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Nr. 97 Erstes Blatt.
151. Jahrgang.
Freitag 26. April 1901
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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Adresse fär Depesche«: Anzeiger Gieße«.
Kernsprechanschluß Nr. M.
Bekanntmachung.
Wir bringen zur ÄenntntS der ^ntc, ■ ffenten, daß jeder gelt auf den rachbenannten sechs Zuchista'lonrn des Vvgel und GefiügelzuchtcereinS Gießen frische Eier von rusfereinen Hühnern zur Nachzucht leistungefäh'qen GtflÜgelS zu b-zieher sind. Bezüglich der Znchtstation auf der Hardt wolle man sich an den Vorsitzenden des Vereins, Herrn August Schwär hier, Sel'ereweg, bezüglich der Übrigen an die Besitzer der Zuchtftanonen wenden.
Die Tier kosten für Mitglieder des Vereins i 15 Pfg., Mchtmikgll der ä 20 Pfg.
Zuchtstation Hardt: rebhuhnfarbige Italiener, schwarze Mi orka;
Hch. Hochreuther hier: gesperberte Plymouth RockS;
Hch. Leib Ww., Philosophenwald: rebhuhnfarbige
I aliener;
Julius Zimmer, Bingmühle: rebhuhnfarbige Italiener;
Ioh. Engel, Birklar: schwarze Minorka, gesperberte Italiener;
H. Döpfer IV., RöthgeS bei Laubach: rebhuhnfarbige Italiener.
Gießen, den 19. Aptil 1901.
Der Dir-.ktor des landw. Bezirksvereins, v. Bechtold.
Der Kaiser in Bonn.
Bonn, 24. Aprff, Die Ankunft des Kaisers.
Eine große Menschenmenge, zu der die nähere Umgebung )aS Hauptkontmgent gestellt hatte, durchwogte schon von der frühen Morgenstunde an die Stadt. Gegen 8 Uhr durch brach die Sonne das Gewölk, einen Fortbestand des präch Ligen Flühliugswetters in Aussicht stellend. Der Flaggen« schmuck tm Innern der Stadt ist heute noch allgemeiner geworden. Zahlreiche Schaufenster haben entsprechende Dekorationen erhalten. Auf der Koblenzerstraße stellten sich in der Frühe die militärischen Vereine zur Spalierbtldnng auf. Bahnhofstraße. Kaiserplatz, Hofgarten, Koblenzerstraße wurden von 9 Uhr ab für den Fußgängerverkehr gesperrt. Eine ungeheu re Menschenmenge sammelte sich infolgedeffen zu beiden Seiten der Straßen an, indrß wurde es den Polizei beamten, die aus Düsseldorf, Elberfeld und Köln Verstärkung erhalten hatten, nicht schwer, die Ordnung aufrecht zu erhalten.
Um 9 Uhr 55 Min. lief der Kaiserliche Sonder Zug, worin sich auch der Kronprinz befand, in die hiesige Bahnhofshalle ein. Zur Begrüßung hatten sich, wie wir bereits gestern meldeten, eingefunden: Prinz Adolf von Schaumburg-Lippe nebst Gemahlin, Eisenbahndirektionspräft bent Stieger (Köln) und Oberbürgermeister Spiritus (Bonn). Kaiser und Kronprinz bestiegen nach kurzer Begrüßung die bereitstehenden Wagen und fuhren unter Hochrufen der Menge zur Billa Schaumburg. Im ersten Wagen hatte der Kaiser zur Rechten seiner Schwester, der Prinzessin von Schaumburg- Lippe, im zweiten Wagen der Kronprinz mit dem Prinzen Adolf Platz genommen. In den folgenden drei Wagen befand sich das Gefolge des Kaisers, darunter Kultusminister Studt. Der Kaiser sah vortrefflich aus. Die Huldigungen des Volkes beantwortete er durch Grüßen. Auch der Kronprinz legte fortwährend zur Begrüßung die Hand an seinen Helm. Den Kaiser scheinen die ereigni-vollen Tage der letzten Wochen etwas angegriffen zu haben. Der Kronprinz machte hier denselben Eindruck, den er jüngst beim Wiener Publikum hervorgerufen hatte. Er riß sofort alle hin, nnd seine ge winnende Erscheinung, sein so überaus einfaches, bescheidenes Wesen eroberten ihm schnell Aller Herzen. Seine hoch- aufgeschosiene Gestalt mit dem fast bleichen Antlitz, die sich in der Uniform des GardeleutnavtS überaus schmuck ausnahm, war bei diesem Empfang in Bonn der Miitelpunkt aller Huldigungen des Publikums.
