.) Nur die umsichtigste Prüfung aus gegenseitiger Abwägung aller für und gegen sprechender Gründe dürfe einen Ausschlag bestimmen, wie er durch eine Abstimmung der Ständekammer nach Stimmenmehrheit für das Interesse der Anstalt unmöglich gesichert sein könne. (Zweite Kammer 1858, Beilage 348 zum 77. Protokoll.) Der entsprechende Beschluß wurde in der Ersten Kammer am 5. November 1857 einstimmig gefaßt, in der Zweiten Kammer am 4. Juni 1858 mit^allen Stimmen gegen drei. Bekanntlich war dieses ErgAmis in erster Linie dem Eingreifen des damaligen Ersten Präsidenten der Ersten Kammer, Sr. Durchlaucht dem Herrn Fürsten Ludwig zu Solms-Hohensolms-Lich zu verdanken.
Seit sener Zeit sind über 40 Jahre verflossen und während dieser Zeit ist in der Entwickelung der Irren- Heilkunde als Wissenschaft und in. der Gestaltung der öffentlichen Jrrenfürsorge in Deutschland eine gewaltige, noch immer im Flusse befindliche Bewegung eingetreten; daß und wie unser engeres Vaterland dieser Bewegung sich angeschlossen hat, ift bekannt und wird mit besonderer Deutlichkeit durch die Eröffnung der psychiatrischen Klinik an der Landesuniversität Gießen im Jahre 1896 dargethan. Tie Eröffnung der Klinik regte ihrerseits, wie vorauszusehen war, neue Fragen an und führte insbesondere zu der in jüngster Zeit brennend gewordenen Frage, ob und warum es sich empfehle, die geplante dritte Landesirren- anstalt mit der psychiatrischen Klinik, die ihrem Wesen nach eine gewisse Größe bekanntlich nicht überschreiten darf, und ihren Krankenbestand fortwährend wechseln und erneuern muß, in geeignete Verbindung zu bringen und deshalb in unmittelbarer Nähe von Gießen und möglichst nahe der Klinik zu errichten.
Tie Mehrzahl der unter den jetzigen Verhältnissen in die psychiatrische Klinik eintretenden Geisteskranken fällt durch die Aeußerungen ihrer geistigen (Störung ohne weiteres auf. Es sind sog. akute Kranke. Soll aber die Klinik ihren Zweck als Lehranstalt wirklich erfüllen, soll sie den zu- ünftigen praktischen Arzt, den Polizeiarzt, den Gerichtsarzt in den Stand setzen, auch diejenigen Geisteskranken richtig zu erkennen und zu demonstrieren, deren im Interesse der Kranken jelbst, der Familie, der Rechtspflege, der allgemeinen Wohlfahrt so überaus wichtige, sichere Beurteilung ein besonderes Sachverständnis des Arztes vor- aussetzt, sollen endlich die Aerzte befähigt werden, da ver- hütend und vorbeugend einzugreifen, wo der Eintritt eine, Geisteskrankheit droht, oder, wo man, wie leider so oft, den Geisteskranken erst dann als solchen erkennt, wenn er sich selbst und seine Familie ruiniert, fremdes fiebert und Eigentum zerstört hat u. s. w., so müssen der psychiatrischen Klinik neben jenen akuten Kranken auch Geisteskranke anderer Art jederzeit als Lehrmittel zur Verfügung stehen, und zwar die neuen wie die anderen schon deshalb in großer Zahl, weil die einzelnen Geisteskranken nach ihrer Art außerordentlich voneinander verschieden sind. Mit Rück- icht hierauf besteht ja auch die Absicht, unter Benutzung >er in der Provinz Oberhessen gelegenen Strafanstalten Marienschloß und Butzbach der geplanten neuen Landesirrenanstalt eine Abteilung für geisteskranke Verbrecher anzugliedern.
Errichtet man nun die dritte Landesirrenanstalt in der Nähe der psychiatrischen Klinik, so wird es ohne Schwierigkeit möglich werden, geeignete Pfleglinge der Landesirrenanstalt in dem erforderlichen Maßstab zu jeder Zeit der Klinik zum Unterricht zu überlassen, sei es nun, daß man ie temporär in die Klinik versetzt oder daß man sie in der Landesirrenanstalt selbst den Studierenden vorstellr. Je geringer die Entfernung zwischen der Anstalt und der Klinik ist, um so leichter lassen sicy alsdann auch solche Geisteskranke demonstrieren, deren Zustand jeden Transport verbietet oder die nur in größeren Zwischenräumen über nur für kurze Zeit für den Lehrzweck wichtige Erscheinungen zeigen. Ferner könnte man die Studierenden durch den Augenschein über den späteren Verlauf derjenigen Fälle unterrichten, die sie in der Klinik in einem früheren Stadium der Krankheit kennen gelernt hatten und hierbei würde sich dem Leiter der Klinik die bei dem gegenwärtigen Stand der Jrrenheilkunde noch immer sehr wichtige Se
tz ach 87 Jahren amortisiert werden, so kostet das Geld nicht 3,5 Proz., sondern 3,4 Proz. und das Reich bekommt das Kapital zurück. Das sind Vorteile, die nicht unterschätzt werden dürfen.
s2(bg. Graf Stolberg (kons.): Je größer die Summe ift, bie wir zur Verfügung stellen, um so weniger sparsam wird gewirtschastet.
Abg. Lucke (B. d. L.) verlangt eine genaue fundamentale Berechnung für die Vorlage.
5>ie Vorlage wird der Budgetkommission überwiesen. Nächste Sitzung Donnerstag. (Zwecke Beratung des Pr i va t- versicherungsgesetzes.)
Die Errichtung einer Landesirrenaustclt in unmittelbarer Nähe von Gießen.
Bon Dr. G. Ludwig, Gch. Medizinalrat in Heppenheim (In der „Darmst. Ztg.").