Dem kaiserlichen Wagen ging weder ein Wagen noch eine Begleitung voraus. Keine radelnden Leibgendarmen, leine galoppierenden Gendarmen oder Schutzleute waren zu bemerken. Dem neuen Bonner Musensohn galt alle Be gcisterung der Masten, namentlich die Damenwelt huldigte dem ältesten Sohne unserer von allen deutschen Frauen so Hochverehrten Kaiserin in herzlichster Weise.
Die Immatrikulation des Kronprinzen.
Bor dem Hauptportal der Universität war ein Baldachin ausgestellt, unter dem der Rektor, Profestor Freiherr Äon La Valette St. George, der Senat, der Kultus Minister Dr. Studt und der Kurator der Univerfitäi Dr. v. Rottenburg den Kaiser und den Kronprinzen er» »arteten. Beide trafen uw 12 Uhr ein und wurden vom Rektor unter Vorantritt des Senats durch ein Spalier von Lorbeerbäumen in die Aula geleitet. Pedelle eröffneten den Zug, der Prinz und die Prinzessin von Schaumburg-Lippe, igotoie die Herren der Umgebung schloffen sich an. In der
Aula war ein T'sch ausgestellt, auf de» Album, Matrike und Erkennungskarte lag n. Im Hintergründe sah man ein Loi beer-Arrangcment, 20 Chargierte mit Fahnen flankierte, dasselbe. Die Versammlung bot ein glänzendes, fa> den prächtiges Bild. Zahl'eiche Eorengäste waren anwesend: Generaloberst v. LoS, Obcrpräfivent Nuffe, Regierungs oräsident v. Richthofcn, die Oberbürgermeister von Köln nnb Bonn, die Rektoren der Unwerst'ät verlin, der Akademie in Münster und der Techn,scheu Hochschule in Aachen, die §p tzen der Zivil und Miliiärbehö'den, die evangelische nnb katho ische Geistlichkeit. Der Kaiser nahm vor dem ge nannten Tische Aufstellung, links von ihm der Kronprinz. Nachdem die Kapelle des 140. Infanterie Regiments einen Musch öorqetraflen, hielt der Rektor folgende Ansprache:
Kaiserliche nnb Königliche Majestät 1 Ew Majestät wallen dem zeitigen Rektor der Univeisität Allergnädigst gestatten, den erhabenen Schirmherrn unserer alma water ehrfurchtsvoll zu begrüßen. Hochbeglückt sind wir durch die Anwesenheit Sw. Majestät, Allerhöchstwelche ja wie auch der hochselige Kaiser Friedrich es nicht Verschmäht haben, zu unfern Schülern gerechnet zu werden. Mit Stolz und Dank blicken wir auf die selbstgezeichneten Namen, welche unser Album zieren. Die schönen Hoffnungen, zu denen der Jüngling berechtigte, erfüllt der zum Mann gereifte Herrscher in herrlichster Weise. Ew. Majestät starker Arm sichert Deutschlands Grenzen; die deutsche Flagge weht auf allen Meeren, und Kunst und Wissenschaft, Handel und Wandel erblühen unter dem verständnisvollen Schutze unseres genialen Kaisers. Daß Ew. Majestät der Bonner Studentenzeit sich freundlichst erinnern, haben wir oft genug erfahren. Der höchste Beweis gnädiger Huld und ehrenden Vertrauens wird uns beute zuteil, wo Ew. Majestät den eigenen Sohn, Seine kaiserliche und königliche Hoheit den Kronprinzen des deutschen Reiches und von Preußen unserer Universität zusühren. Wie Ew Majestät seinerzeit sich hier aller Herzen gewonnen haben, so.Mrd auch der neue hohe Kommi litone es bald erfahren, wie treu und warm ihm unsere Herzen ent- gegenschlagev I
Der Kronprinz schrieb sich hierauf in das Album der Universität ein und erhielt dann Matrikel und Erkennungs karte. Der Dekan der juristischen Fakultät Überreichte das Sollegienbuch. Nach Beendigung der Feier trat der Kaiser an den Rektor heran und drückte ihm unter Dankesworten hie Hand. Unter den Klängen des Torgauer Marsches ver l eßen die Herrschaften die Aula und kehrten nach der Billa Schaumburg zurück.
Nach der Ansprache zeichnete sich der Kronprinz in das Slburn ein. Der Rektor veipflichtete den Kronprinz dann durch Handschlag, der UniversilätSrichter überreichte die Erkennungskarte, der Dekan der juristischen Fakultät mit einer kurzen Ansprache duS Kollegienbuch. Nunmehr begrüßte der Rektor den Kronprinzen als jüngsten Kommilitonen und gab dem Wunsche Ausdruck, daß auch er die ernste Wiffenschaft mit frischem Jugendmute vereinigen möchte. Er schloß mit einem Hoch auf den Kaiser, das brausenden Widerhall fand. Die Musik spielte die Nationalhymne. Der Kaiser reichte dem Rektor die Hand und begrüßte sodann verschiedene An wesende und ließ sich die Mitglieder des Senats vorstellen. Dann schritten der Kaiser und der Kronprinz und die Be gleitung im Zuge hinunter zum Portal, von wo die Abfahrt unftr jubelnden Hochrufen des Publikums, insbesondere der versammelten Studenten, erfolgtes
5 jDie Matrikel des Kronprinzen.
Die in Währung der überlieferten Form für den Kron Prinzen ausgefertigte Matnkel hat folgenden Wortlaut:
Qaod bonum fei ix fanstumqae eit praeeonte ac jubente summa mj^etate Guilelmi eecundi, Impe atoris Gennanorum, Boruaeiae Regis, auguetieeimi potentisaimi universitatis Friderieiae Guilelmiae rhenanae conaervatorie clementiaaimi rectore Adolpho libero barone de la Valette 8t. Geerge, medicinae et chirurgiae ac philosophiae doctore, anatomiae profeaaore publico ordinario, inatituti anatomici direotore, regia ab intimia medicinae conailiis ordinum, regia bornaaici aquilae rubrae et coronae quite Friedericua Guilelmua Victor Augustus Ernestus, Guilelmi Imperatoris filius generosissimus ex regia Boruaaorum stirpe princepa, Imperii Germanici et Regni Borusaici hcres, atudiosas jaris data dextra, juriajurandi loco, legibus magiatrati- buaque academicis fidem oboedientiam reverentiam pollioitus, numero civium univeraitatis Friedericiae Guilelmae Rhenanae legitime ad- acriptua est, cujus rei testea haaoe litteras sigillo univeraitatis munitas. et rectoris manu subscriptas accepit. — D. Bonnae, d XXIV menaia Aprilia anni MCMI de la Valette. Seoretarius univeraitatis Carolus Hoffmann.
In freier Uebersetzung: Glück sei und günstige Vorbedeutung? In Gegenwart und auf Befehl Seiner Majestät Kaiser Wilhelms II., Deutschen Kaisers und Königs von Preußen, des mächtigen und gnädigen Förderers der rheini- sck>en Friedrich Wilhelms-Universität und unter dem Rektorat Adolfs Freiherrn de la Valette St. George, Doktors der Medizin, der Chirurgie und Philosophie, ordentlichen Professors der Anatomie, Geheimen Medizinalrats, Ritter des Roten Adler- und des Kronenordens gelobt — Fried- drich Wilhelm Viktor August Ernst — der edle Sohn des Deutschen Kaisers, Prinz von Königlichem Stamme Preußens, des Deutschen Reichs und der Krone Preußens Erbe, als Student der Rechte mit Handschlag statt bes, Eidschwurs Treue, Gehorsam und Achtung den akademischen Gesetzen und Beamten und ist nach Ablegung dieses Gelöbnisses in die Zahl der Hörer der rheinischen Friedrich Wilhelms-Universität ausgenommen worden, wofür Zeugnis ist diese Urkunde mit beigedrucktem Jnsiegel und der Handschlag des Rektors. Gegeben Bonn, 24. April 1901, gezeichnet be la Valette, als Rektor: Karl Hoffmann, als Sekretär der Universität."
* *
Nach der Imm trikulterungSfeier machte der Kaifer mit öem Kronprinzen mehrere Besuche Hierauf fand F'ühstückS- tafel beim Prinzeupaar von Schaumbu g-L'Ppe statt. Am Nachmittag wurde eine Dampf erfaßet auf dem Rheiu gemacht.
Der Kaiser-Kommers.
I« reich mit stuventischen Emblemen geschmückten sieethovenfaale fand abenvS der Fe st komme rS der gesamten Studentenschaft statt. Auch die Gale icn waren von Studenten besetzt. An der Borussia Tafel saßen viele Ltudi ng »offen des Kaisers. Die Mafik wurde von der Kapelle der 7. Husaren ausgeführt. Von den Ghaigi-rten geleitet und mit brausenden Hochrufen begrüßt, betrat Punkt 8 Uhr der Kaiser ix der Uniform der Leibhusaren, mit dem Kronprinzen und dem Prinzen von Schaumburg Lchpe den Saal und nahm an der auf einem erhöhten Podium befindlichen Ehrentafel zur Rechten des ersten Chargierten der „Borussia", v. AlvenSlebc«, Platz. Rechts vom Kaiser saß der Kronprinz. An der Tafel saßen ferner der Kurator und der Rekior der Univerfität und die Umgebung des Kaisers, hinter der Kaisertafel der akademische Lehrkörper. An alle Teilnehmer des Kommerses gelangte ein Liederbuch nut dem Bild des Kronprinzen zur Verteilung Nach dem zweiten Liede hielt der erste Chargierte der „Borussia", v. AlvenS- leben, foloenbe Ansprache an den Kaiser: k
®ro. Majestät geruhten allergnädigst, heute unter uns zu erscheinen. NamenS der gesamten Studentenschaft wird mir die hohe Ehre zu Teil, Ew. Majestät in unserer Mitte ehrfurchtsvoll zu begrüßen. Die Universität Bonn blickt mit Stolz auf die Zeit, da Ew. Majestät allerhöchst selbst ihr angehörten. Seit jener Zeit bewahrten Ew- Majestät der Bonner Studentenschaft stets immer das gleichbleibende allerhöchste Wohlwollen und Jntereffe. Der heutige Tag ist unS ein neuer Beweis der allerhöchsten Gnade und des Vertrauens. Sichtbare Zeichen aber hierfür dürfen wir ganz besonders darin erblicken, daß Ew Majestät heute geruht haben, den Kronprinzen in die Zahl der akademischen Bürger aufnehmen zu taffen, daß wir die hohe Ehre haben, den Kronprinzen in unserer Mitte willkommen heißen zu dürfen. Die Bonner Studentenschaft wird stets als ihre vornehmste Pflicht betrachten, sich der hohen Ehre würdig zu zeigen. Unverbrüchlicher Gehorsam, nie wankende Treue zum angestammten Herrscherhause der Hohenzollern wird unser Dank für die allerhöchste GnadL sein. Dieses G-löbms bekräftigen wir, indem wir nach altem studentischen Brauch auf das Wohl E«. Majestät einen kräftigen Schoppensalamander mit unserem Rest reiben.
Die Musik intonierte die Nationalhymne, worin sich Hochrufe mischten, während der Kaiser sich wiederholt verneigte. Dann sprach der Kaiser.
Die Rede des Kaisers.
Auf dem Kommers hielt der Kaifer in Erwiderung der Ansprache des Vorsitzenden des Korps „Borussia" folgende Rede:
Es bedarf wohl für Sie, meine lieben jungen Kommilitonen, nicht besonderer Erwähnung oder Betonung, welche Gefühle mein Herz dnrchzittern, wenn ich mich tm lieben Bonn wieder unter Studenten b-finde. ES entrollt sich vor meines Geistes Auge herrlich bei schimmernde Bild voll Sonnenschein und glücklicher Zufiicdenhett, welches die Zeit meines Hierseins damals erfüllte: die Freude am Leben, die Freude an den Leuten, alt wie jung, und vor allem die Freude an dem erstarkenden Deutschen Reiche. So ist denn auch der Wunsch, der mich vor allem jetzt erfüllt, in dem Augenblick, da ich meinen teuren Sobn in Ihre Mitte reihe, daß ihm eine ebenso glückliche Studienzeit beschieden sein möge wie mir einst geworden. Und wie sollte das auch eigentlich anders möglich sein! Ist doch Bon«, die liebliche Stadt, so gewöhnt an das Treiben lebensfroher Jünglinge, und von Natur wie dazu geschaffen, findet der Kronprinz doch Erinnerungen an feinen herrlichen Grotzvater, der nimmer Bonns oer- gtffen konnte — fein Auge leuchtete, wenn der Name der ihm so lieb gewordenen Stadt genannt wurde, an feinen Urgroßvater, den edle» Prinzgemahl, den Lebmsgefährtm jener jetzt oe-klärten königlichen Frau, die stets ein friedliches, freundliches Verhältnis zwifchm ihrem und unserem Volk, die ja beide germanischen Stammes sind, an- aestrebt hat, und so manchen andern edlen deutschen Fürsten, der hier seine Vorbereitung für seinen späteren Beruf durchlaufen bat.
Aber weiter noch: Bonn liegt ja am Rhein! Da wachsen unsere Reben. Ihn umschweben auch unsere Sagen, da redet jede Burg und Stadt von der Vergangenheit Unser Rhein mit seinem Zauber soll auch auf den Kronprinzen tmb Sie seine Wirkung üben, und wenn der Becher fröhlich kreist und ein frisches Lied erschallt, dann soll Ihr Geist sich voll be< schönen Augenblick« erfreuen und darinnen aufgehm, wie es lebenSmutige« deutschen Jünglingen ziemt. Doch die Quelle, woraus Sie Freude schöpfen^ sie sei rein und lamer, wie der goldene Saft der Reben, sie sei tief und nachhaltig wie der «ater Rhein! Blicken wir umher im wonnigen Rheinland, da steigt vor uns unsere Geschichte in greifbarer Gestalt empor. Ja, freuen sollen Sie sich, daß Sie junge Deutsche find, beim Durch- ziehm der Strecken Aachen bis Mainz, das heißt von EaroluS Magnus zur Glanzzeit DeuffchlandS unter Barbarossa! Aber warum ward nichts aus all der Herrlichkeit, warum sank daS Deutsche Reich dahin? Weil das alte Reich nicht auf streng nationaler Basis begründet war. Dec Universalgedanke des alten römischen Reiches deutscher Ration ließ die Entwickelung in deutschnationalem Sinn nicht zu. Das Wesen der Ration ift in der Abgrenzung nach außen der Persönlichkeit d-s Volkes und seiner Rasseeigentümlichkeit entsprechend. So mußte Barbarossa's Glanz erbleichen und deS alten Reiche« Bestand zerfallen, weil eS durch feinen UniversaliS- mus an dem Krystalltsationsprozeß zur Nation gehindert wurde, und zwar zur Nation im ganzen; denn kleinere Kerne krpstallifierten sich in der Form starker FürsteMümer und gaben den Grundstock für daS neue Staatengebilde ab, aber dadurch mußten sie und ihre Oberhäupter leider in Konflikt mit dem, dem Universalismus dienenden Kaiser und Reich gelangen, und so ging der innere Friede dem stets schwächer werdenden Reich verloren. Leider muß auch über diese Entwickelung unseres deutschen Volkes das schwerwiegende Wort des große« Kenners Germaniens, TacituS, geschrieben werden: wpropter invidiam“. Die Fürsten neidettti den Kats«nr ihre Macht, wie einst dem Arminius trotz seines Steges. Der Adel de» neidete di» reich gewordenen Städte und der Lauer beneidete den » . Was für unselige Folgen, welch schweres Unheil h«t *ns^ tteb^ Vat^lmd „propter invidiam* erlittenI Davon können die Gestade des Vater


